Gitarren-Magazin

Die E-Gitarre – ein Rückblick

Die E-Gitarre ist eine Weiterentwicklung der akustischen Gitarre. Anders als bei der akustischen Gitarre ist der Klang der E-Gitarre nicht mehr von dem Resonanzkörper abhängig, sondern wird durch die elektronische Verstärkung erreicht. Sie beherrscht heute einen Großteil der populären Musikrichtungen.

Die Entstehung der E-Gitarre

e-gitarren-partsIn den USA wurde es durch die neuen Musikstile des Blues und des Jazz, bei denen es üblich war für ein breites Publikum zu spielen, immer attraktiver lautere Instrumente zu entwickeln, die sich auch unter freiem Himmel klanglich durchsetzen konnten. Eine Nebenentwicklung dieser Situation ist die Resonatorgitarre, die allerdings noch völlig ohne Elektronik auskommt und über einen mechanischen Lautverstärker verfügt. Zur Entwicklung der E-Gitarre mögen zusätzlich das Verlangen nach einem neuen Sound, die sich fortentwickelnden technischen Möglichkeiten und natürlich der Erfindungsgeist und die Experimentierfreude weniger Pioniere beigetragen haben.

Gitarrenbauer Gibson

Ein solcher Pionier auf dem Gebiet der E-Gitarre war der Texaner George Beauchamp, der auch schon bei der Entwicklung der Resonatorgitarre mitgewirkt hatte, da er aber mit dem Ergebnis nicht völlig zufrieden war, setzte er seine Arbeit an der elektrischen Verstärkung der Gitarre fort, die er in den 20er Jahren bereits begonnen hatte.
Beauchamp nahm einen Plattenspieler auseinander, der aus einem Dauer-Magneten und einer Spule bestand. Da mit der elektrischen Verstärkung der Resonanzkörper der üblichen Gitarre überflüssig wurde, verbaute Beauchamp ihn mit einer massiven Gitarre, sozusagen die erste Solidbody der Geschichte. Statt der Tonabnehmernadel wurden nun jedoch die Stahlsaiten in das Magnetfeld des Tonabnehmers geführt. Die Saitenschwingungen veränderten dieses auf diese Weise und erzeugten somit eine Wechselspannung in der Spule. Diese Wechselspannung konnte man nun nach Belieben verstärken und durch Lautsprecher wieder hörbar machen. Um seine Erfindung auszufertigen, tat sich Beauchamp mit dem Schweizer Adolph Rickenbacker zusammen. Rickenbacker war es schließlich, der die Weiterentwicklung der E-Gitarre für die Firma Gibson ausführte.

les-paulIm Jahr 1936 warf Gibson das Modell ES-150 auf den Markt. Als eines der frühesten Serienmodelle handelt es sich bei der ES-150 jedoch noch nicht um eine Solidbody-Gitarre, sie war daher auch ohne Verstärker spielbar, besaß jedoch bei lauter Spielweise jenen Rückkopplungseffekt, der dazu beitrug, dass sich die massiven Bauformen der E-Gitarre allmählich durchsetzten.
Die ES-150 ist schließlich auch mit dem Namen Charlie Christian verbunden, jener schwarze Musiker, der das Potential des neuen Musikinstrumentes früh erkannte und seinerseits eine völlig neue Spielweise und damit einen völlig neuen Sound etablierte. Musiker wie er waren es, die dazu beitrugen, dass sich die E-Gitarre auf dem Markt durchsetzen sollte und dass durch die hohe Nachfrage neue Bauweisen und Modelle entwickelt wurden. So wurde der Effekt der Rückkopplung durch den Gitarristen Les Paul beseitigt, der die üblichen Gitarren einfach aufschnitt und einen massiven Holzblock einfügte, wodurch sich ebenfalls der Sustain, also der Ausklang der Gitarre verbesserte. Les Paul war später auch bei Gibson an der Entwicklung vieler neuartiger Instrumente beteiligt, wie z.B. die nach ihm benannte Gibson Les Paul.

Fender erstmal mit Cutaway und zwei Tonabnehmern

Eine weitere entscheidende Entwicklung lieferte schließlich der technische Reparateur Leo Fender, der sich in der Nähe von Los Angeles niedergelassen hatte. Zu dieser Zeit bekam er viele Aufträge um Gitarren zu reparieren, denn an den bisherigen E-Gitarren mit ihrem großen Korpus konnte viel kaputt gehen. Die Reparatur dieser Instrumente gestaltete sich für den einfachen Techniker Fender äußerst schwierig, weshalb er Ende der 40er an der Umsetzung seiner Ideen arbeitete. Die von ihm entwickelte Gitarre besaß diverse Neuerungen ein Cutaway, zwei Tonabnehmer und einen relativ einfach konstruierten Hals, außerdem konnte die gesamte Konstruktion mit Hilfe weniger Werkzeuge auseinander- und wieder zusammengebaut werden.

Nach diesen Entwicklungen tat sich nicht mehr allzu viel in der Geschichte der E-Gitarre. Noch zweimal konnten die Firmen Gibson und Fender mit echten Neuerungen auf dem Markt auftreten. Mit der Thin-Line-Reihe von Fender kamen Mitte der 50er die ersten Gitarren auf den Markt, die ein Mittelsegment im hohlen Korpus besaßen, wodurch Rückkopplung und Sustain sich noch einmal verbesserten. 1963 brachte Gibson seine Firebird-Reihe heraus. Bei ihr waren Korpus und Kopfplatte seitenverkehrt (reverse) und erstmalig bestand das Hals-Segment und der Korpus aus einem Stück. Eine aktuelle Übersicht bzgl. neuer und gängiger E-Gitarren findet man z.B. auf e-gitarren.com – hier wird nach Gitarrenform und Gitarrenmarke übersichtlich dargestellt, welche E-Gitarren am Markt verfügbar sind.

Im Grunde handelt es sich bei allen Modellen, die nach 1963 auf den Markt kamen, lediglich um Variationen der Klassiker. Dass noch einmal eine revolutionäre Entwicklung auf die E-Gitarre zukommt, ist sehr unwahrscheinlich, weshalb man mit Recht behaupten kann, dass die E-Gitarre ihre Perfektion Mitte der 60er erreicht hat – daran werden auch keine Konsolen-Gitarren für Guitar Hero & Co. etwas ändern.

  • 01.05.2012
  • 10:27 Uhr

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