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Thema: Kadenz?

  1. #1
    Registrierter Benutzer Avatar von Anaklasis

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    Kadenz?

    Hallo liebe Leute, ich hätte da mal eine Frage. In allen klassischen Werken werden längere Sektionen immer mit fast ein- und demselben Motiv abgeschlossen. Wie nennt man das und warum ist das so und warum ist das immer gleich (egal welches Stück oder Komponist oder...)? (Frage aus Interesse, ist keine Frage für die Schule.)


    Hier z.B.: http://www.youtube.com/watch?v=eZbX4AXQIBk bei zum Beispiel 0:28-0:33 und 1:03-1:06 und 4:21-4:26 und 4:41-4:47 und nicht nur da zu hören.


    Dank im voraus für alle Antworten!

  2. #2
    HCA Piano/Klassik Avatar von Günter Sch.

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    Günter Sch. ist offline
    Die kadenz grenzt die tonart ein, hat eine schlusswirkung und ist somit ein unverzichtbarer baustein tonaler musik.
    Die melodik der musik des 19.jh.ist weitgehend harmonisch bestimmt und in den schlüssen oft floskelhaft (Rossini!)
    s.u.
    Geändert von Günter Sch. (19.04.2012 um 11:27:45 Uhr)
    Als er achtzig war und war gebrechlichDrängte es den Lehrer doch nach Ruh'Denn die Weisheit war im Lande wieder einmal schwächlichUnd die Bosheit nahm an Kräften wieder einmal zu.Und er gürtete den Schuh.

  3. #3
    Registrierter Benutzer Avatar von Anaklasis

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    Anaklasis ist offline
    Danke für deine Antwort! Aber warum liegt darauf immer dieselbe Ton("melodie")folge?

  4. #4
    MOD Musiktheorie/HCA MuWi
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    klaus111 ist offline
    Zitat von Anaklasis Beitrag anzeigen
    In allen klassischen Werken werden längere Sektionen immer ...
    Naja, in allen immer sicher nicht, doch es gibt natürlich starke Häufungen bestimmter Schlußformeln.

    Bei Deinen Ausschnitten wird immer mit der authentischen Kadenz abgeschlossen, also T-D-T, eine häufige Schlußformel.

    Bei der Stimmführung einer gut sanglichen Melodie ohne Sprünge gibt es nur zwei Möglichkeiten, auf dem Grundton zu enden. Entweder von unten:

    Leitton-Grundton (vollkommener Ganzschluss). Die Aufwärtsbewegung beginnt oft mit der Quint oder Sext oder von oben:

    nach unten gerichtete Sekundbewegung zum Grundton als Tenorklausel (formula tenoris). Die Abwärtsbewegung beginnt oft mit der Terz.

    Siehe auch:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Schlussbildung
    http://de.wikipedia.org/wiki/Klausel...lusswendung%29

    Auffällig an Deinen Beispielen ist, daß der Grundton in der Melodie bereits bei der ersten Tonika (von T-D-T) erreicht wird, um dann durch eine Abwärtsbewegung (Terz, Sekund, Grundton), während der die Dominante erklingt, nochmals bekräftigend erreicht zu werden.
    Dabei erklingt die Terz dissonant (auf betonter Zeit) zur Dominante, wo sie einen Vorhalt zur Quinte der Dominante darstellt. Auch der Grundton wird, während die Dominante erklingt, schon erreicht und zwar ebenfalls als Dissonanz (auf unbetonter Zeit).
    Das nennt man Antizipation (Vorwegnahme). Letzteres findet sich sich sehr häufig in klassischer Musik.

    Zitat von Anaklasis Beitrag anzeigen
    Wie nennt man das und warum ist das so und warum ist das immer gleich?
    Es sind Schlußformeln, entfernt vergleichbar mit Grußformeln in Briefen. Da gibt es auch nicht viel Möglichkeiten: "Mit freundlichen Grüßen", "Viele Grüße", Herzliche Grüße". "Hochachtungsvoll" ist aus der Mode gekommen, wie auch bestimmte musikalische Schlußformeln.

    Viele Grüße

    Klaus
    HCA Musikwissenschaft
    Ein Leben ohne Musik ist möglich - aber sinnlos. (frei nach Loriot)

  5. #5
    Trompete & Blasinstr. Avatar von zonquer

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    zonquer ist offline
    Zitat von klaus111 Beitrag anzeigen
    ... "Hochachtungsvoll" ist aus der Mode gekommen, ...
    Keineswegs, "Hochachtungsvoll" ist die Schlussformel, wenn schwerwiegende Konfilkte ausgetragen werden. Daher findet man es im Geschäftsbriefen bei Auseinandersetzungen, in Anwaltsschreiben der Gegenseite bei streitigen Verfahren oder in Behördenschreiben im Zuge von Zwangsmaßnahmen.

    Etwas vollkommen anderes wäre dagegen "(ganz) ausgezeichnete Hochachtung".
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hochach...u.C3.9Fformeln
    Gbm sieben Bier holen? Nö, Dbm bist Du dran!

  6. #6
    Registrierter Benutzer Avatar von Anaklasis

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    Anaklasis ist offline
    Ich setzte mich an ein Bächlien mit freundlichen Grüßen, und ich beschautem mir die Welt mit freundlichen Grüßen, und so saß ich da mit einem Mädel mit freundlichen Grüßen, an meiner Seite so lieb mit freundlichen Grüßen, doch dann kam ihr Pappa mit freundlichen Grüßen, der sah das nicht gern mit freundlichen Grüßen ...

    eigentlich völlig bekloppt

  7. #7
    MOD Musiktheorie/HCA MuWi
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    klaus111 ist offline
    Zitat von Anaklasis Beitrag anzeigen
    eigentlich völlig bekloppt
    ... weil Du den entfernten Vergleich wörtlich genommen hast, ohne auf den Sinn des Gesamten zu achten (außer mit der Absicht der Parodie). Bei Mozart sind die Assoziationen überhaupt nicht bekloppt, aber die Formeln wirken heute natürlich antiquiert.

    Doch auch ständige Wiederholungen können absolut sinnvoll sein...

    Heinrich Heine in Die schlesischen Weber (1845): "Wir weben, wir weben!"

    Negro Spiritual: Go down Moses: Let my people go!

    ...oder auch sinnvollen Nonsense bzw. Humor ausdrücken:

    Insterburg&Co: Ich liebte ein Mädchen

    Es können auch Worte erfunden werden:
    Manfred Mann: Do wah diddy diddy dum diddy do

    Wir haben offenbar ganz gerne, wenn Texte und Musikstücke erkennbar gegliedert sind.
    Durch welche Schlußformeln die einzelnen Abschnitte beendet werden, ist je nach Genre und Zeitgeist unterschiedlich.

    Viele Grüße

    Klaus

    P.S.:

    Zitat von zonquer Beitrag anzeigen
    Keineswegs...
    Ich meinte "aus der Mode gekommen in diesem Sinne:

    * „Hochachtungsvoll“
    * „mit vorzüglicher Hochachtung“

    Diese beiden Grußformeln sind jedoch im Gebrauch gegenüber früher stark zurückgegangen, da sie recht förmlich erscheinen.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hochach...C3.A4ftsbriefe
    HCA Musikwissenschaft
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  8. #8
    HCA Piano/Klassik Avatar von Günter Sch.

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    Günter Sch. ist offline
    Vieles in unserer sprache und auch in der musik beruht auf stereotypen wendungen, sie sind bequem, man nutzt sie, ohne selbst denken zu müssen. Besonders in der populären musik ist der (wieder)erkennungseffekt als erfolgsrezept unverzichtbar, es wimmelt überall von "freundlichen grüßen" und alten bekannten.
    Was wäre, wenn in politik und kirchen gelegentlich neues verkündet, formuliert und praktiziert würde? Nicht auszudenken, wir würden weder parteien, noch evangelien und rituale wiedererkennen !
    Neuer musik, die auf bewährte floskeln verzichtet, fehlen die hörer, sie ist zu unbequem.
    Geändert von Günter Sch. (22.04.2012 um 17:35:34 Uhr)
    Als er achtzig war und war gebrechlichDrängte es den Lehrer doch nach Ruh'Denn die Weisheit war im Lande wieder einmal schwächlichUnd die Bosheit nahm an Kräften wieder einmal zu.Und er gürtete den Schuh.

  9. #9
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    Zitat von Günter Sch. Beitrag anzeigen
    Vieles in unserer sprache und auch in der musik beruht auf stereotypen wendungen, sie sind bequem, man nutzt sie, ohne selbst denken zu müssen. Besonders in der populären musik ist der (wieder)erkennungseffekt als erfolgsrezept unverzichtbar, es wimmelt überall von "freundlichen grüßen" und alten bekannten. Was wäre, wenn in politik und kirchen gelegentlich neues verkündet, formuliert und praktiziert würde? Nicht auszudenken, wir würden weder parteien, noch evangelien und rituale wiedererkennen ! Neuer musik, die auf bewährte floskeln verzichtet, fehlen die hörer, sie ist zu unbequem.
    Scheint so als wärest Du ein "Neue Musik"-Fan?

  10. #10
    HCA Piano/Klassik Avatar von Günter Sch.

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    Ich bin kein fan von irgendwas, aber ich kenne halt einiges.
    Es gibt dazu etliche beiträge im genre "Klassik" im sektor "Neue klassik". Wir sind ein vielseitiges forum.
    Als er achtzig war und war gebrechlichDrängte es den Lehrer doch nach Ruh'Denn die Weisheit war im Lande wieder einmal schwächlichUnd die Bosheit nahm an Kräften wieder einmal zu.Und er gürtete den Schuh.

  11. #11
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    Das war nicht als Beleidigung gedacht! Neue Musik ist toll ...

  12. #12
    HCA Piano/Klassik Avatar von Günter Sch.

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    "Man kann mit dodekaphonie, serieller technik, clustern, elektronik usw. usf. grässliche musik machen, eines ist sie mit sicherheit nicht: trivial!"
    Scherzwort, nicht von mir, aber auch gut (würde ein bekannter von mir sagen).
    Als er achtzig war und war gebrechlichDrängte es den Lehrer doch nach Ruh'Denn die Weisheit war im Lande wieder einmal schwächlichUnd die Bosheit nahm an Kräften wieder einmal zu.Und er gürtete den Schuh.

  13. #13
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    Zitat von Günter Sch. Beitrag anzeigen
    "Man kann mit dodekaphonie, serieller technik, clustern, elektronik usw. usf. grässliche musik machen, eines ist sie mit sicherheit nicht: trivial!"
    Scherzwort, nicht von mir, aber auch gut (würde ein bekannter von mir sagen).
    Mit Harmonielehre und Akustik geht "grässlich" genauso, ist aber auch höchst subjektiv ...

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