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  1. #1
    Gesperrter Benutzer Avatar von WayneSchlegel

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    WayneSchlegel ist offline

    Die sogenannte "Grammatur" und andere Aspekte bei der Stick-Wahl...

    Guten Abend allerseits.

    Hier werden ja immer wieder mal so elementare Fragen behandelt wie z.B.:
    -Welche Sticks halten am längsten?-
    -Welche Marke bevorzugt ihr?-
    -Welches Material findet ihr am Besten?-
    -Holz-Sticks vs. Carbon, Aluminium, Plastik, Torfmull-Broccoli-Hybrid etc.. -

    Zumindest in Bezug auf Holz-Sticks habe ich kürzlich ein recht aufschlussreiches Gespräch mit einem Stick-Hersteller führen können.
    Für alle die es interessiert, hier die Quintessenz:
    Wie wir ja alle wissen, weist das Naturmaterial Holz einige putzige, jedoch auch liebenswerte, Eigenschaften auf.
    Zum einen ist es nicht homogen wie z.b. Alu, Carbon oder Kunststoff, zum anderen ist es auf Grund seiner gewachsenen Struktur (Verlauf der Maserung, Dichte, Feuchtigkeitsgehalt etc..) relativ unberechenbar.
    Am entscheidensten für die Haltbarkeit ist (neben anderen Faktoren wie Spieltechnik, Holz-Sorte, Maserungsverlauf) garnicht mal das gewählte Modell, sondern die sogenannte Grammatur!
    Angenommen Hersteller XY sagt sich -so, heute drehen wir mal 1000 Paar 5A Sticks aus Hickory- dann werden werden diese 2000 Rundhölzchen von klitzekleinsten Abweichungen abgesehen ALLE die gleiche Form und die exakt gleichen Abmessungen aufweisen.
    Sogenannte Bananen werden vor der Weiterverarbeitung aussortiert.
    Je nachdem aus welchem Teil des ursprünglich stolzen Baumstammes die Knüppel gedrechselt wurden, unterscheiden sie sich dann allerdings z.T. brachial in ihrem jeweiligen Gewicht.
    Je weiter das Holz vom Inneren Teil des Stammes kommt, desto schwerer wird der fertige Stick sein. (Bei exakt gleichen Abmessungen wie seine Brüder aus den Äusseren Schichten)
    Die Tagesproduktion an 5A Sticks, um bei unserem Beispiel zu bleiben, wird dann in drei verschiedene Grammatur-Stufen unterteilt, (Leicht, Mittel und Schwer) und innerhalb der verschiedenen Grammatur-Stufen werden dann zueinander passende Paare gebildet.
    Fakt ist, dass Sticks mit schwerer Grammatur, auf Grund ihrer festeren Struktur und höheren Dichte, dazu neigen länger zu halten als ihre Kollegen mit der leichteren Grammatur.
    Die Top-Endorser von Firma XY bekommen selbstmurmelnd stets ausschliesslich Sticks in der von ihnen bevorzugten Grammatur, während an den Handel sämtliche Grammaturen relativ bunt gemischt ausgeliefert werden.
    Es lohnt sich also durchaus beim Stick-Kauf nicht nur die übliche Sichtprüfung vorzunehmen und das Gewicht der Sticks innerhalb eines Paares zueinander zu überprüfen, sondern auch ruhig mal die Gewichtsunterschiede von 10 Paaren gleicher Grösse untereinander auszuwiegen.
    Je nach Grammatur können innerhalb des Gleichen Modells des Herstellers XY Gewichtsunterschiede von bis zu 12 Gramm festgestellt werden. (Also von Paar zu Paar, natürlich nicht innerhalb eines Paares!)
    Wer also beispielsweise bisher 5B Sticks mit leichter Grammatur spielte, wird u.U. überrascht feststellen, dass ein Paar 5A in schwerer Grammatur den gleichen Punch hat, aber sich trotz des geringfügig schmächtigeren Durchmessers als haltbarer erweist und vom Handling her ggf. auch passt.
    Leichte Grammaturen sind natürlich trotzdem alles Andere als 2te Wahl oder gar Ausschuss. Sie haben ja durchaus ihre Berechtigung für Spieler die ein ganz bestimmtes Handling wünschen und für die ein bestimmtes Verhältnis von Gewicht zu Länge und Durchmesser wichtig ist.
    Den Sparsamen und wenig betuchten Einsteigern und Anfängern, die ihre Sticks Wochen oder gar Monate lang spielen wollen und bei jedem Bruch ihrer geliebten Hölzchen in Depressionen verfallen, kann ich nur raten beim nächsten Stick-Einkauf u.A. auch auf die Grammatur zu achten.
    Eine Garantie für ein langes Stick-Leben ist es zwar nicht, aber wem es in erster Linie auf Haltbarkeit ankommt, der ist damit meines Erachtens gut beraten. (Sofern er nicht ohnehin anderen Materialien als Holz den Vorzug gibt.)
    Noch kurz zu den verbreitetsten Holz-Arten und ihrer relativen Haltbarkeit im direkten Vergleich.
    Am weichsten und auch am fragilsten ist Maple.
    Etwas haltbarer, aber nicht so haltbar wie Hickory ist z.B. Hornbeam (Weissbuche) Hornbeam mag ich persönlich seit einiger Zeit recht gern.
    Ein guter Kompromiss zwischen der Haltbarkeit von Hickory und der Weichheit eines Maple-Sticks und Weichheit meine ich jetzt mal rein auf´s Spielgefühl bezogen. Eiche (Oak) ist wohl mit das härteste Holz was auch in grossen Mengen zu Sticks verarbeitet wird. Man muss es halt mögen, nicht jedem behagt das extrem harte Reboundverhalten von Eichen-Knüppeln.
    Fraglos aber von der haltbarkeit her noch ´ne ganze Ecke besser als Hickory.

    Unbehandelte Sticks halten nicht so lange wie gewachste, imprägnierte oder gar lackierte Sticks. Ich hab´s haarklein begründet bekommen, aber das würde hier zu weit führen. Das entspricht obendrein aber ohnehin meinen eigenen Erfahrung aus den letzten 25 Jahren.

    Finger weg von dick lackierten bunten Sticks bei denen die Maserung nicht mehr kenntlich ist. (Begründung liegt wohl auf der Hand)
    Es gibt durchaus auch schwarze Schafe in der Branche, die damit ihre B-Ware aufbrezeln und für teueres Geld auf den Markt schmeissen.

    Also Leute, kauft nicht in Läden in denen keine halbwegs präzise Waage und keine ebene glatte Fläche zum checken der Sticks vorhanden sind.
    Sticks online zu erwerben verbietet sich eigentlich ebenfalls von selbst und wie gesagt, wenn Haltbarkeit das Hauptargument bei der Auswahl von Holz-Knüppeln für euch ist, dann nehmt bevorzugt die schwersten Grammaturen. Entpuppt sich dann euer Stamm-Modell als zu schwer, experimentiert mit anderen Modellen herum oder lebt einfach mit der ggf. verkürzten Lebensdauer.

    Eines sollte man ohnehin immer im Hinterkopf haben: Sticks sind nun mal Verschleissmaterial!!! (genau wie Felle), aber das oben geschriebene ist eigentlich hauptsächlich denen gewidmet, die dieser Tatsache nur ungern in´s Auge sehen.

    Mit herzlichem Groove

    Gevatter Schlegel
    Geändert von Limerick (31.08.2005 um 20:57:57 Uhr)

  2. #2
    bob
    Mod: Drums und so Avatar von bob

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    bob ist offline
    Klasse Thread,


    Lim, ab damit in den Workshopbereich.


    Grüße

    Bob

  3. #3
    Gesperrter Benutzer
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    unterstütze Bobs Wunsch!!!

    und möchte noch eigene Erfahrungen anschließen.
    Bevor ich vor vielen Jahren auf die VicFirth (5A American Classic) umgesteiegen bin, die inzwischen durch die "baugleichen" Kit Tools ersetzt wurden, habe ich viele Jahre meine Stöcke beim Trödler (ich mein das jetzt ernst!!) gekauft. Der Durchmesser war knapp 12mm (der Kit Tools hat gut 14mm) und bei etwa der gleichen Länge, war der doppelt!!!!!!! so schwer, und hatte eine geradezu filigrane Spitze und einen ziemlich kleinen Kopf.
    Von diesen Sticks habe ich nicht einen einzigen abgeschlagen, irgendwann war einfach der Kopf fertig durch die schweren Ridebecken, es haben ausschließlich!!!! die Becken geklungen ,nicht der Stick und das Spielgefühl war göttlich.

    Es war für mich eine herbe Umstellung als mein Lieferant plötzlich verstorben ist und das Geheimnis der Herkunft dieser Sticke mit ins Grab genommen hat. Ich habe einigen Schreinern + Holzhändlern die Sticks gezeigt, keiner konnte mir sagen, um welche Holzart es sich handelt, alle waren sich nur einig, muß Tropenholz sein...

    Und zum Üben auf dem Pad benutze ich Sticks, die mein Bruder aus der Tschechei mitbringt aus Hornbeam - etwas kräftiger als der 5B, davon bin ich auch begeistert, leider klingen die auf meinen Becken nicht sehr toll.

  4. #4
    Registrierter Benutzer Avatar von xeon

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    xeon ist offline
    echt aufschlussreicher thread

    aber letzt hab ich selbst feststellen müssen, dass manche sticks von der gleichen firma viel schneller brechen. denn mein kumpel kam zu mir und hat gemeint die sticks von der hausmarke "session" sein der letzte müll. ich spiele mit dene rund 4 wochen bis sie brechen oder richtig fett splittern. er hatte gerade mal 2 tage damit gespielt. und ich geh weissgott nicht zarkhafter wie mein kumpel mit den sticks um.

    in zukunft werd ich noch genauer auf die maserung schauen!

  5. #5
    Registrierter Benutzer Avatar von !mhm!

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    das blöde ist, das man bei lackierten sticks die masserung nicht sieht..
    ich hab mir mal die John Otto Signature Sticks von Zildjian geholt.
    Ich habe 5 min auf dem Becken gespielt ZACK Riss im Stick

    an meiner spielweise lags wohl nicht...alle anderen sticks halten bei mir fast monate,
    auch wenn ich hart drauf hau

    ansonsten finde ich auch das der threat in die workshop ecke sollte


    equipment steht im profil

  6. #6
    IMN
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    Echt guter Thread!
    Ich hab mir vor längerer Zeit mal Zildjian Sticks gekauft. Als diese dann über nen Monat lang nach sehr intensivem Draufgehaue gehalten haben, hab ich beschlossen mir die gleichen nochmal zu kaufen... die gingen dann allerdings nach 30 Minuten schon futsch. Tja, jetzt weiß ich warum...

  7. #7
    Mod Emeritus
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    disillusion ist offline
    sehr aufschlussreich und auch amüsant geschrieben, beiträge dieser art finde ich wünschenswert (ich bitte allerdings gleichzeitig um die erlaubnis, die schrift zu verändern. die derzeitig gewählte schrift macht den artikel ein bisschen anstrengend zu lesen... )!

    Edit Lim: Schrift wurde von mir wieder auf Normalform gebracht!
    Geändert von Limerick (31.08.2005 um 20:58:31 Uhr)
    “A fool sees not the same tree that a wise man sees. [...] No bird soars too high, if he soars with his own wings.”[William Blake, Proverbs of Hell, 1790]
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