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  • 2 Post By turko
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Thema: Wie funktioniert die Oktavregel?

  1. #1
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    Wie funktioniert die Oktavregel?

    Hallo! Ich studiere Musikwissenschaft, nur verstehe ich ein Thema irgendwie gar nicht... Web und Literatur geben zu dem Thema leider nicht wirklich was her. Meine Frage: Wie genau funktioniert die Oktavregel? Ich weiß, dass es sich um eine Bezifferung einer Tonleiter handelt. Und wenn man diese Bezifferung verstanden hat, kann man mehrstimmige Werke (ohne Bezifferung) analysieren. Aber wie genau funktioniert diese Bezifferung? Und warum sind die einzelnen Tonleiterstufen so beziffert? Ich komm irgendwie nicht dahinter... (Was ein Generalbass ist, ist mir klar. Aber warum wird dieser gerade so ausgeführt? Und wie analysiert man dann Stücke ohne Bezifferung?) Ich freu mich über Hilfe!

    (Sry, ich hab nicht verstanden, wie man einen Absatz macht...)

  2. #2
    HCA Piano/Klassik Avatar von Günter Sch.

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    Günter Sch. ist offline
    Eine antwort fällt mir schwer. Was ist eine "oktavregel"?
    Der raum einer oktave (zwischen einem schwingenden medium und dessen hälfte) wird seit der antike in 7 stufen unterteilt. Auf jeder diese stufen lässt sich ein dreiklang errichten, I - VII, womit sich bei mehrstimmigkeit die einzelnen töne harmonisieren lassen.
    Der generalbass war eine art kurzschrift für die begleitenden continuo-instrumente und beziffert die harmonische struktur, die intervalle, von unten nach oben. Darauf zielt auch jede harmonische analyse.
    Musikwissenschaft ist ein weites feld, viel erfolg bei weiteren schritten!
    Als er achtzig war und war gebrechlichDrängte es den Lehrer doch nach Ruh'Denn die Weisheit war im Lande wieder einmal schwächlichUnd die Bosheit nahm an Kräften wieder einmal zu.Und er gürtete den Schuh.

  3. #3
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    Ich kannte den Begriff auch nicht (was kein Maßstab ist ....

    Aber scheinbar gibts da was ...

    http://www.musiktheorie-aktuell.de/t...ls/regola.aspx

    LG, Thomas
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  4. #4
    HCA Piano/Klassik Avatar von Günter Sch.

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    Dann ist ja alles klar, so kann man jeden ton der leiter harmonisieren, ein rein mechanisches handwerk.

    Dur:
    Grundakkorde auf der I., IV. und V. Stufe
    Sextakkorde auf den Stufen II, III, VI und VII
    Dominantische Akkorde (VI# sowie Sekundakkord) auf der VI. und IV. Stufe abwärts
    Alternativen: Quintsextakkorde auf der IV. und VII. Stufe sowie VI# auch auf der VI. Stufe aufwärts

    Moll:
    Grundakkorde auf der I., IV. und V. Stufe
    Sextakkorde auf den übrigen Stufen II, III, VI und VII
    Dominantische Akkorde (Grundstellungen bzw. Sekundakkord) jeweils auf der V. Stufe auf- und abwärts sowie auf der IV. Stufe abwärts
    Alternativen: Quintsextakkord auf der IV. Stufe aufwärts, Sekundakkord auf der VII. Stufe und verminderten Septakkord auf der IV. Stufe abwärts
    Geändert von Günter Sch. (25.04.2012 um 09:46:10 Uhr)
    1 Benutzer findet diesen Beitrag hilfreich.
    Als er achtzig war und war gebrechlichDrängte es den Lehrer doch nach Ruh'Denn die Weisheit war im Lande wieder einmal schwächlichUnd die Bosheit nahm an Kräften wieder einmal zu.Und er gürtete den Schuh.

  5. #5
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    Zitat von Günter Sch. Beitrag anzeigen
    ... so kann man jeden ton der leiter harmonisieren, ein rein mechanisches handwerk.
    Das ist der eigentliche Grund für die Entwicklung der Oktavregel.

    Giovanni Andrea Bontempi (1624-1705) beschrieb bereits 1660 eine Kompositionsscheibe (rota), praktisch ein Vorläufer der Oktavregel, mit dessen Hilfe ein völliger musikalischer Ignorant mit dem Komponieren beginnen kann:
    "New Method of Composing Four Voices, by means of which one thoroughly ignorant of the art of music can begin to compose" Quelle
    Es handelte sich um Kadenzpläne aus denen sich eine frühe Form der Oktavregel ableiten lässt.
    siehe: Sebastian Klotz: Kombinatorik und die Verbindungskünste der Zeichen in der Musik zwischen 1639 und 1780 (Akademie Verlag, Berlin 2006, S. 59)

    Nach Riemann (Musiklexikon) handelt es sich bei der Oktavregel ursprünglich um eine bloße Merkregel für Anfänger zur Begleitung nicht bezifferter Bässe. In Gasparinis L'armonice prattico al cimbalo (1708) läßt sich die Oktavregel aus Beispielen erschließen, Fr. Campion formulierte sie 1706 in Frankreich. Aus ihr entwickelte sich die Lehre von den Akkordumkehrungen und dem Fundamentalbass ("Basse fondamentale", Rameau), von der wir heute so selbstverständlich ausgehen.

    Außer der oben zitierten Fassung der Oktavregel von Johann Adolf Scheibe )turkos Beitrag) werden Varianten beschrieben:

    z.B. Riemann (Musiklexikon):
    C-Dur: c 53, d 6, e 6, f 53 od. 65, g 53 od 64, a 6, h 6, c 53

    oder auch von:

    Rameau: Die „Regel der Oktav“ mit „Basso continuo“ und „Basse fondamentale“:
    www.tonsatz.info/RameauTraite.pdf

    Heinrich Christoph Koch: Handwörterbuch der Musik (1807), S. 292

    In der Ausgabe des "Musikalisches Lexikon" (1865) von Heinrich Christoph Koch/Arrey von Dommer wird die Bedeutung der Oktavregel klargestellt:
    S. 726:
    Die völlige Unzulänglichkeit dieser Regel der Octav zum auch nur einigermassen richtigen Generalbassspiele fällt von selbst in die Augen und fordert kein weiteres Eingehen. Wer es der Mühe für werth hält, kann Rousseau, Dictionnaire, Artikel Règle de l'Octave, nach dessen Angabe dieser Gegenstand zuerst von Delaire im Jahre 1700 bekannt gemacht geworden ist, nachlesen.
    Viele Grüße
    Klaus
    Geändert von klaus111 (25.04.2012 um 21:04:09 Uhr) Grund: Schreibfehler
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    HCA Musikwissenschaft
    Ein Leben ohne Musik ist möglich - aber sinnlos. (frei nach Loriot)

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