Am Samstag, den 18. Oktober 2008 war in Lahr (Baden-Württemberg) ein ganz besonderes musikalisches Schmankerl zu genießen.
Die Mannheimer Formation "alias eye" hatte sich zur Mission aufgemacht dem Schwarzwald ein paar Nachhilfestunden
in Sachen Progressiv Rock/Metal zu geben. Das ganze passierte im ehemaligen Schlachthof in Lahr, was heutzutage eine Jugend-/Kulterstätte ist.
Um es vorweg zu nehmen; das einzige was negativ war, waren Teile vom Publikum. Teile ???
Erklärung: Vor Dr. Phil und seinen Mannen stellte ein ehemaliger, lokal bekannter Matador sein Können unter Beweis.
Über Ihn und seine Band gab es im Nachhinein Zeitungsartikel, in dem jener Auftritt geschildert wurde.
Ich will nur soweit darauf eingehen, dass Auftritt, Sound, Spielfreude, etc. imo sehr gut waren und das Publikum begeistert mitzog.
Und genau das war das Problem. Auch nach deren Auftritt zogen sie Teile des Publikums mit.. ..hinaus, da einige nur seinetwegen da gewesen waren.
Gut die Hälfte hingegen wollte jedoch das gesamte Programm des Abends erleben und wurden dafür reichlich belohnt.
Nach kurzer Umbaupause erklangen die ersten Klänge von "A Clown`s Tale" und die Gesichter schauten gespannt zur Bühne.
Von dort erklangen gewaltige Soundteppiche, elegante Harmonie-/ und Bassläufe, verspielte - aber spielerisch sehr anspruchsvolle Beats & Breaks, sowie melodische und technisch versierte Soli.
Über allen thronte die charismatische Stimme der Band; Philip Griffith, aber nicht zu laut oder zu dominant.
Insgesamt war der Sound imo gut abgemischt und auf die verschiedenen Instrumente vernünftig abgestimmt.
Es begann nun eine Reise durch die verschiedensten Musikstile - teilweise gemixt, aber auch selbst stehend - wofür die Band bekannt ist. So war die Nummer "In Denial" von dem neuen alias eye Album "In Focus" z.B. sehr Funk geladen,
während dessen z.B. der Song "The Call" Elemente des Metal-Cores enthielt.
Überhaupt hat es ein paar Veränderungen gegeben: waren auf den Alben "Field Of Names" und "A Different Point Of You" einige Lieder, die Überlänge aufwiesen, spielt sich bei der neuen CD vieles im 4-5 Minuten-Bereich ab. Das wiederum tut dem ganzen aber in keiner Weise schaden; progressive Elemente, komplexe Strukturen und komplizierte Arrangements und v.a. Breaks an den (un)möglichsten Stellen ließen sogar des öfteren meinen Musiker-Kumpel (Schlagzeuger) ein aus tiefstem inneren kommendes "Wow" hervorholen. Er kannte die Band bis dato noch nicht.
Vergessen - im Gegensatz zu meist vielen anderen - wird er sie jedoch so schnell auch nicht.
Ebenfalls kommen - auch live - exotische Instrumente, wie z.B. das Didgeridoo erneut zum Einsatz.
Weitere Veränderungen gab es neben einem Label-Wechsel auch beim Personal: Der neue Mann am Piano, Jens Haberkorn, machte seinen Job hervorragend; Klassikläufe, Blues und Ragtime oder Elemente des Jazzes wurden mit fliegenden Händen eingebaut.
Ab und an ertönte auch mal ein "akkustisches Gimmick"; Melodien von Kinderliedern wie z.B. das Intro von Tom&Jerry (Vielen Dank..für die Blumen). Auch sein Mimikspiel - ein regelrechtes "Call&Response" mit dem Sänger gab allem eine fröhliche, herzliche Note.
Matthias: der Vor-Name bleibt, Gesicht und Haarfarbe ist verändert. Der neue Mann an den 6-Saiten stellte sein Können hier eindrucksvoll unter Beweis (was er auch schon bei diversen Musikmessen als Endorser für Randall Amps, Washburngitarren u.ä. getan hat). Zudem bringt er ordentlich "Druck" mit ins Geschehen. Herrn Wurms Flitzefingerläufe, Arpeggien und Stakkato-Riffs erklingen ergänzend zum Band-Sound-Gefüge.
Bassist Frank Fischer, Schlagzeuger Ludwig Benedek und Frontmann Philip Griffith haben die "Neuen" sich gut in die Band integrieren lassen.
Das Quintett war sichtbar in Spiellaune. Das Publikum wurde oft mit einbezogen und vom Sänger gelobt oder animiert.
Auch waren die 5 zu Späßen aufgelegt, die sich allerdings meistens gegen den Gitarristen wendeten, da er auf der Bühne als einziger Langhaarträger war.
Der wiederum revangierte sich im Laufe des Abends und brachte damit Herrn Griffith arg in (Lach-)Schwierigkeiten,
so dass dieser sich - und seine Stimme - für das nächste Lied erst einmal wieder richtig fangen musste.
"alias eye" zog das Publikum von Anfang an in seinen Bann.
Für nur 8 € bekamen die Leute Professionalität gemünzt mit Spiellaune, Sympathie und einen gut ausgesteuerten Sound geliefert.
Nach 1 1/2 Stunden und 3 Zugaben (2 Zugaben waren regulär - darunter das bombastische "Premortal Dance" - die 3te Zugabe war eine "Zu-Gabe" der Band für just diesen Abend) ging ein musikalisch wundervoller Abend zu Ende und die Belohnten mit zufriedenen, glücklichen Gesichtern ihrer Wege.
Nach dem Konzert stand die gesamte Band für Fragen seitens des Publikums zur Verfügung. Zudem gab es auch die Möglichkeit alle 3 Alben sowie T-Shirts zu erwerben.

Persönliches Fazit:

Ich habe "alias eye" das erste Mal 2003 als Support auf einem Saga-Konzert erlebt.
Die Truppe hatte mich damals echt umgehauen. Und tut es immer noch !
Es passiert nicht oft, dass ich von einer unbekannten Band dermaßen begeistert bin, dass ich mir gleich 2 Alben jener Gruppe kaufe.
Ich besitze mittlererweile alle 3 Alben und höre sie immer noch regelmäßig an und ja - ich geb es ja zu; nutze diese auch zur Erweiterung meiner Spiel-/Solifähigkeiten.
Da ich im Mail-Verteiler der Gruppe eingetragen bin, habe ich so rechtzeitig von ihrem Besuch am Rande des Schwarzwaldes erfahren.
Sie sind in der Prog-Scene absolut keine Unbekannten und haben Fans global verstreut.
Auch konnte ich mich vor und nach dem Auftritt mal mit den verschiedenen Musikern unterhalten.
Die Jungs sind auf dem Boden geblieben. Was bei der Saga-Tour eher etwas hektisch/distanziert ablief konnte jetzt in lockerer Form mit den Mannheimern nachgeholt werden;
Ein netter Plausch mit dem Bassisten, Austauschen von Tips und Tricks mit dem Gitarristen, Smalltalk mit dem Sänger.
Einzig den Schlagzeuger sowie den Keyboarder habe ich nicht gesprochen, da jene ebenfalls von "Neugierigen" belagert waren.
Sie haben sich für Ihre (neuen) Fans viel Zeit genommen. Danke nochmals dafür. :-)
Zu erwähnen ist jedoch folgendes: --> Trotz aller Professionalität: "alias eye" ist eine "Hobby-Formation"..soll heissen, dass jeder der 5 einen Hauptberuf ausübt und die Band nebenher "betreibt".
(Der Spaß und die Leidenschaft steht dementsprechend im Vordergrund vor Erfolg oder viel-Geld-durch-Musik-verdienen)
Daher sind Auftritte und Konzerttourneen der Band äußerst selten.
(zumal Progressiv-Rock/Metal nicht für die breite Masse ist, ein Spaartendasein führt und z.Z. - leider - etwas auf dem absterbenden Ast sitzt.)

Sollten "alias eye" bei Euch in der Nähe mal auftreten; nicht zögern --> hingehen und erleben !!! Es lohnt sich wirklich !!!

WICHTIG: --> der nächste (= letzte Auftritt 2008) ist am 29.11.2008 um 20:00 Uhr in Bonn in der "Mausefalle".


Gruß - Löwe