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Welche Flöten spielte man im Mittelalter und wie baut man diese?
Hallo,
ich interessiere mich sehr für das Mittelalter und gehe sehr gerne auf Mittelaltermärkte, ein weiteres Hobby von mir ist Querflöte spielen. Deshalb möchte ich fragen was für Flöten man wohl damals gespielt hat und ob vielleicht jemand weiß bzw. eine Anleitung kennt wie man eine selber baut.
Danke im Vorraus
Bohne
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Hallo
,
das Mittelalter ist ja eine recht lange Epoche, in der es recht viele Flöten und Blasinstrumente gab.
Möchtest du also speziell nur Flöten aus diesem Bereich kennen lernen?
Da ich auch gerne Mittelaltermärkte besuche, fallen mir nämlich darüber hinaus direkt auch noch andere Blasinstrumente ein
Speziell bei den Flöten fielen mir Pentatonflöten ein und Whistles. Whistles sind aus Blech gerollte Flöten aus Großbritannien, die es auch damals schon für kleines Geld gab, weshalb sie auch "Penny-Whistles" genannt wurden. Diese Flöten spielt man vor dem Körper.
Weiterhin fiele mir da noch die Traversflöte, Querpfeife oder Schwegelpfeife ein. Inwieweit diese sich unterscheiden oder es vielleicht einfach nur 3 verschiedene Namen für das gleiche Instrument sind, weiß ich leider nicht. Auf jeden Fall sind das Vorläufer der heutigen Querflöte. Anfangs wurden sie ganz ohne Klappen gespielt, zum Ende des Mittelalters und in der Barockzeit gab es dann meines Wissens nach auch Flöten mit ein paar wenigen Klappen für die tiefen Töne.
Abgesehen von den Flöten verbinde ich auch immer wieder den Klang der Ocarina mit Mittelalter und Mittelaltermärkten.
Vielleicht bringt dir das schonmal ein paar Ansatzpunkte, dass du dich über verschiedene Flöten aus diesem Bereich genauer zu informieren kannst.
Und sonst einfach mal beim nächsten Markt die Instrumentenbauer ansprechen und fragen. Sie freuen sich eigentlich immer, von ihrer Arbeit erzählen zu können und vielleich kann man ja sogar das eine oder andere Instrument mal ausprobieren
Gruß
Musik ist eine höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie. Wem sich meine Musik auftut, der muss frei werden von all dem Elend, womit sich die anderen Menschen schleppen.
(Beethoven)
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HCA Holzflöten
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Moin,
erst mal hat schuh recht, das Mittelalter ist 'ne verdammt lange Zeit
nämlich fast 1000 Jahre, je nachdem wie man's sieht.
Die Frage wäre dann, geht es dir um Authentizität? Falls ja, wirds schwer, denn aus dem "echten" Mittelalter ist nur wenig überliefert. Man kann wohl davon ausgehen, dass die Instrumente, die Michael Prätorius in seinem Syntagma musicum beschrieb, auch im ausgehenden Mittelalter durchaus schon gespielt wurden, auch wenn er (Michael) selber eher in der Zeit der Renaissance und des Frühbarocks lebte. Allerdings ist, was tatsächlich erhaltene Instrumente angeht, ziemlich tote Hose in den Museen...es gibt wohl eine Blockflöte, die man in einer Latrinengrube gefunden hat (wie die da wohl hinkommt?), und ein paar weitere vereinzelte Block- und einfache Querflöten, aber das wars dann auch. Da keine dieser Flöten vollständig spielbar erhalten ist und Holz nunmal die Eigenschaft hat, in Latrinengruben durchaus mal seine Form (und Farbe) zu ändern, kann man heute auch nicht mehr nachvollziehen wie die Teile früher aussahen, gebaut wurden, welche Maße sie hatten und wie sie geklungen haben. Darum ist alles, was man heute als "mittelalterliche Flöte" kaufen kann, im Grunde eine moderne Rekonstruktion, bei der man versucht hat, die Dinge so zu halten wie sie damals möglicherweise gewesen sein könnten. Ob das authentisch ist? Frag mich was leichteres...
Wenns allerdings nicht zwingend authentisch sein muss, wird die Sache gleich viel einfacher. Du kannst mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass einfache einteilige Holzquerflöten mit sechs Grifflöchern schon in den dreistelligen und vielleicht auch zweistelligen Jahren nach Onkel Jesus gespielt wurden, weil das mit die einfachste Art und Weise ist, eine Flöte zu bauen und die das damals (und viel früher) auch schon drauf hatten. Im Grunde reicht dafür ein Rohr (Schilf, Bambus, Holunder) in das man an den richtigen Stellen
ein paar Löcher brennt, mit einem heißen Eisenstab. Dann noch auf der Mundlochseite einen Stopfen rein und fertig ist die Flöte. Macht man heute noch so, weil sich die Außenhaut von Bambus nur schlecht durchbohren lässt (splittert). Jedenfalls gibts da am Markt einiges, was auch vom look her auf einen Mittelaltermarkt passen würde. Google mal nach Renaissance-Querflöten, sowas z.B. wäre das.
Was die Tin- oder Penny Whistles angeht: die passen garnicht auf einen Mittelaltermarkt, ist nämlich ne sehr späte Entwicklung (so ca. Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts) und geht zurück auf ne vereinfachte Form des Flageoletts, eine "Rückentwicklung" also.
Dann zum Thema Traversflöte: dazu hab ich mich woanders schonmal ausgelassen, ich erlaube mir einfach mal ein Selbstzitat, klick auf den Pfeil neben "ich" für die ganze Diskussion:
Schwegelpfeifen sind eine traditionelle "germanische" (so nenn ich's mal) Instrumentengattung, gibt heute noch Schwegelbauer die das traditionell betreiben. Das ist aber nicht das, was man landläufig als Traversflöte bezeichnet. Mit Querpfeifen sind sie aber nah verwandt. Hier drei Bilder für die von schuh erwähnten Instrumente:
Traversflöte:

Querpfeife:

Schwegelpfeife:

Klappen waren im Mittelalter und in der Renaissance übrigens unbekannt. Erst im Barock kam die einklappige Traversflöte in Mode (siehe oben), die manchmal auch zwei Klappen hatte, für Dis und Es (siehe hier), aber Flöten mit mehr Klappen kamen erst Ende des 18. Jahrhunderts auf, dann gings aber recht flott, Mitte des 19. Jahrhunderts hatten alle Flöten 6 oder mehr Klappen, in Kontinentaleuropa viel mehr, in England blieb man aber weitestgehend bei den acht Klappen. Und dann kam Theobald mit seiner Böhmflöte, die wir heute ausschließlich spielen - alle anderen Systeme und Vorstufen wurden verdrängt, bis auf die historische Aufführungspraxis halt, aber das führt jetzt zu weit...
Also vom Ambiente her bist du jedenfalls mit einer hölzernen Flöte mit sechs Löchern und ohne Klappen am besten bedient. Und in der Regel spielt man die von den Griffen her wie die moderne Tin Whistle, oder Irish Flute, manche Töne funktionieren vielleicht besser mit den Griffen einer barocken Traversflöte, wieder andere mit denen der Renaissanceflöten...aber letztendlich sind's dann doch alles Flöten.
Selberbauen geht auch und ist nicht schwer, je nachdem welche Ansprüche man stellt - dazu hab ich mich schon oft hier im Forum geäußert. Einfach mal die Suchfunktion bemühen.
Falls du weitere Fragen hast, nur her damit.
Grüße,
shibGeändert von shibboleth (08.05.2012 um 12:55:43 Uhr)
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Bei der Tin Whistle bezog ich mich auf eine Information aus dem Internet, in dem ein wenig die Geschichte dargestellt wird. Da wir gesagt, man habe eine solche Flöte aus dem 12. Jahrhundert gefunden http://www.tin-whistles.de/geschichte.html. Daher hab ich diese Flöte dazu gezählt.

Und natürlich wird viel zu oft vergessen, dass wir heute eine romantisierte Vorstellung vom Mittelalter haben. Nicht umsonst wird es ja oft als "dunkles" Mittelalter bezeichnet, da uns der Großteil dieser Zeit verschlossen bleibt.
Grüße
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Mit der authentischen Wiedergabe von MA-Musik ist es eh so ne Sache..
Keine Sau weiß heute, was die damals gespielt haben und wie..
Walter von der Vogelweide: keine Noten, keine sonstigen Aufzeichnungen zur
instrumentalen Wiedergabe. Das muß alles neu erfunden werden.
Von daher würd ich das mit dem Instrument auch nicht soo ernst nehmen.
Knochenflöten gibt schon seit der Eiszeit. Und wer hats erfunden?
Nein, es waren nicht die Schweizer, es waren: die Schwaben
http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...632436,00.html
(ouu, da schwellt die Brust..)
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Es gibt Menschen, die Instrumente und Werkzeuge niemals gemeinsam benutzen sollten.
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Danke für die ganzen Antworten

Zu der Frage ob die Flöte denn sehr authentisch sein soll: Nein. Ich bin eigentlich auf der Suche nach einer Flöte mit der ich auf Märkten oder (Mittelalter-)Festivals ein wenig privat musizieren kann ohne, dass sie all zu "modern" ausschaut
Ich denke ich werde mich in Richtung Schwegelpfeife orientieren und mal nach einer Anleitung zu ihrem Bau umsehen
Falls jemand zufällig schon eine gute Anleitung kennt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir evtl. einen Link oä. zuschicken könntet.
P.S. @schuh: Ich hatte bisher, was Instrumentenbauer angeht, auf Mittelaltermärkten wenig Glück, ich werde aber weiter die Augen offen halten ^^
Gruß Bohne
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Vielleicht hast du ja mal das Glück, Karl M. Riedel auf einem der Märkte mit seinem Stand anzutreffen. Er baut generell historische Instrumente nach, u.a. auch ein paar Flöten.
Kannst dich ja mal auf seiner Seite umschauen und hin und wieder nach den Terminen sehen
(http://www.drehleierbau-riedel.de)
Gruß
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