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  • 1 Post By Berlin OldSchool

Thema: Orgel stellt klanglich Solina u.a. String-Ensembles in den Schatten

  1. #1
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    Orgel stellt klanglich Solina u.a. String-Ensembles in den Schatten

    Hallo,

    eine Frage für Technik-Interessierte;
    ich weiß, wie sog. Streicher-Keyboards der vergangenden Epoche
    klingen und wie kultig sie sind.
    Nun habe ich schon in den 80ern den String-Sound meiner Elgam-
    Orgel geliebt. Die Elgam-Strings sind enorm fetter, dichter und wärmer,
    als Solina, Roland, Korg, u.a., kein Witz.
    Dieses saidige und schmelzige "Schmatzen", während man polyphon
    Akkorde spielt, setzt die Orgel noch extremer um. Die unterste Note (C1),
    klingt so fett wie ein 4-motoriger Doppeldecker.
    Nun bin ich nur ETWAS technisch visiert.
    Ich wollte wissen, wie dieser String-Sound in der Orgel erzeugt wird.
    Die Schaltpläne habe ich. Zum erstaunen stelle ich fest, dass das
    String-Modul relativ "begrenzt", also klein wirkt. Hier sollen mind. 3 SAW-
    OSCs, welche X-fach-polyphon spielbar sind den geilen Sound erzeugen?
    Ich schraubte die Orgel auf, drehte an den Micro-Potis und konnte
    erfreuliche mehrere LFO-Änderungen hervorrufen, welche den Preset-Sound
    der Orgel ziemlich beeinflusste.
    Leider kann ich daraus kein Circuit-Bending machen - zu wenig Ahnung
    von Elektronik. Ich konnte heraushören, dass es wirklich 3 (!) Oscillatoren sind.
    Aber: jetzt ist den Schaltplänen zu entnehmen, dass ein Bord in der Orgel arbeitet,
    welches mit "Chorus Strings" bezeichnet wird. Der (Mono-) String-Sound klingt
    aber auf keinen Fall so, als hätte man da einen Chorus-Effekt hinzugefügt.
    Werden evtl. "Pseudo"-OSCs durch den Chorus erzeugt? ´Die Strings also
    vielleicht mit nur einer einzigen SAW erzeugt?
    Oder arbeitet der Chorus für die (immense) Polyphonie?
    Übrigens, ich habe mir die Mühe gemacht, und alle 49 Einzeltöne der Orgel-
    Strings direkt in den Motif XF abgesampelt; je Ton 14 sec. lang, um bloß nicht
    loopen zu müssen. Das Ergebnis ist gut, kommt aber nicht an den geilen
    "Schmelz" im Sound der Orgel heran. Die "lebendigeren" OSCs tragen zum
    analogen Dogma nat. auch bei. Vermutet jemand, wie diese Strings nun
    letztendlich wirklich in der Orgel erzeugt werden?

  2. #2
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    Hallo Bastiab,

    der Sound eines String Ensembles ist wirklich wunderschön und die Technik, die hinter der Klangerzeugung steckt, zumindest theoretisch recht komplex. Ob Heimorgel oder ein extra String Ensemble: die Klangerzeugung sollte die gleiche sein und nur von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich (obgleich im Prinzip das selbe).

    In Kurzform: du nimmst einen (!) Oszillator und lässt ihn durch einen Chorus laufen; es sind beim klassischen String Ensemble nämlich nicht mehrere Oszillatoren, die verstimmt werden (wie ein Unisono-Effekt), sondern wirklich ein Oszillator - und wenn mehrere, dann schwingen sie in gleicher Phase miteinander und klingen in unterschiedlichen Oktavlagen. Die Oszillatorgeschichte ist recht kompliziert (Master-Oszillator und Oktavteiler), daher möchte ich jetzt nicht näher darauf eingehen. Aber im Chorus liegt das klangliche Geheimnis: in der Regel hast Du drei einzelne, einfach aufgebaute analoge Delays (keine digitalen!), die parallel mit zwei verschieden schnellen LFOs angesteuert werden (ein langsam schwebender LFO und ein schnellerer LFO für ein Quasi-Vibrato). Die drei Delays werden in der Phase ihres Audiosignals gegeneinander verschoben. Daraus entsteht das berühmte String-Ensemble-Signal. - Der Chorus eines String Ensemble besteht also aus drei recht einfach gebauten Verzögerungen, die ohne Feedback von zwei LFOs in ihrer Verzögerungszeit moduliert werden. Diese Modulation erzeugt - siehe Dopplereffekt - ein Quasi-Vibrato, da das menschliche Ohr solche modulierte Verzögerungen als Tonhöhenänderung interpretiert. - Durch die zusätzliche Phasenverschiebung der drei Delays entsteht ein voller schwebender Klang.

    Wenn Dich das Thema weiter interessiert, empfehle ich Dir folgende Seiten:

    - Beschreibung des Effekts von Jürgen Haible und Anleitung eines solchen DIY-Chorus-Effekts
    - Synthoma Élkorus - der String Ensemble Chorus als reines Effektgerät

    In der aktuellen Ausgabe des Synthesizer-Magazins gibt es einen dreiteiligen Artikel über die Geschichte der String Ensemble von Hajo Liese - sehr lesenswert!

    Viele Grüße von

    Robert!
    1 Benutzer findet diesen Beitrag hilfreich.

  3. #3
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    Danke für die tolle Antwort und die Links,

    ich werd´ mich mal schlauer darüber machen.
    Nur ein OSC, das überrascht mich. Ich wünschte, Du wärst mal hier,
    und könntest den Kawanz mal anhören. Eine Doppel-Sampling-CD "String Machines"
    von BestService zeigt mir u.a., dass dort die alten Keyboards viel bis sehr viel dünner
    klingen, als die Strings der alten Orgel. Sie (Orgel) klingen überhaubt nicht transparent,
    viel dichter, fetter (nicht matschig, oder nach Chorus wie ein JX3P), wärmer und sogar
    authentischer nach echten Strings, als jeder Sound auf der Machines-CD.
    Die "3" OSCs der Orgel kann ich übrigens auf dem String-Board beeinflussen (LFOs);
    nicht auf dem Chorus-Board !! Aber ich glaube Dir natürlich die Sache mit dem einem OSC.
    Eine geniale Erfindung; ich staune über diese über 30 Jahre alte Elektronik.

  4. #4
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    Diese Sampling-CD habe ich auch und man hört deutlich, wie unterschiedlich wertig der Klang der String Ensembles ausfällt. Der Klang eines Solina String Ensembles klingt wesentlich voller als der eines Roland RS-09. Das wird mit dem technischen Aufwand zu tun haben, der hinter der entsprechenden Schaltung liegt. Wahrscheinlich galt oder gilt auch hier die Formel: je höher der Aufwand, desto besser das klangliche Ergebnis, desto teurer das Instrument.

    Was für eine Orgel von Elgam hast Du denn? Kennst Du die genaue Typenbezeichnung?

  5. #5
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    Die erste heisst Elgam Symphony 500 und die zweite Delta 100 Symphony Strings.
    Beides je zweimanualige Orgeln mit Begleitsektion (grauenhaft, aber zweitrangig).
    Alle Strings klingen leicht verschieden; lediglich die Cellos der 500er mit etwas
    "röhrigem" Charakter. Im Netzt gibt´s (leider) fast nicht darüber, weil diese
    (italienischen) Orgeln ehr unbekannt unter Fafisa anzusiedeln waren. Meines Wissens
    eine Art "Billig-Marke". Die Symphony 500 habe ich für 550,- Euro (!) aufwändig
    überholen lassen; da war ziemlich viel kaputt dran; Bj 1981. Die ICs sind nicht
    die besten und altern schnell (so meine Werkstatt).

  6. #6
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    Das sind in der Tat zwei Orgeln, die ich nicht kenne. Ich hatte mal das Vergnügen, zwei Heimorgeln von Yamaha mein eigen zu nennen; einmal eine D-85 (das damalige Top-Modell) und eine transportable Version (deren Bezeichnung mir nicht mehr einfällt). Beide hatten wunderbare String-Sounds. Ich denke, die Strings sind das beste an Heimorgeln (wenn welche vorhanden sind). Manchmal vielleicht noch eine trashige Begleitautomatik, aber dann auch nur "just for fun". Nicht umsonst entstammt die "Mutter aller String Ensembles", das Solina, in leicht abgespeckter Variante einer Heimorgel von Eminent.

  7. #7
    Registrierter Benutzer Avatar von Michael Burman

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    Michael Burman ist offline
    Also irgendwie auch mit diesem Thread im Hinterkopf habe ich diese Einspielung hier gemacht:

    http://jazz-funk.de/temp/120609.flac

    Wie findet Ihr hier die "Chorus Strings"?...

    (Keine Angst, ist nicht wirklich "Jazz-Funk". Ok, die Bläser vielleicht nur ein klein bisschen... ;-))

  8. #8
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    Vielen Dank nochmal Berlin OldSchool,

    das ist ja superinteressant. Ich versuche mir nun den SynthomaElkorus aus Spanien zu bestellen.
    Wenn die mir ein ein Gerät mit 220V einrichten könnten, wäre das perfekt.

    Übrigens, genauso klingt die Elgam Symphony 500. Hammer.

    Hat jemand so einen Elkorus hier?

    Beste Grüße
    Geändert von Bastiab (05.08.2012 um 15:57:02 Uhr)

  9. #9
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    Elkorus erhalten

    Hallo zusammen,

    mein Synthomas Elkorus ist nun angekommen,
    habe insgesamt 575,- Euro dafür bezahlt (220v-Version;
    PayPal; aus Spanien) und kann sagen: es ist ein Hammer-Teil,
    welches bei keinem Synthie-Freak oder auch Musik-Studio fehlen sollte.

    Meine Eindrücke:
    - Leute, sucht nicht nach String-Ensembles, die alt,
    anfällig und teuer sind; der Elkorus steht den "Alten" soundmäßig
    nahezu in nichts nach
    - einfach einen puren Sägezahn (in meinem Fall von einem ESQ-1)
    in den Elkorus einschleifen und ihr habt DIE String-Machine!
    - voll analog und sehr lebendig warmer Klang
    - es ist ein tolles Gefühl, die analogen String-Sounds der tonnen-
    schweren alten Orgeln und Streicher-Keys mit nur einem wenige
    Gramm leichten Gerät ersetzen zu können
    - die besagte "Chorus-Platine" im Inneren der betagten Keys stellt
    dieser Elkorus in sehr luxuriöser Weise dar (vollen Zugriff auf
    alle wichtigen Parameter)
    - das 1HE-Rack-Gerät ist sehr hochwertig verarbeitet (auch alle Potis),
    kommt knallrot daher und hat sogar einen An-/ Ausschalter

    Und ich bekomme tatsächlich DEN String-Sound meiner Egam-Orgeln
    damit hin. Ich bin kein Werbe-Beauftragter von Synthomas, aber ich
    würde mir das Gerät jederzeit wieder kaufen.

  10. #10
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    Hallo Bastiab,

    nach längerer Zeit schaue ich wieder diesen Thread an...

    Herzlichen Glückwunsch zum Elkorus!!! Da hast Du wirklich was sehr feines bekommen. Sergio ist ein wirklich netter, ich habe mir seinen Elkorus vor zwei Jahren bestellt und setze das Gerät mittlerweile allein als String Ensemble Lieferant ein. Bei mir kommt der Sägezahn übrigens aus einem TX81Z, also einem FM-Synth (war billig zu bekommen); klanglich macht das keinen großartig hörbaren Unterschied zu einem analogen Sägezahn.

    Was vielleicht noch interessant ist, ist die vorletzte Sendung vom Terz!-Magazin, einem Musik-Podcast, bei dem Markus Fiedler, Hajo Liese und ich über String Ensembles sprechen und ich auch meinen Elkorus als Beispiel für die Funktionsweise dieses Gerätesounds anspiele:

    http://terzmagazin.de/terz/podcast/3...s-schreibtisch

    Viele Grüße von

    Robert!

  11. #11
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    Super interessante Sendung!
    Somit dürfte der Elkorus wohl das heute einzig erhältliche echte und
    analoge String-Ensemble auf dem Markt sein.
    Leider aber kein Wort darüber in der Sendung...
    Ich habe auch meine fette Orgel Halbton für Halbton abgesampelt
    und stehe klanglich vor dem gleichen Problem, dass die Strings
    halt nicht so "schmatzen", wenn mann Chords spielt.
    Der Elkorus ist für mich nicht nur ein Triple-Chorus-Gerät,
    sondern ein Synthesizer, der bei Fans analoger Synths und
    Sound-Enthusiasten seinen festen Platz haben sollte.
    Man hat soviel "Ballast" im Rack, da sollte ein SoundCanvas
    mal dringend Platz schaffen...

  12. #12
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    Ich freue mich, dass Dir die Sendung gefällt! Wir hatten viel Spaß beim Austausch über das Thema.

    Zitat von Bastiab Beitrag anzeigen
    Leider aber kein Wort darüber in der Sendung...
    Oh, dann habe ich das vergessen, während des Gesprächs zu erwähnen. Die Soundbeispiele in der Radiosendung zur Funktionsweise eines String Ensembles (einzelne Chorus-Stränge) habe ich live mit dem Elkorus eingespielt.

    Ich finde es schön, dass Dir das gleiche aufgefallen ist: ein gesampelter String-Ensemble-Klang klingt nicht so fett wie das Original. Und das müsste eigentlich den Herstellern von gesampelten String Ensembles, die es nach wie vor gibt und ihr Produkt entsprechend anpreisen, zu denken geben. Glücklicherweise gibt es einige Softwareentwickler, die den Chorus-Schaltkreis eines String Ensembles "virtuell nachbauen", also programmieren.

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