Biffy Clyro / Puzzle / 2007 / CD

Dieses Thema im Forum "CD / DVD Reviews" wurde erstellt von nightflight, 30.03.08.

  1. nightflight

    nightflight Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    12.02.08
    Beiträge:
    132
    Zustimmungen:
    1
    Kekse:
    228
    [​IMG]

    Genre: Alternative Rock
    Label: 14th Floor Records
    VÖ: 2007
    Spielzeit: 49:53 min


    Titelliste

    1. Living Is A Problem Because Everything Dies
    2. Saturday Superhouse
    3. Who's Got A Match?
    4. As Dust Dances (2/15ths)
    5. A Whole Child Ago
    6. The Conversation Is...
    7. Now I'm Everyone
    8. Semi-Mental (4/15ths)
    9. Love Has A Diameter
    10. Get Fucked Stud
    11. Folding Stars
    12. 9/15ths
    13. Machines


    Review

    Nach einem mittelmäßigen Debüt und zwei weiteren hervorragenden Alben, auf denen Biffy Clyro ihren einzigartigen Stil verfeinern, erscheint 2007 also Album Nummer 4, das den bezeichnenden Titel „Puzzle“ trägt. Das Titelbild zeigt einen aus einzelnen Puzzle-Teilen bestehenden Mann, der verzweifelt – ihm ist auch schon ein Puzzle-Stück ausgefallen! – in einem (beinahe) verlassenen Raum auf einem Barhocker sitzt. Im Hintergrund des Raumes steht weit offen eine Tür, die als Symbol der Hoffnung in die Helligkeit führt. An deren Ausgang sind in schwarz (Farben der Trauer) gekleidet drei Männer erkennbar, von denen der Mittlere hoffnungslos auf den Boden gerutscht ist. Wahrscheinlich sind die nur schwer erkennbaren Herren Simon Neil (Mittlere) und die Geschwister Ben und James Johnston, die drei Mitglieder der Band Biffy Clyro.

    Schwere Kost also auf dem vierten offiziellen Album der schottischen Rocker, wo doch beispielsweise „The Vertigo Of Bliss“ (2003) noch mit einer höchst erotischen Frau auf dem Cover aufwartete. Um diesen Wandlungsprozess zu verstehen, muss man wissen, dass Simon Neils Mutter 2004 (?) gestorben ist und er ihr sehr Nahe stand und versucht mit ihrem Tod, dem Gefühl der Leere, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu Recht zu kommen. Dementsprechend ist das vorliegende Album einerseits textlich auf dieses Thema bezogen und wartet andererseits mit ruhigen Balladen auf, die teilweise – wie im Falle von „Folding Stars“ - direkt seiner Mutter gewidmet sind.

    1. Der erste Titel beginnt mit einem 1:30 minütigen Intro aus einem pulsierenden Bass und einem schlagkräftigen Drumming, das in einem kleinen Chor mündet. Dann beginnt sich mit der Stimme (und den Worten „Come on baby do you think it's good to feel / Like I'm lying here swimming in memories“) der eigentliche Song zu entfalten, scheint dann wieder im Intro zu enden, wartet aber noch mit einer Zugabe auf. Ein Stück also, welches noch an die alte Komplexität von Biffy Clyro erinnert und deswegen wahrscheinlich das interessanteste Lied für die „alten“ Fans sein dürfte.
    2. Die Single „Saturday Superhouse“ ist bekannt als Dauerbrenner im (alternativen) Radio. Ein vorantreibendes Rockstück, das Stellenweise an die frühen Foo Fighters erinnert. Leider fehlt dem Stück das Besondere, als gute Rocknummer (speziell auch für Partys) allerdings gut gelungen.
    3. Das ändert sich aber bei dem nächsten Song, der mit einem wahnsinnigen Gitarren-Riff sich für immer als Ohrwurm verfestigt. Auch zum Mitsingen auf Konzerten eignet sich der eingängige, zugegeben etwas lächerliche Text („I'm a fire and I'll burn, burn, burn tonight“).
    4. Mit „As Dust Dances“ ist dann auch das erste ruhige Stück vorzufinden. Ruhig, emotional und irgendwie traurig und tragisch („There's a man on the corner selling dozens of bones /
    Every type of bone except the one that I want
    “). Untermauert ist der Song mit einem anspruchsvollen Drumming.
    5. Durch „A Whole Child Ago“ zieht sich nicht der typische Gitarren-Riff, sondern ein sehr eingängiger Bass, der sich perfekt mit der Bassdrum zu verbinden scheint. Als Background-Gesang sind im Refrain wieder alle Stimmen perfekt ineinander verstrickt.
    6. „The Conversion Is...“ ...Over! Ein schwer zu beschreibender Song, der ruhige, schnelle, punkige, aber immer melodiöse Seiten hat.
    7. Wahnsinn, schon wieder die bezeichnende Gitarre, untermauert mit einem soliden Drumming. Textlich wird der Hörer schon zu Beginn mit der tiefsinnigen Formulierung „Happiness Is An Illusion“ konfrontiert.
    8. Mit „Semi-Mental“ erinnern sie wieder ziemlich an die Foo Fighters, die sich aber dann spätestens beim Refrain wieder verabschieden.
    9. Ein sehr entspanndes, langsames beinahe – im positiven Sinne – gleichgültiges Lied. Das gesamte Lied bleibt auf dieser lockeren Ebene.
    10. „Get Fucked Stud“ rüttelt den Hörer dann wieder aus seiner Illusion und wartet mit einem Drumming auf, das ansatzweise an Tool erinnert und auch sonst als gesamtes Lied komplex wirkt, ein ruhiger Ausflug in die Vergangenheit?
    11. Dieses Lied wurde direkt Neils Mutter gewidmet, was sich auch im Refrain durch die zärtlich gerufenene „Eleanor“-Rufe erkennen lassen. Ein zwar ruhiges Stück, aber dennoch keine klassische Ballade. Zum Text muss man nichts sagen, jeder, der selbst schon einmal eine ihm nahestehende Person verloren hat, wird ihm zustimmen können: „I would do anything for another minute with you / because It's not getting easier, it's not getting easier“
    12. Ein ruhiges, melancholisches Lied, das schon zweimal im Verlaufe des Albums durchgedrungen ist (2/15th und 4/15th). Wohl das am deutlichsten vom Album abweichende Lied, das einen geradezu beschwörenden Chor als Refrain besitzt.
    13. „Machines“ beendet das Album, die vll. ruhigste Nummer auf der Platte. Akustik-Gitarre und Kerzenlicht. Eine wahre Ballade, die es verdient hat, das eigentliche „Folding Stars“ zu sein...


    Fazit

    Zusammengefasst kann man also sagen, dass dieses Album trotz seiner relativ einfachen und poplastigen Melodien, die leider nicht mehr die progressive Komplexität der früheren Alben annehmen, durch seine Eingängigkeit und Emotionalität besticht. Gerade die Balladen, die von dem oben beschriebenen Verlust einer Person handeln, gehen unter die Haut. Ihr besonderer Stil (einerseits das gesangliche Talent aller drei Mitglieder geschickt in einen Song einzubauen und andererseits die unbeschreiblich eingängigen Gitarren-Riffs) zieht sich auch hier durch das gesamte Album. So ist es sehr schwer sich für oder gegen einen Song zu entscheiden, denn jeder Song hat etwas spezielles und einzigartiges. Am Ende kann man nur schreiben, dass weniger eben manchmal mehr ist!!


    Bewertung: 8,5 von 10 Punkten
     
  2. Kimme

    Kimme Gesperrter Benutzer

    Registriert seit:
    17.07.07
    Beiträge:
    1.760
    Zustimmungen:
    123
    Kekse:
    3.311
    Tolles Album-Tolle Review!
     

Diese Seite empfehlen