Demonstrationen gegen die Theaterschließung in Eisenach

von tonstudio2, 14.05.12.

  1. tonstudio2

    tonstudio2 Mod Emeritus

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    Erstellt: 14.05.12   #1
    Am 13. Mai versammelten sich rund 1000 Menschen vor dem Landestheater Eisenach:

    Demo_2012_2.jpg Demo_2012_1.jpg

    um mit einem Beschwerdechor gegen die drohende Auflösung des Theaters zu protestieren. 21 eigens auf die Situation des Landestheaters gedichtete Strophen zu Beethovens „Ode an die Freude“ wurden gesungen (alle Strophen hat die Thüringer Allgemeine veröffentlicht). Zwischen den Strophen gab es jede Menge Grußbotschaften aus ganz Deutschland und auch aus der Welt. Sängerin Katja Ebstein etwa bat die Menschen in Eisenach, auf die Barrikaden zu gehen für ihr Theater.

    (die Fotos zeigen nur einen Teil der Demonstranten, soviele waren es etwa eine halbe Stunde vor (!) der Aktion ;))

    Nach aktuellem Stand droht dem Landestheater Eisenach zum 31. Juli 2013 die Schließung. Grund: Die Stadt Eisenach kann ihren jährlichen Finanzierungsanteil von zwei Millionen Euro nicht aufbringen und die Landesregierung Thüringen verweigert ihre Hilfe, angeblich lassen die Gesetze des Finanzministeriums das nicht zu :nix:

    Gegen den drohenden Kultur-Kahlschlag hat sich inzwischen massiver Widerstand formiert. In Demonstrationen gingen hunderte Bürger auf die Straße, Unterschriften wurden gesammelt (und die ersten 3.000 bereits in der Thüringer Staatskanzlei abgegeben), öffentliche Aktionen auf dem Eisenacher Marktplatz machen auf die Lage aufmerksam.

    Im Internet ist eine ONLINE-PETITIONSSEITE freigeschaltet worden, auf der Stimmen zum Erhalt des Landestheaters gesammelt werden. Ich bitte Euch: Helft mit Eurer Stimme, das Theater am Geburtsort Johann Sebastian Bachs zu erhalten! Unterzeichnet die Online-Petition, verbreitet den Link auf facebook, auf twitter, per E-Mail oder sonstigen Wegen. Eure Meinungen und Proteste könnt Ihr auch direkt an die Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht richten ;)

    Am Mittwoch, 16. Mai, 16 Uhr werden Stadtrat und Kreistag in öffentlichen Sondersitzungen zur Zukunft des Landestheaters tagen. Bis dahin sind weitere Protestaktionen für den Erhalt des Landestheaters geplant. So wird ab sofort bis zur Sitzung am Mittwoch um 16 Uhr zu jeder vollen Stunde mindestens eine Strophe des Beschwerdechors mit Instrumentalbegleitung vor der Eisenacher Georgenkirche gesungen werden, und zwar rund um die Uhr; Musiker der Landeskapelle werden sich Tag und Nacht stündlich mit ihren Instrumenten vor der Kirche einfinden, um das Lied zu begleiten. Mitsänger und Musikanten sind willkommen.

    Hier noch ein kurzer Videoausschnitt kurz vor der Demo:

    [video=youtube;a38bj_b1TpI]http://www.youtube.com/watch?v=a38bj_b1TpI&feature=relmfu[/video]
     
  2. Martin Hofmann

    Martin Hofmann Boardbetreiber, Redaktion

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    Erstellt: 15.05.12   #2
    wenn man sich das anschaut macht das doch einen sehr hübschen Eindruck: http://www.theater-eisenach.de/index.php?m=190&f=07_seiten&ID_Seite=130

    theater-eisenach.jpg

    500 Sitzplätze - da fragt man sich, warum so ein Theater 2 Millionen an Subventionen benötigt?

    Klar - Kultur kostet Geld - zumindest habe ich das schon oft genug so gelesen.

    Aber was will man mit dem Gebäude machen, wenn man den Betrieb schließt? Verfallen lassen? Sicherlich sieht man das in unseren Tagen oft: in grauer Vorzeit hat man ein schönes Zweckgebäude errichtet (Schloß, Schwimmbad, Theater, Zoo, Oper, Stadion etc.) und heute tragen sich viele dieser Einrichtungen nicht mehr weil die Leute fernsehen oder ihre Zeit im Web verbringen. So gesehen könnte man auch für die Schließung des Central-Park in New York plädieren, denn dort könnte man sicherlich ein paar schicke Wolkenkratzer aufstellen :D

    Gibt es nicht kreative Vorschläge, wie man die Kosten senken könnte, vielleicht sogar mit dem Gebäude in Verbindung mit Kultur Geld verdienen könnte, oder bin ich naiv? Ich weiß jedenfalls, dass es einige Veranstalter gibt, die mit Kultur Geld verdienen und das, obwohl sie auch noch teils drastische Beträge für Mieten aufwenden müssen.
     
  3. tonstudio2

    tonstudio2 Mod Emeritus

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    Erstellt: 15.05.12   #3
    Ja, Martin, das wird mir immer wieder, wenn ich Freunden und Bekannten (viele auch von hier aus dem MB) eine Specialführung gebe, bestätigt :)

    Ich hoffe, ich schocke Dich nicht gar zu sehr, wenn ich Dir sage, daß der Gesamtetat des Eisenacher Theaters zur Zeit fast 5 Millionen beträgt. Die Stadt hatte davon bisher knapp 2 Mio getragen und das kann sie nun nicht mehr:

    http://www.news.de/medien/855290449/theater-eisenach-droht-das-aus/1/

    In Johannes Thread hab ich mal versucht, eine einfache Kostenrechnung zu zeigen:
    Und trotzdem, wie in dem "Buhrufe-Wagner-Thread" zu sehen ist, gibt es viele sich z.T. widersprechende Meinungen, was die Eintrittspreise und/oder die Subventionen betrifft.

    Soll ich Dir es sagen? Es ist nämlich ganz einfach. Genauso, wie wir vor einigen Jahren schon unser amitioniertes Reinigungs- und Pförtnerpersonal "geoutsorced" haben.
    Es werden Freitag, Sonnabend und Sonntag Gastspiele gebucht, je nach verfügbaren Finanzen vielleicht nicht wöchentlich, sondern zweimal im Monat, oder auch nur einmal...
    Dazu werden ein paar Veranstaltungstechniker und ein paar Hilfsarbeiter für die Bühnentechnik eingekauft, für die Organisation des Ganzen wird im Rathaus ein Büro mit 2 oder 3 Mitarbeitern eingerichtet, das alles kostet weit weniger, als ein regelmäßiger Spielbetrieb.
    Und einmal im Jahr wird eine Wartungsfirma beauftragt, Scheinwerfer zu reparieren, Lampen auszutauschen usw...

    Ja, die gab es schon seit 1991:
    Leider waren sie alles andere als kreativ :mad:

    Das Eisenacher Theater hatte nie viel Geld, ich bin ja seit 1983 dabei und kenne nur: sparen, sparen, zu teuer...
    In den 80ern hatten wir zwar ein Betriebsauto, einen ollen 8Sitzer, doch die Kollegen wurden oft zu den Gastspielorten mit dem Zug geschickt, um Benzin zu sparen. Dann hat der Direktor in Erfurt strahlend abgerechnet: "wir haben Benzin gespart!" - mit dem Erfolg, daß es im nächsten Jahr einen noch kleineren Benzin-Etat gab.
    Das ist nur ein winzig kleines Beispiel.

    Ich sags ungern - aber ich fürchte: ja :o

    Welche? Haben die eigene Ensembles, Orchester, Techniker, Werkstätten?

    Ich hatte geglaubt, daß das Ohnsorg-Theater ohne Subventionen auskäme, weil es sich durch die Fernsehübertragungen finanziere (was ja auch wieder eine Art Subvention per GEZ ist ;)), doch Wiki sagt dazu was anderes:
    Und die haben 'nur' Schauspiel und spielen 'nur' sehr massentaugliche Stücke - was ja auch seine Berechtigung hat, aber für einen Vergleich nicht wirklich herangezogen werden kann.
    Oder meinst Du die Musicalbühnen, wie z.B. "König der Löwen" in Hamburg? Das ist auch nicht mit dem Sinn und Zweck eines Stadttheaters vergleichbar, von den Eintrittspreisen ganz abgesehen (obwohl hier wieder zu sehen ist, daß den Leuten es das Geld wert ist, sonst würde das nicht so funktionieren).

    Morgen geht es um die "Wurst", mal wieder:

    http://www.tlz.de/web/zgt/kultur/de...luss-setzt-Galgenfrist-bis-Ende-Mai-438750519
     
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  4. tonstudio2

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    Erstellt: 15.05.12   #4
    Das Theater Eisenach bekommt noch eine Gnadenfrist: 14 Tage bis zum Beschluß der Schließung:

    (Quelle: Thüringer Landeszeitung)

    In drei Tagen hat es die Petition auf 3500 Unterschriften geschafft :great:

    Manchmal stelle ich mir das Gesicht der Thüringer Politiker vor, wenn durch die geballte Macht des Musiker-Boardes die Petition innerhalb 1 bis 2 Tage auf 10.000 oder sogar 20.000 Unterschriften schnellen würde, die würden sicher saudoof in den Monitor gucken :D
     
  5. Backstein123

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    Erstellt: 16.05.12   #5
    So ich bin mal 3651 :)
    Einfach weil ich finde, Kultur sollte in jeder Form, für jeden Menschen erhalten werden.

    Nebenbei, das wäre doch mal ein intressanter Artikel für die Startseite, nicht direkt um Peter zu helfen sondern weil ich denke das dass hier viele User ärgern würde.
    Und dann wären die 10.000 Schnell geknackt ;)

    Ist vielleicht nur schwer dem Stadtrat zu erklären warum Menschen aus Hamburg, Bremen, Köln, München, Hintertupflingen finden das dass Theater Eisenach erhaltenswert ist.
     
  6. Jiko

    Jiko Mod Emeritus

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    Erstellt: 16.05.12   #6
    Meine Stimme ist abgegeben - ich war ja schon dort und kann nur sagen, dass es wirklich gut war und ich dafür sogar (2x) 400km Weg auf mich genommen habe.
     
  7. tonstudio2

    tonstudio2 Mod Emeritus

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    Erstellt: 16.05.12   #7
    Es ist unglaublich, unglaublich, ich hab lange gebraucht, Worte zu finden - und diese waren nicht schön :mad:

    Plötzlich und unerwartet finden die Verantwortlichen der Stadt Eisenach:
    Also derart versch****ert hat mich schon lang niemand, ich hab momentan gar keine Chance, das zu begreifen.

    So eine Fiesigkeit, als halbwegs ehrlicher Mensch kann ich sowas gar nicht denken...

    http://eisenach.thueringer-allgemei...copyQuery&_DetailPortlet_WAR_queport_offset=0

    Ich brauche: "Tschuldigen Sie, haben Sie eine Motorsäge" ...

    Mal sehen, ob der/die dafür Verantwortliche namentlich benannt wird... :bad:
     
  8. Johannes Hofmann

    Johannes Hofmann v.i.S.d.P.

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    Erstellt: 17.05.12   #8
    das IST auf der Startseite. Wir haben das mal für den Peter gemacht und ich hoffe, dass es ihm nützt. Ich möchte trotzdem erwähnen, dass dies eine Ausnahme bleiben wird, dass wir das Board für bestimmte politische Ziele instrumentalisieren.

    Zum Thema: Es ist bedauerlich, wenn kleine Theater schließen müssen. Natürlich reichen die Eintrittsgelder nicht, um ein Theater zu betreiben.

    Meiner Meinung nach wird der kulturelle Auftrag, den der Staat hat, gründlich missverstanden. Da gibt es eben diese illustren Vorzeigeobjekte. Ich weiß nicht, warum der alljährliche Promiauflauf in Bayreuth subventioniert werden muss.

    Und wenn ich dann so was lese: http://www.sueddeutsche.de/kultur/d...fuehrung-kommt-wieder-auf-die-buehne-1.798796
    Dann ist meine Toleranz als Steuerzahler völlig überfordert... da inszeniert irgend ein Intendant auf dem Rücken von Mozart irgend einen Mumpitz und weil das teuer in Szene gesetzt werden muss, werden dafür eben mal Steuermillionen aus den Kulturetats verbraten, die an sich dringend gebraucht würden, um einen evtl vorhandenen Kulturellen Auftrag flächendeckend umzusetzen und nicht ein paar Spinner in Berlin oder Bayreuth reich zu machen. Selbst die Promis in Bayreut mögen nicht, was ihnen da hoch subventioniert vorgesetzt wird: http://www.musiker-board.de/politik-gesellschaft-ot/444752-buhrufe-wagner-oper-mal-anderes.html

    Völlig entgleist ist mMn, dass die "Kunst eines Mozart" völlig zurück steht hinter der angeblichen Kunst eines modernen Intendanten, dessen Leistung darin besteht, die hochgeachtete Leistung von Mozart zu verfälschen. Das genau ist der Grund, warum ich seit über 30 Jahren kein Theater mehr betreten habe, denn ich ärgere mich schon genug darüber, dass ich oben verlinkten Mist mit meinen Steuergeldern Subventionieren muss, da sollen sie nicht auch noch Eintrittsgeld von mir bekommen.

    Ich denke, dass diese Denke weit verbreitet ist. Mein Tipp an die kleinen Theater: Spielt Mozart & Co unverfälscht und schreibt das auf die Plakate. Dann schauen Menschen wie ich das vielleicht auch mal wieder an und überreden Ihre Kinder, sich mal damit zu beschäftigen ;)
     
  9. tonstudio2

    tonstudio2 Mod Emeritus

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    Erstellt: 17.05.12   #9
    Nö, ist nicht schwer :) Du glaubst gar nicht, wieviele unserer Zuschauer von weit her kommen, vielleicht, weil sie in Eisenach Urlaub machen, vielleicht, weil sie hier Freunde oder Verwandte besuchen...
    Vor ein paar Jahren hab ich mal mit Zuschauern aus Frankfurt/Main gesprochen, die haben gesagt, was wir hier und wie wir es spielen, fänden sie um Längen besser als in den Theatern in ihrer näheren Umgebung :)

    Was eine gute Überleitung ist:

    Ich kenne Deine Meinung dazu, und ich verstehe sie nicht nur, sondern teile sie ebenfalls.

    Ich glaube, gerade an den kleineren Stadttheatern ist das inzwischen so langsam erkannt worden. Bei uns hat die Anzahl der stücktreu inszenierten Vorstellungen stark zu- und die der verqueren entsprechend abgenommen.
    Es ist eine sehr schwierige Gratwanderung: wenn man eine Vorstellung weitmöglichst originalgetreu inszeniert, bekommt man die Hütte voll, aber keine überregionale Presse. Macht mach eine schrillschräge Inszenierung, läuft einem der Großteil des Publikums weg, aber man kommt in die Zeit, FAZ, TAZ und was weiß ich (also die richtig großen Zeitungen) und dann reden ALLE über einen.

    Beides ist (oder war zumindest) für ein Theater wie uns wichtig, einerseits sind wir abhängig von den Zuschauerzahlen, andererseits ist das Renommee für uns (und die Touristik in der Stadt) ebenso wichtig. Wie gesagt, eine Gratwanderung, die ein sehr feinfühliges Händchen des Intendanten bei der Auswahl seiner Regisseure erfordert.

    Wir haben vor 10 Jahren einen Albert Herring auf die Bühne gestellt, das ist eine relativ "neue" Oper von Benjamin Britten, die trotzdem die Musik verhältnismäßig modern war, ein Riesenerfolg wurde.

    Man kann also auch das Publikum an neue Denkweisen heranführen, mit neuer Musik, neuen Ideen und Inszenierungen, da gibt es genügend Möglichkeiten, auch Komponisten heutiger Zeit nehmen gern Auftragswerke in Arbeit und dabei kann durchaus Interessantes, Hörens- und Sehenswertes auf die Bühne kommen.

    Aber die Klassiker zu vergewaltigen, um sich als Regisseur einen "ach so tollen" Ruf auf Kosten des wegbleibenden Publikums zu verschaffen, das halte ich für den definitiv falschen Weg.
     
  10. tonstudio2

    tonstudio2 Mod Emeritus

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    Erstellt: 18.05.12   #10
    Der Redaktionsleiter Peter Rossbach von der Thüringer Landeszeitung hat eben einen sehr richtigen Artikel online veröffentlicht:

    Quelle und mehr lesen

    Siehe auch meinen wütenden Beitrag #7 :bad:
     
  11. Basselch

    Basselch MOD Recording HCA Mikros

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    Erstellt: 18.05.12   #11
    Hallo, Peter,

    da wird irgendwo selbstherrlich Politik nach Gutsherrenart betrieben... Hauptsache, gewisse Herren bleiben an der Macht. Wahrscheinlich werden ein paar kleinere Beamte als Bauernopfer im Rahmenn dieser merkwürdigen Polit-Posse über die Klinge springen müssen. Hatten wir alles schon...
    Warum erinnert mich das so fatal an die Kommunalwahl in Dortmund, bei der am Tag nach der Wahl herauskam, daß die Stadt Dortmund ein Defizit von 100 Millionen Euro hatte? Muß auch vom Himmel gefallen sein...

    Versteh' ich alles nicht so richtig. Trotzdem viele Grüße

    Klaus
     
  12. tonstudio2

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    Erstellt: 20.05.12   #12
    Es ist auch für dieses Jahr noch nicht vorbei:

    Quelle: http://www.thueringer-allgemeine.de...rettet-Ultimatum-bis-25-Mai-12-Uhr-2046490702

    :( :( :(
     
  13. tonstudio2

    tonstudio2 Mod Emeritus

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    Erstellt: 24.05.12   #13
    Mehr dazu: http://www.dtoday.de/regionen/mein-...alt-des-Eisenacher-Theaters-_arid,159437.html


    Darum spielen wir morgen, am Tag des Ablaufs des Ultimatums das Spiel "Wie spart man ein Theater tot":

    http://www.theater-eisenach.de/inde...ellungsart=&ID_Stueck=850&ID_Vorstellung=3669
     
  14. tonstudio2

    tonstudio2 Mod Emeritus

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    Erstellt: 24.05.12   #14
    Und ganz frisch reingekommen:

    http://www.dr-birgit-klaubert.de/news_detail.php?id=1952&rubrik=news

    :( :( :(
     
  15. Damon_Knight

    Damon_Knight Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.05.12   #15
    Ich weiß, dass ich mir jetzt wahrscheinlich keine Freunde machen, aber ich möchte an der Stelle mal so ein paar Grundgedanken reinwerfen, ohne dabei konkret auf die Situation in Eisenach einzugehen, die ich gar nicht beurteilen kann.

    Ich hab neulich im Spiegel eine Zusammenfassung eines Buches von vier Kulturexperten gelesen (ich glaube, es heißt "Der Kulturkrampf"). Ich stimme nicht mit allen ihrer Thesen überein, aber so ein paar Sachen haben mich schon nachdenklich gemacht.

    Da hieß es zB dass unser heutiges Kulturangebot in Deutschland auf das Postulat des Städtetages 1971, "Kultur für alle", zurückgeht. Dieses Postulat umfasste u.a. den Beschluss, dass Kultur jederzeit für jedermann zugänglich sein müsse, und zwar so geographisch nah und günstig, dass sie nicht nur für eine Elite konsumierbar sein sollte, sondern eben für alle.

    In der Folge wurden massiv Subventionen in den Kulturbetrieb gepumpt und das Angebot extrem erweitert und ausgebaut. Ich hab den Artikel nicht mehr, aber da stand was, dass sich die Zahl der Museen und Theater in den folgenden Jahrzehnten mehr als verdoppelte, oder sogar verdreifachte.

    Dabei wurden und werden aber - so die Autoren - oftmals nur Kostendeckungen von oft unter 15% erreicht, d.h. so manches Theater und Museum kann mit Kartenverkäufen gerade mal 15% seiner Kosten decken. Und die Kultureinrichtungen wurden extrem von Politikern instrumentalisiert, die natürlich immer gerne ein neues Theater und ein neues Museum eröffnen - ist ja ne feine Sache und bringt allseits gute Presse. Ob aber jedes Kuhkaff sein eigenes Spaßbad, oder eben auch Theater und Museum brauchte, wurde gerne unter den Tisch gekehrt.

    Nun haben wir seit ein paar Jahren aber die Situation, dass die Kommunen extrem verschuldet sind und nicht mehr wissen, wo sie das Geld für ihre Aufwendungen herkriegen sollen; und zudem erleben wir eine gesellschaftliche und auch demografische Entwicklung, die sich wegbewegt vom Theater- und Museumsbesuch. Als Beispiel führen die Autoren an, dass viele junge Konsumenten sich Kultur heute aus dem Internet holen.

    Sie schreiben auch, dass bei einer Kostendeckung von 15% klar geworden ist, dass der Auftrag "Kultur für Alle" eigentlich verfehlt wurde, denn wenn ein Theater oder ein Museum seine Kosten nur zu 15% selbst tragen kann, dann erfüllt es diesen Auftrag gar nicht, sondern liefert genau das, was die Kulturbeauftragten eigentlich nicht wollten: Kultur für eine Elite. Und: Wegen der demographischen Entwicklung stirbt die nun auch noch weg.

    Die Autoren ziehen daraus den Schluss, dass die Hälfte (!) aller Museen und Theater in Deutschland eigentlich gar nicht nötig sind, da sie nur von einem verschwindend geringen Anteil der Bevölkerung überhaupt genutzt werden. Und dass es mehr Sinn machen würde, die Subventionen lieber in gebündelte Angebote zu stecken, dort wo sie auch genutzt werden. Statt vieler Museen mit kärglichen Mitteln und verstaubten Schaukästen lieber wenige mit geilem Angebot, bei denen sich ein Besuch auch lohnt.

    Letztlich brechen sie Kultur auch auf das Gesetz von Angebot und Nachfrage runter, was sträflich vernachlässigt worden sei. Was sie damit meinen, ist dass Künstler wieder mehr Eigenverantwortung übernehmen sollen in der Vermarktung und Präsentation ihrer Kunst, und sich nicht voll auf den zahlenden Staat verlassen sollten. Sie meinen auch - und da gehe ich nicht mit - dass sich Kultur mehr an der Nachfrage ausrichten sollte. DEN Punkt halte ich für problematisch, aber vielleicht müsste man dazu das ganze Buch lesen, denn ich denke, dass die sicher nicht meinen, statt Beethoven sollte lieber nur noch Jürgen Drews gespielt werden. EDIT: Mir ist es gerade wieder eingefallen. Was sie meinen, ist dass Kultur wegen des oben genannten Postulats auch mehr und mehr zu Schleuderpreisen angeboten wurde und wird, ohne dass dies aber zu einem nennenswerten Anstieg der Besucherzahlen geführt hätte, im Gegenteil. Diese Schleuderpreise waren auch Folge eines permanenten Überangebots an Kultur. Ihre These ist, dass eine Verknappung des Angebots wieder zu mehr und vor allem gezielterer Nachfrage führen würde, und dadurch auch wieder höhere Preise für Eintrittskarten etc. gerechtfertigt werden. Mir erscheint das logisch, für ein Springsteen-Konzert fahren auch viele hunderte Kilometer und geben 100 € Eintritt aus - weil es selten und geballte geile Kultur ist.

    Ich teile diese Gedanken wie gesagt nicht zu 100%, finde aber richtig, dass man auch darüber nachdenkt und vor allem spricht. Unsere Gesellschaft befindet sich an einer Umbruchstelle, und das Schlüsselwort der kommenden Jahrzehnte wird "Rückbau" sein - wegen der demographischen Entwicklung, aber auch, weil unsere Industriegesellschaft meiner Meinung nach die Grenzen des Wachstums erreicht hat (weshalb auch BSP-Plusse von 1% gefeiert werden...) und nun damit umgehen muss, dass wir in vielen Bereichen etwas zurückfahren müssen - die leeren Spaßbäder, Autobahnen, Häuser im Osten sind da nur ein Beispiel.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25.05.12
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  16. tonstudio2

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    Erstellt: 26.05.12   #16
    Ich habe dieses unselige Buch nicht gelesen, allerdings bin ich darüber auch etwas informiert, wenn auch nicht durch Spiegel oder Bild, sondern durch die TV-Sendung "Aspekte".

    Kulturexperten? ach ja? Wer auch immer die vier Journalisten in diesen Status erhoben hat, täte gut daran, diesen Artikel in der Frankfurter Rundschau zu lesen:

    http://www.fr-online.de/kultur/buch...ischung--obszoene-ideen,1472786,11938556.html

    Und mir spart es eine Menge Tipperei, weil alles, was ich noch dazu zu sagen hätte, bereits geschrieben steht, meinen herzlichen Dank an den Autor:

    Das Schlimme daran ist, daß Leute, die nicht so sehr in der Materie stehen, diesen vier Reportern ihr Geschreibe glauben, schließlich sind sie Experten und es steht ja schwarz auf weiß... :ugly:


    Ein kleines Detail vielleicht noch ergänzend: der Eigenfinanzierungsanteil von 15% ist schon sehr hoch gegriffen, bei den meisten Theatern wird der eher in Richtung 10% tendieren - und ja: das ist schon immer so, und nein: das kann man nicht ändern, das liegt in der Natur der Sache. Dazu habe ich weiter oben schon ausführlich geschrieben (Stichwort: Milchmädchenrechnung)

    Man kann einer Familie mit zwei Kindern nicht zumuten, ein paar 100 km zu fahren und 400€ Eintritt zu bezahlen, wenn sie sich das Weihnachtsmärchen anschauen wollen :(

    Oder Sinfoniekonzerte, wir haben ein sehr treues Konzertpublikum, die haben schon ihre Stammplätze und besuchen unsere monatlichen SiKos regelmäßig. Da sind auch viele rentner dabei, und die, die ich kenne, haben nicht die von den Medien immer wieder beschworene fette Rente, 800€ ist eben nicht die dicke Marie :(

    Und noch was: das Theatersterben ist zwar kein ostdeutsches Problem, sondern bundesweit (nach der Wende fing es mit dem Sterben der Theater in den fünf neuen Bundesländers zwar an, inzwischen ist dieser tödliche Virus längst auch in die alten Bundesländer geschwappt), aber die (bald ehemalige) Kulturvielfalt im Osten hat definitiv nichts mit irgendwelchen Postulaten von 1971 zu tun, die Ursachen dafür sind wesentlich älter.

    Konkret Eisenach: da hat ein Großindustrieller, der Baron Justus von Eichel-Streiber, das damals noch gar nicht existierende Grundgesetz "Eigentum verpflichtet" ernst genommen und der Stadt unter anderem (!) ein tolles Theatergebäude geschenkt (!), leider hat er nicht wie der Graf Friedrich von Zeppelin in Friedrichshafen eine Stiftung dafür gegründet, sondern hat angenommen, daß die Eisenacher Stadtväter ihr Geschenk mit Leben füllen würden.....

    So, und jetzt versuche ich, mich wieder abzuregen und meinen Blutdruck zu senken, nichts für ungut!

    http://www.insuedthueringen.de/loka...t-endlich-Planungssicherheit;art83434,2008209

    Also dann: in 10 Monaten gibt es die nächste Runde... :o :(
     
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  17. tonstudio2

    tonstudio2 Mod Emeritus

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    Erstellt: 27.05.12   #17
    Die Kommentare der Unterzeichner der Petition lesen sich größtenteils sehr angenehm, irgendwie hilft das, zumindest emotional auch weiter:

     

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