Die Blockflöte als Anfangsinstrument

  • Ersteller Sandstroem
  • Erstellt am
S
Sandstroem
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
25.02.14
Registriert
02.12.09
Beiträge
187
Kekse
367
Ort
Nürnberg
Auch wenn ich sehr wenige querflötenspielende Männer kenne, finde ich dass es eigentlich nicht drauf ankommt, wer spielt, sondern wie derjenige spielt.

Bei der Blockflöte hingegen kann ich mich einigen Meinungen der Vorposter anschließen. Ich selber habe 3 Jahre lang Blockflöte spielen müssen, bevor ich dann mit 12 Jahren auf die Posaune gewechselt bin. Mit Sicherheit habe ich damals viel gelernt, aber wenn dann ausschließlich Notenkunde, Musiktheorie, Dinge die ich auch direkt schon mit der Posaune hätte lernen können. Von daher sehe ich im Nachhinein die Blockflötenzeit als verschwendete Zeit an.
Leider hat man als Kind darauf ja sogut wie keinen Einfluß, bzw entwickelt erst später das Bewusstsein ob das ganze sinnvoll war. Die oftmals unmusikalischen Eltern können das garnicht abschätzen und rennen natürlich verständlicherweise mit der Herde die grad die Richtung vorgibt.

Anders mag es sich bei Holzbläsern verhalten. Aber auch da sehe ich keinen Grund warum ein Neunjähriger nicht schon direkt mit Klarinette etc anfangen sollte.

Glücklicherweise ist das Alter der Musikanfänger auf dem späteren Instrument in den letzten Jahren (und meine Anfänge sind gerade mal 20 Jahre her) gesunken und die Kids fangen schon recht früh an auf Trompete und co zu spielen und lassen in der Regel dann das nervige Blockflötenspielen gleich sein. Ob man als 9jähriger Anfänger dem später anfangenden unbedingt voraus ist wag ich mal zu bezweifeln, man holt sicher als 12jähriger alles wieder auf. Aber man wurde nicht 3 Jahre lang mit einem Instrument gequält was man eigentlich nicht spielen möchte.

Ich denke allerdings dass eine Blockflöte an sich durchaus ein schönes Instrument sein kann. Für mich ist sie aufgrund der 3 Jahre nichts. Ich habe aber eine Bekannte die das Blockflötenspielen weiterverfolgt hat und auf andere Größen umgestiegen ist. Vor allem wird dann natürlich auch Qualität wichtig und man gibt etwas mehr aus.

Ich finde wenn weiterhin auf der Blockflöte als Anfängerinstrument rumgeritten wird wird sich die Einstellung dazu auch nicht ändern. Ich stelle mir Blockflöte eigentlich als Instrument vor, das vielleicht ein erfahrener Querflötist für sich entdecken könnte um sein Klangspektrum und damit die Mitspielmöglichkeiten zu erweitern.
 
Eigenschaft
 
Anders mag es sich bei Holzbläsern verhalten. Aber auch da sehe ich keinen Grund warum ein Neunjähriger nicht schon direkt mit Klarinette etc anfangen sollte.
Sofern die Fingerchen dann schon groß genug sind, um die Klarinette richtig zu greifen, geht das sicherlich. Aber bei allen anderen Instrumenten ist die ganze Spieltechnik bedeutend schwieriger, der Blaswiederstand höher, das Instrument vom Gewicht her schwerer und so das Spielen, besonders in der Anfangsphase wesentlich anstrengender. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Querflötenschüler (das Gleiche kenne ich auch von Klarinette, Saxophon und diversen Blechbläsern) deutlich weniger Probleme mit dem Einstieg haben und schneller Fortschritte machen, wenn durch die Blockflöte schon eine gute Grundlage da ist. Das Kind hat dann die Möglichkeit, das, was es sowiso schon kann, direkt auf dem neuen Instrument anzuwenden und es bleibt mehr Aufmerksamkeit für die komplexe Ansatztechnik, wenn es sich nicht auch noch gleichzeitig das Notenlesen aneignen muss (als Beispiel).

Versteht mich nicht falsch, ich bin kein absoluter Blockflötenfan. Zumindest nicht, was die musikalische Früherziehung angeht. Ich finde es nur schade, dass das Instrument so schnell als "Quälerei" für die "armen kleinen Kinder" verurteilt wird, die doch eigentlich ganz was anderes, viel cooleres spielen wollen. Der Einstieg über die Blockflöte kann sinnvoll sein und - richtig umgesetzt - für die Kinder Spaß bringen und ihnen den ersten Zugang zur Musik erleichtern. Ein Fünf- oder Sechsjähriger, der sich für Musik interessiert und gerne ein Instrument lernen möchte, wird mit den meisten anderen Blasinstrumenten noch überfordert sein (Ausnahmen bestätigen die Regel), sowohl körperlich als auch technisch. Mit der Blockflöte wird es ohne Probleme klappen und er kann die "Wartezeit", bis er groß genug für ein anderes Instrument ist, sinnvoll überbrücken. Wenn man sie immer wieder vertröstet, haben viele Kinder in der Zwischenzeit dann schon mit irgendwelchen anderen Hobbys angefangen und für die Musik kein Interesse mehr.

Ich finde wenn weiterhin auf der Blockflöte als Anfängerinstrument rumgeritten wird wird sich die Einstellung dazu auch nicht ändern. Ich stelle mir Blockflöte eigentlich als Instrument vor, das vielleicht ein erfahrener Querflötist für sich entdecken könnte um sein Klangspektrum und damit die Mitspielmöglichkeiten zu erweitern.
Das würde ich so unterschreiben. Dass die Möglichkeiten der Blockflöte weit über den Anfängerunterricht hinausgehen und sie einen Status als vollwertiges Musikinstrument verdient hat, versteht sich von selber. Aber das eine muss das andere wie ich finde nicht zwangsläufig ausschließen.
 
Hi,

die Blockflöte ist doch nicht umsonst ein weitverbreitetes Anfängerinstrument. Im Gegensatz zu "höherwertigen" Blasinstrumenten hat sie einfach den Vorteil, dass es keine Probleme mit der Intonation gibt. Und da gerade jüngere Kinder schon genug damit gefordert sind, Noten+Griffe / Tonarten / Taktmass / Pausen usw. usw. zu lernen, haben sie zumindest nicht noch das Problem, dass - wie bei anderen Instrumenten - beim Anblasen kein oder ein völlig schräger Ton kommt. Insofern ist die Blockflöte nach wie vor aus meiner Sicht für Kinder ein perfektes Mittel, um überhaupt erst mal in das Thema Musizieren einzusteigen, und auch von Anfang an Erfolgserlebnisse und nicht nur Frust zu haben.

gruß
 
Genau das meine ich ja. Mit der Blockflöte geht bei mir jedes Kind aus der ersten Unterrichtsstunde mit dem Gefühl, dass es schon was auf seinem Instrument spielen kann. Das ist bei anderen Instrumenten längst nicht immer so. Da quält man sich oft wochenlang, bis die Töne mal sauber und zuverlässig ansprechen. Und bis es sich dann mal nach einem richtigen Lied anhört, dauert es auch manchmal noch länger. Wobei die Intonation bei der Blockflöte (leider) nicht ganz so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Kaum bläst man z.B. mal etwas stärker oder schwächer, "rutscht" der Ton gleich ein ganzes Stück hoch oder runter. Aber auch da schadet es ja nicht, wenn man die Kids von Anfang an zum aufmerksamen Hinhören ermuntert - das müssen sie später, wenn sie mal ein anderes Instrument lernen wollen, ja auch. Und dann lassen sich da schon in absehbarer Zeit ganz brauchbare Ergebnisse erzielen. Denn ganz ehrlich: es gibt kaum was Schlimmeres als eine Anfängergruppe mit schlecht gestimmten Blockflöten.
 
Sandstroem, ich habe mit 6 Jahren mit der Blockflöte angefangen. Da waren die Finger für die ach so coole Gitarre (die bei mir immer noch ein Nebeninstrument ist, ich spiele mehr Blockflöte als Gitarre) noch zu klein; Gitarre wollte ich nebenbei eh nie wirklich spielen. Da hätte auch Klarinette oder Posaune oder nehmen wir mal was schönes, Querflöte, nicht funktioniert. Blockflöte war für mich kein Muss und kein Statt, sondern es wurde angeboten und war ein nice to have. Und anscheinend hatte ich eine gute Lehrerin erwischt. Jedenfalls hat sie es mir nicht ausgetrieben und ich konnte mir später bequem Musik-Einser holen, als die anderen "mussten" :D
meppenindiezweit, unterschätz die Intonation auf der Blockflöte nicht. Ich hab da schon grausliges gehört, es ist nicht so, dass der Ton festgenagelt ist. Sicher, es ist leichter als bei den Blechbläsern, aber danebenliegen kann man auch.
 
Ein wenig unschön meinen Beitrag so aus dem Zusammenhang zu reissen, ein Hinweis wieder zum Originaltopic zurückzukehren wäre da sicher besser gewesen.
 
Ein wenig unschön meinen Beitrag so aus dem Zusammenhang zu reissen, ein Hinweis wieder zum Originaltopic zurückzukehren wäre da sicher besser gewesen.

Hmmm...ich möchte interessante Diskussionen nicht abwürgen, indem ich "off topic" rufe. Vielmehr passe ich ggf. das topic, also den Threadtitel an. Dein durchaus guter Beitrag steht in keinem engen Zusammenhang zu "Männer und Flöten", da dein Punkt ja ist, daß es gerade nicht wichtig ist, wer spielt, sondern wie gespielt wird. Bei enger Auslegung der Boardregeln hätte ich löschen müssen, das will ich aber nicht und das macht hier auch keinen Sinn. Von daher hast du (durchaus sinnvollerweise) zuerst den Zusammenhang unterbrochen - ich habe diesen Bruch mit der Threadteilung nachvollzogen.

Harald
 
Auch wenn es sich zugegebenermaßen wie ein Vorwurf an die Moderation angehört hat, wollte ich eigentlich nur alle anderen Mitposter darauf hinweisen dass der Eingangspost ein wenig zusammenhangslos im Raum stand.
Aber eine wirkliche Diskussion ist hier eh nicht entstanden, vermutlich müsste das dann eh eher in die Ausbildungsecke.
 
Das Problem bei Blockflötenunterricht, wie ich ihn kenne, liegt darin, daß zwar darauf geachtet wird, daß man die richtigen Töne zur richtigen Zeit spielt, aber nur ungefähr. Schlechte Intonation gepaart mit dem doch recht lauten Klang von Blockflöten sind eine ziemlich gute Abschreckung.

Allerdings habe ich vor ein paar Monaten in einer Kirche einen Blockflötenchor gehört, der hevorragend intonierte - alles Kinder. Da hat der Kantor wirklich gute Arbeit geleistet.

Meiner Meinung nach ist Blockflöte ein gutes Anfangsinstrument, vorausgesetzt, daß die Kinder wirklich lernen Musik zu machen und nicht nur Tonfolgen zu spielen. Genausogut finde ich übrigens Klavier und auch Kirchenorgel, meinetwegen sogar Keyboard. Aber es geht ja um Flöten, also passen diese Instrumente nicht hierher.

Ich bin übrigens ganz erstaunt, wie leicht sich Bambusquerflöten spielen lassen (z.B.Bansuris). Für Erwachsene sicherlich auch ein schönes Einsteigerinstrument, Kinder müßten allerdings ziemlich kleine Flöten spielen, damit die Finger auch passen.

Zu anderen Blasinstrumenten kann ich mangels Erfahrung nichts sagen. Ich glaube aber, daß es ziemlich egal ist, womit man anfängt, solange es einem Spaß macht und man das Instrument körperlich bewältigen kann. Notenkenntnisse, Melodik, Rhythmik und das Gespür dafür, daraus Musik zu machen, kann man unabhängig vom Instrument lernen. Dazu kommt dann "nur" noch die Übung am speziellen Instrument, und die kommt viel leichter, wenn man bereits musikalisch vorbelastet ist.

Ich selbst gehöre auch zu denen, die als erstes Blockflöte lernen mußten. Und mir ist schon damals - mit sechs Jahren - das schräge Gefiepe so auf die Nerven gegangen, daß ich fast 30 Jahre lang keine Blockflöte mehr angefaßt habe - dafür aber Klavier, Gitarre, Schlagzeug und Baß. Neuerdings lerne ich klassische Indische Musik mit Hilfe von Sitar und Bansuri, und da kommt genau das zum Tragen, was ich im letzten Absatz geschrieben habe, es fällt mir relativ leicht, weil ich genau weiß, wo ich hin will. Für die Bansuri kommt mir vielleicht jetzt doch der Blockflötenunterricht zugute. ;)
 
Tjaja, die Blockflöte..


ich kenne kein anderes Instrument, was für Anfänger besser geeignet wäre. Damit wird sie zwangsläufig zum Opfer der Anfänger (und der Lehrer, die hier ihr Schärflein an der Suppe mitlöffeln müssen). Ich kenne es auch so, daß in eine musikalische-Früherziehungsgruppe einfach alles an Biomasse reingesteckt wird, was später zu 80% (gottseidank) niemals ein Istrument spielen wird.
Bei den wenigen talentierten Kindern, würde es sicher gleich besser klingen, hätte man nur solche.
Ich will garnichts verändern. Es ist gut, daß alle Kinder was über Musik lernen. Dabei muß halt die Blockflöte leiden.

Es gibt viele vermeintlich einfach zu spielende Instrumente und ich finde, man sollte den Kids gleich mal von Anfang an klarmachen, daß es einen Unterschied gibt, wie man was spielt - daß man mit gut gespielter Musik den Hörern ins Herz treffen kann. (mit schlecht gespielter Musik trifft man zwar auch, aber woanders.)

Man könnte mal zwei Versionen (so man denn hat) vorspielen, einmal von ner Kindergruppe und einmal von guten Musikern. Die Kids werden sehr schnell den Unterschied erkennen. Und dann muß man auch mal sagen dürfen, daß der ein oder andere einfach "scheiße spielt". Hilft ja nix, wenn sie immer alles "toll" machen. Das nervt einfach nur auf Dauer und dem Kid ist damit auch nicht geholfen. Der Extremfall ist dann das, was wir bei "DSDS" zu hören bekommen: Hoffnungslos weltfremde Gestalten, die glauben, sie hätten das Zeug für eine/n ganz großen.

In unserer Gesellschaft gibt es nur top oder flop. Dazwischen gibt es scheinbar nix. Ich denke, man sollte ebenso transportieren, daß man ein guter Hobbyist sein/werden kann und die Musik, die man spielt, eine Bereicherung für einen selbst und ein Publikum sein kann, auch wenn es nicht für den Lebensunterhalt reicht.
Mit der Flöte fängt es an, die Flöte ist aber ein Instrument und kein "Kinderspielzeug" und im Mittelpunkt steht das Musizieren. Und wenn Musik schlecht dargeboten wird, dann liegt das nicht am Instrument, sondern in erster Linie am Spieler.

Wenn den Kids dieser Unterschied klar wird, dann gewinnt auch die Flöte an Ansehen.


cheers, fiddle
 
Hmmm, ob das pädagogisch der beste Weg ist? Für einen Fünf- oder Sechsjährigen ist die Flöte ein Spielzeug. Die Kinder wollen Spaß haben. Sie freuen sich, wenn sie ein Lied so spielen können, dass sie selber es wiedererkennen. Den Ehrgeiz zu viel mehr haben viele Anfänger in diesem Alter noch gar nicht. Und es ist ihnen auch ziemlich egal, wenn das, was sie da spielen, in unseren Ohren noch alles andere als perfekt klingt.

Wenn ich dem Kind jetzt nur zeige, dass das alles nicht gut genug ist, was es macht, dass die "Profis" das gleiche Lied ja so viel besser und schöner spielen können - glaubst du wirklich, dass es dann den Spaß an der Sache behält?

Konstruktive Kritik, Verbesserungsvorschläge und die Schulung der richtigen Technik usw. sollen selbstverständlich sein. Aber auf eine kindgerechte Art und Weise und nicht mit dem Holzhammer!

Für mich als Lehrerin ist es die schönste Bestätigung, wenn mir die Eltern erzählen, dass das Kind zu Hause freiwillig zur Flöte greift und mit seiner Überei die Familie wahnsinnig macht. Dann habe ich nämlich mein Hauptziel, die Begeisterung des Kindes an der Musik zu wecken, für den Moment erreicht. Was dann später mal daraus wird, ob das Kind tatsächlich auch Talent hat oder ob es einfach für einige Jahre ein schönes Hobby bleibt, muss man abwarten. Und das finde ich in dem Alter auch noch gar nicht so wichtig.

LG Fluty
 
Hi Fluty,

Wahrscheinlich habe ich mich (wieder mal :D) zu drastisch ausgedrückt. (Das passiert mir doch zu oft)

Im Grunde teile ich deine Auffassung und es geht nur um Nuancen. Wenn man die Kids am Ehrgeiz packen kann, nach dem Motto: "so kann das mal klingen, wenn ihr euch mit dem Instrument ne Weile beschäftigt", halte ich das trotzdem nicht für verkehrt. Ist ja nicht schlimm, wenn jemand anderes was besser kann. Und das hat man im Leben immer.

cheers, fiddle
 
Hey fiddle,

damit kann ich schon eher leben ;).

Leider funktioniert (zumindest bei meinen Schülern) die Masche mit dem Ehrgeiz nicht so wirklich. Bis die Kinder die Unterschiede wirklich selber deutlich genug wahrnehmen und dann auch den Wunsch haben, näher an das entsprechende Vorbild heran zu kommen, dauert es meiner Erfahrung nach tatsächlich eine ganze Weile. Gerade jüngeren Kindern fehlt häufig der Ehrgeiz, alles perfekt machen zu wollen, der einen bei einem erwachsenen Anfänger manchmal zur Verzweiflung treibt. Da braucht es dann schon ganz genaue Anleitung nach dem Schema: "Das war schon gut, und jetzt machen wir es noch besser indem wir das und das beachten." - und das nicht nur einmal oder zehnmal, sondern auch (gefühlte) 1000 Mal, bis sie hoffentlich irgendwann von alleine merken und umsetzen.

Bei vielen Kindern ist es ja so, dass sie den Erfolg brauchen, um das Interesse an einer Sache zu behalten. Wenn sie also nur registrieren, dass sie etwas nicht so gut können wie ein anderer oder dass sie sich anstrengen müssen, um die entsprechenden Erwartungen zu erfüllen, dann macht alles keinen Spaß mehr und wird nach Möglichkeit vermieden. Und weil das ja das Letzte ist, was wir wollen, kommt man im Anfangsunterricht manchmal nicht darum herum, gewisse Abstriche an der Qualität zu machen... Was natürlich nicht heißt, dass man die ganze Sache nicht vorsichtig in die "richtige" Richtung lenken sollte.

LG Fluty
 
Da braucht es dann schon ganz genaue Anleitung nach dem Schema: "Das war schon gut, und jetzt machen wir es noch besser indem wir das und das beachten." - und das nicht nur einmal oder zehnmal, sondern auch (gefühlte) 1000 Mal, bis sie hoffentlich irgendwann von alleine merken und umsetzen.
@fluty
Die gefühlten 1000 Mal sind dann doch hart…
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein öffentliches (bzw. im Kindergarten vor allen Gruppen) Vorspiel entscheidend für die Motivation der Kinder ist.
Dabei ist allerdings wichtig, einen oder zwei Schritte zurück zu gehen.
Manche Lehrer spielen Stücke des aktuellen Leistungsstands, die die Kinder erst ein- oder zweimal geprobt haben. Publikum wie Interpreten merken dann oft, dass es noch nicht richtig rund läuft. In der Folgezeit hapert es mit dem lustvollen Üben.:bad:
Ich suche für Schülervorspiele oft nach „alten“ Lieblingsliedern der Kids. Die werden dann sicher und gut vorgetragen, die Kinder haben ein „Flow-Erlebnis“ und sind Feuer und Flamme für ihr Instrument und üben anschließend regelmäßig, wagen sich auch an schwierigere Stücke.

Besonders empfehlen kann ich „Meine lustige Blockflöte“ von Richard Voss. Band 1 beginnt in sehr großer Schrift für die vier- bis fünfjährigen und deckt die Töne c1 bis d2 ab. Nach Band 2 mit e2 bis a2, einem allerdings zu diesem Zeitpunkt unwichtigen h-Hilfsgriff und den Vorzeichen b, fis, cis, gis und dis sind die Kinder fit für das Ensemble-Spiel bzw. wechseln zu ihrem „Hauptinstrument“ – wer beide Bände durchgearbeitet hat, bleibt i.d.R. beim Blockflötenspiel, auch wenn er ein weiteres Instrument lernen muss/will:D
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Natürlich waren die 1000 Mal leicht übertrieben ;) wobei es wahrscheinlich in jeder Gruppe Themen gibt, auf die man als Lehrer in jeder Stunde wieder zurück kommt.

Die Vorspielmöglichkeiten sind für meine Gruppen leider ziemlich begrenzt. Ich unterrichte Blockflöte für die Anfänger in unserem Blasorchester. Das ist ein Kurs über ca. ein Jahr und anschließend wechseln dann alle Kinder auf ein anderes Instrument. Hauptziel besteht also eigentlich darin, gewisse Grundlagen im Notenlesen usw. zu schaffen und das funktioniert mit der Blockflöte ganz gut. Ein kleines Vorspiel machen wir dann meistens zum Ende des Kurses für die Eltern und zukünftigen Instrumentallehrer.

Über mangelndes Üben kann ich mich trotzdem nicht beklagen. Eine feste Blockflötenschule benutze ich seit einigen Jahren nicht mehr, sondern ich stelle das entsprechende Übungsmaterial selber zusammen. So bin ich flexibler und kann eher auf besondere Stärken und Schwächen der jeweiligen Gruppen reagieren. Außerdem habe ich trotz vieler Versuche keine Schule gefunden, die wirklich meinen Vorstellungen entspricht. In dem einen Jahr lernen wir normalerweise die Töne von c1 bis g2 einschließlich der Vorzeichen fis, cis und b. Außerdem an Notenwerten Ganze, Halbe, Viertel (mit Punktierung), Achtel und Achteltriolen und die gängigen Taktarten. Von Anfang an gehören kleine Ensemblestücke (zwei- bis dreistimmig, z.T. auch mit Begleitung durch Percussioninstrumente) dazu. Meistens sind die Kids dann so fit, dass sie sicher Noten lesen, diese ohne Probleme auf der Flöte umsetzen und zumindest die Melodiestimmen der Übungsstücke erkennbar vom Blatt spielen. Nach dem Wechsel auf das neue Hauptinstrument bleiben allerdings die wenigsten dauerhaft bei der Blockflöte, weil wir leider nicht die Möglichkeit haben, einen weiterführenden Kurs, ein Ensemble oder Ähnliches anzubieten, wo sie die Flöte dann auch mal einsetzen könnten.
 
@fluty:
Nun ja, ein Jahr Blockflöte ist immerhin besser, als ein Jahr Theorie ohne Instrument - so wird es in manchen Musikvereinen hier noch gehandhabt.:confused:

Letztes Jahr ließ ich meine Kids zur JMLA-Bronze-Vorbereitung vor Senioren spielen. Das war eine gute Erfahrung für die Jungmusiker. Obwohl sie schon seit Jahren im Verein spielen, war das Lampenfieber recht hoch.

Vielleicht kannst du ja so was Ähnliches in deinem Jahres-Flötenkurs einbauen. Wie schon gesagt, Schülervorspiele sind auf jedem Leistungslevel möglich - so fern die Kids ihre Stücke beherrschen. Gerade Senioren sind ja nicht unbedingt sehr verwöhnt, was das Können anbelangt…;)

Gruß yflöte
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Ich selber habe 3 Jahre lang Blockflöte spielen müssen, bevor ich dann mit 12 Jahren auf die Posaune gewechselt bin.
Dann ist es bei dir auch echt dumm gelaufen. Selbstverständlich können 9jährige schon andere Instrumente lernen, auch Posaune. Aber wenn es vielleicht zum Standard gehört, dass jedes Kind erstmal Flöte lernen muss, egal wie alt es ist (es gibt ja in ähnlicher Art auch noch die Meinung: erst Klarinette, dann Saxophon), dann sollte man das Konzept nochmal überdenken.

Für 6jährige dagegen sehe ich nichts besseres als Blockflöte. Weil sie eben trotz der Kindertauglichkeit ein richtiges Instrument ist, das man später auf jedem beliebigen Level weiterspielen kann.
 
Wie wäre es eigentich zum Anfang mit Gesangsunterricht? Dazu vielleicht simple Schlaginstrumente, soweit das Sinn hat. Die menschliche Stimme ist doch gewisermaßen die Mutter aller Instrumente und die meisten Kinder singen doch ganz gerne. Nebenbei könnte man ein paar Instrumente zum Ausprobieren anbieten, z.B. auch Blockflöte, aber auch einfache Schlaginstrumente, Xylophone, Klavier und - in Hinblick auf die kleinen Hände - eine Ukulele als Vertreterin der Zupfinstrumente. Mundharmonika wäre auch denkbar, quasi Instrumentenkunde zum Anfassen als Nebenfach.

Auf jeden Fall lassen sich elementare Musikkenntnisse, wie z.B. Notenlesen, Gehörbildung, Rhythmusgefühl und vor allem auch Intonierung hervorragend im Gesangsunterricht vermitteln.

Es ist nur ein Gedanke und natürlich ist es auch etwas Besonderes, sein eigenes Instrument zu besitzen und da sind Blockflöten schon recht gut geeignet, zumal sie so ziemlich für jede Familie erschwinglich sind. Ansonsten würde ich Klavier für die bessere Wahl halten, weil man darauf noch leichter verläßliche Töne spielen kann und weil man das kleine Einmaleins der abendländischen Musiktheorie dort fast von den Tasten ablesen kann - bei der Flöte sieht man nicht mal die Halbtöne... (gegen Keyboards spreche ich mich aus geschmacklichen Gründen aus, leider ist das nicht wirklich haltbar).

Aber warum nicht Gesangsunterricht für Musikanfänger? Und vielleicht würden damit sogar viel mehr Kinder bei der Musik bleiben. Das überschneidet sich sicherlich auch mit dem allgemeinen Musikunterricht (soweit der denn stattfindet) aber ich kann mir nicht vorstellen, daß im allgemeinen Musikunterricht irgendwelche Gesangstechnik vermittelt wird, da geht es beim Singen halt in erster Linie ums Singen und nicht um Gesang, also eher Mitmachen als Fähigkeiten zu entwickeln.
 
Zuletzt bearbeitet:
Gesungen wird doch schon wie der Teufel ab dem Kindergarten. Ich vermute, du meinst: etwas mehr, als nur das übliche Geplänkel. Im Grunde stimme ich dir da volkommen zu. Noten lesen, hmm, ist schon was anderes, als mit nem Instrument. Ich drücke ne Taste oder greife nen Griff und dann kommt der Ton raus, der dort steht. Beim Singen muß ich mir den immer erst von der Stimmgabel vorsingen lassen, dann ausrechenen wie der geschriebene dann klingen muß und ihn dann auch noch treffen. Das ist schon tricky, auch später noch.

Ich halte das Notenlesen in der Form, wie es heute gemacht wird, eh für zu überzogen. Suzuki in Japan machen alles ohne Noten. Ist fürs Gehör und die Musikalität eh viel besser. Noten sind nur eine Krücke, nichts weiter.

Intervalle sind wichtig, hören ist wichtig, Rhythmus ist wichtig, Intonation und Phrasierung ist wichtig. Das geht alles weitgehend ohne Noten. Wenn man später ein Instrument lernt muß man die Noten sowieso wieder neu lernen. Violinschlüssel, Bratschenschlüssel, Bass-Schlüssel, Horn in F, Trompete in B, Sax in Es.. usw.

Ich habe einige gute Musiker um mich herum, da werd ich ausgelacht (oder krieg eins auf die Fresse), wenn ich mit Noten ankomme. Noten brauche ich nur noch, um etwas zu komponieren oder zu arrangieren, weil man da erkennt, ob sich Stimmen überschneiden oder harmonische Löcher entstehen, oder man evtl. was vereinfachen kann. Noten braucht man vor einem Instrumentalunterricht nicht! Selbst dann noch, könnte man die erste Zeit auf Noten verzichten.

Ich finde Singen viel wichtiger, als Blockflöte lernen. Man braucht den Gesang später so oft, auch wenn man selber nicht singt, oder keine so tolle Stimme hat. Die ganze Phrasierung, Audruck, Betonung einer Instrumental-Melodie basiert auf der gesungenen Stimme. Wenn man nicht weiter weiß, muß man singen und siehe da: plötzlich weiß man, wie's gespielt gehört. Was macht denn ein Dirigent, wenn er dem Orchester eine Phrasierung erklärt?

Naja, letzten Endes hängt es eh davon ab, wie ein Früherziehungsunterricht gestaltet wird. Ist da ne Pappnase am Werk, dann wird das mit keiner Methode was.


cheers, fiddle
 
Absolute Zustimmung zum letzten Satz!

Zu Notenlesen habe ich eine völlig andere Meinung, aber das ist hier nicht wichtig und könnte zu endlosen Diskussionen führen. Wir sind beide mit unseren Meinungen nicht alleine, lassen wir es einfach so stehen ;)

Ich halte die Stimme auch deswegen für so immens wichtig, weil sie von haus aus viel leichter zu benutzen ist als ein Instrument. Vieles, was man am Instrument erst mühsam einüben muß, geht mit der Stimme fast spontan - ich rede hier nicht von Koloratur und der hohen Kunst des Gesanges, aber durchaus von ausdruckvollem musikalischem Gesang. Und diese Tatsache wird ja auch gerne von Lehrern genutzt, der Satz "wie würdest du das singen?" fällt sicherlich täglich viele Male in Deutschland alleine. Leider wird die Antwort "ich kann nicht singen" oder "ich mag das nicht singen" auch nicht gerade selten sein. Mir hat das Singen kurzer Stellen von Instrumentalmusik schon oft weitergeholfen. Statt lange über den richtigen Ausdruck nachzudenken, kommt der häufig automatisch, die Stimme hat es eben drauf, genauso, wie das (absichtliche oder unabsichtliche) vermitteln von Stimmungen wenn man spricht.

Zurück zur Blockflöte. Es wäre großartig, wenn man der Blockflöte - und auch anderen Flöten - ein besseres Image verpassen könnte. Ich habe neulich nach dem Ursprung einer Flöte meiner Eltern gesucht und bin auf bosnische Musik gestoßen, die mich absolut vom Hocker gerissen hat. Hier ein Beispiel: http://www.youtube.com/watch?v=3R8w9E22FFQ&feature=related (es dauert etwas, bis die Musiker im Bild erscheinen) - das ist genau die Bauart der Flöte meiner Eltern, eine Doppelflöte aus einem Holzblock geschnitzt, jede Hand spielt eine Seite, der Ton wird genauso erzeugt, wie bei der Blockflöte. Ich kann mich nicht erinnern, jemals etwas vergleichbar lust- und eindrucksvolles mit Blockflöte gesehen zu haben, und als Kind habe ich wirklich gerne Volksmusik gehört (bzw. im Fernsehen gesehen). Wo ist die Blockflöte? Wo sind die Blockflötenstars? Ich weiß nicht, wie populär Slobodan Nikitovic wirklich ist, aber in seinem Bereich scheint er ein absoluter Star zu sein.
 

Ähnliche Themen


Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Guitarworld.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Zurück
Oben