DIY: Multicore-Klinkenkabel

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N'Abend allerseits,

Genau, es geht um Multicore-Instrumentenkabel, dürfte wohl jeden interessieren, der den Einschleifweg seines Amps benutzt.
Ich habe mich an einem Eigenbau versucht und wollte für's M-B kurz dokumentieren!

Zur Vorgeschichte

Ich denke jeder, der Delays, Modulationen, Reverb etc. in der Effektschleife hängen hat, kennt das Problem mit den vielen Kabeln.
Kabel hin zum Amp, Kabel zurück zum Effektbrett, dann wieder zurück zum Amp, und weil's so schön ist, gleich noch einen Weg, zum Kanalwechsel.
Macht insgesamt 4 Kabelwege zwischen Amp und Pedalboard.

Für den "Zuhausespieler" ein weniger großes Problem, als für diejenigen, die öfters auf- und abbauen müssen.
Vier mal Kabel auf- und abrollen und ggf. entheddern, totales Chaos auf der Bühne und ähm, welcher Stecker sollte jetzt nochmal wo rein?

Genau... so ging's mir auch ein paar Monate lang. Um Weihnachten rum, kam mir die Idee, anstelle von vier Einzelkabel, ein Multicore zu verlegen.
Die fertigen Multicores vom großen T. haben mir allerdings nicht wirklich zugesagt. Ich bin zwar ein totaler Laie, aber ich habe befürchtet, dass die einzelnen Leiter nicht stark genug abgeschirmt wären.
Aus diesem Grund habe ich mich an einem Eigenbau versucht.

Aufbau
Der Aufbau ist sehr simpel. Es sind lediglich vier normale, gleich lange Gitarrenkabel, die über einen großen Teil der Länge in einem Strumpf stecken. Der Strumpf wird an beiden Enden zusätzlich mit Schrumpfschlauch gehalten.
Dadurch ergibt sich ein dickes Kabel mit vier losen Enden, die immer noch sehr gut isoliert sind.

Materialien

Kabel: Sommer Cable LLX, jeweils 6 Meter, macht 24 Meter Gesamtlänge
Stecker: 8x Neutrik NP2 X-B (What else?)
Strumpf: Techflex Clean Cut 19.1 mm / schwarz (http://www.techflex.org/produkte/universeller-einsatz/clean-cut-ccp-pet-buendelschlauch.html)
Schrumpfschlauch: Techflex Schrumpfschlauch: 2/1: 19.1 mm schwarz und 4x 2/1: 9.5mm (Blau, Rot, Orange, Weiß) http://www.techflex.org/produkte/sc...flex-polyolefin-2-1-h2n-schrumpfschlauch.html

Vorgehen
Ich denke das ganze ist recht selbsterklärend, dennoch ganz kurz ein paar Worte zum Vorgehen, der Gründlichkeit halber... :)
Kleine Anmerkung: Das ist nicht unbedingt das Optimum, nur eine Beschreibung, wie ICH vorgegangen bin. Etwas planlos, teilweise, aber hat ja geklappt. :cool:
1) Kabel auf gleiche Länge schneiden.
2) Farbcodierungen (Schrumpfschlauch) anbringen. (Jedoch nicht befestigen!)
3) Stecker an einem Ende anlöten und Techflex auf die gewünschte Länge schneiden + schwarzen Schrumpfschlauch am besten gleich über Techflex ziehen. (Lieber so, als später drüberfummeln. Ja, ich spreche aus Erfahrung... :D)
4) Kabel durch Strumpf ziehen.
5) Hintere Stecker anlöten.
6) Kabel testen!
7) Strumpf mit Schrumpfschlauch fixieren. (Alternativ auch Isolierband oä. Ich find das andere ist sauberer)
8) Farbcodierungen fixieren.

Anmerkungen
- Techflex ist echt super, bin sehr zufrieden mit dem Produkt. Flexibel und stabil. Lässt sich auch toll verarbeiten.
- Negativ ist nur, dass das Material schnell schmilzt, also Vorsicht, wenn ihr den Schrumpfschlauch anbringt. Hab mir an einer Stelle ein Loch reingebrannt, ging echt schnell. Hab da dann nochmal vorsichtig mit Schrumpfschlauch versärkt.
- Das Sommer Cable ist auch toll. Ist mein erstes Sommer, und das fühlt sich echt gut an. Klingt auch toll. Verdreht sich auch nicht zu stark, auch nicht im Strumpf.
- Zu Neutrik-Steckern muss ich wohl nichts sagen. Sind super. Das Kabel ist nur etwas dick, beim Löten ist das ein klein wenig mehr Arbeit (Zugentlastung kürzen etc.). Dennoch kein Problem, wird auch an vielen Stellen beschrieben, mit Lösungsvorschlägen.
- An dieser Stellle eine kleine Anmerkung: Ich wollte anfangs die Kabel an bestimmten Stellen fixieren, sprich so alle 75cm einmal mit Duct Tape oder so umwickeln, damit sich das Kabel nicht zu sehr verwickelt. Hab's dann aber gelassen, und für mich ist's auch so okay. Vielleicht hat ja jemand eine andere Meinung, wäre jedenfalls auf eure Meinungen gespannt.

Kosten
Kleine Aufstellung der Kosten. Dies war nicht der Hauptgrund für's DIY-Projekt. Ich weiß auch nicht, ob ich viel Geld gespart habe. Ich bastel einfach gerne. Und find's super, wenn das Resultat stimmt! :)
Kabel: 2,5€/m x 24 = 60 €
Stecker: 2,95€ x 8 = 23,6€
Techflex: 2€/m x 6 = 12€
Schrumpfschlauch (19.1mm): 3,48€/m
Schrumpfschlauch (9.5mm): 2,3€ x 4 = 9,20€
-------------------------------------------------------
Total: 108,28€
PS: Da fehlen bei Kabel und Stecker 2% MwSt, da Bestellung zu mir nach Lux. kam. Aktuelle Thomann-Preise sind etw. höher.

Fazit
Der Preis mag vielleicht etwas abschrecken, aber hey. Das sind vier 6-Meter Kabel mit tollen Steckern und möglichst geringem Klangverlust, die sich nicht verheddern. Ich bin jedenfalls zufrieden.
Und dank der Farbcodierung, weiß ich intuitiv, welcher Stecker wo hingehört. Auch wenn's beim Umbau auf der Bühne mal etwas hektischer wird.
Mit meiner Arbeit (Wie gesagt, ich bin totaler Laie, hab zuvor noch nie ein Kabel gelötet. :D) und mit dem Endprodukt. Und ich kann nur jedem empfehlen, sich das Ganze einmal zu überlegen.
Das Ding ist sein Geld und die Arbeit echt wert. Und ein ziemlicher Hingucker.... :D

Und zum Schluss noch ein paar Bildchen...

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Ich hoffe, ich konnte den einen, oder anderen inspirieren. Bei Fragen, einfach losfragen!

Cheers,
Road
 
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Sehr schön! Jetzt nur noch die Plastikmuttern an den Buchsen entsprechend der Farbkodierung anpassen.
 
Ich hatte mich auch gerade nach DIY Multicore Kabeln umgeschaut weil mit die Längen beim T nicht zusagen.
Ich finde deine Idee Prinzipiell gut aber mir wäre das Kabel zu schwer. Wie lötet man Stecker an ein vorgefertigtes Multicore Kabel aus der Meterwaren-Abteilung?
 
ich hätte bammel, alles über eines der mehradrigen Multicorekabel laufen zu lassen. da ich der Abschirmung nicht traue. Gerade, bei Instrumentensignal, das nachher in einem Preamp noch hochgepusht werden muss. Bei Line-Signalen -also im FX-Loop) ist das kein Problem, das habe ich mit den billigen, fertigen ssssssssnake-Multicores schon gemacht und es funktionierte...jedenfalls so lange, bis man ein paar mal blöd drauf gestanden ist....

anderes problem:
du sagst, dass die die Längen nicht zusagen? Pass bitte auf, wenn du ein ungebuffertes Signal durch ein zu langes Kabel schickst... da geht dann schon viel verloren.
 
Wie lötet man Stecker an ein vorgefertigtes Multicore Kabel aus der Meterwaren-Abteilung?

Bin beim ersten Google-Treffer auf diesen Beitrag aus dem MB gestoßen, der hilft vielleicht schon.
Zu den Längen: Stimmt schon, aber das anfälligste Kabel liegt ja zwischen Instrument und dem ersten Pedal und somit auch nicht im Multicore.
Es sollte halt recht früh ein Buffer in der Kette sitzen.

Nen Multi am Instrument macht ja auch keinen Sinn, es sei denn du sitzt auf deinem Amp und tust dich nicht bewegen. :)

Und übrigens... Meins ist immer noch 1A in Schuss und tut seinen Job. Und hat in zwischenzeit schon einiges miterlebt... :D
 
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Früher habe ich auch oft und gerne gebastelt. Das Ergebnis Deiner Arbeit ist sicher hervorragend.
Aber ich kaufe mir lieber ein fertiges Multicore beim großen T um 100€ weniger, als Du nur für die Teile ausgegeben hast.
Zur Not kaufe ich auch noch ein zweites als Reserve. 100€ nur fürs Basteln auszugeben, das nenne ich ein Luxusleben.

Ich wünsche eine schönen Tag.

Boisdelac
 
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Hi Boisdelac,

Klar geht's billiiger. Und mag sein, dass man nichtmal einen Unterschied hört.
Ich höre, vor allem im Live-Einsatz auch kein Gras wachsen.

Die Multis für 8 Euro sind bestimmt ne gute Lösung, wenn die mechanische Belastung in Grenzen zu halten ist.
Aber ich bin relativ viel unterwegs, dementsprechend werden die Kabel viel belastet. Mehrmals die Woche auf- und abrollen, einpacken, alles unter Zeitdruck...
Jemand stolpert, manchmal regnets auch drauf und in der Hektik fliegt das Ding auch gerne mal in die Ecke.
Ist alles suboptimal und ich bin auch eher weniger der Typ, der allzu sorglos mit seinem Zeug umgeht.
Aber ja... Shit happens.

Und da bin ich dann doch froh, wenn ich nicht zittern muss, dass ein Kabel nicht mehr funzt.

Aber du hast Recht, es stimmt schon, dass ich für den Preis auch 12 billige bekomme.
Luxusleben.... hmm, find ich bissl übertrieben, aber gut.
Sind jetzt auch keine Voodoo-Kabel oder -Stecker. Ich würd's solides Arbeitsmaterial nennen.

Als Frisör würd ich mir auch ne vernünftige Schere kaufen, bevor ich Geld für Haareschneiden verlange.
Aber gut, ist auch nur meine bescheidene Einstellung, also nix für ungut. :)

Gruß,
Road
 
Der Punkt, der angesprochen wird, ist doch eher in die andere Richtung.
Schau mal hier: https://www.thomann.de/de/cordial_cml_8_0_pp_5_c.htm - 75EUR fuer ein 8-Fach-Klinken-Multicore, das fuer den Live-Einsatz ueber quasi jeden Zweifel erhaben ist. Nicht billig zudem, und fuer den Zweck "ich brauche aber nur 4 Wege" ueberdimensioniert, aber doch eine Hausnummer.

Klar, als Hobby kann man sich alles Moegliche basteln, und sicherlich darf man dafuer auch sehr viel mehr Geld ausgeben, als eigentlich noetig waere. Machen wir ja alle mit zu vielen / zu teuren Gitarren, Amps, Effekten, ... :D

Aber mal ganz konkret - ich wuerde doch vom Kabel her eher zu sowas tendieren (https://www.thomann.de/de/sommer_cable_quantum_highflex_multipair_4.htm) und damit EIN Kabel haben, als so einen dicken Schlauch. Und auf einmal wird es von den Kosten her interessant, aus Deinen 60 EUR werden 18. Und JA, Multicore-Kabel sind dafuer gemacht, dass da die Signale "nebeneinander fliessen". Findet auf Buehnen auf der ganzen Welt statt...
 
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Und JA, Multicore-Kabel sind dafuer gemacht, dass da die Signale "nebeneinander fliessen". Findet auf Buehnen auf der ganzen Welt statt...

Kurz aufgewärmt, da ich mich gerade mit der Thematik beschäftige: Multicores werden aber hauptsächlich für symmetrische Signale verwendet, oder? Kann doch bei unsymmetrischen und meist hochohmigen Gitarrensignalen anders aussehen?
 
Es ging damals (2 Jahre her) um ein 6 Meter Kabel zwischen Amp und Pedalbord. Da bleibe ich dabei - das geht.
 

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