Geige wetterfest abnehmen

L
lemidi
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
27.02.13
Registriert
06.02.13
Beiträge
2
Kekse
0
Hallo ihr,

weil ich in früheren Threads leider nicht fündig geworden bin, beschreibe ich euch mal mein Anliegen.

Ich bin Fiddler und bereits glücklicher Nutzer eines Audio-Technica-Mikros für Indoor-Konzerte auf meiner guten Geige. Jetzt möchte ich mir eine deutlich einfachere Geige zulegen, die ich sowohl verstärkt als auch unplugged Open Air auch bei schlechtem Wetter nutzen kann. Letztlich läuft es also auf eine halbakustische Geige hinaus oder eine akustische mit nachgerüstetem Abnehmer (Preisvorstellung liegt so bei <=400 Euro).

Mein Favorit wäre zunächst halbakustisch: Ich hab mir von Thomann die beiden Versionen der Harley-Benton bestellt, war aber nicht zufrieden. Bei einer war der Abnehmer von vornherein defekt und der Steg zu hoch, bei der anderen die Verarbeitung grottig und der Klinkenausgang auf der falschen Seite. Weitere semiacoustics hab ich nur in USA gesehen - da wird allerdings die Preisvorstellung arg knapp und die Rücksendung schwierig. Gibt es gute, halbteure, europäische Lösungen?

Nachgerüstet: Abnehmer für Violinen gibt es gefühlt hunderte. Aber hier bin ich unschlüssig, welche Variante sowohl wetterbeständig ist als auch unauffällig im inaktiven Zustand (unplugged) ist. Kondensatoren sind allein wegen des Regens/Wind ungünstig. Blieben beispielsweise Shadow SH 945 NFX (http://www.shadow-electronics.com/viewpro.html?id=192) oder aber Violinissimo (http://kksound.com/products/violinissimo.php) möglich. Welche machen sonst Sinn?

Habt ihr Erfahrungen in der Richtung gemacht? Könnt ihr was empfehlen? Ein paar Meinungen wären jedenfalls sehr hilfreich.

Danke schön und viele Grüße
 
Eigenschaft
 
Hi lemidi,

Open air erfordert höchste Lautstärke, selbst eine laute Geige verliert sich leicht, wenn kein Schallreflektor in der Nähe ist. Semiakustisch - ich vermute hier einfach mal einen verkleinerten Resonsanzkörper - ist auch bei E-Geigen eine extrem seltene Bauart. Die einzige die mir tatsächlich dazu einfällt wurde in den 80ern in Canada hergestellt unter dem Namen "Amazing Violin". Ich vermute, dass dieses Konzept als Irrweg der technischen Evolution aufgegeben wurde, da weder der "natürliche" Geigenklang noch Feedbackresistenz gegeben waren.

Verbleibt die PU-Frage für eine akustische Geige: grundsätzlich gilt, je mehr Vorspannung ein Piezo hat, desto mehr Power kommt hinten raus. Dies spricht für den Shadow Pickup. Ich habe selber lange mit Piezos herumhantiert und blieb letztlich bei einem sehr einfachen System hängen, welches gemäß Bedienugsanleitung mit einer Klebemasse am Steg zu befestigen war, den besten Klang jedoch erzeugte, wenn ich es mit einem kleinen Keil zwischen Steg und Oberdecke verklemmte.

Mal angenommen das Wetter ist tatsächlich lausig - wie löst Du die Problematik der sich weitenden Bogenhaare? Incredibow mit Synthetikhaar? "Zieht" das auch noch, wenn es feucht wird?

LG
 
Hi Stollenfiddler.

Danke dir für deine Antwort. Unter semiakustischen Geigen versteh ich quasi-akustische Geigen mit festinstalliertem Abnehmer, der direkt ins Holz eingelassen ist (wie z.B. diese). Das fand ich zunächst recht praktisch, bin mir aber mittlerweile nicht mehr ganz sicher.

Welche Shadow Pickups meinst du genauer? Um völlig unplugged zu spielen, könnte ich mir auch vorstellen z.B. den SH 941 jeweils abzunehmen - wenn wer das denn verträgt. Sonst tendiere ich zum SH 945, sofern das denn mit Feuchtigkeit kein direktes Problem hat.

Ich spiele natürlich nicht im Regen, aber bei abendlicher sehr hoher Luftfeuchtigkeit und Kälte. Das haben meine Bogenhaare bisher immer ausgehalten bzw. der Frosch war ausreichend herausdrehbar.

Über weitere Wortmeldungen wäre ich dankbar.

Viele Grüße
 
Hi Lemidi,

Du hast einen kleinen Spagat vor Dir: grundsätzlich verschlechtert alles, was an eine akustische Geige nicht drangehhört den Klang, daher ist Dein Wunsch nach möglicher Demontage gut nachvollziehbar. Auf der anderen Seite sind Piezo-Pickups extrem feinfühlig was die Montage angeht. Bereits ein minimal aus der Balance geratener Steg kann sich mächtig auf den Sound durchschlagen. Nur an wenigen Positionen klingt der Piezo gut, fast immer jedoch klingen die Dinger grausig. Dazu kommt ein klitzekleines hochohmiges Ausgangssignal, welches ja auch noch sauber zum passenden Amp bzw. PA kommen muss.

Bei der von Dir genannten Auswahl würde ich selbst ohne Zweifel zum SH 945 greifen: festes Einklemmen und Preamp direkt am PU sind in der Kombination ein gutes Konzept für die Abnahme. Flinke Demontage geht damit zwar nicht, aber wer zu viele Kompromisse eingeht, hat keine Chance auf volle Leistung. Wenn Du nach einem einfach zu handhabenden System zur klangstarken Abnahme von Geige suchst, wirst Du ohnehin nicht fündig - jedes Instrument braucht an der Stelle viel Zuwendung und Experimentierphasen, bis es denn OK ist.

Bitte berichte von Deinen Erfahrungen, welche Probleme aufgetreten sind, wo es flutschte, und was nach dem Abnehmer noch so kommt...

LG
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 2 Benutzer
Hohe Luftfeuchtigkeit und akustische Geige verträgt sich gar nicht. Die Geige klingt regelrecht verschnupft oder verstopft. (die Erfahrung habe ich bereits mehrmals mit Geige und Bratsche gemacht). Die Semiakustische wird da keinen Unterschied machen, da das Holz natürlich nicht zu 100% gegen Luftfeuchtigkeit dicht gemacht wird (vor allem nicht am Steg). Eine E-Geige ist da in der Regel etwas unempfindlicher.

Ich könnte mir aber vorstellen, daß sich Karbon-Geigen (gibt es auch als Viola und Cello) sich für diesen Zweck bestens eignen. Als Geigenbogen würde ich auf jeden Fall Karbon nehmen, auch wenn das Geigenbogenholz den Klang nicht ganz so stark beeinflußt. Der Kostenfaktor ist allerdings so hoch wie ein gutes akustisches Instrument. Falls Du eine E-Geige mit etwas akustischen Klang haben willst (der sich ingesamt positiv auf die Abnahme auswirkt), dann schau Dir mal die Reiter Electric E-Geigen an (Tschechien). Da die Instrumente handgefertigt sind und trotzdem problemlos bezahlbar, kannst Du sicher auch Deine Vorstellungen mir "Mr. Reiter" in Einklang bringen. Fragen kostet nichts.

Das Thema mit hoher Luftfeuchtigkeit gab es vor einigen Jahren im englischen Fiddleforum (müßte ich allerdigs erst suchen, Stichwort "moisture" und "humidity"), da ging es meiner Erinnerung nach aber vor allem um die Wahl des richtigen Kolophoniums und Schutzmaßnahmen bei hoher Trockenheit.

Gruß
 

Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Guitarworld.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Zurück
Oben