Griechenland und die Zukunft des Euro

von Damon_Knight, 01.11.11.

  1. Damon_Knight

    Damon_Knight Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.11.11   #1
    Da seltsamerweise die wohl wichtigsten derzeitigen aktuellen Ereignisse hier gar nicht diskutiert werden, mach ich mal selber einen Thread.
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,795130,00.html


    Wie ihr wisst, wurde auf dem Gipfel am vergangenen Mittwoch ein Schuldenschnitt für Griechenland von 50% beschlossen, eine deutliche Aufstockung des Schutzschildes für Staaten in Bedrängnis, und zudem eine erhebliche Kapitalaufstockung für Banken.
    Nun gefährdet die griechische Regierung das Paket, indem sie das Volk darüber abstimmen lassen will - mit zu erwartendem negativen Ergebnis, denn das Hilfspaket ist mal wieder mit erheblichen Sparmaßnahmen etc. verbunden. Ein finnischer Minister hat daraufhin bereit den Rausschmiss Griechenlands aus der Euro-Zone in Erwägung gezogen.

    Wie seht ihr das - nicht nur die neuesten Entwicklungen, sondern die gesamte Entwicklung an sich?
     
  2. gidarr

    gidarr Helpful & Friendly User

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    Erstellt: 01.11.11   #2
    Das ist ja furchtbar! :eek: Seit wann fragt man denn das Volk?
    Zu einem ähnlichen Problem aus der neueren Geschichte sagt Wikipedia:

    und
    Ursache des Problems ist, dass bei der Einführung des Euro, die ich für sinnvoll halte, keine gemeinsame Finanzpolitik beschlossen wurde. So profitierte hauptsächlich die deutsche Exportindustrie vom Euro. Die Löhne stagnieren seit zwei Jahrzehnten, und damit sanken die Lohnstückkosten. Länder wie Griechenland können durch Abwertung ihrer Währung nichts mehr ausgleichen, und sind somit nicht mehr konkurrenzfähig. Der grösste Teil der deutschen Exporte geht in die EU, nicht nach China! Im eigenen Land geht mangels Einkommen der Konsum zurück. China macht es genauso mit den USA: Man exportiert immer mehr und gibt dem Anderen das Geld als Kredit zurück, damit er weiterhin einkaufen kann. Logisch, dass damit einmal Schluss ist! Wenn dann die Reichen - ob in Griechenland oder Deutschland - kaum noch Steuern zahlen, sind die Ärmeren, wie immer, die Dummen. Durch die Öffnung des Finanzcasinos - Spekulieren was geht (Gewinne einschieben - Verluste zahlt die Allgemeinheit) wird das Problem verschärft. Im Orwellschen "Neusprech" redet man von Schuldenkrise und Griechenlandhilfe, wo es sich um eine Finanzkrise und Bankenhilfe handelt. Das Geld geht doch nicht nach Griechenland, sondern an die Ackermänner der Welt! Wir alle zahlen dafür, kassieren tun wenige. Dass vor ein paar Wochen von deutscher Seite ein Konzept nach dem Vorbild der Treuhand gefordert wurde, spricht Bände! Verteilung der allgemeinen Güter an Wenige, um nichts anderes geht es. Wie es vor über 200 Jahren weiterging, wissen wir. Wie es bei uns weitergeht, da bin ich wirklich gespannt.
     
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  3. Damon_Knight

    Damon_Knight Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.11.11   #3
    Was schlägst Du vor?
     
  4. saitentsauber

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    Erstellt: 01.11.11   #4
    Wurde auch Zeit! :great:
    Was mir in diesem Zusammenhang aufgefallen ist: 1. das Unisono des politischen Establishments und der vermutlich einflussreichsten Nachrichtensendungen von ARD und ZDF. Dass es in der Welt auch andere Sichtweisen gibt, vermutlich sogar verbreiteter sind, bekommt man in der Regel nur anderswo mit - obwohl diese Sichtweisen sowohl geographisch als auch vom politischen Spektrum her sehr breit vertreten sind.
    2. Das ständige Hinterherhinken der (deutschen) Politik. Maßnahmen wie der Schuldenschnitt, die schon sei Monaten im Raum stehen und genau so lange von WirtschaftswissenschaftlerInnen und -journalistInnen vor allem im Ausland gefordert bzw. erwartet wurden, wurden immer wieder von der Hand gewiesen. Als sie dann doch durchgeführt wurden, waren oft hohe Verluste eingetreten.
     
  5. GEH

    GEH MOD A-Saiteninstrumente

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    Erstellt: 01.11.11   #5
    :rofl:
    Nun, viele Griechen wollen das, was ihre Regierung beschlossen hat offensichtlich nicht und sehen diese nicht mehr als Volksvertreter.
    So etwas führt in einer Demokratie normalerweise zu einer Volksbefragung - wir erleben das jetzt in BaWü auch mit Stuttgart 21.

    Es geht dann nicht mehr um das, was für Griechenland und die gesamte EU besser wäre, sondern um das, was das Volk will - "vox populi, vox rindvieh" :p

    Schwierig abzuwägen, ob in machen Situationen einfach die Regierung das aus ihrer Sich beste für das Land aushandeln soll (weil dem Volk der Überblick fehlt) oder einen anderen Weg einschlagen, wenn eine große Mehrheit im Volk einfach dagegen ist (auch wenn es noch so blöd ist).

    Aus meiner Sicht ist die Sache dann aber klar:
    Wollen die Griechen das Sparpaket nicht, dann gibt es auch kein Geld und Griechenland muss raus aus dem Euro.
    Mit allen positiven und negativen Nachteilen für alle Seiten.
    Zu ihrem Glück zwingen können wir das Land nicht. :nix:
    Sparen müssen sie auch wenn sie aus der EU raus gehen und Kredite gibt ihnen dann erst recht keiner mehr.
    Auf keinen Fall sollte sich die EU aber zu etwas erpressen lassen, nur damit die Griechen nicht dagegen stimmen. :rolleyes:
     
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  6. Pleasure Seeker

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    Erstellt: 01.11.11   #6
    Ist das alles ein Problem? In Griechenland gibt's nun direkte Demokratie, bei uns nicht, wir haben weiterhin den Abnickverein mit einigen wenigen Aufrichtigen, die man gerne Abweichler, "Scheiss Fresse" oder Kommunisten schimpft. Das ist das eigentliche Problem.
    Wenn die Griechen kein Hilfspaket wollen, evtl. auch keinen Euro, kein Diktat von Merkel und Sarkozy, ist das ihr gutes Recht. Es ist ziemlich grotesk anzusehen, was da die vergangenen Monate abgelaufen ist.
     
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  7. Bierpreis

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    Erstellt: 01.11.11   #7
    Ich finde, die Pleite Griechenlands war doch von vornherein der Eurokriese abzusehen und wurde auch von vielen Ökonomen so vorhergesagt. Seitdem das ganze begann, behielten immer die Pessimisten recht bzw. wurden von der Realität übertrumpft.
    Den Grund sehe ich genau an der Europolitik. Griechenland hat die Billanzen "geschönt", Einige haben davor gewarnt, aber man wollte den Euro halt politisch durchsetzen - koste es was es wolle. So langsam sehen wir auch, dass das ganz schön viel ist. Weiterhin hat Deutschland (!) die Maastrichtkriterien aufgeweicht und der totalen Überschuldung Tor und Tür geöffnet. Tja und da dann halt "die Finanzmärkte" (ihr wisst schon, die bösen Zocker, Finanzterroristen oder man könnte sie auch einfach Marktwirtschaftler nennen, je nach persönlicher Position) haben halt erkannt, dass alle Stabilitätsmechanismen und Verträge anscheinen nicht mehr gültig zu sein scheinen. Dann steigen die Zinsen und geben überschuldeten Staaten den Rest.
    Da man sich in der Politik aber prinzipiell niemals einen Fehler eingestehen kann wurde weiter herumgedoktort und Probleme durch die Schulden einfach versucht mit noch viel mehr Schulden zu lösen. Das kann natürlich nicht funktionieren, zumindest nicht ohne eine deutlich stärkere Inflation. Tja und nun stehen wir da und es sieht wirklich nicht gut aus.
    Wenn jetzt z.B. der SPON titelt: "Griechischer Premier entsetzt Europa " [Da er einen Volksentscheid über die Zukunft seines Landes ins Spiel bringt] dann sieht man, wo hin wir schon gekommen sind. Das hat man auch gesehen, als in Irland und in der Slovakei halt so lange abgestimmt wird, biss das Ergebnis dem entspricht, was man den Europäern überstülpen will. So sieht unsere real existierende Demokratie halt aus.
    Der griechische Premier wurde wohl anscheind am WE körperlich attakiert bzw wurde das versucht, die Umfragen sagen, die Griechen (60%) wollen das Sparkapet nicht (verständlich) - also hat er die Konsequenzen gezogen. Das im Urland der Demokratie.
    Da sich allerdings sowieso alle Staaten in den letzten Jahren katastrophal verschuldet haben im Euroland muss sowieso etwas grundlegendes passieren - vlt ist das jetzt der Anstoß. Eventuell wird das nicht schön, aber mittel - bis langfristig ist es ohnehin unumgänglich.
     
  8. oldboy

    oldboy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.11.11   #8
    Sparen bringt nichts. Die Griechen haben ein Problem mit den Einnahmen (Export). Es gibt keinen. Das Geld zirkuliert nur intern.
     
  9. Damon_Knight

    Damon_Knight Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.11.11   #9
    Zunächst mal: Sorry, aber mein Satz mit der "Gefährdung" war in keinster Weise wertend gemeint - wahr ist er dennoch, egal, ob man eine Volksabstimmung nun für richtig oder falsch hält.

    Ein Schuldenschnitt Griechenlands wurde deshalb so lange hinausgezögert, weil er bedeutet, dass sich die Politik mit den Gläubigern - also den Banken - anlegen muss. Vor allem französische Banken halten sehr viele griechische Anleihen und verlieren dadurch eine Menge Geld, aber auch deutsche Banken. Dass man sich nun dazu durchgerungen hat, die Banken mit in die Pflicht zu nehmen, ist immerhin eine positive Entwicklung - bisher lief das alles nämlich nur auf dem Rücken des Steuerzahlers ab. Wenn nun allerdings wiederum Banken gerettet werden müssen, weil ihre griechischen Anleihen nichts mehr wert sind, trifft es letztlich wieder den Steuerzahler - um eine Lösung dieses Problems wird noch gerungen.

    Ich habe in den vergangenen Monaten eine Menge gelesen über die Verhältnisse in Griechenland und kann mir leider kein klares Bild davon machen, wen es nun wirklich trifft und wen es treffen müsste (= für mich auch ein Versagen der gesamten Journaille an sich, anderes Thema). Die kontinuierliche Steuerhinterziehung der MEISTEN Griechen sowie Geldverschwendung in den staatlichen Wirtschaftsbetrieben scheinen sich aber durchzuziehen.

    Ich würden den Griechen auf keinen Fall verweigern, das Paket abzulehnen. Klar ist es "ihr gutes Recht", sich von niemandem vorschreiben zu lassen, was sie innenpolitisch zu tun und zu lassen haben. Das sehen wohl auch die meisten Griechen so. Ich finde diese Einstellung aber enorm kurzsichtig und auf selbstzerstörerische Weise egoistisch. Im Grunde ist es ganz einfach: Die Hilfe für Griechenland ist richtig, aber dass die Geldgeber Bedingungen stellen, ist wiederum IHR gutes Recht. Und, wie weiter oben richtig gesagt wurde: Genausowenig, wie sich die Griechen dazu erpressen lassen wollen, Bedingungen anzunehmen, die sie für unzumutbar halten, sollte die EU einfach den Geldhahn aufdrehen, ohne dafür Gegenleistungen zu verlangen. Letztlich geht es hier ja nicht nur um Griechenland, sondern um den Euro, die EU und die Weltwirtschaft mit Milliarden Jobs und Existenzen. Ich finde es deshalb ABSURD, dass sich der griechische Volkszorn gegen Merkel, Sarkozy etc. richtet - das ist übelstes Stammtischniveau. Die sollten mal auf ihre Mauschel-Politiker, ihre Reichen und sich selbst wütend sein.


    ICH bin auch wütend: Auf die europäischen Staatenlenker an sich, die die Euro-Zone wider besseren Wissens einfach auf Gutdünken erweitert haben; auf die griechischen Politiker, die sich in die EU getrickst, EU-Gelder massiv kassiert und verschwendet haben und nun letztlich das gesamte Euro-System an den Rand des Abgrunds gebracht haben; und auf die griechischen Bürger an sich, die offenbar nicht einsehen wollen, dass sie sich in einer Art von Wohlstandsillusion eingerichtet haben, die sich angesichts der Weltlage eben nicht aufrecht erhalten lässt - ein Problem, das übrigens nicht nur Griechenland betrifft.

    Um mal einen ganz großen Bogen zu spannen: die gesamte westliche Industriegesellschaft befindet sich in einer Umbruchphase, und die Bewahrung des bisher erreichten Wohlstands auf der einen, schrittweiser Ausgabenrückbau auf der anderen sind ein enorm schwieriges und explosives Spannungsfeld. Hier wird es, so meine Meinung, noch in mehr Ländern des "Westens" in naher Zukunft noch erheblich krachen. Ich weiß, dass ich mir mit der Ansicht keine Freunde mache, aber Gerhard Schröder ist es schon auch zu einem guten Teil zu verdanken, dass wir Deutsche hier so relativ locker-flockig durch die Krise gekommen sind - die Einschnitte, die bei uns vor ein paar Jahren gemacht wurden, haben Schlimmeres verhindert - nämlich das, was jetzt Griechen, Italienern, Spaniern etc. blüht. Ich behaupte: Wenn Schröder es gelassen hätte, den deutschen Sozialstaat zu reformieren, säßen wir heute mit 6 Millionen Arbeitslosen und Krawallen wie in Athen hier.

    Was ist die Lösung? Letztlich muss der Staat (und das gilt für Griechenland wie für alle) die Reichen wieder stärker zur Kasse bitten, da führt kein Weg dran vorbei. Gestern erst habe ich gehört, dass reiche Griechen deshalb keine Steuern auf ihre Yachten zahlen, weil sie sie einfach als "Ausflugsschiffe" anmelden, die steuerfrei sind. So etwas MUSS aufhören, in Griechenland wie auch bei uns. Die schlimmste Anhebung der Steuerquote steht den Amis bevor (wenn sie es schaffen), aber auch im alten Europa liegt da Einiges im Argen. Die Boom-Jahre der Post-Ostblock-Ära und des Internetzeitalters sind zumindest hier vorbei, und die Europäer wie die Amis müssen sich darauf einstellen, dass ihre Territorien die Grenzen des Wachstums erreicht haben - und sich auf eine langjährige Konsolidierung einstellen.

    Der Euro muss erhalten bleiben, das europäische Projekt muss weitergehen. Ein Rausschmiss aus dem Euro würde Griechenland kein bisschen helfen, aber wenn dadurch die Währungsgemeinschaft an sich gerettet werden kann, bin ich dafür. Was sie vor vielen Jahren versäumt haben, müssen die europäischen Staaten jetzt nachholen: Mechanismen einbauen, die verhindern, dass einzelne Schluderstaaten das gesamte Projekt gefährden. Die gelten natürlich auf für Deutschland, dessen Bruch der Maastricht-Kriterien ich für einen epochalen Fehler halte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 01.11.11
  10. gidarr

    gidarr Helpful & Friendly User

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    Erstellt: 01.11.11   #10
    Ich glaube nicht, dass das Volk in dem Fall blöder ist, als die Regierung. Anscheinend haben es noch nicht alle mitbekommen, was das einfache Volk, also die Mehrheit, ertragen muss. Es erinnert in vielem an die Krise in Argentinien vor 10 Jahren. Durch die Bindung an den US-Dollar wurden argentinische Produkte zu teuer. Der internationale Währungsfonds versuchte vergeblich, durch strenge Auflagen gegenzusteuern. Erst als Argentinien die Schulden nicht mehr zahlte und den Peso wieder vom Dollar abkoppelte, wurde es besser. Das ist nicht die erste Krise in den letzten Jahrzehnten, die der IWF mit diesen Mitteln zu lösen versuchte. Wenn es besser wurde, geschah es trotz, nicht wegen dieser Massnahmen! Dazu eine Analyse von attac von 2002. Wobei dieses Sparen doch sehr an den sprichwörtlichen "Aderlass" aus dem Mittelalter erinnert, der medizinisch gesehen, meist mehr schadet, als nützt. Nur kann Griechenland nicht so einfach aus dem Euro aussteigen. Papandreou wird langsam schwanen, was auf sein Volk zukommt, da ist es verständlich, dass er diese Entscheidung nicht alleine übernehmen will. Es hätte gar nicht so weit kommen müssen, wenn die Bundeskanzlerin etwas mehr gelernt hätte, als unangenehme Dinge auszusitzen. Wegen den Landtagswahlen in NRW vermied sie eine klare Reaktion, als die ersten Probleme auftauchten. Jetzt folgt ein Land nach dem anderen, am Schluss sind wir dran. Im oben angeführten Link aus dem Standard, steht noch ein anderer Artikel, wie die Banken ohne irgendeine Leistung, ein paar Milliarden von der EU bekommen. Die europäische Zentralbank darf den einzelnen Staaten kein Geld leihen, das geht nur über die Banken, und die machen das für einen kleinen "Aufschlag". Auch eine Folge deutscher Politik!
     
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  11. elmwood_3100

    elmwood_3100 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.11.11   #11
    Mich wundert schon seit Wochen warum hier so ein Bloedsinn wie "Taylor Gitarren & Scientology"
    diskutiert wird, aber Themen die uns alle wirklich betreffen umgangen werden...


    Was ich bisher nicht gerafft habe, vielleicht kann mir das ja hier mal jemand plausibel
    erklaeren, Deutsche regen sich hervorragend drueber auf das den Griechen finanziell
    geholfen wird, Fachleute sagen dann, dass das Geld bisher nur zur Schuldentilgung, u.a.
    an die Deutsche Bank verwendet wurde.

    Stimmt das? Die Griechen erhalten 20 Milliarden Euro um dann 15 Milliarden Zinsen
    zurueck zuzahlen?
     
  12. Pleasure Seeker

    Pleasure Seeker Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.11.11   #12
    Damon_Knight,

    du kreidest in Griechenland die Steuerhinterziehung an? Schau einmal zu uns, Samthandschuhe gibt's für Steuerhinterzieher, die Oasen, deren Funktion für Privatleute und Konzerne, werden ohnehin geduldet. Noch nicht einmal die Medien kreiden es einem neuen deutschen Formel 1 Weltmeister an, wenn er direkt hinter der Grenze in der Schweiz einen Bauernhof kauft. Wenn du hier den Staat bescheisst, egal wieviele Millionen es sind, drohen dir im Grunde lächerliche Strafen, aber wehe du klaust Geld, egal von wem, dann geht's lange in den Knast. Schwarzarbeit ist hier auch ein Kavaliersdelikt, zumindest auf privaten Baustellen und bei kleineren Betrieben.
    Was ich damit sagen will, ich glaube in Griechenland stimmt etwas anderes nicht, es nur auf die Betrügereien und Schmiergeldzahlungen der Durchschnittsbürger zu lenken, ist zu einfach. Dahinter stecken einige griechische Regierungen, die EU-Politik, der Konflikt mit der Türkei, die Exportpolitik Deutschlands und Frankreichs und nicht zuletzt die Zockerei der Finanzindustrie, inkl. Ratingagenturen.

    Was die Umbruchsphase der westlichen Industriegesellschaft betrifft: Schröder hat genau das Gegenteil getan, er hat das System auch in Deutschland nur weiter ausgebaut, frei nach Thatcher die Umverteilung von unten nach oben perfektioniert, die Finanzwirtschaft dereguliert, weiteres Lohndumping ermöglicht, die sozialen Sicherungssysteme nebst Steuergeldern an die Privatwirtschaft verschenkt. Die Staatsverschuldung ist trotzdem explodiert, nicht zuletzt durch die Dauerkrise seit 2008. Haben wir hier Probleme gelöst? Ich glaube wir haben sie nur verschleppt, das was die Griechen durchmachen, wird hier auch noch geschehen. Ein Konjunktureinbruch, ein Abwertung im Rating, und schon geht's auch hier Rund. Unser Schuldenberg ist nur Beleg dafür, was hier nicht stimmt. Selbstverständlich kann man das alles noch verhindern, solange hier mit "Alternativlosigkeiten" das Aussitzen gepflegt wird, passiert das jedoch nicht. Die Banken werden, genauso wie die Pleitekandidaten, nur "gerettet" um das kranke System weiter wie bisher laufen zu lassen.

    Im übrigen dauern solche Umbrüche viele Jahre, vielleicht auch Jahrzehnte, wenn kein Weltkrieg dazwischen kommt, dann diktiert uns China und Indien, wie wettbewerbsfähig wir zu sein haben.
     
  13. Johannes Hofmann

    Johannes Hofmann v.i.S.d.P.

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    Erstellt: 01.11.11   #13
    Mir ist nicht so ganz klar, worüber die Griechen abstimmen sollen?

    Sie können ja nicht einfach so darüber abstimmen, dass sie statt eines 50%igen Schuldenerlasses gerne einen 100%tigen hätten.

    Vielleicht sollte man ihnen mal sagen, was sie erwartet, falls sie beschließen, aus der EU auszusteigen.

    Es ist ja nun nicht so, dass die Angebote Schlange stehen, um ihnen aus dieser finanziellen Missere herauszuhelfen.
     
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  14. Fepo

    Fepo Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.11.11   #14

    Da spricht mir einer aus der Seele.....Danke Johannnes

    Ferner soll sich die EU nun nicht auf irgendwelche Erpressungsversuche einlassen.
     
  15. gidarr

    gidarr Helpful & Friendly User

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    Erstellt: 01.11.11   #15
    Wie das so funktioniert mit den Finanzhilfen, zeigt hier ein Journalist, der selber zum Spekulanten wurde. In Island weigerte sich übrigens die Bevölkerung, die Verluste der Banken, wie in den anderen Ländern üblich, zu sozialisieren. Auch die ausländischen Spekulanten wurden nicht ausbezahlt. Nun scheint es doch wieder aufwärts zu gehen, wie heute zu lesen ist. Es geht also auch anders!

    ---------- Post hinzugefügt um 16:33:10 ---------- Letzter Beitrag war um 15:39:06 ----------

    Das tut dem deutschen Stammtisch gut, hat aber mit Finanzkrisen und Spekulation nichts zu tun! Die Griechen sind nicht auf einmal faul geworden, und die Italiener produzieren immer noch genauso viel und genauso gut, wie vor ein paar Jahren. Nur die Beschränkungen für die Finanzkreise, die gerne auf Kosten der Allgemeinheit, Wetten abschliessen und Gelder verschieben, wurden abgeschafft. Ist es schon vergessen, dass vor wenigen Jahren erst, Deutschland der "kranke Mann" Europas war? Wo würde es enden, wenn alle Länder ihre Bevölkerung zu Billigjobs und Niedrigrenten verdammten? Gerade die Deutschen haben keinen Grund auf andere Völker herabzublicken. Der Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl weist in diesem Interview darauf hin, dass Deutschland im letzten Jahrhundert mindestens dreimal pleite ging (der grösste Schuldensünder des 20.Jahrhunderts). Vor allem die USA ermöglichten durch den Verzicht auf riesige Summen den deutschen wirtschaftlichen Aufschwung. Nach dem 2.Weltkrieg erliessen die Opferstaaten, darunter Griechenland, den Grossteil der Reparationen. Wie immer gilt: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!
     
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  16. saitentsauber

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    Erstellt: 01.11.11   #16
    Damit machst Du Dir in der Tat keine Freunde - aber vielleicht anders, als du denkst... ;)
    Scherenschnittartig: Die deutsche Politik der letzten Jahre - nicht nur die Schröders, sondern auch die der letzten Regierungen - hat Deutschland so durch die Krise gebracht, dass die bestehenden Schieflage in der Euro-Zone verstärkt wurden: Die Binnennachfrage ging (relativ) zurück, der Absatz im Ausland stieg (wobei die griechischen Steuerhinterzieher usw. mit dafür gesorgt haben, dass Deutschland weiter exportieren konnte - es war mehr als nur deutsche Tugend im Spiel!) :eek:.
    Da die die Eurozone über keine entsprechenden Ausgleichsmechanismen verfügt - ohne Euro wäre die DM aufgewertet worden, was den deutschen Kostenvorteil verringert und die Handeslpartner wettbewerbsfähiger gemacht hätte -, drehte sich die Spirale immer weiter; in Deutschland wurden Überschüsse aufgebaut, die logischerweise anderswo ihr Gegenstück hatten, nämlich Überschuldung. Jedenfalls, solange die Finanzmärkte mitspielten; ihre Bereitschaft und auch ihre Fähigkeit, das zu tun, ist aber seit 2008 aus Gründen, die bekanntlich wenig mit Griechenland zu tun haben, stark zurückgegangen.
    M.a.W.: Schröders Optik - wie die seiner Nachfolger - war zu eng bzw. zu kurzsichtig. Es wurde nicht gesehen, dass der vorhandenen geldpolitischen Koordinierung (Euro) eine Koordinierung in anderen Bereichen entsprechen musste, wenn die ganze Konstruktion dauerhaft funktionieren sollte. Statt dessen wurden Fehlentwicklungen verstärkt, und wir verdanken Herrn Schröder & Co. sehr wenig: Deutschland ist durch die Krise gekommen, indem es sie verstärkt hat :mad:
    Ansonsten erinnert die mögliche Volksabstimmung in Griechenland daran, dass wir uns in der letzten Zeit daran gewöhnen sollten, dass wichtige politische Weichenstellungen nicht mehr von gewählten VertreterInnen des Volks vorgenommen werden. Im Westen leb(t)en wir in der Vorstellung, dass solche Weichenstellungen zurückgenommen werden können, indem auf Grund von Wahlen die Verantwortlichen abgelöst werden (zumindest im Prinzip): Wenn beschlossen wird, x Bundeswehrstandorte zu schließen oder aus der Kernenergie auszusteigen, kann das von einer anderen Mehrheit rückgängig gemacht werden. Wenn solche Beschlüsse aber ungewählten "Experten", "unabhängigen Gremien", dem IWF oder wem auch immer vorbehalten sind, sieht die Sache anders aus. In der Praxis dürfte das den WählerInnen wuppe sein, solange die Sache wirtschaftspolitisch funktioniert; tut sie das aber nicht mehr und fehlt das "Ventil" von Neuwahlen, braucht man sich nicht zu wundern (für alle Missversteher: ich meine das als reine Feststellung).
    Das Bundesverfassungsgericht hat diese Tendenz zur "Auslagerung" politischer Entscheidungen zuletzt gebremst - und ein Referendum ist vielleicht auch ein Versuch in diese Richtung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 01.11.11
  17. walking gills

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    Erstellt: 01.11.11   #17
    Warum denn nicht? Wenn Kredite nicht mehr bedient werden können, fallen sie aus. Dieses Risiko für Kreditgeber wird ja gerade über den Zins abgefangen.

    Und mal zu den Zahlen (ich hab sie aus dem Spiegel): Die aktuelle Verschuldung Griechenlands beträgt 160% des BIP. Ratet mal, wie hoch sie nach dem "Schuldenschnitt von 50%" sein wird. 80%? Weit gefehlt. 120% ist der angestrebte Wert! Da muss sich doch jeder an den Kopf fassen und fragen, woher diese Diskrepanz kommt, wer davon profitiert und ob das wirklich ein gutes Angebot für die Griechen ist. Auf den Nachdenkseiten gibt es ein paar interessante Gedanken dazu.
     
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  18. Marc02

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    Erstellt: 01.11.11   #18
    Wieso es hier noch keinen Thread über dieses Thema gibt, habe ich mich schon mehrfach gefragt. Da ich von dieser ganzen Geschichte aber sowas von 0 Ahnung habe, wäre ich der Falsche gewesen. ;)

    2 dinge frage ich mich schon länger. Wieso ist das Wort der Ratingagenturen so gewichtig und wieso sind plötzlich Milliarden Euros vorhanden ? Wieso haben wir bisher nicht in Geld gebadet ?
     
  19. brinke

    brinke Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.11.11   #19
  20. Pleasure Seeker

    Pleasure Seeker Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.11.11   #20
    Die Ratingagenturen sind private Unternehmen, teils sehr eng mit der Finanzbranche verstrickt, eine unabhängige Bewertung von Staaten, die für die Finanzbranche und die Märkte Relevanz hätte, gibt es nicht. Wohl ist aber bekannt, dass man sich Ratings auch erkaufen kann. Das kann z.B. von denjenigen getan werden, die auf die griechische Pleite gewettet haben.

    Die Milliarden sind Schulden, und die kann jedes Land machen, solange es die Zinsen begleichen kann und im Rating nicht zu schlecht eingestuft ist. Griechenland konnte die Zinsen zahlen (!), bekam aber das miese Rating und konnte daher keine neuen Schulden mehr selber aufnehmen, die Zinsen wären zu hoch gewesen.
    Natürlich kann auch Deutschland neue Milliarden an Schulden aufnehmen, das machen wir seit den frühen 1970er Jahren durchweg. Der Schuldenberg ist inzwischen imens und sorgt auch hier für die kontinuierlich gesteigerte Umverteilung von unten nach oben, ist mitunter auch der Grund für den Rückbau des Sozialstaates.
     
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