Hohlkehle Griffbrett

von Kylwalda, 18.11.11.

  1. Kylwalda

    Kylwalda Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.11.11   #1
    Hallo,

    ich hätte mal ´ne geigenbautechnische Frage. Wo muß beim Griffbrett (Geige) der tiefste Punkt der Hohlkehle sein? Auf Mitte des Brettes selbst, oder Mitte bezogen auf die gesamte klingende Saitenlänge, oder noch woanders?

    Gruß,
    Jos
     
  2. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service

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    Erstellt: 18.11.11   #2
    Hallo,

    der tiefste Punkt der Hohlkehle ist normalerweise in der Mitte des Griffbretts.
    Bei den kurzen Instrumenten (Geige/Bratsche) spielt das keine so große Rolle.

    Es kann sein, daß bei den langen Mensuren (Cello, Kontrabass) das eventuell
    eine Rolle spielen kann. Ich denke jetzt speziell an KBs mit einer flachen Saitenlage
    für Jazz und Zupfen. Ich denke, das ist was für super-Spezialisten..

    Die Problematik wird eine ähnliche sein, wie bei Gitarren und der Halskrümmung.
    Wenn man hauptsächlich in den tiefen Lagen spielt, braucht man mehr Krümmung (Hölung)
    und wenn man eine niedrige Saitenlage in den oberen Lagen haben will, geht das nur
    über weniger Höhlung, ist aber eventuell schon grenzwertig bzgl. Scheppern bei leeren Saiten.

    Speziell bei KB gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen Steichen und Zupfen.
    Wenn niedrige Saitenlage, dann geht Streichen nicht mehr ohne Scheppern - entweder, oder..

    Klettert man in die Lagen, dann wandert der größte Schwingungsbauch auch in Richtung Steg.
    Die Amplitude wird zwar kleiner, aber der Saitenabstand auch. (wenn Gegriffen wird!)
    Irgendwann erreicht man die Stelle (Steg bis Griffbrettende+nochmal diesen Abstand), da kommt
    das Griffbrettende genau auf den Schwingungsbauch. So gesehen müßte das Griffbrettende eher
    weniger Höhlung haben, als in der Mitte.

    Wie gesagt: das sind Feinheiten und Überlegungen, die nur für extrem flache Saitenlagen eine Rolle spielen.
    Für den normalen Streicher hat das keine Bedeutung. Wir reden hier von 0,5mm-Stufen maximal.

    Einschub: Vgl. Gitarre: Bei einigen Gitarren werden sogar vorsätzlich die Bünde ab dem 14. Bund+
    stärker abgerichtet. Das ergibt dann eine S-Kurve: tief - eine Hohlkele und ab dem 14. Bund ein
    Berg. Ob das allerdings überall tatsächlich gewollt ist, weiß ich nicht. Bei vielen Instrumenten
    endet dort das trussrod und es kommt alleine davon schon zu diesem Effekt.


    cheers, fiddle
     
    Zuletzt bearbeitet: 18.11.11
  3. castagnari

    castagnari Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.11.11   #3
    Hallo,
    passt vielleicht hier her.
    Habe gerade ein neues 3/4 Cello augepackt (ca. 500 Euro), bei dem schnarrt die C-Saite, wenn man sie in der ersten oder zweiten Lage greift und etwas energischer streicht.

    Das Griffbrett biegt sich in der Mitte bestimmt 1mm durch.
    Die Saitenlage der C-Saite ist 6,5mm bei G 7,5mm.

    Gehe ich richtig in der Annahme, dass die Saitenlage der C-Saite zu gering ist?

    Gruß castagnari
     
  4. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service

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    Erstellt: 18.11.11   #4
    Hi Castagnari,

    depends..
    Die Tabelle sagt: 6,5 mm auf C für Stahlsaiten. (ist aber nur n Tabellenwert, muß nicht viel heißen..)

    Es ist die Frage, ob man tatsächlich so "energisch" streichen muß.
    Was ich nicht glaube: eine dickere Saite, als üblich. Die bräuchte dann mehr Höhe.

    Daß G eine höhere Saitenlage hat, liegt vermutlich daran, daß man die Stegrundung so gewählt
    hat, daß ein Schüler leichter die Einzelsaiten erwischt. Ich hab das schonmal irgenwo geschrieben,
    daß die Griffbrettrohlinge nicht immer genug "Futter" haben, daß man eine perfekte Übereinstimmung
    zwischen Stegrundung und Griffbrettrundung hinbekommt. (vor allem bei Schülerinstrumenten)

    Ich würd das mal so lassen. Das Instrument ist neu und der Hals kommt im Laufe der Zeit von selber
    etwas nach vorne. Außerdem haben wir momentan die trockene Jahreszeit. Gerade Cellohälse machen
    da gerne mal die Schnecke nach hinten -> Griffbrett kommt hoch. Liegt am Halsfuß.
    Im Frühsommer sieht das bestimmt ganz anders aus. Es hat ja auch jetzt erst den vollen Saitenzug
    bekommen. Das muß nur mal n bischen traktiert werden, wirst sehn ;)


    cheers, fiddle


    p.s. Das Griffbrett biegt sich nicht durch :D, es hat eine Höhlung von 1 mm.
    Wenn sich etwas durchbiegt, dann unter Krafteinwirkung und das hast du sicher
    nicht gemeint. Btw.: 1 mm is a bisserl schwach für Cello..
     
    Zuletzt bearbeitet: 18.11.11
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  5. castagnari

    castagnari Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.11.11   #5
    Danke fiddle, werde das so an meine Frau weiterreichen, die im ersten Moment etwas enttäuscht war. Ist halt immer etwas Glückssache mit den billigen Instrumenten im Versandhandel.

    Bei Biegung oder Höhlung wollte ich mich nicht festlegen, da ich die Saitenspannung nicht runter nehmen wollte. Bei dem Millimeter darfst du mich auch nicht festnageln. Habe ein 60cm Alu-Lineal entlang der C-Saite auf das Griffbrett gelegt und den 1mm Spalt per Auge geschätzt.

    Ja das mit der Trockenheit haben einige von den Schüler-Celli. Müssen halt die Korkunterlagen für den Steg ran, wenn es gar zu arg wird.
    Mit der erst kurzen Dauer der Spannung wirst du auch recht haben. Das Instrument wurde ja erst vor ein paar Stunden unter Spannung gebracht.

    Gruß castagnari
     
  6. Kylwalda

    Kylwalda Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.11.11   #6
    Hallo fiddel,

    danke für die so schnelle und umfassende Antwort.

    Jos
     

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