Mal eine Frage

von clarinetto, 11.02.10.

  1. clarinetto

    clarinetto Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.02.10   #1
    Hallo,

    ich spiele seit einem Jahr B Klarinette mit dt System.
    Mir fällt es schwer z. B. die a-h-c Töne mit Oktvkalppe zu spielen.
    Ist das bei Boehm ähnlich?
    Ich habe nun öfter gehört, das es den Händen leichter fällt boehm zu spielen.
     
  2. atrofent

    atrofent HCA Klarinette

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    Erstellt: 13.02.10   #2
    Hallo,

    ich spiele seit einem Jahr B Klarinette mit Boehm System.
    Mir fällt es schwer z. B. die a-h-c Töne mit Oktvkalppe zu spielen.
    Ist das bei dt. System ähnlich?

    und "Groschen gefallen" ???? ;)

    Grüße
    atrofent
     
  3. RoBass

    RoBass Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.02.10   #3
    Also ganz kann ich den Antwortkommentar nicht nachvollziehen, aber atrofent wird sich schon irgendwas dabei gedacht haben...

    Bei der Böhm-Klarinette sind vele Griffe einfacher, denn Gabeln etc. sind nicht üblich. Linkehand-Griffe mit gedrückter Duodezimklappe sind aber grundsätzlich schwierig, da fehlt einfach das stützende Moment von vorn und man verdrückt den Ansatz schnell mal durch eine falsche Daumenstellung (ich z.B. rolle den Daumen nicht, sondern drehe ihn leicht ein - was bei Leuten mit schmalen Daumen oftmals beser geht). Dadurch kann es aber schnell mal zum Kippen des Oberstücks und zu Fehlgriffen kommen.
    Wenn Du Dir mal Videos von Böhm-Spielern anschaust, wirst Du sehen, daß sie meist bei sehr offenen Griffen in den beiden oberen Registern einen Finger der rechten Hand als Stütze einsetzen. das geht aber in der Tat leichter als deutsch, wo man diese Finger noch für den Griff braucht.
    Letztendlich ist es in beiden Fällen eine Übungsfrage, und nach einem Jahr ist es auch bei Böhm noch kein Handwerkszeug, was 100% sitzt ;-) Meist ist der Fehler, daß die Klarinette sich beim Umgreifen im Mund dreht und dadurch der Ton "wegrutscht". Versuch Dir mal mit Deinem Lehrer zusammen einen guten Hilfsgriff unten zurechtzubasteln. Mancher kann es mit dem Daumen allein, mancher braucht halt eine Stütze durch einen Finger. Schlechte Idee ist der ZF, aber RF und MF sind bei offenen Griffen meist eh arbeitslos ;-)

    Gruß
    Roman
     
  4. atrofent

    atrofent HCA Klarinette

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    Erstellt: 15.02.10   #4
    ja, so ein bißchen was habe ich mir schon dabei gedacht, RoBass schreibt das auch in seinem letzten Absatz."und nach einem Jahr ist es auch bei Böhm noch kein Handwerkszeug, was 100% sitzt ;-) ".
    Ich spiele beide Systeme, gebe auch auf beiden Systemen Unterricht. Die Frage von clarinetto wird mir recht häufig gestellt - aus beiden Lagern - und immer scheint das andere etwas verlockender. In dem Bereich wo mit beiden kleinen Fingern Klappen bedient werden und die "Oktavklappe" (Duodezimklappe) dazu gedrückt wird hilft halt nur üben, üben...
    Eine gute Klarinettenschule berücksichtigt dies und enthält Übungen dazu.
    Das Böhm-System bietet gerade in diesem Bereich mehrere Alternativ-Griffe das erleichtert die Sache etwas aber von selbst geht hier auch nichts.
    Wenn du eine Profi Klarinette mit Deutschem System nimmst ist es in der Regel ein Voll-Öhlersystem und die hat einmal eine durch Oskar Öhler optimierte Deutsche Griffmechanik und ebenso eine Klangverbesserung. Solche Klarinetten werden vor allem in der Klassik (Deutschland+Österreich) (aber auch der Volksmusik) gespielt.
    So lange ich Klarinette spiele und das ist schon einige Zeit, gibt es die Diskussion und die "Kämpfer" für das Deutsche System gegen die "Kämpfer" für das Böhm-System. Im Jahre 2094 wird es dann einen Sieger geben ;)
    Grüße und viel a,h, c, cis, es und zurück üben...

    atrofent
     
  5. RoBass

    RoBass Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.02.10   #5
    Na, ich glaube, der Lagerstreit ist schon lange entschieden ;-) Schaut man mal auf die Mengenverteilung der jeweiligen Systeme in der Welt und auch auf die Entwicklung in den Orchestern und in den Musikschulen! Dann gibt es eindeutig ein voranschreitendes und ein abnehmendes System. Wurlitzer z.B. kennt man in USA noch, aber bei S&S oder gar Meinel wird's schon schwierig. Le Blanc, Schreiber, Selmer hingegen sind Megaseller all around the world.

    Ich hoffe nur, daß man die Feinheiten und Vorzüge des "veralteten" oder "komplizierten" deutschen Systems zumindest noch insofern noch rechtzeitig erkennt, daß man es nicht einfach nur als unmodern ausrottet. Immerhin übernehmen ja gerade Reform-Böhm und andere Ansätze im Böhm-Lager ganz bewußt "deutsche Tugenden".
    Ich denke eher, das Primat eines Systems ist schon eindeutig gegeben, und in einem deutschen Orchester kann man auch inzwischen schon was anderes spielen als deutsch oder Wiener Modell (siehe SWR, Berliner Symphoniker...;-) Der Systemrassismus ist am Aussterben **ggg**

    Eindeutig leichter und schneller zu erlernen ist Böhm, eindeutig feiner intonierbar und virtuoser (noch) deutsch. Klanglich gibt es bereits in beiden Lagern so viele Grenzgänger und virtuose Profis, daß ein Doppel-Blindtest keine signifikante Erkennung mehr ergibt. Näheres dazu auch im K24...

    Man kann also nach wie vor die alten Sichtweisen herbeten, oder man schaut mal unvoreingenommen hin und bildet sich eine Meinung. Meine (persönliche) steht fest.

    Gruß
    Roman


    PS: Es ist auch interessant mal zu schauen, welche Systeme die Lehrer inzwischen in welchen Umfängen anbieten. Am typischen Kon herrschen nach wie vor die deutschen Traditionalisten, im Freizeitlager und im Semi-Profi-Bereich geht's ohne Böhm schon eine ganze Weile nicht mehr. Noch vor 15 Jahren war man als straighter "nur deutsch"-Lehrer sehr gut ausgebucht, heute wird oft schon mehr Böhm angefragt - und von Jüngeren (meist mit Auslandserfahrung) auch empfohlen. Globalisierung halt... ;-)
     
  6. Dietmar99

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    Erstellt: 17.02.10   #6
    Ich glaube, dass die Hersteller dt. Klarinetten eine große Mitverantwortung haben für den wahrscheinlich vorhandenen Trend zur Böhmklarinette. Ich denke v.a. an Schreiber und Yamaha. Von beiden gibt es Anfängerböhmklarinetten ab 400EUR, in Holz ab 750EUR. Die analogen Einsteigerinstrumente mit dt. System gibt es erst ab 1000EUR aufwärts. Kein Wunder also, dass sich Anfänger (wie ich) zuerst einmal eine Böhmklarinette zulegen und sich denken, dass sie später einmal, natürlich nur falls es notwendig sein sollte, immer noch umsteigen können.
    Grüße, Deitmar
     
  7. atrofent

    atrofent HCA Klarinette

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    Erstellt: 17.02.10   #7
    Hallo,
    an RoBass: 100 pro !:great:,

    z.B. zur Zeit bei mir: 10 Schüler, davon 4 die aus Musikvereinen kommen, alle deutsches System, da gibt's nix anderes. Ich habe den dort Verantwortlichen schon mehrmals den Vorschlag gemacht doch mal wenigstens nur 1 Böhm-Syst. anzuschaffen. Sie sehen kein Bedarf.
    Die anderen 6 Schüler spielen Böhm, 2 davon weil ich es ihnen empfohlen habe, die anderen 4 kommen nicht aus Deutschland. (Frankreich & Italien).
    Noch ein Beispiel: Ich habe vor 2 Jahren eine Kleinanzeige einer großen österr. Musikschule gelesen: A-Klar, Böhm-Sys. neuwertig usw.
    Nach der Kontaktaufnahme bin ich hingefahren habe mir Klar. angesehn und angespielt, ein hervorragendes Instr., leider mit einem Riesenmakel : Böhm-Sys. Die Klar. wurde der Musikschule gespendet, lag über 1 Jahr nur herum, keiner wollte sie im Unterricht einsetzen.
    Jetzt darf sie das machen wofür sie gebaut wurde - spielen, bei mir.

    Grüße
    atrofent
     
  8. RoBass

    RoBass Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.02.10   #8
    ;-)

    @dietmar99: Es scheint auf den ersten Blick so zu sein, als wäre Deine vermutung richtig, aber genaugenommen liegen die Preisunterschiede ja tatsächlich in dem Standardisierungsfaktor und in der einfacheren Fertigung der Böhm-Klarinetten begründet (immerhin ein paar Löcher+Klappen weniger nötig). Zudem sind deutsche Klarinetten der typische Fall von Profimarktprodukt mit daraus folgend hoher Marge.
    Es ist weitaus komplizierter, eine deutsche Klarinette sauber intonierend zu bauen, da die Bohbilder empfindlicher auf Versatz und/oder Bohrlochgeometrie sind. Das liegt einfach an der anderen Bohrung und den daraus folgenden Toleranzen. Auch ist beim deutschen System durch die Manufakturfertigung eine breite Streuung der Bauweise vorzufinden also eine massenweise Vorfertigung von (Zuliefer)Elementen kaum möglich. Das alles macht eine Serienfertigung wenig attraktiv, und dann ist man schnell dort, wo der Markt greift - billiger zu fertigen = effektiver.
    Und wie schon oben geschieben: Schau Dir an, wieviele Instrumente Yamaha z.B. weltweit verkauft und dann, wieviel davon auf Deutschland und Umgebung entfällt. Wo würdest Du Dein Hauptaugenmerk hinlegen? Auf die 10% deutschen Spieler...?

    Schwenck & Seggelke u.a. (ja auch eher traditionell arbeitende) Manufakturisten zeigen deutlich an, wo die Geschichte letztendlich hinläuft - Verschmelzung der Vorzüge beider Systeme.

    Und wozu eigentlich der Gedanke an ein Umlernen? Derzeit lernen eher die Orchester um, denn die Klarinettisten ;-)

    Gruß
    Roman
     

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