[Spieltechnik] Rhythmische Starthilfe für Anfänger

Dieses Thema im Forum "FAQ and Workshop" wurde erstellt von Harlequin, 25.04.06.

  1. Harlequin

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    Aufgrund mehrerer Threads habe ich mir mal als ziel gesetzt, eine Art Anfängerwokshop zu schreiben. Im Gegensatz zu dem „Wie werde ich schneller“ Thread sollen hier einfache Basics zu Rhythmen, Anschlag, Haltung, Fingerhaltung und Fingersatz, effizientes Üben etc. verfasst werden.

    Gleich Vorneweg möchte ich sagen, dass ich keinen Anspruch auf Richtigkeit erhebe. Ich möchte nur die Techniken, die ich erlernt habe, weitergeben. Wie ich in einem anderen Thread schon mal festgestellt habe gibt es bei einigen Punkten unterschiedliche Auffassungen der jeweiligen Spielweise.

    1. Die Haltung und das Lagenspiel

    Hier in diesem ersten Abschnitt möchte ich ein wenig was zur allgemeinen Haltung schreiben und zu der Thematik Fingersatz/Lagenspiel. Diese Themen kann ich hier nicht komplett ausführen, aber als Anregungen zum selbständigen Üben sollten sie eigentlich bieten.

    Wichtig ist am Anfang immer – auch wenn es stupide klingen mag und zum Teil auch ist - : übt mit Metronom und immer LANGSAM anfangen. Wenn ihr Übungen schnell anfangt, dann nutzt ihr nur gewisse Reflexe. Wenn ihr beispielsweise Hammer-Ons bei einem Tempo von 130 lernt oder mit Sechzehntelpausen spielt, so lernt man dies nur recht unsauber und spielt nach Gefühl, nicht nach den eigentlichen Notenwerten.

    Also, schaltet immer ein Metronom zu euren Übungen und schämt euch nicht, Übungen bei 60 oder 70 bpm anzufangen. Wenn Leute hier im Forum schrieben „Boa, ich spiele seit einem halben Jahr und kann die Metallicasongs von diesem oder jenem Album sauber und im Originaltempo spielen“ so sollte eure erste Reaktion nicht sein: „Boar wie geil. Ist aber deprimierend zu sehen, der ist schon so schnell und spielt er so lange. Ich muss jetzt auch schneller vorankommen“. Sagt euch bei so was: Schön, der User meint, so schnell zu spielen. Aber wie sauber und dynamisch klingt er eigentlich? Denn das ist die Hauptsache. Geschwindigkeit ist ein „Abfallprodukt“ von Präzision. Die zeit, die ihr am Anfang in das langsame und saubere spielen investiert, die kriegt ihr später locker raus, da ihr die meisten Sachen schon verinnerlicht habe und sie sauber bei verschiedenen Geschwindigkeiten spielen könnt.

    So, zur Haltung: Einige sagen, man möge doch gleich im Stehen anfangen mit dem Gitarrespielen, denn man wird später eh in einer Band nur im stehen spielen. Hier würde ich sagen, dass man am Anfang jedoch lieber nach Möglichkeit doch eher im Sitzen spielen sollte. Man hat am Anfang genug, worauf man sich konzentrieren muss, man sollte es sich nicht gleich schwer machen. Das im Stehen spielen kommt noch früh genug.
    Aber, wenn ihr im Stehen spielt: Der Gurt sollte dazu dienen, die Gitarre in einer für euch bequemen Lage zu halten. Er soll nicht als „Kette“ für die Gitarre dienen, damit ich was Cooles auf den Schultern tragt. Sucht euch eine Höhe aus, die gut zu bespielen ist.

    Wenn ihr im Sitzen spielt dann stützt man die Gitarre in der Regel auf das rechte Beine (bei Rechtshändern). Beim Solieren kann man sich auch an der klassischen Spielweise orientieren und das linke Bein ein wenig höher positionieren und die Gitarre auf diesem Bein abstützen, so dass der Gitarrenhals schräg in die Höhe zeigt.

    Zur Handhaltung: In der Regel sollten alle Schlagbewegungen aus dem Handgelenk kommen. Wenn man andauernd aus dem Unterarm spielt kann sich das zu einer bösen Sehenscheidenentzündung entwickelt, die auch chronisch werden kann!
    Ein hilfreicher Tipp: Legt die Hand leicht auf die Bridge, ohne dass ihr die Saiten abdämpft. Durch diese Fixierung der Hand ist es einfacher, die einzelnen Saiten zu treffen ohne darauf zu achten und da man einen Fixpunkt hat ist man präziser.
    Das Ziel ist es, möglichst ökonomisch und effizient zu spielen. Also so wenige Bewegungen wie möglichen zu machen.

    Zur Greifhand:
    Auch wenn mich dafür die ganzen Metaller und Rocker verfluchen werden: Der Daumen gehört hinter den Hals, nicht daneben :D
    Der Daumen soll als Stütze fungieren, drückt ihn also nicht mit aller Kraft gegen den Hals. Er sollte nur so viel Druck ausüben, als dass man spielen kann ohne dass einem der Hals andauernd wegrutscht. Ebenso kann man nur durch leichte Drehung des Daumens enorme Sprünge über das Griffbrett der Gitarre machen.

    Nun kommen wir auch zu einer der wie ich finde wichtigsten Fähigkeiten eines Gitarristen: Dem Lagenspiel. Das Lagenspiel ist die Vorraussetzung zum schnellen und sauberen Spielen.
    In dem Lagenspiel wird jedem Bund ein bestimmter Finger zugeordnet.
    Als Beispiel:
    Wenn ihr nun häufig in den Bünden 5-7 spielt, so bieten sich euch zwei Möglichkeiten. Eine Möglichkeit ist die Anwendung der 5. Lage.
    Das heisst: für den 5. Bund ist der Zeigefinger zuständig, für den 6. Bund der Mittelfinger, für den 7. Bund der Ringfinger und für den 8. Bund kleine Finger.
    Eine weitere Möglichkeit (um beispielsweise den kleinen Finger zu trainieren) wäre die 4. Lage. In der 4. Lage ist der Zeigefinger für den 4. Bund zuständig, der Mittelfinger für den 5. Bund, der Ringfinger für den 6. Bund und der kleine Finger für den 7. Bund.

    Um dies zu trainieren gibt es dutzende hilfreicher Übungen, die man sich auch einfach selber bauen kann. Als Beispiel diese sogenannte Spinnenübung.

    [​IMG]

    In diesem Falle spielt sich alles in der ersten Lage, also Zeigefinger in den 1. Bund bis hin zum Finger im 4. Bund. Um an eurer Koordination zu arbeiten könnt ihr diese Übung auf zwei verschiedene Arten spielen.

    Möglichkeit 1: Ihr könnt diese Übungen alleine mit Abschlägen, sogenanntnen Downstrokes, spielen. Stellt das Tempo mal auf 70 bpm und schlag bei jedem Klick die Saite und den jeweiligen Ton an.
    Also beim ersten Klick E-Saite 1. Bund, beim zweiten Klick E-Saite 2. Bund, dritter Klick 3. Bund, 4. Klick 4. Bund, 5. Klick A-Saite 1. Bund usw.
    Ihr spielt hier somit Viertelnoten.

    Möglichkeit 2: Ihr könnt mit dieser Übung euren Wechselschlag trainieren. Hierzu raten ich aufgrund der Koordination erstmal zu Achtelnoten.
    Also stellt ihr diesmal das Metronom auf beispielsweise 60 bpm und startet die Übung. Hier ist es jedoch ein wenig anders: Achtelnoten sind immer zwei rhythmisch gleichlange Töne pro Klick (Wenn ihr das üben müsst, so versucht euch erstmal auf einer Saite und dem immer gleichen Ton, also beispielsweise über mehrere Takte ein gleichmäßiges E anschlagen).
    Der Wechselschlag sieht hierbei sehr simpel aus: Ihr macht dem Namen alle Ehre und wechselt immer die Schlagrichtung. Der erste Ton ein Abschlag, der nächste ein Aufschlag. Dies geht immer weiter.

    Um diese Übung möglichst effizient und sauber zu spielen bietet sich eins an: Das Ziel bei dem Legatospiel ist es, sauber und präzise klingende Töne zu fabrizieren. Dies ist nicht einfach zu erklären anhand eines Textes, ich will es jedoch mal kurz anreissen: Die Finger bleiben solange liegen, wie es geht und ihr wechselt so, dass möglichst keine Unterbrechung im Spielfluss zu hören ist.
    Bei dieser Übung: Zeigefinger in den ersten Bund legen und den Ton anschlagen. Der Finger bleibt liegen und ihr setzt den Mittelfinger auf. Auch dieser bleibt nun liegen – ihr habt jetzt zwei Finger auf der Saite – und ihr legt den Ringfinger in den dritten Bund und schlagt den Ton an. Jetzt wird’s kompliziert. Wenn ihr nun den kleinen Finger auflegen würdet und den Ton spielt, dann müssten alle eure Finger erstmal eine Saite weiter, ihr hättet also eine kleine Pause. Dies umgehen wir folgendermaßen:
    Wenn euer dritter Ton ausgeklungen ist und ihr gerade kleinen Finger aufgelegt habt und den Ton anschlagen wollt, in diesem Moment hebt ihr eure anderen Finger und geht zur nächsten Saite über, während ihr auf der ersten Saite noch den Ton mit dem kleinen Finger spielt. Ihr setzt dann, während der letzte Ton auf der ersten Saite noch klingt, schon gleich den Zeigefinger in den ersten Bund der nächsten Saite. Nun könnt ihr in einem flüssigen Übergang die nächste Saite anschlagen und während der Ton auf der zweiten Saite erklingt, hebt ihr den kleinen Finger von der ersten Saiten. Ihr spielt nun weiter die Töne auf der zweiten Saite und wechselt dann nach demselben Prinzip auf die dritte Saite bis zur sechsten Saite und wieder zurück.


    [​IMG]
    Ein weiteres Beispiel: Es kann sehr gut sein, dass wenn ihr diese Übung dort oben spielt, ihr Koordinationsprobleme haben werdet. Vier verschiedene Töne pro Klick kann einen Anfänger überfordern. Also könnt ihr . um erstmal ein Gefühl für 16tel Noten - eine abgewandelte Form probieren. Hier wid jeder Ton viermal gespielt, sodass ihr das zuspielende leichter umsetzen könnt. Hierbei habe ich mal mögliche Töne in C-Dur in der 7. Lage genommen.
    Hierbei lernt ihr auch, den Wechselschlag konsequent über eine längere Strecke durchzuhalten.

    Hier eine kompliziertere Übung, auch hier gilt: Langsam und Sauber, vielleicht erstmal bei 60 bpm anfangen.

    [​IMG]

    Hier auch wieder an den Fingersatz denken, dies ist die 7. Lage und es sollte immer nur ein Ton erklingen. Lasst den Ton auf der vorigen Saite ausklingen bzw. dämpft ihn ab. Es soll nicht so sein, dass ihr zwei verschiedene Töne ineinander klingen lasst. Um einen Tin abzudämpfen, dämpft die Saite entweder kurz mit dem Handballen an der Brücke oder - wie ich es bevorzuge - hebt den entpsrechenden Finger ganz leicht an, sodass er die Saite nur noch berührt. Dann klingt der Ton nicht mehr.
    Ihr könnt diese Übung später auch noch Rhythmisch variieren. Entweder spielt ihr sie in reinen Sechzehnteln oder ihr spielt sie mal in Achteltriolen, damit habt ihr am Anfang ganz gut zu tun.

    Weitere Beispiele für das Lagenspiel:
    Wenn ihr nun Songs spielen wollt, so fang nicht gleich an und setzt irgendeinen Finger auf die erste Position. Schaut erstmal ein wenig vorraus und überprüft, welcher Fingersatz – welche Lage sich anbieten würden.

    Hier mal ein paar Beispiele mit der dazugehörigen Lage, wie ich sie spielen würde.
    [Folgen noch]

    2. Rhythmik und Wechselschlag

    Der Wechselschlag ist ansich auch ein umfangreiches Thema und in so einem Text nicht so leicht zu erklären, denn eins vorneweg: Der Wechselschlag bedeutet nicht, dass ihr einfach nur abwechselnd die Schlagrichtung ändert. Der Wechselschlag ist ein wichtiges Hilfsmittel, um auch bei komplizierten Rhythmen noch genau im Takt zu bleiben.

    Generell sollte man beachten: Auf dem Klick wird ein Aufschlag gespielt, beim Onbeat – also wo kein Klick ertönt – spielt ihr einen Aufschlag. Dies werde ich an den meiner Meinung nach wichtigsten, rhythmischen Figuren erläutern.

    a)
    [​IMG]
    Eine der häufigsten Figuren, die benutzt wird. Wir haben eine bestimmte Synkopen (Um es mal Salopp zu sagen: Eine Synkope sind zusammenhängende Töne, so dass man auf den ersten Blick erkennen kann, dass diese zusammengespielt einen Klick, eine Viertelnote, ergeben. In diesem Falle sind es 4 Synkopen.
    Die Rhythmische Figur ist folgendermaßen aufgebaut: Ihr habt ihr immer wieder eine Achtelnote, der zwei Sechzehntelnoten folgen. Ihr habt hier also pro Klick 3 Töne. Wenn ihr mit so was Probleme habt, dann übt erst Folgendes: Spielt auf einer Saite saubere Achtelnoten. Wenn ihr das im Blut dann lasst ihr die zweite Achtelnote aus und ersetzt sie durch zwei gleichmäßige Töne, die dieselbe Dauer haben, also Sechzehntel.
    Als Schlagrichtung würde ich folgende empfehlen: Die Achtel werden immer mit einem Abschlag gespielt, die Sechzehntel Abwechselnd mit Ab- und Aufschlägen.
    In diese Figur also immer Ab-Ab-Auf. Wiederholt diese Figur mehrer Takte lang. Erst nur auf einzelnen Saiten, dann mal mit Akkorden, mal mit einem anderen Tempo oder auch mal verschiedene Töne und Saiten. Synkope 1 in dem 5. Bund auf der E-Saite, Synkope 2. im 6. Bund auf der A-Saite usw. Dies gilt auch für die folgenden Figuren.

    b)
    [​IMG]
    Diese Figur ist gewissermaßen die Umkehrung der vorigen Figur. Man möchte jetzt vielleicht sagen: Mensch, wenn ich schnell spiele, so klingen die doch eh gleich. Das ist nicht ganz richtig. Denn wenn man spielt, so betont man gewissermaßen den ersten Ton immer, also die Töne auf dem Beat. Betont sonst einfach mal den jeweils ersten Ton der Synkope überspitzt, ihr solltet einen Unterschied merken.
    Schlagrichtungen: Ab-Auf-Ab

    c)
    [​IMG]
    Das ist eine etwas kompliziertere Figur. In diesem Falle ist die Achtelnote in der Mitte, umgeben von zwei Sechzehnteln. Auch hier ist es wichtig, genau und erstmal langsam mit einem Metronom zu spielen.
    Schlagrichtung ist in diesem Falle: Ab-Auf-Auf

    d)
    [​IMG]
    Diese letzte Übung soll sich mit einer ganz anderen Rhythmik beschäftigen, in diesem Falle Achteltriolen. Diese Triolen zeichnen sich dadurch aus, dass 3 Töne pro Klick gespielt werden. Diese sind somit kürzer als Achtelnoten, aber länger als Sechzehntelnoten. Hier würde ich – um das trabende Spielgefühl zu unterstützen – folgende Schlagrichtung anwenden:
    Ab-Auf-Ab ABER diese wiederholt sich nicht, sondern sie setzt sich einfach nur weiter fort. Also Ab-Auf-Ab-Auf-Ab-Auf-Ab usw.

    Eine interessante, fortgeschrittenere Übung besteht darin, diese Figuren zu mischen. Mal einen Takt von Figur a, dann einen Takt von Figur d, dann einen Takt von Figur b oder anders. Oder ihr reiht die Synkopen unterschiedlich an. Also beispielsweise 2 Achtelnoten, dann drei Achteltriolen, dann vier Sechzehnteln.

    So, das sollte erstmal reichen, ich schreibe noch einiges weitere dazu. Weitere Übungen, ein paar weitere Erklärungen, einige Anwendungen in bekannteren Songs als Beweis, dass die Figurenwirklich häufig vorkommen usw.

    ANHANG:
    http://home.arcor.de/darkharlequin/im/uebung1.mid
    http://home.arcor.de/darkharlequin/im/uebung2.mid
    http://home.arcor.de/darkharlequin/im/uebung3.mid
    http://home.arcor.de/darkharlequin/im/figur-a.mid
    http://home.arcor.de/darkharlequin/im/figur-b.mid
    http://home.arcor.de/darkharlequin/im/figur-c.mid
    http://home.arcor.de/darkharlequin/im/figur-d.mid
     
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  2. Harlequin

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  3. Harlequin

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