Stromaufnahme eines Effektgerätes messen

Dieses Thema im Forum "FAQ & Workshop" wurde erstellt von Uli, 26.02.09.

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  1. Uli

    Uli Mod Emeritus

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    Erstellt: 26.02.09   #1
    Da immer wieder Fragen aufkommen, welches Netzteil für welche und vor allem für wieviele Effektgeräte geeignet ist, zeige ich hier einmal, wie einfach man selbst messen kann, wieviel Strom ein kleiner Bodentreter typischerweise so zieht. Anhand der Summe dieser Stromaufnahmen aller vorhandenen Treter kann sich jeder dann selbst ausrechnen, wie stark sein Netzgerät mindestens sein muß. Voraussetzung ist dabei natürlich, daß alle Effektgeräte die gleiche Art und Höhe Spannung bzw Polarität haben.

    Nur wenige billige Teile sind für solch eine Messung erforderlich:

    • ein einfaches Baumarkt-Multimeter (5€, hab es sogar schon billiger gesehen)
    • 2 Batterieclips für 9V-Block (Reichelt, Conrad oder voranden aus ausgeschlachteten Batteriegeräten
    • 1 frische 9V-Batterie (z.B. Aldi)

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    Wer ein solches Multimeter nicht im Haushalt hat, kann für die Investition auch später noch eine Menge anderer Sachen damit machen, wie zB den Durchgang des Gitarrenkabels oder die Spannung irgendwelcher Batterien messen.

    Die beiden Batterieclips verbinden wir wie im Bild zu sehen, den einen mit dem schwarzen Draht mit em anderen am roten Draht. Normalerweise würde ich das löten, hier zu Anschauungszwecken mit einer kleinen Lüsterklemme, falls jemand keinen Lötkolben hat. DerClip, an dem jetzt noch der rote Draht frei ist, wird mit einer frischen (!) Batterie verbunden, der andere Clip mit dem Effektgerät.

    [​IMG]

    Mein Prüfling ist ein DigiTech-Gerät, bei dem man durch Abheben der Trittplatte an das Batteriefach kommt. Nach Entfernen der vorhandenen Batterie schließe ich ersatzweise den Clip an, an dem der schwarze Draht noch frei ist, damit die Polarität stimmt. Dem Meßgerät ist das zwar für den Versuch egal, das zeigt mir bei Verpolung nur ein (-) Zeichen vor dem ansonsten aber gleichen Meßwert an. Dem Effektgerät ist es aber nicht egal. Es wird bei Verpolung des Aufbaus nicht funktionieren, ältere Geräte könnten u.U. sogar Schaden nehmen.
    Gleichzeitig lege ich mir noch einen Klinkenstecker bereit, denn die in-Buchse der meisten Bodeneffekte hat einen Schaltkontakt, der das Gerät bei Nichtbenutzung von der Batterie trennen soll, der jetzt für die Messung aber überbrückt werden muß. Wer ein Gitarrenkabel zur Hand hat - genauso gut!

    [​IMG]

    An meinem Meßgerät wähle ich im Gleichstrom-Bereich (DCA) einen Meßbereich, der meinen erwarteten Meßwert komfortabel bedient. Ich rechne mit ca 50mA, also wähle ich den 200mA-Bereich. Wichtig ist, auch die für diesen Bereich zuständigen Anschlußbuchsen zu wählen, bei meinem Gerät sind die 200mA den beiden unteren Anschlußbuchsen zugeordnet!

    [​IMG]

    Um die Beteiligten besser ins Bild rücken zu können, habe ich mal die Meßstrippen weggelassen und die beiden verbliebenen Drähte meines Meßaufbaus einfach so (umgebogen) in die Buchsen gesteckt! Spätestens jetzt muß ich durch Einstecken meines Klinkensteckers (oder Gitarrenkabels) den Schalter der in-Buchse überbrücken. Je nach Konzept der Bypass-Schaltung könnte jetzt schon ein geringer Strom fließen, bei meinem Gerät leuchtet die LED aber nur kurz auf und erlischt dann wieder. Grund ist der Einschalter, der üblicherweise über die Trittplatte bedient wird und der bei Anschluß der Stromversorgung bei vielen Geräten erstmal auf OFF steht. Wenn ich jetzt mit einem kleinen Schraubendreher etc auf den Mikroschalter (siehe Bild oben) drücke, der normalerweise von der Trittplatte betätigt wird, schaltet das Effektgerät dauerhaft ein, was man am Aufleuchten der LED sieht. Dieser Eischaltmechanismus kann natürlich je nach Art, Hersteller und Alter des Gerätes unterschiedlich sein.
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    Jetzt kann ich den Ruheverbrauch des Gerätes ablesen, der sich in vielen Fällen nicht nennenswert vom Arbeitsverbrauch unterscheidet. Eine Belastung kann ich simulieren, indem ich mit einem nassen Finger das heiße Ende des Klinkensteckers (oder eben das andere Ende meines Gitarrenkabels) berühre, was bei einem Verstärker das bekannte Brummen auslösen würde.
    Im Fall meines DigiTech-Gerätes kann ich jetzt noch die verschiedenen Verzerrer-Modelle durchschalten, um dadurch Unterschiede in der Stromaufnahme festzustellen. Auf jeden Fall sollte man mal etwas an den Reglern drehen, mit oder ohne oben gezeigte 'künstliche' Eingangsbelastung, mal tut sich was, mal nicht.

    [​IMG]

    Das ist zwar jetzt keine exakte Labormessung, aber als Anhaltspunkt, mit welchem Stromverbrauch ich bei meinem Effektgerät ungefähr rechnen muß, reicht es allemal und man muß sich nicht auf fremde Aussagen verlassen, die oft recht widersprüchlich sind. :)
     

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  2. Garage Gitarrero

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    Erstellt: 26.02.09   #2
    Super Beitrag!
    Vielen Dank!

     
  3. Sele

    Sele Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.02.09   #3
    Warum hast du dir das denn gebastelt? Das geht doch einfacher mit ner Krokoklemme für's Multimeter... dann den einen negativen Pol der Batterie an den Stecker des Effektsklemmen auf der anderen Seite dann einfach das DMM in reihe schalten. Ein Stink normales kabel Gitarrenkabel in die eingangsbuchse stecken ... Effektgerät so einstellen das es am meisten strom verbrauch vom display abschreiben, online stellen und von den anderen ein Lob kassieren ;).

    So wie du das gemacht hast, ist das zwar löblich da du dir extra nen Batterieclip zerschnitten hast etc. Aber nötig war das absolut nicht :D.

    Grüße
     
  4. Uli

    Uli Mod Emeritus

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    Erstellt: 26.02.09   #4
    :confused:
    Ich habe nichts zerschnitten. Ich habe 2 von ca 10 Clips aus der entsprechenden Schublade genommen.

    Niemand sagt, daß es nicht auch noch zig andere Methoden gibt. Ich hab die gewählt, die mir von einem Nichttechniker ohne nennenswerte Ausstattung am leichtesten nachvollziehbar erschien.

    Daß es mit einem Gitarrenkabel auch geht, habe ich mehrmals erwähnt, für meinen Aufbau war ein einzelner Stecker aber handlicher.

    Leuten, die wissen was 'in Reihe schalten' bedeutet, muß man sowas ohnehin nicht erklären.
     
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