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Violine abgestürzt, wie wieder reparieren

Dieses Thema im Forum "Instrumente und Zubehör [Strings]" wurde erstellt von pammi5, 01.02.2010.

  1. pammi5

    pammi5 Registrierter Benutzer

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    Hallo,

    bei einem Sturz ist die Decke unserer 1/4 Violine von f-Loch aus nach oben und unten gerissen. Reparatur beim GB lohnt nicht. Kann ich das selber probieren, bin Tischlermeister, also kein Holzlaie! Stimme ist umgefallen. Ich möchte das nur mal probieren um sie als Zweitinstrument wieder halbwegs spielbar zu machen.
    Ich würde den Boden absägen und mit Furnier den Riß von unten absperren und dann den Boden wieder anpassen und aufleimen (natürlich mit Knochenleim!) Hab noch paar Kilo :-) Vielleicht finde ich auch noch bissel Hautleim.
    @ fiddle: Hast du die Nerven mir paar Basics zu erklären? Sodaß sie wenigstens wieder spielbar wird.

    Danke auch an alle anderen!
  2. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service

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    Muaahhh! Ein Deckenriß längs einmal komplett durch.. :eek:

    Also gesägt wird hier mal garnix. Den Riß sauber halten, bloß nicht an die Kanten kommen.
    Ist der Riß auf der rechten oder linken Seite (von oben betrachtet, Schnecke oben) ?

    Wenn rechts unterm Stimmstock, hast du noch ne Chance. Wenn links entlang oder durch
    den Bassbalken, dann wirds mal richtig aufwendig.

    Kurform der Reparatur rechts unterm Stimmstock:
    Zunächst muß die Decke ab. Anschließend wird der Riß mit Hautleim
    geleimt (feine spezielle Klammern/Zwingen). Es wird ein Gipsabdruck gemacht,
    eine Form, in der man auf der Innenseite arbeiten kann, ohne dabei die Wölbung zu
    verbiegen, oder den geleimten Riß zu strapazieren. Der Riß wird von innen mit einer
    ovalen Ziehklinge und mit 500 - 1000er Schleifpapier gesäubert. Als nächstes kommen
    Rißbeläge über die gesamte Länge (stehende Jahre, diagonal zur Decke). Das sind kleine,
    quadratische Plättchen 11x11x5. Jeder einzelne wird positioniert, angezeichnet und mit
    Kreide angepaßt. diese danach auf eine Höhe von 1,5 mm herunternehmen und die
    Kanten bis zur Decke abschrägen (kleine Pyramiden).
    Im Bereich der F-Löcher muß ein sog. Brustfutter eingepaßt werden.
    Größe etwa 55x35, eine Ellipse. In der Decke wird eine Wanne ausgehoben, 1/3 der
    Deckenstärke, also etwa 1,2 mm tief. Anschließend wird das Stimmfutter (stehende
    Jahre leicht diagonal zur Decke) mit Kreide eingepaßt. Fixierung mit Stecknadeln, Zwinge
    anziehen, einen kurzen knackigen Hammerschlag, Kreideabdruck abfeilen usw. Dauer:
    etwa 3-4 Stunden. Danach Futter einleimen, auf Deckenniveau herunter stechen, mit
    Ziehklinge verputzen. Zargen die Oberseite wieder plan hobeln/feilen, Decken-Leimfläche
    säubern, mit speziellen Zwingen zusammenleimen (weiche Zulagen).
    Außen Leim abwaschen sofort. Nach dem trochnen müssen die Lackstellen retuschiert
    und leicht überpoliert werden.

    Der alte Stimmstock kann nicht mehr verwendet werden, der Steg muß nachgepaßt werden.

    Ich habe mal ne Geige aus 17 Eizelteilen restauriert. Gehen tut alles, aber du siehst auch,
    was das für ne Äkschon is..
    Für viele Arbeiten hast du weder Material noch Werkzeuge. Ok, Fichtenrestholz bekommst
    du sicher für umsonst bei deinem Geigenbauer.

    Wenn es links sein sollte.. muaahhh, da kommt noch einiges dazu.

    Nichts gegen deine Schreiner-Erfahrungen, aber das hier ist schon was ganz anderes.
    Wenn du das wirklich, ganz echt und tatsächlich wirklich machen willst, dann helfe ich
    dir so gut es geht. Aber DAS ist ein Projekt, da können die Jungs mit ihren Lespauls alle
    nach hause fahren, das sag ich dir lieber gleich.


    cheers, fiddle
    Zuletzt bearbeitet: 01.02.2010
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  3. pammi5

    pammi5 Registrierter Benutzer

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    Es ist rechts unterm Stimmstock.

    Danke ich glaube ich nehm sie als Deko. Klingt so kompliziert, wie mein Geigenbauer am Telefon sagte ca. 250€ kostet das ganze.

    Danke fiddle!
  4. pammi5

    pammi5 Registrierter Benutzer

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    Hi fiddle,
    danke für die Tipps, die Geige ist wieder zusammen, nicht ganz so, wie du es geschrieben hast, aber ähnlich. Habe den Riss mit Ausschleif-CNC-resten abgesperrt. Wenn Jr. wieder mal was gut spielen kann, kommt auf Youtube 'ne Klangprobe. Habe den Lack angeschliffen und etwas Wachs drauf, geht auch. Der Steg passt noch, Bindulin Porpellerleim genommen, Decke 1mm schief gerutscht beim Aufleimen. Sonst bin ich zufrieden. Ach und die Simme steht auch ungefähr am rechten Platz.

    So, ich hoffe du raufst dir jetzt nicht alles Haare raus! :D
  5. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service

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    Hi Pammi,

    :D nee, die Haare sind noch dran. Muß nur den Krampf in den Auenbrauen behandeln :D

    N paar Tips hätt ich dir schon geben können, aber ok. Vielleicht hält ja alles (daumendrück).


    cheers, fiddle
  6. pammi5

    pammi5 Registrierter Benutzer

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    Das war halt ein Schnellschuß, weil ich die Geige grad mal mit auf Arbeit hatte und ich bei sowas immer keine Geduld habe. Deshalb bin ich Tischler und nicht Instrumentenbauer :rolleyes:
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  7. pammi5

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    Zuletzt bearbeitet: 04.03.2010
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  8. pammi5

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    Hier noch paar Bilder. Die Geige sieht jetzt richtig alt aus.
    IMG_2500..jpg Foto0133..jpg IMG_2497..jpg Foto0130..jpg Foto0134..jpg IMG_2501..jpg
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  9. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service

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    Hi Pammi,

    ahh, Bilder von der Reparatur! Was du da gemacht hast, sieht garnicht so verkehrt aus! Die Riss-Beläge hätten etwas kleiner sein dürfen, dafür einer mehr, aber wurscht! Das passt schon! Mich wundert eigentlich nur, daß die Decke ausgerechnet da gerissen ist. So mußtest du kein Stimmfutter machen -> Spitze!
    Nee, das kann man so gelten lassen! Gute Arbeit. Nur mit der "Wachs"-Lösung bin ich ned einverstanden. Ist aber auch nicht Schlimm. Kann man später mal beheben, wenns zu arg stört. Das ist so eine kostengünstige Lösung, sie funktioniert und das Instrument ist wieder spielbar. Was will man mehr?


    cheers, fiddle
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  10. pammi5

    pammi5 Registrierter Benutzer

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    Wenn ich geahnt hätte, das der Erfolg so aussieht, hätt ich dich um Rat gebeten um es besser noch zu machen. Wenn sie das nächste mal runterfällt nehm ich mir mehr zeit und frag dich vorher detailierter! Deine Tipps vom Anfang waren schon sehr hilfreich. Das einzige Manko ist, das die G-Saite etwas blockiert klingt, sagt der Lehrer, sonst ist er auch zufrieden.
    Wegen dem Lack werd ich mal meinen Schwager fragen, der hat ein Retusche Set für Möbel. Der kann die eine Stelle neben dem Griffbrett sicher mit Lack retuschieren. Das mit dem Wachs ist wirklich nicht so optimal.
  11. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service

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    Hi Pammi,

    Das mit der G-Saite liegt vermutlich an der Position des Stimmstockes. Da du da keine Erfahrungen hast, tippe ich mal da drauf.
    Da kann ich dir aber so keinen Tipp geben, das müßte man erst nachmessen/sehen.

    Beim Wachs ist das Problem, daß man es fast nicht mehr komplett enfernt bekommt, wenn es erst mal in die Poren gegangen ist.
    Könnte sein, daß bei einem neuen Retuscheversuch der Riß noch mehr auffällt. Ich tät warten, bis du irgendwann wieder beim
    Geigenbauer vorbeischaust. Dann soll er den Stimmstock etwas einstellen. Und den Wachs-Riss würd ich vorerst mal so lassen.


    cheers, fiddle
  12. pammi5

    pammi5 Registrierter Benutzer

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  13. Valbert

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    Ich finde, Geige B klingt besser, weil ausgewogener und nicht so penetrant in den höheren Lagen.
  14. pammi5

    pammi5 Registrierter Benutzer

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    Hi fiddle,

    es ist wieder soweit, Längsriß reparieren.
    Diesemal nehm ich mir Zeit und frag dich bei jedem Schritt. Kann sich aber noch etwas hinziehen. Poste dann hier mit Bildern. Hintergrund ist: Ich habe von meiner Oma die Geige meines Urgroßvaters bekommen. Es ist eine wahrscheilich in den 20iger Jahren gebaute Geige aus Markneukirchen. Innen steht sein Name: Ph Mönnig. Mein Urgroßvater gehört zu der Geigenbauerlinie der Mönnig's in Markneukirchen. Er war Dorfschullehrer und hat diese Instrument wahrscheinlich für sich vom Geigenhbauer aus der Familie bauen lassen. Ich will dem Rechnung tragen und das Teil ordentlich wieder reparieren.
    Bist du dabei?
  15. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service

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    Muaah Pammi,

    also an einer chinesischen rumbasteln find ich ja noch ok, aber das geht mir jetzt schon n bischen an die Nieren.
    Ok, höchstwahrscheinlich ist die aus den 20ern Markneukirchen jetzt auch keine Welberühmtheit, aber immerhin.
    Gerade Decken- und Bodenrisse sind keine Kleinigkeiten. Das kann man auch versauen.
    Mal sehn, wenn du Bilder hast.

    cheers, fiddle
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  16. pammi5

    pammi5 Registrierter Benutzer

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    Hier mal paar Bilder:

    IMG_2952.jpg IMG_2953.jpg IMG_2958.jpg IMG_2960.jpg IMG_2963.jpg IMG_2961.jpg IMG_2956.jpg

    An der Unterseite ist der Boden locker

    IMG_2962.jpg
    Zuletzt bearbeitet: 07.02.2011
  17. pammi5

    pammi5 Registrierter Benutzer

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    Was taugt der Bogen, paar Harre fehlen schon und wozu ist der schwarze Knuppel?

    IMG_2964.jpg IMG_2965.jpg IMG_2966.jpg IMG_2968.jpg

    Nun ja ich bin ja nicht Holzbearbeitungsunbegabt, wenn ich das mal so sagen darf, ein Geigenbaumeister wohnt um die Ecke. Ich will nur keine größere Summe investieren, da meine Oma diese reparieren lassen wollte und man ihr sagte eine Neue koste genau so viel.

    :D Wenns schief geht? : mach ich ne E-Geige draus! :D
    Zuletzt bearbeitet: 07.02.2011
  18. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service

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    Normalesweise sage ich: den Bogen muß ich mindestens in die Hand nehmen. Aber hier kann ich sagen:
    Nee, sorry, der is nix. Der Knubbel: keine Ahnung: gehört nicht zum Bogen und nicht zur Geige.
    Vielleicht zum Kasten?

    Ich will hier auf keinen Fall die Familienehre untergraben. Was folgt, wird nicht soo ganz dolle für diese Geige sprechen. Ich habe solche Dinger zu Hauf gesehen und in der Hand gehabt. Beim Betrachten der Bilder entstieß mir ein ermüdeter Seufzer..

    Das Urteil des Geigenbauers an deine Oma wundert mich garnicht. Das ist Tatsache.
    Trotzdem (eine leichte Selbstermahnung) darf man auf solche Instrumente nicht herablassend schauen. Man bedenke die Zeit: Weimarer Republik - alle waren arm und hatten kaum was zu futtern. Solche Instrumente mußten auch billig sein - keiner hatte viel Geld und wenn, dann wars am nächsten Tag nur noch die Hälfte wert. Rohstoffe (auch für den Instrumentenbau) waren kaum zu bekommen.
    Das war keine gute Zeit in Deutschland und keine Zeit für hingebungsvollen Geigenbau. Nein, da wollte ich nicht gelebt haben müssen.

    Unterm Strich: von mir aus kannst du da loslegen. Da geht nicht viel kaputt.
    Das würde kein Geigenbauer ernsthaftt annehmen, weil es ein witschschaftlicher Unsinn wäre.
    (gutes Übungsobjekt für Lehrlinge :D , kommt mir bekannt vor..)

    Der Riss ist unkompliziert, da nicht am Stimmstock.
    Ich sag dir wie das geht und bitte: lass dir Zeit dabei!
    Beim letzten mal wurde mir schwindelig. Das geht so nicht.. (bitte)
    Und die Decke nicht absägen!!

    Sag, wanns losgehn soll.


    cheers, fiddle
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  19. etrawgew

    etrawgew Registrierter Benutzer

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    Also ich finde auch, daß Geige B deutlich besser klingt!:great:
    Von Reparaturen habe ich allerdings überhaupt keine Ahnung. Und ich hoffe, dass ich nie in die Verlegenheit kommen werde. Sollte sich der Himmel dennoch einmal gegen mich verschworen haben, so würde ich keinen Augenblick zögern und meine Geige zum Geigenbauer bringen. Er hat sie gebaut, und nur er könnte sie mir dann wieder so reparieren, dass ich anschließend wieder damit zufrieden sein könnte. Aber wie gesagt,...lieber nicht.:D
    Viel Erfolg wünscht,
    mit lieben Grüßen,
    Etrawgew.;)
  20. castagnari

    castagnari Registrierter Benutzer

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    Meine einmal einen ähnlichen Knubbel gesehen zu haben, der wurde an den Bogen geschraubt (in den Frosch?) und soll irgendwie das Halten des Bogens vereinfachen.

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