Was macht "gute" Sänger aus

  • Ersteller stimme17
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Nur, warum wer wann eine Gänsehaut kriegt, ist natürlich ganz verschieden. Ich krieg jetzt bei Mariah Carey keine - ich mag weder sie noch ihre Musik.

Bei der kriege ich auch eher Pickel. :p:D
 
Da haben wir's mal wieder. Neben den Dingen die PisauraXTX genannt hat, braucht ein Sänger auch ein "gewisses Etwas" (oder Brüste ^^). Ich hab oft den Eindruck, dass viele Menschen Perfektion erst dann schätzen, wenn sie nicht ganz perfekt ist. Kleine Macken machen eben sympathisch.

Ein Sänger den ich als "perfekt" erachte: Bent Smith von Shinedown, hier mal ganz intim. http://www.youtube.com/watch?v=Q_yBTIkwXoA&feature=related
 
Da haben wir's mal wieder. Neben den Dingen die PisauraXTX genannt hat, braucht ein Sänger auch ein "gewisses Etwas" (oder Brüste ^^). Ich hab oft den Eindruck, dass viele Menschen Perfektion erst dann schätzen, wenn sie nicht ganz perfekt ist. Kleine Macken machen eben sympathisch.

Ein Sänger den ich als "perfekt" erachte: Bent Smith von Shinedown, hier mal ganz intim. http://www.youtube.com/watch?v=Q_yBTIkwXoA&feature=related

"Brüste" bei einem Sänger werden meist nicht geschätzt... außer bei speziellen Vorlieben :D.

Ich glaube allerdings, dass es mehr schlechte Sänger als Sängerinnen gibt. Vielleicht liegt das an der höheren Zahl, aber bestimmt auch an der angeborenen Selbstüberschätzung. Die meisten Frauen sind ja eher selbstkritisch veranlagt.

Bei gutem Gesang springt einfach der Funke über. Bei schlechtem, will man einfach nur weg...
 
Nimm mich als Beispiel: ich kann nicht Gitarre spielen, obwohl ich Gitarre spiele. Soll heißen: seit Jahrzehnten schrammele ich vor mich hin, okay, sonderlich üben tue ich nicht mehr, aber es ist eh Hopfen und Malz verloren - ich bin grottenschlecht.
Und nie würde es mir in den Sinn kommen, mich als Gitarristin zu bezeichnen - weil ich´s nicht kann. Und weil ich wirkliche Gitarristen respektiere. Und ich habe kein Problem damit, wenn mir jemand sagt: Du kannst nicht Gitarre spielen. Es ist einfach die Wahrheit.
Dabei würde ich wahnsinnig gern. Ich würde gerne so gut Gitarre spielen können, daß ich mich auf der Bühne selbst begleiten könnte. Ich habe jahrelang davon geträumt. Aber daraus wurde nix. So what ?
Etwas, das mir immer wieder auffällt - und daher danke ich dir für dein Beispiel - ist die Tatsache, dass Gesang für viele Instrumentalisten eine Art Sonderrolle einzunehmen scheint. Eine Stimme hat ja jeder und wenn man die Töne einigermaßen trifft, passt doch alles. In Sachen Gesang wird oftmals ein Level als in Ordnung akzeptiert, für das jeder Gitarrist, Bassist, Schlagzeuger und Pianist belächelt würde.

Das so häufig beschworene und doch vollkommen subjektive Zauberwort heißt dann "Gefühl". Oder alternativ auch Charme, Besonderheit, etc. Einem Sänger, der einen berührt, werden Unzulänglichkeiten im Gesang nicht nur verziehen - sie sind einfach nicht von Belang, weil er sein Ziel, nämlich dem Zuhörer zu gefallen, dennoch erreichen kann.


Es ist natürlich auch eine Frage des Genres. Gerade im Punk und im Alternative Rock gibt es viele technisch betrachtet "schlechte" Stimmen, die dennoch ihr Publikum begeistern können. Im Jazz und auch im Bereich der Singer-Songwriter kann man ebenfalls mit Limitationen leben, vor allem in der Range. Im Soul und R'n'B beispielsweise hingegen braucht es meist sehr wohl die Range, die Resonanz, den Belt - schlicht: die Technik. Im Musical sowieso.


Generell kann man eine Sache, denke ich, genau umdrehen: Wer seine Stimme ausbildet (bzw. ein Instrument studiert, Musiktheorie lernt, etc.), begibt sich für meine Begriffe weder in eine "Isolation", die einem den Blick fürs wahrhaft Musikalische verstellt, noch hat es etwas mit Leistungsdenken zu tun. Man erweitert viel mehr die eigene Ausdrucksmöglichkeit und erschließt Raum für eine sängerische und musikalische Selbstverwirklichung, die einem vorher vielleicht verschlossen gewesen wäre.

---------- Post hinzugefügt um 00:36:16 ---------- Letzter Beitrag war um 00:19:41 ----------

Die Frage ist, wo ist die Grenze? Wann ist ein Sänger "schlecht"? Wenn er gar keinen Ton trifft? Wenn er ab und an einen Ton nicht trifft, aber wirklich Ausdruck reinbringt? Ist er dann schlecht, nur weil ein paar Töne um ein paar Cent danebenliegen? Wenn er haucht, was andernorts wieder als Stilmittel eingesetzt wird? Wenn er dieses oder jenes Genre nicht beherrscht, aber in seinem perfekt ist? Wenn er in allen Genres singen kann, aber jeweils nicht perfekt?
Ich würde mal behaupten: ein Sänger ist dann gut, wenn du persönlich ihn gut findest. Und für deinen Nebenmann muss das nicht gelten, der kann den gleichen Sänger schlecht finden.

Ich denke man kann und sollte ruhig differenzieren zwischen dem technischen Vermögen eines Sängers und dem eigenen Gefallen des Gesangs.

Beispiel: Bono von U2 ist weder sonderlich intonationssicher, noch beweist er sonst irgendwelche gesangstechnischen Raffinessen; er hat technisch im Grunde ettliche Mängel. Und dennoch halte ich ihn für einen tollen Sänger, ausdrucksstarken Sänger, höre ihn und seine Musik gerne - seine "Schwächen" fallen für mich nicht ins Gewicht.

Josh Groban hingegen erkenne ich objektiv für sein beeindruckendes Gesangsvermögen, aber mir persönlich gibt er nichts.
 
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Ich stimme Olive in jedem Punkt zu.

Ich selbst achte auch sehr stark auf den Gesang. Oft ist es, vor allem bei Amateurbands, so, dass alle Instrumentalisten zumindest ab einem gewissen Level ein ordentliches Niveau erreicht haben. Aber die Sänger sind oft totale Gurken und verleiden mir oft den Genuss der Musik einer Newcomerband.

Geht euch das ähnlich?
 
Ich stimme Olive in jedem Punkt zu.

Ich auch. :)

Geht euch das ähnlich?

Viel schlimmer als Mängel beim Gesang finde ich eine überhebliche und anbiedernde Bühnenshow.

Bei mir spielt somit die Sympathie zum Sänger (und natürlich auch die Musik an sich) ein wesentliche Rolle.

So ist Raine Maida von OLP z.B. kein wirklich guter Sänger: (dagegen ist Bono Carusso :D)

http://en.wikipedia.org/wiki/Our_Lady_Peace
Lead singer Raine Maida's voice was called "erratic", and "truly unrivaled" in his field.[7] In albums Naveed through Spiritual Machines, Maida sang in a countertenor vocal register and was known for his frequent use of falsetto. This singing method, in combination with the band's melody structure, often gave many songs a surreal sound and effect.
Mir gefällt's trotzdem. :cool:
 
Etwas, das mir immer wieder auffällt - und daher danke ich dir für dein Beispiel - ist die Tatsache, dass Gesang für viele Instrumentalisten eine Art Sonderrolle einzunehmen scheint. Eine Stimme hat ja jeder und wenn man die Töne einigermaßen trifft, passt doch alles. In Sachen Gesang wird oftmals ein Level als in Ordnung akzeptiert, für das jeder Gitarrist, Bassist, Schlagzeuger und Pianist belächelt würde.

Ich stimme Dir vollkommen zu, Foxx. Und um bei meinem Beispel zu bleiben (das passt gerade gut): für meine "Gitarrenkünste" würde ich sicher belächelt werden (zumal die Diskrepanz "ausgebildete, routinierte Stimme vs. primitives Geschrammel" ziemlich obskur klingen dürfte ;) ).
Aber was Du über Bono schreibst, verzeihe ich Dir nicht !! *Achtung, Ironie* ;)
 
Ok, ich war in der public elementary school tätig und habe Einblicke in die high school gehabt, wie es am college gehandhabt wird, weiss ich nicht. Aber die Handhabung an den beiden genannten Schulen reicht ja im Prinzip schon für einen guten Unterbau an Selbstvertrauen, und dass drüben wie von Stimme17 beschrieben Kunst an Schulen wesentlich mehr gewertschätzt wird als hier, tut sein übriges.

kann ich so unterschreiben. es gibt da drüben einfach unglaubliche sänger, auch unter dem gemeinen volk. ich hatte da ja schon meine theorie drüber abgegeben :-D, und ich denke wirklich, dass, weil sie dort nicht von anfang erzählt bekommen "das hat eh keinen sinn" (wie es hier nun mal oft ist), die gerade in dem noch viel härteren business bestehen können (und das bei einer profesionellen ausbildung schluss mit lustig ist, das ist wohl auch hier hoffentlich jedem klar.)

ich finde christina aguilera gut, weil die stimme trotz des fetten sound, sehr beweglich ist, und das macht ihr wirklich, so leid es mir tut, kaum jemand nach, den ich kenne, und ich kenne viele gute sänger. sie beherrscht halt einen aspekt von singen, den ich bewundere.
 
stimme17, jeder, der etwas von Gesang versteht, bewundert Aguileras Können - ganz unabhängig davon, ob man ihre Musik mag oder nicht. Ihre Stimme ist jedenfalls eine der besten, die es im Pop/Rock momentan gibt.

Ich habe übrigens ein Kind im Grundschulalter und deshalb viel Kontakt zu Kindern - und ich habe überhaupt nicht den Eindruck, daß irgendjemand ihnen erzählen würde, dies oder das "hätte eh keinen Sinn". Im Gegenteil, sie werden in der Schule stets über den grünen Klee gelobt und von den Eltern auch extern gefördert, wo es nur geht; sie besuchen Kreativ-, Tanz- und Musikkurse, stehen einem Überfluß an Angeboten gegenüber - also ich sehe keine Schlechtmacherei, nirgends. Es handelt sich um von Kleinkindesbeinen an top-geförderte Mittelschichtskinder.
Wenn eure Theorie also stimmt, müsste hier in zehn Jahren eine ganze Riege von Ausnahmekünstlern bereitstehen - ich hab da so meine Zweifel.
Aber da müssen wir in zehn Jahren nochmal drüber reden ;)
 
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Ich beobachte schon seit Jahren folgendes Szenario:
in den deutschen Medien - und um es ein bisschen einzugrenzen: in jenen Medien, die ich mir überhaupt noch antue: DLF und D-Radio Kultur, sowie diverse lokale Kultursender - herrscht eine meiner Meinung nach seltsame Fehlbalance vor.
Wahnsinnig "gut", "interessant" und "dynamisch" bzw. "lebendig" ist:
- norwegischer und schwedischer Popjazz, vor allem, wenn er sanft/seicht klingt und von einer Frau gesungen wird
- die gesamte Isländische Musikszene
- die finnische Musikszene (insbesondere Tango und Jazz)
- die südosteuropäische Musikszene
- alles, was exotisch ist, z.B. Fado & Flamenco (überwiegend von Frauen gesungen)
- Musik aus US
- Musik aus Kanada
- Musik aus Israel
- usw.

Absolut unterrepräsentiert ist:
- Musik aus Deutschland, von Männern gesungen, nicht der Pop-Jazz-Richtung angehörend


Da fragt sich natürlich jeder denkende Mensch (zumindest ich tue das): ist Deutschland ein Volk von 80 Millionen Idioten, das sich kulturell nur noch an Kulturnationen wie Island oder Kanada orientieren muss?

DAS GLAUBE ICH NICHT.
Im Journalismusstudium war viel die Rede von Themen-Selektion, Gate-keeper Funktion usw.
Außerdem ist bekannt, dass die Leitmedien durchaus nicht ideologiefrei agieren. Man braucht sich dazu nur einmal die Grundsatzerklärungen verschiedener Medienunternehmen anzuschauen.

So komme ich für mich zu dem Schluss, dass in Deutschland gezielt deutsche Musiker ausgeblendet werden und somit eine Art Minderwertigkeitsgefühl erzeugt wird, dass dazu führt, dass man immer die andere wahnsinnig toll findet. Kaum deutsche Musik im Radio (abgesehen von den etablierten Größen) führt natürlich auch dazu, dass deutsche Musiker weniger verdienen, weniger Platten verkaufen usw.

Ich weiß auch, dass Aguileras Gesang technisch ganz weit vorn ist.
Aber emotional finde ich sie ziemlich leer. Allein schon dieser Fetisch (dem auch andere verfallen sind), dass Endsilben auf -i gerne durch völlig überflüssige Kolorationskaskaden getrieben werden, nur um zu zeigen, was für ein überragender Techniker man ist, zeugt für mich von einer Seelenlosigkeit.

1788
 
@1788

Sicher auch ein interessantes Thema

Doch was hat - vom letzten Absatz mal abgesehen - dein letzter Beitrag noch mit dem Thema "Gesang" zu tun ? Hier eine amerikanische Sängerin erwähnt zu haben, war ehr zufällig und beispielhaft. Ersetz es halt durch "Ute Lemper" oder "Jana Werner" oder irgendeinen anderen deutschen Interpreten. Es ging um Gesang, nicht um die Nationalität.

Je nu. Ist er das bessere Auto? Doch für den, der gern bei 110 km/h max fährt und ein praktisches Auto braucht, nicht, oder?.

Natürlich hinkt das Beispiel, und ich hatte bereits beim Verfassen die Befürchtung, dass sich jemand geradewegs auf diese Lücken stürzt.

Anders gesagt: Es gibt subjektive und objektive Bewertungsmaßstäbe. Wenn jemand sagt: Aguilera kann besser singen als viele Durchnschnittssänger, dann sind damit natürlich die objektiven Kritereien gemeint. Ich denke, die meisten haben das sicher auch so aufgefasst.

Nehmen wir ein anderes Beispiel und bleiben diesmal beim Gesang und lassen die Autos mal weg.

Vergleichen wir Tom Jones und - naja zB Leonard Cohen. Beides sehr erfolgreiche Sänger. Lassen wir Punkte wie Songwriting mal außen vor und nehmen nur den Gesang als Maßstab - denn darum geht es ja hier.

Das Repertoire von TJ umfasst - sagen wir einfach mal 2,5 oder 3 Oktaven. Die kriegt er alle sauber hin, oben wie unten, laut und leise alle auf den Punkt , mit oder ohne Vibrato und Ad-Libs.

Das Repertoire von LC dagegen umfasst zB nur 1 bis 1,5 oktaven mit wenig dynamischen Schwankungen oder Variationen. Das kriegt er auch gut hin, ABER:

Würden die beiden jetzt ihr Repertloire tauschen, dann würde das keine besondere stimmliche Herausforderung an Tom Jones darstellen - er bräuchte nur die Hälfte seiner Ressourcen. Cohen dagegen müsste passen - denn ihm fehlten sowohl 1 Oktave als auch die dynamischen Mittel.

Nach diesen objektiven Maßstäben wäre Tom Jones der bessere Sänger. Alle anderen Maßstäbe (Emotionalität, Klang, Intensität, Authentizität, eigenen Stilmittel usw) sind subjektiv und dürfen eigentlich nicht Gegenstand einer solchen Diskussion sein, wenn sie zu irgendwas Sinnvollerem als die reine Geschmacksäußerung führen soll.
 
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@ antipasti

Ich habe das deswegen angeführt, weil von anderen - nicht von mir! - immer wieder der Vergleich gebracht wurde, welch wahnsinnig tolle, ja teilweise überlegene Sänger und Sängerinnen andere Nationen, vor allem die US, hervorbringen.

Wenn das ein für sich stehendes ARgument wäre, bräcuhte man es nicht kommentieren. Leider passt es nahtlos in eine brutale Dominanz der US-Musikkultur über unsere hiesige ... was ich zunehmend als ungerecht und falsch empfinde.

Und dann ist dies ja auch eine Diskussion im Bereich "Plauderecke"... Wo, wenn nicht hier, könnte man ein Thema auch einmal ein bisschen aufweiten?

1788
 
Als Band würde ich immer versuchen, einen guten Sänger oder eine gute Sängerin zu finden, denn wenn der Gesang, der sowieso immer automatisch
im Vordergrund steht, schlecht ist, können sich die Musiker einen Wolf spielen
und keiner merkt es. Die ganze Band wird automatisch als schlecht bewertet. Ist leider so.
 
Und dann ist dies ja auch eine Diskussion im Bereich "Plauderecke"... Wo, wenn nicht hier, könnte man ein Thema auch einmal ein bisschen aufweiten?

Sicher kann man das, solange ein gewisser roter Faden erkennbar ist. Daher hab ich ja nachgefragt, statt den Beitrag zu löschen. Nun weiß ich es.

Wäre es denn für dich angenehmer, wenn wir hier ab jetzt versuchen, Deutsche Künstler als Beispiel zu nennen?. Ich denke, damit hätte kaum jemand Probleme.

Wobei nicht von der Hand zu weisen ist, dass die USA nun mal - speziell auf den Popular-Gesang bezogen - die Maßstäbe definiert haben. Die meisten dieser nicht ganz einfach für jeden reproduzierbaren Gesangsformen beruhen auf schwarzer Gospelmusik. Und die kommt aus den USA. Hinzu kommt, dass es kaum andere Länder gibt, in denen an Popmusik so stark auch mit Leistungskriterein verknüpft ist.

Das muss man natürlich nicht gut finden. Aber die USA sind nun mal sowas wie die Erfinder der Popkultur. Zwar haben Interpreten anderer Länder auch wiedererkennbare Eigenarten - aber die Basis und die Technik entsteht meist nach ameriikanischem Vorbild.
 
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Funktioniert auch andersrum. Wenn die Band mauspielt, wird es trotzdem am Sänger ausgelassen. Das liegt ganz einfach daran, dass jeder Mensch eine Stimme hat und so "singen kann". Jeder bildet sich ein Jury sein zu können. ^^ Deswegen sind doch die ganzen Castingformate so erfolgreich. :D
 
Ich war zwischendurch einkaufen und hab ein bißchen nachgedacht - und zwar, welche deutschen Rock/Pop/Jazz-Sänger/innen ich so herausragend finde, daß mir sofort die Namen einfallen. Aber außer ein paar klassischen Sängern (die in dieser Diskussion keine Rolle spielen, es geht ja um Pop) ist mir niemand eingefallen.
Es gibt einige deutsche Bands, die mir gefallen und die gute Sänger haben - zum Beispiel Element of Crime, Poems for Laila, Rammstein, die Sterne, Söhne Mannheims, ich oute mich jetzt sogar als Blumfeld-Fan) - aber eben keine herausragenden, sie stehen im Bandkontext und der gefällt mir insgesamt gut. It´s the songs and not the singers, um´s einfach auszudrücken.
Bei den Sängerinnen wird´s schon dünn (spontan ist mir keine eingefallen, obwohl es welche gibt, aber die meisten sind nur Klone ihrer angelsächsischen Vorbilder); im Jazz wird´s ganz zappenduster, allerdings muß ich zugeben, daß ich bis auf wenige Ausnahmen deutschen Vocal Jazz nicht mag.

Gesangstechnik ist ein Kriterium für mich, allerdings ein gewichtiges, das gebe ich gerne zu - eine sichere Intonation, eine gute Stimmführung, eine bewegliche Stimme mit gutem Umfang - das höre ich nun einmal gern.
Ich weiß nicht, woran es liegt - aber Sänger/innen aus dem angelsächsischen Sprachraum sind den deutschen gesangstechnisch haushoch überlegen und das liegt imho nicht (bzw. nicht nur) an der kulturellen Hegemonie.
 
Statt Aguilera könnten wir Sarah Connor anführen oder ganz aktuell Edita Abdiesky. Die können beide mit Aguilera mithalten.

Ich selber finde eigentlich die deutschen KünstlerInnen gar nicht so unterrepräsentiert:
Für mich allen voran: Nicolai Tomas (Poems for Laila) H.R. Kunze (seit Jahrzehnten hochaktiv), Schandmaul, Unheilig, Xavier Naidoo und sehr viele tolle SängerInnen im Bereich Musical.
 
Wäre es denn für dich angenehmer, wenn wir hier ab jetzt versuchen, Deutsche Künstler als Beispiel zu nennen?

Nein, wäre es nicht... ;-)

Wobei nicht von der Hand zu weisen ist, dass die USA nun mal - speziell auf den Popular-Gesang bezogen - die Maßstäbe definiert haben.

Da habe ich eben meine Zweifel.
Sicher - ich bin auch mit englischer Rock- & Popmusik aufgewachsen. Deutsch war mir peinlich. Ich kannte es nicht anders und dachte, das muss so sein. Doch dann wirst du älter und findest dies und das heraus, was dich stutzig macht und dir ganz neue Sichtweisen eröffnet.
Die Türken haben ihren türkischen Pop. Die Balkanländer haben ihren Balkan-Pop. In Italien werden italienische Popstars gespielt. In Frankreich französische. In Schweden, in den US, in Kanada, in Israel ist ein Musiker eine angesehene Person. Nur in Deutschland gilt man fast als ein Assi, ein Sozialschmarotzer, wenn man Musik macht.

Es gibt auf der ganzen Welt kein Land, dem eine fremde Kultur so sehr übergestülpt wurde, wie Deutschland. Das hat - man höre und rolle die Augen - etwas mit dem zweiten Weltkrieg zu tun.
Genauso, wie sich nach 1945 in Deutschland kein Verlag und kein Medienunternehmen ohne Einwilligung der Alliierten gründen durfte, fällt bis heute vieles, was kulturell zu eigenständig ist, unter die Zensur: es wird dann eben einfach nicht gespielt, wenn es nicht amerikanisch genug klingt. Günter Verheugen hat dies letztens in einem Interview (Link kann ich gerne nachliefern) erst bekräftigt: es geht bis heute in Europa v.a. darum, Deutschland nicht wieder "erstarken" zu lassen, Deutschland einzubinden, es zu "fesseln". Deshalb der Euro, deshalb die zwischenstaatlichen Hilfeleistungen, deshalb der europäische Rettungsfond.
Ich weiß, das schweift jetzt weit ab. Aber es hat tatsächlich mit dem Thema zu tun.

Unter anderem deshalb - so abgedreht das klingen mag - gelingt es deutschen Bands, Künstlern, Musikern usw. extrem schwer, nach oben zu gelangen, wenn sie wirklich gut sind. Gepusht wird hier vor allem, was die Minderwertigkeit bestätigt: schlechte Musik, einfallslose Künstler, Abklatsch, Klone, Kopien.
Denn wenn neben guten Autos, guten Sportlern usw. auch noch gute Musik aus Dt. kommen würde, dann könnte das ganze Land ja schnell wieder beginnen, sich selbst als den Nabel der Welt zu sehen.

Deswegen rege ich mich auf, wenn die Statements hier an das ewig gleiche Rollenschema anknüpfen: wirklich gut ist nur, was von über dem Atlantik kommt. Nie wird die Frage gestellt, weshalb wir denn das glauben. Immer kommen solche unterkomplexen Erklärungsmuster wie "bessere Gesangstechnik".

Zwar haben Interpreten anderer Länder auch wiedererkennbare Eigenarten - aber die Basis und die Technik entsteht meist nach ameriikanischem Vorbild.

Ist das wirklich so? Kann ich nicht beurteilen.


1788
 
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