Rettung einer vergewaltigten Archtop
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Rettung einer vergewaltigten Archtop
Hallo mal wieder. OK - von mir war in letzter Zeit nicht so arg viel zu hören, aber naja.
Ich bin da auf ein beschädigtes "Kunstwerk" gestoßen, das quasi auf dem Weg in den Müll war.
Und ja - da, wo das Thema sitzt, da muss man damit rechnen, dass dieses Kunstwerk eine Gitarre war.
Ja... So als Erste-Hilfe-Maßnahme habe ich diese dann mal mitgenommen, um sie zu retten.
Der Zustand, in dem ich sie bekommen habe, war... ich sage es so: Nichts für Gitarristen mit schwachen Nerven.
http://simon.deobald.org/priv/instru.../aIMG_5683.jpg
OK, das lasse ich erstmal einwirken....
An manchen Stellen war der Gips (!) beschädigt und man konnte eine recht schöne Farbe darunter erkennen:
http://simon.deobald.org/priv/instru.../aIMG_5688.jpg
Wie auch, dass der Zustand nicht gerade gut sein konnte:
http://simon.deobald.org/priv/instru.../aIMG_5695.jpg
Naja - ich konnte den erbärmlichen Anblick nicht länger ertragen und habe mit der Hilfe eines Messers angefangen, das arme Ding, welches vielleicht schon Jahrzehnte verpackt war, wieder auszupacken:
http://simon.deobald.org/priv/instru.../aIMG_5701.jpg
Und da ist mir dann gleich ein wohlbekanntes Zeichen in die Augen gesprungen:
http://simon.deobald.org/priv/instru.../aIMG_5700.jpg
Es war eine harte Arbeit ung ging langsam voran und langsam wurde eine zwar recht verschandelte, aber schöne alte Archtop sichtbar:
http://simon.deobald.org/priv/instru.../aIMG_5703.jpg
Bis ich irgendwann endlich den ganzen Korpus freigelegt hatte:
http://simon.deobald.org/priv/instru.../aIMG_5705.jpg
Der eigentlich schwierige Part waren Hals und Kopfplatte:
http://simon.deobald.org/priv/instru.../aIMG_5711.jpg
Doch auch das hatte ich irgendwann soweit gepackt:
http://simon.deobald.org/priv/instru.../aIMG_5718.jpg
Nach einer ersten groben Reinigung hat sie dann regelrecht angefangen zu strahlen:
http://simon.deobald.org/priv/instru.../aIMG_5719.jpg
Natürlich ist der Zustand ziemlich schlecht, insbesondere ist da dieses graubraune Zeug aufgefallen, was über den Korpus geschmiert ist (Ebenso über die Zargen und teilweise der Rückseite, vereinzelte Flecken am Hals und zwei verklebte Mechaniken).
Erstmal habe ich gedacht, dass das eine Art Kleber sein muss, aber es verhält sich doch mehr wie Lack und ist ziemlich böse zu entfernen. OK, Samstag Abend - da kann man schlecht dran arbeiten, denn das ist doch relativ laut. Aber ich habe probeweise schon etwas dran rumgeschliffen und das Ergebnis war so, dass ich hoffe, das Zeug (auch, wenn es eine ziemliche Arbeit wird) wieder völlig wegzubekommen.
Ja... das Problem sind die Mechaniken - einerseits sind die Knöpfe daran spröde, wie ich leider bemerken musste und andererseits sind davon zwei verklebt und unbeweglich. Und eine Mechnaik ist verbogen - da werde ich völligen Ersatz brauchen. Einen Saitenhalter habe ich noch da (wollte ich für einen Eigenbau verwenden, aber da der momentan auf Eis liegt und diese hier ganz akut was braucht....), ein Steg ist halbwegs bezahlbar und die Mechaniken - da muss ich mal sehen, was ich da mache. Das Schlagbrett ist nicht vorhanden - den Halter davon werde ich auch noch entfernen.
Eine bisherige Holzbestimmung wäre diese:
Decke: Fichte
Zargen: Ahorn
Boden: Wolkenahorn
Hals: Ahorn, dreiteilig
Griffbrett: Palisander
Also - was gemacht werden muss:
- Noch etwas reinigen
- Diesen seltsamen Lack möglichst präzise runterschleifen (Harte Arbeit Nr. 1)
- diverse Risse flicken (Harte Arbeit Nr. 2)
- Steg besorgen / evtl. selbst bauen
- Saitenhalter befestigen
- Mechaniken austauschen (bin noch am überlegen, ob ich gucke, möglichst exakten Ersatz zu bekommen, oder ob ich da etwas gröber rangehe und evtl. sogar gekapselte Mechaniken dranhaue)
- Griffbrett ölen
- Saiten drauf
Ich werde euch auf dem Laufenden halten, wie es mit der weiteren "Rettung" vorangeht.
aIMG_5728.jpg
Beitrag 150.000 im NST, Seite 10.000 - Das nächste Kapitel der Gitarrenrettung
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Hi Jiko, gut, dass du mich vorgewarnt hast, denn als ich das erste Foto gesehen habe, dachte ich "ist schon wieder der 1. April?"
Welcher *#&%$§* hat denn diese schöne alte Framus vergewaltigt!?!?!

Du hast Recht - das ist nichts für Gitarristen mit "weicher" Seele
Aber du hast ja schon eine Menge "Gitarre" aus dem "Kunstwerk" herausgeholt
Das steht dir noch einiges bevor - aber ich denke, es lohnt sich.
btw: lebt der Gipser noch?
Viel Erfolg bei der Restauration - ich hab den Thread natürlich abonniert.Greetz Peter ♥
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Schluck

Als ich dieses blass-fade Teil gesehen hab, dachte ich schon DAS wär die Gitarre und die wär geschimmelt oder so. Ich war "froh" dass das nur die äußerst unschöne Gips"verpackung" war.. Das ist wirklich erschütternd, wer tut sowas nur einem Instrument an? Das is total misshandelt
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Ist mir zum Glück nicht über den Weg gelaufen. Das Ding scheint aber wirklich schon eine halbe Ewigkeit so eingepackt gewesen zu sein.
Inzwischen habe ich die Mechaniken abgenommen - war eine ziemliche Arbeit, da zwei der Schrauben durch diesen bösen braunen Lack bedeckt waren und eine dritte schief saß und die hatten alle einen ziemlich kleinen Schlitz, sodass ich drei der Schrauben mit der Zange rausdrehen musste.
Die Löcher darunter sagen mir, dass das wahrscheinlich nicht der erste Satz Mechaniken war, den die Gitarre gesehen hat.
Und jetzt werde ich nochmal rangehen und eine "detailliertere" Reinigung durchführen.
Bin mal echt gespannt, ob da mal noch was Spielbares draus wird...
Aber naja - ich habe ja auch schon meine Lindberg wieder spielbar bekommen
Beitrag 150.000 im NST, Seite 10.000 - Das nächste Kapitel der Gitarrenrettung
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Ich finde die Gitarre wurde professionell bodygepainted und dann mumifiziert ;-)
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Die erste Mumie, die zum Leben erweckt wird
Beitrag 150.000 im NST, Seite 10.000 - Das nächste Kapitel der Gitarrenrettung
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Eine echte Gipson

Viel Glück beim wiederherstellen."the day I learn to fly, I'm never coming down
on perfect wings I'll rise through the layers of the clouds
and from there I see the neon grids of cities and six million people that keep their fires lit
so I bowed my head and I prayed for wings to take me from this place"
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Ergänzung der To-Do-Liste:
- Inlays wieder einkleben.
Zumindest drei sind locker...
EDIT: Gurtpin einbauenGeändert von Jiko (25.04.2010 um 09:41:31 Uhr)
Beitrag 150.000 im NST, Seite 10.000 - Das nächste Kapitel der Gitarrenrettung
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Autsch, wie übel. Wer macht denn sowas.

Die Basis sieht aber so recht vielversprechend aus. Wenn der Hals gerade geblieben ist, kann das wieder ein richtig schönes Stück werden.Gort! Klaatu barada nikto! - Helen Benson
--♪--
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Morgen gibt's Fotos zum aktuellen Zwischenstand.
Aktuell habe ich mal die lockeren Inlays abgelöst und dann die Stellen mit Kleberresten (da, wo die gelben Klebestreifen den Gips gehalten haben, hier gut zu sehen: http://simon.deobald.org/priv/instru.../aIMG_5705.jpg ) mit dem Wundermittel Waschbenzin behandelt - die wohl einzige Art, wie man das Zeug abbekommt.
Joa - und dann noch so ein bissel geputzt.
Laut dem Aufkleber auf der Rückseite der Kopfplatte wurde die Gitarre in Karlsruhe verkauft im "Musikhaus Schlaile"...
Und hier noch zwei Fotos, die eine schöne Stelle der Rückseite zeigen:
http://www.musiker-board.de/attachme...read-tipp1.jpg
http://www.musiker-board.de/attachme...read-tipp2.jpgBeitrag 150.000 im NST, Seite 10.000 - Das nächste Kapitel der Gitarrenrettung
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Hallo, Jiko,
ich wünsche Dir viel Erfolg bei der Restauration - den Thread habe ich abonniert, das verspricht, spannend zu werden. Kriegen wir auch ein Klangbeispiel, wenn Du's geschafft hast?
btw: Wer macht sowas mit Musikinstrumenten? Das ist ja wie Bücherverbrennung...
Viele Grüße
Klaus
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Meine Aufnahmemöglichkeiten sind nicht überragend, aber ich werde es versuchen.
Heute konnte ich wegen Sonntag keine sonderlich lauten Arbeiten durchführen - habe angefangen, die Kopfplatte etwas von dem seltsamen Lack zu befreien.
Bei der Fichtendecke drängt sich mir die Vermutung auf, dass es eine massive Decke ist - da werde ich weiterforschen - ich halte Ausschau nach einem kleinen Spiegel
Ist zu erkennen, da die Decke an der Leimstelle gerissen ist - da hat man einen schon nicht schlechten Einblick. Wie man das leimt... ich habe jedenfalls bemerkt, dass sich der Riss quasi schließt, wenn man Druck auf die Decke ausübt (wie wenn quasi Saiten drauf sind) - da bin ich gerade am überlegen, ob ich das ganz zum Schluss mache, wenn die Saiten draufkommen oder ob ich es früher probiere - die Frage ist dann, wie ich die Decke am besten mit Gewicht belaste, ohne, dass das Gewicht danach festklebt...
Das ganze Ding ist jedenfalls ein Gigant - von der Breite her ca. so groß wie meine Lindberg, aber einerseits sind die Zargen "tiefer" und dann kommt noch der framustypisch gewölbte Boden hinzu.
Falls mir jemand bei der Bestimmung helfen könnte, wäre ich froh drum. Ich habe alle auf framus-vintage.de aufgelisteten Archtops durchgearbeitet, aber kein passendes Modell gefunden - am nähesten war die Framus Florida dran, aber da passen weder die Kopfplatte noch der Cutaway.Beitrag 150.000 im NST, Seite 10.000 - Das nächste Kapitel der Gitarrenrettung
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Hallo Jiko,
hast da noch ein hartes Stück Arbeit vor dir....
Aber ich schätze, es wird sich lohnen. Es dürfte sich bei der Gitarre um ein etwas besseres Modell handeln.(von 5/59 Sorella aufwärts) Kannst dich auf einen schönen Klang freuen
Vielleicht findest du auf der Kopfplattenrückseite noch die Seriennummer. Die alte Kopfplatte weist jedenfalls auf einen
Ursprung in den 50ern hin.
Viel Spaß...du schaffst das schon
Nachtrag:
halte dich nicht an der Kopfplatte auf. Die wurde im Lauf der Jahrzehnte mehrmals geändert. Bis ca. 1960 hatten alle Archtops diesen "Schmetterlingsflügel".
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In der Tat - und neben Beruf, Führerschein und Feuerwehr wird es nicht ganz so schnell laufen, wie ich es will, aber ich hoffe doch das:
Aber ich schätze, es wird sich lohnen.
Uha - sehr schön zu hören!Es dürfte sich bei der Gitarre um ein etwas besseres Modell handeln.(von 5/59 Sorella aufwärts) Kannst dich auf einen schönen Klang freuen

19122 - aber leider sagt das nicht so wirklich viel ausVielleicht findest du auf der Kopfplattenrückseite noch die Seriennummer.
Und dann ist da eben noch das schöne Schildchen "Musikhaus Schlaile, Karlsruhe Kaiserstraße 175" - meine Internetrecherche besagt, dass es das immernoch gibt!
Das ist ein interessanter Hinweis - danke!Die alte Kopfplatte weist jedenfalls auf einen Ursprung in den 50ern hin.
[...]
Nachtrag:
halte dich nicht an der Kopfplatte auf. Die wurde im Lauf der Jahrzehnte mehrmals geändert. Bis ca. 1960 hatten alle Archtops diesen "Schmetterlingsflügel".
Hoffe ich doch, hoffe ichViel Spaß...du schaffst das schon

Mal zum aktuellen Stand:
Ich bin gerade dabei, in harter Kleinarbeit den störenden "Lack" zu entfernen - wird allerdings nicht unsichtbar werden, da er sich in den Nitrolackrissen breitgemacht hat und ich den Nitrolack zu erhalten versuche - da werden die entsprechenden Stellen später wohl schmutzig aussehen, aber besser als so.
Momentan mache ich es an der Zarge und an der Kopfplatte.
Hier mal ein paar Bilder, die nicht ganz auf dem neuesten Stand sind, da ich inzwischen noch den Lackstreifen am Cutaway fast vollständig entfernt habe und die Kopfplatte ebenso fast frei ist, aber da war das Licht eben noch gut
Hier mal ein direkter Vergleich gestern / heute:
http://simon.deobald.org/priv/instru.../aIMG_5719.jpg
http://simon.deobald.org/priv/instru...4/IMG_5751.jpg
Der recht schöne Boden (leider auch noch mit diesen verdammten Lackstreifen):
http://simon.deobald.org/priv/instru...4/IMG_5766.jpg
Der Hals im aktuellen Zustand:
http://simon.deobald.org/priv/instru...4/IMG_5754.jpg
Die Kopfplatte mit Musikhaus-Aufkleber und Seriennummer:
http://simon.deobald.org/priv/instru...4/IMG_5760.jpg
Und zum Abschluss nochmal der Korpus, wieder Vergleich gestern / heute:
http://simon.deobald.org/priv/instru.../aIMG_5728.jpg
http://simon.deobald.org/priv/instru...4/IMG_5748.jpgBeitrag 150.000 im NST, Seite 10.000 - Das nächste Kapitel der Gitarrenrettung
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Whow, der Thread ist abonniert.
Ich drück Dir die Daumen 


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