Nightwish "NEMO" - Klassik-FAIL?

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Hallo Freunde :D

Vor Urzeiten habe ich ja mal klassischen Gesangsunterricht gehabt. Das heißt nicht, dass ich eine große Opernstimme habe oder gehabt habe, ich bin (war??) eben nur mit der Technik einigermaßen vertraut. So.

Jetzt habe ich in letzter Zeit aber eher so Richtung Modern und Folk gesungen und komme zusätzlich gerade aus einer superfiesen Nebenhöhlenentzündung mit Husten und allem (seit Oktober). Klar ist die Stimme nicht taufrisch aber - dass sie teilweise so an Volumen und Umfang verliert? :eek: Hier sind mal die Profis gefragt. Bin ich einfach nur raus und mache was technisch falsch, oder hat die Stimme echt Schaden genommen? (siehe unten)

Heute habe ich mal von Nightwish "NEMO" gesungen. Nicht, weil ich finde, dass ich das sonderlich gut kann, sondern weil das Lied einfach geil ist. :D Findet ihr, die Stimme an sich (den letzten Chorus kann man in die Tonne treten) passt, oder klingt das irgendwie künstlich? Wie gesagt, ich kenn die klassische Technik ein bisschen, aber anders als Frau Turunen bin ich keine komplett ausgebildete Opernsängerin. :rolleyes:

Jetzt die 1-Mio-Profi-Bonus-Frage:
Im letzten Chorus bricht mir ja mehrmals mehr oder weniger die Stimme weg. Vor der Nebenhöhlenentzündung ist mir das nie passiert! Ja, dass bei schwindelerregenden Höhen vielleicht mal die Stimme wackelt oder so, klar. Aber nicht, dass sie brüchig und heiser klingt. Einschätzungen? :(

http://www.box.com/s/dc5d6f5957130e76b27a

Danke schonmal. :)
 
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Hey Sunny_Hunny!

Erst mal super toll gesungen! Nichts fail hier, also bitte!! Nö, vollklassisch klang das jetzt nicht, nur zwischendurch mal etwas zu viel O in die Vokale reingemischt, aber ansonsten keineswegs unpassend. Sing das mal mit weniger Knödel, das steht dir (und auch dem Song) viel besser. Eigentlich hängt mir Nemo soooooo zum Halse raus (musste ich schon viel zu oft hören und selber covern *kotz*), aber du singst den so schön, dass ich wegen dir den Song doch noch ertrage :)

Was das Ende angeht, sollte das eigentlich keine Höhe für dich sein! Das kann natürlich an der Erkältung liegen. Wenn man so lange krank ist, baut man körperlich ab und dann ist klar, dass die Stimme nicht mehr so anspringen will. Dass die Töne weggebrochen sind, liegt glaube ich daran, dass du da mit zu viel Druck rangehst. Dieses Abdunkeln der Vokale könnte auch dazu geführt haben, dass dir der Stimmsitz hinten weg gerutscht ist. Die Töne fallen dir dann in den Hals, du presst und weg sind sie.
Ich hoffe, du versuchst nicht an den klassischen Klang zu kommen (ein größeres Ansatzrohr zu schaffen) indem du den Kehlkopf oder die Zunge runterdrückst! Die Vergrößerung des Ansatzrohres entsteht nicht durch Druck von oben, sondern durch Entspannung, also weniger Zug nach oben. Vielleicht erinnerst du dich an sowas wie Staun- oder Gähngefühl. Tonja schrieb auch mal was von Lächelspannung im oberen Gesicht und unten entspannt mit Dorftrottelblick (letzteres führt glaube ich auch zum Absenken des Kehlkopfes durch Entspannung, nicht durch Druck).

Versuch die Stelle mal "normal" zu singen, also so wie du es gewöhnt bist ohne die Vokale abzudunkeln. Wahrscheinlich kriegst du es allein schon deshalb gut hin. Und vor allem versuch die Stelle auch mal leise, aber klingend zu singen. Der Wille das Finale ganz laut zu singen kann zum Pressen verleiten. Also sing die Stelle in normaler Aussprache und mal leise, um den Druck rauszunehmen, dann dürfte es pflutschen! Lautstärke kannst du dann später hinzunehmen, wenn du es erst mal so geschafft hast.
 
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Danke für die vielen Tipps. :)

Meine letzte Gesangsstunde ist schon ziemlich lange her. Da ich danach kaum noch Klassik gesungen habe und mir das Moderne wesentlich leichter fiel (bis auf den "Dreck" in der Stimme komme ich in der Richtung eher selten an meine Grenzen), habe ich eben sehr intuitiv gesungen. "Nemo" ist für echte Klassiker jetzt auch kein unüberwindbares Hindernis, aber für mich ist es technisch eben deutlich anspruchsvoller, als wenn ich irgendwas so dahersinge. Vielleicht denk ich auch einfach zu viel? *grübel* Ich kann dir jetzt ehrlich gesagt gar nicht sagen, was genau ich da versuche zu machen... *denk*

Ach menno, ich find den Opernklang bei dem Lied aber so toll. :D ;) Wenn ich die Vokale nicht abdunkle, finde ich, das klingt wie die neue Sängerin von Nightwish (und die gefällt mir, äh... nicht so gut *hust*). Gut möglich, dass ich das Original zu sehr im Ohr habe und davon nicht wegkomme. Ach menno, da will man gleich wieder klassischen Gesangsunterricht wenn man merkt, dass es so nicht funzt. :D

Eben, genau dass es ja eigentlich gar nicht so hoch ist (im Vergleich zu manchen Arien, die ich früher gesungen habe) und mir die Stimme trotzdem wegbricht, hat mich ziemlich erschreckt. :( Kann sein, dass ich da wirklich zu viel drücke, weil ich halt will, dass es "scheppert". Ich habe allerdings eher das Gefühl, dass der letzte Chorus und seine Höhe deswegen nicht klappen, weil ich den Teil davor nicht "klassisch genug" singe, sondern tendenziell eben doch mit weniger Stütze und Obertonanbindung (war bei mir eh immer ein Problem) als das beim Klassischen eigentlich gewünscht ist. Auch die Bridge "Nemo sailing home..." ist ziemlich hauchig und hat kein Volumen, find ich.
 
Kleines Update...

ich habe neulich eher zwischen Tür und Angel mit einem Gesangslehrer (habe ich erst im Gespräch herausgefunden) und er hat mich dann gefragt, ob ich ihm mein Problem mal demonstrieren könnte. Er meinte danach, die Obertonanbindung seil teilweise weg (AAAAAAAAAH, NEIN!!! :( ) und das läge daran, dass ich irgendwie den weichen Gaumen zu sehr nach oben drücke, also irgendwie die Verbindung zum Nasenraum zudrücke und daher dann im oberen Bereich die komplette Resonanz fehlt - also eine funktionale Sache. :(

Allerdings war das, bevor ich an den Nebenhöhlen operiert wurde - der Arzt meinte: Joa, hat sich gelohnt, war viel drin. :igitt: Wenn ich wieder das Gefühl habe, das meine Nase wieder normal ist, werd ich nochmal zu jemandem gehen. Für regelmäßigen GU fehlt mir leider vorläufig das Wechselgeld. :rolleyes:
 
Kleines Update...

ich habe neulich eher zwischen Tür und Angel mit einem Gesangslehrer (habe ich erst im Gespräch herausgefunden) und er hat mich dann gefragt, ob ich ihm mein Problem mal demonstrieren könnte. Er meinte danach, die Obertonanbindung seil teilweise weg (AAAAAAAAAH, NEIN!!! :( ) und das läge daran, dass ich irgendwie den weichen Gaumen zu sehr nach oben drücke, also irgendwie die Verbindung zum Nasenraum zudrücke und daher dann im oberen Bereich die komplette Resonanz fehlt - also eine funktionale Sache. :(

Allerdings war das, bevor ich an den Nebenhöhlen operiert wurde - der Arzt meinte: Joa, hat sich gelohnt, war viel drin. :igitt: Wenn ich wieder das Gefühl habe, das meine Nase wieder normal ist, werd ich nochmal zu jemandem gehen. Für regelmäßigen GU fehlt mir leider vorläufig das Wechselgeld. :rolleyes:

Ich würde sagen da hat der Gesangslehrer mit seiner Tür-und-Angel-Diagnose recht. Es scheint mir, was dir ein wenig fehlt ist Twang (ja, auch in der Klassik wird getwangt). Du singst etwas zu sehr über die NG-Position, dadurch sind die Stimmlippen nicht nah genug beeinander und du musst zu viel Druck aufwenden, in den Höhen brechen dann halt die Töne weg. Dass die Obertonanbindung dann auch schlechter ist ist sozusagen ein Sekundäreffekt davon.

Im klassischen Jargon, wo man den Begriff Twang nicht verwendet, würde man sagen dir fehlt etwas der Vordersitz. Dein Ton sitzt zu wenig zwischen Nasenwurzel und Stirn und zu stark im Bereich des Gaumensegels. Das bedeutet auch, dass deine Zunge insgesamt zu weit hinten im Mundraum sitzt und den von Vali beschriebenen Effekt des "Abdunkelns durch Zungendruck" bewirkt, der bei stärkerem Atemdruck auch zum Knödeln führt.

Was sich als Übung z.B. anbietet, wäre auf "näi" zu üben, wie es hier gezeigt wird:

http://www.youtube.com/watch?v=SN2XXiVPNmw

Wichtig sind die Sachen, die der Typ in dem Video auch sagt. Das "n" wird mit der Zunge ganz vorne an den Schneidezähnen gebildet. Dabei auf 3 Dinge ganz besonders achten:

1. Es muss ein klares "ä" sein, also "näi", kein "nei" oder sowas.
2. Es sollte kein "g" irgendwie im Klang sein, das ist gerade für dein Problem besonders wichtig, also ein klares "näi", kein "n-gäi"
3. Der Mund sollte nur nach unten geöffnet werden, kein in die Breite ziehen und auch kein Naserümpfen oder sowas, nur der Unterkiefer darf bewegt werden und geht auf höheren Tönen tendenziell immer stärker nach hinten/unten.

Wenn du das alles einhältst ist es auch ohne weiteres möglich die "näi"-Übung, die den Twang-Modus aktiviert mit der klassischen hinteren Weite zu kombinieren.

Im Übrigen singt Tarja gerade "Nemo" ziemlich "Contemporary" für ihre Verhältnisse, jedenfalls in der Studio-Version.

Ansonsten muss ich mich Vali anschließen. Als fail würde ich das absolut nicht bezeichnen, das klingt schon sehr schön. :great: Fail ist allerdings nach wie vor dein Aufnahme-Equip :)

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EDIT:

Hier noch ein nützliches Video zu genau dem Problem:

http://www.youtube.com/watch?v=cypW1B6ZdUg

wobei ich jetzt nicht so weit gehen würde zu sagen, dass du nach Kermit klingst ... es ist schon geringer ausgeprägt bei dir.
 
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Danke, das hört sich alles sehr schlüssig an. :)

Meine GL meinte früher auch immer, dass ich mehr "Vordersitz" bräuchte. Allerdings hat sie das eben mit ng-Übungen versucht. :gruebel: Und dann gibt es ja auch noch GLs (Voce), die vom Vordersitz komplett abraten, da das automatisch eng würde und gehen eher in die "nach hinten oben denken"-Methode (so habe ich es zumindest verstanden).

Fest steht, dass ich (in den höhen) irgendetwas mache, was die Töne blockiert. Hmpf.

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Die Geräusche, die die Frau im zweiten Video macht ("meeee-ooooow") hören sich irgendwie ungesund an... o_O
 
Die Geräusche, die die Frau im zweiten Video macht ("meeee-ooooow") hören sich irgendwie ungesund an... o_O

Wenn man diese Geräusche über das Gaumensegel macht, sind sie das auch. Wenn man sie twangt sind sie vollkommen ungefährlich. Es kommt aber interessanterweise immer wieder vor, dass gerade Sänger mit klassischer Vorbildung getwangte Töne als "eng in der Kehle" empfinden (so vom Höreindruck). Aber Twang verengt nicht die Kehle, sondern schließt nur ein wenig den Kehldeckel und bringt die Stimmlippen näher aneinander, dadurch wird der Klang schärfer und enger, die Kehle aber nicht, und genau dieser scharfe Klang ist es, der für die Obertöne und Brillianz sorgt.

NG-Übungen für Vordersitz können funktionieren, allerdings nur mit viel viel genauem Erklären wie der Stimmsitz sein soll. Du kannst z.B. auch eine Übung auf "NG-AAAA" machen, musst dann aber darauf achten, dass du den Ton wirklich schräg nach vorne singst und nicht nach oben. Stell dir beim "NG-AAAA" vor der Ton würde aus dem Nacken kommen und schräg nach vorne den Kopf durch deine Augen verlassen. Wenn du es richtig machst sollte wirklich ein klares "a" rauskommen, wenn du es falsch machst, wird das "a" zum "o" abgerundet.

Das trügerische an diesen NG-Übungen ist halt immer, dass in der Klassik durch den tiefen Kehlkopf ein "a" sowieso zum "o" abgerundet wird. Dadurch merkt man nicht direkt, dass der Vordersitz fehlt. Deshalb solltest du die NG-Übungen erstmal in neutraler Kehlkopfposition machen, um zu prüfen, ob wirklich ein klares "a" entsteht und kein abgerundetes, ich sag jetzt mal "französisches a". Erst danach kannst du den Kehlkopf dann klassisch senken, der Stimmsitz muss aber weiterhin im Bereich zwischen Augen und Stirn bleiben.

Allgemein ist es halt wichtig bei NG-Übungen immer in Richtung Nasenwurzel/Augen/Stirn zu denken, also schräg nach vorne, das wird leider viel zu selten erklärt.

Ein GL, der vom Vordersitz generell "abrät" hat mMn schlichtweg keine Ahnung. Das führt unweigerlich zum Knödeln. Lediglich auf ganz hohen Kopfstimmentönen wird in der Klassik manchmal der Vordersitz aufgegeben, weil in einer bestimmten Höhe Vordersitz UND tiefer Kehlkopf gleichzeitig einfach nicht mehr geht. Da bleibt dann nur die Entscheidung zwischen einem zu scharfen Klang oder einem zu dumpfen Klang und die Klassiker entscheiden sich da dann eher für die dumpfe Variante.

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BTW, zum Vergleich wie wirklich schädlicher "Vordersitz" sich anfühlt, kannst du mal versuchen direkt von den Schneidezähnen aus schräg nach vorne zu singen, ohne den "Umweg" über Augen oder Stirn, dann wird's wirklich eng...
 
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Meine GL meinte früher auch immer, dass ich mehr "Vordersitz" bräuchte. Allerdings hat sie das eben mit ng-Übungen versucht. :gruebel: Und dann gibt es ja auch noch GLs (Voce), die vom Vordersitz komplett abraten, da das automatisch eng würde und gehen eher in die "nach hinten oben denken"-Methode (so habe ich es zumindest verstanden).

Hmm, ich bin mal wieder keine GL :D, aber ng (wie Hong-Kong?) für Vordersitz dünkt mich seltsam. Meintest Du vielleicht NnnnD - irgendwas?
Nur nach hinten oben denken finde ich auch seltsam, denn dann rutscht (mir zumindest) der Ton nach hinten und es wird eng und knödelt. Du brauchst beides, die hintere Weite im Hals und den Vordersitz. Vielleicht hilft Dir die Vorstellung des Tones als Schlauch. Der geht hinten im Kopf angefangen an der Wirbelsäule hoch, also hinten entlang nach oben den Scheitel entlang, immer schön brav an der Schädeldecke und vorne über die Stirn nach unten (hmm, irgendwie hört der bei mir an der Stirn auf :D).

Klar dass die Höhen nicht mehr kommen wollen, wenn Du drückst weil Du laut sein willst ;) Sing die Stellen mal ganz leise, denke die hohen Töne durch das Kinn nach unten, schau so richtig doof, mit hängendem Mund aber lächle dabei mit den Augen (ich weigere mich, das vor dem Spiegel zu machen ;) ) So ab Kinn abwärts sackst Du einfach runter, dabei bleibt aber die Wirbelsäule schön gespannt (hmm, und damit der Brustkorb auch irgendwie? :gruebel: ), die ist die Fahnenstange, die Dich hält.
 
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