Was stört euch an Akkordeon Orchestern?!

  • Ersteller Don_Tommi
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@hiltruda: hoffe du nimmst das nicht persönlich,
jedem der mit freude musiziert höre ich jederzeit gerne zu wie du schon öfters bemerkt haben könntest.

Nur der gezeigte öffentliche auftritt sprengt mein vorstellungsvermögen was da tatsächlich abgeht.
Es müsste doch hier ein aufschrei losbrechen das das als "akkordeonorchester" im fernsehen gezeigt wird?

Jetzt hab ich mir den Film im BR auch angeschaut.
Seht ihr es nicht? Wegen der musik wurde das nicht gesendet sondern nur weil es so "krass" ist!
Abgefahrenses Zeug wollen die vorführen, mit guter Musik kommt schon lang keiner mehr ins fernsehen da hätte ich eine lange liste von akkordeonisten über die man eine sendung machen könnte - interessiert aber keine sau. Die Lebenslinie von Manfred Leuchter z.B. wäre auch nicht ohne, aber da müsste man ja über jemand berichten der tolle Musik macht. no go

Für mich (und die gierigen fernseh-heinis) hat das doch ein paar ganz andere gschmäckle als musik zu machen: provokation, "gspinnat", akkordeon-gaga, jemand der "Probleme" hat, Akkordeon spielt und dazu einen ordendlichen touch feminismus - wie geil, das interessiert den gemeinen Fernseher.

..und zum verweis auf piazollas zitat: wenn sie die musik liebten würden sie sowas unterlassen
 
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Abgefahrenses Zeug wollen die vorführen, mit guter Musik kommt schon lang keiner mehr ins fernsehen

genauso siehts wohl aus - es ging um den krassen, weil unüblichen Lebenslauf der Frau nicht um ihr Orchester.... im Gegensatz zu diesem Faden hier, wo es tatsächlich um Orchester geht und gehen sollte.

Deshalb bitte hier ab jetzt wieder bezogen aufs orchestermäßige beschränken!
Wer weiter über diese Frau an sich und den Film diskutieren möchte, der mag bitte im Off_Topic Bereich einen neuen Faden hierzu aufmachen.

mit guter Musik kommt schon lang keiner mehr ins fernsehen

... Tja, so siehts wohl aus - so ist die Zeit.... ich kenne etliche sehr gute Musiker, die von ihrer Musik nicht leben können und einige lausige Spieler, die ganz gut damit Geld verdienen. Das Leben ist keineswegs gerecht! - aber um das gehts hier genausowenig!

Deshalb bitte hier nun wieder: Was stört euch an Akkordeonorchestern?

Gruß, maxito
 
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Mich stört an Akkordeonorchestern, dass sie ein Widerspruch in sich sind. Ein Akkordeon ist doch bereits ein kleines Orchester und es mach mE keinen Sinn, den Hauptteil (und Namensgeber!) des Instruments wegzulassen und 20 Leute jeweils einen Ton spielen zu lassen, damit man dann wieder Akkorde hat.

Ich hab etwa 3/4 dieses Threads gelesen. 90% der darin befindlichen Diskussion hat mit Akkordeon überhaupt nichts zu tun, sondern gilt für Amateurorchester jeglicher Art.
Und deshalb gefällt mir an Akkordeonorchestern auch das, was mir an Amateurorchestern jeglicher Art gefällt.
Und wenn die Leute Spaß dran haben, einmal in der Woche für zwei Stunden das Instrument auszupacken und Abba Gold oder Cream of Clapton zu spielen, why not.
Wer mehr oder was anderes will, wird auch Möglichkeiten finden.
 
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erst heute stoße ich auf diesen Thread. Wenn schon gefragt wird, was stört euch . . . dann wird man auch genau das erfahren. Kommentare und Gegenkommentare sind inzwischen so zahlreich, dass ich ebenfalls nur einen Teil gelesen habe. Die etwas hoch gegriffene Bezeichnung "Orchester" verdienen eigentlich nach meiner Meinung Leute dieser Art:

http://www.youtube.com/watch?v=lVpbmMLRpIk

und die nennen sich bescheiden "Group". Allgemein zutreffend wäre tatsächlich die Bezeichnung "Chor" und ich sehe viele Parallelen beispielsweise zu einem Männerchor.

Besonders treffend finde ich im ganzen Faden die Ausführungen von Balgseele.

mit freundlichen Grüßen akkotue
 
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Wenn ich in einem Konzert sitze, schau ich ja zwangsläufig auch auf die Bühne.
Ich konsumiere ja nicht nur mit den Ohren.
Nicht selten ergibt sich ein großer Widerspruch, nämlich der zwischen der dargebrachten Musik und dem Minenspiel der Musiker.
Da sucht man oft verzweifelt ein anders Blickziel, weil der emotionslose Blick (und dann noch ausschließlich auf die Noten) wenig mit der dargebrachten Musik zu tun hat.
Ein fröhliches Stück mit Trauermiene dargeboten ist einfach schrecklich.
Manch ein Musiker ist versucht sich hinter dem manchmal raffiniert positionierten Notenpult zu verstecken.
Sind dann mehr Musiker auf den Trick gekommen wirds für den Zuschauer noch schrecklicher.
In so vielen Genres ist es ein Tabu mit Notenpulten die meiner Meinung nach sehr wichtigen visuellen Kontakte zwischen Musikern und Künstlern zu unterbinden.
Warum können nicht auch Akkordeonisten ohne Blatt spielen, oder sich wenigstens ab und zu blicklich vergewissern, daß das Publikum noch da ist? ;-)

Ok sicher etwas überspitzt formuliert, es ist nicht jeder Musiker auch Entertainer, der sein Publikum auch mit seiner Person einnehmen möchte.
Klar, in einem Orchester kann nicht jeder wild seinen Körper mit der Musik mitschwingen lassen. Das sähe wohl auch sehr putzig aus.

Aaaber ab und zu mal zeigen, daß einem die Anwesenheit des Publikums auch wichtig ist, das wär schon mein Wunsch.

Diese Beschreibung bezieht sich natürlich nicht auf alle Orchester, und natürlich nicht ausschließlich auf Akkordeonorchester, die ich bisher erlebt habe, aber es ist leider auch keine seltene Erfahrung.

Dies ist meine persönliche Wahrnehmung, mit der ich niemanden beleidigen oder ärgern wollte.
Klar habe ich Verständnis dafür, daß sich der Musiker auf seine Noten konzentrieren muß, wenn er das Stück nicht auswendig kann.
Es ging in der Fragestellung ja ausschließlich darum, was am A-orchester stört.
Meine Eindrücke sind ausschlielich aus meiner Sicht als Zuhörer/Zuschauer.

Gruß Sobby
 
Besonders treffend finde ich im ganzen Faden die Ausführungen von Balgseele.

dem schliesse ich mich an.


Aber eben habe ich folgendes im Radio gehoert, also zufaellig:
Stefan Hippe: "Eine Nacht in Castle Hill" (Nürnberger Akkordeonorchester Willi Münch: Irene Kauper-Meyer);
http://www.br.de/radio/bayern2/programmkalender/sendung612568.html
Das hat sich gar nicht nachdem angehoert, was ich bisher von Akkordeonorchestern gehoert habe - das war ziemlich toll

Viele Gruesse
Sylvia
 
leider kann man unter dem Link nur nachlesen, aber nicht nachhören. Und bei meiner Suche im Netz habe ich auch nichts zum anhören gefunden. So kann ich mir leider kein Bild davon machen, warum Du das toll findest.
Es gibt aber auch von Akkordeonorchestern sicherlich gute und schön zu hörende Musik. Wobei "gut" und "schön" nicht unbedingt identisch sein muß. Ich habe, obwohl ich eingefleischter Solist bin, da immer wieder gutes gehört, bei dem ich mir vorstellen konnte mit Freude mit zu spielen.

Gruß
Reini2
 
Was stört mich an Akkordoenorchestern?

Solange ich nicht hingehen oder mitmachen muss gar nichts.

Meine frühere Orchestererfahrung hat sich auf mein heutiges wirken nicht nachhaltig ausgewirkt. Ich möchte heute lieber Solo, oder als Ensemble/Combo mit wenigen und am liebsten anderen Instrumenten zusammen Musik machen. Trotzdem gehe ich immer wieder mal zu einer Aufführung eines Akko-Orchesters um mir deren Musik anzuhören - Warum auch nicht. Da gibts wirklich interessante und tolle Musik, aber ganz klar auch welche, bei der s mir die Zehennägel aufrollt.

Der Vorteil für mich (den ich auch durchaus aktiv ausnnutze): Ich kann hingehen und mir das anhören, muss aber nicht! Die Wahl bleibt also bei mir und drum stört mich das auch nicht weiter.;)

Wie weiter vorne im Faden schon mehrfach angesprochen, gibt es genügend Gründe, in einem Orchester mitzuwirken. Und sei es nur aus Gründen der Geselligkeit. Warum auch nicht?

Ich fühle mich nicht als sooo großer Musiker, dass ich mir zutraue, über den Musikgeschmack und was zulässig ist zu urteilen. Das überlasse ich lieber jedem selber. Und wer sich über Orchester aufregen möchte - bitte: das darf auch jeder für sich. Solange man mich nicht mitaufregen tut, steht das auch jedem frei. (sind schließlich dessen Nerven und nicht meine, die strapaziert werden):)

Gruß, maxito
 
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Hi maxito, kann mich Deiner Meinung nur anschliessen. Habe selbst 30 Jahre im Orchester mitgewirkt.Was die Zehennägel betrifft, haben wir auch solche Titel spielen müssen.Das ist nicht nur für die Zuhöhrer eine Belastung. Allerdings muß ich zu " sobbys" Beitrag sagen , das er vom Orchesterspiel keine Ahnung hat. Das betrifft nicht nur die Akkordeonspieler ,sondern auch alle anderen. Wenn die auf der Bühne sitzen und in die Runde schauen wird der Dirigent sie sofort abservieren.Sicher gibt es auch welche die sich hinter dem Pult verstecken. Noten sind nun einmal da um gelesen und gespielt zu werden egal in welchem Orchester man mitwirkt. Guß vogt
 
aus der Sicht des Zuhörers,-schauers muß man nicht zwangsläufig Ahnung vom Orchester haben, es ging mir um meine rein subjektive Sicht von der Zuschauerbank, Vogt.
Sobby
 
Hi sobby, ist schon ok.!
 
Vielleicht auch eine Themaverfehlung, aber ich versuche mal mit Euch laut darüber nachzudenken, warum wir diese ständigen Akkordeonmusik/Orchester-Konflkte haben.

In unserem Kulturkreis, haben fast alle ein Sinfonieorchester im Ohr. Ein Profigeiger, lächelt und bleibt ganz ruhig, wenn er dieses im Video mit Geige bestückt gesehen und gehört hätte. Er weiß, keiner der im Publikum sitzenden Zuhörer würde nach diesem Konzert - in den Ohren mancher, mag es ja sogar gut geklungen haben - jemals daran zweifeln, dass ein gut ausgebildeter Violinist nicht meisterliches auf seinem Instrument zu leisten vermag.

Übertragen wir das jetzt mal auf das Akkordeon. Der Profiakkordionist mag auch lächeln, bleibt aber aus guter Erfahrung nicht so ruhig. Er weiß sein Instrument hat eine nicht ganz so positivie Reputation, wie eine Violine, und nun werden sich mal wieder etliche der Zuhörer - in deren Ohren es nicht ganz so gut geklungen hat - in ihren bereit eingeprägten Voruteilen bestätigt fühlen. Sie kennen ja nichts anderes vom Akkordeon. Und genau das ärgert den gut ausgebildeten Akkordionisten, da man nun davon ausgeht, niemals etwas meisterliches leisten zu können, weil das Instrument ja schon irgendwie Sch.... tut. Auch seine Chancen potentielle Konzertbesucher, die evtl. auch im Publikum saßen, in ein angenommenes, zu bezahlendes Konzert von und mit ihm zu bekommen, sind nun deutlich gesunken. Daher verdient er i.d.R. auch viel weniger als sein Geige spielendes Pendant.

Das ist meiner Meinung das Problem und Grund vieler fruchtoser Diskussionen. Wichtig: Ich glaube niemand mißgönnt anderen den Spaß an der (Akkordeon-)Musik!

Aber, der Ruf des Intruments muss verbessert werden und dem kann man nur begegnen, in dem sich nicht vergräbt. Hier kommt endlich der Bezug zum Thema: Nicht alleine mit anderen Akkordeonisten in einem monochromatischen Orchester sitzen (Vergleich: 10 1. Stimmen-Klarinetten, 10 2. Stimmen-Klarinetten, 6 3. Stimmen-Klarinetten, 5 4. Stimmen-Klarinetten, zwei Bassklarinetten - elektrisch verstärkt - und eine sogenannte Harmnette, elektrisch verstärkt, die bei Betätigung der Klappen via Midi, den fehlenden Geigensound erzeugt, ... und man gibt den Soundtrack aus Fluch der Karibik was für ein Alptraum für Nichtklarinettenspieler ;-), sondern, ja, genau, zusammen mit anderen Instrumenten Musik machen. Ein Akkordeon ist ähnlich dominant wie ein Klavier, nur selten braucht man in einer Gruppe mehr als eines.

Ihr habt es alle selber in der Hand, spielt endlich mit anderen Instrumenten zusammen und nicht mit Euch selbst! Richard Galliano ist zu wenig, es braucht endlich mehr Leuchttürme, die auch außerhalb unseres Akkordeonfeuchtbiotops wahrgenommen werden. Niemand will unser Instrument lernen, wenn er nichts ge..es gehört hat. Warum wollen denn alle Kids, Gitarre und nicht Akkordeon lernen?

Viele Grüße
AkkordeonTom

PS: Blockflöten haben eine ähnliches Problem, sie werden wie Akkordeon im Rudel (=Orchester) dargeboten, oft in ähnlich schauriger Qualität, und erreichen damit mit dem Akkordeon vergleichbare Beliebtheitswerte in der Bevölkerung und auch leider eine schlechte Reputation.
 
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Beipflicht.

Aber erklär mal bitte, wie man zu einem Leuchtturm wie Galliano wird!
Es gibt einige, die sehr wohl aus dem Akkordeon-Mußtopf heraus getreten sind (obwohl es darin sehr gemütlich ist).
Sie sind trotzdem keine Leuchttürme wie er.

Gitarre ist meiner Meinung nach übrigens auch nicht mehr so begehrt. Heute rapt man lieber zu vorproduzierten Loops.

Ich kann Dir ganz schnell auch Gegenbeispiele bringen:
Motion Trio ist z.B. ein Zugpferd. Ein gutes Akkordeonorchester in meinem Einzugsgebiet hat mir auch schon Schüler beschert.
Ich traf einige Dirigenten, die mir von beeindruckt von Russen in U Bahn Schächten oder von Akkordeonorchestern erzählten.
 
Hallo zusammen,

zum Thema des Fadens: mich stört an Akkordeon-Orchestern der schlimme Frequenzbrei. Wer um Himmels Willen käme denn auf die Idee, ein Klavierorchester oder ein Harmoniumorchester zu bilden. Mit dem Akkordeon wird das zwanghaft gemacht, vielleicht weil es so leicht transportierbar ist oder weil es eine von Matthias Hohner, als geschickter Marketing-Schachzug vorgeschlagen und gefördert, begründete Tradition wurde. Aber wenn es um Orchestermusik geht, die vom interessanten Zusammenwirken unterschiedlicher Klänge lebt, was die großen Komponisten auch genial ausgenützt haben, dann kann ein Akkordeon-Orchester vom Klangerlebnis her gesehen niemals mithalten. Daher kann ich diejenigen sehr gut verstehen, denen Akkordeon-Orchester keinen musikalischen Genuss bereiten und deshalb wegbleiben oder sich Nase-rümpfend abwenden. Im Übrigen wird im Akkordeon-Orchester ja nur das halbe Instrument eingesetzt, plakativ gesagt, ein Akkordeon-Orchester zelebriert das Zusammenspiel teilamputierter Instrumente.

Ich will damit aber keineswegs sagen, dass Akkordeon-Orchester nicht anspruchsvolle und interessante Musik machen könnten, ganz im Gegenteil. Desweiteren will ich die soziale Funktion eines Akkordeon-Orchesters insbesondere für Amateurspieler nicht in Abrede stellen, ebensowenig die Erziehungsfunktion zur Musik für Kinder und Jugendliche.

Das Akkordeon und das Klavier und einige wenige andere Instrumente sind eben Solo-Instrumente, die sich selbst begleiten können. Und daher sollte man sie auch als solche einsetzen. Für mich ist das maximal Erträgliche ein Akkordeon-Duo.

Der von AkkordeonTom vorgeschlagene alternative Weg ist der richtige: Akkordeon + andere(!) Instrumente, genau wie beim Klavier. Einige Solisten machen das so, z.B. Galliano, Patkovic, u.a., und haben damit eine wichtige und anerkannte Leuchtturmfunktion. Und als Teil einer Jazz-Combo wird das Akkordeon selbstverständlich eingesetzt, dabei aber stets im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten.

Meine Botschaft ist: Wir können das Image des Akkordeons nur dadurch voranbringen, indem wir es als reines Solo-Instrument oder als Akkordeon-Duo oder als Solo-Instrument im Zusammenspiel mit anderen Nicht-Akkordeon-Instrumenten pflegen. Akkordeon-Orchester werden meiner Meinung nach nichts zur Image-Pflege beitragen.

Übrigens habe ich neulich von morigol gelernt, dass der Begriff Akkordeon-Orchster eigentlich falsch ist. Laut Brockhaus ist nämlich ein Orchester immer das Zusammenspiel von Musikinstrumenten, in denen auf unterschiedliche Weise die Tonerzeugung stattfindet. Bei gleichartiger Tonerzeugung müsste man nach Brockhaus von einem "Chor" sprechen, Beispiel Posaunenchor, Streicherchor, Flötenchor. Richtig müsste es also Akkordeon-Chor und nicht Akkordeon-Orchester heißen. Aber das werden wir wohl nicht mehr ändern. Jede Regel darf eben auch ihre Ausnahme haben.

Eine andere Frage ist, ob einem der Klang des (einzelnen) Akkordeons gefällt oder auch nicht. Ich als Akkordeonist habe dazu ein entspanntes Verhältnis. Ich kenne viele, die z.B. Geige nicht mögen, insbesondere dann, wenn sie von nicht-Könnern bedient werden. Man darf sich nicht auf das Glatteis des falschen Vergleichs locken lassen, nämlich Unter-Durchschnitts- oder Durchschnitts-Akkordeonisten mit Geigen- oder Klaviersolisten vergleichen. Vergleichen wir doch Spitzen-Akkordeonisten mit Spitzen-Geigern oder -Trompetern, dann sieht das musikalische Urteil gleich ganz anders aus. Aber dieser letzte Absatz ist wohl off topic.

Viele Grüße

morino47
 
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Beipflicht.

Aber erklär mal bitte, wie man zu einem Leuchtturm wie Galliano wird!

Wie er das gemacht hat? Keine Ahnung?

Warum ich ihn als Leuchtturm bezeichne? Ganz einfach, ihn kennen auch musikinteressierte Menschen, die keinen direkten Bezug zum Instrument haben, sondern einfach nur gute Musik hören wollen. Der gute Gary Burton, der zusammen mit Chick gross geworden ist hat, mit Galliano wunderbare Musik aufgenommen, mit der ich schon eingefleischte Akkordeonfeinde zum Grübeln gebracht habe. :rolleyes:

Das Konzert von Galliano letztes Jahr in München, mit lausigen 800 Plätzen, war schneller ausverkauft als ich "Ich hätte gerne ein Karte ..." sagen konnte. Musste mir kriminalistisch und Mühen über einen ostdeutschen Kartenvertrieb zwei Restkarten beschaffen.
Die Stunde vor dem Konzert, war so eine Eventgeschichte mit Musikstudenten im Lounge-/Barstil. Die habe ich dann fleißig genutzt, alle möglichen auch wildfremde Leute zu questionieren, ob sie Akkordeon spielen. Da waren verdammt viele dabei, die sagten, Nein, aber mit gefällt Gallianos Musik.

Also deshalb Leuchtturm, weil er als positiver Botschafter über unser Biotop hinaus fungiert und er durfte nach Burghausen, das macht jemanden schon bekannter.

Einschub: Anzellotti, der hat 2012 (oder 2011?, egal) sogar einen Echo bekommen für seine geniale Goldberg-Einspielung. Da bin ich den ganzen Abend Stolz vor dem Fernseh gesessen und was haben sie gebracht, zum hundertsten Mal den Herrn Villazon, der durfte natürlich live auf die Bühne und ein paar Video-Einspielungen von irgendwelchen, Just-another-very-good-guitar-players. Nichts, kein Anzellotti, ich bin dann stinksauer ins Bett, hab meinen Abend mit Gottschalks Modaration vertan, kein Akkordeon-Leuchtturm Beitrag im deutschen Fernsehen zur besten Sendezeit. Die Redakteuer der Sendung hatten großes Glück, dass sie nicht in meiner Nähe waren.

Das mit den Gegenbeispielen stimmt schon, kenne ich auch so, denke es wird ja langsam besser, aber es ist noch ein weiter Weg, siehe "Einschub" und die Sorge, dass wir Akkordieonistas vorher aussterben ist nicht unbegründet.
 
Ihr habt es alle selber in der Hand, spielt endlich mit anderen Instrumenten zusammen und nicht mit Euch selbst!

Hallo AkkordeonTom,

das ist genau meine Meinung.

Wenn man ein klassisches Orchester mit einer Jazz-Combo vergleicht, wird man im Fall des Orchesters den Zuhörer fragen "Was wurde gespielt?". Im Fall der Jazz-Band wird man immer die Frage stellen "Wer hat gespielt?". Meiner Meinung nach ist das Akkordeon viel stärker ein Instrument, das das "Wer" in den Vordergrund stellt. Das Akkordeon ist hierbei ein maßgeblicher Ausschnitt aus einer Combo. Damit meine ich, dass es weiterer Instrumente bedarf, einen für mein Gefühl "vollständigen", musikalischen Gesamtklangkörper zu erreichen. In der minimalen Ausprägung ist dies die Ergänzung um ein einfaches Percussions-Instrument - in einer weiterführenden Ausprägung eben Gitarre, Bass, Schlagzeug etc.. Alternativ ist natürlich die Verwendung eines Akkordeons als Begleitinstrument zur Ergänzung anderer Instrumente ein dem Instrument würdiger Verwendungszweck. Hier wäre dies im einfachsten Fall die Stimme / Gesang und/oder auch alle möglichen Blasinstrumente. Beide Arten der Verwendung überschneiden sich in fast beliibiger Weise.

Das Zusammenfügen vieler Akkordeons in ein Orchester empfinde ich als musikalischen Irrweg.

Viele Grüße

suxeed-Jo
 
Lieber AkkordeonTom und suxeedJo,

Oh Gott, ich komme mir immer vor wie ein Querulant. Seid versichert, ich bin vollkommen bei Euch was das eigentliche Thema betrifft!
Trotzdem muss ich nochmal nachhaken.

Wie Galliano zum Leuchtturm geworden ist, weiß man ja eigentlich und warum er im Zusammenhang des Themas ein Leuchtturm ist, ist auch völlig klar gewesen. Trotzdem vielen Dank für Deine Erklärungen.

Nur hieß es in Deinem ersten Post (AkkordeonTom):

"Ihr habt es alle selber in der Hand, spielt endlich mit anderen Instrumenten zusammen und nicht mit Euch selbst! Richard Galliano ist zu wenig, es braucht endlich mehr Leuchttürme, die auch außerhalb unseres Akkordeonfeuchtbiotops wahrgenommen werden. Niemand will unser Instrument lernen, wenn er nichts ge..es gehört hat. Warum wollen denn alle Kids, Gitarre und nicht Akkordeon lernen?"



Das ist doch eine Aufforderung gewesen - oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Hast Du eine Vision, wie das jetzt aktuell gehen könnte?

Ich meine - schau Dir die Links im Forum an, da ist ziemlich viel super Zeug dabei, die sehr wohl mit anderen Instrumenten spielen.
Quadro Nuevo, Manfred Leuchter, Tobias Morgenstern, Maria Kalaniemi, Kimmo Pojohnen, Otto Lechner und und und - mein Regal bricht fast zusammen unter den fast 1000 Cds mit Akkordeon. Da ist kaum ein Akkordeonorchester dabei.
Es gibt sogar viele hier im Forum, die in gemischten Ensembles spielen und sogar richtig auftreten!
Warum werden die oben genannten so viel weniger wahrgenommen? Ich habe NICHT das Gefühl, dass es an Ideen und Quantität mangelt, das Akkordeon in verschiedenen Besetzungen einzubinden. Der Markt ist voll davon. Warum schaffen die es nicht wie Galliano?
(Zeitgeist? Qualität? Ein Star reicht den Veranstaltern? Seilschaften?)

Sag mir, was es noch nicht gibt! Und sag mir vor allen Dingen, woran es den bestehenden Mischbesetzungen fehlt um an die Spitze zu kommen?
Wir finden das Akko doch überall! Neue Musik, Tango, Musette, Jazz, in fast jeder Volksmusik, sogar in Libanon mit Vierteltönen, in Elektronik, manchmal auch im Club bei Dubstep, Heavy Metal hatten wir neulich, Klezmer, Balkan ... hör auf - es gibt alles - und oft richtig richtig gut!

Du hast völlig recht - wir bräuchten Stars, Akkordeonstars wie David Garrett, der aber leider (oder gott sei Dank?) Geige spielt.
Aber ist das nicht ein bischen viel verlangt? Wenn nicht - dann sag bitte wie man das macht!

Anderes Argument: Das Akkordeon ist vom Konzept her ein Solo Instrument, es hat Tasten oder Knöpfe für Melodien und Bässe sowie Akkorde zur Begleitung. (Ja ja - es hat auch Einzeltöne links - schon klar)
Sobald Du das in eine Band mit anderen Instrumenten einbindest, bekommt besonders die linke Hand eine andere Rolle. Wenn Du begleitende Instrumente findest, wie Bass und Schlagzeug, womöglich noch eine Gitarre, dann kannst Du die Linke in dem Zusammenhang genauso zu hause lassen, wie im Akkordeon Orchester.
Siehe Galliano oder die vielen Franzosen im Nachbarfaden. Die Bässe werden dann nur noch zum "Luft lassen" missbraucht damit man rechts bequemer frech schreien kann.

Im Übrigen befindet sich zumindest die Gitarre in einer ähnlichen Lage. Sie kann auch sowohl Solo als auch begleitend funktionieren. Warum soll sich die Gitarre in den Dienst stellen? Also wird dort auch eine Rivalisierung einsetzen und am Ende hast Du bestenfalls eine demokratische Band mit mehreren Solisten. Worauf ihr aber hinaus wollt, wäre eine Akkordeon Monarchie in der Band.

Wenn Du Dir einen Sänger oder einen Bläser holst, spielst Du Dir für die anderen Solisten den Ar... ab. Wenn diese dann aber pausieren (müssen ja schließlich mal Luft holen - sieht auch jeder ein), wirst Du allein gelassen und der Sound sowie die Energie "kackt ab".

Der Vorteil in monochromatischen Ensembles ist die Möglichkeit der demokratische Rollenverteilung zwischen den Spielern. Bitte mal einen Geiger, den Bass und die Akkorde zu übernehmen...
D.h. Du hast gewaltige Herausforderungen an das Arrangement und an die Virtuosität, wenn Du die Standard - Rollenspiele aufweichen willst. Oder Du löst es technisch.
Bobby Mc Ferrin ist natürlich ein gutes Gegenbeispiel. Schick mir solche Typen mal vorbei, ich spiele gern mit!!

Irgendwie scheint es erfahrungsgemäß gerade interessant, wenn man mit einem Werkzeug Dinge tut für die es NICHT vorgesehen ist. (Renaud Garcia-Fons zB ist interessanter als Jean Louis Matinier, weil er mit seinem Bass praktisch auch alles allein machen kann, vom Akkordeon kennt man das schon) Allerdings verschiebt man sein Konzept damit in Richtung Freakshow und wir suchen ja Mainstream - wenn ich es richtig verstanden habe.

Sorry Jungs, mein Aufsatz ist noch ungefähr zwei mal so lang. Aber ich beende an der Stelle mal meine Einwände und hoffe, dass ihr Euch wieder zu Wort meldet.

(Wil - gegebenenfalls auslagern ... Ich finde übrigens, dass ihr Mods einen echt guten Job macht! Danke!)
 
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Warum werden die oben genannten so viel weniger wahrgenommen?
Das ist denke ich das generelle Problem, dass es hat irgendwelche Superstars gibt und andererseits gute Musiker, die in irgendwelchen Kulturkellern spielen aber wo man eben nur hingeht, wenn man sie kennt. Wer rauskriegt, wie man diese zu Stars oder Superstars macht, der hat ausgesorgt.

Warum Akkordeonorchester mehr wahrgenommen werden als kleine Ensembles: Das Orchester ist meistens ein örtlicher Verein. Genauso wie das Blasorchester oder der Kirchenchor. Die kenne ich, weil ich generell die örtlichen Vereine kenne und weil die öfters mal im Ort in Erscheinung treten. Und weil ich Leute persönlich kenne, die da mitmachen.
Das ist also auch kein Problem speziell von Akkordeonisten, sondern das generelle Problem von kleinen Ensembles und Solisten, die keine Stars sind.
 
Ja das sind generelle Probleme. Trotzdem müssen wir uns darum kümmern.
Ich meinte auch nicht, dass die AOs besser wahrgenommen werden. Das ist ja garnicht so, die agieren lokal, wie Du schon sagtest.

Wenn wir nach Bekanntheit mit Niveau streben, spielt es meiner Meinung nach keine Rolle, wer oder was das ist. Ein Solist, ein gemischte Band, oder zwei Solisten, die ebenbürtig sind, oder ein Akkordeonquartett. Völlig Wurst. Das Niveau muss stimmen und der Impact muss da sein. Und dazu gehört eben eine ganze Menge, was überhaupt nicht allein vom Musiker abhängt.
 
Hallo Klangbutter!

Du gehst von der Annahme aus, dass ein guter Musiker automatisch auch ein erfolgreicher sein kann.
Ich denke manchmal, das ist eher "umgekehrt"! (...)

Mir scheint es viel wichtiger zu sein, dass das Nicht-Fach-Publikum den Künstler liebt - und das kann man nicht irgendwo "lernen", weil der Musiker sich selbst auf der Bühne repräsentiert und (im optimalen Fall) etwas von seinem Innersten sichtbar macht.
Galliano ist ein gutes Beispiel für meine These, denn er weiß mit Sicherheit genau, dass es bessere "Akkordeonisten" als ihn gibt. Es gibt aber nur einen "Leuchtturm". Und der kommt sogar noch auf Youtube (in miesester technischer Qualität) beim unbedarften Zuhörer an... Wenn es m.E. also irgend ein "Geheimnis" gibt, dann ist es Authentizität.

VLG
Accord
 
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