Was stört euch an Akkordeon Orchestern?!

  • Ersteller Don_Tommi
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Na, das ist doch schön für euch. Ich finde es wirklich gut, dass ihr mit eurem Ensemble so viele Leute begeistern könnt und es den Zuhörern gefällt. Das meine ich ernst. Nur leider deckt sich das eben nicht mit meinen Erfahrungen, die ich in der Vergangenheit gemacht habe. Und wenn ich dann entsprechende Erfahrungen mit schief singenden Männer- und auch Frauengesangsvereinen gemacht habe, sei es mir bitte verziehen, wenn ich das hier als "unheilvolle Kombination" bezeichnen muss.

Ich würde auch nicht sagen, dass hier Akkordeonorchester schlecht geredet werden, es gibt hier halt Leute, denen gefällt es, während es anderen eben nicht so sehr mögen und beide Seiten haben hier die Möglichkeit, ihre Ansichten vorzutragen. Und es ist nunmal nicht jedermanns Sache, in einem Orchester mit 30 Mitspielern mitzuwirken und der Klang von Elektronien gefällt auch nicht unbedingt jedem. Mir hat es im Orchester eben nicht gefallen und ich konnte mich auch nicht wirklich motivieren, weil es halt nicht mein Ding war und mich selbst das Resultat nicht begeistert hat.

Natürlich gibt es Akkordeonorchester, die auf hohem Niveau spielen, ob einem aber der Gesamtklang eines Akkordeonorchesters gefällt, ist doch letztendlich Geschmackssache.

Wem das Spielen im Orchester Spaß macht, der soll es doch ruhig machen und wer das Glück hat, in einem Orchester zu spielen, wo hinterher ein gutes Ergebnis herumkommt - um so besser! Ich persönlich kann mich aber nicht dafür begeistern.
 
Wir drehen uns im Kreis. Musik soll jeder spielen wir er mag, klar.

Natürlich gibt es gute und schlechte Chöre, gute und schlechte Streichquartette, gute und schlechte Rockbands, gute und schlechte ...

Das Problem ist und bleibt, wie ich es schon versucht habe auszuführen, folgendes:

99% der Menschen haben im Vergleich zu den schlechte Chören, den schlechte Streichquartetten, den schlechte Rockbands, den schlechten ... auch mindestens schon mal einen guten Chor, ein gutes Streichquartett, eine gute Rockband, eine gute ... gehört.

Nur 10% der Menschen haben im Vergleich zu schlechten Akkordeonorchester auch schon mal ein gutes Akkordeonorchester gehört. Und bei guten AO gilt, gut hat nicht immer mit Artistik zu tun. Ich habe Akkordeonorchester gehört, die schwerste Stücke virtuos gemeistert haben, aber es nicht zum anhören war. Da plärrte irgendwo ein überlautes und penetrantes Elektronium, der gesamt Klang war trotz fehlfreiem Spiel manchmal krude und der hochdynmische und gut gemeinte Vortrag erzeugte Dezibel-Spitzen, die eher meinen angeborenen Fluchtinstinkt aktivierten. Für den Nicht-Akkordeonisten klingt auch so ein AO schlecht, es tut mir immer sehr leid für die vielen hochbegabten beteiligten Akkordionisten, aber es ist so.

Auch als Akkordionist kenne ich persönlich keine AO-Aufnahme, die ich abends im Wohnzimmer anhören würde, wenn ich entspannen und Musik geniesen will. Ja, ich habe die A-Train-AO-CD es ist nett und bemüht, aber vergleicht das bitte niemals mit der Chrsitan McBride Big Band. (Anmerkung, die Wiener-Phillharmoniker haben auch noch nie probiert, wie eine Bigband zu klingen, wozu auch)
Also, abends im WZ, wenn ich entspannen will, höre ich mir, wenn ich Lust auf Akkordeonmusik habe´, lieber Galliano mit Band, Marocco mit Band, Luso Tango Quinteto, ... an.

Da ich ein sehr durchschnittlicher Mensch bin und feststellen muss, dass mir sehr oft das gefällt, was auch gerade die Mehrheit als angesagt ansieht, nun meine weitere Argumentation:

Die Mehrheit der Menschen schließt leider fast immer erst mal von der Wirkung auf die Ursache. Daher muss das dann ja wohl alles am Instrument liegen. Vor allem, wenn man so häufig schlecht gemachtes Akkordeon hört. Beim Feuerwehrfest, bei der Oma im Altenheim, in der Fußgängerzone …

Klar, dass wer hier im Forum schreibt auch A-Referenzen benennen kann. Das hilft aber nicht aus dem Dilemma. Solange das Akkordeon noch so schlecht gelitten ist, so wenig angekommen ist, so oft belächelt wird, wir alle irgendwie auch immer Botschafter sind, ob wir das wollen oder nicht.

Daher die Diskussion und daher schreibe ich hier und darum bitte ich Euch darüber nachzudenken.

PS: Bevor es wieder heißt ich kann aber keine A7(#9)-Akkord spielen. Ich kenne eine sehr gute Musikpädagogin (nicht Akkordeon, leider), die vor ihrem Ruhestand an der Hochschule München gelehrt und viele weithin anerkannte Profis ausgebildet hat. Sie sagt immer, Qualität im Amateurbereich hat nichts mit schweren und supervirtuosen Stücken zu tun. Man sollte lieber etwas leichtere Stücke als man glaubt zu können, dann aber richtig ausgearbeitet und dafür schön spielen. Das wäre Qualität. Man kann sich davon bei ihren Schülerkonzerten, sie kanns nicht lassen, in beeindruckender Weise überzeugen und Sie unterrichtet jeden der bei ihr mag.
 
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Hallo Tom,

Auch wenn ich dich nerve - da würde ich doch gern noch etwas zu sagen.

Du beschreibst das Problem - in dessen Definition wir gar weit auseinander liegen. (Was du dann noch schreibest - so nach dem Motto auch das, was mir als gut angeboten wird, ist eigentlich doch schlecht, weil... kannst du selbstverständlich so sehen. Es ist aber eben nur eine - deine - Sichtweise.)
Das Problem ist und bleibt, wie ich es schon versucht habe auszuführen, folgendes:

99% der Menschen haben im Vergleich zu den schlechte Chören, den schlechte Streichquartetten, den schlechte Rockbands, den schlechten ... auch mindestens schon mal einen guten Chor, ein gutes Streichquartett, eine gute Rockband, eine gute ... gehört.
.....
Da ich ein sehr durchschnittlicher Mensch bin und feststellen muss, dass mir sehr oft das gefällt, was auch gerade die Mehrheit als angesagt ansieht, nun meine weitere Argumentation:

Die Mehrheit der Menschen schließt leider fast immer erst mal von der Wirkung auf die Ursache. Daher muss das dann ja wohl alles am Instrument liegen. Vor allem, wenn man so häufig schlecht gemachtes Akkordeon hört. Beim Feuerwehrfest, bei der Oma im Altenheim, in der Fußgängerzone …

Eine Lösung hast du auch:
Daher die Diskussion und daher schreibe ich hier und darum bitte ich Euch darüber nachzudenken.

PS: Bevor es wieder heißt ich kann aber keine A7(#9)-Akkord spielen. Ich kenne eine sehr gute Musikpädagogin (nicht Akkordeon, leider), die vor ihrem Ruhestand an der Hochschule München gelehrt und viele weithin anerkannte Profis ausgebildet hat. Sie sagt immer, Qualität im Amateurbereich hat nichts mit schweren und supervirtuosen Stücken zu tun. Man sollte lieber etwas leichtere Stücke als man glaubt zu können, dann aber richtig ausgearbeitet und dafür schön spielen. Das wäre Qualität. Man kann sich davon bei ihren Schülerkonzerten, sie kanns nicht lassen, in beeindruckender Weise überzeugen und Sie unterrichtet jeden der bei ihr mag.

Das heißt dann: Leute, merkt endlich, dass Orchester nicht gut klingen können und lernt endlich mal richtig spielen. Und "richtig spielen" ist nur allein oder höchstens mit anderen Instrumenten und möglichst frei. Du verbindest das mit der richtigen Ausssage, dass Qualität nichts mit "superschwer" sondern mit schönspielen zu tun hat und sprichst allen Orchesterspielern indirekt dadurch ab, dass sie sich genau darum bemühen.

Dadurch ist mir klarer geworden, warum Akkordeon in naher Zukunft nicht mit größerer Akzeptanz rechnen kann - auch nicht, wenn es als Einzelinstrument in Bands auftaucht und dort auf neue Zuhörer trifft. (Zu den Solokonzerten richtig guter Könner z.B. aus Russland, aber auch von hier gehen nämlich auch höchstens Insider). Wie soll sich Akzeptanz von "außen" ergeben, wenn Akkordeonisten wie du sich von so gut wie jeder Art von Akkordeonmusik abgrenzen? Wer soll sich denn unbefangen auf Akkordeonmusik einlassen, wenn ihm ein "Fachmann" schon von vornherein bestätigt, dass fast alles " auch meinen Fluchtinstinkt erregt und das bessere halt bemüht ist" (A-Train)?

Es wird immer Menschen geben, die den Klang nicht mögen. es wird immer unterschiedliche Geschmäcker bei der Musikrichtung geben. Nicht jeder möchte Akkordeon+Zither+Hackbrett darbieten und hören, noch weniger Hippes Experimentiermusik. Klassik auf dem Akkordeon wird auch immer unterschiedliche Reaktionen hervorrufen.

Aber es muss doch möglich sein, wenigstens untereinander anzuerkennen, dass es in jedem Bereich gute und schlechte Darbietungen gibt - egal ob als Solo- oder Orchesterinstrument. Und es muss möglich sein, das genau so mit Anerkennung für das "Spielfeld" anderer zu sagen, damit Zuhörer sich ihrer eigene Meinung bilden und nicht von vornherein durch das "Wissen" des Insiders abgehalten werden. Bei keinem anderen Instrument schlagen sich die Spieler ihre persönlichen Meinungen so gnadenlos um die Ohren. Kannst du dir z.B. einen Pianisten vorstellen, der sagt: ins Kaffee mit Kaffeehausmusik braucht ihr gar nicht zu gehen - das Klaviergedudel - schrecklich! Dein Argument, das Menschen über das Klavier ja wissen, dass es so oder so gespielt werden kann, wohingegen Akkordeon... betont das eher: umso wichtiger finde ich es, auch für (Akkordeon)musikformen zu werben, die ich persönlich nicht so gern mag (für mich vielleicht Hackbrett oder auch Musette) und darzustellen, dass sich gerade im Akkordeonbereich vieles im Umbruch befindet und es in jedem Musikgenre inzwischen auch Gutes zu hören gibt. (Leider auch in jedem Genre - nicht nur bei Orchestern weniger Gutes)

Ich schrieb schon mal, dass ich eine zeitlang bei der Bigband meines Betriebes mitgemacht habe. Die wurde von einem Vorstandsmitglied unterstützt und hatte dementsprechend Mittel zum Zukauf guter Musiker zu Verfügung. So kam es, dass Mitglieder der NDR Bigband ausgeholfen haben. Ich hatte dadurch das Vergnügen Ladi Geisler kennenzulernen, der öfter dabei war - aber eben zusammen mit blutigen Hobbymusikern. Nach einem Auftritt haben wir ihn mal gefragt, wie er es denn fand. Seine Antwort: "Ganz angenehm". Sicher hatte er andere Standards im Ohr, sicher hätte die gesamte NDR-Bigband mehr geswingt, aber er konnte anerkennen, dass alle ihr bestes gegeben hatten und aktiv waren und hat uns nicht nur des Geldes wegen weiter unterstützt. Und nun lese noch einmal deinen Kommentar zu A-Train, der mich gern einmal hören lassen würde, was du mit deinen Mitspielern für Musik machst.

AkkordeonTom schrieb:
Solange das Akkordeon noch so schlecht gelitten ist, so wenig angekommen ist, so oft belächelt wird, wir alle irgendwie auch immer Botschafter sind, ob wir das wollen oder nicht.

Dieser Satz von dir gefällt mir sehr gut und ist eigentlich ein schöner Schlusssatz. Ich möchte hinzufügen: Fangen wir damit an, dass wir uns selbst nicht gegenseitig belächeln.

Grüße

bemolle
 
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... dass wir uns selbst nicht gegenseitig belächeln.

Hallo Bemolle,

ich hatte AkkordeonTom nicht so verstanden, dass er irgend jemanden belächelt. Er hat eben nur mehrmals mit teilweise wiederholten Gründen darauf verwiesen, dass er (wie auch andere) Akkordeon-Orchestermusik nicht mag und nicht hilfreich findet, wenn es um breitere Akzeptanz dieses Instruments geht.

Viele Grüße

morino47
 
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Wir drehen uns im Kreis. Musik soll jeder spielen wir er mag, klar.
Auch als Akkordionist kenne ich persönlich keine AO-Aufnahme, die ich abends im Wohnzimmer anhören würde, wenn ich entspannen und Musik geniesen will.

ja, das ist bei mir leider auch so, sehr schade.
Allerdings habe ich schon zweimal im Radio tolles Akkordeon gehoert. Aber wie es im Radio eben meistens ist: keine Ahnung von wem.
Und von Klangbutter gibt es durchaus sehr gute und geeignete Aufnahmen.

Gruss,
Sylvia
 
Unübliches Selbstzitat, aber zur Klarstellung:

Also klar formuliert: "was mich am AO stört, ist nicht das AO selbst, sondern wie wir es, auch offiziell in den Verbänden definieren, als Akkordeonchor, angereichert mit schlechten synthetischen Klängen. Ich fordere es, wie ein Symphonieorchester, mit anderen Instrumenten zu besetzen und dies auch offiziell zuzulassen."
 
ich sehe das problem darin, dass das akkordeon einfach unglaublich vielfältig ist.

im Orchester wird nun mal der bass nicht benötigt, weil das auf spezialisierte stimmen verteilt ist. Es gibt nur ganz wenige Stücke, wo als besonderer Effekt mal Bass zu spielen ist wie z.B. bei Nena-Irgenwo, irgendwann.

Als Soloinstrument gibt es kein anderes, was die Eigenschaften vereint: 'leicht transportabel', 'beweglich', 'laut', 'Melodie' und 'Begleitung'

Wenn nun ein Bereich dieses Tausendsasas nicht benötigt wird- wie im Akkordeonorchester, was ja eigentlich eher ein akkordeonchor ist, ist es doch auch gut.

Ich spiele fest in einem Orchester, in einem zweiten helfe ich momentan aus. Da die ganze AkkiOrchesterSzene aber im schwinden begriffen ist, wird sich wohl das 'Aushelfen' als ein Dauerjob auswachsen.

Was stört mich nun am Orchester?
Wie überall, wo mehrere Menschen längere Zeit miteinander zusammen sind, menschelt es auch in AkkiOrchestern. Das war auch der Grund, warum ich vor 25 Jahren erst mal mit dem Orchesterbetrieb, sowohl als Spieler als auch Dirigent aufgehört habe. Mittlerweile bin ich da älter und gelassener geworden.
Was stört sonst?
Natürlich gefallen mir nicht alle Stücke, die aufgelegt werden, natürlich bin ich mit verschiedenen Interpretationswünschen der Dirigenten nicht einverstanden, natürlich sind mir verschiedene Dinge im Probenablauf zuwider, aber das Resume ziehe ich ganz unten unter dem dicken Strich, und das fällt durchaus positiv aus.

Achso, wenn das Resume positiv ausfällt stellt sich doch die frage, was sind die positiven Aspekte!
Das wird hier in diesem Fred ja gar nicht betrachtet, es wird nur gefragt, was stört.

Da das ganze Akkordeon als seriöses Musikinstrument eher negativ besetzt ist, stellt sich ja auch die frage eher nach negativen Aspekten bei allem was dieses Instrument betrifft.
Stellen wir doch einmal heraus, was an AkkiOrchestern klasse ist!
Die Gemeinschaft,
Die Ausgewählte musik
Das Publikum,
Die Auftritte
Probenwochenenden
...

uff,
das hat jetzt gutgetan ;-)
morigol.
 
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Stellen wir doch einmal heraus, was an AkkiOrchestern klasse ist!
und nicht zu vergessen die Reisen.Ich war z.B. in den letzten Jahren mit dem Orchester in:

Italien, Österreich, Schweiz, Belgien, Holland, Tschechien, Polen und nächstes Jahr gehts ins United Kingdom.
 
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Bin jetzt zugegebenermaßen nicht so'n großer Fan von A.-Orchestern.

Aber, ich habe (allerdings vor langer Zeit) ein russisches Orchester live erlebt, das hat mich echt fasziniert. Die wahnsinnig präzise Spielweise hat's ausgemacht. Da ging absolut nichts durcheinander, die Stimmen waren sauberst getrennt und top arrangiert. Das macht Spaß! Aber da steckte auch ne Menge Arbeit drin und üben, üben, üben ...
 
.. das war höchstwahrscheinlich das "Pawel Swirnov Orchester", eine der wenigen die sich tatsächlich Akkordeonorchester nennen dürften.
Die spielen Schweres wie Leichtigkeiten und das mit ungeheurer Musikalität.
Komplettes Schlagwerk, Harfe, Pianist, Kontrabass, insgesammt sehr beeindruckend, da stört auch mich nix mehr :)

Bei youtube leider nur in mäsiger Qualität:
https://www.youtube.com/watch?v=mJeXR3xUVO0

Ergänzung: das hab ich noch gefunden
https://www.youtube.com/watch?v=eR4NxMBxdzM
https://www.youtube.com/watch?v=UeZF0W4ZRr0
Wow, die spielen anscheinend alles auswendig.
 
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Die spielen alles auswendig! Habe sie vor einigen Jahren live erlebt.
 
Bin mir nicht sicher, ob es dieses Orchester war, ist schon, na ja ca. 20 Jahre her. Ich meine aber, dass Schlagwerk, Harfe, usw. nicht dabei waren.

Ich glaube mich an die Anordnung: Frauen links mit Piano-Akkordeon und Männer rechts mit Knopfakkordeon zu erinnern. Der Dirigent (Piano-Akkordeon) hat dann noch ein irres Solo hingelegt. Die Eintrittskarte kostete nur 5,- DM, die Stadthalle war noch nicht einmal halb gefüllt, eine Schande!

Was die oben genannten Links zeigen ist absolute Klasse! Ich glaube, die Russen sind beim Üben beharrlich ohne Ende.
 
Wow, sind Akkordeonisten selbstkritisch! Ich war die wenigen Male, wo ich ein Akkordeonorchester gehört habe (Gemeinschaftskonzerte, an denen ich anderweitig mitgewirkt habe...) beeindruckt, wie vielfältig dieses Instrument ist und was man alles damit machen kann. Von wegen "Chor", die Stimmen haben durch die unterschiedlichen Register durchaus selbstständig gewirkt. Unser Kleinstadtverein hat aber auch schon in den 80ern die weniger ambitionierten Spieler als Schlagerorchester ausgegliedert (voll im kritisierten Klischee, aber die und ihr ungebildetes Ü60-Publikum haben Spaß dabei), der Rest (vielleicht 20 Spieler) ist vom spielerischen Niveau und der Stückauswahl definitiv jenseits des Blasorchesters oder gar des Gesangvereins. Zu Konzerten anderer Laienorchester gehe ich ehrlich gesagt auch nur, wenn ich jemanden kenne, denn qualitativ hochwertige Musik wird regelmäßig von Profis in der nächsten Großstadt geboten, weshalb sollte ich sie mir von Laien (egal in welcher Bearbeitung) antun? Das war vor 50 Jahren, als sich die Orchester gegründet haben, zumindest auf dem Land noch völlig anders, aber ist es denn so schlimm, wenn die Besucher kommen, um zu hören, was ihre Freunde für sie einstudiert haben? Wirklich grauenvolles kenne ich nur aus dem Chorbereich, und da lösen sich flächendeckend die "Gemischten Chöre" gerade durch Wegsterben der Mitglieder auf bzw. werden durch bessere jüngere Ensembles ohne jeglichen Bezug zum ursprünglichen Vereinschor ersetzt.
Zum Problem der schlechten Orchester, die den Ruf verderben: Sinfonieorchester haben das Problem nicht, die wenigen im Laienbereich, die es gibt, setzen mindestens 10 Jahre qualifizierten Unterricht und weiterhin regelmäßiges intensives Üben voraus. Praktisch kein Geiger spielt nach der Musikschulzeit noch, auch schade, oder? Aus meiner Musikschulklasse (sicher 50-100 Spieler über die Jahre) sind außer mir noch 2 aktiv, beide haben Violine studiert.
bzgl. Zusammenspiel mit anderen Instrumenten: Habe ich mal mit meiner Kammermusiktruppe versucht, Ergebnis: Spieler und Instrument semiprofessionell, Orchester ansonsten bestehend aus 3 Geigen, 2 Flöten, 3 Klarinetten, 1 Altsax und Klavier, trotzdem war das Akkordeon praktisch nicht zu hören! Mit einer Akkordeongruppe wäre es vielleicht eher gegangen, aber da war der Akkordeonist dagegen wg. Zweifeln an der Stimmung beim Unisonospiel. Mikros kennt die Klassikszene auch nicht, entsprechend haben wir es dann gelassen. Klassischer Solist zum Akkordeonorchester wäre kein Problem, scheitert aber eben oft daran, dass kaum ein Hobbymusiker wirklich gut genug zum Solospiel ist, und ein (angehender) Profi will bezahlt werden. Aber mein Jugendchor kooperiert fürs nächste Konzert mit dem Akkordeonverein, wird viel Arbeit, aber alle freuen sich darauf.
Freut euch doch, dass ihr mit eurem Instrument sowohl alleine als auch in Kleingruppe als auch im Orchester als auch als Begleitinstrument spielen könnt und auch Publikum findet, in anderen Bereichen ist das nur wenigen wirklich guten (oder sehr schmerzfreien) vorbehalten. Und ich gebe es zu: Ein einzelner Akkordeonspieler ist bisher eher nicht so meins, kenne aber nur Schlagerschrammler und Tastenflitzer-Angeber (und das klingt auf einem Flügel für meine Ohren besser)!
 
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Also ich glaube, dass es lange Zeit verpasst worden ist das Akkordeon in andere Musikrichtungen mit einzubeziehen. Wer aber heute genau hin sieht, bekommt mit, dass viele Bands das Akkordeon durchaus miteinbeziehen. Es weiß nur keiner. Zum Beispiel THE MAHONES. Hier ein Beipiel wie schön man E-Gitarre und Akkordeon durchaus kombinieren kann. The Mahones sind eine Irische Punkband und Akkordeon ist durchaus aktuell.



Brasilien, Frankreich, Italien sind nach wie vor Akordeon begeistert. Leider hat es Deutschlad verpasst das Akkordeon im Gegensazt zum Klavier, E-Gitarre, Geige, Kontrabass etc. in anderen Musikrichtungen bekannt zu machen. Heißt aber nicht, dass es nicht eine große Menge an Spielern gibt, die sich für dieses Intrument nicht begeistern :) Leider muss man aber auch sagen, dass NRW eines der Bundesländer ist in dem ich übrigens wohne ich, wo man lieber Metal, Hip-Hop, Techno etc. hört und in einer Ap-Welt untergeht, statt sich für Orchestermusik zu begeistern. Der Redaktion der Fachzeitschrift für Akkordeon mit Sitz in Köln habe ich schon gebeten sich für dieses Instrument gerade in NRW mehr einzusetzten und es populärer zu machen.
Hohner ist übrigens einer der Führenden Hersteller in Deutschland. Siehe das Modell Morino VS de luxe. Leider wird dieses Modell nicht mehr gergestellt und Hohner fängt auch an mit günstigeren Werkstoffen zu produzieren. Aber ansonsten sind die gut.

Auf den Punkt gebracht: Das Akkoerdeon ist kein Instrument, dass nur für Rentner ist die nur Seemanslieder spielen, sondern ein sehr vielfältiges Instrument, dass gerade in NRW und anderen Bundesländern populärer gemacht werden sollte, dann würde auch das Image besser werden. Und man das erst mal gemacht hat, wird man das Akkordeon auch im Orchester in einem anderen Licht sehen ;)
 
ich sehe es mittlerweile einfach so:

in seinen Nischen findet das Akkordeon seinen Platz, als Masseninstrument hat es ausgedient.

Darunter leiden die Hersteller wo die Konsolidierung in vollem Zuge ist und auch die Akkordeonorchester schrumpfen zusammen wie ein Apfel in der Sonne.

In meinem Orchester sind wir gerade dabei das 1. und 2. zusammenzulegen von einer Jugendarbeit wie zuletzt in den 90ern sind wir weit entfernt, sprich, wir haben keine Jugendarbeit mehr.
 
Das geht aber nicht nur Akkordeonorchestern so.
 
ich sehe es mittlerweile einfach so:

in seinen Nischen findet das Akkordeon seinen Platz, als Masseninstrument hat es ausgedient.

Darunter leiden die Hersteller wo die Konsolidierung in vollem Zuge ist und auch die Akkordeonorchester schrumpfen zusammen wie ein Apfel in der Sonne.

In meinem Orchester sind wir gerade dabei das 1. und 2. zusammenzulegen von einer Jugendarbeit wie zuletzt in den 90ern sind wir weit entfernt, sprich, wir haben keine Jugendarbeit mehr.


Zu meiner "Jugendorchesterzeit" waren wir auch so ne Gemeinschaft. Über 20 Leute, viel unternommen, viel gespielt. Und irgendwann sind viele weggebrochen. Sei es wegen Umzug, Ausbildung oder aus sonstigen Gründen. Auch hatten wir zu der Zeit einen personellen Umbruch im Verein.

Jetzt haben wir wieder ein eigenständiges Jugendorchester von 20 Spielerinnen und Spielern im alter von 13 bis 19 Jahren. Die sind ne super Gemeinschaft, haben Spaß am gemeinsamen musizieren und stehen zum Akkordeon. Allerdings war der Weg bis dahin auch nicht leicht. Der Aufbau lief über Jahre hinweg.

Und gerade heute ist es wirklich nicht einfach, die Jugend zu begeistern! Man hofft dann, dass so eine Zeit nicht wieder kommt, aber im Prinzip kann dies immer passieren :(
 
Sehe ich genauso. Erstens hat die Schule Vorrang, und zweitens mache ich nicht freiwillig bei etwas mit, das mir mehrheitlich keinen Spaß bereitet. Da sucht man sich besser privat ein paar Spielgefährten und probiert, was geht.

(Anmerkung der Moderation:
Diese Aussage bezieht sich auf einen Post, der inzwischen in ein eigenes Thama ausgelagert wurde:
https://www.musiker-board.de/threads/Ärger-im-neuen-orchester-weiß-nicht-was-ich-tun-soll.597617/ ; Gruß maxito)


Zum Thema:

Am AO stört mich eigentlich nur das, was mich am Akkordeon generell stört: Es hat nie ein wirklich ureigenes Repertoire gefunden. Mehrheitlich ist die Quetschkommode immer noch etwas, das man mit volkstümlicher Musik in Verbindung bringt. Schmelzkäsegesichter, die belanglose Liedchen trällern. Oder eben der Adaption von Stücken, die ganz anders gemeint waren. Wenn ein AO Lieder von ABBA spielt - ich will ja wirklich niemand auf die Füße treten , aber - dann klingt das als wenn Erich Honnecker eine stimmungsvolle Rede hielte. Und wenn Mozart die Fisarmonica gekannt hätte, dann hätte er vielleicht auch was dafür geschrieben. Hat er aber nicht. Weder das eine noch das andere interessiert mich.

Ich denke, mit der neuen Musik, der Wiederbelebung von Chanson, Jazz, Deutschrock etc. und der damit einhergehenden Auflösung der strengen Musikrichtungen kann das Akkordeon wieder punkten als eigenständiges Instrument, das eben nicht nur die Klischees der ewigen Musette oder des Krugs zum grünen Kranze bedient, sondern mit anderen Stimmen den Dialog wagt.

Ansonsten nervt mich bei AOs spätestens nach dem dritten Stück, daß der Klang immer der gleiche ist. Wie ein Symphonieorchester, das nur Violinen und einen Kontrabass enthielte. Bestensfalls noch ein Schlagzeug ("Hum-Ta-Ta"), um Erich in Wallung zu bringen. Das ist jetzt böse formuliert, aber so empfinde ich das. Solo oder mit anderen Instrumenten oder Gesang - dann kann Akkordeon richtig spannend sein.
 
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Am AO stört mich eigentlich nur das, was mich am Akkordeon generell stört: Es hat nie ein wirklich ureigenes Repertoire gefunden. Mehrheitlich ist die Quetschkommode immer noch etwas, das man mit volkstümlicher Musik in Verbindung bringt. Schmelzkäsegesichter, die belanglose Liedchen trällern.

Immerhin ... denk mal daran, welche Musik man mit Piccoloflöte, Kontrafagott oder selbst Harfe oder Dudelsack in Verbindung bringt.
Hat mich früher auch gestört. Inzwischen bin ich aber ganz froh, dieses volksnahe Instrument zu spielen.

Und wenn Mozart die Fisarmonica gekannt hätte, dann hätte er vielleicht auch was dafür geschrieben. Hat er aber nicht. Weder das eine noch das andere interessiert mich.

Mozarts Originalkompositionen für Akkordeon hätten kein bischen anders geklungen als z.B. das Andante für die kleine Orgelwalze von ihm.
Bach hat sich nie wirklich darum gekümmert für welches Instrument er schreibt.
Auch wenn mir immer wieder "ORIGINALKOMPOSITIONEN" für Akkordeon unter die Finger kommen ... manche Komponisten wissen besser und manche schlechter mit den Besonderheiten des Akkordeons umzugehen. Manchmal schreiben die Leute unspielbares Zeug, das dann eingerichtet werden muss. (Finde ich nicht schlimm) Manchmal beachtet der Komponist Grenzen des Instruments, dann ist es für den Interpreten einfacher. Ganz ausgebuffte KomposTinen nutzen bestimmte Besonderheiten sehr gut aus, aber das kann der Interpret auch selbst schaffen, wenn er unspielbare Stücke für sich gut einrichtet. Deshalb sehe ich das nicht allein als Aufgabe des Komponisten. Ob Original oder Adaption - die Anpassung an's Instrument muss sowieso stattfinden - in letzter Instanz macht dies der einzelne Spieler.

Ansonsten nervt mich bei AOs spätestens nach dem dritten Stück, daß der Klang immer der gleiche ist. Wie ein Symphonieorchester, das nur Violinen und einen Kontrabass enthielte.

Eine Frage der Einsatzweise. Ein Streichorchester ohne andere Instrumente kann SEHR schön sein, aber auch sehr langweilig.
Leider ist es meist wie Du sagst. Mit dieser Einschränkung auf ein Instrument ist es eben schwieriger viele Farben zu malen als mit einem reichhaltig besetzten Orchestertuschkasten.


Aber 40 Maultrommelisten wären schlimmer oder?
 
Immerhin ... denk mal daran, welche Musik man mit Piccoloflöte, Kontrafagott oder selbst Harfe oder Dudelsack in Verbindung bringt ...

Mozarts Originalkompositionen für Akkordeon hätten kein bischen anders geklungen als z.B. das Andante für die kleine Orgelwalze von ihm ...

Was Du schreibst ist sicher alles berechtigt. Nur war das nicht ganz mein Punkt.

Vielleicht war ich etwas zu unpräzise: Nehmen wir die Konzertgitarre oder das Saxophon.

Die Gitarre in ihrer heutigen Bauweise nach Torres ist kaum älter als das Akkordeon. Vorher spielte sie als konzertantes Instrument keine besondere Rolle, weil sie viel zu leise und stumpf im Klang war. Das Saxophon ist noch jünger als das Akkordeon. Beide Instrumente sind in ihren klanglichen Möglichkeiten einigermaßen beschränkt. Auf der Gitarre kann man nicht mal einen Ton halten. Und beide Instrumente eignen sich fast gar nicht dazu, die Töne und Känge anderer Instrumente zu imitieren. Genau wie das Akkordeon hatten die beiden Instrumente im Wesentlichen auch nur das 20. Jahrhundert zur Ausbildung ihrer spezifischen Literatur.

Gleichwohl ist die Gitarrenliteratur in ihrer Art einzigartig, sehr spezifisch und zugleich in die verschiedensten Musikrichtungen diversifiziert. Selbst die antike Lautenliteratur läßt sich übertragen, wenn auch nur unzureichend. Was vielleicht sogar ein Segen war: Denn gleichwohl hat die Gitarre ihre ganz eigenen Musikbereiche erobert. Das Saxophon ist in Art ebenfalls einzigartig. Blues, Jazz, selbst eine Big Band sind ohne Sax kaum denkbar. Beide Instrumente haben sich weiterentwickelt und sind dadurch speziell in Jazz, Rock und deren Nachfolgern sogar die Geburtshelfer ganz neuer Musikarten geworden.

Der Fluch des Akkordeons liegt vielleicht darin, daß man damit schon immer so viele andere Dinge "nachmachen" konnte. Außer Musette und Tango gibt es kaum etwas, das man spontan dem Akkordeon als "typisch" zuordnen würde. Nur eben das Nachspielen von Werken, die zwar irgendwie "gehen", aber eben doch durch die Quetschkommode zu brav und zu bieder wirken. Und die volkstümliche Musik, bei der das Akkordeon bestenfalls schmückendes Beiwerk ist.

Aus diesen Gründen mag ich die AOs nicht so besonders. Ebenso das Produktportfolio von Hohner. Das Akkordeon für mich wiederentdeckt habe ich, als ich zum ersten Mal Galliano hörte. Heute beeindrucken mich Künstler wie z.B. Christian Bakanic. Weil gerade er z.B. die Vielseitigkeit des Instruments nicht zum Nachäffen von irgendwas einsetzt. Er ist einer von denen, die in ihrem Spiel imho dem Instrument gerecht werden.

Außerdem klingt seine Pigini ganz einfach zum Niederknien schön ... <3
 
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