Graded Tastatur - zwingend nötig?

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Ich habe mal bei einem großen Musikhändler angefragt:
Dort sagte man mir, dass "graded Tastatur" nur in 5 verschiedenen Graden auf der Tastatur simuliert wird und nicht durchgängig unterschiedlich von Taste zu Taste sei wie bei einem echten, akustischen Klavier/ Flügel.

Da der Unterschied wohl auch nur 7g betragen würde, sei er für Anfänger sowieso nicht zu erfühlen.

Wenn man es als Anfänger also nicht anders kennt und eh nie auf einem akustischen Flügel spielt, sei dieses Feature "graded Hammer Tastatur" entbehrlich, so die Aussage.


Auf bonedo.de liest man z.B. Folgendes:

"[...] Bei der Flügeltastatur gibt es dafür ganz andere Probleme, die beim Klavier weniger stark ins Gewicht fallen. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Tasten im Bassbereich mehr Kraft erfordern, weil die Hämmer größer und schwerer sind. Bei beiden Instrumenten ist es außerdem so, dass [...]

Beides ist in der Praxis nicht besonders auffällig und beides ist eigentlich unerwünscht: Natürlich hätte man viel lieber, dass sich alle Tasten genau gleich anfühlen. Trotzdem werden diese beiden Unzulänglichkeiten „echter“ Flügeltastaturen heute simuliert und als Merkmale besonders „guter“ Tastaturen verkauft. Eine ziemlich verkehrte Welt. [...]"



Wie ist die Meinung hier?

Braucht man als Anfänger zwingend bei einem neuen DP eine graded Tastatur, weil man das Klavier lernen ansonsten eh gleich sein lassen könnte oder wird das Thema mit der Graded Tastatur zu hoch gehängt (aus Marketinggründen)?
 
Eigenschaft
 
Wenn Du es ganz ernst meinst mit dem Klavierspielen, dann ist ein echtes akustisches Klavier schon besser. (gut gestimmt und reguliert)

Andernfalls kauf das DP mit der besten Mechanik, das Dein Geldbörserl erlaubt, und das Dir beim Anspielen am meisten zusagt.
 
Nein, Grades Hammer braucht man nicht zum Lernen. Hammer braucht man schon. Aber viel wichtiger als Graded oder nicht Graded ist, daß die Tastatur GUT ist. Das muß nicht zwangsläufig miteinander korrelieren.

Viele Grüße,
McCoy
 
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Alles klar.



Habe gerade noch diese Aussage von "Distance" aus einem älteren Thread gefunden:

"Davon abgesehen ist es lustig, dass bei Digitalpianos häufig mit der "dem Flügel nachempfundenen graded-hammer-Mechanik" geworben wird, während bei Flügeln wohl das Bestreben ist, genau diesen Effekt möglichst zu minimieren..."



Finde ich irgendwie schon amüsant.

Dann bin ich ja froh, dass meine China-Hupe diese Graded Tastatur nicht hat. :)


Ein Klavierbaumeister meinte eben noch zu mir, dass vor 200 Jahren die großen Komponisten auch keine Graded Tastatur hatten.
Somit habe ich noch alle Chancen... :D
 
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Aber viel wichtiger als Graded oder nicht Graded ist, daß die Tastatur GUT ist. Das muß nicht zwangsläufig miteinander korrelieren.

Wobei man da auch geteilter Meinung sein kann. Für mich gehört das zu einer "guten" Tastatur mit dazu, und die Umgewöhnung ist ein wenig leichter, wenn man sich mal an ein Klavier oder einen Flügel setzt. Die meisten Digitalpianos haben zumindest ab einer bestimmten Preis-/Qualitätsstufe automatisch eine Graded Hammermechanik mit an Board.

@Opiumbauer: Trotzdem finde ich die Medeli-Tischhupen nicht nur deswegen schlecht, wei sie nicht "Graded" sind, sondern weil Tastatur und Klangerzeugung (auch) in allen anderen Bereichen zu wünschen übrig lassen... ;)

Viele Grüße, :)

Jo
 
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@Opiumbauer: Trotzdem finde ich die Medeli-Tischhupen nicht nur deswegen schlecht, wei sie nicht "Graded" sind, sondern weil Tastatur und Klangerzeugung (auch) in allen anderen Bereichen zu wünschen übrig lassen... ;)
Ja, das erwähntest du schon... :D
 
Ein Klavierbaumeister meinte eben noch zu mir, dass vor 200 Jahren die großen Komponisten auch keine Graded Tastatur hatten.
Das ist falsch, denn breits Cristofori hat 1726 bei seinen Klavieren die Hammerköpfe im Bassbereich größer und schwerer gebaut als im Diskant.

upload_2016-3-15_12-40-6.png


upload_2016-3-15_12-40-44.png


Links jeweils ein Basshammerkopf, echts ein Diskanthammerkopf.

Nachzulesen bei: Annette E. Hauser-Felberbaum, Ulrich Hauser, Über die Bedeutung des Hammers im Klavier- und Flügelbau
http://www.uni-koeln.de/phil-fak/muwi/fricke/229hauser.pdf

Also schon bei Cristorofi "Graded".

Meine obige Aussage ist so zu verstehen, daß eine ältere Roland oder Yamaha Hammermechanik ohne Graded in jedem Fall besser sein wird, als eine Medeli-Graded-Hammermechanik, falls die jemals so eine bauen werden.

Und Beethovens Hammerklavier wird ebenfalls besser gewesen sein als ein heutiges Medeli-Piano. Die großen Klavierbauer aus Beethovens Zeit haben Beethoven ja geradezu überschwemmt mit ihren Klavieren, Verbesserungen und Neuheiten in der Mechanik. Jeder wollte ihn ja sozusagen als "Endorser" haben.

Viele Grüße,
McCoy
 
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Meine obige Aussage ist so zu verstehen, daß eine ältere Roland oder Yamaha Hammermechanik ohne Graded in jedem Fall besser sein wird, als eine Medeli-Graded-Hammermechanik, falls die jemals so eine bauen.

Absolute Zustimmung (hatte es weiter oben anders verstanden)!

Verbauen tun die bei Medeli übrigens durchaus "Graded Hammer"...z.B. im "Grand1000" (http://www.medeli.com.hk/?page=productdetail&id=60&type=Grand Pianos). Allerdings ziehen sie dann eben keine selbstgebaute Tastatur (wie bei ihren anderen Modellen) heran, sondern irgendetwas zugekauftes von Fatar.

Viele Grüße, :)

Jo
 
zu: Hammerkopfgewichte in Gramm
Wahnsinn, was da für Unterschiede über die Jahre sind. Wir diskutieren hier ja immer, über die Ähnlichkeit der DP-Tastaturen zu aktuellen Klavieren. Wenn man sich die Entwicklung im Laufe der Zeit ansieht (und auch einmal die Gelegenheit hat auf älteren Instrumenten zu spielen) kann man eigentlich sagen, dass im Vergleich dazu alle heutigen Tastaturen nahezu gleich sind ;)
 
Das Tastenniedergewicht wird beim Flügel übrigens nicht allein vom Hammerkopfgewicht bestimmt, sondern mittels Bleigewichten in den Tasten selbst individuell ausbalanciert. Die Graduierung ist also gewollt. Wenn jemand bei Bonedo diese ernsthaft als "unerwünscht" empfindet, hat er wohl nie das rechte Pedal benutzt. Mit gehobenen Dämpfern sind die Tasten nämlich je nach Bauweise schlagartig bis zu 15 g leichter. Das bildet auch kein Digitalpiano nach, genausowenig wie das Verschieben der Tastatur durch das linke Pedal.
 

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