Früher war alles besser - Musikmachen damals

  • Ersteller Vetinari
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Wir haben eine "Komponistin" im Ensemble, die ständig mit neuen "netten" Akkordfolgen kommt. Wenn ich dann anmerke, dass da wohl Einiges nicht zusammenpasst und beispielsweise keine Tonart erkennbar ist (Dur und Moll existiert für sie nicht und das Prinzip Powechords hat sie einfach nicht durchdrungen), hat sie im Anschluß eine mehrwöchige Identitätskrise. Grundlagen der Harmonielehre lehnt sie kathegorisch ab. Musik ist schließlich Gefühlssache ... :ugly:

Als ich mit zwei Kumpeln angefangen habe Musik zu machen, waren "Tonart" und "Harmonielehre" Fremdwörter für uns. Wir haben die Akorde gespielt, die für uns gut klangen und sich gut anfühlten. Irgend einer von uns dreien (später "fünfen") kam mit ein paar Akkorden an, die ihm gefallen haben, hat diese gespielt, die Drums haben einfach nach gefühl eingesetzt und der Bass und Gesang ebenso. Da haben wir keine Wissenschaft draus gemacht. Es hat einfach nur spaß gemacht.
Zu den Proben waren immer alle da, auch wenn einer mal Fieber hatte oder erkältet war. Die Musik hat uns wieder gesund gemacht.
Das heutige "Ich schicke dir mal die Spuren des Songs, dann kannst du zu Hause den Bass draufspielen" ist zwar ganz net, aber ich entwickle und spiele Lieder lieber in der Gemeinschaft der Band. Ne Band funktioniert für mich erst richtig, wenn sie eine "Gang" ist, man gleichermaßen von Musik "besessen" ist und sich auch mal spontan mit den Leuten außerhalb der Probe treffen kann. Natürlich ist die zunehmende Erreichbarkeit gut, wenn mal was unvorhergesehenes passiert. Aber Proben jede woche neu per WhatsApp zu planen finde ich Sch...e. Probe ist ein fester Bestandteil meiner Woche den ich nicht nochmals bestätigen muss. Auch die Pünktlichkeit ist selbstverständlich (deswegen vereinbart man ja auch den Beginn der Probe gemeinsam). Verspätungen von mehr als 15 min oder Absagen sollten nur selten und in Ausnahmefällen vorkommen. Das hat für mich etwas mit Respekt gegenüber meinen Mitmusikern und der Musik zu tun. Wer sich regelmäßig verspätet und/oder häufiger absagt, hat m.M.n. nicht die richtige Einstellung um in einer Band Musik zu machen.
Leider sind Musiker, die diese Einstellung teilen in meiner Gegend sehr selten :-(
 
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Es hat vor ca. 15 - 20 Jahren angefangen, dass man immer mehr anfing, in "Projekten" zu denken. Man hat einen Auftritt, schickt sich die Unterlagen Monate oder Wochen vor zu, trifft sich an dem Wochenende des Auftritts, probt, tritt auf und geht dann wieder für ein halbes oder ganzes Jahr auseinander. Das funktioniert bei (semi) - professionellen Musikern, wenn man es denn will. Ich persönlich habe in diesem Rahmen bis jetzt nie eine verbindliche Anbindung gefunden. Hier und da mal mitgespielt, was auch schön ist, aber ich vermisse es, wie es in der Zeit davor war, man war regelmäßiger zusammen und nicht nur Zweckgemeinschaft, sondern auch Freunde.
 
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Bisschen OT

Das mit den Projekten ist mir in den letzten Jahren auch aufgefallen. Immer mehr sind kurze Projekte oder man sucht nur Musiker. Kaum wird noch Bands geredet. Die Boards und Facebookgruppen sind auch ziemlich tot inzwischen. Früher war der mehr los, gefühlt machen weniger Menschen Musik als noch vor 3-4 Jahren.
 
Bisschen OT

..., gefühlt machen weniger Menschen Musik als noch vor 3-4 Jahren.
Komisch, genau sowas habe ich in letzter Zeit auch schon öfters gedacht. Irgendwie war in den letzten 10 Jahren ein Boom, der zunehmend langsamer wird - gefühlt.
Müsste sich bei den Händlern sicher auch in der Kasse wiederspiegeln. Werden wir hier aber nicht erfahren. ;)
 
Komisch, genau sowas habe ich in letzter Zeit auch schon öfters gedacht. Irgendwie war in den letzten 10 Jahren ein Boom, der zunehmend langsamer wird - gefühlt.
Müsste sich bei den Händlern sicher auch in der Kasse wiederspiegeln. Werden wir hier aber nicht erfahren. ;)
Vielleicht weil Guitar Hero nicht mehr so erfolgreich ist? Die Spiele haben der Industrie damals ja nen richtigen Push gegeben.

Oder weil ab Mitte 20 das Interesse weg ist. Kenne viele gute und zuverlässige Musiker die inzwischen gar keine Musik mehr machen. Von den drei Sängern in meiner letzten Band singt gar keiner mehr in ner Band, höchstens mal im Chor. Gute Gitarristen die auch offen waren für neue Ideen spielen auch nicht mehr.

Edit. Gerade mal die lokale FB Gruppe mit ~3000 Mitgliedern gecheckt. Da suchen immer nur die 10-15 selben Leute ihre Musiker und mehr nicht. So richtig "Band sucht XY" gibt es da auch nicht wirklich. Vor 3-4 Jahren war das wesentlich mehr und man hatte öfters verlockende Angebote von andere Bands gelesen
 
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Ich habe noch was auf der Meta-Ebene.

Musik machen bedeutet sich öffnen, ohne Schutzschild hinzustellen, verletzlich zu sein. Auf jedem Level - als Anfänger weil man nicht "gut" ist, als erster Songwriter weil man an seine eigenen Songs nicht glaubt, im Proberaum der eigenen Parts wegen, auf der Bühne mit Publikum, und und und.

Ich erlebe bei vielen jüngeren Menschen heute verdammt viel und dicke "Schale". Im "Kern" sind Menschen aber Menschen, weich und verletzlich und mit Gefühlen ausgestattet. Im Berufsleben sehe ich das an meinen Praktikanten: Bessere Anzüge und besseres Auftreten als ich in deren Alter damals (gigantische Unterschiede, wenn ich mir alte Fotos von mir anschaue...), aber nach eigenen Meinungen gefragt oder bisschen in Drucksituation gebracht bröckelt da ganz schnell ganz viel Fassade. Alles richtig machen, dem Umfeld anpassen, nur keine Fehler.

Wenn man so aufwächst - vielleicht auch, weil in der Schule "anders sein" noch weniger akzeptiert wird als früher (dies ist eine These, habe keine Belege... nur Berichte von Freunden) - der hat natürlich ein Problem, einfach ganz locker zu sagen: "Yo, ich kann nicht viel, aber ich bin motiviert, lass uns mal was gemeinsam an Musik machen". Dazu noch die Castingshows und Justin Biebers dieser Welt, schnell gross raus und nicht mehr Jahrelang durch kleine Kneipen tingeln um vielleicht mal entdeckt zu werden.

Gemeinsam Musik machen braucht Offenheit - und respektvollen Umgang, wenn sich Menschen öffnen. Beides kann man lernen - muss man aber auch.
 
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in "Projekten" zu denken. Man hat einen Auftritt, schickt sich die Unterlagen Monate oder Wochen vor zu, trifft sich an dem Wochenende des Auftritts, probt, tritt auf und geht dann wieder für ein halbes oder ganzes Jahr auseinander.
Was ja auch nicht unbedingt das schlechteste ist. Wenn man diesen Thread verfolgt Musiker Treffen im Westerwald - klar, da ist auch viel Zwischendurchgequatsche: aber wir haben genau sowas auf die Beine gestellt. Treffen uns in unregelmässigen Abständen im Westerwald, proben und haben dann unser "Event". Zugegeben, in kleinem Kreis, aber mit vielen Musikern. Und es macht Spass, wir sind auch zwischendurch miteinander hier übers Board, aber auch über Whatsapp und wenn geht persönlich in Kontakt. Natürlich ersetzt das keine Band, aber es hat auch Vorteile: Anfänger bzw. Unerfahrene Leute haben aus den beiden bisherigen Events viel Motivation mitgenommen. Konnten die Erfahrung machen erstmals mit anderen zu spielen und von den erfahreneren zu lernen. Was auch gut funktioniert hat. Und Spass macht es auch.
Ersetzt es eine Band? Nein, niemals. Aber es kann Motivation geben sich eine Band zu suchen - zumindest ist das mein Ziel (wenn ich auch ehrlicherweise nicht sehr dahinter bin). Und wir lernen uns persönlich kennen. Leute aus ganz Deutschland und ich aus Österreich. Das ist ja auch was wert!
 
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Ich weiß ja nicht wie es früher war in einer Band zu spielen, aber ich finde es extrem schwer etwas auf die Beine zu stellen. Zuverlässigkeit geht anders...anscheinend gibt es ein Überangebot an Freizeit Aktivitäten und Musik machen mit Freunden ist nicht hipp.

Ja, diese Events im Westerwald, die haben was :D
 
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Das Thema Zuverlässigkeit kam hier ja schon öfter. Und wenn ich den Zauberer richtig verstanden hab, fehlt oft auch die Geduld, weil sich junge Musiker an “Vorbildern“ aus YouTube Kanälen oder Casting Shows orientieren. Da schaut dann alles so leicht aus.
 
Ja, das sehe ich wie der Zauberer.
Ich habe ja einen Stall voll Kinder und wenn ich da auch aus dem Freundeskreis manchmal höre , was da für aussagen kommen :ugly:

Also Fußball spielen ist schon doof, weil, wenn muss man es ja mindestens zum FC Bayern schaffen (wäre alleine schon früher ein No-Go gewesen für mich der Verein :D), da pack ich mich an den Kopp:weird:

Da wird man lieber Youtuber und verdient 100Tsd € im Jahr...

Klar mit der Einstellung kann man in so einer Band, die vielleicht 5-10 Auftritte just for fun hat nix anfangen, das ist ja reine Zeitverschwendung :ugly:

Und die Angst vorm blamieren , dank sofortiger Verbreitung von Videos über YT und FB ist zu groß .
Andersrum macht man sich aber dann doch gerne trotz kompletter talentfreiheit in Casting Shows zum depp ...das passt eigentlich nicht wirklich zusammen
 
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Videos über YT und FB

Dieses Problem sehe ich auch beim Publikum. Ich habe den Eindruck, dass viele Leute mitlerweile viel zu faul sind um ihre Hintern mal vom Sofa zu heben und zu einem Konzert einer jungen, unbekannten Band zu gehen.
Früher war ein Konzert ein Anziehungspunkt für alle Altersklassen. Wenn ich heute zum Konzert einer Band gehe, dann sehe ich "nur" die Freunde/Bekannten der spielenden Bands. Die sind immer da. Ich habe noch die Sprüche von früher in den Ohren: " Hey lass uns am WE mal zu XYZ gehen. Da spielt ne Band." .
Wohl gemerkt "es spielt NE Band", nicht es spielt Band XYZ. Wir gingen zu allen möglichen Konzerten/Festivals, obwohl wir die Bands nicht kannten, weil es einfach eine klasse Athmosphäre war!
Heute kriegst du in unserer Gegend den Laden nur einigermaßen voll, wenn du "1000-Litter-Party" aufs Plakat schreibst.

Traurig!
 
@basslife
Dann versetze dich mal einen Moment in das Publikum der heutigen Zeit. Klar kannst du sagen "lass uns am WE mal zu XYZ gehen. Da spielt ne Band". Nur, heute spielt jedes Wochenende in jedem vierten Club eine Live-Band. In allen anderen Clubs ist DJ-Party mit Musik-ab-USB-Stick angesagt. Zu Hause warten keine fünf TV-Sender mit einem "Wetten Dass..." als Highlight, sondern TV Replay, Video-on-Demand, Netflix und Co., so dass sich jede Clique ihren eigenen individuellen TV-Abend gestalten kann. Ganz ohne Gang in die Videothek.

Ich werte dies ganz bewusst nicht. Ich bin in ein paar wenigen Monaten 45 Jahre alt und habe noch die 'gute alte Live-Band-Zeit' erlebt.
Aber es ist halt einfach so: Entweder du gehst mit der Zeit oder du gehst mit der Zeit. 2016 ist nicht 2006 ist nicht 1996 ist nicht 1986, sondern einfach nur 2016.
 
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Nur, heute spielt jedes Wochenende in jedem vierten Club eine Live-Band.

Bei uns im westlichen Münsterland leider nicht.
Natürlich weiß ich auch, dass man mit der Zeit gehen muss. Ich bin auch keiner der alles Neue als "hexenwerk" und "Teufelszeug" beschimpft. Ich finde es halt nur schade, dass (in meiner Region) viele nicht mehr die Energie aufbringen von der Flimmerkiste wegzukommen. Natürlich ist der Grund auch das mediale Überangebot.
 
Ich denke auch, das in Zeiten, wo schon in der Schule Sozialdarwinismus herrscht, wo alle, die nicht ins Bild passen dann schnell an den Rand gedrängt werden und die Kids durchs Turbo-Abi geprügelt werden, da vllt. auch einfach keine Zeit mehr bleibt, um sich noch den schönen Dingen des Lebens zu widmen.


Ich kann das momentan in meiner Berufsschulklasse schön beobachten. Viele davon "Menschen 1. Klasse"(bzw. privilegierte und weniger privilegierte, denn die gibt es trotz aller Bemühungen), Duales Studium, Top-Noten, Geld wie Heu...aber da können nur die wenigsten was mit anfangen, wenn du da sagst, du spielst ein Instrument... Fitness hingegen steht ganz hoch im Kurs! Motivierte Mitmusiker zu finden, die das Ganze irgendwie realistisch sehen und nicht noch irgendwelchen verdammten Allüren aus den 70er-Jahren nacheifern bzw. menschlich einfach das Letzte sind, ist da ganz schwer...da hab ich genug Erfahrung mit gesammelt.

Wir leben halt, so finde ich, in einer sehr schnelllebigen Zeit, in der man sich schnelle und kurzweilige Befriedigung überall holen kann, Netflix und Music/TV on demand sei Dank. Beständigkeit hat da keinen Wert mehr.

Gleichzeitig sind wir aber mit einer Fülle an Informationsmöglichkeiten gesegnet und haben, dank weiter Verbreitung von Smartphones, das Wissen der ganzen Welt in der Hosentasche, wenngleich selbiges internetzfähiges Endgerät häufig eher für vergleichsweise niedere Aufgaben gebraucht wird. Wenn ich aber sehe, was es da an "Musik-Apps" allein für Android gibt.
 
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Musik machen bedeutet sich öffnen, ohne Schutzschild hinzustellen, verletzlich zu sein. Auf jedem Level - als Anfänger weil man nicht "gut" ist, als erster Songwriter weil man an seine eigenen Songs nicht glaubt, im Proberaum der eigenen Parts wegen, auf der Bühne mit Publikum, und und und.

Ich erlebe bei vielen jüngeren Menschen heute verdammt viel und dicke "Schale". Im "Kern" sind Menschen aber Menschen, weich und verletzlich und mit Gefühlen ausgestattet. Im Berufsleben sehe ich das an meinen Praktikanten: Bessere Anzüge und besseres Auftreten als ich in deren Alter damals (gigantische Unterschiede, wenn ich mir alte Fotos von mir anschaue...), aber nach eigenen Meinungen gefragt oder bisschen in Drucksituation gebracht bröckelt da ganz schnell ganz viel Fassade. Alles richtig machen, dem Umfeld anpassen, nur keine Fehler.

Damit hast du mMn vollkommen recht, und ich freue mich das andere das offenbar auch so sehen.

Man wird so auf Karriere programmiert jeder muss der Beste sein, den besten Job haben, das meiste Geld verdienen sich den neuesten tollsten Scheiß kaufen. Mit solchen Kapitalismuszombies kann ich nichts anfangen.

Ich hab lange überlegt ob ich ne Band suchen soll, oder Solo mein Ding durchziehen will. Letztendlich hab ich die Chancen gute Leute zu finden zu niedrig eingeschätzt und mach lieber solo. Als Sänger hat man da ja die Wahl.

Ich denke ernshafte Musik, die Zeit, Geduld und Arbeit braucht, und die einen am Ende zu 99% nicht reich macht, ist nicht mit Kapitalismuszombies zu vereinbaren.
 
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Letztendlich hab ich die Chancen gute Leute zu finden zu niedrig eingeschätzt
Das ist ja in meinen Augen sowieso der größte Witz an der Sache. Wir leben im Zeitalter von Social Media, es gibt Anzeigenplattformen, regional und überregional. Aber wirklich gute Leute hab ich bis jetzt nicht gefunden.
Ausnahmen bestätigen die Regel, hab hier im Board einige Musiker kennengelernt, mit denen ich nicht nur gern Musik mache, sondern mich auch blendend verstehe. Der kleine Haken an der Sache ist, dass wir fast 900km auseinander wohnen. Da gibt es keine regelmässige Band, öfter als 3, 4 mal im Jahr kann ich mir die weite Reise auch nicht leisten.
 
Man schätzt seine Musiker auch immer über das Faceook Profil ein. Wenn einem das nicht gefällt, gibt es manchmal nicht mal eine Antwort...
 
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Damit hast du mMn vollkommen recht, und ich freue mich das andere das offenbar auch so sehen.

Man wird so auf Karriere programmiert jeder muss der Beste sein, den besten Job haben, das meiste Geld verdienen sich den neuesten tollsten Scheiß kaufen. Mit solchen Kapitalismuszombies kann ich nichts anfangen.

Ich hab lange überlegt ob ich ne Band suchen soll, oder Solo mein Ding durchziehen will. Letztendlich hab ich die Chancen gute Leute zu finden zu niedrig eingeschätzt und mach lieber solo. Als Sänger hat man da ja die Wahl.

Ich denke ernshafte Musik, die Zeit, Geduld und Arbeit braucht, und die einen am Ende zu 99% nicht reich macht, ist nicht mit Kapitalismuszombies zu vereinbaren.


Gut, das ist halt mittlerweile "deutsch" und wird ja von der Politik bzw der EU entscheidend gefördert.

Ich überlege mir ja auch immer wieder, die Musik dran zu geben, da ich keine Lust mehr auf Minigehalt und Scheißjobs habe. Mit der so gewonnenen Zeit könnte ich z.B. ein Abendstudium machen und hätte dann mit Anfang 30 endlich mal einen Fuß auf dem Boden bzw. in der Gesellschaft.


Andererseits definiert es mich halt und ich war bzw. bin auch immer noch irgendwie froh, bisher nicht zu diesen Kapitalismuszombies (geiles Wort!) gehört zu haben und immer irgendwie was Eigenes zu haben, was mich definiert...aber alles hat halt irgendwo seine Grenzen.
 
Okay, ich hab einen geilen Job und hab mir deswegen heisse Gitarren und Verstärker kaufen können. Ausserdem wohne ich in einem Eigenheim, erfülle sämtliche Statistiken mit einer Ehefrau, einem Kind und einem Hund. Ich habe Musik immer als mein Hobby betrachtet, da ich in meinem erlernten (bzw. durch Weiterbildung erworbenes Wissen) Beruf mit Sicherheit mehr finanzielle Sicherheit geniessen werde als alles auf die Karte Musik zu setzen.

Ergo: Ich bin der Kapitalismuszombie! Nicht falsch verstehen, ich mag diese Begriffskreation. Dafür habe ich vor über 3 Jahren mein Jobpensum reduzieren können, um die restlichen ca. 20% in einer Musikschule als Lehrer und Schülerbandcoach einzusteigen.

Wobei ich hier den Topic-Bogen schlagen kann: Früher war das für uns völlig klar, dass wir erstmal eine Berufslehre absolvieren sollten, bevor wir versuchen, mit unseren Bands die Welt zu erobern. Heute ist da eventuell die Teenie-Manipuliermasse etwas leichter zu formen... es locken Weltruhm und Reichtum durch unzählige TV Casting-Shows. Da werden doch viel lockerer Ausbildungen geschmissen, denn die Mikrofone im Scheinwerferlicht wollen schliesslich besungen werden.
 
Ausserdem wohne ich in einem Eigenheim, erfülle sämtliche Statistiken mit einer Ehefrau, einem Kind und einem Hund.
Baum hast du auch schon gepflanzt? :D
Früher war das für uns völlig klar, dass wir erstmal eine Berufslehre absolvieren sollten, bevor wir versuchen, mit unseren Bands die Welt zu erobern.
Jep, meine Mama wollte auch nicht, dass ich mit 15 die Schule schmeiss und an der Karriere als Rockmusiker arbeite. Vielleicht ist das jetzt der Grund, warum ich bis heute kein Star bin, sondern Musik auch mehr als 30 Jahre später nur hobbymässig mache. Aber dieses Hobby hat sie immer unterstützt! Bis auf ihr Totenbett hat sie mich ermuntert der Musik treu zu bleiben! Sorry, die Woche ist ihr erster Todestag, da musste ich das anbringen.
Aber ist es heute nicht auch so? Wer von uns Eltern würde seinem Kind erlauben die Schule sein zu lassen, keine Ausbildung zu machen um Musiker zu werden? Zumindest bis zu ihrer Volljährigkeit haben wir Eltern da ein Wörtchen mitzureden, nachher können wir nur hoffen, dass unser Rat noch gehört wird. Und die meisten Jungen die ich kenne vertrauen auch zunächst lieber ihrem Beruf als Einkommensquelle und sehen Musik mehr als Freizeitbeschäftigung und Ausgleich zum Alltagsstress. Wobei viele Junge ja auch gar keine Band haben - ich hab das Gefühl heute wollen sie alle zuerst ihr Instrument beherrschen und dann eine Band gründen. In den frühen 80er Jahren war das genau umgekehrt: wir gründen eine Band, dann machen wir aus, wer welches Instrument spielt und dann fangen wir an es zu lernen. :D
 

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