zu sehr von fertigen Songs beeinflusst

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Imp4ct
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Hey,

ich finde es momentan total schwer auf eigene Songideen zu kommen. Es gibt so viele gute Songs, meine Ideen liegen mir sehr oft viel zu nah an bereits fertigen Stücken anderer Künstler, die ich zu dem Zeitpunkt höre. Wenn ich dann gedanklich beim bereits existierendem Song bin, komme ich auch gar nicht mehr davon ab und entwickle keine eigenen Ideen mehr, bzw. komme ich nicht mehr weit genug vom Song anderer Künster weg, um daraus wirklich ein Eigenwerk zu kreieren. Kennt ihr das vielleicht selbst und habt ein paar Tipps, damit man den Kopf frei davon bekommt und sich nicht mehr zu sehr beeinflussen lässt?

Vielen Dank für eure Hilfe!
 
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Hi,

das ist mehr oder weniger normal. Man inspiriert sich ja auch in der Regel an anderen Künstlern/Alben. Die Atmosphäre, der Sound etc.
Das gehört einfach auch zur Entwicklung im Musiker-Dasein.

Ich komponiere bereits seit über 10 Jahren und bin nicht einmal 30.
Mal wars Pink Floyd / Gilmour, dann wieder was klassisches, Metal, Post-Rock, Ambient usw... Der Punkt ist, ich sauge die Atmosphären auf, aber nicht die Melodien, die kenne ich zwar meist auswendig aber sobald ich komponiere, bin ich in meiner Welt.

Ich habe keine Noten im Kopf, sondern eine Stimmung, ein Gefühl, oder eventuell Bilder. Die Noten kommen dann beim Entwickeln.

Es ist schwierig das zu beschreiben. Das sind Phasen in denen ich kreativ bin und einen Song an einem Tag durchhaue und im Nachgang nur noch Feinschliff betreibe. Andere Male dauert es ewig bis was fertig wird.

Hast du vielleicht zu viel, zu lange Cover-Musik gemacht? - Damit habe ich nämlich mit 20 bereits aufgehört. Das hilft definitiv.

Ebenso musst du versuchen es abzulegen etwas "nach zu eifern".

Versuch einfach DEINEN Sound zu entwickeln. Überleg dir wie es sich anhören soll.
Nimm nur dein Instrument zur Hand und spiele damit. Improvisiere. Einfach aus dem Nichts.
Nicht unmittelbar vorher noch einer Band zuhören und das Zeug aufsaugen.

Häufig ist es so, wenn ich mal wieder eine neue Band/Künstler entdecke, die in gewisser Weise etwas machen, was ich mache und das richtig großartig, bin ich erst einmal demotiviert.
Ich sauge die Musik dann 1-2 Wochen förmlich auf. Und lege sie dann weg. Kurz darauf bin ich dann wieder in der Lage mich auf meine Sachen zu konzentrieren.

Übrigens höre ich, wenn ich komponiere maximal Musik aus einer anderen Richtung, als das was ich komponiere. Häufig dann Film-Musik oder Klassik :)

Just my 2 Cents.
PS: Ich glaube zum Thema gibt es kein "Kochbuch"

Gruß
Max
 
Wen man die Sache mit etwas Abstand betrachtet, merkt man , dass die Musik vieler Künstler aus einer Epoche ziemlich ähnlich klingt. Zum Beispiel klingen Werke von Zeitgenossen Mozarts alle ein bißchen Mozartartig. Popmusik der 50er Jahre klingt alles irgendwie ähnlich; Songs aus de 80ern wieder anders, aber unter sich ähnlich. Das kann man kaum vermeiden. Die Koryphäen prägen den Stil in Bezug auf Instrumentation (Sound), Rhythmik, Harmonik, Gesangstechnik, Liedaufbau, etc., etc. Dieser Stil wirkt prägend für die Musik der Zeit - bis wieder ein Koryphäe kommt und es anders (und zwar gut) macht.

Trotzdem sind die Melodien und Akkordfolgen von Stück zu Stück anders. Wenn du etwas komponiert hast, kannst du objektiv feststellen, ob du ein bestehendes Stück "kopiert" hast, indem du einfach die Noten und Akkordfolgen ausdruckst und mit dem gedruckten "Vorbild" vergleichst. Merkst du, dass längere Abschnitte - sagen wir mal, mehr als 2, 3 Takte - identisch sind, kannst du schauen, dass du etwas an der Stelle in deinem Werk veränderst, ohne jedoch die Stimmung zu verfälschen. Meistens geht das!

Cheers,
Jed
 
Kennt ihr das vielleicht selbst und habt ein paar Tipps, damit man den Kopf frei davon bekommt und sich nicht mehr zu sehr beeinflussen lässt?

Oh das kennt wohl jeder mehr oder weniger. Um dem entgegen zu wirken kannst du


a) deinen musikalischen Horizont erweitern und andere Musik als bisher üblich hören
Durch neue Stilistiken werden nach und nach neue Elemente in deinen Kompositionen auftauchen.

b) dein Rhythmusgefühl erweitern und verbessern
Je besser und unabhängiger du rhythmisch bist, desdo eher kannst du Altbekanntes
in ein neues rhythmisches Gewand packen. Gerade bei Musik die stark vonSynkopen lebt,
ist das ein wichtger Schlüssel um cool zu klingen/zu komponieren.

viel Erfolg
 
Hi,

100%ige Zustimmung zu den sehr guten Beiträgen hier!

Eines möchte ich noch einwerfen:
Für mich ist Komponieren (seit über 30 Jahren) ein kreativer Prozess, der teilweise extreme Formen annimmt....wie? Ich lasse alles geschehen und denke während des Prozesses bis zu einer gewissen Stelle-die auch jedesmal eine andere ist- nicht an irgendwelche Dinge die mich vor irgendwelchen Ideen abbringen, selbst wenn die noch so extrem sind.
So kann es mir gut passieren, dass ich dann an dieser Stelle wo das Ganze Gestalt annimmt erst bemerke, dass ich zu sehr beeinflusst wurde oder das alles nicht in der Stimmung aufgeht die ich wollte, oder schlicht mies ist. Wenn dem so ist werf ich das Lied/Stück schlagartig von einem zum nächsten Moment weg, selbst wenn ich bis dahin schon viel Energie reingesteckt habe. Im Endeffekt bleiben bei mir so vielleicht 30% bis 50% übrig, doch das ists mir wert!

Dieser Prozess ist halt meiner und jeder arbeitet in der Art anders. Ich möchte nur anregen, dass es auch sein kann, dass wenn du dir zu viel Zielstrebigkeit und Effizienz beim Komponieren selbst auf doktrinierst das auch dazu führen, dass du unlocker und im Endeffekt unkreativer an Neues rangehst, dich selbst schon einschränkst bevor du angefangen hast.

Vielleicht muss man 40 Songs/Stücke erschaffen und 35 davon wieder zerstören um 5 gute zu haben von denen 2 wirklich bleiben!?

Allerdings komponiere ich nur für mich selbst, um die Sachen dann aufzunehmen (bleibt die Frage, ob das dann jemand hören möchte:D).
Natürlich sieht die Sache total anders aus, wenn du für eine Band oder gar für andere Interpreten komponierst-dann verschiebt sich alles.
Eigentlich dürfte es des Begriff "Komponieren" so gar nicht geben, denn es ist für jeden und für jede Situation etwas anderes, selbst der Stellenwert des eigentlichen kreativen Prozesses dabei ist jedes mal in einem anderen Kontext zum Endprodukt.

Gruss,
Bernie
 
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Schreib das auf, was dir einfällt und verändere es dann bewusst.

Dein eigenes Stück erinnert dich zu sehr an ein anderes? Dann spiele es in einem anderen Tempo, lege andere Rhythmen an, wandel es um in eine andere Taktart, nimm bewusst ein sehr auffälliges anderes Instrument dazu oder versuche, die Grundidee einem anderen Genre anzupassen...

Ich glaube, es ist besser, von dem auszugehen, was man kann und sich von aus bewusst weiterzuentwickeln durch jegliche Experimente, als das, was man tut zu verteufeln und einen ganz neuen Weg zu suchen.

Manchmal sind die Ideen, die man sofort für Schwachsinnig hält, am Ende die besten ;)
 
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Ich möchte nur anregen, dass es auch sein kann, dass wenn du dir zu viel Zielstrebigkeit und Effizienz beim Komponieren selbst auf doktrinierst das auch dazu führen, dass du unlocker und im Endeffekt unkreativer an Neues rangehst, dich selbst schon einschränkst bevor du angefangen hast.

Vielleicht muss man 40 Songs/Stücke erschaffen und 35 davon wieder zerstören um 5 gute zu haben von denen 2 wirklich bleiben!?

Glaube das trifft es ganz gut ... Ich bedanke mich bei euch für die Ratschläge, Tipps und Erfahrungen! Werde versuchen das eine oder andere mal zu berücksichtigen (oder zuzulassen ;)) und werde sehen ,wie gut ich damit fahre :)
 
....wichtig ist dazu noch das richtige Selbstvertrauen in Sachen Eigenkreationen zu erlangen!
Es gibt Menschen denen du deine Sachen vorspielst, die offen Hören und argumentieren können und andere bei denen es eher ein Qualitätssiegel ist wenn denen dein Song nicht zusagt...:D
 

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