Langzeit-Projekt: Wooden Top Banjo

Snake-Jo
Snake-Jo
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In den USA hat der Eigenbau von Gitarren, Banjos, Dobros aus Zigarrenkisten, Keksdosen, Hundenäpfen, Radkappen etc. eine lange Tradition. In Deutschland findet man dagegen nur selten mal eine Beschreibung solcher Eigenbauten. Dies hat damit zu tun, dass zumindest das Banjo seltener gespielt wird und daher Eigenbauten noch seltener sind. Der Markt wird zudem immer mehr von östlichen Billigprodukten überschwemmt. Warum soll man sich ein Banjo bauen, wenn man für die Materialien mehr als 100 Euro ausgeben muss (plus die viele Arbeit), wenn man in der Bucht schon sehr ordentliche, gebrauchte Instrumente für denselben Preis bekommen kann?
Na, die Sache ist doch klar: es macht weitaus mehr Spaß, ein selbstgebautes Gerät zu spielen, als so ein Glitzerteil von der Stange! :cool:
Und: Der Weg ist das Ziel: Man lernt viel über Instrumentenbau, es macht irre Spaß, sowas zu entwicklen und draußen ist eh noch Winter! :rolleyes:


Nachdem ich insgesamt 4 Banjo komplett zerlegt und restauriert habe, traue ich mir den Eigenbau zu. Ich möchte also in den nächsten Wochen und Monaten, je nach Lust und Laune, so ein Wooden-Top-Banjo entwickeln und bauen. Manche sagen: das ist kein richtiges Banjo: Zu leise, hat ja nicht mal ein Fell oder auch mit anderen Worten: es knallt nicht, sondern produziert eher sanfte Töne. Alles richtig, aaaber: Mein Wooden-Top wird so konstruiert, dass ich später auch mal den Banjo-Kopf-Kessel gegen einen mit Fell austauschen kann.:)

Nun die angedachten Daten:
Ein Holzbanjo mit Resonator-Kessel und darüber angeordnetem Kopf-Kessel. Dadurch erhalte ich mehr Volumen und das Teil wird lauter.
Holzbauteile aus Klanghölzern: Pflaumenholz
Kopfdecke aus Fichtenholz wie bei Violinen oder Mandolinen in gleicher Stärke (Dicke)
Hals dreischichtig aus Pflaumenholz und Paffenhütchen mit Palisander-Griffbrett-Abdeckung. Bünde aus Neusilber in Vintage-Breite von 1,5 mm
Der Resonator-Kessel erhält oben liegende ovale Schalllöcher
Maße: Resonator 27 cm Durchmesser, Mensur 67,5 cm, Gesamtlänge ca. 94 cm. Es entspricht damit den Maßen eines Zither-Banjos. Der Kesseldurchmesser ergibt sich aus der Spitzenhöhe meiner Drechselbank: mehr kann ich nicht.
Die Fichtendecke aus abgelagertem, feinringigem Holz muss ich noch besorgen. Die Mechaniken sind bestellt.

Schema.jpg
 
Eigenschaft
 
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Ui, da bin ich schon gespannt auf das Projekt!

Banjo
 
@Banjo: Ich bin auch gespannt! :rolleyes:

Einzelteile habe ich schon fertig gestellt.:)

Der Resonatorkessel besteht aus blockverleimten Buchenholz. Ich habe aus einer Platte zwei Ringe gedrechselt und übereinander geleimt. Der Abschlussring nach oben besteht aus Goldregen (laburnum). Darauf wird dann der Tonkopf geschraubt. Aus einer 3. runden Scheibe habe ich den gewölbten Resonatorboden gedrechselt (Bild 1, oben links). Dieser Boden wird in einem gestuften Rand unter einem "Binding" lückenfrei eingesetzt.

Der Tonkopf besteht aus Tonring (Bild 1, oben rechts) und darauf dann eine Fichtenholzdecke, die noch erstellt werden muss. Der Tonring wurde aus Klangholz (Pflaumenholz) aus Ringsegmenten geleimt. Zwischen den Ringsegmenten sind zur Zierde Ebenholzstreifen gesetzt.

Der Hals besteht aus längsverleimten Pflaumenholz (außen) und mit innen Pfaffenhütchen-Holz. Er bekommt später noch einen Kesselansatz, aber keinen Kesselstab ("dowell-stick")

Der Kopf ganz rechts ist aus Pflaumenholz. Kopf und Hals werden mit einem Schwalbenschanz-Spleiß verbunden und erhalten dann eine Auflage aus schwarzem Palisander.

Nun warte ich auf die Mechaniken, bevor ich alles zusammenbaue. Es ist wesentlich einfacher, die Teile einzeln zu formen und zu bohren, als wenn alles zusammensitzt.

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Weiter geht es für alle Freunde des gepflegten Holzbanjofells. ;)

Banjokopf drechseln

Acht Kreissegmente aus Pflaumenbaumholz wurden zusammengeleimt und daraus ein Ring gedrechselt: der Rahmen des Banjo-Kopfes (Bild 1-2)
Da die Klebungen nicht so toll gelungen waren, wurden Zierhölzer (Ebenholz) zwischengesetzt.
Aus abgelagertem, feinringigen Fichtenholz wurde eine Kreisscheibe gedrechselt, ca. 15 mm dick (Bild 3).
Diese Kreisscheibe wurde in eine Nut am Kesselrand eingeleimt (Bild 4).
Die Nut ist 1,5 mm tief. Wenn die Decke zum Rand plan gedrechselt wird, hat sie entsprechend noch 1,5 mmm Stärke.
Nun wurde abgedrechselt solange die Nerven es hergaben. Irgendwann war ich bei 2 mm (gemessen mit einem sogenannten "Tanzmeister").
Die dünne Fichtendecke fing dann in der Mitte an zu rattern: Es gab Schwingungsspuren beim Drechseln. Nun stieg ich auf Sandpapier um, bis man Licht durch die Decke wahr nehmen konnte.

Bild 6 zeigt den momentanen Entwicklungs-Zustand: Der Hals ist fixiert, aber es fehlt noch das Ansatzstück zum Kessel, der Halskopf ist mit einer Schwalbenschwanzverbindung vorgefertigt, aber noch nicht fest.




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Na hoffentlich hebt das dann noch, nicht dass Dir der Steg durch das "Fell" durchsackt;)

Banjo
Keine Chance! Ich drechsle seit ca 50 Jahren und habe mich an Mandolinendecken orientiert, die haben auch so eine Stärke.
Selbst wenn: eine neue Decke mache ich schnell wieder neu: Kopf abschrauben, auf die Planscheibe; Reste wegdrechseln, neue Holzdecke einleimen etc.
Meine Frage an dich und mein Ansatz: je dünner die Decke, desto mehr Schwingung, desto lauter?
 
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Hals und Kopfplatte, Teil 1

Der aus drei Teilen zusammengeleimte Hals wurde auf Maß gebracht: oben am Kopf schmaler und dünner und am Kesselansatz entsprechend größer.
Der Kesselansatz wurde noch verstärkt (Bild 01)
Mit Ziehhobel, Raspel und diversen Schleifinstrumenten wurde der Hals gerundet und auch der Ansatz passig geschliffen (Bild 02).
Immer wieder wurde die Passung kontrolliert und auch geschaut, ob der Hals genau in Linie fluchtet (Bild 03).

Die Kopfplatte wurde als Eichenblattumriss ausgesägt, erhielt einen V-Spleiss und wurde verkippt an den Hals geklebt. Auf der Oberseite sieht man den dreieckigen Spleiß, auf der Unterseite entstand durch das Verkippen der gleichstarken Hölzer ein dreieckiges Loch, welches mit Grenadillholz verfüllt wurde. Auf der Oberseite erhielt die Kopfplatte ebenfalls eine 3 mm-Schicht aus schwarzem Grenadill (Bild 04-05).
Grenadillbäume gehören seit neuesten zu den artengeschützten Pflanzen und das Holz unterliegt Handelsbeschränkungen: Mein Grenadill war noch ein Kantel aus Restbeständen und zudem wird das Banjo nicht verkauft, somit alles gut.

Inzwischen waren die Mechaniken (Planetengetriebe) gekommen und ich konnte die Bohrungen (vier an der Kopfplatte, Durchmesser 10 mm) und eins an der Seite über dem 5. Bund (Durchmesser 9,5 mm) anbringen und die Mechaniken vormontieren (Bild 06). Ich werde wahrscheinlich die Plastiflügel abschrauben und durch eigens gebaute Flügel aus schwarzem Büffelhorn ersetzen.:)

Nun wird demnächst der Sattel (mit integriertem Nullbund) aus einem viereckigen Messingstab gefeilt und angebaut. Vom Sattel ausgehend werden dann die Bünde eingemessen. Zuvor wird das Griffbrett aus schwarzem Grenadill aufgeklebt (Teil 2 in Vorbereitung).


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Hals und Kopfplatte, Teil 2

Draußen regnet es, also Zeit, mal was Neues einzustellen. Für mich übrigens ein "Learning by doing" und daher dauert es länger: Alles muss irgendwie erst erprobt und erfahren werden; ist ja mein erstes "Selbstgebautes". Für das Forum: Alles passiert nahezu in Echtzeit. Ich bin also auch nicht weiter fortgeschritten im Bauplan und es bleibt spannend. :)

Nun geht es also an das Griffbrett aus schwarzem Grenadill. Der Kantel hatte nur 35 cm, daher mußte ich stückeln (Bild 3). Die Naht beider Bundhölzer liegt exakt bei Bund 10. Wird also später von diesem überdeckt und ist dann unsichtbar.

Zwischen Kopfplattenbelag und Griffbrett ließ ich eine Lücke, genau passend für den Sattel (incl. integriertem Nullbund), Bild 1-2.

Der Sattel wurde aus einem Stück Messing gefeilt. Er hat eine Breite von 36 mm, wie es auch die alten Zither-Banjos haben.

Die Höhe des Sattels resp. Nullbunds wird durch eine eingeleimte, untergelegte Leiste bestimmt (Bild 4).
Vom Nullbund ausgehend müssen dann die Bundstäbe eingemessen werden (Bild 5).

Nach Aufleimen des zweiten Bundbrettteils (Schrägspleiß Bild 3) wurde noch weitere Feinarbeit an der Halsrundung geleistet. Dazu kam eine sogenannte "Bowyers edge" zum Einsatz. Das ist ein aus dem Bogenbau bekannter Schabhobel (Bild 6). Dieser hat einen Schneidwinkel an der Fase von 45° und produziert ganz feine Späne. Vor allen Dingen aber: Man hat keine Probleme mit zu großen (und eventuell einreißenden) Spänen bei schräg auftauchenden Fasern.

Das harte Pflaumenbaumholz läßt sich im Hirnholzanschnitt nur sehr schwer schleifen, da nahm ich für diese Rundungen einen Walzenschleifkopf mit Lamellenschleifpapier (Bild 7).

Der nun fertig mit Grenadill bestückte Hals (Bild 8) ist nun fertig für die Bundierung und die Markierungs-Dots. Das Bundholz wird später etwas über den Kesselrand ragen (sichtbar auf Bild 7). Sieht besser aus und läßt Platz für ein weiteres Bundstäbchen (wenn man sowas braucht :redface:).
Dann weiter in Teil 3.

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Bevor ich weitermache, eine Frage an die Spezialisten:
Soll ich das Griffbrett plan lassen ( in Längsachse) oder lieber konkav gestalten wegen der besseren Saitenlage? Mit Tiefpunkt (Tal) am 12. Bund ?
Das Wooden-Top hat ja kein Truss rod im Hals. Der Hals ist aber recht stabil durch die 4 verleimten Hölzer und wird sich auch auf Dauer nicht krümmen (also kein stringfollow).
 
Keine Antwort bei so viel Fachkompetenz? :rolleyes:
Ppphhht - dann bleibt er eben gerade! :D Ein gerader Hals ist auch was Schönes (und viel leichter zu gestalten). ;)

Hals und Kopfplatte, Teil 3

Das Bundieren hatte ich ja schon ausführlich im Restaurationsthread beschrieben, also nur noch in Kürze. Die Tabelle (Bild 01) zeigt die Werte für meine Mensurlänge von 650 mm, für insgesamt 24 Bünde. Es wäre auch noch Platz auf dem Griffbrett für weitere 5-6 Bundstäbchen, aber 24 reichen mir. :rolleyes:
Das Ausmessen mit Lineal und Schieblehre erfordert viel Sorgfalt. Einmal falsch angerissen oder versägt und man hat ein echtes Problem; zumindest ist das Bundholz versaut und läßt sich nur mit viel Mühe wieder reparieren. Die Abstände wurden mit einer Anreißnadel markiert und mit der Feinsäge leicht angesägt (Bild 02).

Bevor man die Spalten für die Bundstäbchen auf entgültige Tiefe bringt, ist es gut, vorab die Dots anzuzeichnen und einzukleben.

Ein alter Suppenknochen (Rind , gut abgenagt, 3 mal gekocht, zuletzt in Waschpulverlauge zum Entfetten) wurde auf der Drechselbank grob zu zwei Stäbchen gedrechslt (Bild 3).
(Die Waschpulversuppe bitte nicht trinken, lieber ein kühles Blondes, dann geht die elende Sägearbeit leichter von der Hand).

Aus den Stäbchen wurden zylinderförmige Zapfen gedrechslet, ca, 6 x 5 mm (Bild 4 im Dreibackenfutter, Bild 5 in einer Blechdose).

Die Setzpunkte für die Dots wurden auf den entsprechenden Bundflächen eingemessen und mit einem Zentrierbohrer 6 mm jeweils ein Sackloch hergestellt (Bild 7).

Alle Dots wurden eingeleimt, stehen dann natürlich über (Bild 8).

Nun kann das Griffbrett plan und fein geschliffen werden. Jetzt erst werden die Bundstabschlitze auf Tiefe gebracht. Ein mit der entsprechendne Markierung versehender Pappstreifen dient als Tiefenprüfer (Bild 8).

Nach den Feinschliff wurde das Griffbrett geölt (Hartöl).

Bundierdraht von der Rolle (Vintage, Neusilber, 1,5 mm Kronenbreite) wird mit dem Gummihammer eingeschlagen, seitlich abgeknipst und dann am Rand plan gefeilt (Bild 9).

Jetzt fehlt noch die kleine Bundperle für die 5. Saite, ebenfalls aus dem abgenagten Suppenknochen (Bild 10).

Nochmals die Mechaniken und den Sattel (mit zwei Messingstiften in einer Nut) montiert und der Hals mit Kopf ist so weit fertig (Bild 11).

Vieles wird später wieder abgebaut und es erfolgt noch ein Feinschliff auf der Unterseite, Schelllack, Kerben im Sattel etc.

Jetzt kann eigentlich das Banjo zusammengebaut werden und ich bin gespannt:
Kommen da Töne raus und wenn ja, welche? :weird:

Nach der Klangprobe werde ich entweder meinen Account hier abmelden, mich frustriert ins Bett legen und nie wieder ein Banjo anfassen oder aber alle beweglichen Teile wieder abschrauben und alles fein schleifen und mit Schellack versiegeln. :cool:

Bild 01.JPG Bild 02.JPG Bild 03.JPG Bild 04.JPG Bild 05.JPG Bild 06.JPG Bild 07.JPG Bild 08.JPG Bild 09.JPG Bild 10.JPG Bild 11.JPG
 
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Sieht toll aus, dein Hals :great:
 
Hut ab vor Deinem handwerklichen Geschick:great:

Keine Antwort bei so viel Fachkompetenz? :rolleyes:
Ppphhht - dann bleibt er eben gerade!

Die Frage war mir irgendwie ganz entgangen. Mit einem geraden Hals solltest Du aber hinkommen.zumal sich womöglich durch den Saitenzug sowieso noch eine minimale Krümmung einstellen könnte.

Banjo
 
@Banjo : Ja, danke, ist o.k.

Meinen Account kann ich behalten. :D
Ich hab es nicht mehr ausgehalten und gestern alles zusammengebaut. Ein paar alte Stahlsaiten hatte ich noch. Klanglich war ich doch überrascht: Sehr melodisch, aber eben "Holzinstrument", es fehlt das metaliische. Von der Lautstärke ungefähr wie eine Westerngitarre. Natürlich müssen viele Feinheiten noch erstellt werden, aber sowas ergibt sich gerade auch nach einem ersten Zusammenbau. Ich muss noch die Fluchtlinien in Längsachse korrigieren, der Saitenhalter sitzt zu tief, die Saitenkerben müssen auch teilweise noch an Sattel und Steg korrigiert werden und überhaupt muss der Steg neu. Über Feinschliff und Lackarbeiten hatte ich mich ja schon ausgelassen: Alles am Schluss.
Das ist ja das Schöne an einem Eigenbau: Feintuning und persönliche körperliche Ansprüche (dicke und kurze Finger bedingen einen weiten Saitenabstand und einen schlanken Hals) werden automatisch berücksichtigt und das Instrument ist dann quasi auf den Leib zugeschnitten.:rolleyes:
 
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Zusammenbau und Anspielen

Es geht dem Ende entgegen. Ich muss noch den Zusammenbau nachreichen. :)

Es fehlten auch noch die Schalllöcher, die ich mit drei Bohrungen in einem gestreckten Quatrefoil anlegte: Bild 01

Bild 02 zeigt die Kesselteile. Links der Resonatordeckel, dann der Kesselrahmen und rechts der Banjokopf mit dem "Holzfell" aus Fichtenholz.

Der Banjokopf wurde von innen mit 4 Schrauben fest am Kessel verschraubt. Die genaue Lage wurde über eine gedrechselte Nut erreicht.

Kessel und Banjokopf kamen mit drei Holzschrauben (zweimal 6x30 mm und einmal 6x60 mm mit Sechskantkopf) an den Hals: Bild 04.

Ursprünglich wollte ich mal einen Kesselstab einbauen (dowelstick), um den Kessel zu stabilisieren und daran mittig den Resonatordeckel zu schrauben. Davon zeugen auch noch ein paar Kerben im Rand (Bild 04). Da jedoch mein Kesselrahmen sehr stabil ausfiel, war der Stab nicht notwendig und der Resonatordeckel hielt auch besser mit 4 Holzschrauben (Bild 05).
Der Resonatordeckel wurde, wie schon beschrieben, in eine doppelte Nut am Kesselrand von unten eingepaßt, sieht man auf Bild 03-04.

Saiten drauf, neuen 8 mm hohen Steg geschnitzt und Klangprobe! :eek:
Wie oben schon beschrieben: sehr melodisch, gut geeignet für Stücke wie den Fiddle-tune von Cripple creek oder reine Melodiestücke wie Amazing grace etc.. O.k., ich weiß, ich muss mal ein Mikrophone kaufen und eine MP3 erstellen. Geht momentan noch nicht, sorry.
Ich habe dann bis zum 15. Bund ausgemessen: das Teil ist bundrein! :tongue:

Bild 07 zeigt das noch rohe Teil im Vergleich zu meinem Windsor No. 45 von 1895.

Nun folgt die Kür: Wieder alles auseinander, Feinschliff und Schellack-Politur. Dann gibt es auch Detailbilder.

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Tolles Ergebnis :great:
 
Endabnahme

Nach dem Probelauf wurde das Instrument wieder zerlegt und alle Teile fein geschliffen und mit Schellack poliert.
Der Probelauf ergab u.a.: Der Zug der Saiten auf den Banjokopf war zu stark. Ich mußte jeden Tag neu stimmen und zwar in eine Richtung. Sowas ist immer verdächtig! :rolleyes:
Tatsächlich zeigte sich bei der Rotation des Banjokopfes auf der Drehbank eine Unwucht am Saitenhalter-Ende. Daher wurde der Saitenhalter geändert und zusätzlich massiv am Banjokessel (mit Gewindeplatte innen) verschraubt (Bild 5)

Die Bilder zeigen das Banjo von allen Seiten (Bild 1-3), sowie noch Einzelansichten.
Die Saitenkerben am Sattel (Messing mit integriertem Nullbund) müssen nochmals an zwei Stellen vertieft werden: Zwei Saiten schnarren noch.
Der Probesteg (8 mm Höhe, Bild 5) klingt schon ganz gut, aber irgendwann mache ich da noch einen Test mit einem Massivteil (ohne Beinchen).
Die Mechaniken (Bild 6) bekommen noch Flügel aus schwarzem Büffelhorn.

Den Halsansatz habe ich vor der Verschraubung in schwarzem Leder gebetet (Bild 7).

Jedenfalls macht das Banjo viel Spaß beim Spielen und ich habe wieder viel gelernt. :)

Es folgt noch eine Projektkritik: Fehler, die ich nächstes Mal (wenn überhaupt ;)) vermeiden möchte.


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Hut ab, ist super geworden :great::great::great:

Gruß Kurt
 
Ich bedanke mich herzlich für Zustimmungen und Kekse! :)

Projektbesprechung

Das Projekt "Holzbanjobau" ergab nicht nur positive, sondern auch einige negative Erfahrungen oder zumindest: Es geht besser! :rolleyes:

Ich beginne mit der Besprechung der Einzelteile bei Hals und Kopf: Hat man eine genügend große Holzbohle zur Verfügung, kann man den gekröpften Kopf mit Hals auch aus einem Stück sägen - mit der Bandsäge. Bei Edelhölzern wie Pflaumenbaumholz aber eher ein Problem sowas in rissfrei zu bekommen. Der Messingsattel (Vorbild war mein Windsor No. 45) mit Nullbund ist sehr funktionell und das kleine Feature - Einarbeitung in Nut und Befestigung mittels Stiften- ist prima für Nachstellarbeiten. Insgsamt bin ich aber mit Banjohals und Halskopf zufrieden, auch mit den Hölzern und der Bundierung im Grenadill.

Banjokopf: ich werde ihn nie wieder aus Kreissegmenten zusammensetzen sondern aus Laminaten verleimen. Die Stabilität ist einfach besser, wenn man Laminate in z.B. drei Schichten um einen Walzenkörper (als Form) legt und miteinander verleimt und so einen Rahmen herstellt.
Die Fichtenholzdecke in ca. 2 mm Stärke hat gut gehalten. Die helle Farbe des Fichtenholzes ist aber bei dunklem Schellack sehr empfindlich. Eventuell empfiehlt sich da ein Klangholz von rehbrauner Farbe, wie Birnbaum, welches kaum Maserung zeigt.

Banjokessel: Der Banjokessel besteht aus stabverleimten Buchenholz. Die kreuz und quer verlaufenden Fasern sind extrem schlecht mit Schellack zu polieren, es gibt Fehlstellen in der Leimung und überhaupt gibt es kein so einheitliches Maserbild. Das muss besser! Da würde ich auch eher Laminate rund legen und in drei Schichten verleimen. Übrigens eine Methode, die dann auch ohne Drechselbank auskommt.

Resonatordeckel: Das Gleiche: lieber aus einem Brett oder zumindest längsverleimten Leimbinder herstellen, nie wieder aus stabverleimter Buche. Überhaupt muss ich die Maserung der Hölzer stärker beachten und in Harmonie bringen. Bei Verwendung von Laminaten (s.o.) läuft die Maserung rund um den Korpus und auch die Polierfähigkeit ist wesentlich besser. Da würde ich dann auch wieder, wie beim Banjohals, auf Pflaumenholz oder Kirschbaumholz zugreifen, beides gute Klanghölzer.

Verschraubungen: Die Verschraubung des Halses am Kessel mit drei Holzschrauben 6 mm ist adäquat und hält wackel- und spielfrei. Auch die vier Schrauben am Resonator und die vier Schrauben am Banjokopf: alles o.k. Es ist aber zu überlegen, ob sich nicht das Klangbild verbessert, wenn man den Banjokopf "schwebend" einbaut, wie bei den Zitherbanjos. Da hängt der Kopf an 4-6 Z-Haken am Kesselrand. Über den verbesserten Saitenhalter hatte ich schon geschrieben. Bei vielen Zitherbanjos hängt der Saitenhalter direkt am Banjokopf. Aber dort besteht der Kopf aus Metall und hält damit sehr viel mehr Zugkräfte aus. Bei einem Holzbanjo sollte daher die Verschraubung auch am Kessel hängen.
 
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G
  • Gelöscht von peter55
  • Grund: Kaufgebot
Herstellen eigener Flügel für die Mechaniken

Wie oben schon geschrieben, wollte ich die originalen Flügel der eingekauften Mechaniken durch Eigenkreationen ersetzen.:)
Meine Mechaniken hatten Planetengetriebe und die unten angebrachten Flügel waren auf einer abgeplatteten Achse aufgschraubt. Somit kann man die Flügel einfach losschrauben und durch beliebig andere Teile ersetzen. Auf die Achsen aufgenietete Flügel kann man auch ersetzen, ist aber hier nicht das Thema. Wir machen erstmal die einfache Version.;)

Die nachfolgende Beschreibung ist eventuell von allgemeinem Interesse, da es schon mal vorkommt, dass selbst bei neuen Instrumenten Flügel abbrechen oder beschädigt werden, z.B., wenn das Instrument mal umfällt. Und da lohnt es unter Umständen nicht, einen einzelnen Flügel zu kaufen, sondern der ist schnell mal gemacht, auch mit den Bordmitteln einer kleinen Heimwerker-Werkstatt.:cool:
Als Materialien eignen sich Knochen, Rinderhorn, Büffelhorn, Geweihknochen und Harthölzer. Es gibt auch eine Nuss zu kaufen, die einen guten Elfenbein-Ersatz darstellt - die Taguanuss. Oder man nimmt Bernstein, der sich wunderbar raspeln und polieren läßt.
Ich wollte jedoch einen ganzen Satz ( 5) herstellen, weil ich fand, dass natürliche Materialien besser zu einem Holz-Banjo passen und entschied mich für schwarzes Büffelhorn (Bild 1).

Mit Eisensäge, Feinsäge oder auch elektrischer Stichsäge wurde die rohe Form (Bild 2) herausgesägt: es sollte ein Flügel in Parallelogramm-Form werden.

Eine Schablone sorgte dafür, dass die 5 Teile annähernd gleich groß wurden (Bild 3).

In die Rohform kam zuerst das Schraubenloch für die spätere Verschraubung an dem Stehbolzen des Planetengetriebes. Es ist nicht leicht, so eine Bohrung zentrisch hinzubekommen.
Mittels Spannstock und Bohrständer geht das halbwegs (Bild 4). Wenn man die Abmessungen des Flügels mit 1 mm Zuschlag an allen Seiten versieht, hat man Spielraum bei nicht ganz zentrischen Bohrungen.
Somit dient dann das Bohrloch als Symmetrieachse für die weitere Bearbeitung.

Ich habe dann gleich ein passendes Gewinde (M3) eingeschnitten und eine Schraube eingedreht. Dies diente mir als Befestigung im Backenfutter zum Andrehen eines kleinen Absatzes (Bild 5). Darauf kann man aber auch verzichten.

Schwierig ist dann die Herstellung eines Sackloches in Form eines Langloches für die abgeplattete Achse an der Mechanik. Man kann es mit zwei kleinen Bohrungen nebeneinander versuchen, die man dann weiter aufbohrt oder man nimmt einen Dremel mit Fräs-Spitze. Jedenfalls soll es dann wie auf Bild 6 aussehen. Das Sackloch muss so lang sein, dass der Flügel bis unten aufsitzt. Dies muss man ausmessen und immer mal antesten.

Zur Formgebung: Das geht leicht mit Rspel, Rundfeilen und Sandpapier. Ich habe Griffmulden eingeschliffen und alle Kanten abgerundet. Am Schluss wird fein geschliffen: Sandpapier Körnung 100-400, dann feinste Stahlwolle. Vor dem Polieren gebe ich Schnellschleifgrundierung auf und poliere dann mit Karnaubawachs. Die fertigen Flügel (Bild 7-8) sind zugegebenermaßen nicht 100-ige Zwillinge, aber am Instrument sieht es gut aus.

Das Schöne ist: man kann sich jede Menge guter, neuer Formen für die Flügel ausdenken und hat dann wirklich Unikate am Instrument.



Bild1.JPG Bild2.JPG Bild3.JPG Bild4.JPG Bild5.JPG Bild6.JPG Bild7.JPG Bild8.JPG
 
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