Wie glaubhaft sind Instrumententests?

  • Ersteller Bowhunter
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Mich irritiert aber trotzdem die (hier offenbar nicht ganz unpopuläre) Sichtweise, dass Hersteller von Musik-Equipment in weiten Teilen Scharlatane sein sollen, die auf die "Fake-Reviews" der Fachmagazine angewiesen sind, um ihren Schrott an den naiven Musiker loszuwerden...!?

Im Gegenteil, die Gitarren wurden in den letzten 50 Jahren immer besser, oder zumindest billiger.
Richtig schlechte zu finden ist im Gegensatz zu früher schwierig:D

Die Fachpresse drückt sich halt um folgende unangenehme Wahrheiten:

1. wir sind größtenteils überflüssig, weil es nix Neues in der Gitarrenwelt gibt.:evil::evil::evil:

2.bis auf wenige recht objektiv bewertbare Dinge wie Lackqualität und Abrichtung der Bünde bringen wir nix als Meinung und Vorurteile unters Volk.
Der Klang einer Gitarre ist eben Geschmacksfrage, und schwierig mit Worten zu beschreiben.
Deshalb ist eine Gitarrenfachpresse das überflüssigste unter dem Himmel
:evil::evil::evil:
 
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Fachzeitschriften, Foren, Influencer, flankieren und sind ein wichtiger Bestandteil der Absatzmaschinerie. Wie kannst Du da glauben, daß es in Fachzeitschriften, Youtube Reviews lediglich um eine neutrale Produktvorstellung geht? Natürlich soll Kaufreiz generiert werden!

Das sehe ich ja genauso wie Du. Nur finde ich, dass man es darauf allein nicht reduzieren kann. Tut man das, muss die Bewertung - zwangsläufig - negativ ausfallen. Logisch.

Deshalb ist eine Gitarrenfachpresse das überflüssigste unter dem Himmel

Für mich (persönlich, und offensichtlich geht es anderen auch so) hat Fachpresse aber noch eine andere Funktion und deshalb ist sie für mich eben nicht überflüssig:

Für mich gehört zum Hobby E-Gitarre neben dem Üben und dem Spielen auch die Auseinandersetzung mit dem Equipment. Mir macht es einfach Spaß, mich darüber zu informieren, sei es in Form von den üblichen Interviews, in denen Profis über ihr Equipment sprechen, seien es Produkt-News oder "Testberichte".

Dabei "drehe" ich nicht mal viel Equipment, besitze meine - für mich unersetzbare - Hauptgitarre seit fast 30 Jahren, habe 20 Jahre dasselbe Top gespielt und kaufe nur neu, wenn ich etwas gebraucht absolut nicht bekommen kann.

Dennoch interessiert mich Equipment einfach, ich fühle mich gerne "aktuell informiert", behaupte aber, ziemlich unempfindlich zu sein, gerade was "Hypes" angeht und "Neuerungen", sie ich gar nicht als solche empfinde.

Beispiel: Mir gefällt nicht, dass Fender die bekannten und sinnvoll benannten "Classic 50s/60/70s" jetzt in "Vintera" umbenannt hat. Was für ein doofer Name ... Haben die jetzt den gleichen "name creator" wie Opel? Die wenigen Optimierungen (wenn es sie überhaupt gibt?) hätte man ja auch ohne großes Tamtam in die Serie einführen können. Ergo: Neuer Wein in alten Schläuchen, ein Aufhänger, die selben Instrumente mal wieder durch die "Testschleife" zu schicken. Aber, meine ureigene Entscheidung: Ich behalte meine 2000er Classic 60s Strat.

Nur: Diese durchaus kritische Haltung habe ich meiner Meinung nach nicht, weil ich die Fachpresse ignoriere, sondern weil ich sie lese. Und das nur als "Nebeneffekt", denn hauptsächlich lese ich, weil mir das einfach Spaß macht. Wie gesagt, für mich ein untrennbarer Teil meines Hobby und mir würde etwas massiv fehlen, wenn ich diese Option nicht mehr hätte.

So, und das die Fachpresse ein Teil des Spiels ist, das Thema für (vor allem) Hobbyisten spannend zu halten, damit jemand damit Geld verdienen kann - ja, natürlich!

Aber siehe oben: Zunächst mal profitieren wir doch alle von dem (Über-)Angebot an Produkten und Informationen. Und niemand steht mit der Waffe hinter uns und zwingt uns, im Anschluss an die Lektüre alles direkt im Netz zu ordern ... Das ist doch meine Entscheidung. Ich verstehe halt nicht, warum manche so empfindlich reagieren, nach dem Motto: "Ui, die wollen mich manipulieren ... Ups, die schaffen das ... Hm, jetzt bin ich unzufrieden (mit mir ...) - und schimpfe auf die Betrüger ..."

Für mich gilt hier wie allgemein im Umgang mit Presse:
Lesen -> Gegenlesen, mit anderen Quellen/eigenen Erfahrungen abgleichen -> Meinung bilden

Ja, und noch was: Hier im Board gibt es z.B. regelmäßig Werkstattbesuche von u.a. @hack_meck bei Klein(st)herstellern:

Man könnte denen ja auch vorwerfen, dass sie die x-te unnötige Variante von Gitarren-, Amp-, oder Effekt-Typ xy auf den Markt schmeißen - man erkennt doch aber gerade bei den "Kleinen" viel Herzblut und "Bestimmung" bei ihrem Schaffen. Ja, natürlich träumen die davon, mit ihrem Hobby zu verkaufen und Geld zu verdienen. Die werden auch Rechnungen zahlen müssen und Familien ernähren.

Ich finde es aber auch da nicht fair, immer alles drauf reduzieren zu wollen, dass mir jemand ans Portmoinee will ... Das entscheide - solange es nicht um Steuern geht - immer noch ich selbst und ich verstehe - "psychologisch" - einfach nicht die Empörung, an jeder Ecke Manipulation des eigenen Kaufverhaltens zu wittern. Ich bin einfach Anhänger der Idee des freien Willens ...
 
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Interessante Diskussion. Ganz oft wird hier der Wunsch nach Fakten ausgesprochen und es muss unbedingt objektiv sein. Aber wo bleibt da der Spaß. Dass ich mich selber schlau machen muss, bevor ich ein Produkt von meinem schwer Erspartem kaufe, dass sollte jeder selber wissen. Der Tester kann da nicht die Verantwortung übernehmen. Aber geht es nicht auch darum, unterhalten zu werden und - angesprochen! Wollt ihr wirklich umformuliertes Datenblatt-wissen, oder lesen, ob ein (hoffentlich kompetenter) Reviewer seinen Spaß mit dem Gerät hat und dabei fundiert UND unterhaltsam über die Pro & Cons eines Geräts schreibt?
Ich sehe das so: Musik ist Emotion und eine Gitarre kann auch mit schlecht bearbeiteten Bünden toll klingen. Job des Testers ist es doch, den Leser auf diese Dinge aufmerksam zu machen und trotzdem die Kirche im Dorf zu lassen. 2019 gibt es doch kaum richtig schlechte Instrumente - deswegen wir man auch kaum einen richtigen Verriss lesen. Selbst eine 79 Euro Harley Benton hat seine Daseinsberechtigung.
Oder andersrum: Fragt Euch doch mal selber, wie IHR diesen Test schreiben würdet - und wie die Reaktion Eurer Leser wäre.
 
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Interessante Diskussion. Ganz oft wird hier der Wunsch nach Fakten ausgesprochen und es muss unbedingt objektiv sein. Aber wo bleibt da der Spaß..

Ist wie beim Playboy, wir wissen alle inzwischen wie nackte junge Frauen aussehen:cool:

Aber wems Freude macht der soll halt neue Bilder gucken dürfen.
Ich selber finde ja schöne Gitarren sehr erotisch:D
aber Anfassen ist besser als nur Bilder in Heftchen gucken:rolleyes:
 
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Ich meinerseits habe mir heute das neue GUITAR 11/2019 Magazin geholt und sage DANKE ...

.. denn nach dem Fender Telecaster Vintera Test, (50, 60,70)kommt für mich dieses Model - und ich habe eine neue Tele im Visier - NICHT in Frage .....

Da für mich wichtige Punkte angesprochen wurden die nicht dem entsprechen was ich von der Tele erwarte ......

Also bei manchen kommt es durch diese Tests auch zum NICHTKAUF .....

ENTSPANNT EUCH MAL
 
Mein Kaufverhalten wird von diesen Tests wenig bis garnicht beeinflusst.
Ich hole mir da allerdings Ideen ob ein Produkt überhaupt für mich interessant ist.

Dann wird sich weiter informiert bzw. angespielt.

Der Markt ist so übersättigt, dass man irgendwo den Filter ansetzen muss.
 
Vielleicht liegt es am fortgeschrittenen Alter...

Früher habe ich Zeitschriften rund ums Thema Gitarre verschlungen. Irgendwann hatte man alles schon mal gelesen, gespielt und ausprobiert.
Der ein oder andere heilige Gral der hoch gelobt wurde, wurde durch eigenes Probieren oft entzaubert und man bildet sich irgendwann seine eigene Meinung und hat auch so seine Vorlieben und lässt sich nicht mehr alles erzählen.

Ich hatte so das Gefühl, alles wiederholt sich immer irgendwie in den Zeitschriften. Irgendwann konnte man sich über alles im Web rund um die Uhr informieren. YOUTUBE und andere Quellen sorgten für noch mehr Infos.

Instrumententests mache ich heute lieber selber und nach 33 Jahren Gitarre weiss ich besser was zu mir passt, was mich anspricht und was nicht...

In Zeiten von Influencern, bezahlten Youtubern,usw. ...also Leuten die professionell davon leben Dinge über den Klee zu loben bin ich kritischer denn je...

Die ein oder andere Signature entpuppte sich meist als teure Standardware und die Differenz als Lehrgeld das in die Tasche des
namensgebenden Idols wanderte.

Wenn man seinen Heroes schon nicht mehr trauen kann, warum einem Typen der hofft ohne richtige Arbeit auf YouTube mit Reviews reich zu werden...

Just my 2 cents
 
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Beispiel: Mir gefällt nicht, dass Fender die bekannten und sinnvoll benannten "Classic 50s/60/70s" jetzt in "Vintera" umbenannt hat. Was für ein doofer Name ... Haben die jetzt den gleichen "name creator" wie Opel? Die wenigen Optimierungen (wenn es sie überhaupt gibt?) hätte man ja auch ohne großes Tamtam in die Serie einführen können. Ergo: Neuer Wein in alten Schläuchen, ein Aufhänger, die selben Instrumente mal wieder durch die "Testschleife" zu schicken. Aber, meine ureigene Entscheidung: Ich behalte meine 2000er Classic 60s Strat.

...
man kann sich über die Namensgebung streiten - aber - wie oft gibt es Fragen wie:
"ab welchem Baujahr sind in Strat XYZ diese PUs verbaut"? u.ä.
So etwas lässt sich in diesem Fall recht einfach beantworten
 
Die meisten Tests werden ich Fachmedien hveröffentlicht.
Diese finanzieren sich auch und vor allen aus Werbeeinnahmen.
Also würde man sich bei zu schlechten / ehrlichen Testberichten vielleicht den Ast absägen
auf den man werbeanzeigeneinnahmetechnisch selber sitzt.

So ist es auch in der Branche wo ich arbeite.
Deren Fachpresse und " Testberichte" lese ich schon lange nicht mehr.
 
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Die meisten Tests werden ich Fachmedien hveröffentlicht.
Diese finanzieren sich auch und vor allen aus Werbeeinnahmen.
Also würde man sich bei zu schlechten / ehrlichen Testberichten vielleicht den Ast absägen
auf den man werbeanzeigeneinnahmetechnisch selber sitzt.
Richtig, wenn man den absolut objektiven Test haben möchte müssten die Zeitschriften auch ohne eine einzige Werbung finanzierbar sein....was würde dann wohl eine Ausgabe der G&B oder Guitar kosten?
Alternativ hat man denn evtl. Werbung für Frühstücksflocken neben den Testbericht über das insgesamt 8394. OD-Pedal auf dem Markt.
Erschwerend kommt hinzu das bei so einem Test ja immer nur 1 Exemplar getestet wird. Stichwort Serienstreuung. Da kann die getestet Gitarre ein Glücksgriff sein oder eben auch eine Gurke.
Ich persönlich kaufe nur ganz selten die Guitar, die G&B gibt es bei uns im Laden leider nicht, nur Sonderausgaben wenn man mal Glück hat.
 
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Ich kann Testberichten durchaus etwas abgewinnen. Nicht als Kaufanreiz sondern in umgekehrter Reihenfolge: 1. Das Gerät ist aufgrund der beschriebenen Eigenschaften ohnehin nichts für mich. 2. Evtl. interessant, hole mir vielfache weitere Informationen ein (Händler, bondeo, youtube, Hersteller, internationale Foren etc. etc.) . 3. Gibt es auch mal technische Innovationen, von denen man sonst nichts erfahren hätte.

Online ist ja eh alles zugänglich, gedruckte Hefte kaufe ich nur selten, weil ich beruflich bedingt das Privileg habe, immer mal wieder Ausgaben kostenlos zu erhalten.

Entlarvt: Was für mich allerdings gar nicht geht: Blumige Einleitungstexte zu "Tests". Und da gibt es quer durch die "Fachblätter" Schreiberlinge, die ihr Werbeschreiben-Handwerk als den Gral journalistische Fähigkeiten verkaufen.

Obacht also vor allem, wenn sogenannte "emotionale Verstärker" eingesetzt werden. Hier mal eine Beispiel aus einem unerträglichem Text eines "Fachblatts". Alle folgenden Beweihrächerungen stammen aus einem einzigen(!) Artikel eines so genannten "Produktests" aus einem so genannten "fachblatt" - achtet mal auf die unerträglich nichtssagende Ballung der emotionalen Verstärker:

"Lächeln ins Gesicht gezaubert - legendäres XXX-Werk - äußerst freundlicher Preis - humaner Kurs - eine Menge Qualität fürs Geld - schlaue XXX-Entwickler - fantastischer Brückenschlag - die Magie des Großen - ganze Arbeit geleistet - Quintessenz perfektioniert - eine der besten Kauflösungen 2019 ... - herrlich leise - größter Trumpf - unkaputtbar - echte Bereicherung - ideale Ergänzung - perfekt Lösung - echter Wurf - mächtig stolz.

Wäre ich Abonnent diese Blattes, hätte ich es allein schon wegen dieser journalistischen Zumutung mit einem entsprechendem Begleitschreiben gekündigt. Diesen Billigstil bekommt man ja selbst noch in der in schlechtesten Briefpostwerbung so primitiv kaum ins Haus. Wer für solchen Totalschrott dann noch freiwillig zahlt, hat selber Schuld.

Wäre das mein Verlag, bekäme der Chefredakteur, der solche Artikel überhaupt zulässt, von mir einen fetten Einlauf. Solche Beiträge sind so aufdringlich und so peinlich werbekundenlastig, dass es die Glaubwürdigkeit des gesamten Produkts nachhaltig schädigt.
 
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Da stimme ich Dir zu. Aber es ist ein schmaler Grat, denn völlig emotionslos verfasste Tests langweilen mich dann auch schnell einmal.
Ein Vorteil ist es, wenn man neben dem Text auch stets auf den Verfasser achtet. Man kann die Aussagen besser einordnen, wenn man bedenkt, ob da einer der Enthusiasten für alles, was sie in die Finger bekommen, oder eher ein nüchterner Autor am Werk war.
(Ich würde jetzt gern auch die Negativbeispiele nennen, lasse das aber lieber....^^ Positiv fällt mir z.B. immer mal wieder Udo Pipper auf)
 
Richtig, wenn man den absolut objektiven Test haben möchte müssten die Zeitschriften auch ohne eine einzige Werbung finanzierbar sein...

Moin Marschjus, in dem von mir gefetteten liegt meiner Meinung nach aber schon eine unerfüllbare Erwartungshaltung: Es kann - bei den allermeisten - Produkten keine absolut objektive Einordnung geben. Zumindest nicht, wenn es um den Faktor Klang geht. Dazu spielen zu viele Faktoren eine Rolle, die gar nicht 1:1 übertragbar sind. Selbst, wenn die Redakteure in einer Infobox erwähnen, mit welchem Equipment sie gestestet haben, werde ich die Testbedingen nicht nachstellen können. Dazu bräuchte ich unbedingt die Hände und Ohren des Tester ... (haha, ... kennt jemand "Guardians Of The Galaxy"?)

Wo eine objektive Vergleichbarkeit möglich ist, wird sie auch durchaus geliefert, siehe Vergleichstest in der vorletzten G&B zum Thema Noisegates. Da gab es sehr deutliche Aussagen, welches Gerät wie (gut) funktioniert.

Ich glaube, dass wir Deutschen irgendwie ziemlich extrem (von der Fachpresse zu anderen Themen wie Autos erzogen?) sind, immer eine objektive Vergleichbarkeit und einen eindeutigen Sieger zu erwarten. Und wenn es den nicht gibt, oder den falschen, dann kann etwas nicht stimmen ... (ein Fall von "German Angst"?)

Vor einigen Jahren gab es in der G&B mal einen Vergleich von P90-PUs, an dem diverse Redakteure teilnahmen und das Ergebnis war dann eine Tabelle/Matrix, wo man sehen konnte, wer welchen PU wie bewertete. Auch das haben sie probiert, auch das ist aber genauso wenig objektivierbar ...

Deshalb mein Tipp: Von der Erwartung lösen, in den Magazinen objektivierbare, eindeutige Ergebnisse zu lesen, auf die man sich blind (bzw. taub ...) verlassen kann. Dann liest es sich schon gleich entspannter. Wenn man mag.

Hier mal eine Beispiel aus einem unerträglichem Text eines "Fachblatts".

Da stimme ich Dir zu 100% zu. Danke für das Beispiel. Ich hatte @blechgitarre oben auf der Seite auch mal gebeten, mir ggf. ein Beispiel zu zitieren, worüber genau sich aufregt. So lässt sich nämlich gut eingrenzen, worüber wir überhaupt reden. Bevor wir aneinander vorbeireden...

Bei diesem Beispiel sind wir uns komplett einig. Das klingt wie der Originaltext aus dem Werbematerial des Herstellers. Eines Herstellers wohlgemerkt, der sich kein kompetentes Marketing leistet. Denn solche Ergüsse schrecken halbwegs mündige Käufer doch eher ab ... Würde man meinen ...
 
Also ich denk ja immer, wenn ein Instrument bei Bonedo nur vierenhalb Sterne bekommt, muss es WIRKLICH Schrott sein. ;)
 
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Selbst wenn man den ( gewichtigen !) Aspekt der Abhängigkeit von den Werbeanzeigen durch die großen Hersteller außer Acht lässt, bleibt da ein weiterer Auslöser für Befangenheit beim "Tester":
Die zu testenden Artikel werden doch für die Dauer des Testens ( fast) ausnahmslos als Leihgabe vom Vertrieb oder gleich vom Hersteller dem Medien- Betreiber unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

Da ist doch eine gewisse Neigung zum "Wohlwollen" schon vorprogrammiert auf Seiten der Journaille...und das muss ja per se nicht mal verwerflich sein, sonderm eher menschlich nachvollziehbar...
( wenn ich zum Essen eingeladen bin sage ich ja auch nicht, dass es mir nicht schmeckt)

Oder was wäre, wenn die Blättchen den ganzen Krempel selber erst käuflich erwerben müssten ?

Da verheddert man sich dann gerne in den eigenen klangmalerischen Verschwurbelungen.
Kostprobe ?
Ich hab eine alte Guitar aus dem Jahr 2005; da wird ein Solid State Amp von Tech 21 reviewt.
Der Autor konstatiert zunächst mutig, dem Amp fehle " in den allerhöchsten Lagen des Griffbretts der gewisse Schmelz", den "nur Vollröhren Amps" zu liefern imstande seien.
So weit so gut, aber gleich im nächsten Satz wird (pflichtschuldigst ?) relativiert:
Der Transen Amp gleiche das Fehlen des erwähnten "Schmelz" durch eine "ordentliche Portion Wärme" wieder aus...
Ja was nun ?
Erst schwarz, dann weiß ?

Was ich mir immer wieder vor Augen führen muss:
Wir leben in einem auf ständigem Konsumverhalten und Wachstum basierenden Wirtschaftssystem.

Der Markt ist bereits total übersättigt.
Also müssen über die rein emotionale Ebene ständig neue ( künstliche) Bedürfnisse erzeugt werden.

Ob ich als Produzent dabei Kaugummi, Autos oder Klampfen an die Verbraucher bringen will, ist komplett wurscht...
ich muss nur ein im Grunde austauschbares ( Lebens- ) Gefühl mit dem Gegenstand verknüpfen.
 
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(...)Auslöser für Befangenheit beim "Tester" (...) gewisse Neigung zum "Wohlwollen"(...) ( wenn ich zum Essen eingeladen bin sage ich ja auch nicht, dass es mir nicht schmeckt
Genau das unterscheidet die Herangehensweise eines Journalisten von unsereinem. Sollte zumindest. Dass es Ausnahmen geben wird - natürlich. Wir hatten dieses Jahr einen großen Skandal beim Spiegel, wo jemand das, was er in der Ausbildung zum Journalisten gelernt hat, auf's Gröbste verletzt hat.

Gut, jetzt hat es sicher einen anderen (möglichen) Impact, wenn ein Journalist eines Nachrichtenmagazins oder einer Tageszeitung "eingefärbt" über Weltgeschehen berichtet und seine subjektive Meinung nicht als solche kenntlich macht, als wenn irgendein Musikequipment "beworben" wird.

Und schwarze Schafe gibt es überall. Und ich vermute mal, dass nicht jeder Musik-Redakteur eine klassische Journalisten-Ausbildung hat, sondern sich vor allem über Musik-/Equipment-Know-How + Texttalent empfehlen konnte.

Trotzdem kann ich den Gedankengang echt nicht nachvollziehen, erstmal allen per se unterstellen zu wollen, dass sie uns vereimern wollen.

Ich kann mir diesen (regelrechten Angst-)Reflex auch fast nur noch so erklären, dass man sich unsicher ist! Anstatt einfach mal eine gesunde Distanz zu dem Geschreibsel aufzubauen, was soll denn schon passieren? "Huch, jetzt habe ich das Teil, das so gelobt wurde, und jetzt funktioniert das in meiner Kette gar nicht? Wie konnte ich mich so über's Ohr hauen lassen!" - oder wie?

Kostprobe? Ich hab eine alte Guitar aus dem Jahr 2005; da wird ein Solid State Amp von Tech 21 reviewt. Der Autor konstatiert zunächst mutig, dem Amp fehle " in den allerhöchsten Lagen des Griffbretts der gewisse Schmelz", den "nur Vollröhren Amps" zu liefern imstande seien.
So weit so gut, aber gleich im nächsten Satz wird (pflichtschuldigst ?) relativiert:
Der Transen Amp gleiche das Fehlen des erwähnten "Schmelz" durch eine "ordentliche Portion Wärme" wieder aus...
Ja was nun ?
Erst schwarz, dann weiß ?
Naja, dass Du einen Artikel von 2005 in der "Guitar" gefunden hast, ist natürlich ein schlagendes Argument, dass das in der "G&B" ebenso und durchgängig bis 2019 praktiziert wird ...

Das ist aber nicht der Punkt, diese (ich bin da unbedingt bei Dir!) "klangmalerischen Verschwurbelungen" darf man aber einfach nicht als objektives Urteil verstehen! Diese Art der Formulierungen sind doch gerade dem Umstand geschuldet, dass man in so einem Test doch nicht ernsthaft wird behaupten können: "Dieses Gerät/Gitarre ist in allen denkbaren Gitarren-/Effekt-/Amp-/Lautsprecher-Kombinationen tatsächlich das beste seiner Art".

Ersatzweise wird es dann "blumig". Und Du lieferst hier ein schönes Beispiel für das, was ich immer wieder behaupte: Jeder empfindet das anders. Dein Beleg für einen Widerspruch ist, dass "Wärme" doch gar kein Gegensatz zu "Schmelz" sei - aber das empfindet doch jeder anders.

Das MB ist doch voll von genau diesen Wortklaubereien: Was dem einen "fette Mitten" sind, sind dem anderen "sahnige Mitten". "Sahnige Mitten", wie oft ich das allein hier schon lesen muss, wenn jemand sein eigenes Equipment reviewt.

Letztlich sind wir alle hilflos, wenn wir unser Hörempfinden jemand anderem zugänglich machen wollen. Ich finde es deshalb - so wie Du - albern, solche Texte wie den von Dir zitierten lesen muss (auch wenn ich dem Fall sogar zu verstehen glaube, was er mit "in den allerhöchsten Lagen des Griffbretts fehlt der gewisse Schmelz" sagen wollte).

Ich kann nur sagen: Ich lese so eine Schreibe in der G&B nicht bis sehr selten, die "Guitar" schreibt mir auch zu "begeistert" (und oberflächlich, zielt aber wohl auch auf eine andere, jüngere Zielgruppe als die G&B) und die "Grand Gutars" teilweise zu "esoterisch". Das hängt auch immer vom Autor ab. Eine Grundrichtung der Redaktionen sehe ich aber schon, die drei Magazine bedienen andere Schwerpunkte und wollen, bzw. sollen sich jeweils von den beiden Wettbewerbern unterscheiden. Deppen wie ich kaufen in manchen Monaten sogar alle drei Ausgaben...

Aber, und das ist das Entscheidende: Ich bin mündiger Leser, kann differenzieren und einordnen. Mich beeinflusst das, was ich lese, ganz sicher nicht bei der Kaufentscheidung. Wohl aber finde ich Anregungen, mal Geräte in den Blick zu nehmen, auf die ich von selbst nicht gekommen wäre. Dafür bin ich offen. Diese "Mündigkeit entdecke ich hier im Verlauf der Diskussion bezeichnenderweise auch bei allen "Befürwortern" der Magazine.

Und letztlich: Entscheide ich doch mit meiner Kaufentscheidung für oder wider dem einen oder dem anderen Magazin. Wer sich das Geld voller Überzeugung sparen kann, macht aus seiner Sicht doch alles richtig. Warum dann noch aufregen?

Vielleicht eben, weil eine Erwartungshaltung da ist, die eben nicht erfüllt haben. Niemand kann mir verbindlich sagen, was für mich das "objektiv" beste Equipment ist. Das können nur die eigenen Ohren entscheiden...

Wer sich - allein - aufgrund der "verschwurbelten Klangmalerei" in einer Zeitschrift irgendetwas kauft und dann enttäuscht ist, erntet bei mir jedenfalls relativ wenig Mitleid ... und ich fände es dann auch eher unreif, die "Schuld" für die eigene Entscheidung bei anderen zu suchen.
 
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Und letztlich: Entscheide ich doch mit meiner Kaufentscheidung für oder wider dem einen oder dem anderen Magazin. Wer sich das Geld voller Überzeugung sparen kann, macht aus seiner Sicht doch alles richtig. Warum dann noch aufregen?
Ich habe nicht den Eindruck, daß sich jene Threadteilnehmer welche sich ablehendend gegenüber "Fachzeitschriften" und deren sogenannter "Tests" äußern, aufregen.
Sie geben recht locker ihre Meinung kund, teils noch mit recht anschaulichen Beispielen untermalt, fertig.

Was mir aber auffällt sind die Antworten darauf von Fachzeitschriftentest-Beführwortern, die auf mich teilweise schon missionarisch, klebrig rüberkommen "a la Du verstehst das falsch", "Man muß da mit der richtigen Erwartungshaltung rangehen".
 
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Es werden sogar Fachbücher darüber geschrieben, wie man den Verkauf emotionalisiert, um nicht mit unrentabler Qualitätssteigerung in einen ruinösen Wettbewerb zu geraten, den man garnicht gewinnen könne. Das ... hat sicher einen wahren Kern einerseits, die Luft wird nach oben immer dünner (hier und überall), andererseits ist die Fokussierung darauf, daß man gezielt Emotionen anspricht, geradezu perfekt geeignet, die realen Eigenschaften darüber zu vernachlässigen.

Man kann Fehler als "Charakter" bezeichnen. Oder als Fehler.

Bei vielen Produkten ist aber auch, nicht zuletzt durch stetige Entwicklungsarbeit über lange Zeiträume, ein Reifungsprozeß gelaufen, der die wirklich schlechten Lösungen komplett verdrängt hat und damit stehen solche Merkmale im Prinzip nicht mehr zur Differenzierung oder Identitätsbildung Verfügung, sondern werden flächendeckend vorausgesetzt. Nischen wären da ein Ausweg, der aber den ganz großen Anteil am Markt ausschließt - gleichgut, aber anders als die Norm ... spricht dann eben auch nur bestimmte Kunden an, das läuft am Ende genauso, nur sind Anzahl der Konkurrenten und Menge potentieller Kunden i.A. geringer. Eher der Norm entsprechend, aber auf extrem hohem Niveau ... das geht auch, geht aber oft mehr in Richtung Kunsthandwerk als daß es wirklich klangliche Eigenschaften oder Bespielbarkeit betreffe - und auch da ist die PR mindestens so wichtig wie die tatsächlich erbrachte Leistung bzw Produkteigenschaften.

Gesättigter Markt, ausgereiftes Produkt, ... die Innovationen von früher definieren die Standards von heute, und so weiter ... und das alles ist von verschiedenen Seiten zu sehen. Der kleine Hersteller um die Ecke, der sich vielleicht irgendwann einfach überlegt hat, daß er davon besser leben kann als von allen anderen seiner Optionen ist keine gute Story. Das ist langweilig. Aber wenn er zum David wird, der den Goliaths dieser Welt zeigt, wie der Hammer läuft, da ist was draus zu machen ... ein arroganter Arsch oder ein Original mit Ecken und Kanten - das ist oft genau derselbe ... hatte dieses Jahr das Vergnügen mit so einem, da kann ich dann irgendwie auch drauf verzichten. Freilich nicht auf jeden, der dieser Kategorie angehört... Echte Überzeugungstäter, mit Spaß an ihrer Arbeit und ihrem Produkt, sind mir grundsätzlich sympathisch, nur manchmal wird eben zuviel Wert auf die Story gelegt, und zu wenig aufs Dahinter.

Auch der lebt von einer Geschichte, die er erzählt und erzählen läßt, davon, daß die Kunden in der Gitarre, die er gebaut hat, etwas Besondereres sehen als in Stangenware, auch wenn es nicht allzuviel Originalität in der Konzeption gibt, also ein ehemals wirksames Differenzierungsmerkmal nicht mehr verfügbar ist ... dann muß es eben Exklusivität richten - eine kleine Werkstatt in einem Hinterhof hat einfach nicht diie Kapazität von Samick, kann auch nicht dieselbe Qualität zum selben Preis liefern - Exklusivität und ästhetische Merkwürdereien bleiben als einzige Option über, wenn man nichts Besonderes anbieten möchte oder kann (da müßte erstmal etwas gefunden werden, das sinnvoll vom allgemein Akzeptierten abweicht, und nach dessen Sinn ein Bedarf besteht - fanned Frets in einer Hollowbody? Kann man machen ... aber die Kunden fürs Eine und Andere sind i.A. nicht dieselben... Bietet das überhaupt einer an?).

Lesen wir es einfach als Werbung ... und stellen ästhetische Ansprüche daran. Ein gut geschriebener Test informiert nicht weniger, aber unterhält. Ein blöd geschriebener Test nervt.
 
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Dieser Thread ist so bezeichnend für die heutige, übermanipulierte Zeit.

So ziemlich einem Jedem wurde von irgendeiner Seite das Gehirn gewaschen.
Der Eine glaubt. dass Gitarren immer besser werden, dem Nächsten kratzt das Vorinformieren über eine Produktgattung an seinem Spassfaktor, ein Anderer wieder glaubt, dass Draht auf Holz Unsummen rechtfertigt und der Nächste glaubt an eine spassgetriebene Fachpresse. Und die versprengten Reste glauben an irgendeinen unkategorisierbaren Sums.

Ganz wenige haben noch eine Idealvorstellung irgendwo ganz hinten im Oberstübchen, bringen ihre einst so überzeugenden Argumente, Ausdruck hart erkämpfter zivilisatorischer Errungenschaften mittels Schlagworten vor, die in der gedankenfremdgesteuerten Spassgesellschaft leider nicht mehr fruchten.
Freie Berichterstattung - freier Markt - Value for money - Transparente Waren-und Geldströme - faires Wirtschaftssytem - keine Mauscheleien, keine Monopole, keine Kartelle, etc.

Nun ja, ein Jeder bekommt, was er verdient.
 
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