ADHS, spielen zum Backing Track oder in der Band

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FK Morta

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Hallo.
Ich habe mal eine Frage. Ich spiele zwar zur Zeit mehr Bass als Gitarre, aber hier ist mehr los im Forum und es passt bei beiden.

Ich vermute, dass ich ADHS haben könnte. Bin gerade in der Testung. Und ich habe ein großes Problem, ich komme immer raus, wenn der Sänger singt oder ein anderes Instrument sehr dominant ist. Ich frage mich, ob es da einen Zusammenhang geben könnte. Gibt es hier andere die an ADHS leiden? Spielt es sich ggf. mit Medikation leichter? Ist man dann weniger abgelenkt?
 

Kann schon sein, aber es gibt sooooooooooooo viele Musikerinnen (bzw. Künstlerinnen generell), die neurodivergent sind. Also ich würde sagen: Schlechte Ausrede, weiterüben!
 
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ADHS hier, ohne Medikation und es heißt nur, dass du deinen Teil der Musik noch nicht in- und auswendig kennst 😁 Mir geht es im Chor auch so. So lange ich meine Melodielinie nicht richtig im Ohr habe, bin ich raus sobald die anderen Stimmen dazukommen.
 
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Das hat aus meiner Sicht nur bedingt was mit ADHS zu tun (und ja, ich kenne mich damit aus). Medikamente können dir zwar helfen, damit du nicht so leicht abgelenkt wirst, aber hier hört sich das für mich eher danach an, dass du dich selbst und den Taktgeber nicht gut genug hörst

Selbst ich komme beim Proben ab und an raus, wenn ich einen Song nicht richtig kann. Und damit meine ich, spielen ohne drüber nachzudenken. Oder wenn ich mich, oder den Klick (Drums) nicht richtig höre.
Wenn allerdings "alle" auseinander laufen, weil keiner sich an irgendeinem Timing orientieren kann, dann wirds schwierig.

Die Frage ist ja, schweifst du ab und denkst über alles mögliche nach, was nicht mit der Musik in dem Moment zu tun hat, fängst an zu "träumen" oder fragst dich, warum vielleicht die eine Wand Blau gestrichen wurde?
 
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Als angehender Kinderpsychoanalytiker kann ich im Hinblick auf manifestes oder v.a ADHS in jedem Fall sagen, dass die dahinterliegenden intrapsychischen Konflikte etc bedeutsam sind. Wir würden häufig eine dahinterliegende Beziehungsstörung etc behandeln. In diesem Sinne rate ich dazu, nicht alles auf das ADHS zu schieben sondern, etwas differenzierter zu reflektieren: Gibt es eine grundsätzliche Tendenz zu Revérie etc, die sich auch im Alltag zeigt? Wie ist es um die Banddynamik bestellt und damit meine ich die Beziehungsdynamik. Wie ist das Gitarrenspiel an sich besetzt? Eher Leistungscharakter etc? Gibt es einen unbewussten Sinn des ‚nicht im Takt bleiben könnens‘? Das sind jetzt alles wilde und damit ein stückweit unangemessene Spekulationen, aber ich wollte etwas die Perspekive auf das ADHS weiten.
 
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  • #6
Riverie? Wenn ich google. Komm ich auf eine französische Gemeinde. Was sicher nicht gemeint.

Naja, schon mal ist es auch das Eichhörnchen im Garten, das mich ablenkt, wenn ich beim Üben aus dem Fenster gucke. Und dann bin ich auch raus.

Es ist halt unbefriedigend, wenn man schon wirklich lange an einem Stück sitzt und es einfach nicht gelingen will. z.B. weil ich es nicht abschalten kann zumindest im Kopf die Melodie mitzusingen.
 
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Ich kenne ein paar ganz hervorragende Musiker mit ADHS. Mag sein, dass DICH vieles bei der Musik ablenkt, dann bis du halt einfach nicht tief genug in der Musik drin. Mag an fehlender Übung liegen, vielleicht aber auch an fehlendem Zugang zur Musik oder sogar an fehlendem Talent. Wie sollen wir das wissen?
Und selbst wenn es einen Zusammenhang gibt, was hilft dir die Erkenntnis? Gibts du die Diagnose dann einfach zurück, weil sie dir nicht passt?

Ich denke, wie wir alle musst du halt mit deinen persönlichen Resourcen das Beste anfangen, was genau dir hilft, kannst nur du selbst herausfinden. Ist ja auch immer die Frage, wie lange du schon mit diesem Problem zu kämpfen hast.
 
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Ich würde beides machen, Backingtrack und Band. Und Üben hilft wirklich viel!
Auch Tänzer müssen lange üben, um z.B. bestimmte Bewegungen zu isolieren. Darum gehts in der Musik ja auch, sich selbst und die anderen isoliert wahrzunehmen.
Vor allem würde ich immer wieder versuchen, mich selbst „rauszubringen“, nicht auf jemand warten. Z.B. hast Du mal probiert, während des Musikmachens zu reden?
Und (ernstgemeint): es gibt eine m.E. musikalisch hervorragende Band namens „ADHD“ (ich glaub, aus Norwegen), die beschreiben beim Konzert nebenbei auch, wie sie auf ihren Namen (die englische Schreibweise von ADHS) gekommen sind. Unbedingt mal anhören, deren Musik.
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Und wenn schon ne Schublade 😉 nimm ADS (hyperkinetisch biste ja offenbar nicht).
 
  • #10
Wenn du sagst du kommst häufig raus sobald ein anderes Instrument dominant ist. Hörst du dich denn vernünftig?
Also ist, für dich, dein Instrument neben dem dominanteren trotzdem akustisch wahrnehmbar?
 
  • #11
Es war Reverie gemeint.
In der Psychologie und Psychoanalyse bezeichnet Reverie (französisch für Träumerei oder Versonnenheit) einen Zustand träumerischer Offenheit und Empfänglichkeit, in dem unbewusste Gefühle, Bilder und psychische Zustände verarbeitet und transformiert werden.
Weiter werde und kann ich mich bzgl des T.E. hierzu nicht äußern.

angehender Kinderpsychoanalytiker
Angehender !

Das sind jetzt alles wilde und damit ein stückweit unangemessene Spekulationen, aber ich wollte etwas die Perspekive auf das ADHS weiten.
Du konntest die Angemessenheit deiner weiten Spekulationen erhöhen indem du sie wertfrei und nachvollziehbar formulierst
- nur so ein Tipp
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Ich weiß jetzt nicht wie du übst?

Ab und an macht es Sinn sich kurze Episoden zu gönnen dazwischen Pausen in denen du bewusst was anderes machst.

Bsp:
5 min üben - 2 min bewegen, lesen, Müll rausbringen etc.
Und so weiter….
Die Zeitrahmen kannst Du nach Gusto variieren .

Als ich das gelernt hatte ging vieles einfacher, vielleicht hilft es.
 
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  • #12
Du konntest die Angemessenheit deiner weiten Spekulationen erhöhen indem du sie wertfrei und nachvollziehbar formulierst
- nur so ein Tipp
Och so wertend war das gar nicht gemeint. Kann ich vielleicht über so ein Posting nicht gut vermitteln. Da ich am Ende meiner Ausbildung bin und schon recht viel Behandlungserfahrung habe, mute ich mir da durchaus eine fundierte Perspektive zu. Ich wollte den TE nur ermutigen, ob jetzt eine ADHS vorliegt oder nicht, sich über eine dahinterliegende Thematik zusätzlich Gedanken zu machen. Das wird meiner Meinung nach bei ADHS selten getan und vieles darauf geschoben. Kann aber gut sein, dass mein Beitrag unangemessen rüberkam, aber das kann der TE ja für sicht entscheiden.

Denke im echten Leben klinge ich freundlicher :)
 
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  • #13
Ich vermute, hier gibt es viele neurodivergente Menschen. Ob man darunter leidet, ist wohl sehr individuell. Ich bin auch spät diagnostiziert (mitte 40). Mein größtes Problem war mein Leben lang eine extreme Tagesmüdigkeit, obwohl ich gut schlafe. In den letzten Jahren kamen Depressionen dazu. Ein Zusammenbruch mit Verdacht auf Schlaganfall war der Auslöser, dem "Warum" nachzugehen. Bis zur Diagnose hat's dann noch ein paar Jahre gedauert und viele Ärzte verschiedener Fachrichtungen gebraucht. Dann nochmal Monate, um einen Termin zur Behandlung zu bekommen.

Seit letztem Sommer bekomme ich Methylphenidat. Die Symptome, die mir den größten Stress gemacht haben, sind quasi über Nacht verschwunden. Keine (unerklärliche) Tagesmüdigkeit mehr, keine Überempfindlichkeit gegen Gerüche und Licht, Kontrollzwänge gehen zurück, Brainfog ist kaum noch ein Thema, ich kann sogar einfach mal vom Stuhl aufstehen und etwas erledigen...wahnsinn.

Was mich nie gestört hat, war die Unruhe in meinem Kopf. Die ist auch weiterhin vorhanden, allerdings irgendwie geordneter. Ich bin in meinem Hirn nicht mehr nur der Beifahrer, der mal reinrufen kann wo er emotional/gedanklich hin will, sondern sitze recht oft selbst am Lenkrad. Ich finde immer mehr heraus, wie ich mich selbst zu bedienen habe und brauche vielleicht auch keine Therapie, wofür ich aktuell eh keinen Platz bekomme.

Die erste Probe mit Medikation war...krass. Dieser Nebel im Kopf war weg und alles funktionierte irgendwie einfach. Das Gegenteil merke ich genauso, wenn ich während der Probe in den Rebound rutsche. Ich hatte nie das Gefühl, Probleme mit meiner Konzentration zu haben. Rückblickend sehe ich erst, wie verpeilt ich war. Der verpeilte Typ kommt auch wieder raus, wenn ich die Medis weglasse (also vergesse 😅). Ich habe aber Hoffnung, irgendwann Frieden mit Ihm schließen zu können. Bis dahin nehme ich halt die Pillen.

Jetz zu deiner Frage 😅:
Ich kann mich auch mit Medis nicht lange auf etwas konzentrieren. Ich zwinge mir da aber nichts mehr auf. Ich übe dann, wenn ich Lust habe und worauf ich dann Lust habe. Langfristig an etwas dran bleiben geht für mich (aktuell noch?) nicht...so what. Es klappt trotzdem in 2 Bands. Ich komme sicherlich viel langsamer voran, als wenn ich strukturiert arbeiten würde, aber ich mache mich dafür nicht mehr selbst fertig. Oft gehe ich zum Gitarre üben in meinen Musikraum und gehe nach einer Stunde Schlagzeug spielen wieder raus ohne eine Saite gezupft zu haben...hab dann trotzdem Spaß gehabt :juhuu:.

Bei den Proben gibt's gelegentlich Momente wo ich rausfliege. Manchmal denke ich mitten im Solo...was kam jetzt?!? Ich kenn allerdings die meisten Nummern so gut, dass ich schnell wieder reinkomme. Manchmal reichts, dass einer etwas irgendwie anders spielt als üblich und ich bin weg. Manchmal können alle Anderen komplett daneben liegen und ich fange sie wieder ein. Manchmal übernimmt das Einfangen jemand anderes. Wichtig ist mmN, die Songs alleine zum Metronom spielen zu können. Mir hilfts auch, dass ich mir Texte gut merken kann und fasst alle Songs auswendig mitsingen könnte. Das hilft mir, die Struktur zu verinnerlichen. Außerdem improvisiere ich sehr viel zu Blues- und Rockbackingtracks. Das lässt mich freier werden.

tldr:
Mir helfen die Medis für's Leben, Arbeiten und für meine Hobbies massiv. Ich plane die Einnahme auch entsprechend, damit ich während der Proben oder anderer wichtiger Termine ordentlich versorgt bin. Dafür verzichte ich sogar gerne auf das "Feiarabendbier". Ein Freund von mir sagt, mit Medis geht bei ihm musikalisch nichts mehr. Kein Gefühl, keine Inspiration. Das ist sehr typabhängig und wohl auch eine Frage des richtigen Medikaments und der richtigen Dosis im richtigen Moment. Die Medis sind für mich kein Schalter, der alles Gut macht. Aber sie helfen oft, an sich selbst arbeiten zu können.

Falls du Fragen hast, immer her damit.
 
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  • #14
Hey, ich versuch's mal aus meiner Perspektive wie ich das Bassen kenne. Ich weiß ja nichts über Deinen bisherigen musikalischen Weg. Aber als Basser habe ich Musik anders gehört. Bei vermutlich den meisten HörerInnen wird die Aufmerksamkeit vom Gesang, also Melodie und Text, sozusagen "eingefangen". Harmonien und Rhythmus erzeugen eher unbewusste Empfindungen, macht der Song eher fröhlich oder melancholisch und wippt der Fuß mit oder nicht. Und der Bass geht da sozusagen schon gleich ganz unter, wird also nicht einmal unbewusst als separate Stimme wahrgenommen.

Ich glaube Voraussetzung für das Bassspielen ist, ganz anders Musik zu hören. Vor allem eben nicht mehr als Zuhörer. Ich habe damit angefangen, beim Musikhören eines kompletten Mixes, den Bass von dem Rest unterscheiden zu können. Daraus entstand bei mir ein Verständnis dafür, was die Basser da eigentlich gemacht haben. Das ist jetzt natürlich genre-spezifisch, aber aus meiner Sicht hält der Basser den ganzen Laden zusammen. Der Basser liefert die Verbindung für Rhytmus, Harmonie und Melodie.

Dabei ist die Verbindung mit dem Schlagzeug essentiell. Also so ungefähr: Du nimmst den Rhytmus vom Schlagzeug, aber Du bist es, der den Groove hinzufügt (könntest z.B. mal versuchen nicht zu kompletten Backing-Tracks, sondern zu Drum-Spuren/-Loops/-Machine spielen). Und wenn Du das wirklich wirklich magst, also einfach nur wie toll das ist, Dein Bass zusammen mit dem Schlagzeug, dann lenken andere Instrumente nicht mehr ab. Dann merkst Du, dass die anderen Instrumente sich nur auf das Fundament "draufsetzen", das ihr mit Bass und Schlagzeug da "hinstellt". Und darauf, also dieses Fundament zu erschaffen, sollte dann auch die ganze Aufmerksamkeit gerichtet sein.

Das ist so wie mit allen anderen Tätigkeiten. Es funktioniert eigentlich nur, wenn ich sozusagen ganz und gar zu der Absicht werde, das jetzt zu tun. Wenn ich also gar nichts anderes mehr möchte, als eben nur genau diese Figur jetzt auf dem Bass zum Schlagzeug dazu zu spielen.

Und das geht weniger, wenn gleichzeitig noch andere Themen im Kopf sind, oder bei Müdigkeit, z.B. auch nach zu langem oder zu einseitigem/langweiligem Üben, oder wenn eigentlich gerade die Zeit knapp ist, oder oder oder ...

Also irgendwie ist Basspielen wie permanent ein Solo zu spielen, so ähnlich wie Singen, nur eben anders ...
 
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  • #15
Mir geht es so, dass mir oft während eines Songs alles langsamer vorkommt. Warum weiß ich nicht, kommt aber eben häufig vor.

Wenn ich Bass spiele, ist die Kick mein Taktgeber, bei der Gitarre die Snare. Darauf konzentriere ich mich dann und bleibe damit
auch stabil.
 
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  • #16
Vielleicht noch ein anderer Punkt:
Ich kenne auch Leute ohne ADHS, die Schwierigkeiten haben, immer im Takt zu bleiben, oder die ein sehr eigenwilliges Verständnis von Takt haben.

Da wird z.B. das Ende einer Strophe ausgehalten, aber der nächste Auftakt kommt dann dort, wo eigentlich die 1 wäre, mit dem Resultat, dass da ein Schlag zuviel ist und die Band auseinander, wenn sie sich nicht wieder eingroovt.

Da hilft es, das Ganze wirklich auszuzählen und genau zu üben.

Oder wenn mal ein Teil der Band Offbeat spielt und die Begleitung sich falsch drauf synchronisiert, statt im Takt zu bleiben.

Da Problem könnte 2 Seiten haben: entweder, du hast das falsch abgespeichert und bist derjenige, der aus Gewohnheit z.B. Schläge zuviel oder zuwenig eingeübt hat.
Oder du bist richtig und die andere Partie ist nicht 100% im Takt. Beides wirft beim Zusammenspiel alles durcheinander.

Was jetzt wirklich passiert, müsste eine unabhängige Instanz entscheiden.

Um sicher zu werden, hilft es, mit einem richtigen Backing Track zu üben. Da merkt man schnell, wenn etwas nicht passt.
 
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  • #17
Ich vermute, hier gibt es viele neurodivergente Menschen. Ob man darunter leidet, ist wohl sehr individuell.
ich finde Deinen Beitrag sehr bemerkenswert!
Ja, es ist heute solonfähig, schon eine Auszeichnung, wenn man darunter leidet, als Künstler. Viele hochgelobte Künstler leiden darunter, sind womöglich auch leicht autistisch veranlagt.

Deine Beschreibung ist sehr dediziert, es gibt sicher sehr viele Menschen, die dadurch einfach in der Masse untergehen, obwohl sie eine besondere Begabung haben, sich sicher gegenüber anderen, wenn ich das so sagen darf, untalentierten Menschen behaupten müssen, aber an der Anforderung scheitern. Diese Anforderung ist die Funktion, die unter Normalbedingung erreicht werden soll.
Die Normalbedingung ist, sich einer Situation unterwerfen zu können, damit umgehen zu können, um sich als eine greifbare Person in eine bestimmte Gesellschaftsstruktur eingliedern zu können, damit die Akzeptanz zu finden, die einer bestimmten Rolle der Zwischenmenschlichkeit zugeordnet werden kann.

Das ist vielleicht nicht unbedingt die Beschreibung, die ADHS attestiert, aber daran scheitern viele gute Geister, die unerkannt bleiben, weil sie aus dem Raster fallen.
 
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  • #18
Mir geht es so, dass mir oft während eines Songs alles langsamer vorkommt.
Verändertes Tempo-Feeling kenne ich auch. Ich glaube, bei schnelleren Titeln hängt das damit zusammen, dass ich sehr fokussiert spielen muss, um das "locker" klingen zu lassen. Und beim späteren Abhören hört es sich dann nicht fokussiert schneller an, sondern eben "locker" - was bei solchen Titeln ja auch gewollt ist.
 
  • #19
Also als Bruder und Mitmusiker von jeweils einem schweren ADHS-Fall:

Ich glaube, "ich lasse mich leicht ablenken" ist zu einfach gedacht.

Jeder Musiker kennt ja dieses Gefühl des "rauskommens/rausfliegens".
Wir machen ja ziemlich viel gleichzeitig. Man muss hören, sowohl sich als die anderen, ein Instrument bedienen (was für sich genommen meist schon ein eigenes Multitasking ist), durchgehend und ohne Unterbrechung im Kopf haben, wie es jeweils weitergeht, gerade wenn man wo noch unsicherer ist oft auch bewusst zählen, gerade bei E-Gits vielleicht noch Peripherie bedienen, .... und wenn das in Summe zu viel wird kommt dann dieser blöde Moment, wo einem das "wo bin ich gerade" oder "was kommt jetzt" oder "was passiert eigentlich um mich herum?" entgleitet und man ist draußen.

Wer nach Noten spielt/singt kennt wohl auch das Gefühl, wenn man das Stück noch am Lernen ist und gerade nach einem Seitenwechsel ein.... "leseintensiverer" Takt kommt *umblättern*-->Überraschung!-->Und schon ist man draußen. Oder, finde ich eigentlich noch fieser: "D.S.al ...." (was heißt: Spring zurück zu diesem Zeichen: 𝄋 ). "Von vorne" gibt's auch, das ist aber leicht zu finden, aber wenn man nur einen Gedanken verschwendet an "war das auf Seite 2 oder 3?" fliegt man genau in dem Moment raus 😅

Worauf ich hinaus will: Musik zu machen und erst recht gemeinsam zu machen oder auch zu etwas dazu zu spielen ist ein bisschen komplexer als "ich mach A und lasse mich aber von B ablenken". Man muss eher A, B, C, D, E und F mit jeweils genügend Routine unterfüttert gleichzeitig hin bekommen und wenn es in Summe zu wenig Routine ist kommt irgendwann dieser "Überforderungspunkt", wo man das alles nicht mehr schön in-time gleichzeitig auf die Reihe bekommt und ist draußen.

Dass ADHS gerne mal noch weitere Reize in diesen "Pott" wirft, die diesbezüglich normal Veranlagte einfach ignorieren und so begünstigt, dass dieser "Überforderungspunkt" kommt verstehe ich schon - aber ich würde es eben eher so sehen: Dann braucht eben mehr Routine. Du kannst das Stück besser lernen, dich öfter dem ablenkendem Gesang aussetzen (auch ein ADHS Gehirn gewöhnt sich an wiederkehrende Reize und findet sie immer langweiliger), du kannst an deiner Spieltechnik arbeiten (je sicherer am Instrument umso mehr Hirnkapazität ist für anderes frei) usw- also eigentlich das ganz normale Musikerleben.

LG
 
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  • #20
Hmm,
Üben ist definitiv....und zwar unabhängig von ADHS...auch sehr stark Motivatiinssache.
Eigene Erfahrung mit zB. Coversongs gemacht. Hatte ne Band im Party-Bereich....da lief so einiges schief, vor allem auch Kommunikation in der Probe, die Bandleaderin war teilweise auch musikalisch ihrer Aufgabe nicht gewachsen...genauso kathastrophal die Aussicht das Chaos bühnenreif zu bekommen...dazu noch die für mich teilweise sehr grenzwertige Songauswahl...sprich: ich übte zwar meine Parts, aber lustlos und unmotiviert. Und so sagte ich zB dann auch als es an "Don:t Stop Believin" ging, dass ich den schnellen (Gitarren) Lauf im Intro nicht spielen kann und hab ne andere Variante eingebracht. Ich war schlicht nicht motiviert den zu üben, warum sollte ich auch wenn die Chefin ja nicht mal ihre Keyboardsounds hinkriegt geschweige denn ihre Parts kann ... ist ja eh nicht wichtig...

Jetzt neulich Anfrage gut gebuchte Coverband als fester Sub...geile Gigs, musikalisch/technisch top...Songliste ua. "Don't Stop Believin"...ich voll begeistert weil ich den Job haben wollte....das Zeugs geübt, geübt, nächtelang...beim Gig alles super geklappt, auch der Speed Lauf in dem Intro...weil die Motivation da war bzw. ist und das sehr stark...bin auch bereit dazu gerne mehr Songs von denen mir noch intensiv drauf zu schaffen.

Kann also ein wichtiger Aspekt sein.

Hast du dich schonmal gefragt wie wichtig dir diese Musik/Band ist...bist du überhaupt motiviert?
Gruß,
Bernie
 
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