An die intuitiven Songwriter von euch: Wie erlebt ihr euren kreativen Prozess?

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Hallo zusammen

Mein Hauptinstrument war schon immer die Stimme. Vor über zehn Jahren habe ich angefangen, Gitarre zu lernen, nicht mit dem Ziel, Gitarristin zu werden, sondern weil ich mich selbst begleiten und ausschliesslich eigene Songs schreiben wollte.

Davor war ich in verschiedenen musikalischen Projekten und Bands. Rückblickend habe ich aber gemerkt, dass ich mich dabei oft angepasst habe. Die Musik, die am Ende entstanden ist, war nie die Musik, die ich innerlich wirklich gehört und gefühlt habe, was mich sehr frustrierte.

Vor etwa einem Jahr habe ich deshalb beschlossen, endlich meinen eigenen Weg zu gehen. Ich schreibe meine Songs heute selbst und möchte erst dann mit anderen Musikerinnen und Musikern zusammenarbeiten, wenn die Grundidee bereits steht. Inzwischen habe ich auch wieder begonnen, Klavier zu spielen, weil manche Ideen dort entstehen und andere auf der Gitarre.

Ein weiterer Punkt ist vielleicht, dass ich musikalisch nie wirklich in einer Schublade zu Hause war. Ich höre Musik nicht in Genres. Mich faszinieren Stimmungen, Atmosphären und Gefühle. Deshalb entstehen meine Songs selten aus dem Gedanken: "Ich möchte jetzt einen Indie- oder Popsong schreiben." Meist beginnt alles mit einer Stimmung oder einer Melodie, und erst danach entwickelt sich die Musik. Vielleicht war es auch deshalb nie einfach, Menschen zu finden, die genau diese innere Klangwelt mit mir teilen.

Was mir bis heute fehlt, ist der Austausch mit anderen Musikern. Und genau deshalb würde mich etwas sehr interessieren: Wie erlebt ihr euren kreativen Prozess?

Habt ihr während des Schreibens auch immer wieder Zweifel? Dass euch eine Idee im ersten Moment begeistert und ihr sie am nächsten Tag plötzlich infrage stellt? Vergleicht ihr eure Texte oder Melodien mit anderen Künstlern und verliert dadurch manchmal das Vertrauen in das, was ihr eigentlich erschaffen habt?

Mich würden besonders die Erfahrungen von Menschen interessieren, die ebenfalls eher intuitiv schreiben und sich nicht an einem klassischen Pop-Schema orientieren. Wie merkt ihr, dass ein Song wirklich fertig ist, was er braucht und nicht braucht und das das Gefühl dem ihr folgt "richtig" ist, egal was andere darüber denken. Wie geht ihr mit eurem inneren Kritiker um, ohne dass er euch den kreativen Fluss und die Freude nimmt?

Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen.
 
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Hi @natthink
spannender Prozess, spannende Fragen ...
Wir haben eine Menge Gemeinsamkeiten und ein paar Sachen, die uns unterscheiden - mal schauen, was das ausmacht ...
Die Gemeinsamkeiten: eigene Songs machen war immer schon mein Ding, habe mich dann auch auf das homerecording eingeschossen, weil Bands aus unterschiedlichen, aber eher praktischen Gründen keine realistische Option waren ...
Aber auch wo ich in Bands gespielt habe, ging es immer darum, eigene Musik und eigene Songs zu machen (also keine coversong aber auch nicht unbedingt Songs von mir - das hat sich erst mit der Zeit entwickelt), auch wo ich in der Band drum oder Gitarre gespielt habe - die Frage, ob dann bei eigenen Songs wirklich am Ende das dabei rauskommt, was man innerlich im Kopf hat, finde ich spannend und das ist ein weites Feld: Ich sehe als Vorteil, dass mehr Einflüsse anderer die Bandbreite und die Kreativität der Songs auch steigern können - und wenn man sich auf einen gemeinsamen Prozess einlässt, sollte man damit leben (finde ich) ... plus: in den meisten Fällen kommt bei mir, wenn ich einen Song komplett selbst mache, auch nicht das raus, was ich vorher im Kopf hatte ... Stichwort kreativer Prozess plus mangelnde musikalische Fähigkeiten (im Sinne von Umsetzung) sowie Möglichkeiten, wie man sie im einem "richtigen" Studio hat (was aber auch die wenigsten Hobby-Musiker haben).

Spiele drums, mache Songs und Songtexte, Gitarre (akustik, E), E-Bass und singe (Kompetenzen und Erfahrungen in etwa in dieser Reihenfolge) - insgesamt haben sich an die zwanzig, dreißig Songs angesammelt, die derzeit ihr Dasein als Demo-Tape fristen - Ziel: die mal "richtig" fertigstellen - so dass andere die hören können ...

Zudem sehe ich mich auch in einer ziemlich breiten Palette an Genres, wobei mein Ziel nicht ist: Hey, ich schreibe jetzt mal einen XYZ-Genre-Song, damit ich sagen kann, dass ich das auch kann ... letztlich hängt es davon ab, was mir einfällt und da ist von Singer-/Songwriter, über Rock bis Hard-Rock, Garage oder mal ein Funk oder psychodelic-Sachen einiges dabei ...

Zu den Unterschieden:
Ich komme nicht vom Gesang und ich komme extrem selten von der Melodie - ich komme im Wesentlichen vom Groove oder vom Riff oder beidem - oder nähere mich vom Text her ... Ich glaube, dass das einen großen Unterschied macht ... Ich bin zwar auch nicht darauf aus, bestimmte Genre-Gesetze zu bedienen, aber es gibt einfach Sachen, die funktionieren (z.B. bestimmte Strukturen) und Sachen, die ausmachen, dass man sagt: Hey das ist ein Rock-Song ... oder eher Pop oder oder oder ... Letztlich geht es um Hörgewohnheiten und meine Frage ist eher, ob ein Song eingängig sein soll oder auch mal sperrig sein kann > es kann beides, aber meistens nicht innerhalb eines Songs ...

Als Autodidakt und mit einem begrenzten Budget und begrenzten Möglichkeiten gegenüber einem "richtigen" Studio und erweiterten Kenntnissen, was Aufnehmen Mischen, Mastern und Produzieren angeht, stoße ich am ehesten in meinem kreativen Prozess da an meine Grenzen ... die ich aber auch akzeptiere und die ich zu erweitern versuche - aber allein schon wenn man alles selbst machen und bestimmen will, schafft das eine Grenze ... also gehe ich im allgemeinen freundlich mit mir um und freue mich an Ergebnissen und Fortschritten, wenngleich:

Habt ihr während des Schreibens auch immer wieder Zweifel?
Ja. Immer wieder. Immer wieder sind aber diese Zweifel auch gut, um mal Alternativen auszuprobieren, einen Song anders anzupacken, über den Songtext nachzudenken oder darüber, was der Song eigentlich will ...
Dass euch eine Idee im ersten Moment begeistert und ihr sie am nächsten Tag plötzlich infrage stellt?
Sowieso - siehe oben ...
Vergleicht ihr eure Texte oder Melodien mit anderen Künstlern und verliert dadurch manchmal das Vertrauen in das, was ihr eigentlich erschaffen habt?
Hmmm ... JAIN ... also ich vergleiche mich nicht mit professionellen Künstler*innen, weil ich das in anderen Bereichen auch nicht tue - jedenfalls nicht so, dass es mich herunterzieht ... es geht ja jeweils darum, was man selbst mit den Mitteln, die man hat, erreichen kann ... aber: ich habe auch gewisse Klangvorstellungen und da frustriert es mich schon, dass ich das nur annäherungsweise erreiche ... Oder: Ich habe ja von meinen begrenzten instrumentellen Fähigkeiten gesprochen: Ich höre relativ viel Prog-Rock - und da komme ich einfach derzeit nicht hin, weder vom songwriting her noch auch nur annhähernd von der Umsetzung (Beherrschung des Instruments, Equipment) her ... Im Grunde frustriert mich das aber eher selten - ich nehme mir eher "einfachere" Songs und Songstrukturen vor, die natürlich dennoch meine Eigenheiten haben ... also Vergleichen tue ich schon, aber ich verliere dadurch sehr selten das Vertrauen in das, was ich mache ...
Wie merkt ihr, dass ein Song wirklich fertig ist, was er braucht und nicht braucht und das das Gefühl dem ihr folgt "richtig" ist, egal was andere darüber denken.
Das ist bei mir ein inneres Gefühl. Ich habe kein Problem damit, einen Song mal beiseite zu legen - im Gegenteil: der Abstand tut mir und dem Song in den meisten Fällen gut ... bei den Songs, die für mich "fertig" sind (also als Demo existieren mit Songtext, Chords, Ablauf und als rudimentäre Aufnahme), habe ich auch das Gefühl, dass die fertig sind, wenn ich später, zum Teil Jahre später, noch mal reinhöre ...

Was andere über einen Song denken, ist mir bei einigen Songs egal (weil ich die halt so haben will) und bei manchen nicht (weil ich da will, dass der Song gehört wird - muss aber kein Pop-Song sein). Was andere darüber denken, ist mir da schon auch wichtig, aber wer sind die anderen? Am ehesten suche ich hier auf dem Musiker-Board Feedback, weil ich glaube und die Erfahrung gemacht habe, dass Leute, die selbst Musik machen, am ehesten mit "unfertigen" oder im Entstehen begriffenen Songs umgehen können - das können "normale" Musikhörer*innen eher selten. Leute, die selbst Musik machen, können sich eher vorstellen, wie ein Song am Ende klingen könnte und sie können einschätzen, ob ein Song "funktioniert": ob die Idee taugt, das Genre passt, die Länge etc. Hier auf dem Musiker-Board erlebe ich zudem oft, dass das Feedback konstruktiv ist ...
Wie geht ihr mit eurem inneren Kritiker um, ohne dass er euch den kreativen Fluss und die Freude nimmt?
Na ja - ich erwarte auch von meinem inneren Kritiker, dass er konstruktive Kritik äußert ... Macht er nicht immer - aber das hat er dann davon - dann schenke ich ihm eben deutlich weniger Gehör ... :-)

x-Riff
 
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Herzlich willkommen im Forum.

Ein weiterer Punkt ist vielleicht, dass ich musikalisch nie wirklich in einer Schublade zu Hause war. Ich höre Musik nicht in Genres. Mich faszinieren Stimmungen, Atmosphären und Gefühle.
Geht mir ähnlich: Ich höre eine große Bandbreite an Musik, die mich inspiriert.

Deshalb entstehen meine Songs selten aus dem Gedanken: "Ich möchte jetzt einen Indie- oder Popsong schreiben." Meist beginnt alles mit einer Stimmung oder einer Melodie, und erst danach entwickelt sich die Musik. Vielleicht war es auch deshalb nie einfach, Menschen zu finden, die genau diese innere Klangwelt mit mir teilen.
Das ist bei mir unterschiedlich:

a.) Es gab Songs, bei denen ich einfach mal drauflos gewerkelt habe und mich überraschen lies, was raus kam.

b.) Bei anderen war es so, dass ich früh morgems aufwachte und eine Melodie oder einen Refrain im Kopf hatte und den dann weiter entwickelt habe (weiter bei a oder c)

c.) In letzter Zeit ist es manchmal so, dass ich bei der ersten Idee schon weiß, in welche Richtung ich den Sound haben möchte, quasi ein Genre im Kopf hatte mit der Idee zum Song (Beispiel "Radio Free Europe").

Oder mich ein ganz bestimmter Song einer Lieblingsband inspiriert hat (z.B. bei "Tinte im Regen", der noch nicht erschienen ist, weil ich da grad noch dran arbeite: da habe ich einen Opeth Song gehört und fand den einen Akkord Cm9 irgendwie geil, sodass ich dann angefangen habe, mit diesem als Grundlage eine Akkordfolge zu entwickeln - mein Song ist definitiv was eigenständiges geworden, aber wenn man weiß, von welchem Song er inspiriert ist, dann fallen vielleicht bestimmte Parallelen auf).


Habt ihr während des Schreibens auch immer wieder Zweifel? Dass euch eine Idee im ersten Moment begeistert und ihr sie am nächsten Tag plötzlich infrage stellt?
Das ist bei mir selten der Fall. Wobei ich sagen muss, dass ich meine Texte selten ganz alleine entwickle. Die Musik mache ich, die Texte kommen häufig von @Der_Blindschleicher, sind höchstens von mir und meinen Ideen inspiriert. Dass ich wenig Zweifle liegt vielleicht daran, dass ich hier im Forum eine kleine Gruppe an Leuten habe, die ich relativ frühzeitig in den Schaffensprozess einbeziehe. Ich stelle meine Ideen vor, Frage nach, wenn ich mir bei der Gestaltung unschlüssig bin und poste auch immer wieder Updates, wenn sich der Song entwickelt. Und ich habe zwei wunderbare Menschen hier aus dem Forum mit guten Ohren und Know-How, die mich beim Mixing sozuagen Supervidieren.
Ich halte meine Kreativ-Partner auf den Laufenden. Dabei vertraue ich darauf, dass die mir schon sagen würden, wenn ich mich verrenne.
An dieser Stelle: Vielen Dank an @Der_Blindschleicher , @drumbox , @philemona77 , @Frank_de_Blijen , @Zelo01 , @x-Riff , @mix4munich (ich hoffe, ich habe alle!)

Wie merkt ihr, dass ein Song wirklich fertig ist, was er braucht und nicht braucht und das das Gefühl dem ihr folgt "richtig" ist, egal was andere darüber denken.
Ich weiß das einfach. Ich höre solange wie ich denken kann Musik und habe (glaube ich - hoffe ich) einfach ein gutes Gespür, wie sich ein fertiges Arrangement anhört.

Wie geht ihr mit eurem inneren Kritiker um, ohne dass er euch den kreativen Fluss und die Freude nimmt?
Mein innerer Kritiker ist inzwischen ziemlich leise geworden bzw. arbeitet sozusagen konstruktiv mit meinem übrigen Inneren Team zusammen.
Vielleicht liegt es am Alter (bin inzwischen doch schon 53) und der damit verbundenen Lebenserfahrung - oder daran, dass ich bedingt durch meinen derzeitigen Beruf und meine damit verbundene Ausbildung viel Zeit mit Selbsterfahrung und -findung verbracht habe (ich arbeite seit 20 Jahren in einem sozialen Beruf und habe eine psychotherapeutische Ausbilung mit Lehrtherapie, Gruppenselbsterfahung und allem pipapo gemacht).
 
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"Wenn man einmal angefangen hat, Musik zu machen, kann man nie wieder damit aufhören" - John Lennon.
Tja und er hat recht.

Es gibt bei mir zwei Arten des kreativen Prozesses, die wenig miteinander zu tun haben;
Der eine ist dass plötzlich etwas da ist und ich nicht weiß woher es kommt, aber es gefällt mir - und das wird notiert.
Das kann im Prozess des Schreibens eines Lieds passieren, aber meist einfach irgendwann. Nachts, beim Autofahren, bei der Arbeit, am See liegend, ... Wichtig ist, es nicht nur zu notieren sondern auch gut und umfassend zu notieren und immer wieder zu wiederholen um es daheim dann zumindest grob instrumentell aufzuschreiben (bei mir also im Sequencer), damit ich das auch mal wirklich höre.
Denn oft schwingt beim Entdecken dieser ersten Idee ein ganz intensives Gefühl mit - habe ich am nächsten Tag nur diese trockenen Notizen, ist es oft schwer für mich, nachzuvollziehen, was genau diese Idee nun so toll gemacht hat., weil abseits der Notizen der Melodie oder des Texts halt noch das ganze Instrumentarium und die Akkorde fehlen, die die Idee im Kopf aber unbewusst hatte.

Die zweite Methode ist, von Standards auszugehen und einfach mal irgendwie herumzuprobieren und zu schauen, ob davon irgendwas gut klingt. Sobald das passiert, wird das festgehalten und ausgebaut bzw. hier ist dann ganz wichtig wahrzunehmen was genau diese Melodie genau sagt, welche Geschichte sie erzählt so dass man sie eben auch konsistent ausbauen kann zu einem vollständigen Lied.
Oft gerät beim beim Ausprobieren und Standard-Melodien-Schreiben an den Punkt an dem es zu gewöhnlich klingt oder einem sogar schon irgendwie bekannt vorkommt. Dann reicht es oft, an 1-2 kleinen Stellen Veränderungen vorzunehmen und wiederum zu schauen: was hat das mit dem Lied gemacht?

Insofern ist das bei mir also genau wie bei Dir:
Man kann sich nicht vornehmen, ein bestimmtes Genre zu schreiben. Kreativität ist ein unglaublich flüssiger Prozess bei dem man nie weiß wo er hin führt.

Wenn man das Gefühl hat, dass das Lied super ist aber noch irgendwas fehlt kann schon eine weitere Spur eines Instruments das ganze Gefühl des Liedes in noch etwas völlig Anderes drehen. Und das ist jedesmal etwas Großartiges.

Ich hatte mal eine Weile aktiv versucht, Techno zu schreiben.
Es hat mich echt wahnsinnig gemacht. Nicht nur die endlosen Wiederholungen, auch dieses strickte Verbot, die im Grunde dazu verleitende Melodie nochmal zu variieren, die Dynamik zu verändern, und so weiter. Wann immer ich das im Electronica-Genre gemacht habe, war die Kritik dass es zu "anstrengend" sei, weil das Stück eben eine komplette Geschichte erzählt und nicht auf den immer gleichen zwei Takten herumeiert und viele gar nicht mehr in der Lage sind, aufmerksam zu bleiben.

Der Vergleich mit anderen Musikern und Stücken: ja, aber ich habe gelernt dass sich das absolut verbietet. Man darf sich niemals vergleichen.
Genau wie beim Tanzen die Regel gilt, immer zu tanzen als sähe niemand zu und beim Singen, als würde niemand zuhören.
Was wir alle so als unser Lieblingsmusikrepertoir kennen ist schließlich die Spitze der Menschheitsmusik aus mittlerweile vielen vielen Jahrzehnten. Ein Vergleich damit ist daher kompletter Unsinn.

Unzufriedenheit mit einer Idee, das gab es so eigentlich noch nicht. Bei einigen Stücken weiß man, dass sie sicher keine Hits werden aber man hat unheimlich Freude daran, sie zu schreiben und solange man selbst dahinter steht ist das alles super.

Ich glaube, der wichtigste Spruch den ich bislang dazu gehört habe ist dieser:
"Niemand ist ein Einhorn"
Das heißt: niemand hat einen total singulären Geschmack den sonst niemand Anderes hat. Wenn ich etwas schreibe, das mir gefällt - dann gibt es auch andere denen das gefallen kann.
Und dann muss man einfach Komplimente akzeptieren und daraus Selbstvertrauen schöpfen.

Eine Sache ist für mich aber das allerschwierigste, und da zitiere ich Brahms:
"Es ist nicht schwer zu komponieren, aber es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen."
Will heißen: beim Schreiben verliebe ich mich manchmal derart in die Melodie, dass ich nicht mehr merke, dass sie im Stück zu oft wiederholt wird, oder von Begleitmelodien zu unkenntlich gemacht wird, oder wenn sie zitiert wird dann dieses Zitat eine andere Komplexitätsebene besetzt (aus der man viele Noten streichen könnte), und so weiter. Also selbstkritisch mit Melodien umgehen, die aus der eigenen Feder stammen - echt schwer.
Insofern habe ich da also eher das umgekehrte Problem.
 
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beim Schreiben verliebe ich mich manchmal derart in die Melodie, dass ich nicht mehr merke, dass sie im Stück zu oft wiederholt wird
Also selbstkritisch mit Melodien umgehen, die aus der eigenen Feder stammen - echt schwer.
Insofern habe ich da also eher das umgekehrte Problem.
Schön gesagt! Ja, das kenne ich auch! :LOL:
 
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Wie geht ihr mit eurem inneren Kritiker um, ohne dass er euch den kreativen Fluss und die Freude nimmt?
Der folgende Gedanke ist nur für Menschen nachvollziehbar, die - wie ich - Gedanken und Ideen direkt in eine DAW hineinspielen bzw. hineintippen. Wenn man als Ideen-Aufzeichnungsmethode Papier und Bleistift verwendet, ist der Workflow natürlich ein anderer:

Ich höre mir meine Ideen/Songs/Songteile nach einigen Tagen zum "Reset" der Ohren und der Gedanken mit frischen Ohren noch einmal an, und habe mir dafür gelernt und angewöhnt, das mit den Ohren und den Erwartungen eines Menschen zu hören, der das jeweilige Ding zum ersten mal hört. So etwas geht. Das kann man üben und lernen.

Dabei erhalte ich viel nützliches und konstruktives Feedback von mir selbst.

Im übrigen wurde im Laufe der Jahre der Unterschied zwischen der Wahrnehmung direkt im Arbeitsprozess und der "gefakten" Erstwahrnehmung nach einigen Tagen Arbeitspause immer geringer.

Thomas
 
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... in verschiedenen musikalischen Projekten und Bands ... aber gemerkt, dass ich mich dabei oft angepasst habe ... war nie die Musik, die ich innerlich wirklich gehört und gefühlt habe, was mich sehr frustrierte.
Kenne ich. Wie man damit umgeht, die eigene Innenwelt in ein kreatives Ergebnis zu abstrahieren - das ist glaube ich bestimmend für den individuellen kreativen Prozess. Mir scheint das sowohl für das Entstehen eines Songs als auch für die gesamte eigene musikalische Entwicklung in drei Schritten abzulaufen:

1) Am Anfang steht ein kreativer Impuls. Da kann schon mal innerhalb von wenigen Minuten ein fast fertiges Song-Gerüst entstehen. Textzeilen, Melodien, Gesangsrythmus, Akkordfolgen oder/und ein Drumbeat etc., fast alles kann aufeinmal im Kopf da sein. Dann schnell einen Zettel holen und mitschreiben, damit es später bewusst wieder angegangen und ausgearbeitet werden kann.

2) Dann kommt die ewige und anstrengende Durststrecke. An der Idee arbeiten. Wenn es das wert ist, an der Idee zu arbeiten, dann weiter daran arbeiten, sonst ab in den Papierkorb damit. Dann erste Aufnahmen. Dann zeigt sich was im Kopf ging, aber in Echt noch nicht so. Ein weiteres, total unkreatives Thema in dieser Phase ist die im weitesten Sinne Technik: Spieltechnik, Instrumentenbau, Aufnahmetechnik, Musiktheoretisches etc. etc. - Kunst kommt von Können, so begrenzt mein Können auch sein mag...

3) Und dann übernimmt der Song irgendwann und beginnt zu zeigen, was noch zu tun ist oder noch getan werden könnte. Neue Details. Leicht veränderte Akkordfolgen, Überflüssiges rauswerfen oder was sonst noch. Das ist keine Arbeitsmethodik, sondern zeigt sich irgendwie von selbst auf - oder eben auch nicht - und dann doch wieder ...

Zum Thema Innerer Kritiker: Ich habe das Genre-freie Songwriting aufgegeben, weil ich nicht das Zeug dazu habe. Dabei kommen dann innerhalb eines Tracks überraschend "gute" Detail-Ideen, aber auch Bruchstückhaftes bis hin zu mir Peinlichem vor.

Mir hat mal jemand gesagt, es gäbe SängerInnen, die quasi wie Schauspieler agieren, aber auch welche, die als sie selbst auf der Bühne stehen. In letzterem Fall kann der Umgang mit möglicher negativer Kritik schwierig werden, so dass zumindest für mich die Frage ist, wie viel "Sicherheit" oder "Safe Place" ich brauche.

Und in dem Sinne nimmt die freiwillige Selbstbeschränkung mir nicht den kreativen Fluss oder die Freude, sondern beschützt diese eher. Anstatt mir den Druck zu machen, etwas leisten zu wollen, was ich einfach nicht hinbekomme (obwohl ich es bei Anderen bewundere), mache ich das, was ich auch noch gut finde, wenn ich es selbst mache. Ist doch auch irgendwie nicht sooo wichtig, schließlich hat sich auch sowas Einfaches wie "We're a Happy Family" von den Ramones fest in meinen internen Audioplayer eingebrannt.

Meine Songs sind nie fertig. Ich hätte immer noch diese oder jene Idee, die ich mal ausprobieren könnte. Aber wenn ich finde, dass er seine vorerst finale Form bekommen hat, dann würde ich zu dem Ergebnis auch stehen können.
 
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Hallo x-Riff,

vielen herzlichen Dank, dass du dir so viel Zeit genommen hast, auf meine Fragen einzugehen. Ich fand deine Antwort wirklich spannend und habe mich in vielem wiedergefunden.

Ich bin aus einem ähnlichen Grund beim Home Recording gelandet. Da ich mir ein Instrument zum komponieren fehlte und ich nie die passenden Musiker gefunden habe, habe ich irgendwann mit Ableton* angefangen und versucht, meine Musik selber zu produzieren. Dabei sind zwar viele Ideen entstanden, und einige davon gefallen mir sogar heute, Jahre später, immer noch. Trotzdem habe ich gemerkt, dass das Produzieren an sich gar nicht so meiner Natur entspricht. Ich hatte damals eine ziemliche Elektrophase und wollte unbedingt elektronische Musik machen, aber rückblickend glaube ich, dass ich mich damit eher von dem entfernt habe, was eigentlich wirklich zu mir passt.

Covers waren für mich übrigens auch nie wirklich eine Option. Ich habe mich immer danach gesehnt, Musiker zu treffen, die ihre eigene Handschrift und ihr Können mitbringen. Ich komme ja eher von der Stimme und kann leider bis heute noch nicht wirklich Gitarre spielen. Oft spiele ich einfach ein paar Akkorde und plötzlich höre ich innerlich eine Melodie und spüre auch schon, wohin sich der Song entwickeln möchte. Mir hat oft jemand gefehlt, der vielleicht einen spannenden Groove oder ein Riff vorgibt, auf das ich/wir dann aufbauen kann.

Bei den Zweifeln musste ich schmunzeln. Da sehe ich es eigentlich genauso wie du. Ich finde sogar, dass der innere Kritiker wichtig ist, solange er konstruktive Kritik liefert und neue Möglichkeiten aufzeigt. Problematisch wird es bei mir erst dann, wenn er plötzlich den ganzen Song infrage stellt und nichts mehr gut genug ist. Genau da möchte ich lernen, gelassener zu werden.

Zum Thema Vergleiche hast du bei mir ehrlich gesagt einen Nerv getroffen. Du schreibst, dass du dich nicht mit professionellen Künstlern vergleichst. Genau das ist wahrscheinlich eines meiner größten Probleme. Ich orientiere mich ständig an Musik, die ich liebe, und sobald das, was ich mache, davon abweicht, denke ich schnell, dass es vielleicht nicht gut genug ist. Dabei vergesse ich oft, dass genau diese Eigenständigkeit ja eigentlich das Ziel sein sollte.

Was mich aber wahrscheinlich am meisten angesprochen hat, war dein letzter Punkt mit dem Austausch unter Musikern. Mir war ehrlich gesagt gar nicht bewusst, dass man hier auch unfertige Songs zeigen und darüber diskutieren kann. Genau das hat mir bisher gefehlt. Ich habe meine Songs oft Freunden gezeigt, aber selbst wenn sie sehr musikaffin sind, hören sie sie natürlich mit ganz anderen Ohren. Mein Gitarrenlehrer dagegen konnte sofort Möglichkeiten hören und sagen: "Hier könnte ich mir das vorstellen..." oder "Da höre ich Potenzial." Und genau diese Art von Feedback hilft mir unglaublich weiter. Deshalb freue ich mich gerade sehr, dieses Forum entdeckt zu haben.

Ich hoffe doch man kann irgendwann mal was hören von dir!

Danke nochmals für deine ausführliche Antwort. Das tut gerade richtig gut. :-)
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Hallo Michael

Herzlichen Dank für deine interessante und aufschlussreiche Antwort!
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Mein innerer Kritiker ist inzwischen ziemlich leise geworden bzw. arbeitet sozusagen konstruktiv mit meinem übrigen Inneren Team zusammen.
Vielleicht liegt es am Alter (bin inzwischen doch schon 53) und der damit verbundenen Lebenserfahrung - oder daran, dass ich bedingt durch meinen derzeitigen Beruf und meine damit verbundene Ausbildung viel Zeit mit Selbsterfahrung und -findung verbracht habe (ich arbeite seit 20 Jahren in einem sozialen Beruf und habe eine psychotherapeutische Ausbilung mit Lehrtherapie, Gruppenselbsterfahung und allem pipapo gemacht).
Genau so sieht Persönlichkeitsentwicklung aus. :-) Um meinen inneren Kritiker leiser zu machen, habe ich kürzlich sogar einen Song darüber geschrieben.

Herzlichen Dank für deine ausführliche Antwort!
 
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  • #10
Denn oft schwingt beim Entdecken dieser ersten Idee ein ganz intensives Gefühl mit - habe ich am nächsten Tag nur diese trockenen Notizen, ist es oft schwer für mich, nachzuvollziehen, was genau diese Idee nun so toll gemacht hat., weil abseits der Notizen der Melodie oder des Texts halt noch das ganze Instrumentarium und die Akkorde fehlen, die die Idee im Kopf aber unbewusst hatte.
Das geht mir genau so! Manchmal nehme ich irgendeine Melodie auf und weiss am nächsten Tag nicht mehr, was ich da eigentlich gehört habe.

Oft gerät beim beim Ausprobieren und Standard-Melodien-Schreiben an den Punkt an dem es zu gewöhnlich klingt oder einem sogar schon irgendwie bekannt vorkommt.
Bei jeder zweiten Idee, die ich habe, summe ich dir Melodie bei Soundhound rein weil ich das Gefühl habe, das gibt es schon. Und ich glaube eigentlich, wahrscheinlich hat es schon alles gegeben.

Wenn man das Gefühl hat, dass das Lied super ist aber noch irgendwas fehlt kann schon eine weitere Spur eines Instruments das ganze Gefühl des Liedes in noch etwas völlig Anderes drehen. Und das ist jedesmal etwas Großartiges.
Genau das fehlen mir oft andere Musiker.

ch hatte mal eine Weile aktiv versucht, Techno zu schreiben.
Es hat mich echt wahnsinnig gemacht. Nicht nur die endlosen Wiederholungen, auch dieses strickte Verbot, die im Grunde dazu verleitende Melodie nochmal zu variieren, die Dynamik zu verändern, und so weiter. Wann immer ich das im Electronica-Genre gemacht habe, war die Kritik dass es zu "anstrengend" sei, weil das Stück eben eine komplette Geschichte erzählt und nicht auf den immer gleichen zwei Takten herumeiert und viele gar nicht mehr in der Lage sind, aufmerksam zu bleiben.
Hatte ich auch versucht und fand es aus den ziemlich gleichen Gründen sehr anstrengend! Ich glaube da muss man einfach gemacht dafür sein. Ich habe auch erst letzens wieder mal versucht, eine schöne Klangwelt zu erschaffen, so wie man das beim Ambient hört. Dann noch ein geiler Beat und mein Gesang, also so was Trip-Hop Artiges. Mann ich versage jedesmal und es frustriert mich, weil ich das Gefühl davon so stark in mir trage.

Genau wie beim Tanzen die Regel gilt, immer zu tanzen als sähe niemand zu und beim Singen, als würde niemand zuhören.
Sage ich mir immer wieder! Und ich finde das was vom aller Schwersten. Sobald ich was aufnehmen möchte und die REC Taste drücke, spanne ich mich an und bin nicht mehr im Flow. Ich hoffe mal das braucht einfach Übung und wird mit der Zeit besser.

Unzufriedenheit mit einer Idee, das gab es so eigentlich noch nicht. Bei einigen Stücken weiß man, dass sie sicher keine Hits werden aber man hat unheimlich Freude daran, sie zu schreiben und solange man selbst dahinter steht ist das alles super.
Absolut meine Devise. Ich möchte ja keine Hits schreiben, sondern mich ausdrücken und selbst hin und wieder meine Songs anhören, weil sie mir einfach gefallen.
"Niemand ist ein Einhorn"
Der ist gut! 😂 Yep, auch wahr!
Es ist nicht schwer zu komponieren, aber es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen."
Und das wurde mir bei meiner Zeit mit dem Ableton* sehr bewusst, gerade beim Versuch, Elektronische Musik zu machen. Wenn ich heute einiges von damals anhöre merke ich, wie unglaublich überladen alles war.
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Ja Musik ist auf jeden Fall eine Therapieform :-) Natürlich ist das nicht für alle so.
 
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  • #11
Hey Thomas

Danke für deinen Input. Ja das ist eine sehr gute Vorgehensweise. Ehrlich gesagt gelingt mir das nicht immer. Da bin wahrscheinlich einfach etwas zu launisch (am einen Tag so, am anderen so) und manchmal zu ungeduldig, etwas vorerst ruhen zu lassen.

Liebe Grüsse
Natalie
 
  • #12
Hi, @natthink
vielleicht solltest du den Widerspruch in dir lösen, einerseits deine Ideen zu Hundert Prozent umzusetzen und andererseits dich mit anderen Musiker/innen austauschen zu wollen. Stücke unterliegen auch einer Entwicklung. Das hängt mit der eigenen Kreativität zusammen, im Grunde ist das ja auch deine Erfahrung. Im Zusammenwirken spielt dann die Kreativität anderer auch rein:rolleyes:.
Bei mir waren die Erfahrungen mit anderen (gerade in bands) Stücke zu machen, besonders wichtig. Als Beispiel mal meine Soli. Anfangs waren das reine Improvisationen. Je öfter wir die Stücke gespielt haben, um so mehr wurden die Soli struktuiert, bis sie eben keine Improvisationen mehr waren.
Heute, im gesetzterem Alter, nehme ich eine Idee, mit oder ohne drumcomputer, auf, und lass alles andere dann reinfliessen, sozusagen.
Allerdings habe ich auch keine grossen Ansprüche an Perfektion und bin zufrieden, wenn ich mir das gefällig anhören kann und jemand anderes das auch gerne tut.
Das wird für dich die Frage sein, ob du Ambitionen hast, einen gewissen Bekanntheitsgrad mit deiner Musik zu erreichen, oder zufrieden damit bist, das es dir und einem kleinem, bescheidenem Kreis gefällt.
Noch eins, Musik besteht auch immer aus einer gewissen Kompromissfähigkeit, sei es bei eigenen Ideen oder im Zusammenspiel mit anderen.
(Beethoven war auch nie zufrieden mit seinen Werken und hätte am liebsten dieses oder jenes kurz vor der Premiere noch geändert:ROFLMAO:)
 
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  • #13
Kenne ich. Wie man damit umgeht, die eigene Innenwelt in ein kreatives Ergebnis zu abstrahieren - das ist glaube ich bestimmend für den individuellen kreativen Prozess. Mir scheint das sowohl für das Entstehen eines Songs als auch für die gesamte eigene musikalische Entwicklung in drei Schritten abzulaufen:
Hallo Finn. Du hast das alles ziemlich gut getroffen.
Ich habe gerade erst einen Song fertiggestellt, bei dem die Grundidee eigentlich sehr schnell da war. Danach begann aber der lange Teil des Übens. Je öfter ich ihn gespielt und gesungen habe, desto mehr hatte ich manchmal das Gefühl, er verliere etwas von seiner ursprünglichen Magie. Das kenne ich inzwischen schon ziemlich gut. Trotzdem glaube ich, dass genau das dazugehört, wenn man etwas wirklich zu Ende bringen möchte. Und ja, irgendwann muss man es einfach so stehen lassen und zum nächsten übergehen. Ansonsten wird man fast wahnsinnig 😅
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Hallo rmb

Ich glaube, da habe ich mich vielleicht etwas missverständlich ausgedrückt. Mir geht es gar nicht darum, meine Ideen zu 100 % unverändert umzusetzen. Im Gegenteil. Genau das wünsche ich mir ja: Musiker, die ihre eigene Handschrift und Kreativität einbringen.
Was ich in der Vergangenheit aber oft erlebt habe, war etwas anderes. Ich habe mich selbst zu sehr angepasst und am Ende war das Ergebnis zwar vielleicht ein guter Song, aber nicht mehr die Musik, die ich innerlich eigentlich gehört oder gefühlt hatte. Und genau das hat mich frustriert.
Heute wünsche ich mir deshalb eher eine Zusammenarbeit, bei der beide Seiten ihre Kreativität einbringen können, ohne dass ich dabei meine eigene verliere. Ich spiele ja selbst längst nicht alle Instrumente und finde es sogar spannend, wenn andere einen Song in eine Richtung weiterentwickeln, auf die ich allein nie gekommen wäre.
Perfekt muss es für mich übrigens gar nicht sein. Authentisch ist für mich viel wichtiger. Ich höre oft schon eine bestimmte Stimmung oder Melodie in meinem Kopf und möchte diesem Gefühl einfach möglichst ehrlich folgen.
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  • #14
Hi Natalie,
weil ich mich selbst begleiten und ausschliesslich eigene Songs schreiben wollte.
..wenn du bereit bist deine Songs mit anderen zu teilen sie autark zu schreiben und zu präsentieren, bringst du alles mit, was nötig ist..

..hinter das 'ausschließlich' würde ich ein kleines Fragezeichen setzen, denn beim Performen, Übersetzen, Arrangieren von Fremd-Songs kann man eine Menge nützliches lernen..
Habt ihr während des Schreibens auch immer wieder Zweifel? Dass euch eine Idee im ersten Moment begeistert und ihr sie am nächsten Tag plötzlich infrage stellt? Vergleicht ihr eure Texte oder Melodien mit anderen Künstlern und verliert dadurch manchmal das Vertrauen in das, was ihr eigentlich erschaffen habt?
..das was du beschreibst, kenn ich schon..deshalb versuche ich alle verworfenen Gedanken zu bewahren und ab und an zu Rate zu ziehen..

..vergleichen mit anderen Songs? Welche sollen denn das sein? Ein A-B Vergleich ist ja kaum möglich, nicht mal wenn beide Songs gleiche Styles und Stories zur Grundlage hätten..einen Grund zu zweifeln seh ich nicht..das ist vielleicht eher so ein Ding von Künstler-Psychologie..
kann leider bis heute noch nicht wirklich Gitarre spielen
..don't worry..
Mein Gitarrenlehrer dagegen konnte sofort Möglichkeiten hören und sagen: "Hier könnte ich mir das vorstellen..." oder "Da höre ich Potenzial." Und genau diese Art von Feedback hilft mir unglaublich weiter.
..guter Mann..sowohl von seiner Herangehensweise, als auch wie er sie dir vermittelt..er signalisiert, dass deine Sachen wertvoll und inspirierend sind..er zeigt Wege, ohne dich einzuengen..
Ich möchte ja keine Hits schreiben, sondern mich ausdrücken und selbst hin und wieder meine Songs anhören, weil sie mir einfach gefallen.
..so ein Song ist irgendwie ein Snapshot von dir..das ist für einen selber schön und für andere auch..
Noch eins, Musik besteht auch immer aus einer gewissen Kompromissfähigkeit, sei es bei eigenen Ideen oder im Zusammenspiel mit anderen.
..sehr richtig..wobei auch das direkte Gegenteil stimmt, da es ohne eine gewisse Kompromisslosigkeit leicht ins Belanglose driftet..
 
Grund: Typo
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  • #15
Sobald ich was aufnehmen möchte und die REC Taste drücke, spanne ich mich an und bin nicht mehr im Flow. Ich hoffe mal das braucht einfach Übung und wird mit der Zeit besser.
Ja, wird es. Ist wie mit dem Tanzen oder Singen: Aufnehmen als würde gerade nicht aufgenommen.
 
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  • Ersteller
  • #16
Ja, wird es. Ist wie mit dem Tanzen oder Singen: Aufnehmen als würde gerade nicht aufgenommen.
genau. Etwas vom Schwierigsten für mich! Ebenso das Tanzen, obwohl ich es liebe :-) Aber sobald man sich von der Musik tragen lässt, funktioniert es!
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Hi Natalie,

..wenn du bereit bist deine Songs mit anderen zu teilen sie autark zu schreiben und zu präsentieren, bringst du alles mit, was nötig ist..

..hinter das 'ausschließlich' würde ich ein kleines Fragezeichen setzen, denn beim Performen, Übersetzen, Arrangieren von Fremd-Songs kann man eine Menge nützliches lernen..

..das was du beschreibst, kenn ich schon..deshalb versuche ich alle verworfenen Gedanken zu bewahren und ab und an zu Rate zu ziehen..

..vergleichen mit anderen Songs? Welche sollen denn das sein? Ein A-B Vergleich ist ja kaum möglich, nicht mal wenn beide Songs gleiche Styles und Stories zur Grundlage hätten..einen Grund zu zweifeln seh ich nicht..das ist vielleicht eher so ein Ding von Künstler-Psychologie..

..don't worry..

..guter Mann..sowohl von seiner Herangehensweise, als auch wie er sie dir vermittelt..er signalisiert, dass deine Sachen wertvoll und inspirierend sind..er zeigt Wege, ohne dich einzuengen..

..so ein Song ist irgendwie ein Snapshot von dir..das ist für einen selber schön und für anderesuch..

..sehr richtig..wobei auch das direkte Gegenteil stimmt, da es ohne eine gewisse Kompromisslosigkeit leicht ins Belanglose driftet..
Hey Danke dir für deinen Beitrag! :-)
 
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  • #17
Wie merkt ihr, dass ein Song wirklich fertig ist

Das war immer mein Problem beim Schreiben - ich hatte nie das Gefühl, dass etwas so gut ist, wie ich es gern hätte.
Ich kriege zu einem bestimmten Termin etwas fertig, aber ohne festen Termin zu sagen: "So muss es sein und nicht anders, besser geht es nicht" fällt mir unendlich schwer.

Deshalb spiele ich hauptsächlich live und nichts eigenes, sondern schon existierende Stücke. Davon gibt es letztlich so viele, dass es meine Schreibversuche nicht braucht ;)
 
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  • #18
Was mir bis heute fehlt, ist der Austausch mit anderen Musikern. Und genau deshalb würde mich etwas sehr interessieren: Wie erlebt ihr euren kreativen Prozess?

Ich komme von der Gitarre und habe mit 51 ca 15 Stücke geschrieben, teils allein oder mit andern in ner Band.
Ich kann nicht auf Knopfdruck kreativ sein, irgendwie muß der richtige Vibe da sein da, dann geht was und das gefällt mir dann auch noch zu 95% nach 100 mal spielen.
Vergleichen brauch ich nicht.
Bei einem gemeinsamen geschriebene Song ist mir mal aufgefallen, dass ein Riff sehr ähnlich war. Durch die Art, wie man es spielt, hebt man sich aber doch ab und das ist für mich völlig okay.
Ich hab von vorne rein den Anspruch zwar eingänglich zu sein aber dauerhaft Spannung zu erzeugen durch interessante Rhythmik und a-tonale Melodien. Das ist mein Style. Gerne können mich dann andere in ein Schublade packen…😄😉.
Ist eine Grundlage/Arrangement vorhanden, schau ich welche Stimmung erzeugt wird, und schreibe einen Text dazu. Meisten laß ich mich über Mißstände aus und versuche dabei Mut zu verbreiten.
Die Melodie in Anlehnung an Riff und Akkorde kommt irgendwie von allein…
Um den Rahmen zu füllen, laß ich mich gern von einem Drummer unterstützen. Dieser war meistens in der Lage den Song „richtig“ zu interpretieren und entsprechend zu untermauern.
Fertig ist die Laube….oder das Höllenschloss…oder Highway Station…oder Wolke 666…Vaters Kleinod

Wünsche allen Kreativen gutes Gelingen

Übrigens: Ein Song ist nur so gut wie sein Ende 🙂
 
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  • #19
Ich habe meinen Workflow auch hier im Forum schon mehrfach beschrieben.
Als alter Mann weiß ich, dass das Leben in Lebensphasen organisiert ist. Der Workflow ändert sich entsprechend.
Persönlich, ich bekam zur Konfirmation ein Tonbandgerät. Das war damals was besonderes!
Gitarre kam später. Gitarre lernen. Englische Texte übersetzen als erste Gehversuche. Nicht wörtlich.
Quasi ab dem ersten Griff und dem ersten Rhythmus, einen eigenen Song komponieren. Mit einem Akkord, oder zwei, geht das einfach! Mit jedem neuen Akkord mindestens ein neuer Song. Übertrieben, aber das Prinzip.
Mein "Lebensfehler": Ich habe auf die ersten Zettel das Datum geschrieben. Manchmal nur den Monat und das Jahr. Diese Angabe war oft von - bis, z.B. 10.5.-3.6.xx. Mit dieser Angabe habe ich eine chronologische Abheftung begonnen.
Mit 8 Zetteln begann ich eine Sammlung meiner Songs. Dann dachte ich, mir fällt partout nichts mehr ein. Meine ersten Songs fand ich klasse. (Spiele zwei davon heute noch). Mein 18. Lied in der Sammlung war die Erkenntnis: "Ich kann Songs schreiben". Deshalb hatte ich nie aufgehört damit.
Auf dem Tonband konnte ich das irgendwann als Gedächtnisstütze sequentiell aufnehmen.
Und dann, dann, dann. Das wäre zu viel Erzählstoff.
Sage mal so, ich hatte Songs der NDW auf Tonband und im Ordner, da gab es das Genre noch nicht.
Ich bin Texter! Dachte ich in der Jugend! Deutscher Texter! Weil ich auf der Gitarre "schlecht" war.
Im Alter ist die Musik das Primat meines Komponierens. "Die Musik schafft den Raum, der Text zieht ein" (KI).
Und ich hatte das große Lebensglück, dass sich in der Jugend keine Tür zur Musikbranche geöffnet hat. Ich nichtmal eine Band! Die kam sehr spät in der Midlife-Crisis. Deshalb konnte ich tausend(e) Songs komponieren. Das geht immer weiter, erstaunt mich immer mehr. Es gibt kein Ende der Aktenordner. Alles wegen einer dusseligen Ordnungsliebe in ganz jungen Jahren!
PS.
Man kann nur komponieren auf der Gitarre, was man auch spielen kann. Songs schreiben kann man definitiv ohne Virtuosität, aber man strebe danach. Guter Song - guter Text - gute Vocals - virtuose Band. Das ist das Ziel. Beginnt mit dem ersten Schritt als Komponist.
 
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