Antisemitismus und Rassismus in unserem Sprachgebrauch

von Akephalos, 12.07.07.

  1. Akephalos

    Akephalos Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.07.07   #1
    Hi,
    also was mir sehr oft aufgefallen ist, ist, dass in der deutschen Sprache sehr oft rassistische Wendungen benutzt werden, ohne dass es den Leuten auffällt. Wenn man sich Aussagen wie "das ist getürkt", "reich wie ein jude" oder ähnliches anschaut, müsste man eigentlich als moralisch korrekter Mensch solche Aussagen in Zukunft nicht mehr benutzen.
    Was ist euch so aufgefallen? Habt ihr irgendwelche anderen Beispiele?
    greetz ake
     
  2. topo

    topo HCA Recording Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 12.07.07   #2
  3. wilbour-cobb

    wilbour-cobb Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.07.07   #3
    das wort "getürkt" hat nur ganz entfernt mit den türken zu tun, das wort kommt aus der militärsprache um 1900 und meinte ursprünglich ein abgesprochenes manöver. der begrifft wurde von einem general von kotze (hallo!?) eingeführt, da diese art von übungen auf einem ehemaligen, türkischen friedhof aus den türkenkriegen abgehalten wurden. Die Türken mussten also nur mit dem namen herhalten, ähnlich wie in "schildbügerstreich" oder "seine pappenheimer kennen"

    im englischen gibt es "turk" auch, da meint es einen "pappkameraden"


    EDIT: wozu habe ich sowas noch gelernt, wenn es heute wikipedia gibt, aber spannend, die anderen möglichen erklärungen kannte ich noch garnicht.....;)
     
  4. x-Riff

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    Erstellt: 12.07.07   #4
    Für mehr Futter:
    > Victor Klemperer: Ich will Zeugnis ablegen; Tagebücher
    http://de.wikipedia.org/wiki/Victor_Klemperer

    > Aus dem Wörterbuch des Unmenschen
    http://de.wikipedia.org/wiki/Dolf_Sternberger

    Wenn man die Alltagssprache untersucht kommt nach noch auf weitere Diskriminierungen:
    - frauenfeindlich/patriarchalisch
    - behindertenfeindlich
    - Homosexuelle und anderweitig andere sexuelle Orientierungen

    Relativ aktuell sind die Auseinandersetzungen über "political correctness".

    Nur mal so als Anregungen.

    Die Grenze der Sprache ist die Grenze des Denkens.
    (Dem Sinn nach zitiert: Wittgenstein)

    Eine Reflexion über die Dinge zieht folgerichtig eine Reflexion der Sprache nach sich bzw. ist ohne sie unmöglich.

    x-Riff
     
  5. Lucid.Dream

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    Erstellt: 12.07.07   #5
    Ich werde wohl nie den Begriff "Negerkuss" aus meinem Wortschatz kriegen.
     
  6. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 12.07.07   #6
    Ooch - das liegt vielleicht nur daran, dass Du ein verdammter whitee bist, oder?
     
  7. Lucid.Dream

    Lucid.Dream Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.07.07   #7
    Wohl eher daran, dass ich in einer verdammten whitey-kultur gross geworden bin, in der kaum Farbige existent waren.
    Aber seit ich als Kind "Roots" gesehen habe, habe ich das Leid der farbigen Kultur begriffen und in meiner "Top10 der Menschen die ich am meisten achte" sind Muhammad Ali und Dr. King sehr weit oben.
    Und Ali nicht wegen seiner boxerischen Fähigkeiten, obwohl die natürlich auch vom Feinsten waren.
     
  8. Köpi

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    Erstellt: 12.07.07   #8
    im Englischen hießen die Teile "nigger balls".... Aber sowas wird heute wohl als hochgradig politisch Inkorrekt angesehen - verständlicherweise.
     
  9. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 12.07.07   #9
    Na ja - Ali fand ich als Großmaul schon klasse.
    Jedenfalls hat der sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.
    Und zu der Zeit den Kriegsdienst verweigern hat auch schon mal was.

    Lesetipp: Die Biographie "Malcom X" - fand ich sehr interessant.
    Man muss nicht alles mögen, aber das hat mir einen Zugang zu diesem Menschen gegeben, der über das normale Bild (jedenfalls das was ich hatte) von Malcom X hinausgeht.
     
  10. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 12.07.07   #10
    __________________
    "Durch mich geht's ein zur Stadt der Qualerkornen,
    Durch mich geht's ein zum ew'gen Weheschlund,
    Durch mich geht's ein zum Volke der Verlornen."


    Was für eine grässliche übersetzung! Armer Dante!

    Für die "dickmanns" empfehle ich das dänische "flöthe-boller" ("th" wie im englischen), sahne-kullern, ist zwar sachlich falsch, aber nicht rassistisch.
     
  11. bobZombie

    bobZombie Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.07.07   #11
    lol, was hat das mit dem thema zu tun?
    NUja, bei mir heißts:
    "Ich bin der Eingang in die Stadt der Schmwerzen,
    ich bin der Eingang in das ewige Leid,
    ich bin der Eingang zum verlornen Volk.
    ...
    Tu, der du eintrittst, alle Hoffnung ab."

    ja, gehört auch zu meinen lieblingsstellen :)- auf engl. hörts sich's noch besser an.

    ich hab zwar den sinn des threads erfasst, aber mir is schon gleich zu beginn die bezeichnung "moralisch korrekter Mensch" aufgestossen... aber lassen wir das :)
     
  12. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 13.07.07   #12
    Versuchs mal mit italienisch!
    Alles hat mit allem zu tun, und wenn ich moral definiere als an zeit und bestimmte gruppen gebundene konvention, schleppen wir ein beträchtliches, mehr oder minder verlogenes bündel mit uns herum. Die wahrheit zu sagen, kann als äußerst unmoralisch angesehen werden:
    "sie steht frierend nackt und bloß, während das hürchen lüge am feuer stehen darf und stinken!" (Nicht Dante, aber gut übersetzt).
     
  13. bobZombie

    bobZombie Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.07.07   #13
    ich versteh nur nich, was moral mit dem bgeinn des 3.ten gesangs da zu tun hat- vllt steh ich auch aufm schlauch. aber du hast vollkommen recht (sofern ich dich richtig verstanden habe): was viele von uns als moralisch korrekt definieren, ist in der Regel nich ihre eigene Meinung, sondern die Einstellung, die die Mehrheit anscheinend von ihnen erwartet und ihnen aufzwängt. aber das gehört hier glaub auch nich rein und wurde in nem anderen thread schon elendstief erörtert.
     
  14. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 13.07.07   #14
    Ich wollte anmerken, dass Dante unschuldig ist an diesen übersetzungen und wollte das zitat des thread-erstellers nicht so stehenlassen.

    Was antisemitismus, rassismus und dergl. sind, bestimmt die jeweilige konvention, die sich innerhalb weniger jahre von grund auf ändern kann. Die einstellung einzelner ändert sich nicht so bald, aber man tut eben so als ob! Und das nennt man MORAL!
    Und da sie schmückt und zum wohlbefinden beiträgt, gibt es sie im doppelpack.
     
  15. Nashrakh

    Nashrakh Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.07.07   #15
    Ich frage mich, wo deine/eure negative Einstellung zur Moral herkommt... solange sie nicht andren indoktriniert wird, sehe ich da nichts schlechtes dran :(
     
  16. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 13.07.07   #16
    Na - ich seh das schon eine Verbindung.

    Ich denke, es ist unbestreitbar, dass sich die Moralvorstellungen je Kultur und Zeit unterscheiden. Moral wird dabei als "das Richtige", "das Gute" und "das Wahre" gesehen - jedenfalls von der betreffenden Gruppe aus.

    Das sind nun absolute Begriffe - die implizieren, dass sie ewige und allgemeine Gültigkeit haben. Und oft wird es auch genauso aufgefaßt: hier sind die Guten - dort sind die Bösen. unser krieg ist gerecht - sie sind Mörder etc.

    Und doch stecken dahinter eben oft nur Konvention (die Mehrheitsmeinung) bzw. Einfluß (die Herrschaftsmeinung) oder Interessen (Macht, Einfluß).

    Wie wird denn für den Krieg der USA mobilisiert? Doch nicht indem man dem Fußvolk erzählt, dass es um Interessensphären geht und um Rohstoffe. Sondern um Demokratie, Befreiuung und Schutz vor Terror.
    Das gleiche im Fall Rußland - Tschetschenien. Das gleiche bei allen vorgeblichen Glaubenskriegen. Die beiden Weltkriege, die Deutschland gestartet hat, waren natürlich gerecht (in der Darstellung der Deutschen).

    Das sind jetzt ein paar Beispiele - die auch sehr zugespitzt sind. Aber ich denke, das klar ist, worauf ich hinauswill.

    Was das mit Sprache zu tun hat?
    Sprache ist das Medium von Beeinflussung und Moral. Freilich soll man keine Menschen töten. Aber wenn es Unmenschen sind oder Untermenschen oder Barbaren oder "nur" Nigger oder Chaoten - dann sieht´s ja gleich ganz anders aus, gell? Wer angreift ist natürlich der Böse - also verteidigt man sich nur präventiv - dann siehts schon besser aus.

    Auch hier wieder eher drastische Beispiele.
    Aber das läßt sich in den Alltag hinein verlängern. Nochmal der Hinweis auf meine links in dem post oben. Wen stellt man sich vor, wenn per Anzeige ein Mediziner eingestellt werden soll? Richtig - einen Mann. Im Englischen ist der Artikel eben geschlechtsneutral (the doctor) - im deutschen nicht. Wie war die berühmte Begrüßungsformel unseres seeligen Hr. Lübke (Außenminister unter Adenauer): Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Neger! Deutlicher geht´s fast nimmer.

    Wer genau darauf achtet, bekommt mit, wie sich die Sprache verformt, wenn Macht und Interesse sich hinter der Moral verstecken.

    x-Riff
     
  17. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 13.07.07   #17
    Ergebnis eines langen und ereignisreichen lebens! Moral wird immer von irgendwelchen "aposteln" anderen indoktriniert, im NS-Deutschland galt eine ganz andere als im Nachkriegsdeutschland, antisemitismus und rassenwahn waren moralisch und erwünscht, dann nicht mehr, die menschen waren aber dieselben, nur wurden sie "gewendet".
    Bei uns lagen noten herum von meiner schwester her, ich brachte sie meinem damaligen lehrer und habe noch im ohr "Was! Ist der nicht jude?" Da hatte ich ihm einen unmoralischen antrag gemacht! 10 jahre später musste ich mich einer überprüfung stellen und spielte aus Pfitzners letzten klavierstücken. Der war jetzt als "antisemit" verschrieen, was ich natürlich als spätheimkehrer hätte wissen müssen, und trug mir säuerliche mienen ein.
    Es gilt immer die hackordung: wer aus der reihe tanzt, wird gehackt, auch heute sind manche vernünftige ansichten nicht populär: Jenninger hatte in seiner rede nicht unrecht, aber plötzlich versteinerten sich die mienen der "apostel", und der unglücksrabe musste gehen, Oettinger dagegen hatte unrecht und ist immer noch im amt, er hatte laut gesagt, was "seine" apostel dachten, für sie war Filbinger ein ehrenmann, dem man bitter unrecht getan hatte.
    Wieviel anstehende probleme werden "moralisch" verkleistert statt ernsthaft und sachlich diskutiert zu werden?
     
  18. Lucid.Dream

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    Erstellt: 13.07.07   #18
    Moral?
    Ist nur zum Missbrauch geschaffen!
    IMHO sind Menschen, die für sich beanspruchen über Moral zu verfügen, mit großer Skepsis zu betrachten.
    Ein authentischer Mensch ohne Moralanspruch ist bei mir willkommener als jeder moralische (oder heisst es moralisticher?) Mensch.
    Sind es nicht die Verfechter der Moral, die Wasser predigen und Wein trinken?
     
  19. Nashrakh

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    Erstellt: 13.07.07   #19
    Sowas seh ich öfters... falls jemand im Politikforum.de mitliest/postet, dem dürfte das bestens bekannt sein :p

    Hmm also mir ist eben erst aufgefallen, dass ich Moral fast synonym zur Ethik gebraucht habe... insofern kann ich euch verstehen, aber ich finde schon, dass feste Wertvorstellungen nichts negatives sind... insofern sie andere nicht behindern/indoktrinieren/whatever, ihr versteht schon.
     
  20. topo

    topo HCA Recording Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 13.07.07   #20
    @ all: bitte zurück zum Thema "Antisemitismus und Rassismus in unserem Sprachgebrauch"