Aus meiner Mottenkiste: Klassik - Gustav Holst: The Planets op.32

von Hans_3, 03.05.06.

  1. Hans_3

    Hans_3 High Competence Award HCA

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    Erstellt: 03.05.06   #1
    Beim Überspielen von alten Bandcassetten fiel mir eine Aufnahme in die Hände, die ich völlig vergessen hatte: Eine Adaption aus "The Planets" des Komponisten Gustav Holst (1874-1934).

    Ich muss jetzt allerdings noch einiges dazu schreiben - für manchen ist das viellicht nicht uninteressant (oder auch völlig wurscht ) , wie sich solche Aufnahmen entwickeln:

    Das Orchesterwerk umfasst 7 Teile, in denen die Planeten unseren Sonnnensystems beziehungsweise deren zugeschriebene göttlichen Eigenschaften vertont sind (also z.B. Mars - Überbringer des Krieges, Merkur - der geflügelte Bote etc.).

    Mir schien vor längerer Zeit No. 4 "Jupiter - Überbringer der Fröhlichkeit" geeignet für eine Gitarrenadaption. Eine sich über längere Zeit wiederholende Melodie, die in verschiedenen Lagen wiederkehrt. Verblüffend, wie der Komponist hier mit gezielt einfachen harmonischen Mitteln Wirkung erzeugt.

    Das Problem war nun die Übersetzung/Adaption. 1. Musste ein Schlagzeug rein und 2. konnte ich nicht sämtliche Orchesterstimmen der Originalpartitur spielen. Dazu bin ich als Nebenbei-Keyboarder zu schlecht, die Sounds sind net vorhanden und die Bandmaschine hat auch nur 8 Spuren... Also das Ganze auf 3 Keyspuren beschränkt, dazu 2 Spuren Drums und 2 Spuren Gitarre. Auch musste die Melodie, die von verschiedenen Instrumentengruppen in unterschiedlichen Tonhöhen gespielt wird, sinnvoll auf die Oktavierungsmöglichlichkeiten der Gitarre umgesetzt werden.

    Das Problem des komponierenden/arrangierenden Gitarristen ist oftmals nicht die Gitarre sondern die Drums und andere Instrumente. Denn nun stand ich vor dem eigentlichen Problem: Die Drums. Der ausgewählte Part ist in einem langsamen 3/4-Rhythmus und hat natürlich im Original kein Rockschlagzeug. Wer schon mal einen 3/4 gespielt hat weiß: Um-Ta-Ta.. Um-Ta-Ta.. Und das 3 Minuten lang? No way.. Wie also Wiener Walzer vermeiden und Spannung und Aufbau reinbringen? Kann nur funktionieren, wenn die Betonungen zwichen 1,2,3 öfter mal hin- und hergeschoben werden und das verteilt auf Snare und Toms. Jedenfalls hab ich dann volle 2 Tage lang an den Drums gearbeitet, komplett ausnotiert, um den Überblick zu behalten. Vorgabe: es darf kein Walzerfeeling aufkommen, deshalb es muss sparsam und steigernd sein. Kreativer Angstfaktor: Meine Gitarre wird ohne ein durchdachtes Backing überhaupt nichts wert sein.

    Die 3 Keyboardspuren waren dann in 2 Stunden eingespielt. Die Gitarren in 1/2 Stunde - und das war dann irgendwie eine Enttäuschung: Tagelang Vorbereitung und uups, schon vorbei, ich hab' ja gar nix mehr zum Spielen... Es ist überwiegend 1 Gitarrenspur vorhanden. Bei einigen Durchläufen ist eine leiser gemischte höhere oder tiefere Oktave dazugespielt/gedoppelt.

    Zum Sound: Völlig klar - ist heute von vorgestern. Das verwendete Equipment kostete damals (ohne Gitarren) teure 6000 EUR. Mit einem PC + Freeware + einfachem Masterkeyboard erzielt man heute für eine Bruchteil der Kosten deutlich bessere Ergebnisse.

    Also, den ganzen Schmunz als Anregung, sich mal richtig in eine "klassische" Sache reinzuknien.


    MP3 rechts speichern unter / 4,5 MB
     
  2. Stringgod

    Stringgod HCA Gitarre HCA

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    Erstellt: 10.05.06   #2
    Wäre das heute produziert, würde ich sagen, du bist der ideale Schlagerproduzent. So viel Hall gibbet nur bei denen. :D
    Aber das 80er Feel kommt rüber. ;) Netter Gitarrensound.
     
  3. Hans_3

    Hans_3 Threadersteller High Competence Award HCA

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    Erstellt: 10.05.06   #3
    Jo, der typische Homestudiofehler. Es klingt nicht voll und breit genug, also haut man deftig Hall rein. :D Zu jener Zeit kostete ein Digi-Reverb 2000 DeMark - für DAS Geld soll es dann aber auch richtig hörbar sein :D Das Teil verschimmelt gerade bei mir im Keller.

    Gitarre ist technisch völlig simpel aufgenommen: Strat > H+K Tubeman I > Mischpult > BAndmaschine. UNd beim Mischen der Generalhall für alle Kanäle (s.o.) Der Rest kommt aus ja wie üblich aus den Fingern :D Ich warte jetzt noch auf einen Hersteller, der das "Effektgerät mit dem gemoddet/geclontem Fingersound von XY" an die Kiddies verscherbelt. Dann springe ich in die Kiste.
     
  4. Ynger

    Ynger Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.05.06   #4
    Mir hat dieser Part in Holst's Planets auch besonders gut gefallen, ich glaube, bei ihm übernehmen die Celli die Hauptstimme.

    Deine Version könnte man wohl als Classic Pop bezeichen, und da finde ich den Hall eigentlich ganz angemessen. Es feht jetzt vielleicht etwas die Frische, wenn man das so sagen kann, aber insgesamt finde ich wirklich klasse. Das könnte man ja klanglich noch etwas nachbearbeiten, wenn mal die Muße bestehen sollte.

    Die Gitarre klingt sehr schön und das Stück ist mit sehr viel Gefühl und Geschmack interpretiert.
     
  5. Hans_3

    Hans_3 Threadersteller High Competence Award HCA

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    Erstellt: 11.05.06   #5
    Schon versucht. Da ist leider nix mehr zu machen. Die dichten Hallfahnen, die die Instrumente nach hinten drücken, lassen sich nicht kleiner machen. Und jede Frequenzauffrischung macht zugleich auch den Hall noch aggressiver.

    Ich könnte höchstens die Originalspuren von der Bandmaschine aus den PC transferieren wg. Neumix. Aber deswegen 'ne 8-Kanal-Karte installieren...? Ich habe das bei einigen anderen Aufnahmen mal mit Einzelspurenüberspielung versucht - geht leider net, da die irgendwann im Timing auseinanderlaufen. Wegen Banddehnung und Banderwärmung durchs Rückspulen haben sich am Ende eines 4 Minuten Stückes Timigunterschiede von 1/3 Sekunde zwischen den Spuren summiert. Da ist man nach 3 Tagen Samples rumschieben reif für die Klapse und passen tut's trotzdem noch net.
     
  6. thejone

    thejone Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.05.06   #6
    Wow. Kompliment.
    Das finde ich musikalisch, bzw gitarrentechnisch echt super interessant. E-Gitarren werden selten musikalisch angewendet, sondern meistens können die Gitarristen nicht spielen. Wenn sie denn spielen können, geht die Musik zu Gunsten von selbstherlicher Gitarrenakrobatik verloren. Du jedoch hast nach einem Vorbild ein wunderbares Musikstück geschaffen.
    Mir gefällt es wirklich gut.
    Weiter so.

    Zum Sound. Tja....an Hall kann ich mich nicht stören, wäre mir auch nicht negativ aufgefallen. Aber mich interessiert auch mehr das Musikalische und das hat mir gut gefallen.
     
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