Banken retten?

von Johannes Hofmann, 08.10.16.

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  1. Johannes Hofmann

    Johannes Hofmann v.i.S.d.P. Administrator

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    Erstellt: 08.10.16   #1
    Vor ein paar Jahren haben wir unsere Banken gerettet. Das hat sehr viel Geld gekostet.

    ...und jetzt höre ich schon wieder, dass zB der IWF vorschlägt, wir sollen die Deutsche Bank mit Steuermitteln retten. http://deutsche-wirtschafts-nachric...g-der-italienischen-banken-aus-steuergeldern/

    Ich habe das ja schon 2008/2009 nicht verstanden und begreife seither das Wort "Bankraub" nicht mehr so, dass da ein Verbrecher eine Bank ausraubt, sondern dass der Staat die Banken legitimiert, das Volk auszurauben...

    Kann mir mal jemand erklären, wozu wir die Deutsche Bank brauchen? Die hat afaik nicht mal Geldautomaten und Geld für Häuslebauer verleihen sie auch nicht.

    Kann man die nicht einfach bitten, nach Pamana zu gehen oder auf eine Bohrplattform im Atlantik? Oder retten wir die etwa wegen der Arbeitsplätze? Wenn schon überhaupt, dann täte ich lieber VW oder TUIfly retten... das scheint mir sinniger als ein Institut das Steuermilliarden verbrennt... oder bin ich zu blöd zu verstehen, wozu wir eine deutsche Bank brauchen?
     
  2. Blade Runner

    Blade Runner Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.10.16   #2
  3. mjmueller

    mjmueller Registrierter Benutzer

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    Mondach Moin 8:15...Die Woch ziiehd sich widda!
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    Erstellt: 08.10.16   #3
    Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert.
    Die Isländer haben immerhin was gelernt. Die Deutschen ...?
     
  4. shadok

    shadok Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.10.16   #4
    In Zeiten wo immer mehr arme Afrikaner aus Libyen übersetzen, brauchen wir das Geld für das Wohl dieser wertvollen Menschen. Unsere humanitäre Pflicht muß Priorität vor der Rettung irgendwelcher Banken haben. Wirtschaftliche Folgen eines Banken-Crashs müßen wir in Kauf nehmen. Wir müßen endlich teilen lernen! Venceremos!
     
  5. Williamsbirne

    Williamsbirne Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 08.10.16   #5
    Das ist für mich wieder ein exemplarischer Konflikt zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik.

    Gesinnungsethisch könnte man sagen, die Deutsche Bank hat (wie vermutlich jede andere Großbank) so viel Dreck am Stecken, hat selbst durch Spekulation und Blasengeschäfte so viel zur Überdehnung des Systems beigetragen, dass es nur fair und gerecht wäre, wenn diese Bank die Folgen ihrer unseriösen Praktiken auch tragen muss.

    Verantwortungsethisch aber müsste man sagen, wem ist damit gedient, wenn die Deutsche Bank vor die Hunde geht? In erster Linie doch wohl den anderen Banken, die noch einmal davon gekommen sind, weil der Markt durch das Opfer Deutsche Bank wieder ein paar Monate besänftigt wurde. Langfristig gesehen aber ändert ein solches Opfer überhaupt nichts. Im Gegenteil: die Player werden weniger und darum auch mächtiger. Und zweitens wird Deutschland weiter geschwächt. Mglw. verliert Deutschland dadurch sein positives Rating, der Wirtschaftskrieg gegen unser Land erklimmt eine neue Eskalationsstufe und wir haben allen möglichen zukünftigen Angriffen noch weniger entgegen zu setzen.
     
  6. Marc02

    Marc02 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.10.16   #6
    Man darf mich flür blöde halten aber wieso es so unfassbar wichtig sein sollte die Deutsche Bank zu retten, wo es doch zig andere Banken gibt, habe ich auch nicht verstanden. Ist doch mit Supermarktketten und Krankenlassen nichts anderes, oder doch !?
     
  7. GEH

    GEH MOD A-Saiteninstrumente Moderator

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    Erstellt: 08.10.16   #7
    Bin ja gespannt, weil eine Rettung ein erneutes Glaubwürdigkeitsproblem für die Regierung wäre.
    Ich erinnere mich an das "never ever" von Schäuble bei der letzten Bankenrettung und Merkel hatte sich ähnlich klar positioniert.

    Mag sein, dass eine Nichtrettung auch niemand hilft, es geht aber auch um klare Kante.
    Die Banken bekamen ja bei der letzten Rettung Auflagen und die Deutsche Bank waren - soweit ich es verstanden habe - eine derjenigen, die trotzdem mächtig weitergezockt haben.
    Es kann auch nicht ewig so weiter gehen. Wenn eine Bank halt nichts aus der letzten Krise gelernt hat, dann sollen sie halt jetzt über die Klinge springen.
    Vor Gericht würde bei Privatpersonen von Wiederholungstäter die Rede sein.

    Und sollten bei der Nichtrettung Privatpersonen Geld verlieren (weiß nicht, ob es wenigstens dafür genug Rücklagen gibt), dann sollten die sich überlegen, warum sie bei so einer Bank geblieben sind.
    Es gibt den Spruch, dass der Deutsche seiner Bank treuer ist als seinem Ehepartner. :rolleyes:
    Zu wenig Wechselfreude ist auch ein Grund, warum sich Banken mache Unverschämtheiten erlauben können.
     
  8. Williamsbirne

    Williamsbirne Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 08.10.16   #8
    Dass Merkel sich zu irgendetwas klar positioniert, sagt was aus?

    Genau:

    gar nichts.
     
  9. GEH

    GEH MOD A-Saiteninstrumente Moderator

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    Erstellt: 08.10.16   #9
    Nein, aber das wird für sie ja zunehmend zu einem Problem. ;)

    Wie gesagt, das wäre bei Privatpersonen ein Fall von Wiederholungstätertum.
    Rettung wäre ein schlechtes Signal in Richtung der anderen Banken, die ein bisschen was aus letzte Krise gelernt haben.
     
  10. shadok

    shadok Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.10.16   #10
    Auch in Richtung der Bevölkerung. Sollte ein Crash der DB allerdings Schockwellen in die Wirtschaft inklusive Arbeitsplatzverlusten auslösen, würde es der merkelschen Demokratur auch nicht gerade gut tun...
     
  11. adola

    adola Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.10.16   #11
    Ist mit der Finanzkrise genauso, wie mit anderen Themen, die gegenwärtig heiß diskutiert werden - ob der drastischen Bedeutung (bzw. Folgen) der Fin.-Krise hat man von Anfang an beschwichtigt und nicht die Wahrheit gesagt. Abgesehen davon haben die Medien und ein Großteil der Politik die Zusammenhänge überhaupt nicht verstanden.

    Die Banken und v. a. die Großbanken übernehmen grundlegende Funktionen im Finanzsystem, wie z. B. die Geldschöpfung durch Kreditvergabe. Sorry, ich bekomme das jetzt spontan nicht zusammen, um es zu erklären. So im Groben hatte ich mir das mal erklären lassen; ist leider etw. her.

    Anfang 2016 trat ja eine EU-Richtlinie in Kraft, wonach Aktionäre und Gläubiger für ihre Pleitebank einstehen müssen. Die Zypernkrise war dafür quasi eine Blaupause; so weit so gut. Das ganze funktioniert nur nicht, wegen der immensen Größe der Bank. Eine Pleite würde vermutlich andere Banken, Unternehmen und ganze Staaten in die Pleite reißen, da es hier zu viele Verbindlichkeiten gibt; das sind u. a. sog. Finanzderivate.

    Ich habe kürzlich gelesen, dass die Dt. Bank alleine Derivate (Anlagepapiere, die grob gesagt keine Aktien oder Anleihen sind sind) im Wert von ´50 Billionen´!!! ausgegeben hat, die alle am Finanzmarkt sind. Solche Summen können weder Gläubiger noch der Dt. Steuerzahler auf einen Schlag wuppen... Das nennt man ´too big to fail.´ Und eine gesetzl. Einlagensicherung für Sparguthaben wirkt dem gegenüber dann wie eine Lachnummer.

    Und Derivateinhaber sind nicht nur Zocker, wie das immer gerne dargestellt wird, sondern auch Versicherungen und Pensionsfonds, weil Derivate auch als anlagetechnische Werkzeuge gebraucht werden, um bsw. eine Anlagepolitik umzusetzen oder einfach nur andere Positionen abzusichern. Darüber hinaus ist aber auch der Anleihemarkt mit den Großbanken verwoben; aber da weiß ich jetzt spontan die Zusammenhänge nicht.

    Schluss endlich wird es wohl auf eine Verstaatlichung der Dt. Bank hinauslaufen, ähnlich wie bei der Commerzbank. Die Schulden werden dann vom Dt. Staat vor sich hergeschoben und über die Jahrzehnte dem Steuerzahler vergemeinschaftet...

    Mein pers. Fazit:
    Wer Geld bei der Dt. Bank hat, sollte das schleunigst da wegholen oder Zertifikate von der Dt. Bank verkaufen; auch wenn es da vermutl. wieder irgendwelche Rettungskonstruktionen geben wird...
     
  12. Günter Sch.

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    Erstellt: 08.10.16   #12
    Sie haben gelernt, dass sie auf jeden fall gerettet werden und so weitermachen können. Das gilt auch für konzerne wie VW, allenfalls spart man bei den mitarbeitern ein.
    "Den reichen muss geholfen werden, die armen kommen auch so zurecht!"
     
  13. GEH

    GEH MOD A-Saiteninstrumente Moderator

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    Erstellt: 08.10.16   #13
    Ich weiß nicht ... :gruebel:
    Eine Bankenrettung ist id.R. so teuer, mit dem Geld kannst du viele Arbeitsmarktprogramme und Investitionen tätigen, die schon längst von der Bevölkerung erwartet werden.

    Sicher richtig - und dann können sie auch ruhig über die Klinge springen.
    Meine Meinung:
    Wenn die letzte Bankenrettung u.a. dafür da war, dass Privatpersonen und kleine Firmen vor dem Verlust ihres Geldes geschützt wurden, dann mag das ja ein Argument gewesen sein.
    Seitdem weiß aber jeder, dass die deutsche Bank eher ein bescheidener Laden ist.
    Wer trotzdem dort gebleiben ist und jetzt sein Geld verlieren sollte, der war ja vorgewarnt - Vorsicht bei der Partnerwahl sag ich da nur.
     
  14. shadok

    shadok Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.10.16   #14
    Worte der Weisheit.
     
  15. Williamsbirne

    Williamsbirne Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 08.10.16   #15
    Die andere Seite ist - und das zu unterschlagen ist auch nicht gerecht: Volkswagen hat 600.000 Beschäftigte, davon knapp die Hälfte in Deutschland. Der Konzern zahlt hierzulande sehr viele Steuern, zaht überdurchschnittlich Lohn / Gehalt - Geld, das ebenfals wieder zu Großen Teilen im Land ausgegeben wird und damit auch die unterstützt, die weniger haben und auf Stützung angewiesen sind.

    Wenn man VW krachen gehen lässt, ist das keine gute Tat an diesem Land.
     
  16. adola

    adola Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.10.16   #16
    In dem Zusammenhang möchte ich euch an dieser Stelle einen Link ans Herz legen, den ich schonmal in einem Thread zu Negativzinsen gebracht habe:
    http://www.derivateverband.de/DEU/Transparenz/CreditSpreads

    Wer vor Geschäftsbeziehungen mit einer Bank steht, sollte hier unbedingt reingucken. Es handelt sich um den Preis einer ´Kreditausfallversicherung´, den Unternehmen oder Staaten selber real am Markt zahlen müssen. Es ist also ein Maß für Zahlungsfähigkeit und Solvenz. Je niedriger, desto besser!

    Die Dinger heißen übrig. Credit Default Swaps (CDS). Die waren auch maßgeblich am Bankenzusammenbruch 2008 beteiligt, weil die Banken sich die gegenseitig weiterverkauft hatten (oh Mann...).

    ps.
    Hier ist noch so ein Link in Bezug auf Staaten, für wens interessiert. Sowas liest man halt eher nicht in den Dt. Massenmedien:
    http://www.cnbc.com/sovereign-credit-default-swaps/
     
  17. Blade Runner

    Blade Runner Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.10.16   #17
    Mir persönlich geht es ähnlich, aber eine Pleite wäre in den Augen vieler Experten, was die Tragweite anbetrifft, weit oberhalb der Folgen bei der Schleckerpleite:

    Das ist ein relativ erhellender Artikel dazu:
    http://www.focus.de/finanzen/expert...e-von-unvorstellbarem-ausmass_id_6005098.html

    Das ziemlich angsterregende Fazit steht weiter unten:

    " ... Würde man die Deutsche Bank wie Lehman Brothers anno dazumal tatsächlich pleitegehen lassen, dann würden global erstmal die Lichter ausgehen. Wir hätten eine Finanzkrise von einer unvorstellbaren Dimension in Relation dessen die Krise 2008 lediglich ein entspannter Sonntagsspaziergang war."
     
  18. shadok

    shadok Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.10.16   #18
    Stümmt! Dann wär ich nämlich arbeitslos. Und das mit Mitte 50. Au weia!:D
     
  19. Marc02

    Marc02 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.10.16   #19
    Ich dachte eine Geldschöpfung z.b. eine Fabrik, die Münzen und Scheine produziert. Okay, wenn eine gute Geschäftsidee auch eine Art Geldschöpfung sein kann, kann es ein Kredit auch.

    Aber das Geld wird ja nicht durch den Kredit erschaffen, sondern es war schon da. sonst hätte es nicht verliehen werden können :D

    Und wenn die Dt. Bank vertsaatlicht wird und die Verluste von der Solidargemeinschaft abgetragen werden, denn das sei ja leichter zu bewerkstelligen als 50 Bio zu wuppen, zweifele ich daran, dass sich dieses Szenario nicht wiederholt.

    Oder ist das für eine Bank so dermaßen schmerzhaft, verstaatlicht zu werden, dass das kein Geldhaus der Welt erleben möchte !? Welche Alternativen gäbe es denn für die Bank ? :D
     
  20. Williamsbirne

    Williamsbirne Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 08.10.16   #20
    Und denke an die Zuliefererindustrie.
    Das sind nochmal 100.000 bis 150.000 Arbeitsplätze.