Bassstimme 2. Bass

von AndreasHL, 25.06.16.

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  1. AndreasHL

    AndreasHL Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.06.16   #1
    Hallo,

    ich heiße Andreas, bin 58 Jahre alt und seit ca, 3 Jahren Sänger in einer Kantorei, also musikmäßig ein Späteinsteiger. In jungen Jahren hatte man mir gesagt, ich wäre unmusikalisch und könne keinen Takt halten (trotz oder wegen musikalischer Eltern), und so habe ich mich leider viele Jahre nicht um Musik gekümmert.

    Nun ist es leider so, dass ich schon immer eine tiefe Stimme habe, ich singe im Bass, fühle mich aber erst im 2. Bass richtig wohl. Leider gibt es grade bei den klassischen Kantaten kaum Stücke, wo der 2. Bass benötigt wird.

    Würde es Sinn machen, zumindest kurze Stücke mit dem 2. Bass zu versehen ? Ist das überhaupt möglich ?

    Als Beispiel hier das Stück "Selig sind, die aus Erbarmen",

    Die Kantorei hat diese Kantate erst vor wenigen Wochen aufgeführt. Es geht mir aber nicht um die ganze Kantate, sondern nur den genannten Schlusschor. Oder ist es einfach zu hoch gegriffen, so etwas zu ergänzen? Immerhin, ein Stück von Bach, da muss die Qualität schon stimmen.

    Oder würde sich hier jemand trauen, den 2. Bass zu komponieren ? Ob das überhaupt klingt ?

    Viele Grüße

    Andreas
     
  2. Be-3

    Be-3 Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 25.06.16   #2
    Hallo Andreas,

    willkommen im Forum! :)

    Klassische Chorsätze sind in der Regel grundsätzlich vierstimmig angelegt.
    Im genannten Schlußchoral aus BWV 39 gibt es nur diese vier Stimmen, sogar die Instrumente des begleitenden Orchesters sind auf diese vier Stimmen verteilt: Flöte I/II, Oboe I/II und Violine I spielen den Sopran, Violine II spielt den Alt, die Bratsche spielt den Tenor und die Bässe (Celli und Kontrabässe) den Baß. Fertig!

    Je nach Chor (Knabenchor, Frauenchor, Männerchor, gemischter Chor...) und allgemeiner Tonlage des Stücks können die vier Stimmen in unterschiedliche Stimmfächer fallen.
    Bei Männerchören gibt es durchaus TTBB, also Tenor 1, Tenor 2, Baß 1 und Baß 2.
    Da ist der 2. Baß aber keine zusätzliche Stimme, sondern einfach eine der vier "regulären" Stimmen.

    Ich würde also prinzipiell davon absehen, in ein in sich geschlossenes und ausgewogenes System eine zusätzliche Stimme hinzuzubasteln (nicht nur bei Bach ;)). Jede Stimme spielt ihre genau definierte Rolle im Gesamtklang, hat eine kleine sinnvolle Melodie für sich und folgt gewissen Regeln (Stimmführung, Auflösung usw.).

    Der "Vorteil" des 2. Basses ist eigentlich vor allem (so sehe ich das zumindest, ich mag mich irren), daß die Stimme "einfacher" und somit anfängergeeigneter ist. Die tiefste Stimme spielt eine herausragende Rolle (die "Randstimmen" sind immer am einfachsten heruauszuhören) und hat auch oft Sprünge, während die 2. Baßstimme sehr oft auf einem Ton liegenbleibt oder sich nur relativ wenig bewegt.

    Du wirst also mit der Zeit sicherer werden und Dir immer weniger wünschen, Dich im 2. Baß "zu verstecken". ;)
    Ansonsten bleibt Dir, einen reinen Männerchor zu suchen, die oft in TTBB-Besetzung singen.

    Viele Grüße
    Torsten
     
  3. AndreasHL

    AndreasHL Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.06.16   #3
    Hallo Torsten,

    vielen Dank für die schnelle und hilfreiche Antwort.

    Ich singe auch in einem reinen Männerchor, II. Bass, hier zu finden:



    Dann werde ich eben so weitersingen wie bisher.

    Danke und viele Grüße

    Andreas

    PS: wir singen sonst ohne Instrumentenbegleitung
     
  4. Be-3

    Be-3 Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 25.06.16   #4
    Hallo Andreas,

    bei moderneren Chorstücken, oft mit Instrumentalbegleitung, gibt es nicht immer einen klassischen vierstimmigen Choralsatz, da wäre das weniger streng.
    Beispielsweise Unisono-Passagen, dann mal ein mehrstimmiger "Einwurf", Gegenmelodien usw.
    Da hat man grundsätzlich größere Freiheiten und ist nicht so sehr an Regeln gebunden.

    Aber zu BWV 39:

    Jetzt hat sich Deine Antwort und meine nachträgliche Ergänzung wohl überschnitten, dann räum ich mal ein wenig auf und schiebe eine (hoffentlich anschauliche Begründung) am Beispiel des Schlußchorals von weiter oben hierher.

    Schauen wir uns doch mal das genannte Beispiel BWV 39 an . :)

    Die erste Phrase in den Original-Noten (mit Sopran-, Tenor-, Alt- und Baßschlüssel) sieht folgendermaßen aus (ohne Text, der tut hier nichts zur Sache):

    BWV39-1.png

    Die unsterste Stimme ist der Baß, darüber der Tenor.
    Wenn wir Sopran/Alt und Tenor/Baß zusammenfassen (und uns auf Violin- bzw. Baßschlüssel beschränken ;)), sieht man schön, wie dicht Tenor und Baß beieinander liegen:

    BWV39-2.png


    Und jetzt versuche mal, zwischen Tenor und Baß im unteren System noch einen 2. Baß zu quetschen! :p:D:gruebel:

    Wenn man, um's auf die Spitze zu treiben, alle vier Stimmen in einem System zusammenpfercht, kann man gut erkennen, wie dicht der Satz ganz allgemein ist:

    BWV39-3.png

    Diese Schreibweise ist zwar Mumpitz und man kann auch die einzelnen Stimmen nicht mehr auseinanderhalten, aber sie soll veranschaulichen, daß zwischen den Stimmen praktisch kein Platz mehr für eine weitere Stimme ist.

    Also - abgesehen von meinen geäußerten Bedenken, einen in sich ausgeklügelten und schlüssigen vierstimmigen Satz zu erweitern - ist da rein pragmatisch kein Raum.

    Nochmal viele Grüße
    Torsten
     
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