behinderter punk

von ViciousVegetable, 14.03.08.

  1. ViciousVegetable

    ViciousVegetable Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.03.08   #1
    Um euch mal einen Eindruck von den Zielen die ich verfolge zu geben lest mal an bitte Auszüge aus meiner Originalseite. zum hören klickt http://www.myspace.com/illpunk
    Über mein Leben

    ,warum es manchmal anders kommt als man denkt und weshalb alles mit allem zusammenhängt

    Hallo, fröhlich wie immer begrüße ich euch auf meinen Seiten der Kritikmaschine. Doch ich möchte die Gelegenheit nutzen und euch mal erklären, was ich mit der Musik und dieser Homepage im Groben bezwecke. Also, ich mache halt Punkrock mit freundlicher Unterstützung der Fuldaraner Band Kafkas ( bedankt)und diese harte, schnelle Musik eignet sich hervorragend für meine Ziele. Zu allererst möchte ich warnen, warnen vor den unabsehbaren Folgen gedankenloser Raserei. Ihr könnt euch so mit eurem Auto euer Leben und das Leben anderer versauen. Wenn ihr denn so einen Unfall überlebt, glaubt mir, dann ist euer Leben nicht mehr so wie vorher. Schwer bis schwerst verletzt steht kann es sein, das ihr alles wieder lernen müsst, angefangen mit Atmen, über sprechen, essen oder zum Klo gehen. Wobei das Gehen schon übertrieben ist. Meist kann ein Unfallopfer nict mehr gehen und wenn er Glück hat nur durch harte Arbeit diese Fähigkeit zurückerlangen. Und damit kommen wir zm zweiten Ziel, das ich verfolge.. Auch steht hierbei steht mein Kampf für Behindertenrechte , also für die Rechte einer großen Gesellschaftsgruppe, der auch ich seit meinem schweren Unfall angehöre. Denn kommst du nach Jahren in diversen Krankenhäusern behindert, egal ob im Rollstuhl oder laufend, wieder nach Haus, ist es gewiss keine Hilfe in den Alltag zurückzufinden, wie dich sogenannte Menschen manchmal behandeln. Jetzt erzähle ich mal wie es zu allem kam.

    Ich fuhr damals, als ich noch Schüler und schon ein Punk war Radrennen in ganz Deutschland, auch in Holland und saß jeden Tag zum Training auf dem Rad. Und an jedem Wochende standen halt zwei, drei Rennen auf dem Programm. Auch war ich kurz davor, mein Abitur zu bauen, habe sogar schon meinen letzten Schultag angemessen begangen. Einen Tag danach hat mich einer auf einer Trainingstour einfach angefahren und der war mit hundert im Ort unterwegs. War 'ne ziemlich miese Geschichte, das. Also, der hatte so hundert drauf, im Ort wie gesagt, kam von links, hab' den genau gesehen, der war noch soweit weg, nach rechts geguckt, von da kam keiner, bin angetreten, doch der war schon da. Weit geflogen, lebensgefährlich verletzt, Rettungshubschrauber, Spezialklinik, knapp überlebt. Dann folgten zweieinhalb Jahre in ein paar Kliniken, musste alles wieder lernen, was du so zum leben brauchst. Im Rollstuhl kam ich schließlich auf eigenes Ersuchen nach Hause, hier habe ich in mühevoller Kleinarbeit bei der Krankengymnastik wieder Laufen gelernt, fahre mittlerweile schon über 5 Jahre wieder Auto und bin zum Punkrocker geworden. Meine Erfahrungen lasse ich in meine Texte einfließen, ich möchte aufklären und warnen. Denn wer einmal ein an sich bildhübsches Mädchen im Wachkoma und ohne Chance wieder aufzuwachen gesehen hat, wie sie da in einem Liegerollstuhl liegt, dich anschaut und du nicht weißt, was sie sieht, ob sie dich erkennt, die gefüttert werden muss und sonst nur Sondennahrung bekommt, wenn du das gesehen hast weißt du, das es schlimmer nicht geht. Ich möchte wirklich eure Sensibilität schärfen und wenn es mir gelingt das auch nur einer nachdenkt anstatt ins Verderben zu rasen war nichts umsonst.



    Mir persönlich geht es nach über14 Jahren wieder gut. ich lebe selbstständig in meiner Wohnung, fahre Auto und bin zum Punkrocker konvertiert. Aber da ich weiß wie es ist als Rollstuhlfahrer von angeblichen Menschen von oben herab behandelt zu werden, habe ich mir vorgenommen, mit meinen Texten für Behindertenrechte zu kämpfen. Es wird zwar viel getan für Behinderte auch in meiner Heimatstadt, aber in den Köpfen der Menschen spukt ein Gespenst und dieses Gespenst heißt 'Behinderte sind doof'. Dagegen will ich ankämpfen, unter dem Motto des Kampfes für Behindertenrechte steht mein ganzes Leben. Nie werde ich vergessen wie es ist, im Rollstuhl einfach ignoriert zu werden. Das ist das Schlimmste. Vom Kopfschütteln gar nicht zu reden. Ich hoffe, das ich mit meinen Texten zum besseren Miteinander Behindert-Gesund beitragen kann. Ein Rollstuhlfahrer hat es in unserer Welt sowieso schwer. Probiert es mal aus und fahrt mit dem Rollstuhl durch eure Stadt. Ihr werdet sehen, wie schnell das erste Hinderniss kommt. Und die ersten Leute, die kopfschütteln oder gar lachen aber teilnahmslos vorbeigehen anstatt zu helfen werden schnell folgen. Natürlich gibt es immer sone und solche wie man bei uns sagt, will sagen, viele Menschen sind zuvorkommend, freundlich und hilfsbereit. Aber ein Gedanke ist weitverbreitet: Der Gedanke, das Behinderte blöd sind, das man sie am Besten ignoriert oder blöde Sprüche auf deren Kosten machen kann. Und dagegen will ich kämpfen, darum mache ich meine Musik und dafür lebe ich.


    viel spaß beim diskutieren.
     
  2. Soulflyerforever

    Soulflyerforever Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.03.08   #2
    Leider hab ich jetzt gerade nicht so viel Zeit zum diskutieren (das hole ich vllt. nach).
    Aber ich denke nicht dass in der Punkszene der Gedanke, das Behinderte dumm sind, verbreitet ist.
    Sprich: Um die Mitte der Gesellschaft zu erreichen (beim rechten Rand braucht man es gar nicht erst versuchen, ich verweise hierbei nur auf diese SCHEISS Adresse zum Thema "Behinderte" und was Faschos sich dabei denken: http://forum.thiazi.net/showthread.php?t=16525 ) muss man schon andere Musik als Punkrock machen.
    Ich hoffe ich hab hier nichts falsch verstanden, wie gesagt, meine Zeit reicht gerade nicht.

    Ansonsten wünsche ich dir bei dem Projekt natürlich viel Glück und hoffe dass du deine gesetzten Ziele erreichen kannst ;)

    Ich komme nochmal zurück auf die Diskussion...
     
  3. Localgroover

    Localgroover Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 14.03.08   #3
    Hey, welcome :great:

    Das Gespenst wird sich wohl nie ändern... aber man kann lernen (wie Du) damit zu leben.

    Die Welt ist voll von Vorurteilen und Schubladendenken... aber es gibt auch immer mal wieder "Lichtblicke"...

    lg
     
  4. ViciousVegetable

    ViciousVegetable Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.03.08   #4
    das stimmt, es gibt immer sone und solche wie man bei uns sagt, ich habe selbst aber soviel erlebt, das ich das jetzt halt mache. Augen zu und durch, habe auch schon soviel miese Kritiken bekommen, manche verkennen meine Intention dann doch.
     
  5. JUL

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    Erstellt: 14.03.08   #5
    Hi !
    Find dein Projekt toll.
    Es ist sehr wichtig Vorurteile und diskriminierung gegen Minderheiten anzusprechen.
    Gerade in unserer MTV generation wo täglich neue verblendete Deppen enstehen.
    Ich finde das immer mehr ein werteverfall in unserer gesellschaft stattfindet der einfach zum kotzen ist.
    Aber was kann man auch erwarten, wenn man uns schon im Abendprogramm von MTV uns zeigt was die Ziele für ein erfolgreiches Leben sind. (Geld, titten, Luxus:great:)
    In der Politik wird übrigens auch 0,0 über diese verblödungs maschinerie debattiert.
    Und in der Schule ? Es gibt kein Fach das auch nur Ansatzweise auf solche sachen eingeht, mal ausgneommen Ethik (für die paar leute die sich keine konfession leisten konnten:D)

    Ich könnt ewig weiterschreiben, hab jetzt aber keine Lust das zieht zu sehr runter...:)
     
  6. ViciousVegetable

    ViciousVegetable Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.03.08   #6
    ja, man sollte diesen Vorurteilen immer offensiv entgegentreten, nicht nur musikalisch, sondern vor allem auch im täglichen Leben. Ich bin unheimlich froh, dasich meine Klappe aufmachen kann und mich wehren. Viele Andere können das nicht aber gerade auf die wird dann getreten. Versuche halt die Mauer in den Köpfen der Leute einzureißen.
     
  7. Quir

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    Erstellt: 15.03.08   #7
    Nein, dieser Gedanke ist nicht weit verbreitet und ich habe in meinem gesamten Leben auch noch keine Person kennengelernt, die diese Ansicht vertritt. Selbst die schlimmsten Egozentriker und arroganten Sprücheklopfer sind nicht der überzeugten Ansicht, dass Behinderte blöd sind, das man sie am Besten ignoriert oder blöde Sprüche auf deren Kosten machen kann. Es gibt ohne Frage Personen, denen jegliches Taktgefühl fehlt oder die in ihrer Selbstüberzeugung gerne indiskutable Sprüche über Randgruppen jedweder Art loslassen, aber eine überzeugte Abneigung gegenüber Menschen mit körperlichen Behinderungen habe ich bislang außer im Zusammenhang mit dem NS-Regime in noch keinster Form auch nur annäherungsweise erleben müssen.

    Ich denke, was du eher ansprechen möchtest, ist eine verletzend wirkende Unbeholfenheit und Überforderung der Gesellschaft im Umgang mit solchen Menschen, und da hast du auch vollkommen Recht, dass dort Abhilfe geschaffen werden musst. Ein Ignorieren von Behinderten, so verletzend es für Betroffene auch wirken mag, geschieht im geringsten Falle aus einer bösartigen Abneigung, als mehr aus einer persönlichen überfordernden Mischung aus Betroffenheit, Unkenntnis und Unbeholfenheit oder schlichtweg einem Desinteresse der jeweiligen Person.

    Und auch wenn das persönliche Erleben einer solchen Erfahrung sicher eine schlimme Sache ist, solltest du nicht zuletzt auch für deine eigene Glaubwürdigkeit von einem pauschalisierenden Standpunkt einer Behinderten-"Feindlichkeit" der Gesellschaft mehr zu einer Idee des Aufmerksam-Machens auf die Probleme von Behinderten in unserer Gesellschaft abrücken, denn auch die andere Seite hört es nicht gerne, sich als beleidigend, ignorant oder blöd titulieren zu lassen.

    @JUL: Dein Post ist zwar sicherlich ganz nett gemeint, aber übertrifft leider an naiven Pauschalisierungen und abgedroschenen Phrasen bereits jeden mir bekannten dummen Witz über Behinderte, alleine weil ein solcher im Gegensatz zu deinem Post sicherlich nicht ernst gemeint wird. Böse oder verletzend gemeinte Sprüche über Minderheiten sind zweifelsohne kein Spaß und dürfen auch nicht toleriert werden, allerdings zeigen deine altbekannten Ausschweifungen über einen Wertefall unserer Gesellschaft oder einer MTV-Generation, dass du nicht wirklich mit dem Thema beschäftigt hast, sondern hier nur bereits dreimal durchgekaute Sozialkritik-Ansätze ungeprüft in den Raum wirfst. Die Aussage, dass sich die heutige Gesellschaft im Vergleich zu früheren Zeiten Behinderten gegenüber ablehnender gegenübersteht oder sich in der Entwicklung auf einen solchen Zustand befindet, ist nämlich nicht wahr, und da ändern auch keine altbackenen Aussagen über Politik, MTV oder Titten etwas daran.

    Aber wie gesagt, ich denke, du meinst das vollkommen richtige und hast dich nur in der Formulierung zu diesen naiv-kritischen Sätzen hinreißen lassen... Es gibt auch Probleme in der Welt, an denen MTV nicht die Schuld trägt ;)
     
  8. ViciousVegetable

    ViciousVegetable Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.03.08   #8
    Ja, ich weiß das sehr wohl, aber ich pauschalisiere und ' haue auf die Kacke' damit überhaupt mal jemand Notiz von den Problemen nimmt und auch anfängt darüber nachzudenken. Es sind vielleicht nicht die Meisten die so auf Behinderte reagieren, aber als Betroffener kommt es dir irgendwann halt so vor. Es stimmt, es gibt viele hilfsbereite und freundliche Menschen, aber ein Kopfschütteln oder Lachen ist eins zu viel.
     
  9. LivingDeaDdoLL

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    Erstellt: 16.03.08   #9
    find ich klasse! Es gibt heutzutage leider immernoch viel zu wenig menschen die Rollstuhlfahrer respektieren.Allgemein auch menschen mit Behinderungen... viele haben angst vor den menschen?! Wissen nicht wie sie mit denne umgehen sollen usw. klar kann ich verstehen wenn man den Umgang nicht kennt ist das wohl normal. Aber es sind total liebe und coole Leute! :D
    ich arbeite in einer Werkstatt für menschen mit behinderungen im Förder und Betreuungsbereich( was bedeutet, dass ich mit schwerst mehrfach behinderten arbeite) jeden tag.... und es ist verdammt anstrengend aber man bekommt soviel von diesen Menschen wieder:)

    Und ich kenn das Gefühl wenn jemand der mal "so war wie du" auf einmal einfach nichts mehr kann.
    Es tut einem in der Seele weh. Aber ich denke selbst wenn viele menschen dich dann anders behandeln und ignorieren oder sonst was... es gibt doch auch noch die Menschen die einen lieben und zu dir stehen! :)
     
  10. ViciousVegetable

    ViciousVegetable Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.03.08   #10
    warum:confused:wurde das jetzt verschoben. okay vielleicht ist das ein gesellschaftskritisches Thema aber die Musik ist Punk. Na aber vielleicht ist das Thema doch besser hier aufgehoben.:confused:
     
  11. JUL

    JUL Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.03.08   #11
    Ach wirklich ?
    Es gibt sehr wohl Leute (vor allem aus der rechten Ecke) die Behinderte als menschlichen Abfall sehen und dies auch kundtun.

    Du machst es dir aber leicht.
    Es ist immer einfach Aussagen anderer als naiv abzustempeln, vor allem wenn man selber diese durch einen eigenen Beitrag zum Thema nicht wiederlegt.
    Ich hab lediglich ein Aspekt der meiner Meinung zu oberflächlichen verhalten führen kann dargestellt. Das dieses Thema weit komplexer ist als dieses kurz in ein paar Zeilen zu analysieren ist mir bewusst.
    Jedoch stehe ich dazu wenn ich sage das ein Werteverfall stattfindet.
    Ich hab mich in meiner Zeit als Zivi sehr oft als Begleiter von behinderten Menschen in der öffentlichkeit bewegt (stadion,Konzerte usw.) und kann "ViciousVegetable´s" Aussagen absolut bestätigen.
    Ob es nun früher besser war oder nicht weiss ich natürlich nicht.
    Das aber vieles oberflächlicher und Ich-bezogener geworden ist kann ich mir durchaus vorstellen.
     
  12. MatthiasT

    MatthiasT Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.03.08   #12
    Ich kann mir schon vorstellen, dass man als Betroffener die ganze Sache anders wahrnimmt. Aber auch ich kenen wirklich niemanden, der Behinderten gegenüber feindlich gesinnt ist.
    Es ist eher etwas anderes, und das ist - wie Quir schon sagte - Unsicherheit.

    Wenn ich Rollstuhlfahrer Probleme hat eine Rampe hochzufahren, soll man dann Hilfe anbieten? Ich kenne Rollstuhlfahrer die sehen das als Beleidigung an, im Sinne von "ach komm, ich helf dir armen bemitleidenswerten Menschen", wobei das natürlich nicht so gemeint ist.
    Da ich als Zivi mit Behinderten gearbeitet hab (das waren allerdings immer auch geistig Behinderte neben eventuellen körperlichen Handycabs) und auch recht viele Behinderte in meinen Bekanntenkreis hab gehe ich da recht natürlich mit um. Ich hab auch mal eine Zeit lang Rolli-Basketball gespielt, hat sehr viel Spaß gemacht.;)
    Allerdings haben viele keine Erfahrungen in diesem Bereich und wissen halt nicht wie sie sich verhalten sollen. Und was macht ein Mensch wenn er das nicht weiß? Er ignoriert das "Problem" so gut es geht. Ich kann mir schon vorstellen was das für ein Gefühl ist wenn alle angestrengt wegschauen. Aber das geschieht in den seltesten Fällen aus Bösartigkeit, es ist die Unfähigkeit mit der Thematik umzugehen.

    Und da sollte man in meinen Augen ansetzen.


    Wobei man schon merkt, dass das Bewusstsein, den Alltag Behindertengerecht zu gestalten hier nicht sonderlich ausgeprägt ist. Ich wunder mich schon hin und wieder über Rollstuhlrampen, die etwa die gleiche Steigung besitzen wie die Treppe daneben. Das es anders geht sieht man zum Beispiel in den USA.
     
  13. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 16.03.08   #13
    Hi ViciousVegetable,

    finde das alles sehr sympathisch und unterstützenswert und so.
    Ich finde aber vor allem die Texte unglaublich schwer zu verstehen. Ist das Absicht? Zum Teil liegt es wohl am Abmisch - die Musik ist jedenfalls klasse abgenommen (ich finde die übrigens auch so richtig gut). In Kombination zu dem Gesang klingt dieser sozusagen noch mal doppelt "draufgerotzt".
    Für mich klingen Gesang und Musik zwar grundsätzlich passend, aber atmosphärisch oder soundmäßig wenig "verbunden".

    Mich interessiert wie Ihr Euch gefunden habt und wie Ihr in der Zusammenarbeit vorgeht.
    Gibt´s ein gemeinsames Konzept oder so? Gibt es Auftritte?

    x-Riff
     
  14. ViciousVegetable

    ViciousVegetable Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.03.08   #14
    ja hallo, also es war so. Vor ein paar Jahren, ich bin ein Autor und habe eine Schublade voll Songtexten geschrieben, also vor ein paar Jahren habe ich welche bei Kafkas angeboten. Die wollten die oh wunder auch nicht haben, aber Markus ( frontmann) lud mich aufn Konzi ein und da haben sie mir das angeboten mit Musik geben, ich texten und aufnehmen. Dann lief es, ich bin ins Studio, und bis jetzt sind drei Sachen rausgekommen. Wobei ich die dritte in meinem kleinen Studio selber aufgenommen habe, also über instrumental draufgeschrien. Und dann irgendwann vor 1-2 Jahren bin ich auf MySpace gestoßen, habe das online gestellt usw. So erreiche ich auch international ein paar Hörer. Und die gerotzte Stimme ist Punk.:D:D
     
  15. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 16.03.08   #15
    Okay - so ähnlich hatte ich mir das gedacht.
    Hört sich richtig gut und spontan und gut an mit der Zusammenarbeit zwischen der Band und Dir.

    Hast Du denn jetzt noch instrumentale Sachen von denen? Oder sind die Spuren von songs, die sie sonst mit anderen Texten selbst und anders umsetzen? Und heißt Autor, dass Du auch andere Sachen schreibst außer songtexte? Und kafka ist ein Verlag oder was?
     
  16. ViciousVegetable

    ViciousVegetable Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.03.08   #16
    ich habe noch ein paar sachen, aber das sind sachen, die sie auch selbst vertextt haben. ja ich schreibe auch anderes als songtexte, Drehbücher und Romane und so, bislang ziemlich erfolglos.:eek:Also einen Verlag oder Produktion habe ich noch nicht gefunden. Immer dasselbe Spiel. Manuskript hin, 3-4 Wochen warten, freundliche Absage.
     
  17. Jonderik

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    Erstellt: 16.03.08   #17
    ALso ich hab mir mal durchgelesen was die Herren von deinem Link so schreiben, und musste echt den Kopf schütteln total krankes Pack.

    ,,Man sollte zwischen körperlich und geistig Behinderten unterscheiden. Letztere sind in der Tat nur genetischer Abfall und sollten aus der Volksgemeinschaft entfernt werden, wie Deepzone schon richtig sagte.´´

    Kranke A....löcher.
     
  18. Quir

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    Erstellt: 16.03.08   #18
    Es gibt auch Leute, die bei Vollmond eine Kröte opfern und dreimal um ein Lagerfeuer tanzen - "weit verbreitet" ist dieser Brauch trotzdem nicht ;). Und wie bereits gesagt, der Zusammenhang mit gewissen Nazi-Ideologien ist der auch einzige mir bekannte, der Behinderte als "verachtenswert" einstuft, in dieser Hinsicht von einer "weiten Verbreitung" in unserer Gesellschaft zu sprechen, finde ich nicht angemessen. Wie bereits erwähnt, da spielen sehr viele andere, durchaus ebenfalls verbesserungswürdige Faktoren hinein, und jeder verletzende Spruch (von den Zitaten im geposteten Link gar nicht zu sprechen) ist einer zuviel, aber eine generelle Ablehnung unserer Gesellschaft gegenüber Behinderten ist definitv nicht gegeben.

    Mein Antwort war auch gar nicht so böse gemeint, wie sie vielleicht rübergekommen sein mag, aber ich finde es teilweise schon ärgerlich, bei jedem auch nur annähernd mit Moral zusammenhängenden Thema dieselben, undifferenzierten Aussagen über einen imaginären Werteverfall oder eine steigende Ich-Bezogenheit unserer modernen Gesellschaft lesen zu müssen. Du sagst selber wörtlich, dass du nicht weißt, ob es früher besser war oder nicht und du dir lediglich vorstellen kannst, dass vieles oberflächlicher geworden sei, trotzdem stehen die üblichen Verdächtigen als Schuldige schnell fest: Politik und Fernsehen. Und das, obwohl gerade in dieser Thematik sowohl Politik als auch (sogar private) Fernsehsender nun wirklich kein abzulehnendes Vorbild darstellen (ansonsten bitte ich um Beispiele).
     
  19. ViciousVegetable

    ViciousVegetable Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.03.08   #19
    es geht mir ja auch nicht in erster Linie um solche Sachen wie Nazis und Euthanasie und sowas. Es gibt bei manchen, nicht bei allen, eine sagen wir latente Verachtung des behinderten Menschen. Und zwar nicht in der Art ' sowas gehört vergast' sondern in dem festgefügten Vorurteil ' Der hinkt, der muss doof sein'. Es gibt oft das Vorurteil ' behindert= blöd'. Für Behinderte wird viel getan, überall Parkplätze und so. Wobei das mit den Behindertenparkplätzen ein schöner Vorteil ist, mit meinem Parkausweis habe ich meist den genialsten Parkplatz am Ort. Wenn da nicht manche wären, die unberechtigt darauf parken, sei es aus Zeitnot oder eben aus dem Vorurteil, das ein Behnderter doch gar kein Auto fahren dürfe und somit auch keinen Parkplatz braucht. Und um das nochmal zu sagen, es ist nicht die Mehrheit die so denkt, viele sind freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit. Aber ich habe auch schon erlebt, das man mich kopfschüttelnd angeshaut hat und ' Und sowas lässt man alleine los?'. Solange solche Sprüche fallen lohnt es sich jeden Tag für Behindertenrechte einzutreten.
     
  20. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 17.03.08   #20
    Ich glaube, dass es in jeder Gesellschaft Vorurteile gibt und dass es letztlich ein permanenter Prozeß ist, um den es geht.

    Ich glaube nicht, dass unsere Gesellschaft in sehr starkem Maße behindertenfeindlich ist.
    Ich glaube, dass zu Recht seit einiger Zeit etwas dafür getan wird, in der Öffentlichkeit etwas für Toleranz und Integration zu tun. Das geht über Medienkampagnen oder den Paralympics bis zum Anti-Diskriminisierungsgesetz, von Behindertenparkplätzen bis zu rollstuhlfahrerfreundlichen Gebäuden etc.

    Wer etwas tiefer in die Materie hineinblickt, erkennt dennoch immer noch Barrieren, die sich natürlich in erster Linie denen offenbaren, die vor den Barrieren selbst stehen. Beispielsweise gibt es ein Gesetz, dass offizielle Web-sites barrierefrei sein müssen. Das impliziert, dass beispielsweise die Menüführung auch "vorlesbar" sein muss, damit dies für sehbehinderte Menschen keine Barriere darstellt. Die Praxis ist bei weitem nicht so fortgeschritten wie die Verordnung - und ich kenne nicht viele Programmierer, denen diese Aspekte wirklich bewußt sind.

    Im direkten Kontakt spielt aus meiner Sicht eher Unwissenheit und Unsicherheit eine Rolle als zementierte Vorurteile oder Behindertenfeindlichkeit.
    In der Regel ist es sogar so, dass die Behinderten kompetenter mit der Situation umgehen können als ein nicht behinderter Mensch, der unvorbereitet auf einen behinderten Menschen trifft. Die Überforderung äußert sich oft unbewußt in Überfürsorglichkeit, dem Wunsch, der Situation zu entkommen oder Abwehr. Nicht toll, oft nicht böse gemeint und verständlich - aber auch nicht das, was man sich permanent wünscht.

    Wir haben in den letzten Jahren etwa fünf behinderte Menschen eingestellt. Es wird zunehmend zur Routine, zur Selbstverständlichkeit. Menschen mit einem Bandscheibenschaden oder Herz-Kreislauf- oder Magenproblemen können nach beruflicher Qualifizierung und Reha problemlos einen PC-Arbeitsplatz ausfüllen.

    Wer allerdings als Arbeitgeber denkt, die Zuschüsse würden ihm einen "billigen" Lohnabhängigen bescheren, verkalkuliert sich in der Regel. Ich habe aber oft erlebt, dass diese Menschen sehr engagiert sind.

    Ansonsten: jeder Jeck ist anders.
    Deshalb ist es auch eher vereinnahmend, einen Menschen nur unter der Brille "Behinderung" zu sehen - das erschwert eher die Sicht und macht die Beziehungen unnötig kompliziert.