Ich denke man sollte Hobby-Bands und Profis unterscheiden, wobei die grundsätzlichen Dynamiken da sicherlich ähnlich bis gleich sind, nur wenn man damit gut verdient, ist man eher bereit "Unannehmlichkeiten" zu akzeptieren, als wenn man seine Freizeit für lau her gibt.
Anika Nilles - gelernte Erzieherin und aktuell als Schlagzeugerin bei "Rush" in der Szene eingeschlagen wie eine Bombe, meinte auf die Frage, ob ihr die studierten Erziehungswissenschaften in einer Band helfen, mal einfach mit "Ja" ... Bands und die Befindlichkeiten derer Mitglieder sind offenbar nicht so weit von Kindergarten-Kindern entfernt

OK, böse interpretiert, sie meinte tatsächlich, dass es helfe, die eine oder andere Gruppendynamik/Verhalten zu verstehen.
Rush Bassist Geddy Lee und Rush Gitarrist Alex Lifeson machten klar, dass sie einen perfekten Drummer für die aktuelle Tour suchten, aber dass die Qualifikation als Mensch ebenso wichtig war. Der Bass Tech von Geddy Lee kannte Anika Nilles von der letzten Jeff Beck Tour und hat sie wohl empfohlen und nach allem was man so hört, haben Rush außer Anika Nilles auch niemand anderen zu einem "Vorspielen" gebeten. Und wenn man aktuelle Interviews der beiden hört, dann sind sie von dem Mensch Anika Nilles genauso begeistert wie von der Musikerin und sie machen immer wieder deutlich, wie wichtig beides ist. Klar, Geddy Lee und Alex Lifeson sind best Buddies und haben sicher mit Anfang 70 keinen Bock, sich zu ärgern, weder musikalisch noch menschlich.
Warum erzähle ich das? Nun weil es m.E. einen extrem wichtigen Punkt darstellt - es muss menschlich UND musikalisch passen, sonst kann man es lassen.
Klar haben sogar Ian Gillan und der "Banjo-Spieler" (Zitat Ian Gillan) Ritchie Blackmore es immer mal wieder für ein "paar Monate" miteinander ausgehalten, aber letztlich kann so ein Verhältnis halt auf Dauer nur zum großen Krach führen, was die beiden oft genug gezeigt haben. Klar erzeugte hier die Reibung auch kreative Spannung und tolle Ergebnisse, aber das kann es echt nicht sein ...
Ich bin nach einigen Bands an folgendem Punkt - ich habe schon mit großem Vergnügen in Bands gespielt, wo die Musik nicht so ganz meine war. Warum? Weil wir gute Freunde waren/sind und wir Spaß hatten und unser Publikum das liebte! So einfach. Der Punkt ist - Spaß ist beim Hobby extrem wichtig. Und gute Menschen um sich herum.
Ich sollte mal in eine Band einsteigen, deren Musiker über meinem Niveau lagen - das habe ich abgelehnt, weil das hätte die Band und mich frustriert. Bringt nix.
Als einer, der ggf. mehr drauf hat als die anderen, mag es gehen, umgekehrt als einziger schlechter als die anderen, Vergiss es.
BAP sind ein gutes Beispiel für beide Behauptungen. Der Major war (zumindest in den 80ern) dem Rest der Band musikalisch deutlich überlegen, er hat sie halt insgesamt hochgezogen und dabei fiel dann z.B. der erste Schlagzeuger, der das höhere Niveau nicht mehr halten konnte, hinten runter ... (Aussage W.Niedecken zur ersten live Platte und warum da plötzlich Jan Dix spielte).
Bringt mich erneut zu der Aussage, es sollte unbedingt menschlich passen und das musikalische Niveau auch ungefähr gleich sein. Sonst ist die Zeitbombe schon in der Band drin.
"Nicht jeder, der zufällig vorbei kommt und ein paar Töne spielt hat, auch das Lied komponiert!" - Richard vom Schwarzmoor zum Thema Credits - also wer hat den Song geschrieben (und verdient damit Geld). Ritchie Blackmore hatte da so seine deutliche Sicht auf die Dinge und brachte es auf seine Art auf den Punkt, warum es in Bands oft kracht. Am Anfang hatten laut den Credits auf den Platten die Songs von BAP eben BAP komponiert ... jeder wusste, dass das Quatsch war, aber erst so ab der dritten stand dann da auch Heuser/Niedecken, so wie bei den Stones eben Jagger/Richards usw.
Auch in Hobby-Bands, die damit kein Geld verdienen, sorgt die Frage, wer hat den Song komponiert, schnell für Ärger ... der Sänger hat einen Monat an dem Text gearbeitet, und der Basser nagelt da mal einen Grundton-Achtel Bass unter die Harmonien, auf die der Keyboarder und der Gitarrist sich nach einigen Konflikten, Bier-seligen Versöhnungen und neuen Verwünschungen geeinigt haben. Wenn der Basser nun in der Kneipe verkündet, dass er den Song geschrieben habe, könnte das ggf. bei dem einen oder anderen Mitmusiker für leichte Verstimmungen führen. Alles schon erlebt ...
Oder einer ist der kreative Kopf der Band, und die anderen sagen so lange Nein zu seinen Ideen, bis die Monsteridee aus ihm herausbricht und der Song nun geil klingt ... siehe z.B. BAP mit Verdamp lang her. Als der Major kurz davor war die Gibson zu packen und zu gehen, kam er mit dem entscheidenden Riff um die Ecke und alles ward gut ... Irgendwann hat aber auch der sanftmütigste Musiker die Faxen dicke und komponiert zu Hause und gibt dem Rest der Truppe ein Demo-Band, nachdem die sich gefälligst zu richten haben. Und nein, das machte die Musik von BAP nicht besser, aber die Band lebte noch ein paar Jahre länger. In einer Hobby-Band sorgt das natürlich schnell für den großen Knall und wieder war eine Band zu Ende. Merke also, nur ein kreativer Kopf ist schwierig.
Andererseits - siehe z.B. Gillan/Blackmore oder Jagger/Richards sind zwei kreative Köpfe eigentlich die Garantie für Ärger, Frust und Scherereien ... weil irgendwann muss in einer Zweierbeziehung halt auch mal einer nachgeben. Am Anfang kein Problem, aber auf lange Strecke nicht einfach.
Ich spiele aktuell zusammen mit meinem besten Freund in einem Akustik-Duo ... weniger Ärgerpotential kann man nur noch als Alleinunterhalter haben. Trotzdem haben wir ein paar Regeln ... Songs finden nur statt, wenn wir sie beide wollen. Die letzte Entscheidung über Tonart, Tempo und ob überhaupt habe ich, weil ich muss den Kram auch singen (können). Zu 99% sind wir uns eh einig - fragt unsere Frauen, die halten uns für Zwillingsbrüder - trotzdem ist es gut, ein paar Regeln zu haben. Gerade weil wir auch noch in 20 Jahren best Buddies sein wollen ...
Meine besten Erfahrungen waren/sind zum einen eben die Musik zusammen mit meinem Kumpel, und zum anderen zwei Bands, eine in den 80ern, wir hatten auch eigene Songs und viel Spaß - es passte musikalisch und auch menschlich extrem gut - dann nochmal die oben genannte Band, nicht so ganz meine Musik, aber einfach klasse Menschen und zusammen viel Spaß. Die schlechten Erfahrungen - der übliche Stress zwischen Gitarrist (=ich) und Sänger/in, Streit über unterschiedliche Motivationen, zu unterschiedliches musikalisches Niveau ... die habe ich vergessen und als Erfahrung abgehakt.