Big Bubbles, No Troubles? Leadstimmen und Instrumentalisten ...

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Finn Anklam

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nach zwei anderen Diskussionen, in denen Instrumentalisten einer Band mit dem/der Sänger/in unzufrieden waren, bekam ich den Eindruck, dass wir mehr Ahnung davon gebrauchen könnten, wie ein funktionierender "Act" funktionieren kann. Also Bands aber auch "Acts", die unter dem Namen der Leadstimme laufen. Mich persönlich würde es freuen, wenn uns hier auch Profi-Erfahrungen mitgeteilt würden (und sei es aus Interviews oder Dokumentationen die die/der eine oder andere beisteuern kann).

Ich hoffe, dass dieser Thread uns Positiv-Beispiele beschert. Also all ihr zufriedenen Bands, Acts, Performances whatsoever ... mögt ihr uns begreifen lassen, wie ihr das macht?

Nur beispielhaft: Wie geht ihr um mit der Unterschiedlichkeit zwischen Lead-Gesang und Instrumentalem hinsichtlich z.B. wechselseitigem Support, Konkurrenz und Kooperation, Aufgabenverteilung, Verständnis für die musikalische Situation des jeweiligen Instrumentes etc.? Gibt es Hierarchien? Habt ihr ein Konzept? Rockt ihr (immer noch) einfach "nur" zusammen ab? Gab es Hürden und wie habt ihr diese gelöst? Wie trennt ihr Musikalisches und Persönliches? Wie läuft die Kommunikation? Besprecht ihr wer was wie und warum in welchem Part eines Songs? ...

Mit größtem Dank und Wertschätzung an alle Beitragenden im voraus.
 
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Nur beispielhaft:Gibt es Hierarchien? Habt ihr ein Konzept?
Quintenzirkel und Harmonie Lehre.
Es sei denn es wird gecovert, dann gibt es klare Vorgaben.

Und wenn du in der Paul Deppert Band spielen willst, machst du was der Paul sagt.
(Und wenn du es nicht hinbekommen solltest, kannst du entweder mehr üben oder im Forum nach Hilfe suchen. Letztes bringt vieleicht nichts.)
Ansonsten ist die Frage ziemlich umfangreich. Wow

Vielleicht sich nicht zu wichtig nehmen.
Das schließt das sich wichtig machen nicht aus.

Dazu lernen und die eigenen Ziele etwas später mit der Finn Power Band verwirklichen.
Klappt einfacher, wenn du auch Singen kannst.

Für Streit in der Band sind Blackmore and Lord das beste Beispiel dass es dennoch erfolgreich war .(Deep Purple)

Auch wenn der Sänger nicht der Leader ist, sollte es für das Publikum wenigstens so aussehen.
 
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So viele Fragen, so viele mögliche Antworten... Na, dann los (Hobbyband, wir covern meistens, ich bin der Bassist):
Wie geht ihr um mit der Unterschiedlichkeit zwischen Lead-Gesang und Instrumentalem hinsichtlich z.B. wechselseitigem Support, Konkurrenz und Kooperation, Aufgabenverteilung, Verständnis für die musikalische Situation des jeweiligen Instrumentes etc.?
Der Song selbst gibt vor, was im Vordergrund steht: Wenn die Leadstimme ihren Part hat, spielt niemand ein (lautes) Solo; wir konkurrieren nicht, wir kooperieren; klare Aufgabenverteilung: selbstverständlich spielt der Gitarrist Gitarre, der Bassist Bass, der Drummer Drums, der Sänger singt usw.
Gibt es Hierarchien?
Natürlich: Wer den Song in die Band bringt (geschrieben / erarbeitet hat), ist "Dirigent" dieses Songs.
Habt ihr ein Konzept?
Ich hoffe, ja. Sieht zumindest so aus... ;)
Rockt ihr (immer noch) einfach "nur" zusammen ab?
Ganz selten und nur wenn Zeit dafür ist, Dauert bei uns meistens nur wenige Minuten...
Gab es Hürden und wie habt ihr diese gelöst?
Hürden: Ja, wenn ein Teil der Band unbedingt einen Song spielen will, den der andere Teil der Band nicht gerne spielen möchte.
Lösung: Zähne hoch und den Kopf zusammenbeißen (oder so ähnlich), trotzdem gibt der unwillige Teil sein Bestes - und wenn's dann doch nicht gut klingt, fliegt der Song eh wieder raus...
Wie trennt ihr Musikalisches und Persönliches?
In der Band hat jeder seine Aufgabe, man redet dem anderen nicht rein, macht eher Vorschläge... Persönliche Querelen haben wir nicht, wir leben und lassen leben. Kleine Spitzen nehmen wir meist locker und mit Humor: Ich zum Beispiel muss mir oft sagen lassen, dass ich die meisten Lieder einer bestimmten, sehr berühmten Band nicht toll finde (stimmt!) - das ist halt ein runnig gag bei uns. Ich grinse dann, spiele das jeweilige Lied mit und gut isses...
Wie läuft die Kommunikation? Besprecht ihr wer was wie und warum in welchem Part eines Songs?
Bei der "klassischen" Besetzung Leadgitarre, Rhythmusgitarre, Bass, Drums und den Stimmen Tenor, Tenor und Bass (Drummer singt überhaupt nicht) sind die Parts und Aufgaben schnell verteilt. Es ergibt sich quasi von selbst...
 
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Vorab: primäre Erfahrungen eher aus dem Hobby-Bereich, sekundäre Erfahrungen eher aus dem semiprofessionellen Bereich ...

Dann: Es gibt keine generelle Lösung, außer eine Person bestimmt, wo es lang geht und wie es zu laufen hat.
Denn:
Auch wenn alle in der Band sich einig sind, dass der Erfolg (oder Songdienlichkeit) über allem steht, kann es Debatten darüber geben, wie denn der Erfolg (oder die Songdienlichkeit) konkret aussieht. Einer schwört, dass der Erfolg erst mit ausgedehnten Soloparts kommt (und wird dafür Beispiele finden), die andere, dass der Erfolg erst mit kurzen, knackigen Songs kommt (und wird dafür Beispiele finden) und irgendjemand dritter, dass eine Person für die ganze Band steht und rausgestellt gehört, während die vierte meint, dass die Band als Ganzes zählt (und auch diese werden Beispiele dafür finden, wo genau das passt). Gleiches gilt für Songdienlichkeit und was man sich sonst so ausdenken mag. Selbst Cover sind, sofern man sie nicht 1:1 spielen will, kein Garant dafür, Diskussionen zu vermeiden.

Und wenn du in der Paul Deppert Band spielen willst, machst du was der Paul sagt.
Genau so.

Aber: Die Band hieß Queen und nicht Freddy Mercury & the Queen, genau so wie die Band die Rolling Stones hieß und nicht Mick Jagger (oder Keith Richards) & the Rolling Stones oder Beatles oder oder oder ... Es gibt also auch genug Beispiele für Erfolg, Ruhm und gute Mucke, die nichts damit zu tun haben, dass eine Person oben steht ...

Und wenn die kreativen Köpfe einer Band sich nicht auf Dauer klar werden können, wie sie es machen und das die Energie der Band ausbremst, dann soll man halt auch nicht weiter zusammen Musik machen - oder der Ruhm oder der Erfolg oder was auch immer man aus der Band zieht, letztlich stärker wiegen als der Ärger und die Konflikte, die man sich damit einhandelt. Beziehungsweise: Wenn man nicht mit den Konflikten, die bei dem ständigen Aushandeln um die großen Egos einhergeht, leben kann, muss man halt gehen. Kreativ sein oder Erfolg haben, hat nicht zwangsläufig damit zu tun, harmonisch miteinander auszukommen, sondern kann dem durchaus entgegenstehen ...

Also: Wenn es nicht ausgewiesener- und anerkanntermaßen eine Hierarchie gibt, die bis dahin gehen kann, dass eine Person allein entscheidet, dann muss man damit leben (wollen), dass man eben alles gemeinsam miteinander aushandelt. Das ist durchaus möglich - beispielsweise, indem man anerkennt, dass es Leute mit ausgewiesenen Kompetenzen gibt und man gemeinsam diesen Kompetenzen vertraut und diesen Leuten wegen ihrer Kompetenzen in bestimmten Bereichen die Führung in diesen Bereichen übergibt. Wenn es beispielsweise in einer Band jemanden gibt, der gute Arrangements machen kann - dann kann es sinnvoll sein, ihm die Führung für die Arrangements zu überlassen. Andere liefern die Texte, dritte gute Soli, der vierte macht die Verträge und die fünfte holt die Gigs rein.
Dann kann es zwar immer noch Meinungsverschiedenheit geben, aber jemand hat für einen bestimmten Bereich den Hut auf und entscheidet im Zweifelsfall. Auch ein Konzept, mit dem viele Bands sehr gut fahren. Was auch daran liegt, dass kaum ein Mensch alle Bereiche gleich gut kann, auch wenn er oder sie Bandleader ist ...

Das A und O ist, meiner Ansicht nach, zu verstehen, dass es eben nicht das eine Konzept gibt, das Erfolg verspricht oder Streit vermeidet oder beides - sondern dass bei einigen Bands Konzept A funktioniert (Leader), bei einigen Bands Konzept B (Verteilung der Entscheidungsbefugnis nach Kompetenzen) und bei anderen Bands Konzept C (alle entscheiden gemeinsam) - denn es gibt erfolgreiche Beispiele für jedes Konzept (und vielleicht noch ein paar mehr als den hier genannten). Das ist wie die Frage danach, ob generell Angriffsfußball oder Defensivfußball oder ein Mix von beidem die beste Taktik ist: das ist einfach nicht entscheidbar, weil es erfolgreiche Trainer und Mannschaften für jedes genannte Konzept gibt.

Fakt ist einzig und allein - meiner Erfahrung nach - dass Bands, die sich zu lange mit der Illusion herumschlagen, dass es ein objektiv bestes Konzept gibt und man die anderen nur überzeugen oder rausekeln muss, genauso wenig auf einen grünen Zweig kommen wie Bands, die zu viel Energie mit dieser Frage verschwenden und zu lange im Hin- und Herlavieren verharren, statt das zu tun, worum es geht: die Energie in die Band und die Musik zu stecken und darauf zu vertrauen, dass das zu dem führt, was sie erreichen wollen (egal, ob das nun Ruhm, Geld oder eben geile Mukke machen, ist).

Insofern ist vielleicht der einzig konkrete Rat der: Gib Dir oder der Band einen definierten Zeitraum, um diese Frage zu lösen - und wenn diese Frage bis dahin nicht gelöst ist, geh. Oder lebe damit, dass das nicht passiert - und Du vielleicht in drei oder fünf Jahren feststellst, dass Du drei oder fünf Jahre Zeit in den Sand gesetzt hast. Oder Du setzt Dir ein persönliches Ziel (beispielsweise durch das Mitspielen in einer Band mit Leuten, die es drauf haben, so viel zu lernen, bis Du eine eigene Band leiten kannst - das ist dann ein ausgewiesenes Ziel, wofür es sich lohnen kann, einiges auszuhalten). Oder noch eine Variante: Wenn Du überzeugt bist, dass das irgendwie letztlich doch super ist, was da passiert, obwohl Dir das "Wie" sehr auf den Zeiger geht - bleib in der Band und halt Dich aus allem raus. Schon Deine Nerven, denn es sind nicht Deine Konflikte, die da ausgetragen werden. Klappt übrigens sehr gut bei drummern und Bassisten und möglicherweise auch bei Rhythmus-Gitarristen, also den klassischen "Begleit"-Musikern. Sollen sich doch der Leadgitarrist und der Sänger oder die Sängerin in die Haare kriegen und sich die Zähne aneinander ausbeißen: es sind deren Haare und Zähne und nicht deine eigenen. Möglicherweise ist das ja auch ein taugliches Bündnis: zwei, drei Musiker in der Band, die zwei dicken Egos ihre Bühne lassen, aber die beherzt einschreiten, wenn der eine oder die andere oder alle beide die Sache übertreiben ...

x-Riff
 
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Vielen Dank für Eure Beiträge und die darin enthaltenen, wichtigen Einblicke.

Ich wollte mich eigentlich sehr zurückhalten, aber irgendwie kommt der Thread noch nicht in Schwung. Da mich das Thema wirklich wirklich interessiert, versuche ich hiermit noch ein bischen mehr Input:

Ich kann leider kein Positiv-Beispiel liefern. Keine der nicht-professionellen Bands, in denen ich mitgemacht habe, existiert noch. Falls jemand aus diesen Bands das Folgende lesen sollte: Ich will hier niemanden persönlich kritisieren. Und ich versuche eine Zusammenfassung, daher betrifft manches vielleicht gar nicht die jeweilige Band.

Soweit mein Verständnis reicht, können die Gründe für die Unzufriedenheit und ggf. Auflösung einer Band vielfältig sein. Ich möchte im Folgenden nicht auf Negativ-Beispiele umschwenken. Vielmehr würde es mich neben allem Anderen auch interessieren, wie andere Musiker oder ganze Bands mit solchen oder anderen Umständen umgegangen sind.

Musikalische Entwicklung: Die musikalischen Interessen von Bandmitgliedern können sich auseinander entwickeln. Manche Musiker üben mehr und zielgerichteter als Andere. Manche wollen mehr und kommen dadurch auch mit anderen musikalischen Genres in Kontakt. Manche beginnen sich für ein anderes Instrument zu interessieren.

Zielsetzungen: Manchen reichen die Sozialkontakte in einer Band mit gelegentlichen Proben. Manche möchten eher nicht in die Öffentlichkeit oder gelegentliche Auftritte oder einen eher lokalen Wirkungskreis. Manche möchten Vergleichen mit Profis standhalten können. Manche wünschen sich eine Veröffentlichung. Manche wünschen sich ein Leben als professionelle/r Musiker/in. Manche wünschen sich ein Leben in einer professionellen Band.

Zwischenmenschliches: Manche Bandmitglieder kommen nicht oder nicht mehr miteinander klar. Die Gründe dafür können auch außerhalb der Band liegen.

Rücksichtnahme: Das Gemeinsamkeits-/Zugehörigkeitsgefühl von Bandmitgliedern kann darunter leiden, wenn einzelne Bandmitglieder sozusagen den Vordergund zusehr für sich beanspruchen. Das kann z.B. die kreativen Ergebnisse, die praktische Performance (z.B. Lautstärke), den Hunger nach Aufmerksamkeit (z.B. vom Publikum), Entscheidungsfindungen bzgl. musikalischer oder organisatorischer Themen betreffen.

Kreative, ethische, moralische Vorstellungen: Es kann passieren, dass ein Bandmitglied die sozusagen "Aussage" einer Band und damit deren öffentliche Wahrnehmung nicht oder nicht mehr mittragen möchte.

Enttäuschung: Die Ergebnisse einer Band können hinter den Erwartungen der Bandmitglieder zurückbleiben. Das kann z.B. die Musik als solche, die Anzahl der Auftritte, die Anerkennung beim Publikum, das Ausbleiben einer Veröffentlichung oder die Einnahmen betreffen.

Lebenswege: Das ist vielleicht hier ein bischen off-topic, es gehört aber zur Realität, dass auch Schulabschlüsse, Ausbildungen, Wohnortwechsel, Arbeitsverhältnisse, Beziehungen usw. zu veränderten Prioritäten von Bandmitgliedern führen können.

Um es abschließend noch ein bischen aus der schematischen Denke herauszuholen: Manche überdurchschnittlich kreative Menschen scheinen auch einen überdurchschnittlichen inneren Impuls zu haben. Das kann besondere kreative Ergebnisse hervorbringen. Unter diesem Voranpreschen kann aber die Beziehungsebene in der Band leiden. Wohingegen einem Publikum solche Idol-Figuren möglicherweise aber gerade besonders und auch positiv auffallen. Zudem kann der Versuch, Idealvorstellungen zu erreichen, mit hohem persönlichem Einsatz einhergehen. Bei ausbleibenden entsprechenden Ergebnissen können die Ursachen dafür möglicherweise nicht individuell bei sich selbst (z.B. Selbstbild vs. Realität), sondern bei anderen Bandmitgliedern angenommen werden (z.B. Sündenbock, Gruppendynamik).

Mir scheint also, dass ein gemeinsames Vorhaben einer kreativ musikalischen Band anderen gemeinsamen Vorhaben ähnlich sein kann. Außerdem scheinen mir öffentlich wirkende, kreativ musikalische Bands speziellen Rahmenbedingungen zu unterliegen, die quasi dazu führen müssen, dass die Bandmitglieder starken Spannungen ausgesetzt werden.

Wie kann man damit umgehen? Gibt es individuelle innere Haltungen oder vielleicht auch gemeinsame Erkenntnisse und Einigungen, mit denen in der Praxis solche Spannungen verringert oder besser ausgehalten werden konnten?

Nochmals vielen Dank für all eure hilfreichen Einblicke.
 
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Musikalische Entwicklung: Die musikalischen Interessen von Bandmitgliedern können sich auseinander entwickeln. Manche Musiker üben mehr und zielgerichteter als Andere. Manche wollen mehr und kommen dadurch auch mit anderen musikalischen Genres in Kontakt. Manche beginnen sich für ein anderes Instrument zu interessieren.
Sehr realistisch gesehen, aus meiner Erfahrung heraus.
Zielsetzungen: Manchen reichen die Sozialkontakte in einer Band mit gelegentlichen Proben. Manche möchten eher nicht in die Öffentlichkeit oder gelegentliche Auftritte oder einen eher lokalen Wirkungskreis. Manche möchten Vergleichen mit Profis standhalten können. Manche wünschen sich eine Veröffentlichung. Manche wünschen sich ein Leben als professionelle/r Musiker/in. Manche wünschen sich ein Leben in einer professionellen Band.
Gleichfalls.
Lebenswege: Das ist vielleicht hier ein bischen off-topic, es gehört aber zur Realität, dass auch Schulabschlüsse, Ausbildungen, Wohnortwechsel, Arbeitsverhältnisse, Beziehungen usw. zu veränderten Prioritäten von Bandmitgliedern führen können.
Ebenso - wie auch den nächsten Punkt:
Kreative, ethische, moralische Vorstellungen: Es kann passieren, dass ein Bandmitglied die sozusagen "Aussage" einer Band und damit deren öffentliche Wahrnehmung nicht oder nicht mehr mittragen möchte.
Aus meiner Erfahrung heraus die obigen Punkte zusammenfassend, sollte man damit leben (können), dass insbesondere Hobby- und semiprofessionelle Bands "fragile Gebilde" sind und bleiben. Denn die individuellen Wege und Ziele nach der Gründung einer Band können sich ändern. In gewisser Weise finde ich das gut - denn Musik und eine Band sollten das eigene Leben bereichern und dem nicht im Wege stehen. Das kann natürlich für andere Bandmitglieder enttäuschend sein - für hilfreich halte ich die Einsicht darin, dass sie - wenn es sie selbst beträfe - eben auch auf ein grundsätzliches Verständnis setzen.

Rücksichtnahme: Das Gemeinsamkeits-/Zugehörigkeitsgefühl von Bandmitgliedern kann darunter leiden, wenn einzelne Bandmitglieder sozusagen den Vordergund zusehr für sich beanspruchen. Das kann z.B. die kreativen Ergebnisse, die praktische Performance (z.B. Lautstärke), den Hunger nach Aufmerksamkeit (z.B. vom Publikum), Entscheidungsfindungen bzgl. musikalischer oder organisatorischer Themen betreffen.
Das kann so sein - ich möchte hier aber auch die positive Kehrseite hervorheben: kreative Köpfe mit einem eigenen starken Entwicklungsdrang und Engagement, was durchaus auch mit Egozentrik einhergehen kann, sind auch gute "Antreiber" und wichtige Impulsgeber*innen. Ich mag ein Bild besonders, das dies verdeutlicht: Um gut voranzukommen, braucht es bei einem Zug "Heizer" und "Bremser": ohne Heizer keine ordentliche Geschwindigkeit, ohne Bremser trägt es einen in engen Kurven aus den Gleisen ... Sich so etwas in der gesamten Band vor Augen zu halten, kann schon dafür sorgen, dass grundlegende Konflikte um "das geht mir zu schnell" und "Du reißt zu viel an Dich" versus "Das ist mir hier zu langsam" und "Ich fühle mich ausgebremst" aus einer anderen Perspektive gesehen werden können.

Wie kann man damit umgehen? Gibt es individuelle innere Haltungen oder vielleicht auch gemeinsame Erkenntnisse und Einigungen, mit denen in der Praxis solche Spannungen verringert oder besser ausgehalten werden konnten?
Ein paar Punkte habe ich oben benannt. Es gibt natürlich noch mehr. Insgesamt ist eine Band auch ein komplexes soziales und gemeinschaftliches Geschehen. Jede/r ist ein Eisberg (mit 70% unter der Wasseroberfläche), weshalb das Sprechen über Ziele, die Bereitschaft, sich zu engagieren (zu üben, zuverlässig zu sein, pünktlich zu kommen, Bescheid zu sagen, wenn man nicht zu Proben kommen kann etc.) auch grundsätzlich wichtig sind, aber alleine und für sich genommen keine Lösung bei grundsätzlichen Konflikten garantieren. Es bewegt sich immer etwas in Bands - und Bewegung macht Leuten Angst (oder kann es zumindest). Eine Band so zu betrachten, dass es einen dauerhaften Austausch braucht, ist hilfreich. Wenn alle zufrieden sind und ein Team bilden, fluppt es. Und dass es fluppt ist nicht unbedingt die Regel, aber unbedingt das Ziel. Und zwar von allen. Insofern mag es undankbar sein, darauf aufmerksam zu machen, dass es gerade nicht fluppt - und das äußert man am fruchtbarsten, indem man bei sich bleibt: Aus meiner Sicht passt gerade dies und jenes nicht ... Allgemeine Aussagen "Das läuft doch gerade Schei**e" helfen in der Regel nicht weiter - Ausnahmen bestätigen die Regel, wenn es darum geht, sich Luft zu verschaffen oder wenn der generelle Ton in der Band so ist und alle damit klar kommen (ob es dann weiterführt, ist die zweite Frage).

x-Riff
 
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Vielleicht mal aus der Sicht meiner nun auch schon länger dauernden Bandsuche und den letzten "Erlebnissen".

Ich denke die Kunst, oder das Glück, besteht erst einmal darin die passenden Leute in für alle passender Entfernung zu finden.
Was ist für mich "passend"? Menschlich man einen guten Draht zueinander finden, von den Skils her, aber auch vom musikalischen Geschmack (was will ich überhaupt machen) und ganz wichtig: Gleiche Ziele! Vielleicht sogar das Allerwichtigste?

Dazu eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Was bekomme ich denn mit dem, was ich kann überhaupt gebacken?

Wenn das gegeben ist, dann kommen natürlich auch die Sachen. Wie spielen und üben wir zusammen, wie können wir. ggf zu eigenen Songs finden, usw..

Am Freitag mal ein neuer Ansatz, erstes Treffen und kennenlernen in gemütlicher Atmosphäre, gegenseitiger Austausch, mal zeigen, was man so spielt, oder spielen möchte. Das geht ja auch erstmal leise und in diesem Fall auch bei mir zu Hause. Auch mal direkt ansprechen, was man eher nicht kann und formulieren, was einem sonst so wichtig ist.
 
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Ich denke man sollte Hobby-Bands und Profis unterscheiden, wobei die grundsätzlichen Dynamiken da sicherlich ähnlich bis gleich sind, nur wenn man damit gut verdient, ist man eher bereit "Unannehmlichkeiten" zu akzeptieren, als wenn man seine Freizeit für lau her gibt.

Anika Nilles - gelernte Erzieherin und aktuell als Schlagzeugerin bei "Rush" in der Szene eingeschlagen wie eine Bombe, meinte auf die Frage, ob ihr die studierten Erziehungswissenschaften in einer Band helfen, mal einfach mit "Ja" ... Bands und die Befindlichkeiten derer Mitglieder sind offenbar nicht so weit von Kindergarten-Kindern entfernt :devilish: OK, böse interpretiert, sie meinte tatsächlich, dass es helfe, die eine oder andere Gruppendynamik/Verhalten zu verstehen.

Rush Bassist Geddy Lee und Rush Gitarrist Alex Lifeson machten klar, dass sie einen perfekten Drummer für die aktuelle Tour suchten, aber dass die Qualifikation als Mensch ebenso wichtig war. Der Bass Tech von Geddy Lee kannte Anika Nilles von der letzten Jeff Beck Tour und hat sie wohl empfohlen und nach allem was man so hört, haben Rush außer Anika Nilles auch niemand anderen zu einem "Vorspielen" gebeten. Und wenn man aktuelle Interviews der beiden hört, dann sind sie von dem Mensch Anika Nilles genauso begeistert wie von der Musikerin und sie machen immer wieder deutlich, wie wichtig beides ist. Klar, Geddy Lee und Alex Lifeson sind best Buddies und haben sicher mit Anfang 70 keinen Bock, sich zu ärgern, weder musikalisch noch menschlich.

Warum erzähle ich das? Nun weil es m.E. einen extrem wichtigen Punkt darstellt - es muss menschlich UND musikalisch passen, sonst kann man es lassen.

Klar haben sogar Ian Gillan und der "Banjo-Spieler" (Zitat Ian Gillan) Ritchie Blackmore es immer mal wieder für ein "paar Monate" miteinander ausgehalten, aber letztlich kann so ein Verhältnis halt auf Dauer nur zum großen Krach führen, was die beiden oft genug gezeigt haben. Klar erzeugte hier die Reibung auch kreative Spannung und tolle Ergebnisse, aber das kann es echt nicht sein ...

Ich bin nach einigen Bands an folgendem Punkt - ich habe schon mit großem Vergnügen in Bands gespielt, wo die Musik nicht so ganz meine war. Warum? Weil wir gute Freunde waren/sind und wir Spaß hatten und unser Publikum das liebte! So einfach. Der Punkt ist - Spaß ist beim Hobby extrem wichtig. Und gute Menschen um sich herum.

Ich sollte mal in eine Band einsteigen, deren Musiker über meinem Niveau lagen - das habe ich abgelehnt, weil das hätte die Band und mich frustriert. Bringt nix.

Als einer, der ggf. mehr drauf hat als die anderen, mag es gehen, umgekehrt als einziger schlechter als die anderen, Vergiss es.

BAP sind ein gutes Beispiel für beide Behauptungen. Der Major war (zumindest in den 80ern) dem Rest der Band musikalisch deutlich überlegen, er hat sie halt insgesamt hochgezogen und dabei fiel dann z.B. der erste Schlagzeuger, der das höhere Niveau nicht mehr halten konnte, hinten runter ... (Aussage W.Niedecken zur ersten live Platte und warum da plötzlich Jan Dix spielte).

Bringt mich erneut zu der Aussage, es sollte unbedingt menschlich passen und das musikalische Niveau auch ungefähr gleich sein. Sonst ist die Zeitbombe schon in der Band drin.

"Nicht jeder, der zufällig vorbei kommt und ein paar Töne spielt hat, auch das Lied komponiert!" - Richard vom Schwarzmoor zum Thema Credits - also wer hat den Song geschrieben (und verdient damit Geld). Ritchie Blackmore hatte da so seine deutliche Sicht auf die Dinge und brachte es auf seine Art auf den Punkt, warum es in Bands oft kracht. Am Anfang hatten laut den Credits auf den Platten die Songs von BAP eben BAP komponiert ... jeder wusste, dass das Quatsch war, aber erst so ab der dritten stand dann da auch Heuser/Niedecken, so wie bei den Stones eben Jagger/Richards usw.

Auch in Hobby-Bands, die damit kein Geld verdienen, sorgt die Frage, wer hat den Song komponiert, schnell für Ärger ... der Sänger hat einen Monat an dem Text gearbeitet, und der Basser nagelt da mal einen Grundton-Achtel Bass unter die Harmonien, auf die der Keyboarder und der Gitarrist sich nach einigen Konflikten, Bier-seligen Versöhnungen und neuen Verwünschungen geeinigt haben. Wenn der Basser nun in der Kneipe verkündet, dass er den Song geschrieben habe, könnte das ggf. bei dem einen oder anderen Mitmusiker für leichte Verstimmungen führen. Alles schon erlebt ...

Oder einer ist der kreative Kopf der Band, und die anderen sagen so lange Nein zu seinen Ideen, bis die Monsteridee aus ihm herausbricht und der Song nun geil klingt ... siehe z.B. BAP mit Verdamp lang her. Als der Major kurz davor war die Gibson zu packen und zu gehen, kam er mit dem entscheidenden Riff um die Ecke und alles ward gut ... Irgendwann hat aber auch der sanftmütigste Musiker die Faxen dicke und komponiert zu Hause und gibt dem Rest der Truppe ein Demo-Band, nachdem die sich gefälligst zu richten haben. Und nein, das machte die Musik von BAP nicht besser, aber die Band lebte noch ein paar Jahre länger. In einer Hobby-Band sorgt das natürlich schnell für den großen Knall und wieder war eine Band zu Ende. Merke also, nur ein kreativer Kopf ist schwierig.

Andererseits - siehe z.B. Gillan/Blackmore oder Jagger/Richards sind zwei kreative Köpfe eigentlich die Garantie für Ärger, Frust und Scherereien ... weil irgendwann muss in einer Zweierbeziehung halt auch mal einer nachgeben. Am Anfang kein Problem, aber auf lange Strecke nicht einfach.

Ich spiele aktuell zusammen mit meinem besten Freund in einem Akustik-Duo ... weniger Ärgerpotential kann man nur noch als Alleinunterhalter haben. Trotzdem haben wir ein paar Regeln ... Songs finden nur statt, wenn wir sie beide wollen. Die letzte Entscheidung über Tonart, Tempo und ob überhaupt habe ich, weil ich muss den Kram auch singen (können). Zu 99% sind wir uns eh einig - fragt unsere Frauen, die halten uns für Zwillingsbrüder - trotzdem ist es gut, ein paar Regeln zu haben. Gerade weil wir auch noch in 20 Jahren best Buddies sein wollen ...

Meine besten Erfahrungen waren/sind zum einen eben die Musik zusammen mit meinem Kumpel, und zum anderen zwei Bands, eine in den 80ern, wir hatten auch eigene Songs und viel Spaß - es passte musikalisch und auch menschlich extrem gut - dann nochmal die oben genannte Band, nicht so ganz meine Musik, aber einfach klasse Menschen und zusammen viel Spaß. Die schlechten Erfahrungen - der übliche Stress zwischen Gitarrist (=ich) und Sänger/in, Streit über unterschiedliche Motivationen, zu unterschiedliches musikalisches Niveau ... die habe ich vergessen und als Erfahrung abgehakt.
 
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[...]und ganz wichtig: Gleiche Ziele! Vielleicht sogar das Allerwichtigste?

[...] Auch mal direkt ansprechen, was man eher nicht kann und formulieren, was einem sonst so wichtig ist.

Das stimmt alles und liest sich in einem Forum prima.

Im wahren Leben wird es dadurch sehr kompliziert, dass schon das Bewusstmachen bestimmer Ziele und dann noch das Ausformulieren eine Kompetenz an sich ist, die man erstmal lernen muss.

Wenn ich zurückdenke an meine ersten Bands: Ich konnte das als junger Mensch für mich selbst gar nicht so klar ziehen, was ich erreichen will und worauf es mir ankommt. Das war sehr intuitiv, nach dem Motto "fühlt sich gut an" oder "na ist irgendwie komisch". Ich war auch sehr schüchtern und hatte stets ein latent schlechtes Gewissen, wenn es um meine eigenen Bedürfnisse geht und auch nur der Hauch eines Konfliktes drohte.

Gemeinsame Ziele zu finden und den anderen kommunizeren, was einem wichtig ist, ist schon einer der Schlüssel zum schönen Banderlebnis - aber auch das kann ein Prozess sein, der Mühe macht und Kraft kostet - je nach Typen in der Band muss man sich gegenseitig ausdrücklich dazu ermuntern und sich gar gegen innere Widerstände dort "reinzwingen", aber es lohnt sich.
 
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  • #10
Bringt mich erneut zu der Aussage, es sollte unbedingt menschlich passen und das musikalische Niveau auch ungefähr gleich sein. Sonst ist die Zeitbombe schon in der Band drin.
Bezüglich Nivea möchte ich widersprechen. Ein schwächlicher Musiker, der aber motiviert und engagiert ist, kann von einer funktionierenden Band locker mitgezogen. Am Ende können beide davon profitieren. Ich bin jedenfalls sehr froh, den Sprung ins kalte Wasser gewagt zu haben, zumal es gerade in der aktuellen Band menschlich sehr gut passt.

Mit Major und BAP wird eigentlich die These widerlegt, dass es menschlich passen muss, zumindest solange der Gesamterfolg passt…

Gruß, glombi
 
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  • #11
Bezüglich Nivea möchte ich widersprechen. Ein schwächlicher Musiker, der aber motiviert und engagiert ist, kann von einer funktionierenden Band locker mitgezogen. Am Ende können beide davon profitieren. Ich bin jedenfalls sehr froh, den Sprung ins kalte Wasser gewagt zu haben, zumal es gerade in der aktuellen Band menschlich sehr gut passt.

Mit Major und BAP wird eigentlich die These widerlegt, dass es menschlich passen muss, zumindest solange der Gesamterfolg passt…

Gruß, glombi
Freut mich, dass das für Dich so gut ausgegangen ist - wie oben geschrieben, habe ich in so einer Situation (die anderen deutlich besser als ich) abgesagt.

Jetzt wo ich drüber nachdenke, ich hatte da tatsächlich auch menschliche Zweifel, die Band hatte einen "Durchgang" an Gitarristen, so alle 3 Monate einen neuen, plus im 6 Monatsschnitt einen neuen Sänger, dass ich da auch menschlich Bedenken hatte und eine funktionierende Band sieht eigentlich auch anders aus ... genau dies scheint ja bei dir anders zu sein. Super! Und dann bin ich auch zu 100% bei Dir, dann kann man extrem viel lernen und weiterkommen, als einzelner Musiker, aber auch als Band. Viel Spaß weiterhin.

Der Major und BAP :mampf: ist schwierig - angeblich, steht sogar in den Interviews beider drin, auch nachdem der Major schon lange raus war, also beide behaupten, dass sie auf der sachlichen Ebene miteinander auskamen. Aber eben musikalisch komplett auseinandergelaufen sind.

Man weiß es nicht - ist jedenfalls ein gutes Beispiel dafür, dass bei zwei Haupt-(Ego-)Protagonisten es entweder fürchterlich knallt oder dass es fürchterlich knallt - manchmal rauft man sich wieder zusammen - Jagger/Richards, manchmal nicht mehr - siehe z.B. Heuser (und auch Krumminga) - Niedecken. Zumindest Helmut Krumminga hat auch sehr ehrlich zugegeben, dass er eigentlich einige Jahre früher hätte gehen sollen, aber Geld verdienen, gerade als selbständiger Musiker, eben auch nicht einfach ist. Das spricht für Deine These, dass - zumindest eine zeitlang - Erfolg/Verdienst ein menschliches und/oder musikalisches Problem ertragbar macht.
 
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  • #12
Jetzt wo ich drüber nachdenke, ich hatte da tatsächlich auch menschliche Zweifel, die Band hatte einen "Durchgang" an Gitarristen, so alle 3 Monate einen neuen, plus im 6 Monatsschnitt einen neuen Sänger
Das ist natürlich eine absolut berechtigte Red Flag…
 
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  • #13
Das Thema ist sooo vielschichtig.

Zunächst einmal wurde eingangs nach „Postitiv Beispielen“ gefragt. Vielleicht sollte man gar nicht voraussetzen, dass ein Bandprojekt zum „Erfolg“ führt oder langjährig, harmonisch besteht.
Es ist IMO eher „normal“, dass Lebenswege, Ansichten,… divergieren und in der Konsequenz dann auch Bands sich früher oder später auflösen.

Was sind also (für mich) dann echte Positiv Beispiele?
Nach (mit kompletter 20 jähriger Auszeit) dann in Summe 25 Jahre Band Erfahrung; in 7 Bands, waren 5 „positiv“ und zwei hätte ich mir eigentlich auch sparen können.

Diese zwei Band waren durch mindestens einen ziemlich toxischen Charakter geprägt. Retrospektiv betrachtet, hätte ich da schon weit vor dem Zerfall, das Weite suchen sollen.
Bands sind leider ein Magnet für Menschen mit mehr oder weniger ausgeprägten narzisstischen Persönlichkeitsstörungen. Erschwerend kommt hinzu, dass idR jede „Rampensau“, jeder „Macher“, davon etwas in den Gene hat und Macher und Rampenschweine sind für eine Band auch hilfreich.
Da gilt es zu erkennen, was man wegatmen kann und was toxisch/ungesund für einen selbst ist, bzw. ob der „Mehrwert“ den diese Typen zweifelsohne mitbringen, tatsächlich der Band dienlich ist oder sie eher lähmt und langfristig zerstört.
Ich kann nur jedem Musiker empfehlen, sich mit dem Thema Narzismus eingehender zu beschäftigen. Trifft man auf so einen Menschen sollte man das Weite suchen!!! (…nein, es gibt auch keine Alternative…)

Abseits davon, solange die Menschen in einer Band „sozial“ funktionieren, ist meiner Erfahrung nach, “Resilenz“ das Zauberwort, wenn man lange und stressfrei in einer Band bleiben möchte.
Wieviel von meinen eigenen Bedürfnissen und Vorstellung muss in der Band umgesetzt werden?
Wie weit bin ich bereit, mich ausserhalb meiner Ziel- und Komfortzone zu bewegen?
Je flexibler man da sein kann, desto unproblematischer kann es laufen.

Da zwischen Hobby- und Profi-Band zu unterscheiden, ist IMO schwierig, weil die zwischenmenschlichen Mechanismen sind immer die gleichen und der Übergang Hobby-Amateur-Profi ist auch fließend.

Der größte (wenn nicht einzige) Hebel, den man im Band Leben IMO hat, liegt bei einem Selbst. Da kann man etwas verändern/entscheiden, wenn es zu Konflikten kommt.
Am Ende bleiben da dann die drei „A“: Ändern, Akzeptieren oder Abhaun. Zwischen denen muss man sich allerdings entscheiden! Dabei ist keine der Alternativen der Königsweg! In unserer Gesellschaft wird zwar das Lösen von Problemen immer gehypt. Aber ein Scheiß! Wir akzeptieren viel mehr als wir ändern! Nur, wenn wir uns bewusst dazu entscheiden (können), etwas zu akzeptieren, ergibt sich ein anderes „Mindset“. Dann sollte man jedoch auch aufhören zu murren und zu hadern. Man muss eine Entscheidung treffen (oder halt revidieren…).
 
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  • #14
(Nur falls ich als TE mich mal wieder melden sollte: Danke für alle Beiträge bisher und das Teilen Eurer Erfahrungen. Spannend und lehrreich ... ich hoffe da kommt noch viel mehr.)
 
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  • #15
Ich kann nur jedem Musiker empfehlen, sich mit dem Thema Narzismus eingehender zu beschäftigen. Trifft man auf so einen Menschen sollte man das Weite suchen!!! (…nein, es gibt auch keine Alternative…)



Der größte (wenn nicht einzige) Hebel, den man im Band Leben IMO hat, liegt bei einem Selbst. Da kann man etwas verändern/entscheiden, wenn es zu Konflikten kommt.
Am Ende bleiben da dann die drei „A“: Ändern, Akzeptieren oder Abhaun. Zwischen denen muss man sich allerdings entscheiden! Dabei ist keine der Alternativen der Königsweg! In unserer Gesellschaft wird zwar das Lösen von Problemen immer gehypt. Aber ein Scheiß! Wir akzeptieren viel mehr als wir ändern! Nur, wenn wir uns bewusst dazu entscheiden (können), etwas zu akzeptieren, ergibt sich ein anderes „Mindset“. Dann sollte man jedoch auch aufhören zu murren und zu hadern. Man muss eine Entscheidung treffen (oder halt revidieren…).
Das würde ich beides unterschreiben!

Narzissten in einer Band - hatte ich einmal, da hilft nur weglaufen, je schneller und früher, desto besser. Und ja, es gibt da keine Alternative! Die schlimmste Erfahrung in meinem Leben als Musiker und ich war damals noch so naiv, dass ich hoffte, man könne etwas ändern. Nein, kann man nicht! :bang:

Und das andere ist ebenso wichtig, die eigene Einstellung. Ich hatte ja oben von der Band berichtet, die nicht so ganz meine Musik machte, ich aber trotzdem extrem viel Spaß hatte und wir gute Auftritte gespielt haben. Ich war fein mit der Band, wir hatten alle Spaß, jeder hat sein Ego zu Haus gelassen und geschaut, dass wir für diese Musik (und unser Publikum) das einbringen, was diese Musik braucht und so gut wir es können. Das war echt cool und war eine super Erfahrung. Ich war da eher durch Zufall in diese Band gekommen, mal ausgeholfen, mal am Bass, mal an der Gitarre und wie das manchmal so ist, aus "ich helf mal aus" wurde "ich gehöre dazu".

Es war meine Entscheidung zu akzeptieren, dass das eben nicht zu 100% das war, was ich musikalisch wollte/konnte ... durch das Akzeptieren war aber kein Gefühl von: "ich muss da was ändern" - "wenn wir die Sängerin austauschen, den anderen Gitarristen feuern und noch einen echten Rock Drummer finden, dann wird das was" ... es war einfach gut so wie es war, Punkt :love:
 
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