Brisantester Sprengstoff der Gesellschaft?

von Cosinus, 23.07.08.

?

Brisantester Sprengstoff der Gesellschaft?

  1. ungezügelte Gier (alles und noch mehr haben wollen)

    27 Stimme(n)
    43,5%
  2. Egoismus (Mangel an Empathie)

    23 Stimme(n)
    37,1%
  3. Gleichgültigkeit gegenüber fremdem Leid (das einem irgendwann selbst widerfahren könnte)

    19 Stimme(n)
    30,6%
  4. Faulheit (das Ausnutzen des Fleißes und der Geduld der Mitmenschen)

    10 Stimme(n)
    16,1%
  5. Dummheit (wird oft in Biographien genannt)

    15 Stimme(n)
    24,2%
  6. Rücksichtslosigkeit (Erfolg um jeden Preis)

    24 Stimme(n)
    38,7%
  7. andere

    7 Stimme(n)
    11,3%
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  1. Cosinus

    Cosinus Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.07.08   #1
    Wenn wir "Deutschen" nicht gerade mal wieder "Weltmeister" oder "Papst" oder ähnlich Prestigeträchtiges geworden sind, zeigt sich doch meiner Ansicht nach nicht nur in den Nachrichten täglich recht deutlich, dass wir eine Gesellschaft voller Verwerfungen, Spannungen und ungelöster Probleme des Zusammenlebens sind.

    Irgendwo hab ich vor Kurzem aufgeschnappt, das "Gesellschaft" ohnehin nur einen zeitlich befristeten "Waffenstillstand" zwischen an sich konkurrierenden Individuen bedeute.

    Die Frage, die mir also schon seit längerer Zeit auf den Nägeln brennt:

    Welche menschliche Eigenschaft bedroht Eurer Meinung nach unser glückliches und friedfertiges Zusammenleben am stärksten?

    Schon mal Danke für Euer Interesse.

    ("Intoleranz" hätte ich wohl noch ergänzen sollen)
     
  2. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 23.07.08   #2
    Das genau könnte das Problem sein. Diese Analyse akzeptiert ja eine Konkurrenzsituation als gegeben bzw. unausweichlich. Wobei, wenn man sich diese "Verwerfungen, Spannungen und ungelöster Probleme des Zusammenlebens" ansieht, dann hätte man durchaus wesentlich skeptischer analysieren sollen, daß es sich nur teilweise um Finten-Waffenstillstände handelt, die mit steter Regelmäßigkeit gebrochen werden.

    Eine feinere Analyse würde dann noch beinhalten, mit welchen Brüchen wer durchkommt, wer als unverfrorener aber als erfolgreicher Sauhund gilt und dafür auch vielfachh noch bewundert wird, und was wirklich mal als völlig inakzeptabel gilt.

    Wirklich alles andere als erfreulich das.
     
  3. Samuel_Groth

    Samuel_Groth Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 23.07.08   #3
    Unsere qualitativ und quantitativ scheinbar unbegrenzten Bedürfnisse welche nicht mit der Realität der Güterknappheit vereinbar zu sein scheint in Kombination mit der unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeit, bestehende Informationsassymetrien wahrzunehmen bzw. dem jeweiligen Willen diese zu schaffen oder (egoistisch) zu nutzen.
     
  4. Cosinus

    Cosinus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.07.08   #4
    Die Inhalt dieser Formulierung hat sich mir zwar nicht im ersten "Anlauf" erschlossen, aber da ist viel Wahres dran.
    Und die Medien leisten unablässig ihren Beitrag dazu...

    Bleibt die Frage, wie man diese Erkenntnis seinen Kindern mit auf den Weg geben kann, um sie weder zu Rücksichtslosigkeit und Egoismus zu erziehen noch von vornherein zu "Verlierern" in dieser Gesellschaft zu machen.
     
  5. Quir

    Quir Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.07.08   #5
    Unser natürlicher, egoistischer Selbsterhaltungstrieb, der immer dann durchscheint, wenn die die uns umgebende Gesellschaft durch gleich welche Faktoren an den Rand ihrer Gültigkeit gedrängt wird.

    Und wichtig: Ich sehe es schon wieder kommen, dass dieser Thread hier in eine pauschalisierende Abrechnung mit der angeblichen "Schlechtheit" unserer "heutigen" Gesellschaft mündet, was mir so allerdings vom Threadersteller nicht intendiert erscheint. Die oben aufgelisteten Eigenschaften, die potenzielle Gefahr für die Realisierung einer Gesellschaft bergen, sind keine Eigenschaften, die typisch für "unsere heutige" Gesellschaft sind! Diese Faktoren sind menschlich, diese Faktoren gab es schon immer und wird es immer geben!

    Wollte ich nur als kurze Vorbemerkung loswerden, bevor hier selbsternannte Systemkritiker wieder irgendwelche altbackenen Phrasen über Kapitalismus, MTV oder unser Hundesteuersystem nachplappern... Darum geht es hier nicht.
     
  6. Cosinus

    Cosinus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.07.08   #6
    @ Quir

    Nun ja, ein wenig muss ich Dir widersprechen.
    Nach meinem Empfinden gibt es gerade zur Zeit eine deutliche und immer ungehemmtere Tendenz in Richtung zunehmender Spannungen und Gegensätze.

    Sich mit den negativen Seiten vergangener Zeiten oder auch anderer Länder zu beschäftigen macht, abgesehen davon, dass man vielleicht daraus lernen kann, vor allem dann Sinn, wenn man von den gegenwärtigen und hiesigen Problemen ablenken möchte.
    Denn beeinflussen können wir bestenfalls aktuelle und vielleicht zukünftige Entwicklungen.
    Und natürlich die Sicht auf die Vergangenheit.

    Die verschiedenen Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens unterscheiden sich ja gerade dadurch, welche "guten" als auch "schlechten", also dem friedlichen Zusammenleben (welches Gerechtigkeit einschließt) förderlichen oder abträglichen menschlichen Eigenschaften sie fördern und welche sie unterdrücken.

    Und da, denke ich, sind wir im Moment auf keinem guten Wege.
     
  7. Quir

    Quir Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.07.08   #7
    Das ist mir etwas zu nebulös formuliert... ;) Wovon genau sprichst du hier denn? Von menschlichen Eigenschaften?

    Spannungen, Konflikte, Widersprüche gibt es heutzutage, ohne Frage. Die gab es auch gestern und ich wage zu behaupten, dass es die auch noch morgen geben wird. Den Grund dafür sehe ich, um Bezug auf die Titelfrage zu nehmen, in der Eigenschaft des Menschen, in Situationen, in denen ihm die ihn umgebende "Gesellschaft" nicht das bietet, was er begehrt (Von Grundbedürfnissen bis zur Selbstverwirklichung, allerdings sinkender Relevanz), einen Egoismus zu entwickeln, der ihm genau das verschafft. Die Ausprägungen sind in jeder Zeitepoche anders, der grundsätzliche Ansatz nie. Und deshalb ärgern mich teilweise unreflektierte, pauschalisierende Verumglimpfungen der Zeitepoche mit dem höchsten Lebensstandard aller Zeiten - nämlich unserer Epoche.

    Der Inhalt dieses Satzes ist: Zusammenleben unterscheidet sich darin, ob es friedliches Zusammenleben unterstützt. Sprich: Unser heutiges Zusammenleben fördert unfriedvolles Zusammenleben. Wie ist das zu verstehen?
     
  8. -=Mantas=-

    -=Mantas=- Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.07.08   #8
    Naja also entweder hab ich ein falsches Menschenbild oder ich irr mich da gewaltig.
    Ich bin der Meinung dass Menschen immer nur so handeln dass es ihnen selbtwas bringt.
    Egal ob ich jetzt mit einem Kumpel saufen geh,weil ICH spaß haben will,
    oder ob eine Mutter ihren Sohn mittags zum Fußballtraining fährt,obwohl sie eigentlich garkeine Zeit hat.Das macht sie dann nur damit SIE zu sich sagen kann,"gut gemacht!"
    Genaudasselbe bei den Kindern in Afrika wenn man denen was spendet.
    So oder so kommt es dabei raus dass man es sich eigentlich nur für SICH SELBST macht um dann zu sagen "jawoll ich habe gespendet".Auch wenn es den kindern klar geholfen hat.
    ICh würde das ganze aber nicht egoismus nennen.
    Ich würd sagen dass es schwer ist,etwas zu machen ohne dabei spaß zu haben oder etwas zu machen dass nicht ein bisschen gut für sich selbst (oder sein gewissen) ist.

    Zum thema.
    Es gibts so oder so menschen. ICh hab aber das gefühl dass wir deutsche immer mehr zu amerikanern werden.
    Ich denk da nur an die Vorfälle in denen ein Mann vom Auto überfahren wurde oder als eine Frau im Krankenhaus zusammengebrochen ist. Ich glaube ehlrich gesagt nicht,dass das hier jemand gekümmert hätte.
    Menschheit stumpft eben immer mehr ab...Angefangen bei deutschen Talkshows,
    in denne sich leute über probleme anderer aufgeilen,bis hin zum internet in dem es genug seiten gibt in denen es gefolterte Tiere etc zu sehen gibt.
    Irgendwann wirs sicherlich so ein scheiß wie Gesichter des Todes im Fernsehn ausgestrahlt da bin ich mir sicher..
    Denke das ist das einzige Problem. Wir stumpfen immer mehr ab..
     
  9. Quir

    Quir Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.07.08   #9
    Nicht böse gemeint, aber genau das bezeichne ich als ein Musterbeispiel für haltlose, unmotivierte und nachgekaute Systemkritik. Auch wenn sich solche Abstumpfungs-Phrasen immer gut anhören, genauso wie alle vollkommen allgemeingültig in den Raum geworfenen Abrechnungen über Medien, Konsum oder Gesellschaft - es stimmt einfach nicht. Der durchschnittliche Mensch von heute ist Gewalt gegenüber nicht "abgestumpfter" als ein Mensch irgendeiner Epoche jemals zuvor. Wenn du es als Abstumpfung bezeichnest, dass sich Leute davon schockieren lassen, wenn in einer Talkshow irgendein Vogel zwei Freundinnen und einen Hamster gleichzeitig hat oder sich einer von Millionen Menschen abends zur Unterhaltung Faces of Death anschaut - gerne, ich nenne es das Gegenteil. Noch nie war ein so großer Anteil der Menschheit derart weit von seiner ursprünglichen "natürlichen" Rohheit distanziert, und bloß weil es Splatter Movies und Death Metal gibt, kann man das der Menschheit auch nicht attestieren.

    "Abstumpfung" hat für mich etwas von einem Modebegriff für den Hobby-Psychologen von heute, ist schnell gesagt und irgendwo sind die Medien ja auch schon ziemlich böse. Ursache geklärt...

    Und das einzige Problem ist es in tausend Jahren nicht. ;)
     
  10. Cosinus

    Cosinus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.07.08   #10
    Ich meine die zunehmend krasser werdenden Unterschiede im Lebensnieveau der Menschen dieses Landes. Das Leistungsprinzip funktioniert ja hier m. E. (außer in Ausnahmefällen) nicht wirklich.
    Das würden die (auf welchem Wege auch immer) besonders Erfolgreichen, die sogenannten "Leistungsträger", natürlich vehement bestreiten.
    (ich habe genug von denen kennengelernt, danke)

    Ich denke, um die eigene Position zu bewerten, man vergleicht sich wohl eher mit seinen jetzigen "Nachbarn" oder Zeitgenossen als mit zeitlich und/oder räumlich entfernten Mitmenschen.
    Und da sind die Unterschiede im materiellen Lebensniveau inzwischen riesig - und wachsen durch die vorherrschenden Gesetzmäßigkeiten noch weiter an.
    Und wir wissen wohl alle gut genug, dass diese Unterschiede nur selten auf den unterschiedlichen Lebensleistungen der einzelnen Menschen beruhen.
    Wieviel Unterschied (und in Ursprung und Folge auch: wieviel Unrecht) erträgt eine Gesellschaft?

    Was den Lebensstandard angeht, man kann ja nicht alle Werte, in "DM" oder "Euro" ausdrücken, auch wenn das offenbar weit verbreitet zu sein scheint.
    Es gab und gibt auch viele immaterielle Werte, die das Lebensniveau zu jeder Zeit mitbestimmt haben, wie Gesundheit, Zufriedenheit, Sicherheit.
    Und da scheint mir viel verlorengegangen zu sein bzw. auf's Spiel gesetzt zu werden, um allein das materielle Lebensniveau zu "erhöhen".
    Ich habe das auch jahrelang falsch gemacht und einem recht auskömmlichen Einkommen Teile meiner Gesundheit geopfert, die entscheidende Grundlage eines annnehmlichen Lebens ist. Aber das begreift man oft erst, wenn es zu spät ist.

    Zudem gibt es offenbar immer mehr Menschen, deren Glück (oder was sie dafür halten) auf dem Unglück ihrer Mitmenschen aufbaut.
    Die davon rücksichtslos profitieren.
    Ich sage da z.B. mal als Stichwort: Moderner Sklavenhandel, verbrämt als Unterstützung Arbeitsloser auf dem Weg zurück in den "1. Arbeitsmarkt".
    Es gibt weitere Beispiele.


    Wenn Du jeweils dem ersten Exemplar des Wortes "Zusammenleben" in jedem der beiden Sätze den eigentlichen Kern "Form des" (Zusammenlebens = Gesellschaftsform) voranstellst, hast Du's:

    "Unsere heutige Gesellschaftsform (oft auch manipulativ "Leistungsgesellschaft" genannt) fördert unfriedvolles Zusammenleben."

    Das habe ich gemeint. ;)


    Zu Mantas:

    Die Beobachtung mache ich auch immer wieder mal:
    Wenn ich jemandem einen Gefallen tue, mache ich das im Grunde auch, oder vielleicht sogar nur, weil es mir selbst gut tut. Ich fühle mich dazu herausgefordert, etwas für andere zu tun, wenn diese es nicht selbst können, ich es aber kann (und es mir nicht schadet).
    Ich weiss, es geht auch anderen so.
    Insofern ist dafür - genaugenommen - nicht einmal Dank oder Anerkennung nötig - und wer das erwartet, wird natürlich manchmal enttäuscht.

    Und wer freut sich nicht über strahlende Kinderaugen für ein kleines Geschenk?
    (Erwachsene sind da ja oft etwas beschränkt in ihren Ausdrucksmöglichkeiten)
     
  11. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 23.07.08   #11
    Wie nicht sehr diskret angedeutet, der Rand gehört doch immer noch mit dazu, und ist auch eher etwas weiter gefaßt. Dazu gehört auch die Problematik von Konzepten wie "Gültigkeit" und "Realisierung" (s.u.).

    Die Verallgemeinerung lehne ich aus anthropologischem first hand knowledge ab. Allerdings habe ich auch — durchaus leidvolle — first hand experience mit Kollegen, die Duerr "Gralshüter" nannte, die ihre Art von "alles schlechtreden" und "behaupten, es sei eh' alles überall dasselbe" betreiben.

    Wenn es nach mir ginge, sparten wir uns beide Arten von Sauertöpfereien.

    Aber diese Sache mit den ja irgendwie auch für einem persönlich leider zu oft unsicheren, unzuverlässigen Grenzen finde ich tatsächlich interessant überhaupt erstmal nur als Phänomen faßlicher zu machen. Warum das so ist, kann ich ja nichtmal sagen.
     
  12. Quir

    Quir Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.07.08   #12
    Du sprichst also von der Tendenz zum Phänomen Einkommensschere in Deutschland. Hier sehe ich aber keinen Bezug auf die Titelfrage des Themas, die Einkommensschere ist ein volkswirtschaftliches Problem mit Ursachen in der Bildungs-, Immigrations- und Wirtschaftspolitik und nicht das Ergebnis von gesellschaftsbedrohenden Eigenschaften der Menschen.

    Der Lebensstandard einer Epoche wird nicht in Währungen gemessen, das würde auch überhaupt keinen Sinn machen. Man wendet im Gegenteil genau die Maße an, die du hier auch anbringst, private Sicherheit, Gesundheitsversorgung, Nahrungsangebote etc. Und in all diesen Ausprägungen befindet sich der Standard in unserer heutigen Gesellschaft auf dem höchsten Niveau aller Zeiten, hier wurde überhaupt nichts aufgegeben, sondern seit Jahren ein immer höheres Level erreicht, von daher verstehe ich deine Kritik nicht.

    Und davon abgesehen sind die von dir aufgezählten Aspekte sehr wohl weitgefasster "materieller" Art, weshalb es auch sinnvoll ist, innerhalb einer Epoche hier über finanzielle Kennzahlen zu argumentieren, Gesundheit/Sicherheit/Nahrung einer Gesellschaft lassen sich heutzutage näherungsweise sehr gut über BIP/BNE bestimmen. Relevante immaterielle Aspekte sind vielmehr Beispiele wie die Akzeptanz von Menschenrechten, Meinungsfreiheit oder Gleichstellung von Mann und Frau, und auch in diesen Bereichen befinden wir uns in unserer Gesellschaftsform auf einem Allzeit-Hoch.

    Der von dir genannte Aspekt "Zufriedenheit" für die Bewertung des Lebensstandards einer Gesellschaft ist allerdings vollkommen unanwendbar, da absoluter Relativität unterworfen. Du kannst Gesellschaftsformen vergleichen wie du willst, der durchschnittliche Zufiredenheitsgrad wird in gleicher welcher Zeit/Gesellschaft immer genau dem Durchschnitt entsprechen. Der durchschnittliche Büroangestellte von heute fühlt sich trotz absolut gemessen weitaus höherem Lebensstandard nicht absolut zufriedener als der Fabrikarbeiter von gestern, der Mitteleuropäer fühlt sich nicht absolut zufriedener als der durchschnittliche Äthiopier. Zufriedenheit passt sich immer relativ den umgebenden Umständen an.

    Ich kann nicht erkennen, dass in unserer Gesellschaft von irgendeiner Seite aus unfriedvolles Zusammenleben als erstrebenswert klassifiziert würde, im Gegenteil, wer heutzutage als Übertreter des öffentlichen Friedens auftritt, wird von der Gesellschaft doch weder akzeptiert noch weiter darin gefördert. Hier denke ich allerdings, dass du eigentlich etwas anderes ausdrücken wolltest, allerdings war auch diese Formulierung wieder zu wage und unkonkret, um wirklich etwas daraus schließen zu können.
     
  13. wilbour-cobb

    wilbour-cobb Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.07.08   #13
    Wenn die Beschäftigung mit vergangenen Zeiten und anderen Ländern nur dazu dient, von hiesigen Problemen abzulenken, woher kommt dann deine Überzeugung, dass früher alles besser war bzw, dass du eine Tendenz irgendwohin siehst? Von welchem Status Quo gehst du aus? Siehst du Zeiten mit weniger Spannungen und Gegensätzen vor 10 Jahren, als die Arbeitslosigkeit besonders hoch war? Vor 20 Jahren, als die Leute wegen den Gegensätzen zweier Länder über Zäune kletterten? Vor 60 Jahren, als die Leute vor lauter Gegensätzen auf der Straße verhungerten? Oder vor 80 Jahren, als alle interniert wurden, die irgendetwas gegensätzliches sagten?

    Natürlich schreibst du deutlich, es ist deinem Empfinden nach so, dass heute "alles schlechter ist". Dann kann ich doch aber beruhigen, dein Gefühl trügt dich....
     
  14. sickranium

    sickranium Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.07.08   #14
    Ich hab das schon anderswo mal gepostet, und ich bleib dabei:
    Die Triebfeder allen menschlichen Handelns ist imho die Gier. Der Mensch ist von Natur aus ein egoistisches, notorisch unzufriedenes (auf gut Wienerisch) "Gfrast"!
    Insofern kann man (abgesehen vielleicht von Dummheit) alle in der Umfrage angeführten Gründe auf die Gier zurückführen, wenn man will.
    Da kann man noch so lang ein friedliches, faires, harmonisches Miteinander zur Maxime erheben, schlussendlich wird jeder, aber auch absolut JEDER, der die Möglichkeit dazu hat, die Dinge so wenden, dass für ihn selbst mehr abfällt als für alle anderen.
    Mit dem Kommunismus als Beispiel prügelt man jetzt natürlich dieselbe Sau zum zigtausendsten Mal durchs Dorf, aber er ist halt nun mal ein Paradebeispiel dafür, dass diejenigen, die die Möglichkeit haben, sich mehr als alle anderen zu bereichern, diese auch nutzen werden, selbst wenn sie selber genau das Gegenteil predigen.
    Mein (persönliches, natürlich subjektives) Fazit: der Mensch ist für ein harmonisches Zusammenleben nicht geschaffen. Die Gesellschaft, in der wir leben, stellt lediglich den annehmbarsten Kompromiss zwischen der menschlichen Natur und seinen Idealen dar.

    grühs
    Sick
     
  15. Günter Sch.

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    Erstellt: 25.07.08   #15
    Dante wird der weg zum lichten hügel der vernunft durch drei tiere versperrt: leopard (triebhaftigkeit, genusssucht), löwe (stolz/jähzorn) und wölfin (gier), wobei die letzte sich mit vielen lastern paart.
    Aber gier als ultimative antriebskraft? Trägt eine werdende mutter monatelang ihr kind, riskiert schmerzen und leben, um es zur welt zu bringen, es zu stillen und zu umsorgen aus gier und egoismus, oder sind das gar eher männliche attribute?
    Ich habe hochgradigen egoismus kennengelernt und bedauert, dass man solche menschen ihre ich-bezogenheit nicht voll ausleben und fühlen lässt. Sollen sie sich selbst die brötchen backen und die socken waschen! Wo blieben egoisten, wenn sie nicht von der gemeinschaft der nicht-egoisten mitgetragen und versorgt würden?
    Ich sehe das problem des zusammenlebens darin, dass egoismen toleriert, dass maßlose gier hoffähig und von vielen bewundert wird. Tyrannen werden nicht geboren, sie werden dazu "erzogen", das gilt vom kleinkind bis zum diktator.
    Was wäre Hitler gewesen, wenn die massen ihm nicht zugejubelt hätten, ihm treue bis zum tod geschworen und bewahrt hätten? Ein kleinbürger mit gestörter biographie wie viele von uns.
    Wenn "mensch" heute zoologisch als schimpanse III klassifiziert wird, hat er doch nicht alle instinkte seiner verwandten verloren, er ist allein nicht lebensfähig, hat es allerdings in der kunst der ausbeutung seiner mitgeschöpfe weit gebracht. Erfolgreiche strategien werden nachgeahmt, und darum ist unsere welt so, wie sie ist. Muss sie so bleiben ? ? ?
     
  16. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Es gibt leider sehr wohl zumindest doch einige Mütter, die Kinder in die Welt setzen, um sich vermittels derer selbst zu verwirklichen, als Frau zu bestätigen, gesellschaftlichen Erwartungen genüge zu tun, sich an der absoluten Macht hochzuziehen, die eine Mutter gegenüber einem hilflosen Kind hat, etc. etc. Also mitnichten die hehren Vorstellungen, die man gemeinhin gerne mit Mutterschaft in Verbindung brächte. Nur wenn's mal so völlig danebengeht, dann ist das Geschrei groß.

    Ich weiß nicht, ob das so der Bringer ist, Attribute noch mit den Attributen m vs. w anzuhängen :confused:

    Man hat mal gesagt, Gebährende ertrügen diese Schmerzen, weil sie für sie sinnhaft seien, so ähnlich wie bei männlichem Heldentum. Nur hie wie da kann man den Sinn schon durchaus kritisch hinterfragen.

    Und v.a. auch in der Ausbeutung seiner eigenen Artgenossen. Man muß leider sagen, reich wird man gewißlich nicht von eigener Hände Arbeit.

    Nur hat die Sache einen Haken, zwischen fiesen Chimps und süßen Bonoböchen einerseits und Neoliberalismus andererseits liegt eine ganze Menge anderer Formen der Organisation menschlichen Zusammenlebens. Es dürfte genauso unfair sein, zu sagen, alles davon war schlechter, wie zu sagen, alles jetzt ist besser.

    Das dürfte aber schwierig sein, Zufriedenheit überhaupt zu quantifizierbar zu machen, wenn sie extremen kulturellen Relativitätseffekten unterliegt. Und dann soll sie in jeder Kultur auch noch dem universellen Durchschnitt entsprechen?

    Ich bin mal vor langer langer Zeit über ene Formel gestolpert, Glück sei der Quotient aus Gewünschtem und Erlebtem. Wenn schon sonst nichts, dann macht das wenigstens anschaulicher, warum man dem immer nachläuft, aber es nie einholen kann :rolleyes:

    Aber dann doch... Genug Nettigkeiten ausgetauscht. Soll das alles jetzt heißen, daß alle außer dem Threadersteller und mir "Integrationsunwilliger mit Migrationshintergrund" :D glauben, es gäbe gar keinen "brisanten Sprengstoff der Gesellschaft", weil die das beste sei, was man sich nur vorstellen kann?

    PS:

    Mir schwant, das läuft eher auf Yali's question 'raus...

    ... und auf Jared Diamond's Antwort: guns, germs and steel :(
     
  17. -=Mantas=-

    -=Mantas=- Registrierter Benutzer

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  18. sickranium

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    Seh ich genauso. Das Argument mit der Abstumpfung wurzelt meistens in der Überzeugung, der Mensch sei von Natur aus mitfühlend, hilfsbereit und Gewalt abgeneigt. Was mir offen gestanden ein müdes Lächeln abringt!

    grühs
    Sick
     
  19. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 30.07.08   #19
    Gesellig lebende arten betreiben kontaktpflege, eine natürliche verhaltensweise.
    Wir alle sind auf viele andere angewiesen, zwischenmenschliche beziehungen und bindungen sind lebenswichtig. Aus der gemeinschaft ausgeschlossen zu werden, war früher gleichbedeutend mit einem todesurteil, und auch später bis ins 19.Jh.endeten "freie räuber" ( das heißt, ruinierte, aus der gesellschaft ausgestoßene existenzen) am galgen oder wurden bestenfalls päpstliche geheimpolizisten.
    Parasitäre lebensweise war nur in den oberen schichten möglich, heute scheint sie weit verbreitet wie die tendenz, die hand zu beißen, die einen füttert.
    Es gibt es wieder piraten, aber wer nähme die risiken in kauf, wenn er sich mit ehrlicher arbeit ernähren könnte? Lust am (für sie risikoarmen) verbrechen haben nur die, die zu ihren millionen noch weitere millionen hinzufügen wollen.
     
  20. DemonSeed

    DemonSeed Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.08.08   #20
    Für mich eindeutig die Dummheit.

    Damit einhergehend die Bereitschaft, viel zuviel zu akzeptieren, ohne Sinn und Notwendigkeit zu hinterfragen, und das Unvermögen, die Konsequenzen der meisten anderen in der Umfrage aufgeführten Verhaltensweisen zu sehen (gerade in Sachen Egozentrik etc.).