Chroma Key / Dead Air For Radios / 1998 / CD

von HevyDevy, 27.05.05.

  1. HevyDevy

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    Erstellt: 27.05.05   #1
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    Kevin Moore - Keys, Vocals
    Mark Zonder - Drums
    Joey Vera - Bass
    Jason Anderson - Guitars

    Tracklist:

    1.Colorblind
    2.Even the Waves
    3.Undertow
    4.America the Video
    5.S.O.S.
    6.Camera 4
    7.On the Page
    8.Mouse (Now Watch What Happens)
    9.Hell Mary


    Wer sich schon immer fragte, warum Kevin Moore Dream Theater nach dem "Awake"-Album verlassen hatte, erhält hier eine Antwort. Am liebsten würde ich jetzt schreiben, dass Kevin Moore im Stil von Dream Theater weitermusziert und dann auf die erstaunten Reaktionen der Fans warten, wenn sie erleben, was wirklich auf diesem Album geschiet *hrhr*. Doch der Reihe nach. Kevin Moore verliess also Dream Theater und verschwand für 2 jahre von der Bildfläche. 1997 erschien dann Fates Warnings Meisterwerk "A Pleasant Shade Of Grey", an den Keyboards: Kevin Moore. Ein Jahr später folgte das hier vorgestellte erste Soloalbum. Joey Vera und Mark Zonder entlehnte er gleichmal eben gennanten Fates Warning. Gitarrist Jason Anderson war bis dahin ein unbeschriebenes Blatt. Soviel zum Vorgeplänkel, nun also zur Musik. Den Abschluss von Dream Theater's "Awake" bildet ein Track namens "Space-Dye Vest", der alleine aus Kevin Moore's Feder stammt. Sozusagen sein Vermächtnis an die Fans. Fakt ist, dieser Track klingt anders als alles was sich sonst auf Dream Theater Alben befindet. Und mit anders meine ich wirklich ANDERS. Nicht anders im Sinne von "Hey, Scenes From A Memory klingt völlig anders als Images & Words". Was zeichnet diesen Track aus und warum messe ich ihm solche Bedeutung zu, obwohl es doch hier nicht um "Awake" geht? Nun, "Space-Dye Vest" ist atmosphärischer, bedrückender, simpler instrumentiert und emotionaler als alles was Dream Theater jemals geschrieben haben. Er wird getragen von einem dezenten Piano und diversen (Sprach-)Samples und Loops. Kein Gefrickel und zurückhaltender, fast schon introvertierter Gesang. Alle diese Eigenschaften finden sich nun auch auf "Dead Air For Radios". Nur dass die Entwicklung noch viel konsequenter in die oben beschriebene Richtung tendiert. Alles an diesem Album ist unaufdringlich, die spärliche Instrumentierung, der technisch nicht überzeugende aber sehr stimmige Gesang von Kevin Moore himself, die perfekt eingesetzten Sprachsamples und sonstigen elektronischen Spielereien. Das Album wirkt synthetisch und warm zugleich, eine Mischung die selten vorkommt. Die wohl beachtlichste Leistung aber ist, dass Kevin Moore es schaft, mit einfachsten Mitteln eine dermassen fesselnde Atmosphäre zu schaffen (manchmal reicht ein einziger Ton). Ich möchte hier gar nicht auf die einzlenen Tracks eingehen. Die wichtigsten Merkmale habe ich schon mehrmals erwähnt und sie finden sich in beinahe jedem Song. Lässt sich das hier dargebotene irgendwie in ein Genre oder in einen Vergleich mit anderen Bands pressen. Die antwort lautet zwangsläufig nein. "Dead Air For Radios" ist avantgardistisch und zugänglich zugleich, eingänglich und anspruchsvoll zugleich, introvertiert, synthetisch und warm. Mit Prog hat das ganze hier wenig zu tun. Viel eher ist es progressiv im ursprünglichen Sinne des Wortes und absolut eigenständig. Diese Scheibe gefällt mir inzwischen besser als alles was Kevin Moore mit Dream Theater geleistet hat. Eines der besten Alben der 90er.

    10/10


    PS: Für alle die sich mit dem weiteren Solo-Schaffen von Kevin Moore beschäftigen möchte:

    Das zweite Chroma Key Album "You Go Now" geht noch weiter in die beschriebene Richtung. Noch minimalistischer, noch introvertierter. Während "Dead Air For Radios" noch vergleichsweise songorientiert ist, lösen sich auf "You Go Now" beinahe sämtliche Songstrukturen auf, und tendiert daher in Richtung Post-Rock/Ambient.

    2002 erschien das erste Album des OSI-Projekts. Eine Zusammenarbeit von Kevin Moore, Mike Portnoy (Dream Theater), Jim Matheos (Fates Warning), Steven Wilson (Porcupine Tree) und Sean Malone (Cynic, Gordian Knot, Spastic Ink.). Grob beschreiben kann man den Sound als einen Zwitter aus Fates Warning und Chroma Key. Review wird wohl auch bald folgen, da es sich um eine sehr interessante aber auch umstrittene Scheibe handelt.

    2003 erschien eine Art Hörspiel aus Radiobeiträgen mit musikalischer untermalung von Moore. Dieses Werk entstand während Moore's Aufenthalt in Chile, als er unter anderem für das politisch sehr engagierte Peacestream-Radio arbeitet.

    2004 gab es gleich zweimal Grund zur Freude. Erstens schrieb Moore, der inzwischen nach Istanbul umgezogen ist, den Soundtrack zur türkischen Horrorkomödie "Okul". Das Album nennt sich "Ghost Book". Im November erschien dann das dritte Chroma Key Album namens "Graveyard Mountain Home". Dieses wurde ebenfalls als Soundtrack konzipiert. Als inspiration diente ein experimentalfilm namens "Age 13". Dieser ist der Bonus-Edition beigelegt.
     
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