Computer als Effektgerät

von lucjesuistonpere, 23.03.06.

  1. lucjesuistonpere

    lucjesuistonpere Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.03.06   #1
    Hi!

    Sagt mal, ist es eigentlich irgenwie möglich, einen Computer als Effektgerät in Echtzeit zu benutzen?
     
  2. NothanUmber

    NothanUmber Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.03.06   #2
    Klar, wenn du 'ne Audiokarte mit Ein- und Ausgängen und ein paar Effektplugins hast (erkennt man z.B. bei vsts an dem fehlenden "i" nach dem "t", was andeutet, dass es sich nicht um Instrumente, sondern um Effekte handelt ;) ) - warum nicht? Bei den meisten Sequencern ist da auch schon eine Menge Zeugs mit dabei (z.B. die (wie ich finde sehr brauchbare) Sonitus-Suite in Sonar PE oder, wenn du auf der Suche nach 'ner "leicht kranken" Amp-Simulation bist, schau dir das Predatohm mal an, bei den OhmForce-Leuten gibt es auch sonst jede Menge innovativer Sachen. Preis/Leistungsmäßig empfehlenswert finde ich auch noch die Plugins von Voxengo, deren Sachen haben auch für Mastering-Zwecke einen recht guten Ruf (habe das "Pristine Space" Faltungshall-Plugin und finde das sehr nett.) Hallmäßig auch noch ein lustiges Spielzeug ist RaySpace, da kann man Räume in einem integrierten CAD-artigen Programm modellieren und dann die Klangquellen und den Zuhörer nach Belieben in Realzeit darin herumbewegen (man kann z.B. auch einen Pfad durch den Raum festlegen und die Klangquelle dann z.B. per MIDI-Regler auf diesem Pfad auf und ab wandern lassen).

    NothanUmber
     
  3. lucjesuistonpere

    lucjesuistonpere Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.03.06   #3
    Danke! :)
    Was kannst du mir denn im Freeware-Bereich empfehlen?

    Sind Effekte über den Computer denn einigermaßen latenzfrei?
     
  4. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 23.03.06   #4
    An die Latenz habe ich auch sofort gedacht. Benutz mal die SUFU. Dort wird oft eine Soundkarte empfohlen, die die Latenz in vertretbaren Maßen halten soll.
    Hilft aber eigentlich nur ausprobieren, da es im Prinzip neben der Länge des Signalweges die Rechenleistung ist, die die Latenz bestimmt.
     
  5. NothanUmber

    NothanUmber Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.03.06   #5
    Komplett latenzfrei wirst du das nicht hinbekommen, bei guten Karten sind 2-3 ms aber schon real erreichbar (gehe jetzt mal davon aus, dass die Soundkarte der begrenzende Faktor ist - wenn die Effektkette nicht zu lang wird, ist das bei aktuellen Prozessoren auch realistisch(*)). (Eine Millisekunde Latenz entspricht bei Zimmertemperatur ungefähr einem zusätzlichen Abstand von 34 cm von der Klangquelle, 3 ms sind also ca. ein Meter, das sollte man noch kaum merken, bei ca. 20 ms (also ca. 7 Metern) kann man die Verzögerung aber schon recht deutlich wahrnehmen (wenn man über nen Fußballplatz schreit, hat man so ca. 300 ms "Latenz".))

    Habe mich mit Freeware-Effekt-Plugins noch nicht unbegrenzt detailliert auseinandergesetzt, die Kjaerhus-Sachen sollen aber ganz nett sein und das LFX-1310 find ich als unkomplizierte Allround-Lösung ganz praktisch. Ansonsten der übliche Tipp: die KVR-Suchfunktion benutzen :)

    NothanUmber

    (*) mal abgesehen von sehr aufwändigen Effekten wie z.B. Faltungshall-Prozessoren (das oben angesprochene Pristine Space braucht allein in der minimalen Einstellung z.B. eine Latenz von 1,5 ms (bei 44,1 kHz Samplefrequenz), zwei PS-Plugins hintereinander wären also innerhalb von 2 ms schon nicht mehr machbar - glücklicherweise unterstützt eines bereits bis zu 8 (hintereinanderschaltbare) Kanäle :) . Das kostenlose SIR dagegen läuft nicht unter Puffergrößen von 8960 Byte (also bei 44,1 kHz Minimallatenzzeiten von ca. 200 ms) - das ist für den Echtzeiteinsatz damit (leider, da ansonsten gut und kostenlos) definitiv nicht mehr geeignet)
     
  6. d135-1r43

    d135-1r43 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.03.06   #6
    Wenn du ganz viel Energie und ganz wenig Geld investieren möchtest, dann kann ich dir Linux und Jack empfehlen. Jack ist ein "Low Latency Audio Server", mit dem man jegliches Audiomaterial durch die Rechenkiste jagen kann. Es gibt tausende hochwertige Effekte dafür und auch fertige Einsteiger-Programme (etwa JackRack).

    Infos zu Jack:
    http://jackit.sourceforge.net/

    Ich hab auch mal einen Artikel darüber in meinem Blog geschrieben:
    http://d135-1r43.de/2005/10/14/you-dont-know-jack/

    Bevor du das aber in Erwägung ziehst, solltest du schauen, dass deine Soundkarte mit Linux tut.
     
  7. lucjesuistonpere

    lucjesuistonpere Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.03.06   #7
    @NothanUmber:
    Hab mir eine Terratec Phase 26 USB SE bestellt. Ich hoffe, die reicht latenz-mäßig aus. Hat in allen möglichen Reviews zumindest sehr gut abgeschnitten.

    @1337-h4xx0r: (oder so ;))
    Klingt gut. Hat schon mal einen Linux-Sympathiebonus. :)
     
  8. NothanUmber

    NothanUmber Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.03.06   #8
    Die kenn ich zwar nicht, wird aber schon passen. (Auch wenn die keine 2 ms hinbekommen sollte, ca. 6 ms finde ich zum Klavierspielen auch noch sehr brauchbar).

    NothanUmber
     
  9. d135-1r43

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    Erstellt: 23.03.06   #9
    Die würde unter Linux laufen (mit dem Modul snd-usb-audio). Und latenzmäßig kann ich garantieren, dass man damit mit Jack unter 3ms kommt.
     
  10. NothanUmber

    NothanUmber Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.03.06   #10
    Vielleicht sollte man das noch etwas präzisieren :)
    Es gibt prinzipiell zwei Möglichkeiten, durch welche ein Plugin für zusätzliche Latenzeffekte sorgen kann:

    * CPU-Last. Der einfache Fall: Der Prozessor schafft es nicht mehr, für alle gerade laufenden Plugins innerhalb der (bei der Soundkarte) eingestellten Latenzzeit die neuen Ausgabewerte zu berechnen (führt dann zu Knacksern und Aussetzern). Dem kann durch eine schnellere CPU (oder weniger aufwändige/besser optimierte Plugins - oder eben einer etwas höheren Latenzzeit) abgeholfen werden.
    * minimale Puffergrößen: andererseits kann es zur Berechnung mancher Effekte auch notwendig sein, einen mehr oder minder kurzen "Blick in die Zukunft" zu werfen. (z.B. eine Fourieranalyse eines einzigen Samplewertes ist nicht besonders sinnvoll...) Dazu führt das Plugin intern einen "Look-Ahead-Buffer" mit und gibt die Ausgabe entsprechend verspätet an die nachgeschalteten Plugins weiter - diese plugin-interne Latenzzeit wird also immer zusätzlich zur von der Soundkarte bedingten Verzögerung anfallen und addiert sich bei mehreren derartigen, hintereinandergeschalteten Plugins entsprechend. (Von daher war mein Beispiel mit Pristine Space kein gutes, weil es sich bei den 1,5 ms (bei 44,1 kHz) um die besagte Plugin-interne Latenz handelt, die sich aus einem minimal 64 Byte großen Look-Ahead-Puffer ergibt (bei größeren Puffern klingt das Plugin wegen eines dann "größeren Horizonts" übrigens besser), bei einer Soundkartenlatenzzeit von 2 ms hätte man also bei Benutzung von Pristine Space schon eine Gesamtlatenzzeit von 3,5 ms und bei zwei seriellen Pristine Space Plugins 5 ms anstatt der von mir vorher behaupteten 3 ms (max(2*1.5,2)). Von daher muss man ein wenig aufpassen, welche Plugins man da so alle hintereinander schaltet - da kann sich die Latenzzeit schnell summieren (- das gilt aber für praktisch alle digitalen Effektgeräte, ob man die jetzt als Plugin auf einem Computer laufen lässt oder als externe Boxen hintereinanderschaltet(*)).

    NothanUmber

    (*) deswegen kann sich der Einsatz von Multieffektplugins (wie dem oben angesprochenen LFX-1310) lohnen, weil sich dort (bei intelligenter Programmierung ) alle Effekte aus dem selben Look-Ahead-Puffer bedienen können und der folglich nur so groß sein muss, wie es für den dahingehend aufwändigsten Effekt notwendig ist - anders als bei einzelnen, voneinander abgeschotteten Plugins addieren sich die Latenzzeiten dort also nicht.
     
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