Das Auge isst mit – oder: Warum manche Bands wie eine Behörde performen

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Elke-Diva

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Ein kleiner Rundgang durch das Gruselkabinett der Bühnen-Präsenz:
Hier mal meine Bestandsaufnahme des Grauens:

Der Bassmann:
Optisch irgendwo zwischen "Statue" und "Schaufensterpuppe". Während er die E-Saite bearbeitet, sieht sein Gesicht aus, als würde er im Kopf gerade seine Steuererklärung durchgehen oder überlegen, ob die Fingernägel mal wieder einen Cut vertragen könnten. Null Regung.
Vorschlag: Stell den Kollegen doch gleich hinter den Vorhang. Wenn er sich nicht bewegt, braucht er auch kein Licht.
Der Gitarren-Held:
Solange er Rhythmus schrammelt, wirkt er wie ein schlecht gelaunter Beamter kurz vor der Mittagspause.
Aber wehe, es riecht nach Solo!
Dann mutiert er in 0,2 Sekunden zum Hendrix-Reinkarnations-Monster, fegt die Vocals mit dem Hals fast von der Bühne und braucht plötzlich 5 Meter Aktionsradius für sein Ego.
Danach? Direkt zurück in den Standby-Modus.
Der Drummer:
Sitzt wie immer im Dunkeln (gut so?). Man sieht eigentlich nur zwei Stöcke, die sich bewegen. Dynamik? Fehlanzeige. Hauptsache die Snare knallt, der Rest ist Dienst nach Vorschrift.
Die Tasten-Burg:
Warum stehen Keyboarder eigentlich vor dem Vorhang? Man sieht sie eh nicht hinter ihrem 3-stöckigen Hardware-Wall. Er könnte da hinten genauso gut Minesweeper spielen oder sich ein Sandwich schmieren, man würde keinen Unterschied merken.
Die Bläser-Sektion:
Mein persönliches Highlight.
Festgewachsen an ihren Notenständern. Die Dinger wirken wie Anker.
Keinen Zentimeter Bewegung möglich, weil man ja die C-Dur-Tonleiter ablesen muss, die man seit 20 Jahren spielt.
Zwischen den Licks: Totenstarre.
Das Ende vom Lied:
Vorne rackert sich die Frontsau ab, macht Ansagen, animiert, schwitzt und versucht verzweifelt, so etwas wie "Show" zu simulieren, während der Rest der Kapelle optisch bereits beim Abbier in der Garderobe ist.

Ganz ehrlich: Warum machen wir uns den Stress?
Eigentlich können wir uns den Bus und das Schleppen sparen.
Wir schicken den Sänger/in mit einem USB-Stick (Halbplayback) hin und der Rest bleibt zu Hause vor der Glotz... da gucken wir nämlich genauso motiviert wie auf der Bühne.

Sieht das bei euch auch so aus, oder habt ihr Musiker gefunden, die noch einen Puls haben, wenn das rote Licht angeht?
 
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Vielen Dank für diesen humorigen Beitrag. Und was den Bassmann betrifft, kann ich dir (als Betroffener) voll zustimmen. Mittlerweile kann AI uns sowieso viel besser. 😉🤣
 
:mampf::popcorn2:
 
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  • #4
Ich bin zu alt für Smilies, hätte gerne Worte...
 
Mir ist nicht ganz klar, worauf der Thread hinauslaufen soll.

Gehört eine gute Bühnenshow zu einem gelungenen Auftritt? Unbedingt. Bei der Funk Band vielleicht etwas mehr als beim Jazz-Trio, aber überall will man auch eine gewisse Energie sehen.

Ist jeder Musiker gleichermaßen in der Lage das auf der Bühne abzuliefern? Auf keinen Fall.

Kann man das lernen? In einem gewissen Umfang definitiv. Wie alle möglichen anderen skills.

Am Ende muss sich jeder Musiker eben seine Nebenleute aussuchen. Und in der Realität dabei in gewissen Bereichen auch Schwächen akzeptieren.
 
Hi, willkommen im board:hat:,

Ganz ehrlich: Warum machen wir uns den Stress?
du scheinst ja die Sängerin zu sein, oder? Wenn dir deine band nicht passt , dann mach es doch so:

Wir schicken den Sänger/in mit einem USB-Stick (Halbplayback) hin
im Ernst, mir selber kam es immer, bin Gitarrist, auf die Musik an. Wenn die Mitmusikant/innen auch Spass daran hatten, war die Welt für mich in Ordnung. Ist ja auch die Frage, was für Musik man macht, für welches Publikum und in welchem Rahmen:rolleyes:.
 
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Das Ende vom Lied:
Vorne rackert sich die Frontsau ab, macht Ansagen, animiert, schwitzt und versucht verzweifelt, so etwas wie "Show" zu simulieren, während der Rest der Kapelle optisch bereits beim Abbier in der Garderobe ist.

Dann ist zu klären, woran das liegt.

Unterschiedliche Fähigkeiten oder unterschiedliche Vorstellungen, was eine gute Bühnenshow ist. Vielleicht findet die Rest der Band die "Frontsau" ja sogar drüber mit Tendenz zu unangenehm?

Oder der Rest fühlt sich aus anderen Gründen nicht wohl genug. Oder sie können einfach nicht mehr aus sich rausgehen und sind daher für eine Show-Band nur bedingt geeignet.

Am Ende hilft nur die Kommunikation in der Band, in der Vorstellungen und Erwartungen klar formuliert werden.
 
Welche Bühnenshow und Tänze hatten denn Kraftwerk aufgeführt? :unsure:
 
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  • #10
was ist das denn für ein Satz???
wie meinen? Hast Du Verständnisprobleme oder stört dich die Wortwahl? Die "Frontsau" ist ein Zitat
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Welche Bühnenshow und Tänze hatten denn Kraftwerk aufgeführt? :unsure:
Auch die hatten eine Bühnenshow. Niemand hat gesagt, dass die aus Tänzen bestehen muss.

Wenn die Band das will, kann die Bühnenshow auch maximale Apathie oder ähnliches sein.
 
  • Ersteller
  • #11
Welche Bühnenshow und Tänze hatten denn Kraftwerk aufgeführt? :unsure:
Wenn wir hier von Kraftwerk reden, dann reden wir von einem Gesamtkunstwerk aus Minimalismus, Robotik und dem Konzept der völligen Entpersonalisierung.
Die Jungs haben die Regungslosigkeit zur Kunstform erhoben. Das ist ein Statement.
Wenn wir hier von Kraftwerk reden, dann reden wir von einem Gesamtkunstwerk aus Minimalismus, Robotik und dem Konzept der völligen Entpersonalisierung. Die Jungs haben die Regungslosigkeit zur Kunstform erhoben. Das ist ein Statement.
 
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  • Ersteller
  • #13
was ist das denn für ein Satz???
Stimmt natürlich...
Wenn vorne einer/eine auf 'Stadion-Rocker' macht, während wir im kleinen Club spielen, kann das für den Rest der Band schnell in kollektive Fremdscham ausarten. Das Ergebnis ist dann die klassische optische Scheidung: Die Frontsau gibt alles, und die Band hinten versucht so zu gucken, als würde sie gar nicht dazugehören.“
 
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  • #14
allerdings, "Frontsau" ist okay, der Rest gibt für mich null Sinn:nix:.

Keine Ahnung warum nicht. Macht aber nichts.

Die Aussage war: Vielleicht findet nicht nur die Frontfrau die Band zu "statisch" sondern die Band findet die Frontfrau überdreht und möchte sich daran nicht beteiligen. Nur eine Möglichkeit... Deswegen bleibt nur darüber reden, wenn die Vorstellung von einer guten Bühnenshow scheinbar zu weit auseinanderliegen.
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Das Ergebnis ist dann die klassische optische Scheidung: Die Frontsau gibt alles, und die Band hinten versucht so zu gucken, als würde sie gar nicht dazugehören.“

Optische Scheidung ist ein sehr passender Begriff :)

Ich finde ja, beim Thema Bühnenshow muss die Band ebenso einen gemeinsamen Nenner finden wie beim musikalischen.
 
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  • #15
Am Ende hilft nur die Kommunikation in der Band, in der Vorstellungen und Erwartungen klar formuliert werden.
Leute, wir sind eine Band und keine Selbsthilfegruppe...
Wer nach Jahrzehnten auf der Bühne immer noch eine ‚sozialpädagogische Sitzung‘ braucht, um den Blick vom Notenständer zu lösen, dem hilft auch kein Stuhlkreis mehr.
Performance ist eine Frage der Einstellung, nicht der Erwartungsformulierung; entweder man brennt für die Show oder man ist eben nur die Begleitautomatik mit Sozialversicherungsausweis.“
 
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  • #16
Nur eine Möglichkeit...
okay, solche Probleme hatte ich während meiner Bandzeiten zum Glück nie.
Zu "Kraftwerk", die hab ich in ihren Anfängen gesehen, da war das roboterhafte als Statement noch nicht da.
War aber ein tolles Konzert, obwohl, sie waren, glaube ich, zu dritt, und haben alle gesessen.
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Performance ist eine Frage der Einstellung,
genau(y).
 
  • #17
„Leute, wir sind eine Band und keine Selbsthilfegruppe...
Wer nach Jahrzehnten auf der Bühne immer noch eine ‚sozialpädagogische Sitzung‘ braucht, um den Blick vom Notenständer zu lösen, dem hilft auch kein Stuhlkreis mehr.
Performance ist eine Frage der Einstellung, nicht der Erwartungsformulierung; entweder man brennt für die Show oder man ist eben nur die Begleitautomatik mit Sozialversicherungsausweis.“

Dann bleibt es eben dabei, dass man sich eine Band aus "performern" zusammenstellen muss.

Spannend wird es, wenn man dann den schlechteren oder weniger kompatiblen Mitmusiker bekommt oder jemand, der die Bandhirarchie durcheinander bringt... aber irgendwas ist ja immer.
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Performance ist eine Frage der Einstellung,

Und des Charakters. Nicht jeder ist dafür geboren, auf der Bühne aus sich raus zu gehen.
 
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  • #18
Dann bleibt es eben dabei, dass man sich eine Band aus "performern" zusammenstellen muss.

Und des Charakters. Nicht jeder ist dafür geboren, auf der Bühne aus sich raus zu gehen.
Richtig, aber....
Wir alle (Hobby Musiker), machen Musik "auch" für "Gigs, (okay, die YouTuber vielleicht nicht). Und wenn ich auf der Bühne stehe, habe ich gefälligst was "abzuliefern" und zwar nicht nur Musik, sondern auch "Perfomance".
Und wenn ich mir in meinem Dörfern rundrum Bands anschaue, (ja, ich fahr dahin, ja, ich zahle gerne Eintritt)... ja ich will was auf die Ohren, aber auch was fürs Auge, ich bin nicht blind.
 
  • #19
Wenn Musiker schlechte Performer sind, sind sie schlechte Performer. …und nu?
Wenn sie dann noch schlechte Musiker sind, ist es ganz blöd.
Nicht selten, kommt das sogar in Kombination :fear:.
 
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  • Ersteller
  • #20
Wenn Musiker schlechte Performer sind, sind sie schlechte Performer. …und nu?
Wenn sie dann noch schlechte Musiker sind, ist es ganz blöd.
Man kann was tun...
Anekdote...
Wir hatten (länger her, ich bin alt) einen Bassisten, der genau meinem Klischee im Eröffnungsbeitrag entsprach...
Nach ein paar Gigs (Freunde flüsterten schon was zu Ihm (Bass), ,,, geile Mucke und Show, aber...)...
Wir baten ihn, zieh deinen "Konfirmations/Beerdigungsanzug an, plus Bardolino Hut.
Dann stellten wir ihn auf der Bühne auf einen Bierkasten mit grünem SAMT verkleidet (null Problem, da er sich eh nicht bewegte...).
Und plötzlich.... nach dem Gig... Publikum, ey was habt ihr für einen geilen Bassisten....
DAS ist Show....
 
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