Das Märchen vom Fachkräftemangel - oder: Wie das TV hilft, Meinung zu machen!

von Reinhard, 27.09.04.

  1. Reinhard

    Reinhard Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.09.04   #1
    Heute kam es wieder in den Nachrichten: In der Metall- und Elektroindustrie fehlen derzeit ANGEBLICH! 50.000 Fachkräfte. Insgesamt seien 150.000 offene Stellen zu verzeichnen, darunter Elektromeister, Schlosser und ganz normale Handwerkskräfte. :eek:

    Da Lachen doch die Hühner! :mad:

    Inzwischen lässt sich also schon das TV zur öffentlichen Meinungsmache einspannen. Hier haben sich die Politik und die Wirtschaftsbosse endlich getroffen. die Politiker reden so vom großen Aufschwung und die Bosse erreichen damit, daß immer mehr der Boden bereitet wird für Greencards und Niedriglöhne: Wenn nämlich offene Stellen in großer Zahl angeboten werden, dann können die Arbeitsämter einen Vermittlungsdruck aufbauen. Die Arbeitnehmer werden zwar erstmal nicht genommen, aber so kann man die Arbeitslosen in die Enge treiben. Immer mehr müssen dann Dank Harz4 einen Billiglohn hinnehmen und so wird den Gewerkschaften aufgezeigt, daß ihrre Forderungen zu hoch seien und Druck auf die anderen AN gemacht.

    So kreigen wir die Löhne schön runter- mehr Arbeitsplätze gibt es da nicht.

    Die einzigen, die verdienen, sind die Personalvermittler: Bestimmte Firmen stellen nur die Arbeiter ein, die per Vermittlungsgutschein von einem befreundeten Arbeitsvermittler kommen. So schanzt man diesem die Kohle zu. Nach einer Weile fliegt der Arbeiter wieder raus und der nächste, vom Arbeitsamt subventionierte Malocher, darf antanzen. Die Vermittlungspräme stecken sich A-Vermittler und Juniochef in die Tasche.
     
  2. Bleecker Street Boogie

    Bleecker Street Boogie Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.09.04   #2
    Das ist nichts Neues. Es gibt weder so viele unbesetzte Stellen, noch gibt es viel zu wenige Stellen für jetzige Arbeitssuchende, online-Jobbörsen sind voll.

    Die Intention des Gerüchts um den Fachkräftemangel ist, dass die Industrie die Politik unter Druck setzen will die Gesetze den Arbeitsmarkt betreffend zugunsten von Ausländern zu verändern. Die Kalkulation der Arbeitgeber ist folgende: Im Ausland befinden sich sehr viele hochqualifizierte Arbeitskräfte, die aus ihren Heimatländern einen ganz anderen Arbeitsethos kennen als die Einheimischen mit ihren, mit Verlaub, vollkommen verblödeten 38-Stunden-Woche-Streiks. Außerdem würden sich diese Arbeitskräfte mit einem geringeren Lohn (im wahrsten Sinne des Wortes) zufriedengeben, weil sie so viel in der Heimat nicht bekämen, weswegen sie zusätzlich eine höhere Motivation an den Tag legen. Damit erhöht man auch den Druck an Einheimische Arbeitskräfte sich dem anzugleichen. Das ist der Clou, um etwas anderes als das geht es nicht. Eine quasi-Erpressung der Politik die Grenzen für Arbeitskräfte aus dem Ausland wirklich zu öffnen.
     
  3. .Jens

    .Jens Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 27.09.04   #3
    Das Problem kann auch einfach sein, dass viele Leute (und Ausbildungsbetriebe!) nicht begreifen, dass man Jobs nicht nach dem Kriterium schaffen kann, welchen Beruf die Arbeitslosen gelernt haben.
    Es wurde und wird einfach immer noch am Bedarf vorbei ausgebildet.
    Was nützen mir 10 arbeitslose Bäcker, wenn mir ein Maschinenbauer fehlt?

    Dazu kommt auch in manchen Branchen der (teils begründete) Unwille zum Ortswechsel. Es gibt einfach eine gewisse Hemmschwelle, 500km umzuziehen, weil da in einem neuen Automobilwerk neue Leute gebraucht werden. DAS allerdings kann ich bei vielen (gehen wir mal davon aus Single und evtl. schon länger arbeitslos) nur begrenzt nachvollziehen...

    Jens
     
  4. KnuckleHead

    KnuckleHead Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.09.04   #4
    das problem is gerade bei handwerklichen jobs das unsere liebe jugend einfach keinen bock darauf hat!!!
    die wollen halt lieber arbeitslos sein als irgendwo mal anpacken zu müssen, is leider so, die träumen alle von irgendwelchen jobs mit pcs etc.

    kam jetz schon 1,2 mal im tv, beim einen mal hatte jemand 2 ausbildungsplätze frei, einen für bürokaufmann und einen glaser.

    glaser hey is doch eigentlich ein krisensicherer job, naja hatte sich sowieso kaum jemand gemeldet und für kaufmann,
    naja ich würd an dem seiner stelle auch niemanden einstellen der vor mir sitzt und bei der frage was sind 2m mal 0,5m meter nur blöd rum kichert und zur nächsten frage abweicht, noch besser die andere die dasaß; die erzählt ihm das sie wenns mal n bisschen später wurde in der disco einfach dann auch mal später in die schule gegangen ist ^^

    der einzige der nicht strohdumm war sondern alle fragen beantworten konnte(auch das unser bundespräsident köhler ist und nich joschka fischer :rolleyes: )war jemand der um die 20 war und was sagt er... zu alt!! :eek:
     
  5. Havoc

    Havoc Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.09.04   #5
    Hast du einen Gegenbeweis oder findest du das bloß allgemein unvorstellbar?
     
  6. Havege

    Havege Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.09.04   #6
    Also wenn ich mir ansehe was im Moment so im bereich der Elektroindustrie gerade bei den großen Firmen wie zb ABB und Tochterfirmen an Stellen abgebaut und Leute entlassen werden halte ich die Zahlen für etwas unrealistisch.

    Aber was auch stimmt die meisten sind sich ja heute zu schade dafür auf dem Bau zu arbeiten. :mad:
    Wenns nach mir ging würde ich gerne auf dem Bau arbeiten, ( zumindest lieber als Freelancer im PC bereich :rolleyes: )
    Nur nicht als Dachdecker, die Höhenangst lässt grüsen :(
     
  7. HollywoodRose

    HollywoodRose Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 27.09.04   #7
    Zu dem Vorwurf das die Arbeitgeber die Gewerkschaften runterdrücken wollen... naja...
    Die stecken doch eh alle unter einer Decke. Also, wenn ich mir die letzten Tarifverhandlungen der IG-Metall so anschaue...
     
  8. stefan64

    stefan64 HCA Tasten HCA

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    Erstellt: 27.09.04   #8
    [Realität]
    4.x Millionen Arbeitslose geben doch echt was her. Was?
    [/Realität]

    Beispiel:

    So ein Arbeitsmarkt ergibt doch so tolle Möglichkeiten.... zwei solche Nachrichten immerhalb von weniger als 10 Tagen und keiner scheint sich drüber aufzuregen.....

    ciao,
    Stefan
     
  9. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 27.09.04   #9
    Single heißt ja nicht, daß einer absolut keinerlei Verwandte und Freunde mehr hätte. Ein Umzug ist auch nicht gerade billig, und dann ist da noch die Sache mit den 6 Monaten Probezeit...
     
  10. .Jens

    .Jens Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 27.09.04   #10
    Trotzdem muss man sich die Frage gefallen lassen, wenn man in sagen wir Hamburg als Langzeitarbeitsloser durchkommen muss, während ein großer Konzern in Bayern händeringend Personal sucht, auf dessen Stellenprofil man perfekt passt.
    Es sind nunmal nicht alle Jobs in allen Branchen gleichmäßig über D verteilt. Für Handwerksberufe, Krankenpflege, Polizei etc. mag das in etwa gelten, aber bei Facharbeitern wird es schon schwieriger, und spätestens bei speziellen technischen Berufen ist da ganz schnell Ende.

    Ich weiß übrigens sehr genau, wovon ich rede: Mir ist (leider) klar, dass ich in spätestens eineinhalb Jahren nach 8 Jahren Münster meine Koffer werde packen müssen. Einfach, weil ausser an der Uni hier die Auswahl an Jobs für Dipl.-Phys. gegen Null geht. In Süddeutschland sieht das ganz anders aus. Das heisst für mich auch Abschied von fast allen Freunden, Band, etc. und einen kompletten Neuanfang.
    Nur war mir das von Anfang an relativ klar.

    Jens
     
  11. Alca

    Alca Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.09.04   #11
    laut den Unternehmern finden sie einfach keine fähigen leute...
     
  12. disillusion

    disillusion Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 28.09.04   #12
    tja, aber "autos kaufen keine autos". irgendwann geht diese rechnungnicht mehr auf.
     
  13. MasterMind

    MasterMind Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.09.04   #13
    Es ist wirklich so, dass viele Unternehmen händeringend nach fähigen Fachkräften suchen. Besonders Ingenieure aus den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik und Luft- & Raumfahrt sind heiß begehrt. Gebt mal in den Online-Jobbörsen ein, dass ihr als Maschinenbau-Ingenieur einen Job sucht und ihr bekommt unglaublich viele freie Stellen angezeigt. Ähnlich sieht es aus, wenn ihr bei großen Firmen (Siemens, Continental, Automobil OEM, ...) auf den Homepages die Jobangebote abruft.

    So ganz falsch sind die Aussagen über freie Stellen also nicht. Ob die Zahlen stimmen, kann ich natürlich nicht sagen.

    Aber das was die großen Firmen gerade mit den einfachen Arbeitern abziehen ist unglaublich. Da wird die Angst der Leute vor der Arbeitslosigkeit genutzt, um die Arbeitsbedingungen und den Lohn zu drücken, wobei die meisten Firmen gleichzeitig Millionen Gewinne machen. Dabei sollte man auch darauf hinweisen, dass sowas in den neuen Bundesländern schon seit Jahren gängig ist. Gerade in der Produktion wird nur ein Hungerlohn gezahlt, da den Chefs klar ist, dass jeder auf den Job und das Geld angewiesen ist. Irgendwie pervers, aber so ist halt die Marktwirtschaft.
     
  14. michaelkle

    michaelkle Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.09.04   #14

    Wenn ich dazu auch mal was sagen darf:

    Gerade Siemens ist dafür bekannt Jungingenieuren eine unterbezahlte Stelle, befristet auf 1 Jahr zu geben. Denn die neuen sind Ideenreich und bereit unzählige Überstunden zu machen, aber nach 12 Monaten ist schicht, dann kommen die nächsten!!!! Dann erwartet sehr viele die Arbeitslosigkeit!

    Zudem gehört es zur Firmenpolitik immer genügend "freie" ( auch wenn es die gar nicht gibt) Stellenanzeigen in den Medien zu plazieren, denn das zeigt den MITBEWERBERN das man noch mitmischt und hält die Aktienkurse auf trab. (Alter aber bewerter Trick)