Das "Phänomen Masse", Massenpsychologie und/oder: Der Mensch in Gesellschaft

von Gunkl, 28.06.07.

  1. Gunkl

    Gunkl Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.06.07   #1
    Ja..Ich hab vorerst nicht viel zu schreiben, aber da mich das Thema interessiert (mag widersprüchlich klingen.) Hier mal ein Thread..

    (Persönliche) Vorgeschichte;
    Ich einem Dialog mit einem Freund kam heraus, dass er gerne mal in der Hooligan Masse bei einem Fussballspiel dabeisein würde, um das Gefühl der Stärke auszuleben. Hat mich insofern beschäftigt, da ich mich bereits unwohl fühle, wenn ich mal auf einem Konzert nicht von mir aus tanze (poge/moshe/bange), sondern das erst zusammen mit andereb tue.

    ---

    Wie siehts bei euch aus?

    Gebt ihr euch gerne mal der Masse hin, genießt Macht und Stärke, Unangreifbarkeit und Anonymität "innerhalb" von hunderten,tausenden Menschen, oder schlicht die "Zugehörigkeit" beim "nur-mit-mehr-als-4-mann-aufs-klo-gehen"

    Oder legt ihr es darauf an Orten, die mehr als 2 Leute beherbergen aus dem Weg zu gehen, explizit nicht das zu tun, was andere auch tun bzw. damit aufzuhören, falls das irgendjemand nachmachen sollte?
     
  2. flaschendeckel

    flaschendeckel Guest

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    Erstellt: 28.06.07   #2
    ich tue nicht explizit das, was die andern nicht tun aber au nich umgekehrt...ich mach was ich will, natürlich isses schöner dabei in ner masse zu sein, weil man da von anderen bestätigt wird, leute, die denken wie man selbst, auserdem spielt ja die macht zusammen sicher auch ne rolle und die annonymität bsp hätt ich kein problem damit einfach in mathe oder so aufzustehen und dem lehrer den stinkefinger zu zeigen, und zu gehen, würde es die klasse auch machen...
    interessantes thema interessiert mich auch
     
  3. catrat

    catrat Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.06.07   #3
    Ist von Adorno: "Menschen, die blind in Kollektive sich einordnen, machen sich selber schon zu etwas wie Material, löschen sich als selbstbestimmte Wesen aus. Dazu passt die Bereitschaft, andre als amorphe Masse zu behandeln.."
     
  4. Mighty Scoop

    Mighty Scoop Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.06.07   #4
    Sowas hat schon was. Inzwischen wissen ja hier glaub ich alle, das ich Borussia Dortmund Fan bin. Ich bin da ein paar mal mit meinem Papa ins Stadion gedüst, und war da als 13-14 järiger Bub sowas von von den Socken, wie das in so nem Stadion abgeht.

    25000 -50000 gröhlende Menschen, die alle im Chor singen, das hat schon was.
     
  5. Pleasure Seeker

    Pleasure Seeker Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.06.07   #5
    Das geht aber alles an die niederen Instinkte.. Wie reagiert der Mensch in der Masse? Er lässt sich leicht beeinflussen, egal ob es um unsinnige Parolen geht oder darum sich von Panik anstecken zu lassen. Das Gefühl der Stärke ausleben? Ich weiss ja nicht was dein Kumpel für Probleme hat Gunkl, aber manche haben's halt nötig oder? ;)
    Zugehörigkeit? Wozu? Identitätskrise?

    Bei Musik bin ich strikt gegen Massenveranstaltungen, das gibt mir irgendwie überhaupt nichts eine Band vor mehr als ~3000-4000 Leuten zu sehen, im Grunde sind 2000 schon zuviel, das klaut die Stimmung und ersetzt sie durch Schweißgeruch und Atemnot. Bei sonstigen großen Festlichkeiten habe ich die Erfahrung gemacht das es strikt ausgenutzt wird, seitens der Kriminellen, von Abstechen über Abziehen bis zu Schwachsinniger Klopperei, das klappt Bestens wenn keiner mehr einen Überblick hat. Meiden tue ich die deswegen nicht, aber wohl fühlt man sich in einem Getümmel von über 10 000 Leuten verschiedenen Alters auch nicht.
     
  6. flaschendeckel

    flaschendeckel Guest

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    Erstellt: 30.06.07   #6
    da lob ich mir doch einen auftritt einer schicken underground metal band, wo meist nicht mehr als paar hundert leute sind:rolleyes:
     
  7. max1

    max1 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.07.07   #7
    Ich mag Ansammlungen von vielen Menschen nur da, wos wirklcih für die Stimmung nötig ist, wie z.B. Rock am Ring. Was bei Fußballspielen z.B. abgezogen wird finde ich echt Kindergarten...
     
  8. Unplugged

    Unplugged Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.07.07   #8
    Das Thema ist gut! Hier geht es aber nicht nur um das Phänomen in einer Gruppe scheinbar enthemmter zu sein.

    Das beste Beispiel ist das Milgrim Experiment. Ich bitte euch mal sich drüber schlau zu machen. Es geht nicht immer nur um die Masse, sondern um die Autorität die jemand/etwas ausstrahlt.

    Eine große Masse strahlt auch eine große "Autorität" aus, der Mensch neigt dazu sich Autoritäten unterzuordnen. Schließlich meckern wir alle... Anarchie herrscht trotzdem nicht.

    Das ist auch interessant im Hinblick auf Nationalsozialismus. Hier ist nicht nur die Masse interessant, Hitler alleine war es, der eine unheimliche Autorität ausgestrahlt haben muss, die scheinbar alle anderen Dinge, die die eigene Moral verletzen, die eigene Ethik über den Haufen schmeisst auf einmal wie abgestellt hat.

    Das Milgrim Experiment, in den USA das erste mal durchgeführt, beweist, dass sich die absolute Mehrheit aller getesteten Menschen (Arbeiter, Akademiker, Studenten, Gelehrte, Ärtzte, einfache Leute) dem Zwang unterworfen haben, der durch in diesem Fall "wissenschaftliche Autorität" verkörpert wurde.

    Das belegt ganz klar, dass dieser Wahn wie es in Deutschland grassierte überall anwendbar ist. Sobald eine Autorität ein Befehl gibt, ist das eigene Gewissen entlastet, übrigens auch der Grund dass viele im Kriege sich nicht verantworten wollten, sie hätten ja nur auf Befehl gehandelt. Ähnlich ist es im Alltag, eine große Zahl sind gewohnt Befehle, Anordnungen entgegenzunehmen... die Grenzen zieht dabei leider nicht immer der eigene Verstand.

    So ist es leider auch bei Hooligans, der eigene Verstand kann in der Masse an den Nagel gehängt werden, die Anderen handeln auch so, also kann das nicht falsch sein. Nicht gerade eine freidenkerische Meisterleistung.

    Masse euphorisiert, eine Autorität zufrieden zustellen auch. Kind freut sich wenn Mama stolz ist, Arbeiter freut sich wenn Chef zufrieden ist, Chorleiter wenn man gut gesungen hat. Das kann schön sein, birgt aber auch Gefahren.
     
  9. flaschendeckel

    flaschendeckel Guest

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    Erstellt: 02.07.07   #9
    hmmm vllcht irre ich mich aber war das milgrim experiment nicht das experiment wo jemand auf einem scheinbaren elektrostuhl gesessen ist(mit absprache)und es wurden eben irgendwelche leute herausgepickt, dednen gesagt wurde der hätte das und das gemacht und sie hatten vor sich ein board, wo sie stärke von stromstößen einstelln konnten und sie sollten entscheiden wieviel strom für eine bestimte tat aktiviert werden soll
    erstaunlich dabei war, dass die meisten ohne zu zögern in den lebensgefährlichen bereich gingen
    aber vielleicht irre ich mich auch, weil wir im unterricht das so gemacht haben (also ohne stuhl etc sndern ein blatt wo vergehen draufstehen und wir ankreuzen wieviel volt)
     
  10. Antje

    Antje Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 02.07.07   #10
    Ja, tust du ;) http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment

    Edit: Obwohl die Sache mit dem elektrischen Stuhl da auch drin vorkommt, aber etwas anders im Versuchsablauf.
     
  11. Cornholio

    Cornholio Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.07.07   #11
    Lebenslang Einzelgänger. Aufmärsche befremden mich zudem.
    Früher oft genug Prügelknabe der Masse gewesen. Dann isoliert von der Masse, teils determiniert, teils freiwillig.
    Lebens- und Musikideal Individualismus. Will nur noch kleinere Konzerte besuchen.


    Edit: Bleeker Street Boogie würde jetzt sagen "ich bin kein Deutscher" :rolleyes:
     
  12. Nashrakh

    Nashrakh Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.07.07   #12
    ...Ich glaube, mein Weltbild ist grade zusammengebrochen :eek:

    Hmm von der Masse lasse ich mich nicht beeinflussen. Ich meide sie meist, je mehr Menschen aufeinander treffen, umso unwohler ist mir. Also auch typisch Einzelgänger. Hört sich wie ein Widerspruch an, aber ich meine damit das angesprochene "Mitgehen" - das würde mir zuwiderlaufen.
     
  13. LostLover

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    Erstellt: 05.07.07   #13
    In der Masse wird der Mensch blöd. Egal, wie intelligent der Einzelne ist - die Masse als Ganze wird von Instinkten regiert. Im Kern : Angst und Gier.

    Es gibt Leute, die von diesem Phänomen gut leben. An den Börsen geht's z.B. u.a. darum, das Geld der Masse einzusammeln und dann an wenige individuell agierende Grossanleger weiterzureichen, die sich dem Massensog entgegenstellen können. (Fragt mich nicht, woher diese Ansicht kommt - ich hatte ein Leben vor der Musik....).

    Dass "die Masse" blöd wird, ist ein Problem des Internets: der Konsens ist nicht "richtig". Er ist nur Konsens - und damit im Regelfall falsch. Individuelles Expertenwissen ist grundsätzlich dichter an der Wahrheit als die Addition vieler Viertelwissen.

    Es ist ein Problem für die Gesellschaft, weil viele Menschen individuell bereit sind, notwendige Veränderungen anzugehen - in der Demokratie aber die "Masse" regiert. Und damit Angst und Gier stärker sind als Vernunft.

    Ich fühl mich in grossen Menschenansammlungen ziemlich unwohl.