Der Philosophische Thread

von Chaos Keeper, 19.01.06.

  1. Chaos Keeper

    Chaos Keeper Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 19.01.06   #1
    Moin,
    Wie lange habe ich darauf gewartet, einen solchen Thread erstellen zu können, wow.

    Also: Zum Sinn des Threads: Ich wollte hier einfach mal einen Thread eröffnen, in dem sich eine philosophische Diskussion ganz frei entwickeln kann. Ein vorgeschriebenes Thema gibt es nicht, die Themen dürften sich eigentlich ganz von selbst ergeben und ändern (wie zum Beispiel in einem Gespräch im echten Leben). Was meiner Meinung dennoch OT ist: Wenn jemand einfach irgendein neues Thema einwirft, obwohl gar kein Bezug zur Diskussion besteht oder eine komplett neue Richtung eingeschlagen wird (im echten Leben wird doch auch keiner auf die Idee kommen und auf das Thema "Autos" wechseln, weil sich gerade darüber unterhalten wurde, dass jemand zu der Nierenoperation (dem eigentlichen Thema des Gespräches) mit dem Auto und nicht mit dem Bus gefahren ist). Ich hoffe, es wurde verstanden, was ich meine.

    So, mache ich mal den Anfang:
    Lesen die Philosophen (hat IMHO nichts mit damit zu tun, ob man Philosophie studiert hat, oder nicht, sondern vielmehr damit, ob man sich Gedanken macht, warum die Welt ist wie sie ist) dieses Forums Bücher von großen Philosophen? Ich persönlich sehe das ganze sehr zwiespältig: Zum einen kann es die eigene Sichtweise sehr einschränken, wenn man sich zu sehr von den Gedanken andere leiten lässt (um es mal mit Sophies Welt auszudrücken: Man rutscht eher wieder tiefer in das Fell des Kaninchens, anstatt dort herauszuklettern), zum anderen kann es auch sehr interessant sein, einfach über ein bestimmtes Thema mal die Sichtweise eines anderen zu erfahren (ich würde gerne mal das Buch über "Nichts" lesen, das Buch, welches mal eben 700 Seiten über nichts (bzw. die Bedeutung von Nichts) hat, das Buch). So whatabout you?
     
  2. loeffel

    loeffel Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.01.06   #2
    Es gab/gibt Phasen in meinem Leben, in denen ich darüber nachdenke, dass wir uns als Lebewesen, wenn auch ziemlich hoch entwickelt (tja, wer sagt das? <--- neuer Ansatz), in einem einzigen Paradigma befinden...wir glauben Sachen entdeckt zu haben, Gesetze aufgestellt zu haben, von denen keiner Beweisen kann, dass sie wirklich richtig sind. Laut unserem heutigen Stand is die Erde nuneinmal kugelförmig...aber Beweisen KANN man es nicht. Auch Bilder aus dem All sind für mich kein Beweis, denn es kann genausogut visuelle Verzerrungen geben (warum auch immer? :D ).
    Außerdem, wer sagt mir, dass ich wirklich lebe?
    Von was werde ich gesteuert, um weiterzuleben? (ja, toll der Überlebensinstinkt, aber warum gibt es ihn? Warum sollte ich weiterleben?)

    UND DER HAMMER:

    DER SINN DES LEBENS?

    Nehmt mich bitte nicht allzu ernst und macht euch keine Sorgen um mich, ich bin weder suizidgefährdet noch bescheuert.
     
  3. Paulchen Panther

    Paulchen Panther Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.01.06   #3
    Der Sinn des Lebens ist es, dem Leben einen Sinn zu geben. Ganz einfach. :great:
     
  4. Enza

    Enza Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 19.01.06   #4
    Wir alle müssen Lebenserfahrungen gemacht haben. Jeder für sich und alle miteinander. Wir Menschen haben etwas ganz tolles entwickelt, nämlich die Sprache. Damit sind unsere Erfahrungen so zu vermitteln, dass andere davor bewahrt werden können, fatale Fehler zu machen. Ja und unser Gesang ist dann noch eine Stufe höher zu bewerten, denn mit dem Singen berühren wir auch das in uns Menschen (und auch manchen Tieren), was wir nicht mehr logisch erklären können.

    Danke, dass ich das hier mal loswerden durfte.

    :)
     
  5. Chaos Keeper

    Chaos Keeper Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 19.01.06   #5
    Oder (wie Platon schon vor Jahrtausenden sagte): Der Sinn des Lebens liegt im Leben/leben selbst (keine Ahnung, ob groß oder klein, hat ja zwei Unterschiedliche Bedeutungen). Aber der Thread funktioniert ja schon von Anfang an nicht. Irgendwie entwickelt er sich in die Richtung "jeder schreibt seine Philosophie nieder". Eigentlich sollte er jedoch eine philosophische Diskussion werden. Nur wird hier bis jetzt nicht wirklich gegenseitig auf die Posts eingegangen. :o

    So, auf ein neues: Versuchen wir mal, dass sich ein Gespräch entwickelt. Ich denke, der Sinn des Lebens ist zum einen zu Klischeehaft für den Anfang einer philosophischen Diskussion (dann doch eher Platons Höhlengleichnis) und zum anderen dann doch zu harter Tobak gleich für den Anfang. Deswegen würde ich sagen, fangen wir noch einmal gaaanz vorne (im Thread natürlich) an:

    Philosophische Bücher: Ja oder Nein? Meine Meinung schrieb ich ja bereits im ersten Post.
     
  6. Der-4-Gesaitete

    Der-4-Gesaitete Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.01.06   #6
    Philosophische Bücher.....

    Im Endeffekt bin ich der selben Meinung wie du,
    Es kann interessant sein mal die Denkweise eines anderen darüber zuhören,
    nur man sollte seine Meinung und die des anderen trennen können.
    D.h. nur weil jener etwas sagt, heißt es nicht dass es auch deiner Überzeugung angehören muss....

    Ich glaube,man sollte solche Bücher nicht als Unterhaltungsliteratur verwenden, sondern kritsch, nach dem Motto : Stimmt das ? Kann man das so sehen ? Ist dies sinnvoll ?

    MfG Tommi
     
  7. Chaos Keeper

    Chaos Keeper Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 19.01.06   #7
    Stimmt wohl. Man muss halt darauf achten, dass man sich nicht allzu sehr von der Literatur beeinflussen lässt.
     
  8. Ray

    Ray Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 19.01.06   #8
    Sekundärliteratur immer. Primärliteratur in Auswahl. Mit nem Heidegger-Werk anzufangen, wird wenig bringen. Und ob einem Kants Kritik der ästhetischen Urteilskraft sofort zusagt...well, don't know.

    Das Problem ist, dass einem dazu meist die Grundlagen fehlen.

    Ich hab mal versucht, arabische Philosophen zu lesen. Da war ein Werk drunter, da musste ich die erste Seite bereits 20 mal lesen, um halbwegs zu verstehen, worums geht. Und was dann über die verschiedenen Stufen des Seins auf den nächsten Seiten folgte, klang für mich nach

    a: ich bin viel zu doof, um überhaupt ansatzweise zu verstehen, was das soll
    b: der Typ hat ein Rad ab :)


    Man ist schnell geneigt, b zu favorisieren. Wenn man dann aber mehr über den Verfasser erfährt und mitbekommt, dass der auf anderen Gebieten (Mathe, Physik, Medizin usw) absolut top ist, dann fragt man sich: hm, wenn der da so schlau ist, isser das bei dem Philosophie-Werk vielleicht auch, also liegts wohl an mir, dass ich nix peil. Und wechselt zu a.

    In den meisten Fällen klebe ich irgendwo zwischen a und b :)

    Plato war ohne Zweifel ein schlauer Typ, aber seine idealistische Staatsphilosophie halte ich trotzdem für daneben. Die größten Diktatoren der Welt könnten sich auf Platos Philosophenkönige berufen....
     
  9. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 19.01.06   #9
    Naja, ich würde mich nicht als Philosophin bezeichnen, hab' das eben auch nicht studiert (gut, man bekommt das Überlebenswichtigste an Wissenschaftstheorie schon mit...). Man bekommt natürlich ein bißchen was ab, wenn man Griechisch lernt, und mit Platon kann ich bis heute eigentlich von den "Großen" am meisten anfangen. Meine Adoptivmutter hat das als Nebenfach studiert (Kant-Hegel-Marx bei Eley :)). Am meisten gelernt habe ich bei allerdings bei Feldforschungen. Da sitzt man im Zelt und es ist nichts mit Indianerromantik, sondern es geht zu wie in der Akademía bzw. beim Eley (allerdings ohne Umtrunk nach dem Oberseminar...).

    Mit der Gefahr habe ich nicht so sehr zu kämpfen, weil ich nicht so "führungsfähig" :p bin :cool: Schon wenn man nur erstmal ein paar Sachen gelesen hat, deren Autoren nicht einhellig einer Meinung sind, ist man ja schon gezwungen, selber nachzudenken...
     
  10. Chaos Keeper

    Chaos Keeper Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 19.01.06   #10
    Ich kenne von Platon leider nur sehr wenig (aus Sophies Welt und einige bekannte Sprüche von ihm), das wenige hat mir doch sehr zugesagt. Naja, er war halt seiner Zeit in vielerlei Hinsicht deutlich vorraus, aber (in Bezug auf das die Staatsphilosophie) was einmal Fortschritt ist, ist später Gegenwart und noch später Rückschritt. Die nationalistische Idee war ja auch mal eine fortschrittliche (geradezu liberale) Denkweise, allerdings ist diese dann doch ganz schön aus dem Ruder gelaufen (hätte das damals jemand ahnen können? Man weiß es nicht) und heutzutage ist sie alles andere als Fortschritt. Wer weiß, wie wir darüber denken würden, wenn wir zu seiner Zeit gelebt hätten?

    @Heike: Ich denke nicht, dass Philosophie etwas mit studieren etc. zu tun hat, keinesfalls! Philosohpie ist meiner Meinung nach die Fähigkeit, selbstständig zu denken, zu hinterfragen und ein eigenes Weltbild zu schaffen und das von sich aus, ohne dass man dazu bewegt wird.
    So habe ich mir zum Beispiel schon in der Grundschule (zumindest so ab Ende dritter Klasse) abends beim Einschlafen Gedanken über die Möglichkeiten der Endlich-/Unendlichkeit des Universums und der Zeit gemacht. Ich habe schon vorher über Dinge nachgedacht, über die sich andere Kinder keine Gedanken gemacht hätten. Leider sind dafür viele andere Sachen zu kurz gekommen. Auf viele wirke ich deswegen auch "verträumt" usw.
    Mein erstes (und bisher einziges, na ok, ich habe ein anderes Buch angefangen, aber wieder sehr schnell aufgehört) philosophisches Buch, welches ich las, war "Sophies Welt" in der siebten Klasse (nicht mit der Klasse, sondern alleine zu Hause latürnich). Ich habe meine Denkweise insofern auch nicht aufgrund des Gedanken "Ich will philosophieren" erstellt, sondern sie ist einfach entstanden.

    Ich würde auch nicht sagen, dass ich mich von Büchern beeinflussen lasse, kenne aber genug "philosophische" Personen, bei denen dass der Fall ist (wobei man sich in dem Fall fragen darf, ob sie wirklich philosophisch sind).

    Noch etwas: Bevor hier jemand etwas falsches denkt: Ich finde nicht, dass ein Philosoph ein besonderer (besserer) Mensch ist. Ich denke eher, dass er einfach nur den Fluch und Segen in sich trägt, selbstständig zu denken, Dinge zu hinterfragen.
     
  11. Ray

    Ray Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 19.01.06   #11
    In Punkto Staatsphilosophie ist mir das zu idealistisch und zu wenig realistisch. Da gefällt mir Aristoteles einfach besser.

    Klar ist Idealismus ne schöne Sache, gelegentlich ist man seiner Welt auch voraus. Plato hat angedeutet, dass ne Frau an der Staatsspitze durchaus möglich ist. Für Aristoteles, der nach damaligem bilogischem und medizinischem (=empirischem) Wissen davon ausging, dass der Mann der Träger der wichtigen Informationen ist (und die Frau nur der Ausbrüter), stand sowas nicht auf der Tagesordnung.

    Aber politisch.......ist mir ein Realismus lieber als undurchführbarer Idealismus, der zudem noch sehr leicht missbraucht werden kann.

    Platos "Staat" ist nett, liest sich sogar recht vergnüglich, diese Dialog-Schreibweise hat was für sich.......aber imho geht das an der Realität vorbei. Plato geht davon aus, dass alle so schlau und verständig sind wie er und Sokrates :)

    Aristoteles' "Politik" und "Nikomachische Ethik" dagegen sind knallhart realistisch und gehen nicht von Soll-Werten, sondern erst mal von Ist-Werten aus. Und obwohl seine Idealvorstellungen auch genannt werden, verwirft er die im bekanntesten Kapitel der Nikomachischen Ethik wieder und präsentiert als Quintessenz eine Mischform aus zwei eigentlich schlechten Staatsformen, die sich allerdings gegenseitig im Zaume halten können.

    Man kann das Pferd nicht vom Schwanz aufzäumen. Mag etwas in der Theorie noch so schön klingen, es muss auch real durchsetzbar sein.

    Ist jetzt nur ein Beispiel von mehreren, würde auch zweit führen, sowas hier zu erörtern.
     
  12. scabdooBA

    scabdooBA Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.01.06   #12
    Ich lerne meine Grundkenntnisse in der "philosophie" (also die theorien der bakanntesten philosphen) im Ethik-unterricht. darüber bin ich auch sehr dankbar und glücklich und weis es leider erst viel zu spät zu schätzen wie toll eigentlich die schule ist.

    Im meinem Sinne richtige Philosophische ansätze praktizier ich aber nur in langen Diskusionen mit ausgewählten freunde (die auch diskutieren können und auch mal nachgeben usw..) oder mit mir selbst.

    Muss man Philosophie erst studieren um es zu praktizieren,zu verstehen oder man sich Philosoph nennen darf? (oder Bücher darüber lesen)?

    meine antwort:
    nein

    Man muss vielleicht Philosophie studieren bzw Bücher lesen um komplett nachvollziehen zu können was frühere Philosophen ausdrücken wollten, aber was man selber denkt kommt immer noch von dir selbst aus und ist nicht in irgendwelchen Büchern zu finden.

    allgemein finde ich es sehr wichtig, dass sich der Mensch gedanken über seine Existenz usw..... (wieviel tage und nächte hab ich wohl schon damit verbracht....) gedanken macht und mir kommt es so vor als würde es der großteil eben nicht tun :(
     
  13. Chaos Keeper

    Chaos Keeper Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 19.01.06   #13
    @Ray: Danke für die Info. Ich wusste wie gesagt nicht, wie sein Staatsbild aussah. OK, das ist echt etwas idealistisch. Außerdem müsste dann ja irgendwann die Hälfte des Volkes durch den Stierlingsbecher sterben (ok, der war schlecht). Klingt auch für mich einfach utopisch. Ich denke, ich muss beides einmal lesen.
     
  14. Ray

    Ray Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 19.01.06   #14
    Muddu mal lesen. Liest sich wie Karly May. Ersetze "ich" duch "Kara ben nemsi" und "Glaukon" durch "Hadschi Halef Omar" :D


    "Nun ist unser Staat gegründet, Sohn des Ariston!" sprach ich. "Und jetzt schau ein mal in diesem Staat - nimm aber hinreichend Licht mit und ruf deinen Bruder und Polemarchos und die andern dazu - und schau, ob wir irgendwo die Gerechtigkeit finden und wo die Ungerechtigkeit ist, und wodurch sie sich unterscheiden und welche von beiden man zum Glück braucht, gleich ob man nun damit verborgen bleibt vor Göttern und Menschen oder nicht!"

    "Oho!" warf Glaukon ein. "Du, du selbst versprachst doch nachzuforschen; denn es sei nicht pflichtgemäß, der Gerechtigkeit nicht in jeder Weise nach Kräften zu helfen."

    "Sehr recht, daß du mich erinnerst! Also muß ich danach handeln, aber ihr müßt mit zugreifen."

    "Gut, so wollen wir es halten!"

    "Hoffentlich finden wir es. Beginnen wir so: Unser Staat ist, wenn er nur richtig gegründet ist, vollendet gut."

    "Notwendig!"

    "Somit auch weise, tapfer, besonnen und gerecht."

    "Klar!"

    "Welche von diesen Eigenschaften wir auch in ihm finden, das was wir noch nicht gefunden haben, ist notwendigerweise dennoch mitgegeben."

    "Natürlich!"

    "Das ist wie bei vier anderen Dingen. Hätten wir davon irgendworin eines gesucht und es als erstes erkannt, wären wir damit zufrieden; erkennten wir aber zuerst die drei andern, wäre dadurch schon das Gesuchte erkannt. Es wäre in diesem Falle offenbar mit dem anderen gegeben!"

    "Ganz recht!"

    "Also können wir in gleicher Weise bei unseren Eigenschaften vorgehen, da sie vier sind."

    "Klar!"

    "Als erstes erkennt man im Staate die Weisheit; dabei zeigt sich etwas Sonderbares!"

    "Was denn?"

    "Weise scheint mir in der Tat unser geschilderter Staat zu sein, weil er wohlberaten ist, nicht?"

    "Ja!"

    "Und gerade dies, die Wohlberatenheit, ist doch irgendein Wissen; denn nicht auf Grund einer Unwissenheit, sondern auf Grund eines Wissens ist man wohlberaten."

    "Klar!"

    "Nun gibt es doch viele und verschiedene Wissensgebiete im Staat."

    "Wie auch nicht!"

    usw.
     
  15. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 19.01.06   #15
    Das erinnert mich an sehr unerfreuliche Diskurse mit Politikern. Da hat man noch nichtmal einen Sachverhalt dargestellt, geschweige analysiert und schon gar nicht wünschenswertere Alternativen unterbreitet, da wird man bei jedem 3. Wort mit dem Totschlagargument unterbrochen: "Das ist nicht mehrheitsfähig!". Und sowas bringen auch welche, die eine angebliche politische Alternative anbieten wollen :screwy:

    Daß es fehlgeleitete Despoten gab, dürfte auch Platon nicht entgangen sein. Aber wenn ich mir solche Politiker ankucke, die bestenfalls "Experten für das Allgemeine" (Blüm) sind, und ansonsten "&#927;&#7985; &#960;&#955;&#949;&#8150;&#963;&#964;&#959;&#953;&#957; &#7940;&#977;&#961;&#969;&#960;&#959;&#953; &#954;&#945;&#954;&#959;&#943;" allzu fleißbesessen bestätigen müssen, dann halte ich auch Philosophenkönige für vertretbarer...
     
  16. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Der Sinn des Lebens ist 42.

    Und immer ein Handtuch dabei haben! :cool:

    Für alle Anhalter durch die Galaxis,

    x-Riff ;)
     
  17. Ray

    Ray Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    :D

    Da gibts ja auch noch was dazwischen...

    Leider ist nur einer von 1000 Königen Philosoph, aber die 999 anderen halten sich auch dafür und meinen, als einzige das richtige für die "pöbelnde Mehrheit" zu wissen ;)
     
  18. Abyss

    Abyss Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.01.06   #18
    Ja, ja Sophies Welt. :D
    Ist zwar schön, mehr aber nicht.
    Als ich angefangen mir über das Wort Philosophie die Stirn zu runzeln,
    hatte ich schon einen Datenbank von Platon bis Nietzsche.
    Nach dem Vorschlag meines Lehrers, könnte man mit Sokrates, Platon, Aristoteles einen guten Anfang starten. *GÄHN*
    Hab dann also mit Nietzsche angefangen. Ich war begeistert
    also schockiert, genau das habe ich genau so gedacht.
    Dann hab ich beim zurückrudern festgestellt und festgenagelt dass das Gedankengut (Habseligkeit) der Philosophen überall irgendwo fest verankert ist; bestes Beispiel
    das Wörterbuch. Ich musste weiter entrüstet festellen ich habe alles geklaut.

    "Erkennen" ist die Bekämpfung eines Gefühls von etwas Neuem. Nietzsche
     
  19. Cornholio

    Cornholio Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.01.06   #19
    Gähnende Leere in den Köpfen meiner Philosophiemitschülern, und dennoch bessere Noten. :screwy:
    Der Beste von ihnen ist Zeuge! Manchmal frag ich mich wie man so unbekümmert durchs Leben gehen kann...
    Ja, was für Philosophen einst revolutionär, ist heute wohl so Allgemeingut und aufgegangen in der Kultur,
    dass ich mich andauernd wiederholt lese, was ich als mein Gedankengut annahm...:)
     
  20. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 19.01.06   #20
    :rolleyes:
    Also jetzt doch mal ein bißchen ernsthafter als 42 und mehr zu Deiner Frage:
    In der Oberstufe hatten wir Philosophieunterricht, wo wir Quellen gelesen haben. Hegel, Kant, Marx. Später habe ich mich u.a. mit Heidegger beschäftigt, dann viel mit Marx, Horkheimer, Habermas. Meine Erfahrung ist, dass da kaum alleine durchzukommen ist. Denn die entwickeln ein eigenes Welt-System mit eigenen Begriffen und außerdem sind das meist mehrere dicke Werke. Wenn Du sowas machen willst, mach das eher mit einer Gruppe zusammen (Volkshochschule, Uni, oder private Zirkel, die sich gemeinsam ein Buch reinschaffen und darüber diskutieren). Gerade die Diskussion ist sehr wichtig wie auch die Anwesenheit von einem, der einen größeren Überblick hat, Fragen sachgerecht beantworten und Anregungen geben kann.
    Der Aufwand ist recht groß, aber die Beschäftigung damit ist intensiv und bringt sehr viel. Allerdings wirst Du Dir auf diese Weise keinen großen Überblick verschaffen können.
    Der zweite Weg - den ich auch beschritten habe - ist für den Anfang sehr geeignet, besonders, wenn man sich erst mal einen Überblick verschaffen will. Es gibt ein sehr schönes Buch (zwei Bände), das wenn ich mich recht erinnere "Kleine Geschichte der Philosophie" heißt. Da sind die wesentlichen Ansätze, Fragen und Arten der Philosophie zusammengefaßt. Das ist auch so geschrieben, dass es ein Mensch ohne große Vorstudien und Kenntnisse versteht. Wenn Du es chronologisch liest, bekommst Du die Entwicklung von Philosophien mit. Du bekommst ebenfalls grundsätzlich unterschiedliche Arten von Philosophie mit (Mystik, Ethik, Erkenntnistheorie, Rationalisimus, Empirie etc.) und auch Unterschiede der Kulturkreise (westlich -östlich, abendländisch, indisch, chinesisch, Naturreligionen). Du kannst es auch selektiv lesen: in der Einführung der jeweiligen Kapitel merkst Du rasch, was Dich daran interessiert bzw. ob´s Dich überhaupt interessiert, wie sich irgendwelche Menschen irgendwann irgendwas zurecht gelegt haben.
    Das hat den Vorteil, dass Du schnell merken wirst, was Dich an Philosopie (Fragen, Themen) interessiert und was nicht. Zusätzlich schützt es am ehesten davor, sich gerade einer bestimmten Philosopie "auszuliefern", da man merkt, es ist nur eine unter vielen. Es gibt nicht nur eine Frage und nicht nur eine Antwort. Sondern eine Vielfalt gleichberechtigter Ansätze. Von da aus kannst Du Dich dann mit dem beschäftigen, was Dich am meisten beschäftigt und Dir am meisten sagt oder bringt.
    Der dritte Weg - den ich auch gegangen bin - ist sozusagen für Quereinsteiger sehr geeignet. Das ist das Lesen von Autoren, die eine Philosophie haben, sie aber eher in einer literarischen Form ausdrücken. Da liegt zum Beispiel Sartre nahe (Romane, Dramen) oder Camus (Die Pest oder ein Buch, das ich sehr liebe: Der Fremde). Auch ein Liebling von mir ist Stanislav Lem (Philosoph, Naturwissenschaftler, Schriftsteller). Tipp von mir: "Der futurologische Kongreß". Ist im Prinzip das Höhlengleichnis (also eine der Kernfragen der Philosophie: Was können wir mit unseren Sinnen von der Welt erkennen? Ist sie so, wie wir sie wahrnehmen und uns vorstellen oder kann sie ganz anders sein und gibt es eine Möglichkeit, das herauszufinden? Also: Erkenntnistheorie). Das ganze aber in Romanform, ausgespochen witzig und sehr tief gleichzeitig. Auch ein Buch über die Manipulation von Wirklichkeit. Einer ähnlichen Frage stellt sich übrigens auch Matrix - wenn man es nicht nur einfach als action-Film sieht. Es gibt weitere, die mir jetzt aber nicht spontan einfallen. Der Vorteil dabei ist, dass Du - wenn Du reflektiert darüber nachdenkst und möglichst auch darüber diskutierst - anfängst zu philosophieren - eben über das / Dein Leben nachzudenken. Der mögliche Nachteil ist, dass Du nicht - in einem eher klassischen Sinne - geschult wirst, zu philosophieren, sondern es eher betreibst.
    :rolleyes:
    What´s the meaning of it all?
    Ich denke, das wichgtigste ist, dass Du für Dich klärst: Warum will ich Philosophie betreiben? Was möchte ich davon lernen?
    Also die einfache Frage: Wozu ? (Deren Antwort aber oft recht komplex ausfallen kann.)
    Dann kommst Du am ehesten darauf, welche der Wege für Dich jetzt am geeignetsten sind. :)

    Zum Schluß mal eine kleine erkenntnistheoretische Nuß:
    Ein Kreter sagt: alle Kreter lügen.
    Kann man feststellen, ob die Aussage stimmt? Und stimmt sie oder nicht?

    Greetings,
    x-Riff :cool: