Die EU-Verfassung

von FloVanFlowsen, 23.01.07.

  1. FloVanFlowsen

    FloVanFlowsen Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.01.07   #1
    Hallo zusammen.

    Mich würde generell mal interessieren, wie ihr zu der anstehenden EU-Verfassung steht. Hauptaugenmerk wird ja darauf gerichtet, dass der EU-Komission etwas weniger Souveränität zugesprochen wird, indem man dem EU-Parlament wiederum etwas mehr Kraft zuspricht, als den Job des "Nickesels", der ja sogut wie keinen Einfluss auf Eu-Gesetzgebung hat. Was ich ehrlichgesagt ziemlich kritisieren muss, da dieses Gremium ja das Einzige ist, welches wir wählen können und auf der anderen Seite die EU-Gesetze mehr Auswirkungen auf die einzelnen Länder haben, als wohl oft angenommen.
    Wenn nun allerdings sozusagen ein EU-Präsident gewählt werden soll (meines Wissens nach auch ein Plan der Verfassung? Ich bin mir nicht sicher, Angaben ohne Gewähr :D aber wenns so wäre, dann wäre ja Deutschland auch nur noch ein "Bundesland" in Europa. Da kann man sich ja garnichtmehr wirklich als Deutscher fühlen! Ich weiß nicht, aber die Art von Globalisierung muss ja wohl auch nicht wirklich sein oder?

    Mich würde generell einfach mal interessieren, wie ihr das ganze beurteilt. Inwiefern es euch und euer leben und auch euer nationalgefühl beeinflussen könnte. Und was für Chancen sich natürlich öffnen. Ne schöne Diskussionsrunde wäre nicht schlecht.

    Gruß, Zildi
     
  2. alibeye

    alibeye Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.01.07   #2
    wieso? ein bayer fühlt sich in deutschland doch auch als bayer...
    garnicht, hab nämlich keins ;)
     
  3. Eikinskjaldi

    Eikinskjaldi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.01.07   #3
    Mein Nationalgefühl ist seit der Koalitionsbildung in Österreich auch endgültig verschwunden... Aber ich bin eigentlich strikt gegen die EU in ihrer jetzigen und vermutlich auch zukünftigen Form. Wie konnte ein Wirtschaftsbündnis nur so aus dem Ruder laufen?
    Es blickt sowieso kein Normalbürger in der EU durch, also wen ich für was wähle, was der bewirken kann. Ich hab da eher das Gefühl, dass die Demokratie beschnitten wird. Es ist ja schon schlimm genug, wie "undemokratisch" unsere Länder allgemein sind (da die Macht nur Leute haben, die wir gewählt haben, die dann im Endeffekt das Gegenteil von ihren Wahlversprechen tun). Ich hab irgendwie Angst, dass das auf EU Ebene noch schlimmer wird, dass regionale Probleme immer unbedeutender werden (was interessiert einen französischen EU Politiker die Situation in einem bestimmten Teil von zB Österreich?).
     
  4. Errraddicator

    Errraddicator Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.01.07   #4
    Dieser ganze EU-Wahn geht mir total auf den Keks.
    Die Angleichung der ganzen Länder geht (naturgemäß) auf Kosten der Starken (uns z.B.) und nützt eigentlich nur den Schwachen (den Ostländern z.B.).

    Sowas wie Handelszonen oder sowas, das wäre sehr sinnvoll, aber alles was darüber hinaus geht (und das in Ländern die unterschiedliche Sprachen sprechen und z.T. sehr unterschiedliche Kulturen und Situationen haben) ist für mich total weltfremd und ideologisch verblendet...

    Man kann in meinen Augen nich zusammenschließen was nich zusammengehört - sag ich ma etwas drastisch ausgedrückt.
    Sowas muss Schrittweise passieren und nich von jetzt auf gleich und übers Knie gebrochen werden (was in den letzten Jahren aber passiert).
     
  5. Booster

    Booster Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.01.07   #5
    Die EU hat ja gar nicht das Ziel eines reinen Wirtschaftsbündnisses. Aus diesem ist es hervorgegangen, aber das aktuelle Ziel ist ein vereinigtes starkes Europa zu bilden und einen wirkungsvollen Gegenpol zu anderen Großstaaten wie den USA oder China zu bilden und so Wirtschaftlich wie aber auch Politisch ( z. B. im Zuge der UN) ein Mitspracherecht zu haben. Das wäre für Einzelstaaten einfach deutlich schwerer. Aber als Bündnis ist es doch so, dass wir genausoviel wirtschaftliche Macht aufbringen können.
    In weit ein solches Ziel erreichbar ist oder nicht, dass lass ich mal dahingestellt.
    Zu dem Vergleich als Bundesland: Es ist schon ein wenig so, dass sowas passieren wird, aber ich denke trotzdem, dass man seine Herkunft bzw. Nationalgefühl nicht verlieren muss. Wer er verliert, wird vermutlich vorher schon kein ausgeprägtes Nationalgefühl gehabt haben. Wie mein Vorredner ja schon sagte, kann sich ein Bayer auch als Deutscher und als Bayer fühlen....ich für meinen Teil bin auch Rheinländer und Deutscher. Ich muss ja für den Terminus " Europäer" jetzt nicht das Riesennationalgefühl entwickeln. Aber ich kann es bewusst sehen. Ich bleibe Deutscher, auch wenn die EU einen Teil meiner Interessen vertritt.
    Zur Verfassung: Erst mal gucken ob sie diesmal angenommen wird. Ich denke in der EU - Verfassung sind einige sinnvolle Dinge (wie Machtverteilung, Bügerbegehren etc.) eingebaut, die eine Union sicher stärken bzw. sinnvoller machen würden. Ich habe mich im letzten Schulhalbjahr ausführlich in Rechtskunde mit der EU und auch mit der Verfassung auseinandergesetzt und denke das die Institution EU und auch die Verfassung auf jeden Fall ganz sinnvoll ist. Allerdings ist es utopisch zu denken, dass sich das mal eben umsetzen lassen wird. Das wird noch ein weiter Weg, bis die EU das Ziel erreicht hat und die Aufgaben die sie erfüllen will auch 100%ig ausüben kann.


    mfg Booster
     
  6. Errraddicator

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    Erstellt: 24.01.07   #6
    Die Idee is ja auch gar nich ma verkehrt...
    Nur kann man sowas nich von Heute auf Morgen erzwingen sondern sowas muss ich entwickeln.
    Und das geht halt nich in 20 Jahren...
     
  7. De-loused

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    Erstellt: 24.01.07   #7
    Nein, kein EU-Präsident, höchstens ein Außenminister.
    Die Chance ist die das dieses peinlich beschränkte Denken aufhört und die Menschheit an sich und nicht das Wohl "seines" Nationalstaats betrachtet wird.
    Eine Weiterentwicklung der EU währe dabei natürlich nur ein kleiner Schritt, aber das "Nationalgefühl" gibt es heute sowieso nur noch bei einer WM oder wenns der eigenen Interessenlage dient und mein Interesse zufällig mit dem des deutschen Staates übereinstimmt, Schönwetterfan sagt man dazu im Fußball, sonst wird geschimpft und gemeckert über den Staat so laut es geht.
    Ja und warum werden die dann immer wieder gewählt? Die Massen woll'n betrogen sein, das wissen die Politiker.
    Ja du hast recht, es ist ein Skandal das man den anderen Ländern auch was zu essen, sauberes Wasser, Rohstoffe und sogar noch Geld übriglässt, das war doch eigentlich alles für uns gedacht!
    Die Menschheit gehört nicht zusammen? Dummerweise siehts manchmal tatsächlich so aus.........
     
  8. Errraddicator

    Errraddicator Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.01.07   #8
    Solange es nich freiwillig geschieht sondern mehr oder weniger verordnet wird, ist es in der Tat ein Skandal.
     
  9. Serge Bailmann

    Serge Bailmann Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.01.07   #9
    Wenn man sich den Wisch mal genauer ansieht, wird man zwangsläufig zu der Erkenntnis kommen, dass in der EU-Verfassung in erster Linie militärische Interessen, und somit auch die Interessen der Rüstungsindustrie, im Vordergrund stehen.
    So kann beispielsweise der Ministerrat alleine entscheiden, ob europäische Truppen zu Kampfeinsätzen in alle Welt entsendet werden. Das EU-Parlament hat da also nichts zu melden, und das, obwohl nur dieses von den Menschen gewählt werden kann, ganz im Gegensatz zum Ministerrat. Ach so, und mit der Verfassung würden sich alle Mitgliedsstaaten dazu verpflichten, aufzurüsten...
    Wenn das die Zukunft des "guten, friedlichen" Europas sein soll, dann gute Nacht.
    Ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, wie wenig in den letzten Jahren über diese Verfassung berichtet wurde? Obwohl das Inkrafttreten dieser Militärverfassung fundamentale Veränderungen mit sich bringen würde, haben sich die Mainstream-Medien absolut nicht dazu verpflichtet zumindest über deren Inhalte zu informieren. Von 80 Millionen Menschen in Deutschland könnte vermutlich nur ein Bruchteil die wichtigsten Punkte der Verfassung nennen. Und das die Verfassung von Bundestag und Bundesrat heimlich still und leise abgesegnet wurde, scheint auch niemanden zu interessieren.

    P.S. Und die Sache mit dem "Nationalgefühl" geht mir mit Verlaub am Arsch vorbei. Dieses merkwürdige Bewusstsein wird von mir nach wie vor entschieden abgelehnt. :)

    @ Errraddicator

    Welcher arme oder mit Problemen behaftete Staat würde sich schon ernsthaft gegen Hilfsmaßnahmen wehren? Also bitte.
     
  10. Pleasure Seeker

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    Erstellt: 28.01.07   #10
    Zildi-Lord, ich kann dir nicht ganz folgen, tut mir leid :D

    Europa ist seit mehr als 10 000 Jahren besiedelt und ein Mischmasch aus verschiedensten Völkern. Kaum einer weiß das Engländer genetisch Friesen sind, das die Mauren Europa und natürlich vor allem Spanien genetische und technische Dinge hinterlassen haben, das Wikinger in Russland die ersten Städte gründeten, das die Völkerwanderung quer durch Europa ging, das Franzosen Berlin aufbauten und Polen im Ruhrgebiet angesiedelt wurden.. vielleicht auch noch das ein Bayer die Bierbraukunst nach Pilsen brachte ;)

    Da passt der Begriff "sich als Deutscher fühlen wollen" nicht unbedingt. Das einzige was uns Deutsche wirklich verbindet ist die Sprache und die "Heimat Deutschland" in den heutigen Landesgrenzen, sonst nichts. Die Kultur war schon immer Gesamteuropäisch, selbst die Gesetzgebung geht vom Antiken Griechenland und Rom quer durch die späteren Königs-/Kaisertümer/Länder/Nationalstaaten. Außerdem war Deutschland nie das was uns Nationalisten gerne noch heute vorbeten. Deutschland liegt im Herzen Europas, ist alleine von der Lage her schon immer "Durchzugsgebiet" gewesen, nimmt man die jahrhundertelange Kleinstaaterei hinzu, verstärkt sich der Eindruck der unglaublichen Vielfalt nur noch. Ja ich weiß, "Deutsche" haben erfunden, von der Idee der Uni über moderne Raketentechnik, Druckmaschinen, Buchdruck bis zu Ketchup oder dem Automobil.. aber selbst diese Leistungen muss man eher im Gesamtbild betrachten, ohne unsere Lage in Europa, die vorhandenen Rohstoffe, unsere Vielfalt in der Bevölkerung auch kein rasanter wissenschaftlicher Fortschritt in allen Jahrtausenden der Besiedelung. Jedes Abkapseln heisst in der Weltgeschichte immer stagnation im Fortschritt und das kann man Deutschland, bis auf die unrühmlichen Ausnahmen im letzten Jahrhundert nicht vorwerfen.

    BTW: Das Nationalgefühl halte ich in der Form wie es einige unserer Politiker gerne hätten, auch bei der WM letztes Jahr für "herbeigeredet", um die dreckigsten Steuererhöhungen seit Jahrzehnten nur wenig beachtet schnell durchziehen zu können. Jeder schwenkte die Fahne für die dt. Multikulti-Fußballmannschaft und nicht aus stolz für irgend etwas anderes, vor allem nicht für die Politik.


    Jetzt zur EU Verfassung, tja die wurde, wie die EU generell von der Politik und den Medien eher "ausgeblendet". Ich nehme an kaum ein normaler Bürger in unserem Land weiss überhaupt was da genau drinsteht, ich würde sogar soweit gehen das es einem noch nicht einmal die Damen&Herren in Berlin im Bundestag genau erklären könnten. Schlimm an der Verfassung finde ich nur eines: Wir wurden nicht gefragt, uns wurde nichts erklärt wir wurden von der eigenen Politik bei der Zustimmung übergangen. So stärkt man den EU Verdruss, in anderen Ländern wurde die EU Verfassungsabstimmung als Denkzettelwahl für die amtierenden Regierungen mißbraucht, genauso falsch.

    Die EU sehe ich mit gemischten Gefühlen, vieles hat Vorteile, endlich merkt man mal fast täglich wie dt. Politik von Lobbyisten gemacht wird (was in anderen EU Ländern oftmals so nicht der Fall ist: ich nenne mal die Tabak und Automobilindustrie als Beispiel). Andererseits ist der Aspekt mit dem Militär ein irrwitziger Punkt, der Kongoeinsatz der BW ist so ein Beispiel wie man mit Militär und sogar UN Absegnung EU-Rohstoffinteressen nachgehen kann.

    Dennoch, wir brauchen auch mal einen Sinneswandel, in den Medien und in der Innenpolitik, die EU ist nicht so ein Spaßhaufen der nur Geld kostet und schwachsinnige Gesetze erläßt und obendrein noch andauernd ärmere Länder hinter dem ehem. Eisernen Vorhang okupiert. Die EU ist, wenn sie richtig funktionieren würde, eigentlich wichtiger wie unsere Bundesregierung, die sich aber auch gekonnt darin versteht das anders herum darzustellen.
    Lustig ist in den letzten Jahren vor allem wie dt. Politiker immer gerne gegen die EU Medienwirksam wettern, um ein paar Monate später dennoch leise und still einzuknicken.
    Abgesehen vom Militärkram, von dem herzlich wenig durch die Medien rieselt ist es aber immer wieder kennzeichnend das viele EU Gesetze und Verordnungen durchaus einen Nutzen für Normalbürger haben, vorbei an der Industrie, vorbei an den Lobbyisten. Beispiele gibt es viele, Feinstaub und Rauchverbote.. Aber solange die innerdeutsche Politik da gerne zugunsten einiger Großunternehmen Sabotage betreibt macht das alles auch nicht viel Sinn.
     
  11. FloVanFlowsen

    FloVanFlowsen Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.01.07   #11
    @Pleasure Seeker:
    Aufgrund der Evolution bist du und ich auch mit der Ameise, die gerade an unserm Haus vorbeikrabbelt, verwandt. Und dass sich europäische Kultur, Sitten und Gencodes verbreitet und vermischt haben ist auch klar. Dennoch hätte dich ein erzkonservativer Deutscher erschlagen, wenn du ihm in den 30ern gesagt hättest: "Du unterscheidest dich übrigens nicht wirklich von einem Franzosen."

    Was ich damit sagen will: Es geht nicht um die Wurzeln vor 10.000 Jahren. Wenn ich mir deinen Beitrag durchlese, steht da viel Wahres drinnen. Leider beziehst du dich auch sehr stark entweder auf die Gegenwart oder auf die Zeit vor 10.000 Jahren. Kultur und Nationalgefühl entwickeln sich über die Jahre und entstehen nicht zu einem Zeitpunkt und bleiben dann unverändert ;)
    Daher versuch ich an dem Punkt auf das Nationalgefühl überzugehen. Niemand redet hier von dem Nationalgefühl durch irgendeine Fußball-Weltmeisterschaft. Das hab zumindest ich nicht so gemein. Mir ging es hier eher um die Degradierung der einzelnen Länder/Bundesländer. Jeder fühlt sich irgendwo als Europäer. Doch ein 80-Jähriger Ur-Bayer wird sich glaub ich weniger als Europäer fühlen als wie somancher weltoffener anderer. Die Menschen sind verschieden, weshalb ich auch die einzelnen Meinungen bzgl. des Nationalgefühls wissen wollte. In dem Punkt tickt eben jeder anders, was auch gut so ist, denn ansonsten wäre die Diskussion sinnlos.

    Ich hoffe, dass du nun verstehst was ich gemein habe :D
     
  12. James-R.

    James-R. Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.01.07   #12
    Zum Punkt mit dem Nationalgefuehl ich bin geschichtlich sehr bewandert, wenn ich das mal so sagen darf (geschichte 4-stündig); ein deutsches Nationalgefühl hat sich das erste mal anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt, Napoleon ist in deutschland eingefallen und gemeinsam haben die "Deutschen", was damals ein absolut nebeliger Begriff war, wahrscheinlich sogar noch nebliger als heute die "Europäer", Napoleon vertrieben. Es hat dann noch ungefähr 80 Jahre gedauert , bis ein wirklich starkes deutsches Nationalgefühl in Deutschland vorhanden war. 80 Jahre ist hoch gegriffen, wenn man eine eher niedrige Zahl nimmt dann wären es 50. Nach 80 Jahren war jedenfalls ein Nationalgefühl vorhanden das man heute fast schon wieder als ungesund bezeichnen würde, es war die Zeit des wilhelminischer Kaiserreichs, Protz und Militarismus bestimmten das Land.
    Wenn man heute mit damals vergleicht wird es schwierig, mit Frankreich haben wir Deutschen schon seit ungefähr 1950 Zeit ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln. Wenn man mich fragt ob ich mich mit Frankreich verbunden fühle dann antworte ich mit ja. Deutsch-französische Sender wie Arte zeigen für mich das es nicht nur mir so geht. ICh denke mit den Staaten des westlichen Europa ein zusammengehörigkeitsgefühl bereits entwickelt zu haben ist nicht schwer. Wenn man jetzt aber an die Staaten östlich von Deutschland denkt, Staaten mit denen wir viele Jahre durch den eisernen Vorhang getrennt waren, dann sieht die Sache ganz anders, der Sozialismus des Warschauer Pakts hat die Mentalität der Menschen genauso geprägt wie es der Kapitalismus der Nato-Staaten getan hat.
    Der Fall des eisernen Vorhangs ist gerade mal 18 Jahre her, das ist nichts, wenn es darum geht freundschaft zwischen den Staaten zu entwickeln, traurig aber wahr.

    Trotzdem wenn man mich fragen würde ob ich die EU-Verfassung will würde ich aber trotzdem ohne zu zögern mit Ja antworten, die EU garantiert Frieden für viele Jahre in Europa, etwas wertvolleres gibt es meiner Meinung nach nicht. Und es geht noch weiter wenn die EU stabil ist dann hat das meiner Meinung nach auf Dauer sogar positiv Auswirkungen auf die Staaten die nur in der Nähe der EU liegen. Denn es liegt auch im Interesse der EU das ihre angrenzenden Staaten stabil und demokratisch sind, mit solchen Staaten lässt sich einfach besser arbeiten und sie sind berechenbarer.
    Nebenbei wenn die USA wirklich wollte das es in Südamerika geregelter zuginge dann könnten sie dafür sorgen, wollen sie aber nicht. Stattdessen setzen sie wild Machthaber in Ländern ein und manipulieren im großen Stile die Regierungen. Nur mal als Gegenbeispiel dass ein großer stabiler Staatenkomplex nicht unbedingt immer auch für stabilität bei den angrenzenden Ländern sorgen muss. Doch genug davon es wird zu sehr off topic.


    Irgendjemand hat noch gesagt das an der EU nur die schwachen Länder profitieren und die großen wie Deutschland nur darunter leiden. DAS IST BULLSHIT!!! Kaum ein Land hat mehr an der EU profetiert als Deutschland, Deutschland ist Exportweltmeister, ohne die EU wäre es das sicher nicht, was es deutschen Unternehmen bringt ihre waren zollfrei in ganz europa verkaufen zu können wird gerne unterschätzt. Ganz zu schweigen vom Frieden den die EU bringt, Frieden ist von unschätzbaren Wert
     
  13. Pleasure Seeker

    Pleasure Seeker Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.01.07   #13
    Zildi-Lord,
    Ich beziehe mich nicht auf 10 000 Jahre oder die Gegenwart, schau dir das 19.Jhd mit all seinen Problemen der Biedermeyerzeit an, den 30 Jährigen Krieg nach Beginn der Reformation, ja selbst das Nachkriegsdeutschland mit sämtlichen "deutschstämmigen" Flüchtlingen. Gerade letztgenannte waren es die vom "80 Jährigen U-Bayern" (ist wurst ob Bayer oder aus irgend einem anderen Land) schief angeschaut und ausgegrenzt wurden, weil die, dank des Krieges mit all seinen Folgen auch noch ihren Landbesitz in Osteuropa verloren hatten. Deutschland war nie die Nation die Monarchisten, Nationalisten, Nazis gerne gehabt hätten, neidisch wurde auf die Franzosen geblickt, und selbst die Gründe für beide Weltkriege gehen bis auf die französische Revolution zurück. Die hatten dort das was wir Jahrhundertelang nicht hatten, die Nation, und obendrein kippten sie noch eine Staatsform die in ganz Europa Jahrhundertelang etabliert war und sämtliche Nationen verbunden hat.

    Selbst der Eiserne Vorhang war nicht das wie er dargestellt wird, man kann die gesamten 6000 Jahre Europäischer Entwicklung und Geschichte in 35 Jahren nicht ausradieren, wer das glaubt scheint in einer ziemlich egoistischen und kurzsichtigen Weise über seine "westliche" Generation zu denken. Scheint auch nicht den Mut zu haben mal was anderes zu denken als das was Politiker ihm aus eigennutz vorschwafeln.

    Lustig finde ich deine Argumentation mit den Franzosen, in einer Zeit wo übertriebener Nationalismus gepaart mit Unwissenheit, den Zwängen des Versailler Vertrages zu solchem Hass geführt hat war es in der Tat nicht angebracht die Wahrheit zu sagen. Vor allem weil auch die Wissenschaft zu propagandazwecken Mißbraucht wurde, aber selbst so mancher SS Scherge wusste es in den 40er Jahren schon genauer als er die Rekrutierung zur Waffen SS in sämtlichen besetzten Ländern für vertretbar hielt, und da waren auch Franzosen dabei. Lustig auch deshalb weil es auch noch im 1.WK im Trend war in dt. Adelskreisen fein französisch sprechen zu können, nicht ohne Grund hieß der höchste damalige dt. Orden "Pour le merite". Und da spielt die ansiedelung von Hugenotten in Berlin auch noch mit herein, das uns bekannte "Berlinerisch" hat französische Wurzeln.

    ..und tut mir leid, dein Ur-Bayer mit übertriebenem Nationalgefühl, der sollte wirklich mal guten ordentlichen, propagandabereinigten Geschichtsunterricht bekommen, dann würde auch der etwas anders über Europa und seine kleine scheinheilige Welt denken.
     
  14. Kerni

    Kerni Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.01.07   #14
    Tut mir leid, aber der Geschichtsunterricht den man in der Schule bekommt, den kannst du vergessen. Das was da erzählt wird, kratzt nur die Oberfläche von dem an, was man "Geschichte" nennt und vieles wird sehr vereinfacht und aus dem Zusammenhang gerissen dargestellt. Es ist das ein Versuch, die Jugendlichen mit der Vergangenheit der Menschen zu konfontieren(was ja auch erstmal positiv ist), aber es gibt letztendlich keine "Geschichte" in dem Sinne. Es gibt nur Quellen, die mehr oder weniger glaubhaft seien können und die Interpretation dieser Quellen, wird als "Geschichte" bezeichnet. Die sogenannte Schulmeinung, das was im Unterricht gelehrt wird, ist nur eine von vielen möglichen Interpretationen. Und dabei geht es nicht nur um die Zeit der Antike oder des Mittelalters, die lange zurück liegen. Wenn man sich mit der Geschichtlichen Erforschung der beiden Weltkriege, die nichtmal ein Jahrhundert zurück liegen, befasst, stellt man fest, dass selbst da die Meinungen der Historiker über bestimmte Ursachen, Zusammenhänge und Folgen total auseinander gehen.
     
  15. FloVanFlowsen

    FloVanFlowsen Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.01.07   #15
    Pleasure Seeker:

    :D
    ich finds ja wunderbar dass du, wie es scheint, gerade einen groben Abriss über deine Geschichtskenntnisse wiedergegeben hast. Allerdings fehlt mir einfach der Bezug: Glaubst du wirklich, dass sich jeder hinsetzt um über sein Nationalgefühl nachzudenken und sich aus dem Resultat seine Nische sucht, in welche er sich dann setzen kann? Ich könnte denk ich vieles verwetten, dass ein wirklich großer Teil der dt. Bürger sich entweder nicht damit befassen oder vorgesagtes nachquasseln. Und genau so wirds wohl leider aussehen in den Köpfen. Von daher weiß ich nicht wirklich, was an meiner "Argumentation" so lustig sein soll ;)

    //edit: Ach ja, der Ur-Bayer war ein Beispiel, das wohl so in etwa ein Beispiel für viele darstellen würde. Zudem wär ich mir nicht so sicher, ob der Geschichtsunterricht (den auch ich derzeit genieße) ...
    1.) wirklich derart zu 100% stimmt
    2.) wie bereits Kerni gesagt hat nur ein minimaler Bruchteil der Tatsachen in dem Geschichtsunterricht verankert sind.
    ^^
     
  16. Pleasure Seeker

    Pleasure Seeker Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.01.07   #16
    Wenn man ein Geschichtsstudium beginnt bekommst man mitunter 2 Dinge gleich am Anfang gesagt: 1. Die absolute historische Wahrheit gibt es nicht, fast alles ist in Einzelpunkten angreifbar, 2. bleibe Objektiv, Geschichte ist zu oft mißbraucht worden.

    Das was an Schulen gelehrt wird, ist mitunter für die Katz, entspricht leider noch immer dem gegenwärtigen Zeitgeist, dem Willen der Politik, einiger Verbände, inzwischen sogar der Meinung von Einzelpersonen aus den Medien. Darüber brauchen wir nicht zu diskutieren, vielleicht nennt man es in 50 Jahren einmal "kleine westl. geprägte Propaganda" die da gelehrt wurde, wer weiß.

    Zildi, mir geht es um das Bild was vermittelt wird, ich bestreite nicht das es echte Landeier gibt die genau so denken: "ich bin hier im Dorf geboren, aufgewachsen, dort auf dem Friedhof liegen Generationen meiner Familie blablabla, daher will ich von der EU und von anderen bösen Ausländern nichts wissen ;) ". Trotzdem muss man dann wissen was man will, Fortschritt, einen Erhalt des Wohlstandes oder den ausgeprägten Nationalismus inklusive Abschottung. Und genau hier geht es um das "nachquasseln" was die Sache nur noch verschärft, via 4Buchstabenzeitung und einiger gernkonservativer Politikerhelden.
    Da gehört umdenken rein, jener Urbayer hätte nichts von seinem Wohlstand den er nur allzugern sichern will, wäre Deutschland so abgeschottet wie er es gerne hätte. Wir leben in einer Exportnation, da kann man sich sowas nicht leisten. Außer wir wollen vom Thron herunter, vielleicht ist das das Ziel?
     
  17. FloVanFlowsen

    FloVanFlowsen Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Jop, hast ja auch Recht, dass man doch wissen sollte was man eigentlich will. Und das bestreite ich auch nicht. Es geht allerdings um die EU-Verfassung samt möglichen Angriff auf Nationaldenken der Menschen. Und das einzige was ich sagen wollte ist, dass die Leute eben unteschiedlich ausgeprägte Nationalgefühle hegen. Aus welchen Gründen auch immer. Doch dass klar ist, dass viele eben nachquasseln ist auch Fakt. Von daher hab ich nicht argumentiert, sondern im Grunde nur eine Tatsache niedergelegt. Weils eben leider großteils so ausschaut.

    Daher wollt ich eben zusätzlich wissen, inwiefern sich verschiedene Menschen in dem Punkt verletzt, angegriffen oder was-weiß-ich fühlen. Das ist in meinen Augen ein Mit-Sinn einer Diskussion :) Ich denke wir verstehen jetzt unsere Ansichten.
     
  18. Kerni

    Kerni Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.01.07   #18
    Aber es wurde ja schon angesprochen, dass sich das Nationalgefühl der Menschen verändern kann. Wenn ein EU-Verfassung in Kraft treten sollte, heißt das nicht, dass sich au feinen Schlag alle Menschen als Europäer fühlen (sollen). Gerade bei älteren Menschen ist es schwer das Nationalgefühl zu ändern. Aber zukünftige Generationen werden weniger Probleme damit haben und ich denke es wird einmal so werden, dass sich die Menschen hier als Europäer fühlen, deswegen können sie ja trotzdem immer noch Deutsche, Franzosen, Briten, Spanier, Italiener oder was weiß ich sein.
     
  19. FloVanFlowsen

    FloVanFlowsen Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.01.07   #19
    hast du schon recht. aber eu-gesetzgebung wird sich denk ich mal umso stärker auf die einzelnen länder auswirken... mal sehen was man davon spüren wird. und ich persönlich denk auch nicht wirklich dass ich mich nicht mehr deutsch fühlen werde. ausser die zeit bringt es mit sich.
     
  20. roby

    roby Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.02.07   #20
    Ich wäre gegen eine EU-Verfassung in der derzeitigen Form. Ist aber belanglos, da sie ja sowieso geändert werden muss. Man kann ja nicht Länder so lange abstimmen lassen, Frankreich und Holland, bis sie endlich mal für die Verfassung stimmen.
    Warum bei uns nicht abgestimmt wird? Ganz einfach. Latenter Verfassungskonflikt. Einfach mal googlen und u.u. nicht bei Wikipedia nachgucken.

    Was mich stören würde, wäre die Tatsache, dass ziemlich viele Verordnungen einfach in Brüssel beschlossen werden würden, die uns direkt betreffen. Normalerweise sollte das doch die Regierung in Deutschland tun, die wir auch wählen könnten, aber unsere Gesetzgeber in Brüssel könnten wir dann ja nicht wählen. Diese müssten sich ja keine Sorgen um ihre "Wählerschaft" machen, da sie sich ja einer wiederwahl nicht stellen müssten und können somit auch sehr unpopuläre Entscheidungen treffen, natürlich immer in Gedanken das Wohl des ganzen Europas, aber in Deutschland haben wir doch ganz andere Probleme als z.b. in Polen oder Bulgarien.
    Durch die EU konnte Deutschland sehr viele Waren exportieren, ca. 517Mrd. € jährlich, so wie ich die Zahlen in Erinnerung habe. Grade gestern kam in der ARD ein Bericht über die EU, war ganz interessant und hat die Vorteile und Nachteile der EU doch gleichermaßen dargestellt.
    Ein interessantes Buch ist z.b. Hans-Herbert von Arnim, das Europa Komplott - wär zum Thema EU noch ein bisschen mehr wissen möchte.