Die Geier kreisen

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Lehrgut01
Lehrgut01
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So, hier mal wieder was neues von mir, ich bin mir allerdings selbst noch nicht sicher, ob ich das gut find oder nicht. Deshalb fänd ich's nett, wenn der ein oder andere mir mal eine Meinung dazu gibt:

Ich wandere zu lange schon
In diesem trocknen Land umher
Die Hitze brennt wie ein Feuersturm
Der alles Lebende (kann man "Lebende" überhaupt sagen? ) verzehrt

Dann und wann erscheint am Horizont
Der lang ersehnte kühle See
Doch lauf ich hin, verschwindet er
Als hätt‘ der Wind ihn fortgeweht

Und jetzt kreisen schon die Geier über mir
Und warten drauf dass ich endlich den Verstand verlier
Ach, wenn sie wüssten wie nah ich dem längst bin
Weil ich zugrunde geh, wenn ich dich nicht find

Wenn ich hier draußen in die Ferne ruf‘
Mit der letzten Kraft die mir noch bleibt
Antwortet bloß mein Widerhall
Mit einem kläglichen Schrei

Ja, wie bin ich bloß hierher gelangt
An diese Stätte ohne Pfad
Wo sonst doch nur die Schlangenbrut (Klingt "Schlangenbrut" zu "altbacken"? )
Nach einer leichten Beute jagt ("leichte" gefällt mir hier nicht unbedingt, brauche aber des Gesanges wegen noch unbedingt ein Füllwort )

Und jetzt kreisen schon die Geier über mir
Und warten drauf dass ich endlich den Verstand verlier
Ach, wenn sie wüssten wie nah ich dem längst bin
Weil ich zugrunde geh, wenn ich dich nicht find

Ja wenn du irgendwo, da draußen bist
Und du vernimmst, dass ich dich brauch
Ich bitte dich, finde mich
Und führe mich endlich hier raus

Denn es kreisen schon die Geier über mir
Und warten drauf dass ich endlich den Verstand verlier
Ach, wenn sie wüssten wie nah ich dem längst bin
Weil ich zugrunde geh, wenn ich dich nicht find
 
Eigenschaft
 
Hi Lehrgut,

nicht jetzt - aber irgendwann sagst Du, was Dich unsicher macht in Bezug auf den Text.
Zunächst mal nehme ich ihn in der Art, wie ich ihn empfinde: ein zentrales Bild, eine zentrale Stimmung aufnehmend und beschreibend, irgendwann taucht inmitten der Verzweiflung und des In-Die-Irre-Gehenes die Hoffnung der Erlösung auf, verbunden mit einer Sie, die da kommt, wo er schon nicht in der Lage ist, sie zu finden ...

Oldfashioned: okay - das muss kein Makel sein, wenn´s gut gemacht ist.
Einfach: gut - das muss nicht stören, kann im Gegenteil sehr kraftvoll sein.

Ich wandere zu lange schon
In diesem trocknen Land umher
Die Hitze brennt wie ein Feuersturm
Der alles Lebende (kann man "Lebende" überhaupt sagen? ) verzehrt
Du schreibst später, dass Du ein Wort genommen hast, um zu füllen. Dementsprechend vermute ich mal, dass die Zeilen schon auf eine musikalische Umsetzung hin geschrieben sind. Dennoch: Du kannst den sich zunehmend verwirrenden Zustand des Helden auch kennzeichnen, indem Du die Sprache anfängst, aufzulösen:
Die Hitze - ein Feuersturm
alles Leben verbrennt
und bewußt Pausen setzt. Kannst Du ja mal ausprobieren - kann ich mir sehr wirkungsvoll vorstellen. Statt alles Lebende, was man nehmen kann (sich nur oldfashioned anhört) kann man auch alles Leben oder alles Lebendige nehmen.
Insgesamt aber ein gutes Intro: es versetzt einen direkt in die unmittelbare Situation.


Dann und wann erscheint am Horizont
Der lang ersehnte kühle See
Doch lauf ich hin, verschwindet er
Als hätt' der Wind ihn fortgeweht
Die ganze Sprache ist "oldfashioned" (hätte ihn fortgeweht), was passen kann, wenn es sich sozusagen etwas an "alte Mären" orientiert und an einem klassischen Erzähler, Alternative wäre sowas wie: ich laufe hin und er verschwindet / wie fortgeweht vom Wind

Und jetzt kreisen schon die Geier über mir
Und warten drauf dass ich endlich den Verstand verlier
Ach, wenn sie wüssten wie nah ich dem längst bin
Weil ich zugrunde geh, wenn ich dich nicht find
das finde ich klasse - auch diesen Stoßseufzer in Richtung Zuhörer ...

Wenn ich hier draußen in die Ferne ruf'
Mit der letzten Kraft die mir noch bleibt
Antwortet bloß mein Widerhall
Mit einem kläglichen Schrei
Hier fängt für mich an, das Bild der Wüste brüchig zu werden: Zwar weiß ich, dass 70% der Wüsten Steinwüsten sind, dennnoch ist mit dem Bild der Fata Morgana die Szenerie einer Sandwüste aufgeschlagen - und da gibt es keine Berge, die den Worten Widerhall geben können - vielleicht so in Richtung: die eigenen Rufe bleiben unhörbar und verlieren sich in der Weite etc.?

Ja, wie bin ich bloß hierher gelangt
An diese Stätte ohne Pfad
Wo sonst doch nur die Schlangenbrut (Klingt "Schlangenbrut" zu "altbacken"? )
Nach einer leichten Beute jagt ("leichte" gefällt mir hier nicht unbedingt, brauche aber des Gesanges wegen noch unbedingt ein Füllwort )
Hier nehmen für mich die Brüche zu: Stätte ohne Pfad deutet doch auf irgendwas hin, was mit menschlicher Bebauung zu tun hat - sonst ist es einfach ein Ort im Nirgendwo - und es gibt in der Wüste kein Tier, was wirklich Jagd auf Menschen macht: Schlangen oder Skorpione können tödlich sein, aber sie machen nicht jagd auf Menschen, sondern kriechen in Schlafsäcke oder Stiefel und wehren sich ... das Bild der Bedrohung paßt für mich nicht ... dafür könnte man andere "Klassiker" einbauen: diese tier- und menschenlose Leere, dass der lyrische Held auf seine eigene Spur stößt und damit erkennt, dass er sich hoffnungslos im Kreise dreht und seine Orientierung verloren hat, dass das Wasser ausgeht etc. etc. ...

Und jetzt kreisen schon die Geier über mir
Und warten drauf dass ich endlich den Verstand verlier
Ach, wenn sie wüssten wie nah ich dem längst bin
Weil ich zugrunde geh, wenn ich dich nicht find

Ja wenn du irgendwo, da draußen bist
Und du vernimmst, dass ich dich brauch
Ich bitte dich, finde mich
Und führe mich endlich hier raus
das paßt, bleibt auch genügend unbestimmt, kann man aber sprachlich wahrscheinlich noch glätten ...

Denn es kreisen schon die Geier über mir
Und warten drauf dass ich endlich den Verstand verlier
Ach, wenn sie wüssten wie nah ich dem längst bin
Weil ich zugrunde geh, wenn ich dich nicht find

Ich denke, ein Weg ist wirklich, auf oldfashioned zu gehen - das dann aber stärker auszubauen und wirken zu lassen: gerade das stereotype, das holzschnittartige der Wüstensituation, zusammen mit der Grundstimmung des sich hoffnungslos in der Irre verlaufen habenden Menschen als äußeres Bild vom inneren Zustand kann gut wirken. Dann aber konsequenter.
Oder die Situation eher auflösen, etwas neues reinbringen ...

x-Riff
 
Erstmal danke für dein Feedback! Du hast richtig erkannt, es gibt schon eine musikalische Umsetzung, es fällt mir leichter Texte zu schreiben, wenn ich mich ein Stück weit an einer Melodie entlang hangeln kann... Schön, dass dir ein paar positive Dinge aufgefallen sind, genauso wie ich mich drüber freu, dass du mir Stellen nennst, die noch einer Bearbeitung bedürfen!

Hi Lehrgut,

nicht jetzt - aber irgendwann sagst Du, was Dich unsicher macht in Bezug auf den Text.
Zunächst mal nehme ich ihn in der Art, wie ich ihn empfinde: ein zentrales Bild, eine zentrale Stimmung aufnehmend und beschreibend, irgendwann taucht inmitten der Verzweiflung und des In-Die-Irre-Gehenes die Hoffnung der Erlösung auf, verbunden mit einer Sie, die da kommt, wo er schon nicht in der Lage ist, sie zu finden ...

Oldfashioned: okay - das muss kein Makel sein, wenn´s gut gemacht ist.
Einfach: gut - das muss nicht stören, kann im Gegenteil sehr kraftvoll sein.

Ich wandere zu lange schon
In diesem trocknen Land umher
Die Hitze brennt wie ein Feuersturm
Der alles Lebende (kann man "Lebende" überhaupt sagen? ) verzehrt
Du schreibst später, dass Du ein Wort genommen hast, um zu füllen. Dementsprechend vermute ich mal, dass die Zeilen schon auf eine musikalische Umsetzung hin geschrieben sind. Dennoch: Du kannst den sich zunehmend verwirrenden Zustand des Helden auch kennzeichnen, indem Du die Sprache anfängst, aufzulösen:
Die Hitze - ein Feuersturm
alles Leben verbrennt
und bewußt Pausen setzt. Kannst Du ja mal ausprobieren - kann ich mir sehr wirkungsvoll vorstellen. Statt alles Lebende, was man nehmen kann (sich nur oldfashioned anhört) kann man auch alles Leben oder alles Lebendige nehmen.
Insgesamt aber ein gutes Intro: es versetzt einen direkt in die unmittelbare Situation.




Dann und wann erscheint am Horizont
Der lang ersehnte kühle See
Doch lauf ich hin, verschwindet er
Als hätt' der Wind ihn fortgeweht
Die ganze Sprache ist "oldfashioned" (hätte ihn fortgeweht), was passen kann, wenn es sich sozusagen etwas an "alte Mären" orientiert und an einem klassischen Erzähler, Alternative wäre sowas wie: ich laufe hin und er verschwindet / wie fortgeweht vom Wind

Und jetzt kreisen schon die Geier über mir
Und warten drauf dass ich endlich den Verstand verlier
Ach, wenn sie wüssten wie nah ich dem längst bin
Weil ich zugrunde geh, wenn ich dich nicht find
das finde ich klasse - auch diesen Stoßseufzer in Richtung Zuhörer ...

Wenn ich hier draußen in die Ferne ruf'
Mit der letzten Kraft die mir noch bleibt
Antwortet bloß mein Widerhall
Mit einem kläglichen Schrei
Hier fängt für mich an, das Bild der Wüste brüchig zu werden: Zwar weiß ich, dass 70% der Wüsten Steinwüsten sind, dennnoch ist mit dem Bild der Fata Morgana die Szenerie einer Sandwüste aufgeschlagen - und da gibt es keine Berge, die den Worten Widerhall geben können - vielleicht so in Richtung: die eigenen Rufe bleiben unhörbar und verlieren sich in der Weite etc.?

Das seh' ich ein. Vielleicht wäre das hier eine Alternative zu den letzten beiden Zeilen: "Antwortet nicht einmal ein (oder "der") Widerhall / Auf meinen kläglichen Schrei". Klingt das sinnvoller bzw. ins Bild passender?

Ja, wie bin ich bloß hierher gelangt
An diese Stätte ohne Pfad
Wo sonst doch nur die Schlangenbrut (Klingt "Schlangenbrut" zu "altbacken"? )
Nach einer leichten Beute jagt ("leichte" gefällt mir hier nicht unbedingt, brauche aber des Gesanges wegen noch unbedingt ein Füllwort )
Hier nehmen für mich die Brüche zu: Stätte ohne Pfad deutet doch auf irgendwas hin, was mit menschlicher Bebauung zu tun hat - sonst ist es einfach ein Ort im Nirgendwo - und es gibt in der Wüste kein Tier, was wirklich Jagd auf Menschen macht: Schlangen oder Skorpione können tödlich sein, aber sie machen nicht jagd auf Menschen, sondern kriechen in Schlafsäcke oder Stiefel und wehren sich ... das Bild der Bedrohung paßt für mich nicht ... dafür könnte man andere "Klassiker" einbauen: diese tier- und menschenlose Leere, dass der lyrische Held auf seine eigene Spur stößt und damit erkennt, dass er sich hoffnungslos im Kreise dreht und seine Orientierung verloren hat, dass das Wasser ausgeht etc. etc. ...

hmm, ich war mir nicht sicher, ob Stätte wirklich ein "richtiges" Wort an dieser Stelle wäre. Mein Problem: ich wollte nicht schon wieder "Ort" oder "Land" benutzen. Auch "Wüste" hatte ich im Sinn, allerdings wollte ich das Wort Wüste eigentlich aus dem Text unerwähnt lassen. Hast du vielleicht einen Alternativvorschlag?

Zum Thema Schlangen: ich wollte mit diesem Bild eigentlich nicht mal unbedingt darauf hinaus, dass die Schlangen eine Gefahr unmittelbare Gefahr für den Menschen darstellen, sprich mit "leichter Beute" ist nicht der schwache Mensch gemeint, sondern tatsächlich eher natürliche Fressfeinde. Die Schlange sollte eigentlich eher als weiteres Bild für die Unwirtlichkeit des Ortes dienen - quasi nach dem Motto "niemand außer den Schlangen hat hier eigentlich überhaupt etwas zu suchen bzw. wird hier was finden".

Die Idee mit den eigenen Spuren find ich allerdings toll! Da werde ich mich nochmal dran setzen... Vielleicht könnte der "lyrische Held" (wie du ihn so schön betitelst ;)) zuerst denken, es seien die Spuren der lang gesuchten Person, bis er sieht, dass es seine eigenen sind.


Und jetzt kreisen schon die Geier über mir
Und warten drauf dass ich endlich den Verstand verlier
Ach, wenn sie wüssten wie nah ich dem längst bin
Weil ich zugrunde geh, wenn ich dich nicht find

Ja wenn du irgendwo, da draußen bist
Und du vernimmst, dass ich dich brauch
Ich bitte dich, finde mich
Und führe mich endlich hier raus
das paßt, bleibt auch genügend unbestimmt, kann man aber sprachlich wahrscheinlich noch glätten ...

Denn es kreisen schon die Geier über mir
Und warten drauf dass ich endlich den Verstand verlier
Ach, wenn sie wüssten wie nah ich dem längst bin
Weil ich zugrunde geh, wenn ich dich nicht find

Ich denke, ein Weg ist wirklich, auf oldfashioned zu gehen - das dann aber stärker auszubauen und wirken zu lassen: gerade das stereotype, das holzschnittartige der Wüstensituation, zusammen mit der Grundstimmung des sich hoffnungslos in der Irre verlaufen habenden Menschen als äußeres Bild vom inneren Zustand kann gut wirken. Dann aber konsequenter.
Oder die Situation eher auflösen, etwas neues reinbringen ...

x-Riff

Ich werd mich nochmal dran setzen, ich bin dir aber wirklich dankbar für deinen Beitrag! Da waren ein paar wirklich gute Tipps bei!
 
Hallo Lehrgut,

hmm, ich war mir nicht sicher, ob Stätte wirklich ein "richtiges" Wort an dieser Stelle wäre. Mein Problem: ich wollte nicht schon wieder "Ort" oder "Land" benutzen. Auch "Wüste" hatte ich im Sinn, allerdings wollte ich das Wort Wüste eigentlich aus dem Text unerwähnt lassen. Hast du vielleicht einen Alternativvorschlag?

Wie wärs mit dem Wort Ödnis statt Stätte. Mir gefällt der poetische Stil und ich finde du kannst ihn ruhig durchlaufen lassen. Könntest auch ein Wort kreieren wie Ödland oder so.

LG, Annette
 
Das seh' ich ein. Vielleicht wäre das hier eine Alternative zu den letzten beiden Zeilen:
"Antwortet nicht einmal ein (oder "der") Widerhall / Auf meinen kläglichen Schrei". Klingt das sinnvoller bzw. ins Bild passender?
Paßt imho wesentlich besser ...
Die Idee mit den eigenen Spuren find ich allerdings toll! Da werde ich mich nochmal dran setzen... Vielleicht könnte der "lyrische Held" (wie du ihn so schön betitelst ) zuerst denken, es seien die Spuren der lang gesuchten Person, bis er sieht, dass es seine eigenen sind.
Das ist sehr sehr cool und hat sehr viel Potenzial: er meint ihr nachzulaufen um sie endlich zu bekommen und merkt dann, dass er die ganze Zeit nur seiner eigenen Spur folgt: und genau das macht seine Einsamkeit aus ... Da kann man sehr viel draus machen ... wunderbar ...

x-Riff
 

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