MaxJoy
Registrierter Benutzer
- 11.07.26
- 05.03.23
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Mit der Mundharmonika habe ich mich zuletzt Mitte der 80er beschäftigt, ich hatte eine Hohner Blues Harp und eine Chromonica II. Die Blues Harp habe ich irgendwann kaputt gebendet und bei der Chromatischen bin ich im Standard-Tuning stecken geblieben, habe also hauptsächlich in C mit gelegentlichen chromatischen Anleihen gespielt.
Das Problem beim chromatischen Standard-Tuning ist aus meiner Sicht der Stolperstein beim doppelten C. So hört man beim Blasen immer einen C-Dur-Akkord, das ist zwar idiotensicher, aber leider werden dafür fast alle Stufenakkorde geopfert:
C E G C C E G C C E G C
D F A H D F A H D F A H
Neben C-Dur kann man noch Dm(6) auf Zug spielen, aber das war's dann auch schon. Der Richtungswechsel beim Doppel-C zerstört nicht nur die Akkorde, sondern bringt auch das Blas/Zug-Schema durcheinander, statt einer regelmäßigen Bewegung beim Spielen der Tonleitern ergibt sich so ein Stolperstein, der in jeder Tonleiter an einer anderen Stelle auftaucht. Man ist also gezwungen, alle 12 Tonleitern einzeln zu lernen - und alles nur für einen ziemlich billigen Showeffekt für Neueinsteiger. Das Instrument verdient so kaum den Namen Harmonika, denn Harmonien kann es leider nicht.
Unglücklich fand ich auch die Entscheidung, auf die C-Tonleiter in der zweiten Reihe einfach eine C#-Tonleiter drauf zu klatschen. Das ist zwar für die ersten paar Kreuztonarten ok und ähnlich wie mit den schwarzen Tasten des Klaviers, dafür werden aber die B-Tonarten noch weiter durcheinander gewirbelt, so dass man die Lust verliert, sich damit zu beschäftigen.
So geriet die Mundharmonika bei mir lange Zeit in Vergessenheit - bis ich vor einer Weile zufällig auf die Seydel Nonslider gestoßen bin, eines der wenigen Modelle am Markt, die frei konfigurierbar sind. Sie hat keinen Slider für die alterierten Töne, sondern statt dessen einfach eine zweite Lochreihe. Bis auf die ganz tiefen Töne kommt sie auch ohne Ventilklappen aus, so dass sie sich wie eine Blues Harp spielen lässt, also mit sehr direkter Tonmodulation und Bending.
Das Standard-Tuning kam für mich natürlich nicht in Frage, stattdessen habe ich mich für ein zirkulares Tuning entschieden:
G H D F A C E G H D F A (Blasen)
A C E G H D F A C E G H (Ziehen)
Nun liegen alle 7 Stufenakkorde wie die Perlen auf einer Schnur direkt nebeneinander. Je nachdem, ob man spitzmündig oder mehr oder weniger breitmaulig ans Werk geht, ist so alles vom Einzelton bis hin zu Vier- und Mehrklängen leicht spielbar. Alle Zugtöne sind höher als die Blastöne, damit kann man auf allen Kanälen Bendings machen. Auch die Motorik beim Tonleiterspielen ist ohne die Stolpersteine nun viel einfacher und logischer: Blasen, ziehen, nächster Kanal usw. Es ist also kinderleicht, auf jedem Ton der Tonleiter den zugehörigen Akkord und die passende Tonleiter zu spielen. Die Anordnung der Töne hilft auch beim Notenlesen: Alle Zugnoten liegen auf den Notenlinien und alle Blasnoten dazwischen. Der Preis für diese neuen Möglichkeiten und den Komfort ist lediglich, dass sich die Blas- und Zugrichtung in jeder Oktave umkehrt - daran gewöhnt man sich aber sehr schnell.
Die Harmonika ist nun wieder ein Akkordinstrument und sogar didaktisch wertvoll, um den Zusammenhang zwischen Akkorden und Tonleitern zu begreifen. Wie kann man so viel wie möglich davon in die anderen Tonarten retten? Es ist klar, dass Akkorde nicht mehr als Block gespielt werden können, sobald Töne aus der zweiten Reihe eingebaut werden müssen. Aber die zwei Lochreihen der Nonslider bieten die Möglichkeit, nicht nur nebeneinander liegende Terzen zusammen zu spielen, sondern auch diagonal liegende Töne, indem die Harmonika schräg gehalten wird. Diese Überlegung hat mich dazu gebracht, einfach die Terzen der Grundakkorde zu invertieren, so dass aus jedem Dur-Akkord ein Moll-Akkord wird:
C -> Cm (C E G -> C Eb G)
Dm -> D (D F A -> D F# A)
Em -> E (E G H -> E G# H)
F -> Fm (F A C -> F Ab C)
G -> Gm (G H D -> G Bb D)
Am ->A (A C E -> A C# E)
Meine zweite Reihe ergibt sich also einfach durch Invertierung der Terzen der ersten Reihe:
G# Bb D# F# Ab C# Eb G# Bb D# F# Ab (Blasen)
Ab C# Eb G# Bb D# F# Ab C# Eb G# Bb (Ziehen)
Wenn ich beispielsweise aus Am ein A machen will, muss ich mir den mittleren Ton direkt darunter aus der 2. Reihe holen. Die Blasrichtung ändert sich nicht, aber der Akkord kann nur noch als Arpeggio gespielt werden. Die diagonale Spielweise erlaubt darüber hinaus aber weiterhin das Spielen der Terzen A-C# und C#-E, also ein Rhythmus Grundton A <-> Restakkord C#-E ist weiterhin machbar. Insgesamt erlaubt diese Tonanordnung das einfache Spielen von 20 Dur- und Mollakkorden in 8 Tonarten (Eb, Bb, F, C, G, D, A, E). In diesen Komforttonarten besitzen alle Akkorde die gleiche Zug- oder Blasrichtung und alle Tonleitern folgen dem gleichen regelmäßigen Bewegungsschema. Die restlichen 4 Tonarten und die chromatische Skala sind dagegen deutlich komplizierter, aber in der Praxis braucht man das selten bis gar nicht.
Diese Tuningschema für 14-stufige Tonleitern (7 + 7) ist ein Nebenprodukt meiner Beschäftigung mit Gioseffo Zarlinos Ideen, dem Vater der modernen Musiktheorie. Deswegen widme ich es ihm und taufe es Zarlina Tuning. Selbstverständlich ist man keineswegs auf die gleichstufige Stimmung beschränkt, sondern kann alle Vorteile auch in den mitteltönigen und wohltemperierten Stimmungen nutzen. Nicht ganz zufällig sind in der mitteltönigen Stimmung die 4 unkomfortablen Tonarten Db, Ab, H und F# obendrein Wolfsrevier, d. h. man verläuft sich da leicht und hört da auch noch den Wolf heulen.
Als Beispiel hier mal die G-Dur-Tonleiter. Trotz des Etagenwechsels beim F# ändert sich die Motorik nicht.
Zum Vergleich Eb-Dur. Klar braucht man hier mehr Töne aus der unteren Reihe, aber die Motorik bleibt die gleiche.
Und zum Schluss als Beispiel alle Stufenakkorde in D-Dur. Alle Akkorde haben die gleiche Blasrichtung und alle Terzen sind spielbar.
Frohe Pfingsten!
Das Problem beim chromatischen Standard-Tuning ist aus meiner Sicht der Stolperstein beim doppelten C. So hört man beim Blasen immer einen C-Dur-Akkord, das ist zwar idiotensicher, aber leider werden dafür fast alle Stufenakkorde geopfert:
C E G C C E G C C E G C
D F A H D F A H D F A H
Neben C-Dur kann man noch Dm(6) auf Zug spielen, aber das war's dann auch schon. Der Richtungswechsel beim Doppel-C zerstört nicht nur die Akkorde, sondern bringt auch das Blas/Zug-Schema durcheinander, statt einer regelmäßigen Bewegung beim Spielen der Tonleitern ergibt sich so ein Stolperstein, der in jeder Tonleiter an einer anderen Stelle auftaucht. Man ist also gezwungen, alle 12 Tonleitern einzeln zu lernen - und alles nur für einen ziemlich billigen Showeffekt für Neueinsteiger. Das Instrument verdient so kaum den Namen Harmonika, denn Harmonien kann es leider nicht.
Unglücklich fand ich auch die Entscheidung, auf die C-Tonleiter in der zweiten Reihe einfach eine C#-Tonleiter drauf zu klatschen. Das ist zwar für die ersten paar Kreuztonarten ok und ähnlich wie mit den schwarzen Tasten des Klaviers, dafür werden aber die B-Tonarten noch weiter durcheinander gewirbelt, so dass man die Lust verliert, sich damit zu beschäftigen.
So geriet die Mundharmonika bei mir lange Zeit in Vergessenheit - bis ich vor einer Weile zufällig auf die Seydel Nonslider gestoßen bin, eines der wenigen Modelle am Markt, die frei konfigurierbar sind. Sie hat keinen Slider für die alterierten Töne, sondern statt dessen einfach eine zweite Lochreihe. Bis auf die ganz tiefen Töne kommt sie auch ohne Ventilklappen aus, so dass sie sich wie eine Blues Harp spielen lässt, also mit sehr direkter Tonmodulation und Bending.
Das Standard-Tuning kam für mich natürlich nicht in Frage, stattdessen habe ich mich für ein zirkulares Tuning entschieden:
G H D F A C E G H D F A (Blasen)
A C E G H D F A C E G H (Ziehen)
Nun liegen alle 7 Stufenakkorde wie die Perlen auf einer Schnur direkt nebeneinander. Je nachdem, ob man spitzmündig oder mehr oder weniger breitmaulig ans Werk geht, ist so alles vom Einzelton bis hin zu Vier- und Mehrklängen leicht spielbar. Alle Zugtöne sind höher als die Blastöne, damit kann man auf allen Kanälen Bendings machen. Auch die Motorik beim Tonleiterspielen ist ohne die Stolpersteine nun viel einfacher und logischer: Blasen, ziehen, nächster Kanal usw. Es ist also kinderleicht, auf jedem Ton der Tonleiter den zugehörigen Akkord und die passende Tonleiter zu spielen. Die Anordnung der Töne hilft auch beim Notenlesen: Alle Zugnoten liegen auf den Notenlinien und alle Blasnoten dazwischen. Der Preis für diese neuen Möglichkeiten und den Komfort ist lediglich, dass sich die Blas- und Zugrichtung in jeder Oktave umkehrt - daran gewöhnt man sich aber sehr schnell.
Die Harmonika ist nun wieder ein Akkordinstrument und sogar didaktisch wertvoll, um den Zusammenhang zwischen Akkorden und Tonleitern zu begreifen. Wie kann man so viel wie möglich davon in die anderen Tonarten retten? Es ist klar, dass Akkorde nicht mehr als Block gespielt werden können, sobald Töne aus der zweiten Reihe eingebaut werden müssen. Aber die zwei Lochreihen der Nonslider bieten die Möglichkeit, nicht nur nebeneinander liegende Terzen zusammen zu spielen, sondern auch diagonal liegende Töne, indem die Harmonika schräg gehalten wird. Diese Überlegung hat mich dazu gebracht, einfach die Terzen der Grundakkorde zu invertieren, so dass aus jedem Dur-Akkord ein Moll-Akkord wird:
C -> Cm (C E G -> C Eb G)
Dm -> D (D F A -> D F# A)
Em -> E (E G H -> E G# H)
F -> Fm (F A C -> F Ab C)
G -> Gm (G H D -> G Bb D)
Am ->A (A C E -> A C# E)
Meine zweite Reihe ergibt sich also einfach durch Invertierung der Terzen der ersten Reihe:
G# Bb D# F# Ab C# Eb G# Bb D# F# Ab (Blasen)
Ab C# Eb G# Bb D# F# Ab C# Eb G# Bb (Ziehen)
Wenn ich beispielsweise aus Am ein A machen will, muss ich mir den mittleren Ton direkt darunter aus der 2. Reihe holen. Die Blasrichtung ändert sich nicht, aber der Akkord kann nur noch als Arpeggio gespielt werden. Die diagonale Spielweise erlaubt darüber hinaus aber weiterhin das Spielen der Terzen A-C# und C#-E, also ein Rhythmus Grundton A <-> Restakkord C#-E ist weiterhin machbar. Insgesamt erlaubt diese Tonanordnung das einfache Spielen von 20 Dur- und Mollakkorden in 8 Tonarten (Eb, Bb, F, C, G, D, A, E). In diesen Komforttonarten besitzen alle Akkorde die gleiche Zug- oder Blasrichtung und alle Tonleitern folgen dem gleichen regelmäßigen Bewegungsschema. Die restlichen 4 Tonarten und die chromatische Skala sind dagegen deutlich komplizierter, aber in der Praxis braucht man das selten bis gar nicht.
Diese Tuningschema für 14-stufige Tonleitern (7 + 7) ist ein Nebenprodukt meiner Beschäftigung mit Gioseffo Zarlinos Ideen, dem Vater der modernen Musiktheorie. Deswegen widme ich es ihm und taufe es Zarlina Tuning. Selbstverständlich ist man keineswegs auf die gleichstufige Stimmung beschränkt, sondern kann alle Vorteile auch in den mitteltönigen und wohltemperierten Stimmungen nutzen. Nicht ganz zufällig sind in der mitteltönigen Stimmung die 4 unkomfortablen Tonarten Db, Ab, H und F# obendrein Wolfsrevier, d. h. man verläuft sich da leicht und hört da auch noch den Wolf heulen.
Als Beispiel hier mal die G-Dur-Tonleiter. Trotz des Etagenwechsels beim F# ändert sich die Motorik nicht.
Zum Vergleich Eb-Dur. Klar braucht man hier mehr Töne aus der unteren Reihe, aber die Motorik bleibt die gleiche.
Und zum Schluss als Beispiel alle Stufenakkorde in D-Dur. Alle Akkorde haben die gleiche Blasrichtung und alle Terzen sind spielbar.
Frohe Pfingsten!




