Dynamikvorzeichen nur in Klassik Literatur?!

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Seit einigen Wochen habe ich das Digitalpiano Kurzweil KaP1 bei mir zu Hause stehen.
Auf dem DP versuche ich mich an (leichterer) Klassik Literatur. Habe einige schon ältere Notenbücher wieder ausgekramt und spiele daraus.
Was mir aufgefallen ist: Bei klassischen Stücken sind generell Dynamikvorzeichen wie p/f/ff/und Crescendo/Decrescendo nur um einige zu nennen vorgegeben.
Wenn ich jetzt am Keyboard AK-X 1100 sitze und spiele ein Stück aus dem Bereich Schlager, dann ist außer Style-/Tempovorgabe bezüglich Dynamikvorzeichen gar nüscht.
Deshalb meine Frage, ist das einfach so. Wenn ja liegt es dann in eigenem Ermessen ein Schlagerstück an Stellen wie z.B. einem REFRAIN stärker zu betonen sprich lauter zu spielen.
Erwähnenswert ist noch, ich hatte vor geraumer Zeit ein YT Video des von mir sehr geschätzten Alois Müller angesehen. Da ging es um Akkordeonstimmen im Melodiebereich des Keyboards. Der gute Alois Müller hat gesagt (u. vorgeführt) daß er mit einem Volumenpedal die Balgdynamik eines Akkordeons imitiert.
Währe denke ich auch eine Möglichkeit ein Musikstück dynamischer zu gestalten.
Gibt es überhaupt zu der Frage Dynamikvorzeichen ja/nein eine einstimmige Antwort/Lösung?

Viele musikalische Grüße aus Unterfranken
Keysandmore
 
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Ich denke, die klassischen Komponisten haben sich da einfach mehr Gedanken gemacht und wollten das auch einfach festlegen, damit es jedes Orchester gleich spielen konnte, wie der Komponist sich das vorgestellt/gewünscht hat... In der "Trivial"-Musik wird das ja ganz oft garnicht ausnotiert, sondern nur nach Akkordschemata gespielt, allenfalls mal ne typische Melodie notiert und es existieren vom "Komponisten" gar keine echten Notenblätter dafür. Für Anfänger machen sich aber irgendwelche Leute die Mühe, das zu notieren, damit die sich leichter tun beim Nachspielen, aber die Mühe der Dynamik-Notierung macht sich dabei evtl. niemand... Man hört sich die "Originale" ja meist an und hört "die Stimmung". Früher, in der Klassik , gab's ja noch keine Tonträger als Hörvorlage, da musste alles exakt notiert werden... Meine Idee dazu... LG, Frank
 
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Früher, in der Klassik , gab's ja noch keine Tonträger
Eben! Musik war entweder live gespielt oder in Form von Noten gedruckt. Eine andere Möglichkeit, den Lesern bzw. Interpreten eine Vorstellung von der idealen Spielweise zu vermitteln, gab es nicht.

Auch zeitgenössische "E-Musik" wird oft noch so notiert, ich vermute ganz stark, weil die Komponisten es so gelernt haben und Noten ohne Beschreibung der Dynamik sich sonst unvollständig anfühlen würden.
 
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Eine andere Möglichkeit, den Lesern bzw. Interpreten eine Vorstellung von der idealen Spielweise zu vermitteln, gab es nicht.
Nun, prinzipiell gab es noch die Methode des sich erinnerns, etwa des Publikums oder der Musiker:
  • fehlerbehaftet, wie heute auch noch
  • aber: Generationen vor uns waren darin deutlich geübter und gewandter
  • wir müssen uns ja nur an damals erinnern, als wir noch viiieeele Telephonnummern auswendig wussten ....
 
  • Ersteller
  • #5
@uro-frank

Da bin ich ganz bei dir, daß sich die klassischen Komponisten mehr Mühe gegeben haben.
Für mich hört sich ein Musikstück halt >lebendiger< an, wenn eine Spannung sprich Dynamik vorhanen ist.
 
Bei klassischen Stücken sind generell Dynamikvorzeichen wie p/f/ff/und Crescendo/Decrescendo nur um einige zu nennen vorgegeben.
Wenn ich jetzt am Keyboard AK-X 1100 sitze und spiele ein Stück aus dem Bereich Schlager, dann ist außer Style-/Tempovorgabe bezüglich Dynamikvorzeichen gar nüscht.
Das kann man so nicht verallgemeinern. Es gibt auch Noten der Popularmusik mit Dynamikbezeichnungen und es gibt klassische Literatur ohne Dynamikbezeichnungen.

Beispiele:
Alan Parsons Projekt, Prime Time, mit Dynamikbezeichnungen:

1778671320128.webp


J.S. Bach, Allemande aus der französischen Suite D-Moll, ohne Dynamikbezeichnungen:

1778671540422.webp

Viele Grüße,
McCoy
 
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Der wesentliche Unterschied für Dynamik-Angaben bei so genannten "Klassik"-Stücken gegenüber moderner Musik liegt darin, dass klassische Musik für rein akustische Präsentationen und Aufführungen "geschrieben" sind und eben keine Volumenpedale und Lautstärkeregler am Mischpult berücksichtigen. "Moderne" Musik enthält eben elektrisch regelbare und abmischbare Lautstärken, so dass der einzelne Musiker nicht zwingend damit "belastet" wird, seinen Beitrag hinsichtlich Lautstärke-Dynamik selbst zu gestalten.

Dynamik wird allerdings auch noch durch andere Aspekte als Lautstärke (wie z.B. unterschiedliche Spielarten) erzeugt, was ich schon in vielen zeitgenössischen Notationen finde. Und, Dynamik, oder vielleicht besser "Ausdruck" ist auch ein persönliches "Ding" und unterliegt individuellen und auch temporären "Effekten" - wenn man etwas identisch wie vom Urheber gedacht haben will, der nehme am besten eine Aufnahme von diesem ...
 
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so dass der einzelne Musiker nicht zwingend damit "belastet" wird, seinen Beitrag hinsichtlich Lautstärke-Dynamik selbst zu gestalten.
Was schade ist, wenn er es nicht tut, denn Dynamik ist nicht nur (messbare) Lautstärke. Empfundene Lautheit hat sehr viel mit Psychoakustik zu tun. Eine Trommel klingt anders, wenn sie kräftig geschlagen ist; eine Stimme anders, wenn sie geschrien oder geflüstert ist, etc. Selbst wenn durch Abnahme von Schallwandlern elektronisch die Möglichkeit einer Verstärkung besteht und in der Produktion von Musikstücken natürlich mit Kompressoren etc. die Dynamik eingeschränkt wird (zum Teil auch aufgrund technischer Aspekte) macht es doch für den Zuhörer einen gewaltigen Unterschied, ob laut oder leise gespielt wurde, selbst wenn gemessen beides den gleichen Pegel aufweist.
 
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Den Satz nur halb z zitieren verfälscht ihn. Tatsächlich habe ich geschrieben:

elektrisch regelbare und abmischbare Lautstärken, so dass der einzelne Musiker nicht zwingend damit "belastet" wird, seinen Beitrag hinsichtlich Lautstärke-Dynamik selbst zu gestalten.
Eine Trommel hat keine elektrisch regelbare Lautstärke und fällt nicht unter meine Aussage. Und natürlich
Dynamik wird allerdings auch noch durch andere Aspekte als Lautstärke (wie z.B. unterschiedliche Spielarten) erzeugt, was ich schon in vielen zeitgenössischen Notationen finde.
Als Synt-Maniac nenne ich einfach mal die manuell beeinflussbare Envelope von Lautstärke aber auch Frequenzgängen. Spiele ich eine Gitarrensaite mit den Fingerkuppen oder einen Plektrum mit zartem oder harten Anschlag beeinflusst natürlich nicht nur die Maximallautstärke des entsprechenden Tons.
 
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  • Ersteller
  • #10
Danke an alle für ihre Antworten zum Thema :great:

Interessant für mich der Beitrag von @McCoy der aufzeigt daß es doch ein sowohl als auch gibt. Will heißen auch in der Klassik gibt es Stücke ohne u. in der Pop(ular)musik Stücke mit Dynamikbezeichnungen.
Gleichwohl gilt für mich: Ausnahmen bestätigen die Regel. Bei den allermeisten Notensätzen in den Musikgenres in denen ich mich bewege, das sind Pop/Rock/Schlager, Country u. etwas Volksmusik sind keine Dynamikbezeichnungen vorgegeben.
Eine Ausnahme habe ich: Ein Notenheft POP PIANO BALLADS, BAND 2/Arr.: Gerhard Köbl, da sind Dynamikbez. vorgegeben. Meine Vermutung, für Klavier arrangiert, deshalb.
Ich gehe auch mit @soundmunich konform, daß in der >modernen< Musik z.B. Mischer, Volumenpedale usw. Verwendung finden (können).
Für mich praxisbezogen kann es dann nur heißen, ein Musikstück vom Original her betrachten/anhören und es wie bei mir am Keyboard versuchen dynamisch umzusetzen wie beispielsweise durch ein Volumenpedal.

Viele Grüße
Keysandmore
 
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  • #11
... Let the feeling flow... Selber die Stimmung interpretieren und nicht stur "ablesen" gibt ja auch "Freiheit"... Macht doch eh den Reiz des Musizierens aus. Die eigene Stimmung reinzuinterpretieren... Also ich brauche keine Dynamikvorzeichen, sondern versuche ein Stück "zu Fühlen"... Dabei kommt vielleicht was Anderes raus, als beim "Original"... Was soll's, ist halt meine Interpretation (o.k., habe auch nicht den Anspruch einer 100%-Coverband so klingen zu müssen, wie das Original)... Und es ist natürlich schon ein riesen Unterschied zwischen der selbst gespielten Dynamik (ob durch Spieltechnik oder Volumepedal) und dem Mixing eines Tontechnikers, wo es doch weniger um im Spielflow angewandte "sekündliche" Dynamikanpassung als um Anpassung im Gesamt-Bandkontext geht (Solo-Parts usw.). LG, Frank
 
  • Ersteller
  • #12
Ich gebe dir vollkommen Recht.
LET THE FEELING FLOW ... :biggrinB:

Grüße und ein schönes Wochenende
Keysandmore
 
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  • #13
Will heißen auch in der Klassik gibt es Stücke ohne <...> Dynamikbezeichnungen.
... die man aber nicht "undynamisch" spielt, sondern da gibt es eben die jeweilige Tradierung der musikalischen Praxis. (Vgl. die Diskussion über die "historisch [informiert]e Aufführungspraxis".) Auch im Folk etc.
 
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