[Effekt] - TC Electronic NDY-1 Nova Dynamics Kompressor

von disssa, 30.03.12.

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  1. disssa

    disssa Bass Mod Moderator HFU

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    Erstellt: 30.03.12   #1
    Einleitung

    Während meiner Bassistenzeit habe ich recht früh den Einsatz eines Kompressors für mich entdeckt und zu schätzen gelernt. Zuerst habe ich allerlei Kompressoren im Bodentreterformat getestet, dabei einige gute Geräte gefunden, ein paar waren eher nicht so dolle. Meistens störte mich die eingeschränkte Kontrolle, die einem über die Arbeitsweise des Kompressors bei den s.g. "OneKnob"-Kompressoren zur Verfügung stehen. Schließlich führte mich bei der Vervollständigung meines Racks die Suche nach einem (Rack-) Kompressor mit mehr Einstellungsmöglichkeiten zum TC Electronic Triple C. Dieser verlangt zwar aufgrund seiner vielfältigen Kontrollmöglichkeiten eine gewisse Einarbeitungszeit, die erzielbaren Ergebnisse sprechen dann aber für sich.

    Nun spiele ich ja nicht ausschließlich meine Racklösung, sondern auch recht gerne und häufig ein paar (Röhren-)Topteile, die tlw. zwar über gut arbeitende OnBoard-Kompressoren verfügen, die jedoch nicht zu 100% meinen Soundanforderungen genügen. Ebenso wollte ich bei gestellter Backline nicht auf einen wirkungsvollen Kompressor verzichten, aber den Triple C Kompressor wollte ich nicht auch noch schleppen müssen. Da ich auf mein Pedalboard nie verzichte, informierte ich mich über weitere Boden-Kompressoren, die o.g. Anforderungen entsprachen. Sehr bald sprach alles für den TC Electronic NDY-1.


    Das Gerät

    Anschlüsse: 2x Input (Klinke), 2x Output (Klinke)
    Stromversorgung: 12 Volt DC
    Abmaße: 130 x 130 x 55 mm
    Gewicht: 770 g


    Ansichten

    [​IMG]

    [​IMG]

    [​IMG]


    Konzept/Bedienung

    Der TC Electronic Kompressor wirkt aufgrund seiner Abmaße und seines Gewichtes sehr stattlich. Das Gehäuse ist ober- und unterseitig aus dickem Aluminiumblech, die Seitenteile aus Metall. Die Poti sind angenehm schwergängig. Insgesamt wirkt die Verarbeitung wertig und sehr robust. Alleinig die Angst, die Potis beim betätigen des Pedals zu treffen bleibt. Sinnvoller wäre die Anordnung von versenkbaren Potiknöpfen oder die Verwendung eines Schutzbügels gewesen.

    Der NDY-1 arbeitet mit einer automatischen Signalerkennung. Das heißt, dass durchaus unterschiedlich hohe Outputs von Bässen auf ein Level kalibiriert werden. Dies kann für jeden Kanal getrennt automatsich oder manuell vollzogen werden.


    Der NDY bietet die wesentlichen Einstellungsmöglichkeiten eines Kompressors/Noisegates:

    [​IMG]

    Ich werde nicht ausführlich auf die einzelnen Parameter eingehen, sondern nur im wesentlichen beschreiben. Ausführlichere Informationen findet man hier oder auch hier.

    Kompressionsparameter

    tresh
    Hiermit wird der Schwellenwert eingestellt, ab welchen der Kompressor eingreifen soll

    attack
    Hiermit wird die Anschwellzeit geregelt, in der das mit

    ratio
    eingestellte Kompressionsverhältnis erreicht wird. Mit

    level
    können Lautstärkeschwankungen ausgeglichen werden.


    Noisegateparameter

    thresh
    Fällt das Eingangssignal unter den mit tresh vorgegeben Level, wird das Noisegate aktiv

    attack
    gibt an, wie schnell das Noisegate öffnen soll, sobald der Eingangswert über den mit tresh eingestellten Wert liegt.

    damp
    regelt, wie stark das Eingangssignal abgeschwächt werden soll, sobald das Noisegate aktiv wird.

    rel
    regelt, wie schnell das Noisegate schließen soll, sobald der Eingangspegel unter den mit tresh eingestellten Wert fällt.


    Algorithmusauswahl

    Mit algorith kann zwischen drei verschiedenen Arbeitsweisen des Gerätes gewählt werden:

    studio
    Hierbei wird das Eingangssignal in drei Frequenzbänder aufgeteilt, welche unabhängig voneinander bearbeitet werden (Mehrbandkompression). Der Vorteil liegt darin, dass die "dominanteren" Bassfrequenzen nicht die Gesamtkompression bestimmen. Sie werden für sich "komprimiert" während die Mitten- und Höhenanteile, (bedarfsweise) weniger komprimiert werden. Das Ergebnis ist ein deutlich "frischerer" Sound, da so deutlichere Mitten und Höhen vorhanden bleiben und nicht "wegkomprimiert" werden. Die Trennfrequenz zwischen den drei Bändern kann nicht wie beim Triple C verändert werden. Ich nutze (fast) ausschließlich den Mehrband-Modus, da so eine effektive aber dennoch unauffällige Kompression erreicht wird.

    stomp
    In diesem Modus simuliert der NDY einen "normalen" quasi OneKnob Kompressor. Die Regelweiten der Potis sind deutlich enger, der Kompressor arbeitet viel deutlicher. In diesem Modus sind extremere Kompressionen bis hin zum "pumpen" möglich.

    n.gate
    Hiermit wird das o.g. Noisegate aktiviert.

    Die neunstellige LED-Anzeige zeigt im Kompressormodus die Kompression an, im Noisegatemodus die Abschwächung des Eingangssignals.


    Parallelkompression

    Eine weitere Besonderheit des NDY ist die Möglichkeit der "Parallelkompression". Das Eingangssignal wird gesplittet, ein Teil wird bearbeitet, ein Teil bleibt unbearbeitet. Mit dry/blend kann nun festgelegt werden, welchen Anteil das unbearbeitete Signal am Gesamt-Out haben soll. Hierbei können folgende "Mischungsverhältnisse" gewählt werden.

    off: keine Mischung
    min: 75% bearbeitet 25% unbearbeitet
    med: 50% bearbeitet 50% unbearbeitet
    max: 25% bearbeitet 75% unbearbeitet

    Sehr gut finde ich die med -Einstellung. Der Bass ist durchsetzungsfähig, besitzt aber immer noch genügend Dynamik.


    Einsatzmöglichkeiten

    Dem aufmerksamen Betrachter des ersten Fotos des NDY-1 wird aufgefallen sein, dass ich nur eine Hälfte des Kompressors/Noisegates beschrieben habe. Der NDY-1 beinhaltet zwei identische voneinander getrennt arbeitende "Engines". Es stehen dem Nutzer quasi zwei Kanäle zur Verfügung, die verschieden eingestellt werden können. So kann Engine A als Noisegate arbeiten und Engine B kann als Kompressor arbeiten, oder man kann zwei verschiedenen Kompressionseinstellungen aufrufen (A oder B). Mit A/B toggle kann man auswählen, ob beide Kanäle gleichzeitig arbeiten können, oder ob ich mit dem Schalter A oder B zwischen den beiden Kanälen wechseln will (entweder/oder).

    Der Kompressor kann wie folgt eingesetzt werden:

    [​IMG]
    Quelle: Manual NDY-1

    Das ist wohl die "gebräuchlichste" Einsatzmethode. Ich arbeite meistens mit aktivierten Kompressor (Channel A).

    [​IMG]
    Quelle: Manual NDY-1

    Interessant, nutze ich aber nicht. Das Eingangssignal wird in zwei Teile gesplittet, welche unabhängig in der jeweiligen Engine bearbeitet werden können. Man kann die Kanäle nicht durch betätigen des Schalters stumm schalten. Lediglich der/das Kompressor/Noisegate wird aktiviert.

    [​IMG]
    Quelle: Manual NDY-1

    Schon interessanter. Durch die o.g. Kalibrierung des Eingangssignal kann ich zwei im Output unterschiedliche Bässe an einem Amp betreiben, ohne beim Wechseln des Instruments den Master des Amps nachregeln zu müssen. Der NDY kann also als Y- Box eingesetzt werden, jedoch wird wie o.g. keiner der beiden Kanäle bei Deaktivierung stumm geschaltet.

    [​IMG]
    Quelle: Manual NDY-1

    Diese Methode habe ich noch nicht angewendet, da mir der Verkabelungsaufwand zu hoch ist.


    Fazit

    Mit dem TC Electronic NDY-1 habe ich einen (fast) gleichwertigen Ersatz für meinen geschätzten Triple C gefunden. Da Kompressoren für mich "immer an"-Effekte sind, lege ich großen Wert auf unverfälschten ("ungefärbten") Sound. Man kann sich darüber streiten, ob Kompressoren überhaupt Effekte sind, denn gut eingestellte Kompressoren, die lediglich die Dynamik des Sounds ein wenig glätten sollen, arbeiten recht unauffällig. Natürlich kann man einen Kompressor auch als "Effekt" einsetzen, indem man extremere Einstellungen wählt. Der NDY-1 kann beides.
    Leider wird dieses Gerät nicht mehr hergestellt. Auf dem Gebrauchtmarkt ist es aber recht häufig für einen Preis um die 100 Euro (Neupreis lag bei 300 Euro...) zu finden.


    Links

    Homepage des Herstellers
    Manual
     
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  2. Uli

    Uli Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 30.03.12   #2
    Ein informatives Review, gerade interessante Geräte, die nicht mehr hergestellt werden, gibts ja hier nicht so häufig! :)

    Die Bauform mit den theoretisch trittgefährdeten Potis ist wohl der gesamten TC-Linie geschuldet, wo man mit einem Gehäuse alle Geräte bedient. In der Praxis bin ich dabei noch nicht an die (ohnehin Gummi-beknopften) Potis gekommen, wahrscheinlich, weil ich eh immer runterschauen muß, wo der Schalter ist. Bei einem "immer an"-Effekt ist die Trittgefahr ja nochmal minimiert - aber ein Schutzbügel zumindest über der unteren Reihe wäre in der Tat schon nicht schlecht gewesen...

    Was mir persönlich an den TC-Geräten noch etwas mißfallen hat ist das Erfordernis für 12V Betriebsspannung. Nur deshalb habe ich mir letztlich ein Floorboard mit zwei Spannungen zulegen müssen, denn der gesamte Rest der Herstellerlandschaft kommt mit 9V aus und mir kann niemand erzählen, daß man die Schaltungen nicht auch auf 3V weniger hätte konzipieren können...:rolleyes:

    Die A-B Umschaltmöglichkeit zwischen zwei verschiedenen Konfigurationen ist mE auch ein gelegentlich recht nützliches Gimmick dieser Geräteserie und sowohl von der elektrischen als auch von der mechanischen Qualität sind die meisten TC-Geräte, die mir bisher untergekommen sind, im Vergleich sehr gut.

    Interessante Info, leider klappt das Sternchen gerade nicht wegen der Bewertungssperre...:o
     
  3. disssa

    disssa Threadersteller Bass Mod Moderator HFU

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    Erstellt: 30.03.12   #3
    Da ich ´ne Zeit lang viele, viele Effekte ausprobiert habe, habe ich mir schon recht früh ein "multifunktionales" Netzteil zugelegt. Momentan ist es ein T-Rex Chameleon. Daher habe ich beim Schreiben dieses Berichtes diesen Punkt nicht beachtet. Aber es stimmt. Es ist nervig, entweder mehrere Netzteile an den Start zu bringen (z.B. 18 Volt, 9 Volt, 12 Volt, und dann noch Gleichstrom oder Wechselstrom etc.), oder für ´nen Euro mehr sich ein o.g. Netzteil zuzulegen.

    Das die Potis so ein wenig schutzlos "da stehen" kann man wirklich (in meinem Falle) vernachlässigen. Ich habe es ja schon geschrieben: Ich trete selten drauf, noch funktioniert die Sehkraft und gaaanz so dunkel waren die Gig-Spelunken auch noch nicht. ;)
     
  4. Bl@ck

    Bl@ck Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.03.12   #4
    Mal wieder ein sehr informatives Review, was anderes sind wir ja nicht von dir gewohnt.
    Die Kalibrierung des Eingangssignals war mir bissher bei dem Kompressor noch nicht bekannt, also noch ein weiterer Grund sich den Kompressor mal anzuschaffen. Welche Einstellungen, mal abgesehen von der medEinstellung, bevorzugst du?

    Bei mir steht leider grad auch wieder "Du musst erst einige Beiträge anderer Benutzer bewertet haben, bevor du disssa erneut bewerten kannst".
     
  5. disssa

    disssa Threadersteller Bass Mod Moderator HFU

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    Erstellt: 02.04.12   #5
    Ich spiele den NDY hauptsächlich im Mehrband-Modus (Algorithmus: studio). Wie schon geschrieben bevorzuge ich das Fifty/Fifty Mischungsverhältnis zwischen dry/wet Signal (med) bei folgenden Kompressoreinstellungen:

    [​IMG]

    Der Kompressor liegt bei mir meistens zwischen Bass und den übrigen Effekten (OD/Chorus). Durch die Kalibrierung des Eingangssignals kann der NDY-1 sehr gut (schwächeren) Instrumenten-Level sowie höheren Line-Level verarbeiten.
     
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