[Effekt] VOX Tonelab SE

von Hideto, 18.11.07.

  1. Hideto

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    Erstellt: 18.11.07   #1
    Dies ist nun also auch mein Einstand in die Welt des Multi FX und Amp Modellings. Nachdem ich mich die letzten Tage recht intensiv mit dem gerät beschäftigt habe wollte ich nun auch meine Meinung zu diesem Gerät äußern.

    1. Verarbeitung und das Handbuch
    Ein Multieffekt Gerät für den Live Betrieb sollte nicht unbedingt aus Plastik sein und schnell brechen. Genau das dürfte beim Tonelab nie passieren. Das Gerät wirkt schon beinahe massiv und dürfte, neben Musik machen, auch gut zum Einschlagen von Türen und zum Erschlagen von Menschen geeignet sein. Aber auch Design technisch macht es was her: schickes Blau mit silbernen Fußschaltern, schwarzen Potis, einer roten LED Anzeige zum Stimmen oder der Anzeige der aktiven Bank sowie ein gut zu lesendes LCD Display. In der Mitte findet man eine Reihe silberner Potis und weitere LEDs für die Parameter der Effekte. Die beiden Expression Pedale passen nahtlos ins Restdesign. Oben auf dem Board trohnt auffällig sichtbar die Röhre der Valvetronix Schaltung.
    Auch das Handbuch ist wie ich finde gut gemacht. Die recht einfache Bedienung des Gerätes wird schnell und mit oft humorvollen Kommentaren abgehandelt, danach folgen detaillierte Auflistungen der modellierten Amps, Boxen und Effekte. Diese sind mit interessanten geschichtlichen Details über die Originale gespickt (natürlich ohne das der Original Name genannt wird), des weiteren werden die Neuerungen an den klassischen Amps erläutert (etwa die 3 Band Regelung des Fender Bassmanns oder die Mitten Regelung an einigen der VOX Geräten.). Leider fehlt dem Handbuch eine Auflistung was die Belegungen für das Expression Pedal eigentlich effektiv bewirken.

    2. Sound
    Nach dem, für mich als Neuling auf dem Gebiet, etwas komplizierten Prozesses des Anschließens war das Gerät schlussendlich Betriebsbereit. Ich machte einen ersten Soundcheck mit den Presets. Nicht schlecht was da aus meinem Triple XXX dröhnte: Blues, Jazz, Metal, Funk klang alles authentisch (soweit ich das beurteilen konnte). Mit ein bisschen rumprobieren konnte ich die Effekte schließlich mit dem eigenen Sound des Triple XXX mischen und verbrachte die nächsten 3 Stunden recht begeistert mit dem shreddern irgendwelcher Pentatonischen Licks, Riffs und Läufen und stellte mir vor wie das aufgedreht (oder noch mehr aufgedreht) Live wirken muss. Allerdings wurde bald die Ernüchterung groß: das Wah konnte nur mit dem normalen Sound nicht aber mit dem für Leads angeblasenen Amp verwendet werden. Außerdem klangen die mitgelieferten Wah Modelle weniger wie gewünscht.
    Die restlichen Effekte machen echt was her: Akkustik Simulator, Overdrives, Distortion, Booster, Compressor, Phaser, Rotary, Oktaver, Ring Modulator, Fuzz, U-Vibe, stellen die Pedale vor dem Amp dar.
    Das Herz des Gerätes macht aber die Amp Simulation aus: Die Geräte klingen stark unterschiedlich und zeigen deutlich welchem Original sie nachempfunden sind. Am besten gefallen haben mir hierbei der AC30TB, UK Modern, UK Blues sowie der Tweed 4x10.
    Für mich sehr wichtig war die Boxen Simulation. Meine Peavey Windsor 4x12 macht vom Sound jetzt nicht so viel her aber da sorgten die mitgelieferten CABs doch für großes Erstaunen! Sie gaben dem Sound mal mehr wärme, ließen ihn mal härter klingen, gaben mehr höhen, stärkeren Bass, klangen dumpfer oder heller. Alles in allem hatten sie einen starken Effekt auf den Sound. Zusätzlich konnten Presence (der für manche Amps anders verwendet wird) sowie ein Noisegate eingestellt werden.
    Nach der Vorstufe konnten einzelne Effekte eingebunden werden. So etwa unter dem Menüpunkt Modulation Dinge wie Duo Phase, Flanger, Chorus, Talk Mod, Filter, Delay, Pitch Shifter.
    Alles dabei aber für mich jetzt eine eher wenig interessante Kategorie. So klangen die Effekte teilweise zu krass und zu extrem. Es lassen sich sicher tolle Sachen damit machen aber nix was jetzt irgendwie in mein Musikbild passen.
    Die letzten 2 Bereiche der Klang Simulation sind Delay und Reverb. In beiden Bereichen hat man jeweils die Wahl zwischen allen erdenklichen Variationen der Effekte. Delay und Reverb fand ich sehr überzeugend und natürlich klingend. Sie gaben dem Sound etwas mehr Wärme und Klangfarbe und ließen sich (wie alle Effekte) von leicht bis völlig extrem einstellen.

    3. Bedienung
    Zur Bedienung lässt sich nicht viel sagen. Die zu simulierenden Modelle wählt man per Poti aus, darauf hin leuchten Dioden in der Mitte des Boards auf und zeigen an welche Parameter mit den Potis etwas weiter oben bearbeitet werden können. Alle Einstellungen werden dabei auch ohne die Betätigung des Buttons "write" gespeichert. Die einzelnen Parameter werden bei Betätigung des Potis auf dem LCD Display dargestellt. Die Kategorien und ihre Werte können aber auch alternativ durch die 4 Pfeiltasten unter dem LCD bearbeitet werden.
    Die Expression Pedale können per Schnellbelegung dem aktuell bearbeiteten Effekt zugewiesen werden (falls möglich), hierzu wird der Button "EXP1" oder "EXP2" für 1-2 Sekunden gedrückt halten danach müssen noch 2 Parameter bearbeitet werden. Dies funktioniert leider nicht mit jedem Effekt. Mit kurzem Druck auf Expression können die beiden Pedale nacheinander parametrisch bearbeitet werden. Mit Control kann ein Effekt dem "CONTROL" Schalter zugewiesen werden.
    Das Wechseln der Kanäle wirkt Anfangs erschlagend umfangreich geht aber bald schnell von der Hand: mit Bank wechselt man die Bänke und ein Druck auf einen der 4 Fußtaster wählt einen der Speicher aus. Anschließend wechselt man durch einen Druck auf FX ON/OFF zur Auswahl der einzel Effekte des Speichers. Mit A/B kann ein alternativer Verstärker umgeschaltet werden.
    Alle Kategorien an Effekten etc. besitzen einen leuchtenden Button unter sich. Ein Druck holt den Effekt/Amp zur Bearbeitung, ein weiterer Druck stellt ihn komplett ab. Der kleine Button Insert schaltet dann den Effektloop ein.
    Will man also die externe Verzerrung des Verstärkers nutzen. Drückt man 2 mal auf den Button für den Amp und stellt ihn damit ab, drückt Insert und fertig. Wahlweise kann auch die Boxensimulation auf diese Weise abgeschaltet werden.
    Das Tonelab beinhaltet auch ein Stimmgerät das über das kurze Gedrückthalten des FX ON/OFF Buttons aktiviert wird und sehr exakt ist.
    Auch die MIDI Schnittstelle lässt sich frei belegen, eine Funktion die ich aber nicht benutzte habe da der Triple XXX keine Midi Umschaltung unterstützt und ohne MIDI Schnittstelle am Computer konnte ich auch nicht mit der downloadbaren (aber sehr übersichtlichen) Software Sounds am Computer erstellen.

    4. Fazit
    Das Tonelab SE wirkt auf den ersten Blick verwirrend umfangreich, nach einiger Einarbeitszeit geht das kreieren eigener Sounds schnell von der Hand. Der Sound des Gerätes ist einfach klasse: druckvoll, satt und authentisch. Auch die Auswahl an Effekten ist immens und genauso umfangreich ist die Möglichkeit der Anpassung der einzelnen Effekte.
    Das Gerät ist mit seinen 2 Expression Pedalen, vielen Amps, Effekten, Boxen und Patches reich ausgestattet aber erspart sich eher unnütze Funktionen wie Synthie Effekte und co.
    Jedoch muss man dem Gerät einige Vorwürfe machen die recht unverständlich für ein Gerät dieser Preisklasse sind. So steckt man Compressor und Wah in eine Kategorie mit Verzerrer Pedalen was einen auf die Nutzung nur eines Effektes beschränkt. Ein Rätsel wieso man Compressor nicht wie das Noisegate separat einstellen kann und wieso man das Wah nicht als Option für die Expressionpedale eingebaut hat statt sie als Pedale einzubauen.
    Einen Punkt den ich bei Geräten in der Preisklasse von 400-500€ und in den Zeiten von DSL 16.000 und FULL HD Fernsehern nicht verstehen kann ist das man es irgendwie nicht gebacken bekommt die Geräte mit USB Schnittstelle auszurüsten um vielleicht endlich einen etwas komfortableren Weg zu haben Sounds vom PC zum Pedal zu schicken.

    Ich bin mir noch uneinig ob ich es behalten will (moralischen Angeboten wäre ich aber nicht abgeneigt).
     
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