Eignugsprüfung in Musik?

von Natschke, 05.08.05.

  1. Natschke

    Natschke Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.08.05   #1
    Hallo!
    Ich bin neu hier :)

    Ich beschäftige mich jetzt gerade mal wieder mehr mit der Musiktheorie (ansonsten bin ich eher der praktisch veranlagte Typ (ich singe und spiele auch instrumente)), da ich anfang September eine Eignungsprüfung für Musik an derUni Frankfurt habe!

    War von euch schon jemand mal dort oder hat an einem solchen Test teilgenommen und bestanden? Ich habe gehört, dass der Test sehr schwer sein soll (Die Prüfung wird wohl in 2x60min Theorie und 15 min Praxis unterteilt). Hab jetzt schon angst davor:er_what:

    Kann mir jmd. vllt. einen kleinen Tipp geben? :rolleyes: Was für Erfahrungen habt ihr?
    Wäre echt super
    LG, Natascha
     
  2. Bleecker Street Boogie

    Bleecker Street Boogie Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.08.05   #2
    Über Frankfurt kann ich nichts sagen. Außer, dass die Straßen dort sehr schlecht sind.

    An der Hanns Eisler in Berlin (jazz- und poporientierte Hochschule für Musik) werden für ein Instrumental- oder Gesangsstudium übermenschliche Kenntnisse des eigenen Instrumentes und sagen wir überdurchschnittlich fundamentale Kenntnisse des Klaviers benötigt. Theorie und Blattspiel sowieso.

    Die Prüfung läuft grob gesagt folgendermaßen ab: warten. Lange. Man ist aufgeregt, aber weil man so lange warten muss legt sich das. Trotzdem will man nicht so recht mit den anderen Kandidaten reden. Zum einen, weil man selbst schiss hat, zum andern, weil man das auch auf der Straße nicht tun würde, zum Dritten, weil man das sowieso noch nie in seinem Leben gemacht hat und zum Vierten, weil das irgendwie Feinde sind. Na ja. Aber irgendwann, nachdem man schon wirklich lange warten musste wird man müde und das bereitet einem Sorge. Und dann ist man wieder schrecklich aufgeregt.

    Und plötzlich muss man rein. Man muss drei Stücke auf seinem Instrument spielen und zeigen, dass man halbwegs talentiert ist, und wenn nicht, dass man als Ausgleich 8-10 Stunden täglich übt. Ein Stück ist frei gewählt, ein Stück wird vorgegeben und man muss es vom Blatt spielen und das Dritte hab ich vergessen. Man kann sich jemanden mitnehmen, der einen begleitet. Musikalisch, also zum Beispiel ein Bassist einen Schlagzeuger. Oder jemand anderen halt, wie man lustig ist.

    Dann kommt die Klaviergeschichte. Es werden Töne gespielt und man wird gefragt, ob man die Töne erkannt hat. Wenn ja, ist das nicht schlecht. Wenn nicht, halb so wild. Aber die dann abgeprüften Intervalle sollte man alle hören können. Und die "gespielte Theorie" auch. Die dudeln dann herum und mann muss sagen, was oder wie sie das spielen. Und zum Schluss muss man selbst Klavier spielen. Ich glaube, das ist das dritte erforderte Lied, aber ich weiß es nicht mehr. Und es ist schon nicht schlecht, wenn man sehr gut Klavierspielen kann.

    Wie lange das sein kann, na ja, das kann unterschiedlich sein. Sänger werden anders getestet als Instrumentalisten, aber alles in allem etwa 60 Minuten. Und drei Mal darf man die Prüfung absolvieren, danach ist der Wunsch Musik zu studieren in Deutschland für immer Wunsch geworden. Deswegen sollte man sich auch informieren, ob der Uni genügend Finanzmittel zur Verfügung stehen, dass sie auch ein paar Studenten aufzunehmen imstande ist, und nicht nur die auch so gemeinten ein Paar. Denn das ist bei der Hanns Eisler gerade der Fall. Viele wissen nicht, wie es um die Uni steht und fallen trotz hervorragender Leistung durch, weil die Uni sich deren Aufnahme nicht leisten kann. Doch sie ahnen nichts davon und denken, dass sie schlecht waren oder so, aber das war eben nicht der Fall. Und es kann passieren, dass man drei Mal durchgefallen wird, obwohl man an einer anderen Uni schon beim ersten Mal aufgenommen würde. Und würde es aus diesem Grunde passieren - das wäre echt schade. Ist eigentlich ein Skandal, aber Musikstudenten und potentielle Musikstudenten haben nunmal keine Lobby oder so, und sind auch nicht so sehr für die Presse interessant. Man muss schon selbst schauen, wo man bleibt. Außerdem sind die Prüfer mitunter echte Sadistenschweine. Könnte man sich gut als KZ-Wächter vorstellen. Aber das ist an anderen Unis hoffentlich und wahrscheinlich anders.

    Überhaupt ist es nicht von Nachteil ein Elitemusiker zu sein mit außergewöhnlichem Gehör und viel triniertem musikalischem Verständnis. Und es ist auch kein Fehler einen der angebotenen einjährigen Musikstudiumvorbereitungskursen zu belegen und sich echt intensiv auf die Prüfung vorzubereiten.

    Die Prüfung ist, so kommt es einem später vor, nicht so schwierig, wie man sie sich vorgestellt hat. Wenn man es kann. Aber dadurch, das es die vermutlich wichtigste Prüfung im bisherigen Leben war - vergleichbar eigentlich nur mit Nahtoderlebnissen - wird das zu einer unüberwindbar scheinenden Mauer, auf die man mit einer Geschwindigkeit zurast, bei der einem der Führerschein vermutlich lebenslang entzogen würde. Man ist sich dabei aber selbst der größte Feind. Und das ist Käse. Weil wenn man sich nicht selbst ein Bein stellt, dann klappt das schon. Es gibt genügend Studenten, die an sich selbst scheitern werden indem sie ihr Gedächtnis verlieren, die Kontrolle über den Enddarm verlieren oder in Ohnmacht fallen. Zumindest bei den ersten beiden Fälle stehen die Chancen nicht schlecht, dass man davon Zeuge wird. Ohne Scherz. Und anstatt sich dann noch mehr Panik einzureden muss man sich an derem Leid ergötzen und sich schadenfreudig ins Fäustchen lachen und sagen "ha! wieder ein Feind weniger!", weil sich ein weiterer Mitbewerber gerade selbst disqualifiziert hat. Und das gängige Phänomen der Prüfungsangst wird auf ihre eigene, unsichtbare Weise die meisten erfassen, von denen viele hängenbleiben werden. Frosch im Hals bei Sängern hat was.

    Bereite dich also seeeeehr gründlich vor und rede dir keine Panik ein. Weil bei denen, die völlig cool sind, klappt es komischerweise wie von alleine. Denn Gott ist den Dummen, den Betrunkenen und den Tüchtigen. Hmm, wäre natürlich auch eine witzige Vorstellung dort völlig betrunken zu erscheinen... ...aber am besten hilfst du dir selbst, dann hilft dir die ominöse Macht des Gottes der Selbstläufer. Wie am Schnürchen. Weil so schlimm ist das nicht, alles machbar und wenn man in seiner Vorbereitungszeit alles hundertfach geübt hat bis man anfängt schlafzuwandeln um um vier Uhr nachts Rachmaninov im elterlichen Schlafzimmer zu spielen - zu deren unbändiger Freude natürlich - dann gibt es während der Prüfung keine Überraschungen und sie kann mitunter sogar Spaß machen. Mach dich nicht selbst fertig. Bißchen Lampenfieber darf sein, aber mehr so wie Vorfreude, als ob du eine Gefangene des Warteraumes seist der dich daran hindert endlich in den Prüfungsraum zu stürzen. Und das ist der einzige Tag im Leben, an dem Gott beide Augen zudrückt und es nicht sanktioniert, wenn man schadenfreudig ist. Aber er fände es sicherlich nicht schlecht, wenn man den anderen viel Glück wünschen würde.

    Viel Glück!
     
  3. Natschke

    Natschke Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.08.05   #3
    Danke für deine Informationen :)

    Ich werde jetzt fleißig lernen, bloß dass Problem ist eben, dass ich wahrscheinlich nicht zu den "Begabten" gehöre, die gesucht werden! Ich interessiere mich schon immer für Musik, aber eher im gesanglichen Bereich.. deswegen habe ich auch noch nie was von Musikdiktt gehört und kann mir in dem Monat die ich zeit zum lernen habe (mehr lässt man uns nicht) auch nicht mehr lernen wie sich was für ein Dreiklang oder Intervalle anhören: Hab auch kein Klavier daheim um das überhaupt zu üben :o

    Ich werds aber auf jeden Fall versuchen und ich hoffe ich kann die Leute bei derPraxisprüfung überzeugen und ihnen zeige, wie wichtig mir das ist!

    Danke nochmal^^

    LG, Natascha